Indiana Tribüne, Volume 28, Number 228, Indianapolis, Marion County, 18 May 1905 — Page 7

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kyÜjPB ö ITMitvr-T ts3' -- Jndiana Tribüne, R8. Mai 1903

Krcrcht O 0 M S N X S HannS von Zobeltitz A

(Fortsetzung.) f? Sie thaten es gar nicht. Fräulein Lora! Und Hardi war einfach unartig." Ter Geheimrath sprach sehr ernst. Es war eine peinliche Stille. Hardi zog, wirklich wie ein unartiges Kind, ein trotziges Gesicht und kämpfte sichtlich mit einem Thränchen. Willy drehte sich eine neue Papyros und überlegte: eigentlich M Hardi gar nicht so unrecht" Nur Excellenz Graban sah lustig darein. Da erhob sich Lora plötzlich, trat an Hardi heran, legte den Arm um sie, hielt sie sanft fest, küßte sie herzlich, saqte in ihrer gelassenen Nuhe: Gute Nacht, Schatz!" und empfahl sich bei den Herren, jedem die Hand reichend. Vater und Sohn brachten sie au? den Flur. Der Geheimrath wollte einen Wagen holen lassen, aber sie lehnte dankend ob. Sie sind meinem Unband doch nicht döse!" bat er. Bewahre! Morgen ist auch bei Hardi das kleine Wetterwölkchen verflöge.- " Sie stand noch einen Augenblick, schon im Hut und Mantel, und Vater und Sohn dachten zugleich: Sie sieht immer auZ wie eine Fürstin und wenn der Hut noch so einfach und der Mantel noch so schlickt ist" da kam Hardi herausgelaufen und warf sich Lora an die Stuft. Beide, Vater und Sohn, mußten lackien. Es war zu komisch, wie die Kleine mit bochrotbem Gesicht die Freundin rmhalste, sie zwei-, dreimal auf die Wangen küßte und dann ebenso schnell, wie sie gekommen war, wieder verschwand, ohne ein Wort gesprochen zu haben, nach ihrem Zimmer zu. Gute Nacht, Fräulein Lora. Da hatten wir zum Abschied noch ein: Vorstellung unsres eigenen kleinen Rüpels, wie er leibt und lebt. Es freut mich aber doch, daß Hardi ihr Unrecht einsah " Ich ttroßri es ja! Gute Nacht!" Willy küßte ihr die Hand. Schweinsam, wie er den ganzen Abend gewesen war. ?ann ginien sie Beide zu Excellenz Graban zurück. Te? saß noch immer am Kamin und raucbte an seiner leichten Holländerin, die im Hause. eigens für ihn gehalten wurde. Und er lächelte ganz diabolisch und meinte, als der Geheimrath sich neb?n ihn gesetzt hatte: ,.Nämlich . . . weit Tu . . . wie Ihr heraus wart ... da hab' ich zu der Hardi etsagt: Marsch pascholl!' Und wie sie mich da angeglotzt hat, als ob sie mich fressen wollte . . . nämlich . . . wieder: Marsch pascholl! Zwischen Dir, mein ftfob, und solch eine: Freundin solltest Tu nicht für eine Nacht auch nur den Schalten von Zwietracht stehen lassen.' Und da ist sie davongejagt . . . nämlich . . . eine kleine Kröte ist Teine Hardi, mein lieber Möller. Ein verdeubeltes Temperament hat sie! Aber lieb hab' ick sie doch!" 8. K a p i t e l. 9te neuen Aktien der Promeyj tbeusgesellschaft waren an der Börse zugelassen worden; am gleichen Tage erfolgte ihre Einführung an den Börsen in Frankfurt am Main und Hamburg, und zugleich mit der Veröffentlichung des ganz schlicht und sachlich gehaltenen Prospekts brachten einige Zeitungen die Natfrricht, daß die Gesellschaft eine Filiale in Florenz errichtet habe, da ihr die Beleuchtung d:r Arnoufer von der do.tigen Stadtverwaltung übertragen wäre; andre Blätter berichteten, daß die militärischen Betriebe in Spandau die neue Prometheusgasfeuerung in Erprobung genommen und bisher glänzende Resultate erzielt hätten. und dritte wußten mitzutheilen, daß Herr Baldin mit der russischen Regierung wegen der Konzessionirung einer Tochtergesellschaft in Warschau in aussichtsreiche Unterhandlungen eingetreten fei. In den Abendblättern waren die verschiedenen Notizen ausgetauscht. Tie Neu .'Mission hatte einen glänzenden Erfolg. Ohne jedes Eingreifen der Emissionshäuser stieg der Kurs auf 403 Prozent, stand dann einige Tage fest, fank um 2 Prozent und ging sprungweise auf 450 herauf. Ohne Zweifel übte die Thatsache, daß Möller-Sieghard & Söhne sich dem Salester-Eoncern angeschlossen hatten, auf die Börse einen großen Einfluß aus. Einen noch bedeuten deren, maßaebenderen aber wohl auf das Privatpublikum. Wenn Willy die Tageseingänge durchsah. war er selbst oft erstaunt über die Zahl und den Umfang der Kauforders, die vielfach ohne jedes Limit aus dem eigenen Kundenkreise einliefen, und Salester erzählte ihm mit breitem Sckmunzeln von ganz ähnlichen Veobachtungen. An der Börse war man viel weniger erstaunt gewesen, als Willy geglaubt hatte. Man sah in dem Vorgang n"r ein Zeichen der Zeit, ja man gratulirte

ihm wobl auch, daß er den Bann gebrochen" habe. Allerdings gab es in dem Palast in der Burgstraße auch eine Partei, die sich ganz abseits hielt. Aber sie bestand, man wußte es, aus Interessenten älterer Beleuchtungsunternehmungen. Mochten sie doch achselzuckend oder mit spöttischen Mienen beiseite stehen diese Neidhämmel, wie Salester sie nannte. Zudem: die Börse hatte gerade in diesen Tagen ihre eigenen Sorgen, die aber glücklicherweise auf dem Markt der Jndustriewerthe nicht ausgetragen wurden, so sehr sie sonst die Gemüther beschäftigten. Die englischen Konso'ls fielen weiter; die Nachrichten aus Südafrika lauteten trotz aller militärifchen Erfolge recht trübe; Schwarzseher sagten voraus, daß die ungeheuren Kriegskosten und die Einstellung des Betriebes der Goldminen in Transvaal unbedingt eine Geldknappheit hervorrufen müßten. Es war nicht zu leugnen: auch der erstaunliche Aufschwung der Industrie im Reich erforderte riesige Mittel. Der Privatdiskont zog an; die Reichsbank hielt allerdings noch an ihrem Satz fest, auf die Dauer würde sie aber doch folgen müssen. Schon richtig. Wenn die Industrie jedoch so glänzend wie bieder arbeitete, was that es dann, daß das Geld theurer wurde; sie konnte auch den höheren Zinsfuß bei ihren hohen Einnahmer vertragen. Und der höhere Zinsfuß brachte doch wieder den Bauken größere Gewinne. Vor alle'i aber: das Privatpublikum hielt fest an seinem Besitz in Industriewert'm: es kaufte noch in: es schwor auf die Fortdauer der Konjuktur. Erstaunlich, wie der nationale Wohlstand gewachsen, wie kauflustig das Publikum war! Es kaufte ja freilich nicht immer nur mit eigenem Gelde, es kaufte auch mit fremdem Gelde gegen Hinterlegung von Papieren. Aber gerade dabei verdienten d'e Bankiers und Banken wiederum alle Theile verdienten und so war es recht Ueberall Leben, Bewegung. Das große Rad dreh: sich. Ueberall 6t folg - Und der Erfolg macht froh und

macht sicher, siegesbewußt. Auch Willy Möller spürte es. Er hatte sich immer frei gefühlt v?n starkem Erwerbsdrang, von dem Hasten nach Gewinn; nun war doch eine lebhafte Freude in ihm über die gelungene Overation. Eine größere freilich noch über sein persönliches Eingreifen in den Geschäftskreis, über die Erweiterung der Beziehungen seines Hauses. Mit Energie suchte er sich in die BerHältnisse der Baldin'schen Unternel.mungen einzuarbeiten und glaubte, u seiner Genugthuung, immer mehr U erkennen, daß sie auf einem gesunden Fundament aufgebaut waren. Er fand allerdings, daß ihre Ausdehnung selbst nach der neuen Erhöhung des Grundkapitals d': Stammgesellschaft nicht recht in Einklang zu den werbenden Mitteln stand; besonders die Tochtergesellschaften erforderten zur Zeit noch starke Unterstützung, wenn sie sich g'tt und schnell entwickeln sollten. Und so hielt er es für seine Pflicht, kräftig einzugreifen, eine Vermehrung d-r Obligationsschuld rorzulereiten. Unermüdlich thattg, kam er jetzt mitmx zum Vater hinauf als früber. Aber er bemerkte doch, daß dort nicht mehr ganz die Harmonie von enedeir, herrschte. Heute klagte Hardi unter Thränen, der Vater sei mürrisch: morgen dieser, Hardi sei verändert, launisch und rechthaberisch. Tie kleine Maria sah er wenig und achtete ebensowenig darauf, wie sie sich leise umformte. Sie ging durch's Haus, man bemerkte sie kaum. Als er eines Tages, kurz vor dem Weihnachtsfest, nach der Börse in seine Wohnung zurückkam, meldete ihm der Diener, daß Hardi seit einer halben Stunde auf ihn warte. Es verwunderte ihn nicht groß; sie war auch früher schon bisweilen bei ihm eingebrochen," wie sie es nannte, und er dachte, daß sie kleine Christwünsche habe. Aber als er in's Wohnzimmer trat, flog sie ihm weinend an die Brust, umklammerte ihn, konnte vor Schluchzen kaum sprechen. Er verstand nur afler lei von todtunglücklich," alles sei aus und daß sie seine Hilfe begehre. Trotzdem glaubte er zuerst noch an irgend eine Kinderei, lachte, führte Hardi zum Sofa zurück so sei doch nur ein bissel vernünftig! Es wird ja den Kopf nicht kosten! Hast Tu eine japanische Vase zerschlagen? Oder mit dem Ellenbogen in den alten Menzel ein Loch gebohrt?" Schließlich wurde ihm, dem stets Korretten, die übertriebene Aufregung ärgerlich. Er bat scharf: Nun aber endlich Schluß, 33ernbardine! Sag verständig, was denn eigentlich los ist." Da erzählte sie denn. Konrad Salester hatte sich erklärt, gestern, auf der Eisbahn. Und sie war heute Morgen dem Vater um den Hals gefallen, batte ihm alles gestanden, all ihr -großes Glück, hoffend und zagend, und gefragt, ob Konrad zu ihm komirken dürfe, wie sie Beide es verabredet hatten. Doch Papa habe nein" gesagt. Nicht nein" kurzweg. Aber tau 'end Bedenken hätte er gehabt und Einwendüngen . . . und so sei es eben doch nicht viel besser als ein Nein gewesen. Sie brachte das alles stoßweise heraus, vielfach von Schluchzen unterbrochen, verworren und unklar. Aber Willy übersah die Sachlage deutlich

genug, und er erkannte auch all die Motive des Vaters und würdigte sie. Gegen den jungen Offizier selbst hatte er nicht die geringste Einwendung. Der war, in seiner schlichten, offenen Art, ihm stets sympathisch ge-we-'en. Aber Salester! Auch gegen ikn war ja am Ende Positives nicht einzuwenden; der Mann hatte sich seine Stellung erobert, stand fest in seinen Schuhen; ja, ehrlich gesagt: man mußte ihn, seine eiserne Energie, seinen gesch'iftlich?n Scharfblick bewundern. Trondem in Willys Augen gab es da einen gesellschaftlichen Abstand, der sich nicht so leicht überbrücken ließ, und wenn ihm jetzt die geschäftliche Verbindung von Tag zu Tag willkommener wurde, so lag ihm gar nichts daran, sie durch Familienbande noch enger zu schürzen; das konnte, bei Salesters massiver Art, nur lästig werden. Und dann Hardi! Dies große Kind! Gerade auch jetzt wieder ... wie unreif, wie kindisch... Sie war aufgesprungen, trippelte unruhig im Zimmer hin und her, das Taschentuch alle Sekunden vor den Äugen, schluchzte ein wenig, bettelte dazwischen in abgerissen kleinen Sätzen; trat) das alles hinderte sie nicht, plötzlich vor seinem Schreibtisch stehen zu bleiben, die Photographie, die ihm neulich Frau Baldin geschenkt hatte, herabznnebmen . . . Tu, Willy, ist das nicht die Baldin? Was steht da unten: , In Dankbarkeit ' Guck mal an!" Stell das Bild fort!" herrschte er sie an. Sie erschrak ein wenig, duckte sich, wie ein gescholtenes Schooßhündchen, kam wieder an seine Seite, bat. flebte um seine Fürsprache. Tausendmal recht hatte der Vater! Eine zu dumme Geschichte . . . wahrhaftig, Hardi hätte etwas Klügeres thun können . . . Denn das war klar: versagte Papa seine Einwilligung, so fühlte sich der alte Salester auf's Schmählichste derletzt . . . und nicht mit Unrecht ... zu fatal . . . UllmLlkg begann der Assessor die Angelegenheit dock auch aus einem andern Eesickwinkel anzusehen. Der Konrad war ein prächtiger Mensch, kein Zweifel. Frau Salester eine feine, liebenswürdige Frau . . . durchaus Dame. Und wenn Hardi noch ein rechtes Gör war . . . nun, so mußte ibr Mann sie erziehen. Die meis:en Ehen entwickeln sich erst in der Ehe . . . Das alles waren goldme Brücken, die er sich baute er wußte es ganz

genau. Aber vor seinen Augen stand jetzt vor allem die Möglichkeit eines Zerwürfnisses mit Salester. Und dann war doch auch ein weiches Gefühl in ibm. das die leisen Schmeicheltöne der Schwester wachriefen und ihre Thränen, die wieder rieselten wie die Böchlein. Diese verwünschten Frauenzimmerthränen Er steckte aber dennoch ein ernstes Brudergesicht auf. Er sprach zu ihr. wie der V.iter wahrscheinlich gesprochen hätte, gemessen und würdig, und er sagte ibr auch: Du darfst Papa nickt einseitig beurtheilen, Kind. Sieh mal. auch daran mußt Du denken, wie einsam es um ihn werden wird, wenn Tu . . ." Da brauste sie auf: Ach Pava! Ter hat ja sein neues kleines Abgottchen, die Maria! Und wenn die ihm nicht genügt, dan.c kann er sich ja die Lora in's Haus nehmen. Die ist ihm hundertmal mehr werth, wie ich!" war ntcyl ernn gemeint. jQcnC! schämte sich auch und wurde dunkel roth, kaum, daß es gesagt war. Dabei trotzte sie weiter auf: Lora hier und Lora da! Immer wird sie mir zum Eremvel aufgestellt. Wenn ich sie nicht so sehr lieb hätte, dann..." Der Rest erstickte unter neuen Thränen. Aber der Leidenschaftsausbruch hatte des Bruders Aufmerksamkeit erweckt, seine Gedanken wieder auf fast erloschene Befürchtungen hingeführt. Er saß eine Weile schweigsam, mit zusammengepreßten Lippen. Tann fragte er vorsichtig: Hat Papa denn Deine Freundin so gern V Hardi blickte mit ihren verweinten Augen auf: Das weißt Tu doch Bist Tu denn blind, Willy! Sein ganzer Schwärm ist sie." Bernhardine " fing er an, um sich gleich zu unterbrechen. Hardi war wirklich noch zu unreif, um mit ihr über diese Sache zu sprechen . . . Plötzlich lachte sie, mitten aus ihren Thränen heraus, stieß ihn neckisch mit dem Ellenbogen an: ,.Du... WillyBruder ... Du solltest Lora heirathen! Was wohl unser Herr dazu sagen würde? Und dann machen wir eine Doppelhochzeit . . ." Er fuhr herum. Rede nicht solchen Unsinn! Papa hat wirklich recht ... Tu bist ein albernes Kind!" Sie duckte sich wieder und begann von Neuem, um ihren Eonny zu bitten und zu betteln, bis er schließlich, mit seinen Gedanken nur noch halb bei ihren Herzenswünschen, erklärte: Ich werde mit Papa sprechen. Hardi. Aber gib Tich keinen überschwenglichen Hoffnungen hin " Die letzten Worte hörte sie kaum. Denn sie umklammerte ihn. küßte ihn, jubelte: Du bist doch mein einziges Bruderherz! Ich wußte ja. Tu läßt uns nicht im Stich ... Du nicht!" Und gleich darauf aufspringend: Du . . . guck mich mal an . . . hab' ich sehr rothe Augen? Ich muß heute noch m's TanzkränZchen, Conny ist ja auch

da . . . bei Werb-ens. Gott, wird das

himmlisch. fcd schick' ihn Dir . . . er muß erst mit Dir sprechen ... ich darf doch . . . Er dachte wieder: Das Kind das Kind! Wie kann man sich in solch unreifes Mädchen verlieben?" Aber als sie dann in das weiche Sealskinjäckchen geschlüpft war. den Bolerohut auf das zierliche Köpfchen gesetzt hatte, mit ihrem trippelnden, wiegenden Gang auf ihn zukam, auf dem fußen Gencht em sonmaes Lä cheln, sich reckte, ihm beide kleinen Hände zutraulich auf die Schultern legte, mit den dunklen Augen zärtlich zu ihm aussah und das Maulchcn spitzte: Gib mir noch 'n Schmatz, lieber. lieber Willy " da lachte er: Dein Konrad ist qar nicht so dumm. Eine niedliche Krabbe bist Du!" 9. K a p r t e l. raf Wellried war stark erkältet von seiner Reise heimgekehrt und mußte seitdem das Zimmer hüten. Lora hatte böse Tage, denn der lebhafte alte Herr konnte sich in die unfreiwillige Haft so wenig schicken, :e in das Kranksein selbst. Er war zwar liebenswürdig wie immer, aber über die Mafeen ungeduldig und stets auf dem Sprunge, seiner Pflegerin durchzugehen. Es bedurfte ihrer ganzen Gelassenheit und allerlei kleiner Listen, ihn im Hause festzuhalten, zumal für die Stunden. in denen sie selbst durch ihren Beruf festgehalten wurde, und sie war immer froh, wenn Doktor Prall aus seinem Laboratorium heraufkam, sie zu vertreten. Die Verstimmung zwischen ihnen war längst gewichen der gute Freund konnte nicht nachtragend sein. am allerweniasten ihr gegenüber. o saß er denn stundenlang bei deni Oheim, knurrte und murrte und ließ sich von dem Greise, der, in Decken gehüllt, auf dem Sofa lag, auslachen. Kommen Sie etwa nur herauf. Herr Doktor, um mir zu sagen, in welch miserabler Welt wir leben? Und sich immer wieder von mir sagen zu lassen: sie ist doch schön, unsre Welt! Selbst hier von diesem elenden Sofa aus gesehen! Denken Sie an Geibel: ,Wisse nur das Gluck zu fassen, wo es lachend sich Dir beut!' " Das ist, auf mich bezoaen, der reine Hohn, Graf Wellried . . ." .Ach Unsinn, mit Verlaub zu melden, mein Bester. Solch ein gescheiter, tüchtiger Mensch, in der Vollkraft der Jabre. braucht nur hineinzugreifen in's Leben. Tie böse Welt hat ein Recht darauf, von Ihnen noch viel zu erwarten." Meine Stunde wird schon no kommen und die Vergeltung!" Das war jetzt häufig sein Schluß. Aber der Graf lachte darüber. Liebe? Prall, das glauben Sie ja selbst nicht. Ich rüttele und schüttele Sie nun jahrelang, ohne daß Sie sich rühren. So wird's wohl dabei bleiben bis an Ihr seliges Ende." Ich warte " hallte es dann zurück. Und der Einäugige starrte sinster vor sich hin. Wenige Tage vor Weihnachten fand Lora. als sie vom Unterricht nach Hause kam, eine merkwürdige Ueberraschunq vor. In ihrem Zimmer saß nämlich die Französin aus dem Baldin'schen Haule, Mademoiselle Marion, um ihr einen Brief von Frau Baldin zu überbringen. Und sie hörte, während die immer lustige Genferin auf sie losschwatzte, im Nebenzimmer die hellStimme der kleinen Herta, ihrer Schulerin; zu ihrem Erstaunen und zu ihrem Schrecken aber auch Pralls Organ. Sind Sie schon lange hier, Mademoiselle?" fragte sie hastig. Mais non, Mademoiselle. Wir sind grad' gekommen. Zugleich mit einem fremden 'Errn. Der 'at 'Erta genommen mit sick zu .Monsieur le comte.' Zuerst sie sein sehr erschrocken. unser ,petite' 'Erta, über dcn 'Errn. Aber er sein gewesen so komisch und so gutt -" Lora wußte, wie kinderlieb Prall war, und daß er meist sehr schnell die Kleinen an sich zu fesseln wußte, trotz seines Aussehens. Aber dies Kind Hat der Herr nach dem Namen von Herta gefragt? Nack den Vornamen . . ." Es blieb auch so noch gefährlich genug ein Glück nur, daß der Onkel zugegen war und ein so vorsichtiger weltkluger Herr. In aller Eile riß sie den Brief auf. Er enthielt die kurze Mittheilung, daß Frau Baldin auf ärztlichen Wunsch unmittelbar nach dem Fest nach dem Süden reise; sie bat, obgleich die Fenen ja morgen begonnen, um xloxai Besuch, da sie das Kind nicht mitnehmen könne und noch einiges zu verab reden hätte. (Fortsetzung folgt.) Allzu a u t o k r a t i s ch. Im c ?r 1 v i -ü o.ijt:.ivulllemoergiiazen lauiccn ,uiu;ui' aen sekte sich ein etwas anaeheiterter Handwerker im Wirthshaus an einen Tisch, wo schon der Ortsschultheitz saß. und trank diesem au mit den Worten: Prosit Herr Schultheiß." Erzürnt ob solcher Zudringlichkeit uno nur achtung" ließ der Ortsgewaltige den Handwerksmann sofort einsperren, oer sich das aber nicht gefallen ließ, sondern Anzeige erstattete. Wegen Freiheitsberaubuna und in Anbetracht seines rücksichtslosen Vorgehens verurtheilte dieStrafkammer den tulipe' ßen zu vier Monaten Gefängniß.

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! H-t-W-H i I-H-I l-fr-H-

Inland A S-irH-!"i"?-l"f Große Verheerungen richtet die hessische Fliege an den Weizenfeldern in manchen Gegenden des Staates Nebraska an. Manche LandWirthe schätzen, daß der Weizen im mittleren Theile des Staates um 20 Prozent beschädigt werden wird. Schnelle Fahrt. Der Kohlendampfer Brutus" von der Bundes marine legte jüngst die Fahrt von Singapore nach Norfolk, Va., in der beispiellos kurzen Zeit von 57 Tagen zurück. Vorher rühmte sich der Kohlendampfer Ajax" der schnellsten Fahrt von Singapore durch dcn Suezkanal. welcher mtt einer fast ausschließlich chinesischen Mannschaft 77 Tage brauchte. Erzieher durchgepeitscht. Ein Lehrer an der öffentlichen Schule in Aukon. Okla., Namens C. C. Sherman wurde dieser Tage auf offener Straße von einer Frau Laura Black durchgepeitscht. Er hatte angeblich den Sohn der Frau Black schwer gezüchtigt, war aber von den Gerichten von der Anklage der Mißhandlung freigesprochen worden. Hierüber wurde Frau Black so wüthend. daß sie beschloß, die Bestrafung des Lehrers selbst in die Hand zu nehmen. Schreckensthat eines Trunkenen. In Fort Douglas, Utah. machte Kapitän W. A. Roiborne vom 29. Bundes-Jnfanterie-Regiment einen Mordanfall auf Leutnant Wm. H. Point von demselben Regiment, indem er mehrere Schüsse aus diesen abgab. Eine von den Kugeln drang Point durch den linken Schenkel, eine zweite verursachte eine tiefe Fleischwunde an Points rechtem Bein. Nachdem der Letztere zu Boden gestürzt war, jagte sich Raiborne eine Kugel durch den Kopf und war auf der Stelle todt. Raiborne hatte sich in letzter Zeit dem Trunke ergeben. Knabe als Bandit. Vor Kurzem wurden zwei Männer in Chico, Kal., als sie vom Bahnhofe nach ihrem Hotel gingen, durch einen maskirten Burschen angehalten und zur Herausgabe ihres Geldes aufgefordert. Sie liefen davon und benachrichtigten den ersten Polizisten, den sie trafen. Derselbe verhaftete den Burschen, der im Besitz eines Revolvers und einer Maske gefunden und als ein 13jäh riger Schuljunge Namens Sammie Hennigan identifizirt wurde. Er hatte fein Fahrrad verkauft und sich mit dem Gelde einen Revolver gekaust, um die Straßenrauber-Karnere zu ergreifen. In seinem Besitz wurden eine Anzahl von Schundromanen gefunden. Die erste Schaufel Erde für den mit dem Kostenaufwands von 101,000,00 zu erbauenden BärgeKanal wurde jüngst bei Fort Miller, N. A., herausgenommen. Es handelt sich zunächst um einen Kontrakt in der Höhe von $370,497 zur Anlage eines Schleusenthores in der Länge von 400 Fuß und der Breite von 120 Fuß bei Fort Miller, wo ein künstlicher Wasserweg m den Hudson River mundet, und zur Anlage eines ähnlichen Schleusenthores acht Meilen oberhalb Fort Miller, wobei neun Meilen umfassende Ausgrabungen vorgenommen werden müssen. Um die Schifffahrt auf dem Champlain-Kanale nicht zu unterbrechen, wird ein 800 Fuß langer provisorischer Kanal auf der Seite der Fort Miller-Schleuse gegraben werden. Seltenes Jubiläum. Zwei Angestellte der Western Union Telegraph Co. in Milwaukee, Wis., Namens A. E. Shape und Jerry O'Connell feierten unlängst den 45. Jahrestag der ersten von ihnen abgesandten Depeschen. Die Beiden sind heute grauhaarige Männer. Als sie in den Dienst der Gesellschaft traten, stand nur ein Draht nach Chicago, einer nach La Crosse und ein dritter über Madison nach Prairie du Chien zur Verfügung. Shape wie O'Connell waren ununterbrochen für die Western Union thätig, nur diente der Erstere vier Jahre während des Vürgerkrieges. Er ist jetzt Nacht-Chef, während OConnell auf seinen Wunsch noch immer als Telegraphist fungirt und Depesche nach Depesche in die Welt sendet. Als Polizisten verkappte Räuber. Unter dem Vorgeben, eine Haussuchung vornehmen zu müssen, erlangten drei als Polizisten verkappte Männer Einlaß in die Wohnung einer Frau Gilmore in Chicago. Darauf zwangen die Drei mit vorgehaltenen Revolvern die Frau und einen bei ihr wohnenden Mann Namens Giroux, ihre Diamanten herauszugeben. Die Räuber fesselten dann ihre Opfer, warfen sie in ein Wandgelaß und fchlossen dessen Thüre ab. Nachdem die Räuber fort waren, gelang es Frau Gilmore, ihre Hände freizumachen, worauf sie Giroux von seinen Fesseln befreite. Beide waren in dem Gelaß halb erstickt. Um frische Luft zu bekommen, stieß Giroux mit den Füßen eine Thürfüllung aus. Er versuchte durch dieselbe hinauszukriechen, allein die Oeffnung war zu eng. Nun zerschlug er eine zweite Thürfüllung, worauf Frau Gilmore hindurchkriechen konnte. Die Räuber hatten den Schlüssel zu der Thüre abgezogen und mitgenommen, doch fand Frau Gilmore einen anderen Schlüssel, mit dem fie das Schloß öffnen konnte.

Gauner-Humor.

Seebadender (dem ein Strolch sämmtliche Kleider stiehlt): Elender, was soll ich denn nun machen?" Bleiben Se noch e bischen drin, villeicht kommt 'ne Wasserhose." E in Argument. Kunsthändler: Dieser Revolver ist 800 Iah alt." Professor: Unsinn, damals gab es ja noch keinen Revolver." KunstHändler: O gewiß! Sprach doch bc reits Rabbi Akiba, daß schon alles einmal dagewesen war." Ein Phlegmatiker ...Was hast D' g'sagt?... Woaßt'. öepp wenn ms jetz' g'rad' et gar so in d' Pratz'n frieret', krieget'st D' a' Mordswatsch'n!" Englisch. Warst Du in Rom?" Freilich." Auch auf dem Kapitol?" Selbstverständlich." Hast Du auch die historischen Gänse dort schnattern hören?" Allemal! Aber englisch." Herausgerechnet. Die Stadt hat ja nur 30,000 Einwohner Sie nannten aber, als Sie mir das Geschäft verkauften, die doppelte Zahl." Bon 60,000 Seelen hab' ich nur gesprochen, und Sie wissen doch aus Faust", daß in jedes Menschen Brust zwei Seelen wohnen?!" Am Morgen nach dem Ball. Herr Müller (das Restaurant verlassend): Es ist g'radezu schauerlich, wie theuer so ein saurer Hering kommt!" O weh! Mutter: Warum weinst Du denn, mein Kind?" Tochter: Gestern zeigte ich meinem Mann in unserem Garten den Baum, unter dem er mir seine Liebe erklärt hat." Mutter: Na, und?" Tochter: Heute Morgen hat er den Baum gefällt." . Abgeblitzt. Ach, ich bin in momentaner Geldverleaenheit! Könnten Sie mir nicht zehn Mark leihen?" So, in momentaner Geldverlegenheit?! ... Da sind Sie ja noch viel desfer d'ran, wie ich!" Neues von Serenissi mus. Serenissismus ist vor den Spie gel getreten und ruft in Hellem Erstaunen: Kindermann, äh Kindermann, kommen Sie schnell!" Und als der Gerufene herbeigeeilt ist, mit gänzlich verblüffter Miene: Aeh, Kindermann, sehen Sie blos, ich fühle da auf der linken Stirnseite fortwährend ein Pickelchen und sehe dabei eben im Spiegel, daß es auf der rechten Seite sidt. Doch komisch, was?" J

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