Indiana Tribüne, Volume 28, Number 222, Indianapolis, Marion County, 11 May 1905 — Page 5

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WM. Jndiana Tribüne, 11. Mai 1903.

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Japanische Sludeiitm. Sl,r ttentctfe? nv die an sie gestellten An iorderungcn. Ein französischer Gelehrter, der sieden Jahre lang an der Universität Tokio unterrichtet hat. sagt von dem japaNischen Studenten, es sei der eigentliche Charakterzug an ihm, dah er wirklich studire. Er hänge an den Lippen seines Lehrers, mache mit fieberhaftem Fleiß seine Notizen und stelle nach der Vorlesung unzählige Fragen. Einer von den Schülern jenes Professors wurde verrückt, mehrere starben infolae der Ueberanstrengung. Ueber Haupt ist das Urtheil des Professors insofern ungünstig, als er die japanischen Studenten eine wegen Ueberarbeitung frühreife, greisenhafte, brillentragende Jugend, die für die Schwindsucht vorausbestimmt fei," nennt. Ehe ein junger Japaner die Universität beziehen darf, hat er die Sekundärschule und danach die Höheren Schulen durchzumachen, wo er in drei bis vier Jahren neben den allgemeinen Lehren der Wissenschaft, der er sich später zu widmen wünscht, drei oder vier europäische Sprachen lernt. Infolge dieser langwierigen Vorbildung sind die japanischen Studenten in der Regel älter als die europäischen; unter ibnen sind auch viele bereits verheirathet und Familienväter. Tie akademische Disziplin ist leicht aufrecht zu erhalten, da die Studenten die größte Verehrung für ihre Lehrer bezeigen. Zwischen Lehrern und Schülern wird vielfach Gastfreundschaft ausgetauscht, und der gesellschaftliche Verkehr ist unter ibnen überhaupt stän dig und intim. Die japanischen Studeuten halten sich an den jedem schon in der Kinderzeit beigebrachten alten Spruch: Dein Vater und Deine Mutter sind wie Himmel und Erde, Dein Herr wie der Mond, Dein Lehrer wie die Sonne." Außerdem gibt es ein japanisches Sprichwort von drei Worten: Udschi yori sodatschi, zu deutsch: Erziehung ist mehr als Geburt. Umtaufe deS Executive Manfion." Als Präsident Roosevelt in's Weiße Haus einzog, taufte er dasselbe, das bisher offiziell den nüchternen Namen Executive Mansion" geführt hatte, in das populäre Weiße Haus" um, indem er nicht nur auf seinem BriefPapier diese Bezeichnung substituirte, seine Einladungen damit zierte, fondem auch seine amtlichen Kundgebungen an den Kongreß vom Weißen Haus" aus datirte. Aber eine offizielle Bekanntmachung dieser Namensänderung ist erst jüngst erfolgt und zwar nicht vom Weißen Hause aus, sondern durch den Schatzamtssekretär. Präsident Roosevelt glaubte offenbar, man werde einfach feiner Idee folgen und

die Bezeichnung das Weiße Haus" ohne Weiteres acceptiren, so daß es einer besonderen Bekanntmachung nicht bedürfe. Aber im Schatzamt gibt es eine Menze alter, feit vielen Jahren funktionirenden Beamten, die unter sechs oder acht Präsidenten stets an das Executive Mansion" adressirt hatten und sich nun der Neuerung, einer ihrer Ansicht nach umstürzlerischen Laune, nicht fügen wollten. So sah sich Sekretär Shaw veranlaßt, um die Einförmigkeit im Dienst zu wahren, ein Reskript zu erlassen, welches anordnet, daß alle für den Präsidenten oder dessen Bureau bestimmten Schriftstücke, an das Weiße Haus" adressirt werden müssen. - Russische Offiziere. Ein Berichterstatter, welcher Gelegenheit hatte, russische Offiziere der Garnison von Port Arthur auf der Heimreise zu beobachten, schreibt: Wie immer, wenn viele russische Offiziere beisammen sind, fällt die Verschiedenheit auf. die im russischen Offizierkorps herrscht. Hier tadellose Erscheinungen, gewandtes und verbindliches gesellschaftliches Benehmen, anmuthender Tonfall in der schönen russischen Sprache, leichter ausländischer Anklang, wenn sie sich des Deutschen oder Französischen bedienen, dort die Abstufungen bis zum verbummelten polterndem Haudegen, der unzählige Gläschen Wodka zur Sakuska vertilgt, dessen knarrender Baß jeden Satz mit einem Fluch begleitet. Zwifchen den beiden Flügeln dieser Abstufungen gibt es nichts Gemeinsames, man sieht sich nicht, man grüßt sich nicht, man spricht nicht mit einander. Wahrscheinlich haßt man sich sogar. Das ist nichts Neues für den, der Rußland kennt, das Land der Extreme. Man hätte denken sollen, daß der Krieg mit seinen gemeinsamen Leiden und der Gemeinsamkeit der Erinnerung an eine heldenhafte Vertheidigung einige Berübrungspunkte für das fernere Leden schaffen müßten, aber auf unserem Schiffe war nichts davon zu bemerken." Eine historische- Perf ö n l i ck k e i t , der Gastwirth P. I. Cholin in Bodendorf a. d. Ahr, RheinProvinz, ist jüngst zu Grabe getragen worden. Im Feldzuge 1870 71 diente er be: der 5. Batterte des rheinischen Feldartillerie-Regiments Nr. 8 unter dem Kommando des Hauptmanns o. Helden-Sarnowski. Bei Saarbrücken am 2. August 1870 erzielte Cholin mit seinem Geschütz beim zweiten Schuß den erien Treffer des Feldzuges. Ein begeistertes, dreifaches Hurrah der Batterie folgte dem Einschlagen des Geschosses in eine geschlossene franzöfische Infanteriekolonne.

Das Erdbeben in Indien. Aurchibare Verluste an Vlenschenlebttt Krüherc ntastropden. Das Erdbeben, ton dem unlängst Jiidint heimgesucht wurde, hat sich auf ein Gebiet von etwa 95,000 englischen Quadratn-.eilen erstreckt. Am schwersten wurdcn Dbarmsaleh und Kangra betroffen. In Dbarmsaleh kamen von 5725 Einwohnern 4500 um's Leben. Lon einem dortigen, 912 Mann starken Infanterie - Regimente wurden über 300 Mann von einstürzenden Kasernenmauern verschüttet und erschlagen. In Kangra blieb kein einziges Gebäude sieben. Sämmtliche eingebornen Beamten, darunter die ganze Polizeimannschaft, wurden getödtet. Von den 6000 Einwohnern der Stadt blieben nur 500 am Leben. In Delhi wurden Kanalarbeiter, die aus dem Grunde arbeiteten, kovfüber umgeworfen. Im Palampur-Bezirte wurden gegen 3000 Menschen vom Tode ereilt. In Muffuri blieb kein Haus unbeschädigt. In Amritsar stürzten die Stirnfeite der Bahnstation und der Glockenthurm der Missionskirche ein. In Taran wurden 9 Personen getödtet und 7 verletzt. In Debia Dun liegt die kleine katholische Kirche in Ruinen; auch hie? wurden eine Anzahl Eingeborner getödtet. Der Einsturz zahlreicher alter Häuser in Umballa hat weitere Menschenleben gekostet. Auch in Labore richtete das Erdbeben großen Schaden an. Tie Eisenbahnstation. ein ziemlich großes Gebäude, wurde stark beschädigt, ebenso die Kathedrale und die Montgomery Hall, der Sammelpunkt für gesellschaftliche Vergnügungen. Im Eingeborenenviertel wurden zablreiche Häuser zertrümmert. in andern Theilen der Stadt Dächer weggefegt und Mauern umgeworfen. Etwa 100 Personen wurden getödtet. Ein Mädchen wurde bei der Moschee von Wair Eban durch den Einsturz eines Bauqerüsts erschlagen. Eine Dame kam mit ihren zwei Kindern und deren Wärterinnen um. In Ranikbet waren ein Halbbataillon des East Surrey-Regiments und eine Kompagnie der Scottish Borderers am Tage des Erdbebens auf dem Marsch. Sie wurden durch einen Erdrutsch überrascht, wobei ein Soldat getödtet und ein Gefreiter durch einen Knochenbruch verletzt wurde. Indien bat schon des Oefteren unter schweren Erdbeben aelitten. Im Jahre 1737 wurden in Bengalen 300.000 Menschen durch ein Erdbeben dahingerafft; gleichzeitig gingen zablreiche Schiffe in einem mächtigen Wirbel stürm unter. Benaalen und Birma wurden 1702 und 1839 schwer erscküttert. Nepal und Bengalen 1833. Das Erdbeben von Katschar (Siltschar) in Manipur verursachte großen Schaden in Assam und Ostbenqalen; 1897 wurde Assam durch ein weiteres Erdbeben heimgesucht, das sich bis Monghvr m Bengalen hinzog und tn nordrettlicker Rtchtung bis Rohükhand und Naimtal verspürt wurde. In Nordwestindien wurden 1720 und 1803 mächtige Erdbeben verspürt. Lahöre wurde 1827. Kaschmir 1780. 1828 und 1885 heimgesucht; in letzterem Jabre dauerten die Sto'i;: von Mai bts August und brachten etwa 3500 Menschen den Tod. Ein Erdbeben warf 1842 die Mauern von Tschellalabad um. chnödcr Undank. Moskau ist der Centralpunkt für die aus dem Kriege zurückkehrenden kranken und verwundeten Soldaten. Der größte Theil von ihnen wird in den dortigen Militär- und Pnvatkrankenhäusern aufgenommen. Nun gehört Moskau nicht zu den Städten. tn denen den Juden das Wohnrecht gewährt ist. Die Aerzte behandeln die jüdischen Soldaten rn den Kranken häusern human. Dagegen halten die russischen Verwaltungsbehörden die Praris der Ausnahmegesetzgebung ge. gen die Juden auch mit voller Strenge gegei die unglücklichen Opfer des Krieges, die kranken. Verwundeten und Sterbenden aufrecht. Die jüdischen Frauen werden nicht zu den Krankenbetten ihrer Männer gelassen, da sie das heilige Moskau nicht betre ten dürfen, und die Männer, mögen sie auch zu Krüppeln geschossen und arbeitsunfähig oder siech sein, werden in dem Augenblick, wo sie das Krankenhaus verlassen, aus Moskau ausgewiesen. Armenhäusler als Mörder. Ein Armenhäusler in Landskröne. Preuisch-Schsesien. erschlug in einem Anfall von Geistesstörung einen andern An enhäusler und einen Aufseher mit der Axt. Ter Wahnsinnige flüchtete nach der That und wurde später ergriffen. Vom Blitzschlag getroffener Flugdrache. Während eine Luftschifferabtheilung des bayerischen Heeres am Bahnhöfe zu LandsHut, Niederbayern, mit einem Flugbrachen eine Uebung in drahtloser Telegraphie anstellte, zog plötzlich ein Gewitter herauf. Ein Blitzstrah' fuhr in den Flugdrachen und betäubte einen Soldaten; der Betäubte, der weiter keinen Schaden erlitt, erholte sich bald wieder. Der Drache wurde von dem heftigen Sturme entführt. Die A n b a u f l ä ch e der Wein berge Frankreichs ist von 4,280,510 im Jahre 1902 auf 4,171,830 Acker im Jahre 1903 zuruckqeaanaen. Der Er trag von jedem Acker beläuft sich im Durchschnitt aus 226 Gallonen.

5?r lhte Brief Schillers an Goethe. Die Freundschaft der beiden Dichte:fürsten spiegelt sich in dem denkwürbig! Briefwechsel, der die Jahre 1794 fciS 1805 umfaßt. Gcethe betrachtete Schillers B.iefe immer als das schönsie Andenken", das er von ihm besaß, und es war ihm eine Freude, jene Kor-

reiponenz selbst in den Jahren 1828 unlB 1829 kerau-zugeben. Nur ein Brief, der Ictzte. wurde erst nach Öcr :!-e- Icie reröfsenticht. Ihn sckätzte der Dichter w'.e einen Talisman: zu öckermann sagte er noch 1825: S.i nen letzten S&nef bewahre ich als nv Hauptfarben .und Farbentöne nebenDieser Br'ef trägt ras Datum ces 25. April 1805; Schiller hat ihn also 14 Tage vor seinem Ende geschrieben. Der Brief, der ein so eigenartiges Inieresse besitzt, lautet wörtlich: Weimar. (25.) Apitl 1805. Tie Anmerkungen sck ließen mit Voltaire lustig genug, und man le Lmrr.t noch eir.c tüchtige Ladung auf den Weg. Indessen sehe ich mich aerare bei diesem letzten Artikel in einiaer Kontroverse m:t Ihnen, sowoal. was das Register der Eigenschaften ZUM anten ch.iitttelZer. als wa-' rercc Anw:nd.mg auf T'o ialil dein fi. Zwar icli das Itte.cr nur eine e.npirische Auählung der Prädikate sein, welcbe n:cn bei Lesung der gut Sck'.rifi stellen auszujprechen lieh veran laßt fühlt; aber stehen lxtt Eigenschaf ten in einer Reihe hintereinander, so fällt es auf, Genera und Sp?zres. Hauptfauben und Farbentöne nebeneinanrer aufgeführt zu sehen. Wenig stens murre ich in dieser Reihenfolge die großen, vielenthaltenden Worte. Genie. Verstand. Geist. Stil u. s. w vermeiden und mich nur in denSchanken ganz partieller Stimmungen und Nuancen gehalten haben. Dann vermißte ich dech in der Reib; noch einiae Bestimmungen, wie Charalter. Energie und Feuer, welche geraoe das stnd. was die Gewalt so vieler Schriftsteller ausmacht und sich keines ivcgs unter die angeführten subsummieren läßt. Freilich wird es schwer sein, dem Voltaireschen Protcus einen Ckarckter d lZ.ilgen. Sie baben ?war. indem Sie Voltairen die Tiefe absprechen, auf einen Hauptmangel desselben angedeutet, aber ich wünschte doch, daß das. was man Gemüth nennt, und was ifcm so wie im ganzen allen Franzosen so sehr fehlt, auch wäre ausgesprochen worden. Gemüth und Herz haben Sie in re Reihe nicht mit aufgeführt; freilich sind sie theilweise schon unter anderen Prädikaten enthalten, aber doch nicht in dem vollen Sinn, als man damit verbindet. Schließlich gebe ich Ihnen zu beden ken. ob Ludwig XIV., der doch im Grunde ein sehr weicher Charakter war. der nie als Held durch seine Persönlichkeit viel im Kriege geleistet, und dessen stolze Repräsentationsregierung, wenn man bill'g sein will, zunächst das Werk von zwei sehr thätigen Ministeriairegierungen war. die ihm vorherfingen und das Feld rein macktcn. ob Ludwig XIV. mehr als Heinrich IV. den französischen Königscharakter darstellt! Dieser ..heteros logos" fiel mir beim Lesen ein und ich wellte ihn nicht vorenthalten. Sch." rtlcxctthumcr. Gauner (zu seinem Vertheidiger): Machen S' Jhna nix d'raus. 5err Doktor! Sie haben sich nur bla mirt, ich aber werd' einq'sperrt!" Amlt ein Frenrdliörpcr. Arzt (der einen Schreiber unter sucht): ..Den ganzen Erscheinungen nach ist Ihnen ein Fremdkörper in den Maaen gekommen!" S ch r e i b e r : Ach ja!... Ich erinnere mich erst.. ich hab' ja tortge Woche Fleuch et gessen!" ltxr kein Wasser! Arzt: Ich werde Ihnen einige Pulver verschreiben; die nehmen Sie in Wasser." P a t i e n t : Und worin das Wasser?" passend angcbracit. ...Also mit Deinem Vetter Rofort bist Tu verlobt?" , Gewiß! .. . Nun will ich Dir aber auch erzählen, wie ich meinen Robert e-robert hab'!" Vraktisciicr Hotelkauskneciit. Wie der Johann seine Frühstücks wurst dazu benützt, damit das Spucken beim Stiefelwichsen besser geht. Das Verdorbene Essen Frau (beim Mittagessen): Die fen Moraen war die Meier aus unsrem Kränzchen bei mir; was die mir aber alles erzählt hat!" M a n n : Ja das schmecke ich! Ein Zahnarzt hat in dem Kinnbacken des Bürgerkrieg-Veteranen Reese in Ottawa, Kan.. eine Mm Kugel gefunden, welche eine Unze wog und dort seit dem Jahre 1864 MM.

Fünfundfechzig Jahre Zuchthaus. Just 65 Jahre ZuchtHaus hätte der berüchtigte Straßenräuber Karl Vogt in Preußisch-Schle-sien, abzubüßen, wenn nicht das Gesetz die Höchstdauer der zeitlichen Zuchthausstrafe auf 15 Jahre festsetzte. Vogt, der 3876 in Brande geboren wurde, ist schon vielfach, auch mit Zuchthaus, bestraft worden. Die goldene Freiheit, die er tm vergangenen Sommer ausnabmsweise genoß, miß-

brauchte er wieder zu neuen Schandhaten. Er verübte auf den Landstraßen in Niederschlesien eine sehr große Anzahl von Raubanfällen. Die Schwurgerichte von Hirschberg, Görlitz und Ltegnch hatten den gefährlichen Burschen zu Einzelstrafen, die zusammen 58 Jahre Zuchthaus ergaben, verurtheilt. Diese Strafen mußten aber auf 15 Jahre Zuchthaus zurückgeführt werden, wozu Stellung unter Polizeiaufsicht und zehn Jahre Ehrverlust amen. Es war daher eigentlich nur Formsache, daß ihn jüngst das Hirsch?erger Schwurgericht wegen emes meieren Raubanfalles zu noch sieben Jahren Zuchthaus verurtheilte, denn auch diese Strafe mußte mit in die bereits erkannten 15 Jahre Zuchthaus einbezogen werden. Hei in tückischer Gattenm o r d. Vor dem Central-Strafge-richt in London hatte sich ein Mann Namens Kingham zu verantworten. der seiner 36jährigen Frau, indem er sie an sich zog, als wenn er sie küssen wollte, den Hals durchgeschnitten hatte. Das Paar hatte sich getrennt, und Kingham strebte vor ewiger Zeit eme Versöhnung an. Diese sollte in dem Hause einer Dante der jungen Frau gefeiert werden, man mußte das Versöhnungsfest jedoch verschieben, da die Tante an dem festgesetzten Tage wegen Trunkenheit internirt war. Am nächsten Tage fand die Zusammenkunft statt, bei der man stark trank. Die junge Frau weigerte sich, ihren Mann zu begleiten, und dieser beging darauf die Unthat. Die erste GerichtsverHandlung hatte ausgesetzt werden müssen, weil die beiden Zeuginnen, die Mutter der Ermordeten und die Tante. beide vollständig betrunken vor Gericht erschienen waren. Die Jury sprach den Angeklagten des Mordes schuldig, empfahl ihn jedoch der königlichen Gnade. Der Richter sprach das Todesurtheil aus. Ausbruch vom Gefanan i ß. In Breslau, Preußisch-Schle-sien, hat der Ausbruch des Züricher Kaufmanns Eduard Ruqa aus dem Gefängniß große Sensation erregt. Er war wegen Urkundenfälschung und betrügerischer Erlangung von 32,000 Francs ($6176) fluchtig, in Breslan verhaftet worden und sollte an die Schweizer Behörden ausgeliefert werden. Der Arrestant hatte in der Zelle den Ofen niedergelegt, dieWano durchbrocken und war dann über mehrere Dächer entkommen. Perlen in einer Auster. Als die Frau eines Fischhändlers in Ketterina. Enaland. einem Gast Austern servirte und die Austern für ihn öffnete, fiel eine Perle heraus, und da durch aufmerksam gemacht, legte sie me Auster beiseite und aab dem Gast eine andere. Später untersuchte sie die Auster wieder und fand darin neun weitere Perlen. Die Perlen variiren in der röfce von einem Stecknadelköpf bis zu einer Erbse. Sie sind nach dem Urtheile von Fachmannern Perlen erster Güte. Militärisch beerdigte r a u. 5m Dirschberg, Preuwlch Schlesien, wurde Auguste Gräber, welche sich in den Kriegen von 1864, 1866 und 1870 auf 1871 der Verwundeten auf dem Schlachtfelde mit unermudlicher Sorgfalt und vewundernswerther Bravour annahm und dieser Tage starb, mit militärischen Ehren zur Ruhe bestattet. Ein Bataillon Truppen und sämmtliche VeteranenVereine aus der Stadt und der Umgebung nahmen an der Trauerfeier theil. Freimüthiger Sachse. Bei einem Besuche, den der sächsische König dem Lößnitzgrunde abstattete, kam er auch durch Wahnsdorfer Gebiet. Den Könia bereiteten zwei Sunde ohne Beinkorb. Da kam des Weges ein 71jähriger Einwohner, der den fremden Herrn hoflich ersuchte. r - t. 1.1. m'c leinen runden on einiorre unzulegen. ..Weshalb ist das nöthig?" entgegnete der König, worauf der biedere Waknsdorfer erwiderte: Weil's Vorschrift ist." . Geahndete Keckheit. In einer Schöffengerichts-Verhandlung zu Vamberg, Oberfranken, gab ein Kaufmann auf die Frage des Vorsitzenden, ob er verheirathet sei. die Antwort: ..Leider!" Ter Amtsanwalt beantragte für diese Unaebühr sofort zu vollstreckende drei Taae Haft, das Gericht beließ es aber bei zehn Mark Geldstrafe. angriff von Gefangen e n. Auf der Eisenbahnstrecke Aschaf-fenburg-Hanau versuchten zwei Zuchthausgefangene, den Gendarmen Tietz aus Aschaffenburg, der beide nach Frankfurt a. M. bringen sollte, im Eisenbahnzuge zu erwürgen. Beide waren mit je einer Hand aneinander geschlossen, so daß sie eine Hand frei hatten. Dem Gendarmen gelang es, die Nothbremse zu ziehen, wobei die Verbrecher entspringen konnten. Sie wurden indeß wieder eingeholt. Der Gendarm mußte sich in ärztliche Be Handlung geben.

Europäische Nachrichten.

Schweiz. Affoltern. Hier ist der Dekan Dr. Egli gestorben, der einen merkwürdigen Lebenslauf hinter sich hatte. Er war schon seit vielen Jahren wohlbestellter Pfarrer, hatte Frau und Kind, als er sich aufmachte, Um iu Zürich Medizin zu studiren. Mit ungeheurem Fleiß und unter großen Entbehrungen erledigte er diese Studien, wurde nach vier Jahren zum Doktor ver yjfevtzm promovirl uno macoie au Arzt das Staatsexamen; dann übernahm er hier wieder einePfarre, errichtete eine Kneipp'sche Wasser- und Luftkuranstalt und brachte sie zur großen Blüthe. A n d e r m a t t. Ein Lehrerveteran feierte dieser Tage seinen 100. Geburtstag. Es ist der frühere hiesige Lehrer Eolumban Russie, der 76 Jahre lang Organist und 71 Jahre Lehrer in unserer Gemeinde war und drei Generationen herangebildet hat. B e l l i n z o n a. Der 18mhrige Ernst Gürtler aus Basel, Zögling der hiesigen Handelsschule, Sohn des Postbureauchefs Joh. Gürtler in Basel, hatte einen Ausflug in die Berge oberhalb des Torfes Semcntina unternommen, begleitet von dem Sohne des Pensionshalters, bei dem er wohnte. Er stürzte in einen Abgrund. Letztens barg man die Leiche des hosfnungsvollen Jünglings. Enge. Notar Manz ist wegen qualifizirter Unterschlagung von mehreren tausend Franken und Urkundenfälschung verhaftet worden. Die Unregelmäßigkeiten wurden bei der Kassenrevision entdeckt. L u z e r n. KriMinalgenchtsprasident Räber, früher während einer Amtsperiode Nationalrath, feit Jahrzehnten ein angesehenes Mitglied des Großen Rathes, ein allgemein hochgeschätzte?, speziell um die Ortschaft Rathhausen hochverdienter Mann, ist 72 Jahre alt hier gestorben. Montheh. Das am Fuße des Montblanc herrlich gelegene hiesige Dorf im Kanton Wallis wurde ein Opfer der Flammen, Zürich. Das ganze alte Neumühlenareal. das die ehemaligen Gebäude der Maschinenfabrik Escher. Wyh & Co. umfaßt, brannte nieder. Von dem Brand: wurden über 40 Werkstätten einer chemischen Fabrik, eine Fahrradfabrik, zwei Buchdruckereien. eine Guttaperchafabrik, mehrere mechanische Tischlereien und Drechslereien betroffen. Der angerichtete Schaden wird auf einige hunderttausend Francs geschätzt. Oesterreich Ungarn. Wien. Der sietxniähriae Ferdinand Nebes, Sohn eines Buchhalters, stürzte von einem Steige, welcher zum Anlegen der Waidzillen am Ufer der alten Donau nächst den Kaisermühlen dient, in das dort ungefähr anderthalb Meter tiefe Wasser und ertrank. Der Tapezierer Franz Bohrn im 4. Bezirke hat infolge Familienzwistigkeiten seine Frau mit einem Handtuche erdrosselt und sich dann selbst erhängt. Die fünfjährige Antonio. Swoboda. Tochter der Wäscherin Rosa Swoboda, in Floridsdorf wohnhaft, kam, als sie allein im Zimmer war, dem gehitzten Ofen zu nahe. Ihre Kleider entzündeten sich. Die Kleine erlitt lebensgefährliche Brandwunden. Ter 65jährige penstonirte Ulanenrittmeister Alfred Otto Ritter v. Ottenthal hat sich in seiner Wohnung wegen Krankheit durch einen Revolverschuß getödtet. Letztens brach in dem dreistöckigen Magazin der Klavierfabrik Gustav Stingl ein Brand aus, der große Waarenvorräthe einäscherte. Der Schaden beträgt etwa 60.000 Kronen. Budapest. Wie aus Nagy-Ka-roly gemeldet wird, ist dort der Gutsbesitzer Michael Karacsoni im Alter von 104 Jahren gestorben. Er selbst hat erzählt, daß er in seinem ganzen Leben nie krank gewesen ist. Er starb an Altersschwäche. 103. Der Advokat Dr. Anton Rintelen. Mitglied des Reichsgerichts, ist hier im Alter von 63 Jahren gestorben. Er war der Vater des Prager Universitätsprofessors gleichen Namens. Innsbruck. Im Villgratnerthal wurden die beiden Bauernburschen Leiter und Turacher, von einer Lawine verschüttet, todt aufgefunden. K a s ch a u. Der Hauptmann des 6. Corps - Artillerie - Regiments, I. Reindl. stürzte vom Wagen und erlitt einen Beinbruch. Aus Kränkung darüber, daß er infolge dieses Unfalls dienstunfähig wurde, beging er einen Selbstmord. Lurendorf. Auf der Bahnübersetzung wurde der 80jährige Bettler Anton Kotschevar von dem aus der Richtung von Triest kommenden Scbnellzug überfahren und getödtet. Marienbera. fitx wurde der im vierten Horizonte des JgnazSchachtes beschäftigteBergmann Martin Goudek während der Arbeit durch auf ihn herabstürzende Gesteinmasse getödtet. Luxemburg. Lurembura. In Stadtgrund wurde das noch nicht schulpflichtige Kind deö Wirthes Klees auö der Diedenbofenerstraße von einer m fchnellem Tempo dahinjaaenden Kutsche überfahren und ziemlich schwer an den

Leinen verletzt.

Behörde für öffentliche Werke. Angebote entgegen. genommen: , Für Cement-Bürcerfteige an Oak. Avenue. südliche Seite, von Univerftty. bis Arlington.Avenue: C. M. Eroß, 79 Cents. Vergeben an C. M. Croß. Für Cement.Bürgersteige an Univer. fity Ave., von Carter- bis Dale Str.: Alle Verhandlungen abgebrochen; keine Angebote bei der zweiten Aufforderung eingelaufen. Für Cement.Bürgersteige an Black, ford Str., von New York bis North. Straße: American Conftruction Co., 1.22 Cement. $1.34 Stratifieo; Z. B. Baxter, $1.44; Marion Caldwell, 1.38; F. M. Lacket), 81.5? Strati. fied. 51.18 Combination; Henry Maag, 132; City Conftruction Co., N.50 Stratified, $1 35 Combination; W. C. Allen & Co., $1.48; Northern Con. ftruction Co., $1.49 Stratified, $1.40 Cement; D. Hoß. $1.29. Vergeben an die American Conftruction Co. zu $1 34 per Fuß. Für Cement-Vürgerfteige an Bell Straße, von Michigan Str. bis 397.6 uß nördlich: I. V. Baxter, 59 CentS; Marion Caldwell, 60 Cents; Sheehan Conftruction Co , 67 Cents. Vergeben an I. V. Baxter. Für Cement-Bürgerfteige an K.'y. ffone Ave., von Washington bis Michigan Str.: American Conftruction Company, $1 35; Union Asphalt Con ructiou Co., $1.30; Marion Ca!d. well, $1.46; Northern Conftruction Company. $1.49 Stratified, $1.39 Cement; I. D. Hoß, $1.27; Sheehan Conftruction Co., $1.24 Stratified; C. M. Kirkpatrick, $1.19 Cement. $1.30 Stratified. Vergeben an die Sheehan Conftruction Co. zu $1 24 per Fuß. Für Cement Bürgerfteige an 22. Straße, von Ashland Ave. bis zu den Monon'Geleisen: American Conftruc tion Co., $145 Stratified, $1.35 Ce. ment; I. H. Roberts, $1.38; A. L. NeiSIer, $1.44 Cement; Marion Cald well, $1.37; F. M. Lackey. $1.29 Stratified, $1.20 Cement; W. C. Mn & Co.. $1.53; Northern Conftruction Company. $1.37 Stratified. $1.27 Cement; I. D. Hoß. $1.27. Vergeben an F. M. Lackey zu $1.29 per Fuß. Für Cement-Bürgerfteige an Wash ington Str., von Belmont Ave. bis 57 und zwei Zehntel Fuß östlich von Neal Ave. : Marion Caldwell, 73 Cent; Henry Maag 72 Cents; City Con ftruction Co., ,5 Cents; Northern Con ftruction Co., 74 Cents; D. A. Fa. tout, 69 Cents. Vergeben an D. H. Fatout zu 69 Cents per Fuß. Resolutionen angenommen: Für Oeffnung und Verlängerung der 1. Alley östlich von Capital Ave., von Claü'S Capital Ave. Addition bis 30. Straße. Für KieS-Fahrweg und gradirte Bürgerfteige in der Roache Ave., von Schurmann Ave. bis zum Kanäle. Für Cement-Bürgerfteige an RoacheAvenue, von Schurmann Ave. bis zum Kanäle. Für Cement Bürgerfteige an Shef field Ave., von Morris- bis HowardStraße. Bor der Behörde öffentlicher Arbeiten erschienen gestern mehrere Bürger, um gegen den Gebrauch der Oft 13. Straße für die Querlinie der Straßenbahn zu proteftiren. Die Behörde erklärte den Remonftranten, daß eö außer ihrer Macht sei, eine Aenderung der Route vorzuschreiben, da der mit der Straßen bahn'Compagnie abgeschloffene Contrakt, welchen der Stadtrath guthieß, diese Bahn vorschreibt. Auch die Bürger der 22. Straße proteftirten gegen den Gebrauch ihrer Straße, da ihnen durch eine Quer Straßenbabnverbindung keine Bor theile erwachsen würden. Möbelhändler Convention. Die Vereinigung der Jndiana Retail Möbelhündler wird am kommenden Dienstag ihre Jahreö-Convention hier abhalten. Allen Anzeichen nach geur theilt, wird diese die größte Convention sein, welche die Vereinigung je ab hielt. W. H. Meffenger, aus unserer Stadt, ist der Präsident derselben und da sich während seines ersten Amts terminö ein so großer Fortschritt be merkbar machte, wurde er einstimmig wiedererwäblt. Die Mitglieder gedenken am Dienstag Nachmittage eine Automobil-Parade abzuhalten.

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