Indiana Tribüne, Volume 28, Number 228, Indianapolis, Marion County, 18 May 1905 — Page 5
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V5 Mgerechl a 44 4 I 44 4 k U u & i(Schluß.) Ja so!" erwiderte Rezinald kleinlaut, das sollen wir ja erst noch erwerben. Wie in aller Welt komme ich aber nun nach Braddonbury?" Well, der Arbeitszug nimmt Morgens und Abends einen Personenwagen für die Ingenieure mit. Wenn Sie dem Zugführer ein kleines Trinkgeld geben, können Sie morgen früh mitfahren." Trinkgeld? Ich soll erst ein Trinkgeld geben?" fuhr Reginald stolz auf. Mann! Ich bin der Sohn des Präsidenten van Etten! Ich werde doch -" Ter Agent wurde plötzlich weich wie Wachs. Ei, da nehmen Sie einfach Eztramaschine und fahren sofort." Auf der Maschine?" nef Rezinald. In meinem weißen Anzug?" Bewahre! Sie lassen sich einen Personenwagen ankoppeln!" All right!" versetzte Reginald schnell entschlossen. Ich fahre also mit Extramaschine!" Gesagt, gethan. Er ließ sich den Lokomotivschuppen der Western Extension zeigen, legitimirte sich bei dem Aufseher, dieser ließ sofort eine Maschine anheizen und eine halbe Stunde später dampfte des Präsidenten Sohn, mit brennender Cigarette im Munde, stolz nach Braddonbury. Hier angekommen, befahl er dem Maschinisten, ihn morgen Vormittag unter Tampf" zu erwarten, speiste im nächsten Gasthof, bestellte sich Wagen und Kutscher und ließ sich die acht Meilen nach Camperville rädern." wo er, halb verschmachtet, halb gebraten, gegen vier Uhr Nachmittags anlangte. Fühlbarer konnte er von der absoluten Nothwendigkeit der schnellmöglichen Ei 'rngung des Wegercchts für die Western Extension nicht überzeugt werden. woO) fühlbarer wurde er davon überzeugt, als man ihm verrieth, daß die Blixtonfarm noch drei Meilen außerhalb der Stadtgrenze läge! Sie sei übrigens gar nicht zu verfehlen, da das Haus frisch geweißt und ringsum von Rankenrosen umzogen sei. Kutscher! Rädern Sie mich also nock) drei Meilen weiter! Zur Blixtonfarm mit den rankenden Rosen! Trab, wenn's geht!" Und es ging. Eine Stunde Fahrt noch, und dann hielt der Waaen vor einem ganz allerliebst niedlichen, schneeweihen und mit üppig blühenden rothen Rosen überzankten Farmhäuschen, welches in einem entzückend sauberen MiniaturParadies von bst- und Blumengarten halb verborgen stand.Reginald trat durch eine offensiehende Tliür in den Vorgarten ein. He! Sir!" rief ihm der Kutscher nach. Soll ich warten?" Reginald hatte daran noch gar nicht gedacht. Ich weiß nicht." sagte er zögernd. Ei natürlich!" rief er dann plötzlich entschlossen, Sie warten!" Dann klopfte er an die Hausthür und horchte. Eine kleine Weile blieb alles still. Als er dann wieder klopfte, wurden sofort kurze, elastische Tritte hörbar, ein Schlüssel knarrte im Schloß, die Thür wurde vorsichtig geöffnet, ein schöner Mädchenkopf lugte durch die Spalte. Ein kleiner Aufschrei und bums! flog die Thür wieder zu. Reginald stand da wie angedonnert und abgeblitzt! Da fragte eine Stimme von innen: Was wünschen Sie denn?" Ich möchte die Besitzerin der Blixtonfarm in Geschäftsangelegenheiten sprechen!" Sie sind von der Eisenbahn?" Ja! Ich komme direkt von New York!" Aber jetzt geht doch kein Zug!" Ich kam mit Extrazug!" Nun wurde geöffnet. Reginald trat ein, die Thür flog hinter ihm zu, und er befand sich in totaler Finsterniß. Ob die Schönheit des jungen Mädchens oder das ungewohnte Dunkel des engen Hausflurs ihn blendete, wußte er nickt. Stehe ich vor Miß Jvy Blixton?" fragte er, den Hut ziehend. Er glaubte ein halbersticktes Kichern zu vernehmen. Tann wurde eine Thür geöffnet, welche in einen etwas helleren Salon fübrte. Bitte, Sir! Wollen Sie sich gefälligst hier hineinbemühen?" Reginald folgte der Einladung. Im Eintraten konnte er sich aber doch nicht enthalten, einen raschen Ueberblick über die im nunmehrigen Halbdunkel geradezu magisch-reizende Mädchengestalt zu versuchen. Er wurde blutroth bis in die Schläfen. Dann sah sie ihn an. Und er sie wieder! Dann senkte er den Blick. Und sie auch! Dabei bemerkte sie die Rose, die ihm entfallen war und nun zu ihren Füßen lag. Du armes Rösel!" scherzte sie bcdauernd, bückte sich rasch, hob sie auf und bot sie ihm lächelnd.
55 t g SS AmcriKanil'cke vumare ke Von (ßnxil & c v b a xx J SS SF Ä 44 44 44 44 44 44 44 44 44 44 44 44 Er gab sie ihr mit einer galanten Schmeichelei zurück, worauf sie knicksend dankte, ganz ungenirt $x den Wandspiegel trat und sich die Rose mit allerliebster Koketterie in das bauschige schwarze Haar steckte. Währenddessen bewunderte Reginald ihre bis über den rundlichen Ellenbogen hinauf entblößten vollen weißen Arme. Als er dann aber höchst prosaischen Mehlstaub und höchst realistische Teig refte an ihren niedlichen Händchen be merkte, seufzte er still. Miß Blixton ist doch zu Hause? fragte er mit einiger Beklemmung. Gewiß. Sir!" lächelte der Kobold, vom Spiegel zurückkehrend. ,ft wird sogleich erscheinen! Bitte, nehmen Sie Platz und gedulden Sie sich nur ein paar Minuten!" Damit schwebte sie binaus. In der Thür drehte sie sich nrcb einmal um. lächelte wieder und traote. Wen darf ich der vlliiB Blixton melden, Sir?" Reginald sprang auf und überreichte ihr seine Karte. Sie warf einen raschen Blick darauf und sah ihn überrascht an. Sie sind der Sohn des Präsidenten van Etten, Sir?" fragte sie erröthend. Ter bin ich!" antwortete Reginald stolz. Essen Sie auck gerne Stachebeerkuchen i" Hm wieso?" O Pardon, Sir! Ich meine nur " entschuldigte sie ihre Neugier und erröthete tiefer. Wir backen nämlich heute!" Damit warf sie die Thür zu und war verschwunden. Reginald sah ihr schweigend nach und konnte die Augen von der Thür gar nickt losreißen. Solch eine iTl'äb; chenschönbeit glaubte er in gaiz New Nork noch nicht gesehen zu ")aben. Haare wie die Nacht!" flüsterte er schwärmerisch, Augen wie die Rubinen! Zähne wie die Perlenschnüre! Und so etwas muß hier hinterm Backtrog versklaven ,By Jooe!' Es ist wahrhaftig jammerschade um das ladd!" ir war noch im schönsten cvwarmen, als er plötzlich draußen vor dem Fenster halblaut sprechen hörte. Er stand auf, lugte vorsichtig hinaus und prallte entsetzt zurück! Draußen stand die bezaubernde Kleine im eifrigen Gespräch mit einer spindeldürren, grundhäßlichen, dazu noch bebrillten weiblichen Vogelscheuche. Und diese Vogelscheuche hielt seine Karte in der Hand! Undam Arme hing ihr ein Körbchen! Und in diesem Körbchen befanden sich grüne Stachelbeeren! ,.O weh!" stöhnte Reginald und hielt sich an der Tischplatte. Er wollte zum zweiten Male stöhnen, aber dazu ging ihm urplötzlich die Luft aus. Er starrte mit weitgeöffneten Augen athemws hinaus und sah, wie die Vogelscheuche der niedlichen Kleinen in's Haus folgte. Nun war aber keine Sekunde zu verlieren! Hastig setzte Reginald den Hut auf, sprang auf Zehenspitzen zur Thür, erfaßte den Drücker, öffnete und Nein es ging doch nicht! Er drückte die Thür leise wieder zu und überlegte. Wozu verduften und sich lächerlich machen? Er brauchte ja nur zu sagen, daß er im Auftrage des Vaters käme, um mitzutheilen, daß sein Vater die ihm gestellten Beoingungen angenommen hätte und seinen übernommenen Verpflichtungen pünktlich nachkommen werde. Damit basta! Adieu! Aufgesessen! Trab! Heim! Fertig! Reginald warf den Hut auf den Tisch und sich in den Schaukelsiuhl und wartete der Vogelscheuche, die da kommen sollte. Aber die Erwartete kam nicht! Statt dessen hörte er singen, hell und fröhlich singen, und es klang so jubelnd wie Lerchensang am Maienmorgen. Er lauschte gefesselt, lehnte sich im Stuhl zurück, schloß die Augen und seufzte centnerschwer. Dann hörte er Schrankthüren ofsnen und schließen, Stühle rücken, Te'ler klappern. Tassen klirren. Wasser zischen, Kafs'e mahlen und dazwischen Kichern und Plaudern und dann Mtder singen. Endlich hörte er Tritte auf dem Flur, die sich der Salonthür näherten. Er räusperte sich und sah in stoischer Ruhe seinem Schicksal entgegen. Da gina die Thür auf. Störe ich. Mr. van Etten?" Er fuhr wie elektrisirt zusammen. In der Thür stand die Kleine mit herabgelassenen Aermeln, ohne Mehlstaub und Teigreste, u-.d sah ihn schelmisch fraqend an. Stören?" stotterte er. Sie? Niemals!" Well, möchten Sie nicht eine Tasse Kaffee mit uns trinken, und " hier lächelte der Kobold so recht mephistophelisch und frisch gebackenen Stachelbeerkuchen kosten?" Er seufzte wie ein Verbrecher vor der Hinrichtung. Er suchte, wie dieser, noch Zeit und .Kraft zu gewinnen vor
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dem letzten Gang." Er winkte die Kleine herein. Haben Sie mich der Miß Blixton gemeldet?" flüsterte er. Sie nickte, und ihre schwarzen Augen flackerten vor Uebermuth. Aber warum empfängt mich denn die Dame nicht hier?" flüsterte er wieder. 2ie Kleine zuckte die runden Schultern. Wie alt mag sie wohl sein?" flüsterte er. Noch nicht alnz achtunddreitzig!" flüsterte die Kleine. Und in ihren Augen flackerte e5 schon wieder. Aber er bemerkte das gar nicht. Er nickte still vor sich hin. Achtunddreißia Jahre! Und diese patbologische Heiratbslust! Dazu eine Audienz am Kaffeetisch! Well, die Audienz würde kurz sein natürlich! Kommen Sie jetzt!" mahnte die
Kleine. Sie wird sonst ungeduldig!" Well, ich komme ja schon!" Sie ging ihm voran, und er folgte ihr stumm und ergeben in ein behagliches Ehstübcken. wo auf blitzsauber gedecktem Tisch dampfender Kaffee, frische Sahne. Zucker und frische Stchelbeerkuchen recht einladend standen. Miß Blixton war gerade mit dem Transchiren eines der Kuchen besckäfngt, wodet tr?r ore langen Arme uno Hände sehr gut zu statten kamen. Reginald machte ihr eine stumme Verbeugung. Sie erwiderte diese Verbeugung kurz und lud ihn frostigformell ein, Platz zu nehmen, worauf sie ihm sofort Kaffee eingoß. Ich werde dem Kutscher auch ein Täßchen hinausbringen!" meinte die Kleine und verschwand. Nun waren die beiden Heirathslustigen allein. Miß Blixton bat ihren Gast, zuzugreifen, setzte sich ihm gegenüber und ging ihm ohne Weiteres mit ermuthigendem Beispiel voran. Reginald griff ebenfalls tapfer zu. Und siehe da! Stachelbeerkuchen und Kaffee hätten in Purssells fashionabler Konditorei am mittleren Broadway nicht köstlicher munden können! Hätte er also nur Stachelbeerkuchen und Kaffee zu heiratben gehabt, dann hätte er auf dem Fleck sein Jawort gegeben. Aber diese Vogelscheuck!? von nicht ganz achtunddreißiz Iahren! Armes Ding!" dachte er. welche Mühe sie sich gegeben hat. mir durch den Magen in's Herz zu schleichen! Und wie rettungslos verliebt sie sein muß! Sie spricht ja kein Wort und seufzt nur immer. Aber die große, tiefe Leidenschaft ist es jedenfalls, die ihr den Mund schließt. Aber," so entschloß er stch mitleidig, ich will sie nicht lange foltern und nicht länger in quälender Ungewißheit lassen." Mein Vater ist mit dem geforderten Kaufpreis einverstanden. Miß Blixton," begann er in kühlstem Geschäftston, ..und er sandte mich herüber. Sie persönlich davon in Kenntniß zu setzen, daß er auch die weiter gestellte Bedingung pünktlichst erfüllen wird, so daß dem Abschluß des Geschäfts, und damit dem Wegerecht der Western Extension, nichts mehr im Wege steht." Sie nickte befriedigt. Ich hoffe auch. Mr. van Etten," fugte sie etwas verlegen hinzu, daß die eheliche Verbindung " (5 ine glückliche werden wird!" fiel ibr Reginald in's Wort. Ganz ge--wiß! Ganz gewiß! Zwanzigtause.d Dollars sind ja auch eine ganz respel table Mitgift nicht wahr?" Sein Gegenüber lächelte verschämt: Aber die Gattin bringt doch auch ein Opfer" Sehr richtig! Sehr richtig!" bestätigte Reginald eifrigst. Sie haben vollkommen recht! Die Gattin bringt :in Opfer! Sicherlich!" Ich hätte übrigens nie geglaubt, daß Mr. van Etten einen so schmucken, stattlicben Sohn hat!" Reginald wurde roth wie ein Puter, sah nach der Uhr und stand auf. Sie wollen doch nicht schon fort, Mr. van Etten?" Ich muß ich muß wirklich. Miß Blixton! Mein Auftrag ist erledig!! Ter Vater erwartet mich. Adieu! Verzeihen Sie " Damit war er schon an der Thür, öffnete sie, dienerte noch einmal: Adieu!" und glitt in den halbdunklen Flur hinaus. Wo hatte er nur seinen Hut gelassen? Aha! T?r lag noch im Salon auf j dem Tisch. Also vorwärts durch den Hausflur die Salonthür aufgestoß?n den Hut genommen zur Hausthür hinaus in den Vorgarten und Aber Mr. van Etten! Wo wollen Sie denn hin?" rief's da hinter ihm mit glockenheller Stimme. Das war die Stimme der Kleinen! Aber wo war sie? Tort in der Hopfenlaube! Dort hatte sie dem Kutscher servirt. Der war jetzt längst wieder bei den Pferden. Sie räumte eben das Kaffeegeschirr ab. Sie war allein, in der Laube! Und sie sah ihn an mit einem Blick! Er konnte nicht widerstehen. Er eilte zu ihr und reichte ihr die Hand. Sie legte die ibrige zögernd hinein. Adieu, mein Fräulein " Und dann versagte ihm die Stimme, und er stand vor ihr und mußte die Augen niederschlagen, und konnte doch ihre Hand- nicht loslassen, diese weie. weiche, warme, wohlige, wonnige Hand!. Warizm wollen Gie denn schon
fort?" fragte 'sie, und' ihre Skimme bebte leise. Wollen Sie nicht wenigstens meinen Blumen- und Obstgarten ansehen? Ei nun! Was ist Ihnen denn? Sie sind ja so traurig" fügte sie lächelnd hinzu. Und schon wieder saß ihr der Schalk im weißen, rundlichen Nacken! Hat's Ihnen bei mir nicht gefallen?" Bei mir? Was sagte sie da? Wollte sie ihn foppen? Bei Ihnen?" fragte er verwundert. Wie meinen Sie das?" Sie errötbete verlegen. Ich meine nur, ob es Ihnen hier nicht gefallen hat?" Und sie erröthete immer tiefer, und ihre Hand begann in der seinen zu zittern. Und im plötzlichen Aufwallen des Gefühls ließ er sich hinreißen, bückte sich und küßte ihr die Hand. Da zuckte sie zusammen und wollte ihm ihre Hand entziehen. Er ließ aber nicht los. sondern trat in die Laube und setzte sich auf die Bank. Sie blieb neben ihm stehen und neigte den Kopf uid spielte mit der Rose an ihrer Brust. Sie s?llen's wissen, weshalb ich gehe!" preßte er heraus und sah ihr in's Auge. Sie werden mich verstehen, mein Fräulein, und schweigen?" Sie nickte, und in ihren Augen leuchtete es eigenthümlich auf. Das gab ihm Muth, und er fuhr.
tief Athem schöpfend, fort und gestand :hr alles: die wahre Ursache und den ganzen Zweck seiner Reise. Dann schloß er mit den Worten: Das ist aber doch nicht zu verlangen! Ich kann doch, und wäre ich der beste Sohn in ganz New Fork, ich kann doch so nicht heirathen! Miß Blixton könnte dem Altersunterschiede nach meine Mutter sein. O!" fügte er seufzend hinzu, warum sind Sie nicht Miß Blixton!" Jetzt entriß sie ihm plötzlich ihre Hand, sank auf die Bank ihm gegenüber, bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen und rührte sich nicht. Dann kicherte sie kurz auf, lugte durch die Finger und schließlich lachte sie. daß sie sich ordentlich schüttelte. Worüber lachen Sie denn?" fragte er beleidiat und runzelte die Stirn. Ich bin ja die Miß Blixton!" kicherte sie. Er fuhr zurück und riß die Augen weit auf. Sie? Sie sind Miß Blixton? Jvy Blixton?" Sie nickte erröthend. Sie sind ja ein ganz unverbesserlicher Schalk!" versetzte er Vorwurfsvoll. Nun sehen Sie mir einmal fest in's Auge, und dann wiederholen Sie mir, Datf Sie wirtlich uno ganz wahrhaftig Miß Blixton sind!" Ich bin wirklich und ganz wahrhaftig Miß Blixton!" sagte' sie und sah ihm fest in's Auge. Aber wer ist denn jene Dame?" fragte er. Das ist meine Tante!" Ihre - Tante?" Ja doch! Papa und Mama starben vor zwei Jahren. Und da zog Tante Evelyn zu mir. Sie ist Wittwe." Er schwieg eine ganze Weile. Sie sah ihn ängstlich an. wurde blaß und preßte die Hand auf das schuldbewußt klopfende Herz. Ach. ich scherzte ja nur!" bat sie. Ich bin ein übermüthiges, ausgelassenes. garstiges Ding, ich weiß es! Aber vergeben Sie mir. bitte! Ich hab's ja nicht böse gemeint! Ich werd's auch nie wieder thun! Sind Sie mir wirklich böse?" fragte sie nach einer Weile bestürzt, als er ste immer schweigend ansah. Sind Sie mir gewiss und wahrhaftig böse?" wiederholte ste in Angst und wollte schon anfangen zu weinen. Aber so weit ließ er's rncht kommen. Ich vergebe Ihnen!" begann er feierlich. ..Aber. Miß Blixton, Strafe muß sein!" fuhr er in komischem Ernste fort und ergötzte sich innerlich an ihrer athemlosen Spannung. Sie stellten meinem Vater eine Bedingung, und so stelle ich Ihnen eine gleiche. Sie verlangten einen Gatten von meinem Vater, und so verlange ich eine Gattin von Ihnen!" Dann fügte er langsam und mit Betonung hinzu: Diese Gattin muß vor allen Dingen jung und schön sein. Sie muß auf dem Lande wohnen und eine kleine Farm besitzen. Sie muß ferner prachtvolle Stachelbeerkuchen backen können, und sie muh bereit sein, mich auf der Stelle zu heirathen. Geld und so weiter ist Nebensache. Das ist meine Bedinnung. Ich bitte Sie, mir in spätestens sechzig Sekunden Antwort zu geben, ob Sie annehmen oder nicht. Bin ich bis dahin ohne Braut und vor Sonnenuntergang ohne Gattin, so verschenke ich mein Herz an die Konkurrenz!" O Gott! O Gott!" hauchte sie tonlos und sank ihm schluchzend in die Arme. Und Du willst?" fragte er innig und hob ihr Antlitz und sah ihr glückselig in die schwimmenden Augen. Du willst? Eins! Zwei! Drr !" Sie nickte still. Dann küßte er sie auf den vollen, kirschrothen Mund. Zwanzig Minuten .päter verließen sie Arm in Arm, von den Glückwünschen der Tante Evelyn begleitet, das Farmhäuschen, bestiegen den Wagcn und fuhren im Trab nach Camperville zum Friedensrichter. Am nächsten Bormittag hielt gegen elf Uhr vor einem der imposantesten Wolkenkratzer am Madison Square eine eleaante Mietbs.kutscbe. auö hl
eher ein junges Pärchen stieg. Der schlanke blonde Gatte im weißen Pikeeanzug, mit rangenblüthen im Knopfloch, und di niedliche brünette Gattin in einfacher, aber geschmackvollster Sommertoilette, einen Strauß vcn Rosen im Handchen, traten zusammen in's geräumige Marmorvestibül und ließen stch im Fahrstuhl in den neunten Stock hinaufbefördern, in welchem sich das Hauptkontor der Western Extension Railroad befand. Bor den großen Spiegelglasscheiben der Eingangsthür machten sie Halt. Der junge Gatte winkte sich den Diener aus dem Vorzimmer und flüsterte ihm etwas zu, worauf der Nigger sich respektvoll verbeugte, kurz kehrt machte und den Geschäftsführer Snooks hinausbestellte. An diesen richtete der junge Gatte einige leise Fragen, die Snooks äußerst höflich, aber mit Lächeln und Kopfschütteln beantwortete. Tann stellte der junge Gatte dem höchlich Erstaunten seine junge Gattin vor, welche Snooks mit tiefer Verbeugung begrüßte; und dann folgte das jung? Paar dem Voranschreitenden leise in s Vorzimmer, dessen mattgeschliffene Glasthür er ein wenig offen ließ. Vor dieser Spalte faßte das junge Pärchen Posto und lauschte. Im Bureau selbst herrschte fast unheimliche, ängstliche Stille. Vom Privatzimmer des Präsidenten aber klang es barsch und laut und in kurzen Fragesätzen herüber, deren unverständliche Beantwortung die schlechte Laune des Fragenden nur zu vermehren schien. Was.Snools, noch immer niemand gefunden? Morgen früh verschicken Sie heliographirte Fragebogen an mein gesanimtes Bahnpersonal! Toper! Sie telegraphiren der Miß Blixton um sofortige Zusendung einer Photographie! Es müßte doch mit dem Henker zugehen, wenn ich diesen dreimal destillirten Querkopf bei baaren zwanzigtausend Tollars Mitgift nicht unter die Haube brächte! Wenn sie auch nur halbwegs nach etwas aussteht, so muß schließlich der Junge sie nehmen!" tobte der Verzweifelnde für sich, indem er auf und ab lief. Er muß sie nehmen, oder ich ich enterbe ihn!" Da ging die Glasthür sachte auf, und Rainald und sein junges Frauchen traten in das Kontor. Hier hob sich ein Kopf vom Pult, und dort hob sich einer, und schließlich starrte man die Eingetretenen überall verwundert an. Beide sahen blaß aus, aber gefaßt, und namentlich der junge Gatte hatte einen entschlossenen Zug um den Mund. Er reichte seiner Gattin höflich den Arm und führte sie festen Schrittes dem Zimmer des Vaters zu. Als der Präsident des jungen Paares ansichtig wurde, stand er plötzlich regungslos still, als sei er zu einer Statue versteinert! Guten Taa, Vater!" grüßte Reginald unbefanaen. Eine frohe icachricht! Das Wezerecht der Western Extension ist zur vollendeten Thatsache geworden! Es ist mir gelungen, den , dreimal destillirten Querkopf' Jvy Blixton zu fangen und. als Mistreß Reginald van Etten unter die Haube zu bringen!" Der Präsident schüttelte langsam den Kopf. Er traute seinen Ohren und Augen nicht! Aber aber." stotterte er in totaler Verblüffung, was soll das heißen?" Das foll heißen, daß der Junge, der bisher nur zu verschwenden und faule Witze zu machen verstand, und bis heute noch keinen rothen Cent verdient hat, sich um die Sorgen seines Vaters so aufrichtig kümmerte, daß er desselben größte Sorge um das Schickfal der We':ern Extension zu seiner eigenen Sorge und infolgedessen die junge, schöne und kluge Besitzerin der Blixtonfarm zu seiner eigenen Frau machte!" Junge! Du hast?" Geheiratbet ja. Vater!" sagte Reginald ruhig. Und jetzt bleibt Dir nur die Wahl, unserem Bunde Deinen väterlichen Segen zu ertheilen, um welchen wir Dich in kindlicher Ehrfurcht bitten, oder Deinen einzigen Sohn zu enterben." Und dann bitte ich um einen Check für zwanzigtausend Dollars." fiel hier die junge Frau ein. Dieses geschäftskluge Wort eroberte der wunderhübschen Schwiegertochter vollends das Wegerecht" zum Herzen des alten Herrn. Seine Stirn glättete sich, und ein Schmunzeln spielte um seine Lippen. We'l. was soll ich mit euch Beiden nun thun!" rief er. Es bleibt mir doch nichts übrig, als mich mit der Thatsache abzufinden und Euch die Hand zu reichen und einfach zu sagen: ,Lebt glücklich miteinander'!" Damit streckte er ihnen die Hände entgegen, zog die Glücklichen in seine Arme und küßte sie. So standen sie einen Moment innig umschlungen. Dann brach Reginald lächelnd das Schweigen: Und nun darf ich Dich wohl auch um etwas Geld bitten. Vater?" Wozu denn?" Zu unserem Automobilausflug in die Adironoacks zur Mutter!" Der Präsident schüttelte den Kopf. , Aber Vater " Ja. meint Ihr denn, ich ließe Euch allein fort und schmore hier in der Hitze weiter? Nein, Ihr dreiunddreißigmal destillirten Querköpfe! Wir werden zusammen fahren, und zwar mit der Bahn." Zwei Stunden später war die weiter. Leituna der Geschäfte wieder Mr
'SnookZ übertragen, und van Etten
dampfte mit seinen beiden Querköpfen" nach dem fashionablen Amper-sand-Hotel am herrlichen Saranacsee in den Adirondacks ab. Uäudcr-crllchrrungcn. In der Mandschurei ist das Reisen wegen der dort überall hausenden Räuber (Chunchusen) mit großen Gefahren verknüpft, und deswegen ist auch kein Chinese zu bewegen, nach Einbruch der Dunkelheit die Reise fortzusehen. Sowohl in Mukden wie in Simintin wohnen Chunchusen-Re-präsentanten, eine Art Versicherungsagenten, bei denen man sich gegen eine gewisse Abgabe in der Regel bezahlt man einige Prozent der Werthe, die man mit sich führt freie und ungehinderte Reise nach dem aufgegebenen Bestimmungsorte sichern kann. Hat man die Versicherungssumme erlegt, so schicken die Räuberbanden einen Ver trauensmann mit auf den Weg, theils um den Reisenden von Ueberfällen zu schützen und ihn zu legitimiren und theils, um sich zu überzeugen, daß nicht größere Werthe mitgeführt werden, als für die man versickert" ist. Der Sold der Bnndessoldate. Vielfach besteht die Meinung, daß der Sold, welchen die Soldaten der Vundesarmee beziehen, ein herzlich schlechter sei. Dem ist nicht so. Die Ver. Staaten-Regierung zahlt den Leuten in ihrem bunten Rock" nicht nur einen höheren Sold, als irgend ein anderes Land, sondern gestattet denselben auch höhere Bezüge für Kost und Kleidung, als die große Mehrheit von Handwerkern und Arbeitern stch gestatten kann, für diese Bedürfnisse auszugeben. Tie Lobnbezüge des Arbeiters im bürgerlichen Leben mögen viel höher erscheinen, als der Monatssold des Soldaten, aber aus seinem Lohn hat der Arbeiter auch die Kosten seiner Verpflegung, Kleidung und anderer Bedürfnisse zu decken, die der Soldat nicht zu tragen hat. Der Soldat wird auf Regierungskosten gespeist, gekleidet und untergebracht, und am Ende des Jahres wi'd er, wenn er kein Verschwender ist, mehr erübrigt haben, als der Handwerker oder Arbeiter. Auch darf nicht aus den Augen gelassen werden, dag mit jeder Erneuerung seiner Dienstzeit sein Sold nach und nach gesteigert wird, und daß, wenn er im Dienste tüchtig ist. er Gelegenheit zur Beförderung zu den unteren Chargen hat, wodurch sein Sold ebenfalls eine Erhöhung erfährt. Und wenn so ein Soldat stirbt, dann sieht die Regierung darauf, daß er anständig begraben und sein Grab ordentlich markirt wird. Wenn er im Dienste untauglich geworden ist, dann kann er pensionirt werden, just wie ein untauglich gewordener Freiwilliger; zudem gibt es Heimstätten für untauglich gewordene Soldaten der regulären Armee. Bei einem Fahrkunst' st ü es gestorben. Seit einiger Zeit produzirte stch im Kasino von Paris ein junges Mädchen, Fräulein Marcelle Randal, in einem Motorwagen, der von der Höhe des Saales herab auf einer steilen Bahn herabsauste, dann sich überschlug und nach einem Sprunge durch den freien Raum auf eine zweite Bahn niederfiel und dort zum Steben gebracht wurde. Als Fräulein Randal neulich mit ihrem Wagen in der genannten Ruhestellung angelangt war, stieg sie nicht, wie gewöhnlich, unter rauschendem Beifall heraus, sondern lag bleich, mit geschlossenen Augen auf dem seidenen Kissen des Automobils, während der Athem nur noch schwach zwischen den halbgeschlossenen Lippen hervordrang. Sie war von einem Herzschlag getroffen und starb einige Minuten später. Gegen die Leiter 'des Kasino wurde Klage auf fahrlässige Tödtung angestrengt. Parlaments-Stenogra-p h i n. In Bukarest. Rumänien, wurden bei dem diesjährigen Wettbewerd um den Posten eines Kammerstenographen zum ersten Male seit dem Bestehen des rumänischen Parlaments auch Frauen zugelassen, und eine junge Dame schlug alle Mitbewerber aus dem Felde. F i e l i n f e i n M e s s e r. Der im Walde mit Reisigschneiden beschäftigte 13jährige Kaufmannssohn Anton Reiber aus Wiedergeltingen im bayerischen Regierungsbezirke Schwaben fiel so unglücklich von einem Baume in sein Messer, daß dieses ihm tief in die Brusthöhle eindrang und die Halsschlagader durchschnitt. Der Knabe konnte noch ein Stück weit gehen, starb aber aus dem Wege. Gans als Venefizgeschenk. Dem jugendlichen Liebhaber Wolf vom Theaterensemble in Würzbürg, Unterfranken, wurde bei seinem Benefiz in ..Comtesse Guckerl" eine Gans als Auszeichnung zutheil. Nach dem Aktschluß wurde der lebendige Zweifüßler in einem verzierten Käfig auf die Bühne gereicht, was Künstler und Publikum zu schallenden Heiterkeitsausbrüchen veranlaßte. Nach lZngerem Leiden ist der durch feine großzügigen, doch nicht immer einwandsrnen Bauunternehmungen bekannte und viel genannte Großgrundbesitzer Heinrich Theodor töch in München, der Schöpfer des afs Luitpold" und deS Bolksgartens gestorben.
