Indiana Tribüne, Volume 28, Number 223, Indianapolis, Marion County, 12 May 1905 — Page 1

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' CBtrsdifittt jeden fcladimtttap. Jahrgang 28. Indianapolis, Ind., Freitag, 12 Mai 1905 No. 223. ' f i !

Bon einem Einbrecher gewürgt. Einen kurzen Kampf mit einem Ein breche? hatte heute früh 2 Uhr Frau Ellen Moore. 128 Weft 23. Straße, zu bestehen. Ein Geräusch im Zimmer weckte sie, und als sie sich dann im Bette emporrichtete, da ergriff sie plötzlich ein großer Neger an der Kehle. Die Frau riß sich los und schrie um Hilfe, der Neger packte fte nochmals, als aber die Frau ihr Schreien nicht ließ, da sprang der Bursche aus dem geöffneten Seiten fenfter und verschwand. Gestohlen wurde anscheinend nichts. nrenpferde gestohlen.

Im Hammond Park, nordöstlich von dem Ausftellungsplatze. wurden gestern zwei Pferde aufgegriffen, welche der Polizei schon seit mehreren Tagen viel Kopfweh verursachten. Die Pferde find Eigenthum der Buren-Eompagnie, die hier fich einen Tag aufhielt und diese Pferde wurden derselben gestohlen. Der Verdacht fiel auf einen entlassenen An gestellten. Einer von der Burentruppe blieb hier, um den Pferden nachzufor schen. konnte aber selbst mit Hilfe der Polizei die Thiere nicht finden, bis ge ftern dieTelephon-Nachricht eintraf, daß beide Pferde im Hammond Park feien. Germania-Park. In Folge der fürchterlichen Regengüffe und deS Sturmes, der im Park ziemlich viel Schaden anrichtete, wurde die Eröffnung des Germania-ParkS auf Sonntaz, den 21. Mai, verschoben. Die Verwaltung, welche besonders stolz auf den schönen Zustand des Parkes ist, wünscht denselben auch im schönsten Kleid zur Eröffnung bereit zu haben. Mitglieder, die ihre Mitgliedskarten noch nicht gelöst haben, können dieselden in der ..Telegraph"-Osfice erhalten. Dies ist von besonderer Wichtigteit. da in diesem Sommer viele Festlichkeiten im Park stattfinden, wozu die Mitgliedskarten berechtigen. Personal-Notizen. Hr. Fred. B r o m m e r , ein schwäbischer LandSmann von unserem berühmten Schiller, von Vaihingen bei Stuttgart, feierte auch ein Jubiläum, nämlich da? 51. Jahresfeft seiner Niederlassung in Indianapolis. Natürlich war er bei der Schillerseier einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen. Unfälle. B u d Harrison, No. 1221 LewiS-Straße wohnhaft, der mit dem Einrichten einer Heizanlage an der Nord Alabama-Straße beschäftigt war, brach fich das Bein. Die Ambulanz brachte ihn in seine Wohnung. L o u i s P. H e l m a n, ein öffent. lichrr Notar aus Peru, Ind., wurde auf eine von den BundeS-Grotzgefchwo-renen gegen ihn erhobene Anklage hin vom Ver. St. Deputy-Mafhall T. E. Martin verhaftet. Jfaac Bante, 414 Süd Marman Aoenue, der mit gebrochenem Rückgrade im Hospital liegt, kann nach Anficht der Aerzte seine Verletzungen nicht überleben. Bante wurde zwischen Thür und Wagensitz eingeklemmt, als er mit einer Ladung Latten unter einen Schuppen fahren wollte. B e r k l e y Smith, der farbige Gattenmörder, wird nicht am 19. Mai gehängt werden, doö Supreme-Gericht verschob die Hinrichtung bis zum 30. Juni und beorderte, daß alle Papiere in dem Falle bis zum 5. Juni eingereicht würden, damit derselbe nochmals vorgenommen und entschieden werden kann. ,.( liegt eine erhebende, eine ftäh lende Kraft in Schiller'S Gedichten. AlS Friedrich Hebbel auf dem Siechbette lag, ließ er fich die Gedichte von Schiller reichen. Goethe hatte fich nicht als stark genug erwiesen. Von Schiller'schen Weisen eingewiegt, ist Hebbel selig hinübergeschlummert." Speidel.

De DiebftshIS beschuldigt. Frau Ollie Winkler, 1005z Nord

Illinois Str., wurde unter Anklagen des HauSeinbruchS und deS GroßdiebftahlS den Großgefchworenen überwie sen. Frau Winkler stammt aus einer geachteten Familie und ist Mutter von drei Kindern. Die Anklaze wurde durch Frau Nannie Kehlina erhoben, deren Zimmer an Frau WinklerS Woh nung angrenzen. Die DetectiveS Holtz und Bray waren mit der Aufspürung deS Falles betraut. Frau Winkler ist beschuldigt, durch da Fenfter über der Thüre geklettert zu sein und eine Anzahl Sachen gestohlen zu haben. Die De tectiveö, welche fich einen Haussu chungSbefehl verschafft hatten, fanden viele Sachen vor, die Frau Kehling gehören sollen. Frau Winkler wurde unter kleiner Bürgschaft aus der Hast entlassen. Beim Fischen ertrunken. Während fich Bert Porter und Wm. Wildrick auf dem White River, nahe dem Damme, mit Fischen vergnügten, kippte das selbstgebaute Boot um und Beide fielen in'S Wasser. Während es dem jungen Wildrick gelang, fich an's Ufer zu arbeiten, gerieth Bert Porter in den Strom, wurde fortgerissen und ertrank, der junge Mann ist der Sohn eines dortigen Fuhrmannes. Eine Anzahl Leute machte sich sofort daran, nach der Leiche zu suchen und nach längerer Arbeit gelang eS mittels eines Stacheldrahtes die Leiche zu dergen. Teputy-Coroner Dr. T. N. Bennett von Broad Ripple nahm sie vorläufig in Obhut. Vor etwa 8 Jahren wurde ein Bruder des Verunglückten in einer Naturgaöexplofion in Broad Ripple getöd?et. Polizeiliches. H. C. A t k i n S , No. 1157 Nord Meridian-Straße wohnhaft, meldete der Polizei, daß ein Mann bei ihm am Mittwoch in Arbeit trat, der aber bald darauf verschwand, und seitdem wird eine Uhr im Werthe von $100 vermißt. Die DetectivS Holtz und Bray verhaf teten kurz darauf einen jungen Mann, den sie nach der Station sandten, der aber seine Unschuld betheuerte, und der auch von Herrn AtkinS nicht identificirt werden konnte. FredKickemeyer,ein Wirth, den man ween Uebertretung deS SonntagSgesetzes verhaftet hatte, wurde mit $10 nebst Kosten bestraft. Frau Ella P. William, 912 Süd Delaware Str., wurde durch Ver. Staaten Marschall Boyd verhaftet. Die Frau ist beschuldigt, eine Pension auf die Angabe hin erlangt zu haben, daß ihr Gatte, ein alter Veteran, im Jahre 1885 in Boston starb. Später soll eS sich ergeben haben, daß der Gatte der Frau 1886 noch am Leben war und daß sie fich dann von demselben scheiden ließ, sowie auch, daß ihr Mann noch jetzt am Leben ist. Die erlangte Summe beträgt $1420. Die Frau wurde unter 9200 Bürgschaft entlassen. Schillerfeier in dcr Shortridge Hochschule. Die deutschen Klassen der Shortridge Hochschule hielten gestern Nachmittag eine prächtige Schillerfeier ab. Eltern und Freunde der Zöglinge hatten sich zahlreich eingefunden. Die Feier wurde durch ein schönes Violin-Solo von Dyer Lemon eingeleitet, dem fich als Prolog die 4. Scene, Act 4 aus Jung- j frau von Orleans" anschloß, prächtig gesprochen von Caroline Hildedrand und Mary Baughman. Die Gedächtnißrede wurde von Frl. Nell Ridpath gehalten, die den gespendeten Beifall voll und ganz verdiente. Das ganze Programm, welches so interessant und umfangreich war, gab allgemeine Befriedigung irnd fand mit einem Violin-Solo von Ruth de Haß seinen Abschluß

Erhebend und der großen Gelegenheit würdig.

Die S

chillcr-Fcicr im Deutschen Hause. - tvältigendc Cindnicke des Fcstaktus.

Nachdem eS den ganzen Nachmittag in Strömen vom Himmel geregnet, schien die Vorsehung am Abend ein Einsehen zu haben, das Wetter klärte fich, bald sah man festlich gekleidete Besucher von allen Seiten dem Deut-

jchen vauje zuströmen und in kurzer Zett ! Ausgestaltung zu den Gipfeln der füllte fich der Saal des Deutschen Hau- Menschheit erheben und von jenen einseS mit Gästen, die an der akademischen , samen Höhen das menschliche Leben als Feier zum Gedächtniß deS Todestages j ein Ganzes erschauen, dessen Wachs Friedrich Schiller's theilnehmen wollten. j thum durch eine endlose Verkettung von

M, . I Mit einem Marsch aus Königin von Sada" von Gounod wurde die Feier vom Orchester eröffnet und machte derselbe dem Dirigenten Herrn Alexander Erneftinoff und seinen Musikern I alle Ehre. Unter seiner Direction trug dann der Massenchor, zusammengesetzt aus dem Indianapolis Männerchor, dem Mufikverein und dem Liederkranz, den ersten VerS des LiedeS An die Freude" von Schiller, Mufik von Claaßen, vor; der Vortrag war untadelhaft und verdienten Herr Erneftinoff und der Chor den gezollten Beifall redlich. Die Festrede von Herrn Prof. Robert Nix, war ein Meisterwerk und dieselbe zeugte von tiesem Verständniß für die Werke des großen Dichterfürsten. Wir lassen die Rede nachstehend im Wortlaute folgen : Heute vor hundert Jahren, in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai, bewegte fich durch die Straßen Weimars ein feierlicher Zug. Von zwanzig jungen Künstlern und Gelehrten wurde der schlichte Sarg, der Friedrich Schillers entseelten Körper umschloß, zum Friedhose vor der St. Jakobs Kirche getragen. Nachtigallen sangen dem todten Dichter zum Abschied ihre schönsten Lieder. Nach Mitternacht brach der Mond hinter Wolken hervor und goß seine Lichtfülle über den Sarg, ehe derselbe hinabgesenkt wurde in das lichtlose, unterirdische Gewölbe. Einfach und prunkloö, wie des Dichters LebenSführung, war feine Bestattung. Würdige Gedenkfeiern bekundeten den Schmerz des deutschen Volkes über den unersetzlichen Verlust. Am weihevollsten brachte Goethe die allgemeine Trauer zum Ausdruck durch seinen herrlichen Epilog zu Schillers Glocke, eine Schöpfung, die dauernder ist als Denkmale von Marmor oder Erz. Im Jahre 1827 wurden Schillers Gebeine in der Fttrftengruft zu Weimar beigesetzt. Fünf Jahre später nahm derselbe Raum auch GötheS sterbliche Reste auf; und seither ruhen fie nebeneinander, die beiden Dichterfürsten deS deutschen Volkes. Mit höchster Begeisterung wurde im Jahre 1859 das hundertste GeburtSfeft Schillers von den Deutschen der ganzen Welt begangen. Auf die Sturmjahre 184849 war ein Jahrzehnt finsterer Reaktion gefolgt. Die Verwirklichung des Traumes von einem geeinten deutschen Vaterland schien in unabsehbare Ferne gerügt. Da flüchteten fich die Deutschen zu Schiller, dem Sänger der Freiheit. Bei der Jahrhundertfeier seiner Geburt bewiesen fie. daß fte trotz staatlicher Zersplitterung geeint waren durch Schillers Geift. So ift kein anderer deutscher Dichter je gefeiert worden, wie in jenen Tagen Friedrich Schiller. Und zu einer Zeit, da das wiedererstandene Deutsche Reich fich aufgeschwungen hat zu einer Machtstellung und Größe, wie sie dem heiligen römischen Reiche deutscher Nation" nie zu eigen war, wird mit gleicherBegeifterung die Jahrhundertfeier von Schiller's Todestag begangen, so weit die deutsche Zunge klingt. Unberührt vom Wechsel der Zeiten, strahlt deö Dichters Bild noch heute in demselben hehren Glänze, wie in den Jahrzehnten der tiefsten Demüthigung des deutschen BolkeS durch fremde und einheimische Herrscher.

Ueber-

Heute noch, wie vor hundert Jahren, ist Schiller der Lieblingsdichter der Deutschen. Goethe schritt auf geebneten LebensPfaden einher. Sein zu allem Großen veranlagter Geist konnte fich in freier . . Ursachen und Wirkungen bedingt ist. Dieses Prinzip der fortschreitenden EntWicklung überträgt Goethe auf Alles, was in'S Bereich seiner Betrachtung kommt, auf Natur und Kunst, wie auf die Gesammtkultur der Menschheit. Jeder gewaltsame Eingriff in diesen Entwicklungsgang ift ihm zuwider. Goethe'S Ideale wachsen daher aus dem Stoffe empor, statt in diesen hineingetragen zu werden. In seinem Lebens werke tritt uns eine beschauliche Ruhe, eine Gedankentiefe entgegen, deren volleS Erfassen stets auf einen kleinen Bruchtheil deS Volkes beschränkt war. Goethe hat zu keiner Zeit als Volksthümlicher Dichter gegolten. Anders verhalt eS fich mit Schiller. Ihn hatte das Leben schon in der Jugend rauh angefaßt. Bittere Armuth, die Sorge um's tägliche Brot, Tyrannenwillkür, er hatte sie aus eigener Erfahrung kennen gelernt. Was die große Masse deS Volkes bedrückte, lastete auch auf ihm. Und das Volk versteht ihn, wenn er von Freiheit singt, und von der Menschheit Würde, und begeistert schwingt eS fich mit ihm aus der Wirklichkeit empor in'S Reich deS reinen Ideales. Nur der Körper eignet jenen Mächten, Die das dunkle Schicksal flechten; Aber frei von jeder Zeitgewalt, Die Gefpielin seliger Naturen, Wandelt oben in des Lichtes Fluren Göttlich unter Göttern die G e st a l t. Wollt ihr hoch auf ihren Flügeln schweben, Werft die Angst des Irdischen von euch! Fliehet aus dem engen, dumpfen Leben In des Ideales Reich!" Aber diese Flucht in deS Ideales Reich" soll den Menschen nur kräftigen und auf's neue begeistern zur Fortführung deS e inen gewaltigen KampfeS, der die Vervollkommnung des Einzelnen wie der ganzen Menschheit bezweckt, des Kampfes zwischen Geift und Materie. DaS Ideal soll nicht nur erschaut, eS soll vielmehr in'S Leben hineingetragen und verwirklicht werden durch Bezwingung deS Stoffes. Wenn, das Todte bildend zu beseelen, Mit dem Stoff fich zu vermählen, Thatenvoll der Genius entbrennt. Da, da spanne sich des Fleißes Nerve, Und beharrlich ringend unterwerfe Der Gedanke fich das Element. Nur dem Ernst, den keine Mühe bleichet, Rauscht der Wahrheit tief versteckter Born; Nur deö Meißels schweren Schlag erweichet Sich des Marmors sprödes Korn." Wie hier der Künstler den Stoff befiegt, ohne die vollkommene Schönheit verkörpern zu können, die Schiller im Reich deö Ideales sucht, so strebt der Mensch überhaupt nach moralischer Vervollkommnung, indem er zunächst das Körperliche unter die Herrschaft seines Geistes zu zwingen sucht. ES ift der Geift, der fich den Körper baut", ruft Wallenftein aus. Aber von den ersten Anfängen dieser Herrschaft des Geistes bis zur höchsten Stufe menschlicher Moral ift der eigene Wille die treibende Kraft. All? andern Dinge m ü s s e n ; der Mensch ift das Wesen, welches will." Wenn auch die Handlungen des Menschen durch Zwang gehemmt oder verhindert werden fön-

nen. so ift der Wille dennoch frei, da dem Menschen die Wahl bleibt zwischen dem Kampfe gegen die beschränkenden Gewalten und der Aussöhnung mit denselben. Nur durch die Freiheit deS Willens wird der Mensch zu einem wahrhaft freien Wesen. Der Mensch ift frei geschaffen, ift frei, Und würd' er in Ketten geboren. - Den Bürger binde keine Pflicht, Als seiner Brüder gleich ehrwürd'ge Rechte." Der beständige Kampf zwischen Geistigem und Materiellem, zwischen Hohem und Niederem im Dasein deS Einzelnen wie ganzer Völker; das Streben nach Verwirklichung der hochften Ideale im menschlichen Leben; das Ringen nach einem versöhnenden Ausgleich zwischen Innenwelt und Außenwelt: alle diese wirr verschlungenen Bewegungen erheischen zur wirksamen dichterischen Entfaltung thatkräftige, den Gang der Ereignisse eingreifende Gestalten, wie fie uns in voller Größe nur im Drama vorgeführt werden. Und gerade auf dem Felde deS DramaS ift Schillers höchste Meisterschaft zu suchen. So Herrliches er uns auch auf den Gebieten anderer Dichtung?formen geschenkt: die Herzen der Völker

hat er fich vor allem durch seine Dramen erobert. Schon in den Jahren leidenschaftlich überschäumender Jugendkraft zeigte fich Schillers außerordentliche! Begabung als dramatischer Dichter. Sein Schauspiel Die Räuber" machte ihn mit eiuem Schlage berühmt. Zwar bedauerte der Dichter später selbst, daß er fich darin anmaßte, Menschen zu schildern, ehe ihm nur einer begegnete." Aber trotz der unnatürlichen Charaktere und anderer Mängel machte das Stück einen gewaltigen Eindruck auf das Publikum jener Zeit; übertrifft eS doch an Feuer der Sprache und dramatischen Wucht alle anderen Dramen de: Sturm- und Drangperiode. Zwischen Schillers Jugenddramen und seinen fünf Meisterwerken steht sein Don Carlos". In den Vordergrund tritt in diesem Stücke der Marquis Posa, der uns deS Dichters geläuterten Freiheitsbegriff verkündet. An SpanienS König, den zweiten Philipp, richtet Posa die Worte: Geben Sie, was Sie uns nahmen, wieder. Lassen Sie, großmüthig, wie der Starke, Menschenglück aus Ihrem Füllhorn strömen, Geister reifen in Ihrem Weltgebäude! Geben Sie Gedankenfreiheit Sehen Sie fich um in seiner herrlichen Natur! Auf Freiheit ift fie gegründet und wie reich ift sie durch Freiheit! Er, der große Schöpfer, wirft in einen Tropfen Tau den Wurm und läßt noch in den todten Räumen der Verwesung die Willkür sich ergötzen Ihre Schöpfung. wie eng und arm! Das Rauschen eines Blattes erschreckt den Herrn der Christenheit Sie müssen, müssen vor jeder Tugend zitten. Er der Freiheit entzückende Erscheinung nicht zu stören er läßt des Uebels grauenvolles Heer in seinem Weltall lieber toben ihn, den Künstler, wird man nicht gewahr, bescheiden verhüllt er sich in ewige Gesetze." Aber Philipps Zeit ift nicht reif für Bürgerlück un Menschenwürde; und Posa opfert fich für seine Ideale. In dem Meisterwerk Wallenftein" führt unS der Dichter den großen FeldHerrn aus dem Dreißigjährigen Kriege vor. Hoch über die meisten Gestalten seiner Umgebung erhebt fich WallenfteinS kraftvolle Persönlichkeit. Wallenstein glaubt aber, sein Schicksal aus den Sternen lesen zu können. Mit diesem Glauben ift die Freiheit eigener Entschließung unvereinbar. Er wird zum Unfreien, der in seinem Wahne die eigene Größe weit überschützt und in dem Konflikt zwische Reichstreue und Reichsverrath fteuerlos dem Untergang entgegentreibt. In seltsamen Gegensatz zu Wallenftein steht dessen Mörder, ein Mensch von niedriger Gesinnung, der die stolzen Worte spricht: .Er ift ein großer Herr, der Fürst ich aber Bin nur ein kleines Haupt, das wollt Ihr sagen.

WaS liegt der Welt dran, meint Ihr, ob der niedrig Geborene fich ehret oder schändet, Wenn nur der Fürstliche gerettet wird.

Ein jeder gibt den Wert fich selbst. Wie hoch ich Mich selbst anschlagen will, daS steht bei mir. So hoch gestellt ift keiner auf der Erde, Daß ich mich selber neben ihm verachte. Den Menschen macht sein Wille groß und klein!" In den drei Frauentragödien Schillers werden hohe Lebenskämpfe in den verschiedensten Formen dargestellt. Im Trauerspiel Maria Stuart" wird uns nur die Katastrophe borge führt. Maria ergibt sich in die erfolgte Verurtheilung. Sie glaubt, durch ihren unverdienten Tod die frühe, schwere Blutschuld abzubüßen." Jty; besseres Selbst geht siegreich aus dem Kampfe in ihrem Innern hervor. Der Tragödie der Alten nähert fich Schiller mit der Braut von Meffina", einem Teauerspiel mit Chören. Im Hintergrunde steht hier das unerbittliche Schicksal, das schwere noch an den Nachkommen deS Schuldigen rächt. In den Vordergrund aber tritt der Bruderzwist die Ermordung des einen Vruders durch den andern und die freiwillige Sühne der That durch den Selbstmord des Mörders. In der Jungfrau von Orleans" feiert Schiller ungeachtet aller Mittel-alterlich-myftifchen Zuthaten den Sieg der Vaterlandsliebe über die Liebe, die in der finnlichen Natur des Menschen wurzelt. Die fromme Schäferin" Johanna hat irdischer Liebe entsagt, um die für dieses Opfer verheißene übernatürliche Kraft das Vate.land von der Fremdherrschaft zu befreien. Ihr Siegeslauf wird gehemmt, als fie in schwacher Stunde ihr Gelüste bricht. Doch ihre Liebe zum Vaterland bezwingt die sinnliche Liebe, und die alte Kraft wird ihr aus' Neue zutl.eil. Durch den Heldentod auf dem Schlacht feld sühnt sie ihre Schuld. Noch stehen vor unserem geistigen Auge die großen Ereignisse, die in der gestrigen Feftvorftellung an uns vor überzogen, und noch immer glauben wir die gewaltigen Worte des Hohenliedes der Freiheit und Vaterlandsliebe zu hören, dis Schiller in seinem Wil Helm Tell" der ganzen Menschheit gesungen. In fast allen Dramen deö Dichters steht im Mittelpunkte des Ganzen eine einzige heldenmttthige Geftalt, die unsere Blicke auf fich zieht, neben der die andern Gestalten zurücktreten. In der Braut von Mesfina" nimmt ein Fürstenhaus die Stelle des Helden ein. Der wahre Held in Schiller's letztem Drama ist das Schweizervolk, das einmüthig zusammensteht, um seine verbrieften Rechte, um seine unmittelbare Zugehörigkeit zum Reiche zu wahren vor der Ländergier und Tyrannei deS HauseS Oesterreich. Zwar treten einzelne Gestalten, wie Tell und Stauffacher, Melchthal und Walter Fürst in den Vordergrund; fie alle theilen aber mit ihrem Volke die Grundidee der Handlung Abschüttelung des fremden Joches. Wohl durfte ein Posa ausrufen : Das Jahrhundert ift meinem Ideal nicht reis. Ich lebe ein Bürger derer. welche kommen werden." Ein ganzes Volk jedoch begeistert fich nicht für Ideale, deren Verwirklichung in absehbarer Zeit nicht möglich ist. Schon durch die Wahl deS Stoffes war der Dichter also auf das Erreichbare angewiesen. Eben darum aber steht sein Tell" in höherem Maße auf dem Boden der Wirklichkeit, als seine früheren Dramen. (Fortsetzung auf der 4. Seite.) Germania Park Verein. I ffolge der schlechten Wit. terung und des Sturmes, der im Park beträchtlichen Schaden angerichtet hat, wird die Eröffnung des Parks um eine Woche, also aus Sonntag, den 21. Mai, verschoben. Der Borstand.

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