Indiana Tribüne, Volume 28, Number 223, Indianapolis, Marion County, 12 May 1905 — Page 6

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Jndiana Tribüne. 1. Mai 1903

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2V4sTVAO V V i KlZrchnu Ers 0 i g Skiw von v S. v. catxlictt irO rO'0?0CvCOO'00?OitO "" rofefsrr 2cftor Ernst RiemerJS scheid schlenderte verdrossen durch die Straßen der ihm gänzlich fiemden und ganzlich gleichgilligen Stadt 3. Auf Auf forderung des dortigen Wissenschaftlichen Vereins" hatte er es übernommen, eine Neihe populär-medizinischer Vorträge zu halten. Heute war wieder ein solcher Vortrag gewesen, Thema: Tas medizinische Studium; und dabei hatte der Professor Doktor über dem Nebenthema Frauenftudium." pro und contra bei ihm war es fast nur contra sich dermaßen in Eifer geredet, daß er den frühen Llbendzug versäumt, mit dem er sonst in die h?imische Universitätsstadt zurückzufahren pflegte. Nun konnte er bis elf Uhr Nachts in diesem Nest sitzen. . hatte zwar hunderttausend und etliche Einwohner; aber eine Stadt, in der man unfreiwillig ein paar Stunden zubringen muß, ist immer ein Nest. Sein einziger Bekannter in . war seit vier Wochen verheirathet; dort wollte er nicht stören." Tenn. sagte er sich, entweder sie bereuen es schon, und dann ist's unbehaglich, oder sie bereuen es nicht, und dann ist's noch unbehaglich für den dritten. Ten Abend in einem Restaurant zuzuöringen, wenn, man dort fremd ist, ist auch nicht erbaulich. Tas Theater hatte schon angefangen und für's Tingeltaa gel war er nicht aufgelegt. Ter Professor faßte eine noch stärkere Antipathie gegen die studirenden Frauen, seit er ihretwegen einen Zug versäumt. Tas sollte ihm nie im Leben wieder passiren. Er wünschte, er wäre irgendwie über die nächsten drei Stunden hinweg. Da fiel sein Auge auf die Ankündigung von einem Konzert: Anfang acht Uhr. Dazu kam er noch gerade recht. Auf alle Fälle würde es warm sein in dem Konzert, und in den Straßen wehte ein kalter Nordost. Berühmtheiten scheinen es gerade nicht zu sein, die da in Riesenlettern auf dem rothen Zettel prangten, aber, wer weiß! Er war nicht mehr vertraut mit dem madernen Kunstleben, es mochten ja ganz neue Berühmtheiten sein. Er hörte sehr gern Musik, in seiner frühesten Jugend hatte er selbst mit viel Hingabe und wenig Erfolg Violine gespielt. Er ging schnell in den Laden und frug: Ist noch ein Billet zu fcute Abend zu haben?" Der Ladenjüngling machte ein komisches Gesicht. Aber er fagte ganz geschäftsmäßig: Ich kann Ihnen noch einen sehr guten Platz geben. Darf es zu drei Mark fein, oder zu eins fünf3ig?" Zu drei Mark," sagte der Professor in der unwillkürlichen Annahme, daß das ein bequemerer Platz sein müsse, als zu eins fünfzig. Er bekam sein Billet und ein Proramm gratis. Es traf sich gut. daß der Weg zu dem Konzert gerade der einzige war, den der Professor kannte. Es fand nämlich in demselben Lokal statt, in dem er vorhin seinen Vortrag gehalten. Es war ihm ganz sonderbar, als Zuhörer den Raum zu betreten, in dem er sonst der Vortragende war. Beinahe wäre er, alter Gewohnheit folgend, direkt auf's Podium gestiegen. Zu seinem Erstaunen fand er seinen Platz in der zweiten Reihe, obwohl er das Billet so spät genommen. Entweder es war ein günstiger Zufall oder es war sehr wenig Nachfrage nach Billets gewesen. Er kam neben eine alte Dame zu sitzen, die ihn mit einer Wohlwollensmiene begrüßte, die er sich nicht bewußt war, verdient zu haben. Er machte sich nicht viel aus Damen, aus alten nun schon gar nicht. Er hatte die vage Idee, daß sie bösartig seien. Diese aber war ausgesprochen gutartig; sie hatte die mit leiser Neugierde durchsetzte Zuthunlichkeit. als die Menschenliebe sich bei alten Damen manchmal zu äußern pflegt. Der Professor wurde dadurch leise beunruhigt. Es ist am Ende eine Personenverwechselung," dachte er, als das alte Fräulein sie war mit Fräuleinschaft geradezu imprägnirt sich mit ihm unterhielt, wie mit einem wiedergefundenen Freunde. Ach, wenn es doch recht voll werden wollte," feufzte das gute Fräulein sehnsuchtsvoll. Sie haben Ihr Billet auch wohl von Winterfeld zugeschickt bekommen?" meinte sie vertraulich und zugleich leise bekümmert. Zugeschickt bekommen? Ich habe es mir '.ben gekauft," sagte er verwundert. Ja?" Tas Wohlwollen in den Mienen der alten Dame wurde geradezu strahlend. Und eine große Hochachtung mischte sich hinein. Ein erstes Konzert ist für ein junges Mädchen eine große Sache," sagte sie, wie um Sympathie werbend für die Konzertgeberin. In einer großen Stadt treten so schrecklich vie-e Sängerinnen auf, und im großen Publikum ist sie doch noch nicht bekannt. Sie soll es hierdurch erst werden. Da müssen natürlich viele Freibillets ausgegeben werden." Der Professor sah sich prüfend um. Um ihn her saßen entweder alte Da-

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men oder ganz junge Mädchen. Tanten und Freundinnen taxirte er. s,reibillets. Nach und nach krümelte sich noch etwas an, das weder das eine noch das andre zu sein schien. Ein paar schmierig aussehende Jünglinge drückten sich an den Wa-Vn herum, obwohl es nicht an S'ühlen fehlte. Wahrscheinlich fanden sie die Stellung interessanter und kritischer. Natürlich hatten die Freibillets. Ein Räumn wehte durch die Damen wie der Wind durch ein Weizenfeld als ein Leutnant erschien, gemessen den Mittelganz durchwandelte und sich in der ersten Reihe niederließ. Ter hat erst recht ein Freibillet," dacbte der Prosen or. Das ist e'.n Vetter." Eine Dame mit bleichen verhärmten Zügen lugte von Zeit zu Zeit hinter der Thür des Künstlerzimmers hervor; ihr sorgenvoller, ängstlicher Viick überzählte augenscheinlich die dünnen Reiben der Erschienenen. Tas ist die Mutter." flüsterte das alte Fräulein dem Professor zu. Zz hat solche Angst um den Erfolg, fast noch mehr Angst, als Klärchen selbst." Tas steht man," sagte der Proies sor. Aber wozu machen die guten Tamen denn die ganze Geschichte, wenn es ihnen keine Freude macht?" Aber Klärchen muß doch letannt werden!" sagte die alte Tame. Ter Professor machte ein etwas höhnisches Gcstcht. Er sah durchaus nicht ein. warum irgend ein unbekanntes Klärchen bekannt werden mußte. Aber der Ehrgeiz! Aus Ehrgeiz rnkauft eine Frau Leib und Seele. 2)aJ Fräulein will applaudirt werden, Ve sprechungen über sich in den Zeitungen lesen, womöglich auf Ansichtskarten prangen. Das war wieder der ekel hafte Zug der Zeit, sich an die esfentlichkeit zu drängen, koste es, was H wolle. Ter Profenor redete stch immer mehr in Entrüstung hinein vielleicht war etwas Milieubeeinflussung dabei, weil er das Podium vor Augen hatte, auf dem er heute Nachmittag seine Philippika gehalten er war drauf und dran, fortzugehen, als, weil das Publikum begann, Zeichen der Ungeduld von sich zu geben, das Konzer: anfing. Tie gütig Mitwirkende," eine abgearbeitet aussehende Klavierlehrerin, die sich dann und wann öffentlich hören ließ, um das Prädikat Pianistin nicht zu verlieren, spielte sich mit freudloser Ausdauer durch ein schwieriges Stück von Bach hindurch. Tas Publikum klatschte in erleichterter Tankbarkeit, als das Stück zu Ende war. Tie Spielerin verbeugte sich übertrieben tief nach allen Seiten, lächelnd so ein müdes, abgegriffenes, verzerrtes Lächeln, das sich auf den ausgearbeiteten Zügen ungefähr so ausnahm, wie die künstttchen Veilchentuffs in den Falten des schäbigen modernisirten Seidenkleides. Eine erwartungsvolle Pause. Der Moment war da, wo die Sängerin auftreten mußte, die Konzertgeberin. Da kam sie. Ein ganz junges Mädchen, blond, in weißem Kleide, sehr blaß; aber es schien Augenblicksblässe, durch die Erregung verursacht. Die Tanten und Freundinnen begrüßten sie mit Klatschen. Die Sängerin dankte mit einem verwirrten, schüchternen Lächeln, und verbeugte sich. Es war keine Künstlerinnenverbeugung; mehr ein kleiner Schulmädchenknicks. Armes Ding!" dachte der Professor und wußte selbst nicht recht, weshalb. Die gütig Mitwirkende, dunkel, schattenbaft, war hinter der hellen jungen Gestalt angetreten und hatte sich an's Klavier gesetzt. Eine Arie. Selbstverständlich. Man muß doch zeigen, daß man etwas gelernt hat. Die Sängerin setzte ein. Etwas ängstlich. Aber es war eine süße junge Stimme. Wenn die Maiglöckchen im Walde läuten könnten, müßten sie eine solche Stimme haben. Und diese jung? waldfrische Stimme mühte sich gewissenhaft, alle Höhen zu erklimmen, jede?

Note chr Recht zu geben, deutlich au5zusprechen, richtig zu athmen. Tatletztere gelang ihr nicht immer, die Angst vor den fremden Leuten vor ihr beklemmte ihr wohl zu sehr die Brust. Welch ein Reinfall," dachte der Professor gelangweilt. Aber er besann stch: sie war ja eine Anfängerin. Tas hatte er gewußt. Und für eine An fänzerin war es eine recht annehm bare Leistung." wie die Kritiker sagen würden. Sie hatte eine hübsche Stimme, sie sang musikalisch, sie hatte unverkennbar eine gute Schule genossen eigentlich fehlte ihr nichts, als Reutine und ja. das, was sich schwer beschreiben läßt, wodurch alle diese gu ten Eigenschaften erst Farle und Kraft bekommen, zur Einheit werden, das. was überspringt wie ein elektrischer Funke auf die Hörerschaar und sie sich zu eigen macht das Künstlertemperament! Tas war ein musikalisches junges Mädchen keine Künstlerin. Der Professor applaudirte mit den anderen. Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da," sagte er sich halb gutmüthig, halb ironisch. Aber das wahnsinnige Klatschen der alten Dame neben ihm veranlaßte ihn doch zu einem mißklingenden Seitenblick und einer hclblauten Bemerkung. Sie bat es so nöthig," sagte die alte Dame entschuldigend. Sie ist so

angstlich, und man muh ihr etwas Muth machen. Ihre Zukunft hängt vielleicht von dem Erfolge des heutigen Abends ab." Es frägt sich nur, ob der Erfolg dem iunaen Mädchen zu wünschen ist,"

sagte der Profenor. Die alte Dame sah ihn erschrocken an. Es gibt schon so viele Sängerinnen." fuhr er fort, daß ich wirklich nicht weiß, ob es so durchaus nöthig ist, Fräulein " sein Auge suchte nachlässig den Namen auf dem Zettel Fräulein Lengederg dieser Quantität noch hinzuzufügen." Was für ein schrecklicher Mann," dachte die alte Dame, und sagte lebhaft:' Allerdings ist es nöthig, denn die Fanlilie ist unbemittelt und KUkchens schöne Stimme ist ein Kapital, das möglicherweise reiche Zinsen traaen kann. Vorläufig hat die Familie ihr große Opfer gebracht." Sollte sie nicht vielmehr das Opfer iürer Familie sein?" dachte der Professor, und setzte wieder, beinahe unwissentlich, hinzu: Armes Ding!" Die Klarierspielerin trat wieder an und spielte die 'athetique. Tah die da sitzt und spielt, ist auch pathetisch." dachte der Professor, und überlegte, ov er wohl das Konzert verlassen könnte, ohne allzu unliebsames Aufsehen zu erregen. Aber das würde er zweifellos. Die Herren waren vertheilt wie die Rosinen im Kuchen einer sparsamen Hausfrau, und er war groß und breit; es würde eine häßliche Lücke geben, wenn er aufstand. Und dann aus dem Singen machte er sich ja nicht überviel, aber es war ihm ein angenehmer Gedanle, das junge blonde Ting noch einmal zu sehen. Mit dem trübseligen Eindrucke der Klavierspielerin wollte er nidjt fortgehen. Tas arme Wesen that ihm auch leid, mit ihrem GeHammer, von dem sie sicherlich wußte, daß es andern so wenig Freude machte, als ihr selbst. Aber es gibt ein angenehmes und ein unangenehmes Mnleidsgefühl. Das Mitleid mit der Klavierspielerin war ihm nicht angenehm, auch war es nur äußeri't vage. Vorhin war die Sängerin schneeblaß gewesen, jetzt hatte sie rothe Backen vielleicht ein bischen röther als gewöhnlich. Ter Maiglöckchenstrauß in ihren Händen fing schon an zu welken. er Professor ertappte sich auf einer Grübelei, von wem Fräulein Lengeberg den Strauß wohl erhalten haben möchte. Gewiß von dem Vetter. Oder von einem Kollegen, Konservatoriumsfreunde oder dergleichen. Es ging ihn gar nichts an, aber der Gedanke war ihm unsympathisch. Dieses Mal sang die Kleine Lieder. Er blickte auf das Programm. Tie besten Namen, weltberühmte Lieder. Ter Professor hörte kaum, was sie fang. Nur die Stimme an sich war ihm angenehm, diese süße junge Stimme, ürer der der ganze duftige Schmelz erster Jugend lag. Sie machte ihm ein träumerisches WohlbeHagen, wie abendliches Rauschen in Baumkronen, oder das in sich selige Plätschern eines Baches über moosigen Grund. Er sah sich wieder als kleiner Knabe am Rande eines solchen Baches hinwandern; es duftete nach Maiglöckchen, und über ihm sang ein Vogel. Keine Nachtigall. Eine Grasmücke vielleicht. Tie Sängerin hatte geendet, die Leute applaudirten, der Professor bewegte mechanisch die Hände. Tie Stimme ist ein bischen schwach für den großen Saal," sagte eine vor ihm sitzende alte Dame zu einer anderen. Ich habe sie im Zimmer sinzen hören, da klang es viel besser. Aber sie sieht doch niedlich aus in ihrem weißen Kleide mit den Maiblumen. Beinahe wie eine Braut." Aber Brautkleider sind doch nicht so ausgeschnitten," korrigirte die andere. Nein, freilich. Und denken Sie nur geweint hat das Klärchen, daß sie ein ausgeschnittenes Kleid anziehen sollte. Ihre Lehrerin die MeyerSchultze, wissen Sie hat ihre ganze Autorität aufwenden müssen, um sie zu überreden." Ach Gottchen!" meinte die andere. Aber es ist doch schließlich nur wie ein Ballkleid." Ja, aber das Klärchen ist eben nie auf einem Ball gewesen." Einerlei. Sie wird sich balo dran gewöhnen. Wenn's weiter nichts ist!" Wenn's weiter nichts ist! Die gefühlsrohen Weibe''! dachte der Professor empört und dann, während die gütig Mitwirkende Schubert und Mendelssohn vorhatte: Armes Ding! Nachdem ihre ersten Jugendjahre dem Studium geopfert, stellten sie's auf's Podium in's grelle Lampenlicht, setzten sie der Marter von neugierigen, tastenden Blicken aus, zwangen sie, ihre zarte Waldquellenstimme über ihre natürlichen Grenzen hinauszuschrauben, und obendrein enthüllten sie rhr Arme und Schultern, damit ihre junge Schönheit bestach, wenn das Können nicht ausreichte. Und jeder Lümmel hatte das Recht, für drei Mark, respektive eine Mark fünfzig, die junge Schönheit an zustarren und zu kritisiren, und sie mußte aushalten und noch lächeln dazu, sich dankbar verneigen. Fühlte denn Niemand, daß ein Unrecht geschah an dem armen jungen Dinge, das das natürliche mädchenhafte Zurückbeben vor der Schaustellung ihrer Person hatte, vor der Öffentlichkeit! Nein, sie fühlten es nicht. Sie wa-

ren aHe verrückt, entartet. Das gibt

y.q,- jagten te zynisch. Die Damen vor ihm knüpften wieder an ihr durch das Klavierspiel unterbrochenes Gespräch an. Tas ist nur beim ersten Konzert, daß man solche Angst hat. Kennen Sie Fräulein .? Tie war auch früher so ängstlich, und zet, sagt sie. wäre es ihr ganz gleich, oo sie zu Hause an ihrem Klav'.er säße oder auf dem 'odium vor ein paarhundert Leuten!" Fräulein Z. hat eine sehr gute Meinung von sich," bemerkte die andere tadelnd. Ja. Aber das muß eine Künstlerin. Sonst kann sie nichts leisten. Tie Sicherheit kommt mit dem Erfolge, und der Erfolg mit der Sicherheit. Wenn Klärchen doch einen rechten Erfolg bätte heute Abend." Ten Professor packte eine ganz unaerechtfertigte Wuth gegen die guten Damen, die nicht ahnten, daß Jemand sie direkt hinter ihrem Rücken verwünschte. Des Professors Mitleid war unvermerkt zu lebhafter Antheilnahme geworden und aus diesem heraus richtete er für das junge Mädchen einen warmen Wunsch an das Schicksal: Daß sie keinen Erfolg haben möchte heute Abend. Denn mit de:n Erfolge kam die Sicherheit." Und es war ihm ein widerwärtiger Gedanke, daß diese bebende Scheu, diese mädchenhafte Geschlossenheit sich zum siegesaewissen Primadonncnlächeln wandeln, daß daZ imaende junge Mädchen eine routinirte Sängerin werden sollte! Aber freilich was würde aus ihr. wenn sie nicht durchdrang! Tann würde sie mit der Zeit auch so eine gütlg Mitwirkende werden, so ein armes abgestandenes Geschöpf mit schäbigem Kleide und schäbigem Lächeln, das sich freute, wenn es sich mal irgendwo hören lassen konnte, eine müde, resignirte Musiklehrerin. Tenn die Opfer," die die Familie gebracht hatte, mußten doch wieder eingebracht werden! Der Professor wußte nicht, welche Perspektive greulicher war. Und es war so schade um sie. Sie war so lieb und reizend. Jetzt kam sie zu ihrer dritten Nummer: Schumann. Natürlich aus Frauenliebe und Leben." Vi'xb Lied der Braut." rY'erüch batte die Lehrerin ihr das P??' -mm gemacht. ile: i ::':rvx lächelte still für sich hin. Gerade so mußte sie singen richtig im Ausdruck, das heißt, rhythmisch und dynamisch richtig, aber unreif, unwissend, wie ein Kind, dem man etwas beigebracht hat. und das seine Sache sehr gut macht. Es hatte für ihn etwas Rührendes; sicher hatte das junge Ting weder gelebt noch geliebt, sondern nur do re mi fa" gemacht, seit sie erwachsen war. Schade, daß sie nicht ein bischen mehr aus sich herausgeht," sagte seine alte Nachbarin bedauernd, als die Sängerin geendet hatte, und das Publikum applaudirte. weil die süße reine Jugend sie unbewußt alle rührte, die sich trotz ihrer Freibillets berechtigt hielten, kritisch zu sein. Schade!" sagte der Professor höhnisch und mit so grimmiger Miene, daß das alte Fräulein ängstlich ein wenig von ihm fortrückte. Es war offenbar nicht ganz richtig mit ihm. Die thörichte Alte bedauerte, daß die Kleine nicht mehr aus sich herausging! Ja, waren denn dies alles nur Musikfanatiker, keine Menschen! Sah denn Niemand das Schöne dieses Jn-sich-Geschlossenseins! Eine große Künstlerin würde sie doch nicht werden, wenn sie aus sich herausging," nur ihren mädchenhaften Zauber einbüßen! Als letztes Lied der Nummer sanz sie: Tu bist wie eine Blume!" Das war ihr größter Erfolg. Nicht, weil sie es so gut fang Hunderte hatten es fchon besser gesungen aber weil es etwas unsäglich Rührendes hatte, dieses Lied, gesungen von einer, die selbst wie eine Blume war. Ihre Stimme hatte ganz die keusche Innigkeit, den lenzlichen Duft dieses zartesten. reinsten aller Liebeslieder, sie hatte dieselbe Farbe, und deshalb entstand eine Einheit von vollkommener Harmonie ein Kunstwerk, wo doch nur ein Zufall der Natur waltete. Sie sah ganz verwirrt aus, als ein wirklich großer Beifall erscholl, der erste ganz spontane des Abends. Sie verbeugte sich einmal mehrmals die Pianistin gab ihr einen kleinen aufmunternden Wink hctl3 glücklich, halb beschämt, wie ein Kind, das über Verdienst gelobt wird. Der Professor saß fast ganz versunken. Er hatte noch niemals den Wunsch gehabt, Jemandem die Hände auf's Haupt zu legen, aber wahrhaftig, jetzt hatte er ihn. Und er hätte auch beten mögen, daß Gott sie erhalte, so wie sie war, schön und rein und hold. Aber das war ein frommer Wunsch, fiel ihm mit bitterem Groll ein. Sie war ja eine Sängerin, ein Berufsweib, und wenn sie erst ein dutzendmal so auf dem Podium gestanden, würde sie schon eine andere sein. Es gab für sie nur die Scylla der Primadonnenmiene und die Charybdis des Musiklehrerinnenlächelns, wenn nicht Ja wenn nicht Wie süß müßte es sein, diese holde Stimme für sich im Hause zu haben, wie schön, sich nach des Tages Mühen das Platschern des Baches und das Läuten der Maiglöckchen vorzaubern zu lassen! Welch lockende That, diesem

zarten jungen Dinge, das mit allen Fasern des Seins vor dem Kampfe um's Dasein zurückbangte, zu sagen: Laß mich der Schild sein, der sich zwischen Dich stellt und die Welt; laß mich

Dein Gärtner sein, und blühe Tu als Blume sicher und bebütet. Ten Künstler lav) mich lein, der Tich vollendet zu dem, was Du werden solltest! Wer weiß, ob dann Teine Stimme nicht noch andere Töne fände aber für mich allein. Sonderbar, daß es noch keinen gelockt hatte! Und plönlich kam über den Professor Toktor eine Erleuchtung. Ist es nicht eine Schande, sagte er zu sich, da wud nun so ein kleines junzes Mädchen, dem Angst und Unbehagen auf dem Gesichte geschrieben stehen, in den Daseinskampf hineingetrieben, weil sie das Unglück hat. ehe schöne Stimme und drei jüngere Ge,'chwis:er zu haben. Und hier sitzt ein großer dicker Mann. der einen Puff vert.agen kann; ein wohlbestallter Professor, der es für zweie hat, auch wohl für drei oder vier. Ter Professor zieht, wo sich's machen läßt, gegen die Berufsfrauen los aber steht nicht seine wohlsttuirte Unbeweibtheit in schreiendem Widerspruch zu seinen Worten? Wenn sie nur von der Kritik gut behandelt wird." seufzte das alte Fräulein neben ihm. Tann ist der Erfolg fertig." Wenn ich den Kritiker doch bestechen könnte, ihre Leistungen recht herunterreißen, dachte der Professor. Denn auch in den besten Frauen schlummert der T-ämon Ehrgeiz, und irenn der einmal geweckt ist, dann, wer weiß nimmt sie mich am Ende nicht! Sie nahm ihn, obwohl die Kritik sagte, daß s'e eine sehr annehmbare Leistung geliefert babe und zu schönen Hoffnungen für die Zukunft berechtige." Tenn sie war eine von denen, die lieber für einen singen, als für die ganze Welt. Ter Professor versäumte noch oftmals den frühen Alendzug es kommt eben immer anders als man denkt. Klärchens Familie fand sich allmälig damit ab, ihre Opfer umsonst gebracht zu haben. Um so leicbter. als man nach Klärchens Verlobung entdeckte, daß die zweite Schwester eine noch viel schönere Stimme habe, viel musikalischer und jedrnfalls viel kampftüchtiger sei als Klärchen. Aber so großen Erfolg wie ich bei meinem ersten und einzigen Konzert wird sie doch nicht haben." sagte die junge Frau Professor später einmal mit einem schelmischen Blick nach ihrem. Manne hin. Und. da sie sich die Bescheidenheit immer noch nicht abgewöhnt hatte, erklärte sie rasch: Ta hat mein Mann sich nämlich in mich verliebt aus Mitleid, weil ich so schlecht sang." Adel und Liürycrthum. Ter bekannte Geschichtsschreiber v. Hormayr erzählt, daß ein Graf Stadion, sonst ein tüchtiger Patriot, vor Zorn außer sich gewesen sei, wenn es ihm einmal passirte, in den Gesellschaften der Wiener Hofburg einen Bürgerlichen anzutreffen. Bei solchen, damals noch viel verbreiteten Gesinnungen des Adels geqen das Bürgerthum, kann es uns nicht Wunder nehmen, wenn im Jahre 1848 im Frankfurter Parlament der Antrag gestellt wurde, den Adel ganz aufzuheben, ja, wenn ein weiterer Vorschlag des Revolution--jahres dahin ging, auf eine ganz eigenthümliche Art dem Adel eine Todeswunde zu versetzen. In allem Ernste wurde nämlich vorgeschlagen, daß man die Verbrecher, die Sträflinge und Zuchthäusler, in Masse adeln sollte. Mit lebenslänglichem Zuchthaus bestrafte Verbrecher sollten von nun an als Grafen figuriren, gewöhnlichere Zuchthäusler sollten auf den Titel eines Barons gerechte Ansprüche haben, und ein armer Schlucker, beim ersten Ausfluge auf fremdes Eigenthum ertappt, sollte mit dem bloßen von" davonkommen. Mit so vielen Anträgen liegt auch dieser, übrigens nicht im Geringsten ironisch gemeinte Antrag in den Akten des Frankfurter Parlaments begraben. Alte Pinsel. Men näheren Freunden Adolf v. Menzels war es bekannt, daß die Pinsel, mit denen der Meister Vorzugsweise zu arbeiten pflegte, auf ein hohes Alter schließen ließen und daß sie oft abgestumpften Bleistiften glichen. Als nun eines Tages auch die spätere K iserin Friedrich mit Menzel auf dessen Malutensilien zu sprechen kam (die Kaiserin malte als Liebhaberin und errang sich bei dem greisen Künstler das Lob einer guten Dilettantin"), sprach die Fürstin ihr Erstaunen über Menzels abgenutzte Pinsel aus. Sie meinte: Ich beziehe meine Pinsel alle aus England, aber ich kann sie nicht lange brauchen. Wie können Sie, Herr Professor, nur mit solchen Pinseln arbeiten?" Worauf Menzel mit einer leisen Anspielung auf sich selber erwiderte: Kaiserliche Hoheit, alte Pinsel muß man in Ehren halten!" Reiches Vermächtnis Der verstorbene Gutsbesitzer Wessel in Warschau. Russisch-Polen. der ein großer Musikfreund war. hat die Warschauer Philharmonie zur Universalerbin seines gesammten Vermögens in der Höhe von 1 03,000 Rubeln (553,045) eingesetzt.

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