Indiana Tribüne, Volume 28, Number 230, Indianapolis, Marion County, 20 May 1905 — Page 5
Jndiana Tribüne, 20. Mai 1005.
Teossx.sang.
Von Maurice von Ttern. Nun geh'n die Wasser rauschend nieder, Ein Lispeln wcht durch Busch und Ried. Im Walde lacht der Haber wieder. Und auch die Trosse! probt ihr Lied. Tu fühln der Sehnsucht Pulse klopfen: Tcr holde Ton ist dir bekannt. Es fällt in schluchzend süßen Tropfen Wie Hcrzweh in das dunkle Land. In stockenden, pcbroch'nen Lauten Perlt es hinab vom Giebeldach. Und Antwort aibt mit seinem trauten Gcmurmcl nur der nahe Bach. Und Bach und Ktogel reden leise Und traumhast von des Herzens Drang. $bii tünder dir des Botels Weise, Ihn hörst du in dem Wasserklang. Wenn schon das nolbiae Erröthcn Tes AoendS im Geäst verglomm. Tönt lange noch des Bogels Flöten, Eo selbstvergessen, gut und fromm. Und endlich wird es still. Und lauschen Mutzt du nur noch dcS Bachs Gebet: Tem glückvcrsunk'nen, ew'gen Rauschen, $tis mit dem Frühling wandern geht. Der Feuerzng-Helser. eldengeschichte aus einem Wisconsiner Waldbrand. Von E. W. 1. Ein großer Volkshaufe umstand den langen Bahnzug auf dem Hauptgeleise zu Brancheville, und an den ängstli chen Gesichtern Vieler war zu erkennen. daß nicht alle die Neugierde herbeigelockt hatte! TerZug war der sogenannte Feuerzug, und er hatte eine gefährliche Mission vor sich; denn er sollte eine Wettfahrt mit dem Flammendämon unternehmen und die Bevölkerung eines Ortes, welcher unmittelbar von einem Waldbrand bedroht war. in Sicherheit bringen wenn es noch möglich war. .Wenn sich das Dampfroß nur bald in Bewegung setzte!" Dies war der Herzenswunsch Aller, die irgend welche Lieben in der Ansiedelung Stone Vrcok hatten, und das waren nicht Wenige. Allem Anschein nach bef.inoen sich jene Ansiedler bereits in verzweifelter Lage; denn sie hatten ein inhaltsschweres Telegramm gesandt, welches kurz und bündig lautete: Feuer umzingelt uns! Schickt sofort Hilfe! Werden vor Nacht abgeschnitten sein!" So wurde denn ein Extrazug von nahezu einem Dutzend Waggons zusammengestellt, was ein sehr ungewohnliches Ereigniß in Brancheville war. Aber nur d?e nothwendige Bedienungsmannschas war zum Mitfahren bestimmt, und Jeder dieser wußte, daß er sein Leben in die Hand nahm! Denn man mußte darauf gefaßt sein, sich durch eine mehr oder minder breite Feuerzone durchschlagen zu müssen, sozusagen feurige Spießluthen zu laufen. Wird das Wagniß gelingen? Tausend oder mehr Menschen erörterten diese Frage, und bei aller ihrer Besorgniß hätten nur sehr Wenige derselben Lust gehabt, die Hollenrächen - Blitzfahrt" mitzumachen, auch wenn man es ihnen gestattet hätte. Selbst im Krieg hätten sich wohl nicht viele Freiwillige für eine solche Aufgäbe gefunden. Der Große Meik". der hünenhafte Lokomotivführer", fühlte die Wichtigkeit seiner verwogenen Mission voll und ganz, und er schnaubte herum, wie ein Seelöwe in seinemElement. Furcht stand in seinem Wörterbuch nicht; aber wer wollte es ihm verdenken, daß er so aufgeregt war, wie ein gewisser ruf sischer Admiral auf der Nordsee? Soeben wechselte er einige Worte mit seinem Heizer, als ein Junge von etwa sechzehn Jahren unmittelbar auf uie Lokomotive zugelaufen kam. Sein Gesicht war todtenblatz. aber feine Haltung war stramm. Sind Sie der Lokomotivfühin, welcher mit dem Feuerzug ausfahren foll?" frug er Meik. Jawohl, ich werde ihn durchbrinaen oderNiemand," antwortete dieser siirnrunzelnd. Tann, mein Herr, seien Sie doch so gut und lassen Sie mich mitfahren," flehte der Junge. Meik riß die Augen weit auf. .Was fällt Dir ein?" erwiderte er, einen Jungen zu einer Fahrt auf Leben und Tod mitzunehmen. ich werde mich hüten! Wir könnten hochftens Männer gebrauchen, mein Sohn, und ungewöhnlich tapfere Männer müßten es sein." Ich weiß nicht, ob ich tapfer genug bin." sagte der Knabe weiter; aber ich verspreche Ihnen, ganz ruhig zu bleiden, und will Ihnen ganz gewiß nicht im Wege sein. Nehmen Sie mich mit. ich bitte Sie, hier hält's mich nicht mehr!" Geht nicht, mein Junge; kann's mit dem besten Willen nicht thun; Keiner von uns weiß, ob er lebendig zurückkommt." O Gott, o Gott, was wird meine arme Mutter " dem Jungen liefen die Thränen die Wangen herab, und er wandte sein Antlitz weg, um sie zu verbergen. Wo ist denn Deine Mutter?" fragte der Lokomotivführer. ..Dort, dort ist sie in Stone Brook!" antwortete der Junge stöhnend. Meik, der ebenso weichherzig, wie start war, mußte laut husten, ehe er eine Antwort geben konnte. Nun, mein Sohn," sagte er dann, .ich werde sie in Deine Arme zurückbringen, wenn irgend ein Mensch es
kann! Und kommen wir nicht durch, so werden wir eben alle miteinander umkommen; es wird ein Heldentod sein. Aber für Kinder ist das nichts, wenn ich auch gern glauben will, daß Du einmal ein wackerer Kerl wirst." In diesem Augenblick kam der Condukteur auf dem Perron herangelaufcn, und Meik kletterte vom Dampfroß lerab, um die erwartete Neuigkeit zu hören. Eben wieder ein Telegramm von Stone Brook gekommen," sagte der Kondukteur erregt, und es meldet, daß das Feuer jetzt schon beinahe an dem Ort ist, und in fünf Stunden wird Alles vorüber sein. Arme Menschenkinder!" Tann wollen wir sofort abfohren," sagte Meik, und es wird eine Blitzfahrt werden, wie ich noch niemals auf einem Ueberland-Erpreßzug eine gemacht habe. Ist Alles fertig?" Jawohl. Nur losgeschossen!" Der Condukteur schwenkte mit der Hand, und Meik ließ drei schrille Pfiffe von der Lokomotive ertönen, zum Zeichen, daß die VerzweiflungsWettfahrt jetzt wirklich beginne. Mit verhaltenem Athem sah die Volksmenge den Feuerzug davonsausen; manches stille Gebet wurde ihm nachgesandt .... 2. Mit einer Schnelligkeit von mindestens sechzig Meilen die Stunde raste das Dampfroß dahin, als der Zug die Region des brennenden Holzschlages zu erreichen begann. Jetzt hub der Kampf an. Zuerst waren nur vereinzelteRauchWolken zu sehen, gleich den Vorposten des Ieuerdämons; dann führte der Wind Feuerbrände und Funken in immer dichteren Haufen heran und über den Zug und seine Bemannung, und endlich schössen von allen Seiten Flammenmassen von den Bäumen empor! Unerträglich wurde die Hitze und steigerte sich noch immer meh: und von unzähligen rothen Zungen drohte das Verderben; immer unHeimlicher wurde das Getöse. Schon war jeder Theil des Eisenwertes an der Lokomotive glühendheiß. Der Lokomotivführer und fein Heizer rangen nach Athem und fürchteten jeden Augenblick, zu ersticken; denn die Luft war beinahe nicht mehr athembar! Die beiden starken Männer fühlten sich völlig hilflos. So schnell der Zug auch weiterraste, so schien doch jede Sekunde in diesem Höllenrachen eine Ewigkeit. Meik versuchte, die Entfernungen zu berechnen, aber das war ein eitles Unterfangen! So oft er auch schon durch diese Gegend gefahren war, jetzt war sie ihm völlig fremd. Kein einziges Wahrzeichen konnte er bemerken. an welchem er sich hätte orientiren können. In dumpfer Verzweiflung blickte er über das feurige Land, und er fühlte, daß seine Kräfte nicht mehr viel länger die schreckliche Anspannung aushalten könnten. Ta borte er ein kurzes Stöhnen zu seiner Seite, und als er sich umwandte, sah er seinen Heizer ohnmächtig zu Boden jinken! . Jetzt geht's zu Ende," murmelte er, ich kann unmöglich auch noch das Feuer im Gang erhalten." Freilich war der Condukteur wohl noch da. Meik versuchte, die Leine anzuziehen, welche von der Lokomotive nach dem Zuge geht, aber das Feuer hatte sie schon zu Stücken verbrannt. Er schrie, so laut er konnte, dem Condukteur zu, aber vergeblich; er konnte auch kaum erwarten, daß in dem Donnern und Prasseln desFlammenmeercs seine Stimme sich vernehmbar machen könnte, wenn sie auch in der erregtesten Volksversammlung stark genug gewesen wäre! In diesem Augenblick aber ereignete sick etwas, das ihn noch mehr überraschte und verwunderte, als wenn der Con'!teur aufgetaucht oder der Heizer wieder aufgesprungen wäre. Der eiserne Teckel des Wasserbehälters bewegte sich plötzlich, bis er ganz aufrecht stand. und ein Gesicht tauchte aus der Oeffnung empor, das blasse Gesicht eines Jungen. Meik traute seinen Augen kaum, als er das Bürschlein wieder erkannte, welches so inständig, aber vergeblich, ihn angefleht hatte, ihn nach Stone Br5ok mitzunehmen. Um's Himmels willen, wie bist Du denn hierher gekommen?" fragte er keuchend. Ich bin hereingekrochen, als Sre am Bahnhof absprangen und auf den Condukteur zugingen," antwortete der Junge; Sie wollten mich ja nicht mitgehen lassen, und meine Mutter war in Todesgefahr. Na, da Du doch einmal hier bist, magst Tu mir vielleicht etwas Hilfe leisten. Kannst Du Kohlen schausein?" Ja, gewiß." Im nächsten Augenblick war der Junge aus dem Wasserbehälter geschlüpft, und alsbald schwang er die Kohlenschaufel mit so guter Wirkung, daß das Feuer heller brannte, als je zuvor. Meik sah schon jetzt, daß er den Jungen unterschätzt hatte. Er wünschte jetzt sehr, daß er noch ein paar solcher Gehilfen hätte wäre es auch nur der Ablösung wegen. Ist es kühl in dem Wasserbecken?" fragte er, einen sehnsüchtigen Blick nach der Oeffnung werfend. Ja, viel kühler, als es hier außen ijt." erwiderte der Knabe.
viun, so gehe wieder hinein, bts !ä) mehr Kohlen gebrauche," gebot der Lokomotivführer; ich werde Dich ru fen, sobalo es Zeit ist. Wie heißt Du?" Bertie nennt mich die Mutter." Behende schwang sich der neue Hei fer wieder in sein kühleres Versteck zurück; ehe er aber die Oeffnung wieder schloß, versäumte er nicht, einen Eimer Wasser über den niedergestreckten Heizer und einen anderen über Meik zu schütten. Gut gemacht," rief der Lokomotivführer aus und schüttelte sich vor Vergnügen, während das Wasser sein Gesicht und besonders seine versengten Augenbrauen, die ihn recht schmerzten, wenigstens zeitweilig kühlte. Noch verschiedene Male hob der Junge den Deckel des Wasserbehälters auf und wendete diese Erfrischung auf's Neue an. Aber selbst das Wasser da drinnen wurde immer wärmer und wollte nur wcnigErquickung mehr bringen! Die Wassermenge durfte auch nicht zu sehr vermindert werden. Unaufhörlich strömte der Feuermoloch seinen aiftigen Athem aus. Meik, der sich so viel zugetraut, begann, schwindelig und ohnmächtig zu werden. Er fühlte, daß er jeden Augenblick gleichfalls niederstürzen konnte. Noch halb bewußt, rief er nach Bertie um Beistand. Dieser öffnete den Behälter, um zu sehen, ob der Lokomotivführer mehr Wasser brauche. Es stand schlimmer, als er gedacht ja, der kritischste Augenblick kam! Der Lokomotivführer war von Hitze und Rauch überwältigt, und obwohl er noch aufrecht saß, mit der Hand am Hebel, hatte ihn das Bewußtsein verlassen. Im selben Moment, als Bertie aus den Behälter sprang, fiel Meik rücklings zu Boden, und bei feinem Fallen sperrte er auch mechanisch den Dampf ab. Schon verlangsamte sich das Dampfroß; es war zu erwarten, daß der Zug demnächst zum Halten kommen würde, und das war das Entsetzlichste, was in dieser Feuerwüste passiren konnte, denn dann war der Zug und Alles verloren! Das kam Bertie zum klaren Bewußtsein; aber er verlor die Geistesgegenwart nicht, und es gelang ihm auch jetzt, über die fürchterliche Situation hinwegzukommen. Nur eine Minute brauchte er, um in das Cab zu klettern und das Ventil weit zu öffnen. Nach einigen Minuten raste die Lokomotive schneller, als je zuvor, dahin; sie hatte eine Geschwindigkeit von beinahe siebzig Meilen für die Stunde erreicht. Aber wird Bertie aushalten können? Er war die letzte Trumpfkarte in diesem verwegenen Spiel. Inbrünstig flehte er zum Himmel, ihm Stärke zu verleihen. Er wußte, das sein eigenes Leben, das Leben seiner lieben Mutter und das von Hunderten Anderer jetzt ganz von ihm abhing. von seinem guten Glück. Auch wußte er, daß sie bald in Stone Brook sein mußten: wenigstens hatte er Meik dies sagen hören. Wenn er sich nur noch ein Bischen in dem ungleichen Kampf behaupten könnte, den Lokomotivführer und Heizer zugleich spielend! Aber das erschien zweifelhaft genüg. Wie lange noch? Wie lange noch?" keuchte er wiederholt. Doch nichts antwortete, als das Donnern der Flammenmasse, und stumm schien der Himmel zu fein. ,.O Gott, jetzt kann ich es nicht mehr aushalten!" murmelte Bertie, als er auch seine Kräfte nachlassen fühlte, o hilf noch ein wenig meiner Mutter uno mir!" Auf's Neue sich mit aller Willensstärke wappnend, blickte er mit der größten Spannung vor sich durch Rauch und Feuer und ein Freudenschrei entfuhr ihm! Er hatte einen Augenblick bemerken können, daß das Ende der Feuerzone nicht mehr weit war. Ich bin beinahe beinahe durch," rief er. Gott sei Dank! Jetzt noch eine letzte Anspannung!" Wirklich verließ nach einigen Augenblicken der Siebzigmeilen - Hilfszug das Feuergebiet und fuhr siegreich in eine neue Welt ein, wo wenigstens nicht mehr Flammenwogen und blendender, stickiger Rauch das Leben zur Höllenqual machten. Als Bertie sich den Rauch aus den Augen rieb und helleren Blickes in die Weite schaute, hüpfte sein Herz vor Freude: denn jetzt erst sah er, daß die Schlacht auf der ganzen Linie gewonnen war; die Hilfe war nicht zu spät gekommen. Ein weiter gelichteter Raum im Walde zeigte das kleine Dorf Stone Brook, und auf dem Perron desBahnHofes waren 300 besorgte, erschreckte, aber dankbare Menschenkinder versammelt, vollständig zur Abreise bereit denn das Dorf selber mußte schon seinem Schicksal überlassen werden. Als die Sonne sich vor seinen Augen entrollte, sperrte der Junge den Dampf ab, und bald war der schwere Zug zum Stillstand gekommen. In gespanntesterErwartung sprang der Helfer, dessen Amt vorläufig zu Ende war, auf die Seite des Cabs unmittelbar neben dem Perron, und alsbald hatte er im Volkshaufen das geliebte Gesicht erspäht, das er suchte. Mutter. Mutter!" rief er, tch bin hier, sei unbesorgt!" Gott segne Dich, Bertie," antwortete eine Frauenstimme. ' tm -
Aver erile hörte drese Worre kaum noch; seine Kraft, die so wundervoll ausgehalten, so lange es erforderlich war, verließ ihn jetzt wirklich; er taumelte wie ein Betrunkener, und gerade als Beistand kam, sank er ohnmächtig nieder. Bald war für das Nöthigste gesorgt und der Feuerzug dampfte mit der ganzen Bevölkerung davon. Seine Bemannung war wieder auf dem Damm. Am andern Tag wurde Bertie's That weithin telegraphirt, und die Zeitungen des ganzen Landes konnten davon erzählen, wie ein Junge von sechzehn Jahren als freiwilliger Feuerzug - Helfer den Kampf mit einem der schlimmsten Waldbrände bestanden, oen ug vurcn ein Flammenmeer glücklich nach seinem Bestimmungsort Fracht und 500 Menschenleben gerenet habe. Aber Bertie hatte eine weit größere Genugthuung als diesen Ruhm! Er hätte wohl eine glänzende Laufbahn im Eisenbahndienst machen können, aber er hat sich nicht für diese Berufssphäre entschieden, seine Mutter hätte es auch nicht gern gesehen, und das war ihm vielleicht maßgebender als alles Andere. Schließlich kann der Mensch in jeder Sphäre ein Held sein, wenn er das Zeug dazu in sich hat, und auch Bertie bewies dies noch manches Mal.
Denkwürdige Schillerfest-Toaste. Bei dem ersten Schillerfest in Breslau, am 10. November 1835, brachte Hoffmann von Fallersleben, damals Professor.an der dortigen Universität, folgenden originellen Toast aus: Es leben die Philister, Ihre Gevattern und Geschwister! Die Poeten verachten, Moneten betrachten, Die Luchser, die Muckser, Die Pfennigfuchser, Die Linsenleser Und Zinsenzähler, Die Couponsschneider Und Hungerleider, Die,wo and're vor Freude weinen, Gleich mit dem Regenschirm erscheinen, Und wo die Freude droht einzuschlagen, Den Blitzableiter in der Tasche tragen. Die den Teufel scheuen, Und sich wie Teufel freuen. Die nicht mehr mit dem Zopfe prangen Und doch an dem Zopfe hangen, Die Pantoffelgedrückten, ttartoffelentzückten Wasser - Verprasser. Die sich mit der Schlinge der Mäßigkeit schnüren Und doch die Klinge der Gefräßigkeit führen. Die in lauter Formen und Normen sich bewegen, In lauter Schmiegen und Biegen sich regen, Die auf dem Stuhle des Schlendrians sitzen Und in der Schule des Bocksbeutels schwitzen. Es leben die Philister, Ihre Gevattern und Geschwister! Denn Wenn Die Philister nicht mehr leben, So wird es auch keine Poeten mehr geden!" Zur hundertjährigen Geburtstagsfeier Schillers fand 1839 in Braunschweig eine Festlichkeit statt, bei der sich auch der durch seine Dramen und Novellen sowie durch geistreiche Improvisationen bekannte Schriftsteller Robert Griepenkerl befand. Nachdem das Andenken Schillers in verschiedenen langen Reden gefeiert worden war, wurde Griepenkerl aufgefordert, Schillrs in einem gereimten Trinkspruch zu gedenken. Griepenkerl erhob sich, nahm sein volles Glas zur Hand und sprach mit warmer Begeisterung: Der Du sanoest für Aeonen: Seid umschlungen Millionen, Diesen Kuß der ganzen Welt!" Bruder über'm Sternenzelt, Heute gibt die ganze Welt Dir in einem Augenblick Jauchzend Deinen Kuß zurück!" Gin merkwraer Siratzenbah. wagen. Wir sitzen so erzählt ein Leser einer Berliner Zeitung in einem der westlichen Wiener Cafes" von Berlin. Am Nebentisch hat ein junger Mann Platz genommen, der mit einem Handkoffer bewaffnet, unschwer als soeben zugereist kenntlich ist. Vermuthlich ist er aus dem Bahnhof Charlottenburg angekommen und will stch noch erst durch einen Imbiß kräftigen. Schließlich bezahlt er die Zech: und fragt dann den Kellner in unverfälschtem Dialekt, wie er am besten nach Schöncberg komme. Da ihm der Kellner nicht recht Bescheid zu sagen weiß, mischen wir uns in die Unterhaltung urjd erklären ihm, er gehe am besten nach der Joachimsthaler Straße und fahre von dort aus mit der nach Steglitz verkehrenden V-Bahn, die mit einer grünen Laterne versehen ist. Der Sachse bedankt sich höflichst, ergreift seinen Koffer und sagt vor sich hin: Also die N-Bahn, die eine grüne Latcrne hat!" Dann geht er hinaus, um in der Thür noch einmal umzukehren und fragend sich an uns zu wenden: Ach. verzeihen Sie gietigst! Se meenen docb wodl die weecke V.Babu.S"
Mauerlililmchen.
Skizze von H. Stephan. Else Ruthardt machte sich schon seit ihrer Backfischzeit nicht viel aus Bällen und Kränzchen obwohl ihr das Tanzen an und für sich ein großes Vergnügen war ; denn sie brachte von solchen Abenden nur Aerger und Enttäuschung heim. Das hatte bereits in der Tanzstunde angefangen; sie blieb sitzen, während man die Freundinnen von ihrer Seite weg engagirte. Dabei konnte man Else durchaus nicht häßlich nennen, aber sie verstand eben, wie die Mutter oft vorwurfsvoll klagte, so gar nicht, etwas aus sich zu machen". Ihr blasses, feines Geficht, die zierliche Gestalt in geschmackvollem, aber stets einfachem Anzug verschwanden neben anderen, glänzenderen Erscheinungen. Daß sich Else nun doch heute wieder einmal in einem lichtstrahlenden Tanzsaal befand, hatte seine besonde-r-n Gründe. Die Angestellten des großen Bureaus, in dem sie seit kurzem arbeitete, veranstalteten jährlich eine Tanzfestlichkeit, und es geschah selten, daß sich jemand ohne besonderen Grund davon ausschloß. Die Colleginnen hatten ihr lebhaft zugeredet, auch theilzunehmen, aber sie hätte sich doch wohl kaum dazu entschlössen, wenn nicht zwei braune Augen gewesen wären und eine freundliche Stimme, die sagte: Wie, Sie wollen nicht kommen, Fräulein Ruthardt? Wie schade! Und ich hatte mich schon ordentlich darauf gefreut, mit Ihnen zu tanzen." Sie hatte ihn gleich vom ersten Tage an gern gehabt, den jungen Collegen, der sie so bereitwillig in die Pflichten ihres neuer Amtes eingeführt hatte, der nie die Geduld verlor, wenn es galt, etwas Schwieriges auseinanderzusetzen und zwei-, dreimal zu wiederholen, wenn sie die Sache nicht gleich richtig erfaßte. Und als er gelegentlich einen Fehler, den sie gemacht, auf sich nahm, um ihr eine Rüge zu ersparen, da 5oar neben der Dankbarkeit noch ein wärmeres Gefühl für ihn in ihr erwacht, und sie hatte im Stillen gewünscht, ihm auch außerhalb des Dienstes einmal zu begegnen. Nun bot ihr das Fest so unverhofft diese Gelegenheit, sie konnte der Lockung nicht wiederstehen, und es war ihr zumuthe, als würde sie sich auf diesem Ball besser unterhalten als auf allen früheren. Einstweilen schien es allerdings, als sei wenig Aussicht dazu vorhanden. DiePolonaise hatte sie mit dem jungen Bruder einer Collegin getanzt, war auch von verschiedenen Bekannten aus dem Bureau freundlich begrüßt, dann aber sich felbst überlassen worden, und so hatte sie sich in eine stille Ecke zurückgezogen, klappte ihren Fächer auf und zu und sah ziemlich theilnahmlos hinein in das Durcheinander von Flit tern und Spitzen, weißen oder weniger weißen Armen und Schultern, die manchmal sich der schützenden Umhüllung besser nicht so ganz entzogen hätten. Von ihm, um dessentwillen sie eigentlich nur hier war, konnte sie keine Spur entdecken. Jetzt begann die Musik wieder, in wiegendem Walzertakt, und zwei reizende. junge Mädchen in rosa Tüllkleidern, Heckenrosen in den Haaren, die sich eben in ihre Nähe gesetzt hatten, sprangen wie elektrisirt empor. Ach, Menuettwalzer, Grete. hör' doch!" sagte die eine. Und nun sind wir gerade hier hinten, wo doch sicherlich kein Mensch uns findet, wie schade!" "Ich sttze hier, ich sitze hier, und keiner kommt und tanzt mit mir!" spottete die andere lachend. Siehst du wohl, das kommt davon, warum hast du auch" hier stockte sie plötzlich und sah einem jungen, schlanken Mann entgegen, der quer durch den Saal auf sie zukam. Else zuckte zusammen, und eine heiße Blutwelle stieg ihr in's Gesicht. Er war es, sie hatte ihn schon von weitem erkannt; kam er zu ihr? Zitternd vor Erwartung senkte sie den Kopf und knöpfte an ihren Handschuhen ja, jetzt stand er bei ihr und sagte vorwurfsvoll: Wo stecken Sie denn, Fräulein Ruthardt? Ich suche schon eine ganze Weilt nach Ihnen!" Sie schlug die Augen zu ihm auf und lächelte ihn an. Ich bin ja doch Mauerblümchen, ob ich nun hier sitze oder anderswo," erwiderte sie mit einem leichten Zucken um den Mund. Ach, warum nicht gar! Heut' sollen Sie tüchtig tanzen! Wollen wir gleich anfangen?" Aber sie mußte für diesmal ablehnen, sie hatte fo lange keinen Ball mehr besucht und kannte daher die neueren Tänze nicht. Ich auch nur vom Zusehen!" antwortete lachend. Dann setzen wir uns vielleicht hier in's Nebenzimmer und plaudern ein bischen?" Sie war gern dazu bereit, und fo saßen sie denn bald gemüthlich zusammen in einer Ecke des behaglich ausgestatteten kleinen Raumes. Er erzählte ihr allerhand Intimes aus dem Bureau, unter anderm auch, daß der jetzige Abtheilungsvorsteher fortginge und er selbst Aussicht habe, diese Stellung zu erhalten. Dann sprach er von seiner schönen, stillen Heimath in Thüringen, die er so gern
einmal wiedersehen möchte. Zufällig kannte sie den kleinen Ort, den sie vor Jahren mit der Mutter während einer kurzen Urlaubreise besucht hatte, und es war ordentlich rührend, wie er sich freute, mit ihr davon reden zu können. Sie waren so vertieft, daß sie das Aufhören der Musik gar nicht bemerkt hatten. Jetzt setzte sie mit einer schmetternden Fanfare wieder ein, und die Paare stellten sich zum Konter auf. Heut brauchte Else nicht in Sorge zu fein um einen Tänzer ein fragender Blick von ihm, den sie mit lächelndem Kopfnicken beantwortete, und Arm in Arm betraten sie den Saal. Else wurde es sehr schwer, aufzupassen, sie machte Fehler über Fehler und brachte fast jede Tour in Unordnung, was ihr verschiedentlich mißbilligende Blicke eintrug. Besonders eines der beiden jungen Mädchen, de ren Unterhaltung sie vorhin mit angc hört hatte und das in ihrer Nähe stand, sah oft mit finsterem Gesicht zu ihr hinüber, aber das konnte sie heut' alles nicht anfechten. Sie war so vergnügt und glücklich wie noch nie in ihrem Leben. Jetzt erst fühlte sie, wie von Herzen gut sie ihrem Tänzer war, und daß auch sie ihm gefiel, daran konnte sie doch kaum mehr zweifeln! Er tanzte fast ausschließlich mit ihr; war sie ermüdet, so setzte er sich an ihre Seite, und sie wußte kaum, was sie lieber that: sich nach dem Takte der Musik in seinem Arm zu wiegen oder Über ernste und lustige Sachen mit ihm zu plaudern. Jetzt sollten auf der kleinen Bühne allerhand Vorträge stattfinden, bei denen auch er mitzuwirken hatte, und er führte sie in eine Loge auf der Galerie, von der aus sie alles gut übersehen konnte. Aber die Ausführungen hatten kein großes Interesse für sie; sie lehnte den Kops zurück, schloß die Augen und durchlebte noch einmal die verflossenen, fo unendlich schönen Stunden. Von unten tönte eine weiche, liebliche Melodie zu ihr hinauf; sie beugte sich vor und sah am Klavier den, bei dem eben ihre Gedanken verweilt hatten, und neben ihm stand das braunlockige Mädchen im rosa ftlcid, das vorhin beim Konter so böse auf sie geWesen war. Sie hätte dem reizenden Geschöpf mit den Schelmenaugen so viel Innigkeit des Ausdrucks gar nicht zugetraut, und seltsam bewegten sie die Worte des einfachen Liedes, das sie sang: Einsame Rose, blühst so verlassen, Mußt hier im Thale stille verblassen! Hat denn kein Knabe deiner begehr: Hielt denn kein Wanderer Pflückens dich werth? Rauschender Beifall belohnte die junge Sängerin; dann wurde Schluß der Vorträge und Beginn der Kaffeepause verkündet. Else erhob sich, um wieder in den Saal hinunterzugehen; sie schritt die Galerie entlang, mußte aber wohl eine falsche Richtung eingeschlagen haben, denn sie gelangte in einen matt erhellten Gang, -an dessen End? eine Thür die Aufschrift trug: Zur Bühne." Eben wollte sie wieder umkehren, als die Thür aufging und ein junges Paar heraustrat, das, ohne sie zu bemerken, an ihr vorbeiging. Else hatte die beiden sofort erkannt jetzt blieben sie unweit von ihr stehen, und sie hörte eine weiche, thränenerstickte Stimme: Ach, Heinz, wie kanntest du mir das nur anthun, dich so den ganzen Abend nicht um mich zu kümmern? Ich hatte dich gestern doch bloß zum Spaß ein bischen ärgern wollen! Und immer, immer hast du mit dem langen, blassen Ding zusammengesessen -- ach, ich war so böse auf dich und so schrecklich eifersüchtig!" Er legte den Arm um ihre Schultern und zog sie fest an sich. Eifersüchtig, du, auf dies Mädchen? Liebling, das ist ja gar nicht dein Ernst! Sieh mal, Fräulein Ruthardt ist bei uns im Bureau, sie hat mir schon lange leid gethan, weil sie stets so blaß und still aussieht; da wollte ich ihr gern mal ein paar frohe Stunden verschaffen. Und eine kleine Strafe hattest du doch auch verdient für deine unbedachten Reden, du böser Schatz! Aber nun ist ja alles wieder gut, nun wollen wir doppelt glücklich sein!" Er küßte sie leidenschaftlich, uttd eng umschlungen schritten sie den Gang hinunter. Else stand wie erstarrt. Dann preßte sie die Hände krampfhaft ineinander, und ein weher Laut zitterte von ihren Lippen. Mitleid. Mitleid für Liebe! Einen Stein statt Brot! Ein Gefühl brennender Scham übersiel sie: nur fort von hier, um ihm nicht zu begegnen, nur sich in einen dunklen Winkel verkriechen, den Flitterstaat abreißen und weinen wei-nen.
Beim Schöpf gefaßt. Mann (aus dem Garten kommend): Hast Du nicht einen alten Hut für meine Vogelscheuche, Frau?" Frau (eifrig): Aber natürlich, Männchen; Du weißt doch, ich habe schon so lange einen neuen nöthig!" Aus der guten alten Zeit. Vorsitzer (des Kriegsgerichts) : Warum sind Sie vor dem Feind defertirt?" Angeklagter: Ich bin alle, weil ein friedlicher Mensch g'wesn ich will kein' Feind haben!"
