Indiana Tribüne, Volume 28, Number 220, Indianapolis, Marion County, 9 May 1905 — Page 5
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KK Jndiana Tribüne, 9. Mai 1905.
Fenster. Von Gustav Fatte. Rothcs Tluqc qluthct durch die Nacht: Einsam gach. wo ein Mensch noch wacht. Turch die dunkeln Eichen seh' ich's glühcn. Welche Seele mag sich da noch mühen? Wenn die Taac unter Arbeit ach'n, LM der Abend milden Frieden wel?'n. Heiliger 5chlaf auf kummerlosen 5nffen, Müssen Menschen dein Erbarmen missen? Bange Nächte, wenn das Auge brennt Und das Blut durch alle Ada rennt, Schuld und Jammer aus dem Schlaf dich klopfen Und die Stunden hin wie Thränen tropfen. Slafet alle, böse oder gut. Wiege einmal, sanfte ,riedensfluth, ?lslc armen, müden Mensedenseelen, ie sich wund im tUampf des Lebe! quälen. a5 erlischt da? rotbe Auge dort. Z den Eichen rauscht der Nachkwind fort, Zwischen ihren schwaitten. schwarzen Zweigen Seh' ich freundlich stille Sterne steigen. Ein Korrekter Mensch. Eki;ze von M- Nicolai. Sie war nun nicht mehr jung, wenn sie sich auch Elastizität des Geistes und Körpers bewahrt hatte. Sie stand in dem Alter, wo man zurückschaut, und da ihr Leben einst reich gewesen an ffreuden. mehr aber noch an Kummer und Sorge, Enttäuschung und Herzeleid, so hatte sie Erfahrungen gesammelt, die jedem anderen den Stempel der Erbitterung aufgedrückt hätten. Zum Glück besaß sie ein gut Theil Humor auf der einen und Energie auf der anderen Seite. Das half ihr das Leben überwinden, mit anderen Worten, es hinzunehmen, wie es eben war. In zahlreicher, aber begüterter Fam'lie aufgewachsen, war sie allgemein dafür bekannt gewesen, das Talent zubesitzen, die Lichtseiten im Leben hercuszufinden. Die Erinnerungen an diese Lichtseiten halfen ihr jetzt, wo sie mitten im Schatten des Lebens stand', das Dasein immer noch erträglich zu finden, wo andere längst verzweifelt wären. Das Leben hatte sich für sie so gestaltet, daß sie ganz einsam dastand. Ja, ja, Reichthum verbindet und Armuth trennt." Es war ein Glück, daß sie ein dankbares Gemüth besaß, so konnte sie sich über jede Kleinigkeit freuen. Wenn sie sich auch in vielen Menschen getäuscht hatte, so glaubte sie doch an die, die sie liebte. Jetzt sah sie sich in ihren kleinen Stübchen um. Ach, wenn sie verglich, wie sie es einst gehabt! Doch daran wollte sie nicht denken. Noch vor einigen Jahren hatte sie Behaglichkeit und Poesie in ihre Einrichtung hineinzuzaubern gewußt. Alte, orientalische Teppiche hatten ihr geräumiges Zimmer geschmückt geschmackvolle Vasen auf den Borden gestanden und alte Stiche und Oelbilder hatten die Wände geziert. So weit war sie damals noch nicht gewesen, sich ton diesen Dingen trennen zu können. An ihren Blumen hatte sie stets Freude gehabt. Freilich damals hatte sie auch noch Zeit sie zu pflegen! Ach und ihre Bücher! Voll gepackt hatten die Regale gestanden, und mit Stolz hatte ihr Blick die stattliche Bibliothek gestreift; um sich dann, Welt und Menschen vergessend, in den Inhalt zu vertiefen. Das war heut alles anders geworden. Sie hatte, was sie an Schmuck besessen, auf's Leihamt tragen müssen. Die Bibliothek war bis auf ein paar besondere Lieblingsbücher von ihr zusammengeschrumpft. Teppiche und Bilder waren verkauft. Zum Lesen fand sie nur noch selten Zeit denn sie mußte arbeiten, rastlos arbeiten und sich quälen, daß sie vor Ueberanstrengung oft keinen Schlaf fand. Damals hatte ihr Bruder und seine Frau noch gelebt. Ja, da hatte sie in der großen Weltstadt noch ein Haus gehabt, wo sie sich hinflüchten konnte, wenn ihr schwer um's Herz war; und wenn ihre Geschwister sich auch selbst einschränken mußten, so hatte sie doch stets einen Platz an ihrem Tisch gehabt. Andere fröhliche Verwandte hatten sich-da zusammengefunden, vor allem war es ein Reffe, an den sie oft mit Rührung dachte. Er hatte stets den Weg zu ihr gefunden und sich nicht an die anderen gekehrt. Da sie keine Erbtante war, rechnete sie dies ihm hoch an. Aus ihn kann man Häuser bauen ;o meinte sie stets. Wie gut und theilnehmend hatte er sich gezeigt, als man ihre Geschwister, die so schnell hintereinander starben, zu Grabe trug. Sie hatte beide gepflegt bis zuletzt, und ihre Kräfte hatten fast versagt dabei. Wenn sie da ihren Neffen nicht gehabt hätte! Alles hatte er ihr abgenommen, alles! Da sie zu arm war, auch nur einen Kranz auf den Sarg der geliebten Todten zu legen, hatte sie es mit doppelter Dankbarkeit empfunden, daß ihr Reffe so herrliche Rosen den Geschwistern in die kalten Hände drückte. Den schweren Gang zum Sargmagazin, die Todesanzeigen bestellen, zum Todtengräber zu fahren, dies alles hatte er ihr, da sie schwach und elend, besorgt. Er hatte es auch verstanden, sie wieder fröhlich zu machen. Wenn sie so recht verzagt gewcsen, hatte er ihr allerlei Scherze aus seinem Leben erzählt und es schließlich dahin gebracht, daß sie anfing wieder zu lachen.
Nein, auf ihren Neffen ließ sie nichts kommen. Er hatte sich immer bewährt. Und wie aufmerksam war er gegen sie. Wenn er kam, sie zu besuchen, hatte er ihr Blumen gebracht, und wenn sie mal bei den Verwandten geladen war, hatte er den Tisch geschmückt ihr zu Ehren und dafür gesorgt, daß sie von allen Speisen das Beste bekam, das war für einen Neffen wirklich viel, dem sie doch niemals eine Wohlthat erweisen konnte. Wenn sie dann nach Hause gegangen war, hatte er sich's nicht nehmen lassen, sie zu begleiten. Alle Damen brauchen keinen Schutz, hatte sie gemeint. Liebe Tante, du toeißt, ich thue das nicht anders", und so hatte sie sich dann gefügt. Tann hatte er das Schloß zur Hausthür aufgeschlossen und innen den Schlüssel wieder in's Schlüsselloch gesteckt, was sie doch sonst immer allein thun muhte; aber er wollte es ja nicht anders. Und diese Aufmerksamkeit rührte ihr einsames Herz. Er war wirklich ein tüchtiger Mensch, es war alles coriekt, was er that. In dem täuscht sich mal Niemand! Seinen Assessor hatte er jetzt gemacht. Das hatte sie natürlich in große Freude versetzt, und da man ihm viel Gutes über sein Eramcn gesagt war sie ganz stolz, einen so vortrefflichen Neffen zu besitzen. Sie hatte ihn freilich jetzt seltener zu sehen dekommen. Er war ein gern gesehener Gast in seinem Bekanntenkreise, ein flotter Sänger, und so fand sich wenig Zeit, die alte Tante einmal aufzusuchen. Was sollte man auch bei ihr. Sie war leidend und mußte trotzdem arbeiten. Da fand er keine Anregung bei ihr, und sie mit ihrem guten Herzen nahm ihm das nicht übel, wenn sie auch manchmal dachte: Früher war es anders." Er kleidete sich sehr elegant und war in seiner ganzen Erscheinung sehr stattlich geworden so wie man sich eben einen richtigen vornehmen Asses' sor vorstellt. Da kam ihr oft der Gedanke: Ach. wenn der sich mal verlobt! Die Frau muß sicher glücklich werden! Wie würde sie sich freuen, wenn sie einmal die Nachricht von seiner Verlobung bekäme! Dann würde sie auch wieder vergessen. daß er sie jetzt ein wenig vernachlälsigt hatte. Junge Leute meinen das nicht so böse! Er würde sich ihrer, wenn er dann verheirathet, schon ein wenig annehmen und sie aus ihrer Einsamkeit herausreißen. Eines Tages brachte der Postbote eine große Drucksache. Richtig, da stand es, ihr Neffe hatte sich" verlobt. Nein, das war aber zu nett! Wie sie sich freute! Ob sie ein gutes Mädchen war, die er erwählt? Ob sie wohl hübsch und klug war? All diese Fragen legte sie sich vor. Na, sie würde es ja bald erfahren. Ihr Neffe mußte ihr seine Braut ja bald vorstellen. So sandte sie zunächst einen schriftlichen Glückwunsch und wartete ab. Es vergingen einige Tage. Ach, gewiß hatte er sehr viele Besuche zu machen. Er hatte Verpflichtungen gegen alle, bei denen er GaLireundschaft genossen! Na, er würde ja schon kommen, das war sicher. Ob er Sonntag käme? Er wußte ja, daß sie zu Haus war, nicht zu arbeiten brauchte. So räumte sie denn am Sonntag .hr Zimr g rchen auf, holte auch ein Friihlingssträußchen und stellte es auf den Tisch. Ihre einsame himmelhohe" Klause sah trotz allem, was fehlte, immer noch ganz nett aus. Sie brauchte sich nicht zu schämen; es war ja einfach, aber sauber, und es schwebte immer noch ein schwacher Hauch von Poesie über allem. Dann holte sie ihr hübsches schwarzes Kleid hervor, das einzige, in dem sie noch Staat machen konnte. Sie stand vor dem Spiegel. So die alte Tante sah noch immer ganz leidlich aus nun auch die schwarze Seidenschürze dann setzte sie sich auf ihren alten Lehnstuhl, in dem sie so oft in ihrem Leben gesessen und über den Werth des Daseins nachgedacht hatte, über all ihre Erlebnisse, über die Menschen. Ja. die Menschen, das war's? Daran scheitert man am meisten! Aber wozu grübelte sie heute darübe? noch? Sie hatte ja immerhin noch ein paar Menschen, die ihr Gutes erwiesen, und obenan hatte ihr Neffe gestanden. Sie lehnte denKov an das Schlummerkissen; sie war doch ein wenig müde geworden vom Warten. Schließlich nickte sie ein, und als sie erwachte, fiel ihr Blick auf die Wanduhr. Drei Viertelstündchen wollte sie sich noch gedulden aber es blieb alles still dann verzehrte sie traurig ihr einfaches Mittagessen. Als der nächste Sonntag kam, holte sie keine Blumen. Sie mußte ja sparen, und wenn man alles vorbereitet, trifft das Erwartete am wenigsten ein. Sie sah aber doch immer nach der Uhr. Wenn sie anfinge zu essen, kämen sie sicher. Aber auch das Mittel verfing nicht. Auch dieser Sonntag ging einsam dabin. Am folgenden wartete sie gar nicht mehr. Und als Woche auf Woche verstrich, mußte sie, daß man sie vergessen. Oder nein? Vielleicht war es ' Absicht? Sie hatte inzwischen durch andere erfahren, daß derSckwiegervater ihres Neffen ein reicher Mann sei, ein HauS in der vornehmsten Gegend Berlins besäße, und daß die Braut verwöhnt und elegant sei. Freilich, freilich so etwas paßte nicht zu ihrem Dachstübchen!
Meik Haversacks Schrcivcbricf.
No. 391, Veöhrter Mister Edithor! Well jetzt sin ich in die alte Kontrie un ich muß sage, ich gleiche's arig gut. Es kann kein Daut drirower sein, daß es arig händig kommt, wenn mer in die Ordograoieh e wenig gepohstet is. Ich sin in Hamburg un do hen ich gleich gewißt, daß das die Taun is, wo die Hämburg Stehks un die Hamburger Bückling herkomme. Ich hen mich denn auch gleich wie dabeim gefühlt awwer ieff hen ausgefunne, daß ich mehr gewißt hen, wie die Jnhäbbitents von Hamburg. Ich hen ein gefragt, wo die Hämburg Stehks gemacht dehte wer'n un der Feller Hot mich dumm angeguckt un Hot gesagt, er wißt gar nit was das wär. Hen e schon emol so en Unverstand gesehn? Ich sin in en Salnhn gange un hen mich e Porzion geordert, bikahs ich hen gedenkt, an die Quell kriegt mer den Stoff besser als in die Juneitet Stehts. Awwer der Saluhnkieper Hot gesagt, er wißt nit was das wär. To kann mer doch sehn, daß die Deitsche Leit noch arig zurück sin. Se hen auch en arig schöne Hafe in Hämburg un was mich am mehrschte imponirt Hot, das sin die viele Saluhns wo's do Hot. Wei, do is e rehgeller Saluhnroh un so ebbes is immer for mich ebbes imponirendes. Off Kohrs sin ich denn auch reiteweg in so en Platz ganae. Der Saluhnkieper Hot gesagt: Wat wullst du woll?" Ich mutz sage, die Lengwitfch hen ich hardlie ausmache könne awer ich denke er Hot gefragt was ich nemme. Do hen ich gesagt, ich deht nit wisse. Wullsten Beer un Kähm?" Ei dont kehr", hen ich gesagt, un do Hot er mich e Bierche un en Kimmel hingestellt. Sehn Se, das hen ich gegliche un ich hen das Rezept e paar mol iwwermache losse. Dann Hot der Saluhnkieper gesagt: Büst frimd hie min Jung?" Jehs", hen ich gesagt, off Kohrs sin ich schon in mein Geist hier gewese, awwer das dubt nit zu viel emaunte. Ich hen ihn dann gefragt, ob er mich nicks riekammende könnt, was werth wär, daß mer sehn deht un do Hot er gesagt: Kik di mal den Jungfernstieg an." Nosser, hen ich gesagt, ich will nit in Trubel komme. Dann hen ich gedenkt, ich denke, ich frage den emal von Wege die Hämburg Stehks, ich hen ihn auch gefragt, awwer er Hot gesagt: Dat weet ich nich." Dann sin ich weiter gange un do hen ich ebbes gefunne, das war auteseit: Mitte in die Taun is en Striem gewese un ganz schmale Stiembootcher un kleine Boots sin do druff erum geschwomme un ei tell juh das Hot auteseit geguckt. Ich hen ein von die Männer wo do erum gestanne len gefragt, was mer das rufe deht un er Hot gesagt das deht mer die Alster Behsen rufe . Der Mann is arig neis zu mich gewese un Hot mich alle Jnformehschen gewwe. wo ich gewollt hen. Wie mer so for e Weil getahkt hatte, do Hot er mich gefragt, was die Zeit wär. Ich hen mei Klack eraus gezoge un do Hot er gesagt, mei Sie hen awweremol e schöne Uhr! So ebbes schönes hen ich ja noch gar nit gefthn. Er Hot gefragt, ob er se emol letrachte derft un do hen ich gesagt, we: off Kohrs, se beißt ja nit. Do Hot er se in die Hand genomme un in e Seckend. Hot er die Klack abgepullt un is fortgelaufe, als wann der Dickens hinn.'.g ihn drin wär. Ich hen gehallert: Polies, ich sin getotscht! awwer do is so viel Neus gewese, daß mich gar niemand gehört h?t. Well htu ich gedenkt, was is die Juhs zu hallein, ich kriege die Klack doch nit niebr un die Piebels hen nur den Lähf an mich, daß ich so iesig gewese sin. Es is noch e gutes Ding gewese, daß ich meine gute Watsch heimgelosse hen, die wo mich der Rabber abgeknöppt gehabt Hot, Hot in die Juneitet Siehts nur en Dahler gekost. Den Weg hen ich aljo nit viel drum gewwe. Awwer es is ooch das erschte was ich in die alte Kontrie gesehen hen, was die Jmpreschen an mich gemacht Hot, als wann ich noch in die Juneitet Stehts wär. For e Tschehnsch sin ich Widder in en Saluhn gange un do hen ich en Mann getroffe. wo auch lange Jahre in die Juneitet Stehts gelebt Hot un wo ich mich also in meine liewe deitsche Muttersproch hen unnerhalte könne. Der Mann Hot mich gesagt, wenn ich emol e arig gute Zeit hen wollt, sollt ich emol nach Sankt Panlie gehn; dort könnt ich mehr Fonn hen, als wie in e Kauheit gehn duht. Ich sin mit die Strietkahr wo mer gut deitsch Trammweh rufe duht, hinzefahre un. ei tell juh, das Hot einiges gebote.Wei das is e rehgellerFehr gewese. Worliekehks, Zerkus, Schuh-ting-Galleries un Werreiethee Schohs un das all. Well, do brauche Se keine Brill, daß ich mich alles angeguckt hen. In ein von die Hahls do Hots
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Lehdies gehabt, das boi die Band aeböte. Un se sin all so neis zu mich gewese; se hen mich alle Drinks gebracht, wo ich geordert hen un es hen sich reiteweg so erbaut vier odder fünf zu mich gehockt. Off Kohrs hen ich do triete müsse, wie alles, awwer ich hen nicks dn;rn gewwe. Schiewiß, mer' nur einmal jung. Die Gehrls sin immer klohser zu mich komme un hen mich gepätt un getätschelt, was ich arig gegliche den. Awwer uff eemol is mich e Licht usfgange. Es is mich uff eemol gedämmert, was sie for en Jntenschen mit mich hätte. O. no, hen ich gesagt, so iesig sin ich nit. Gitt aut! denkt Ihr, ich losse mich von euch auch noch mei Geld abnemme? So grien sin ich nit. Wann ihr euch nit gleich verziehe duht, dann loß ich Euch all errest. Do hen se awwer angestellt! Se hen gejagt, e wäre diente, anneste Lehdies un se könnte so en Jnsolt nit stende. Ich hen awwer gesagt, mwwer juh meind, ich gewwe gar nicks vrum, wie Ihr suhle duht, ich will nicks mit Rabbersch au duhn hen. WisseSe was gehäppend is? Enausgeschmisse sin ich morde un mit die Fieß Hot die Gäng an mich erum geträmpelt un do hen ich so meine Betrachtunge iwwer das gute alte Deitsch land gemacht. Ich stn zu die Kankluhschen,komme, daß es in die Juneitet Stehts doch e darnseit besser ist. Mit beste Riegahrds Juhrs turlie, Meik Habersack, Eskweier un Scheriff von Apple Jack, Holle Terrer Kauntie. Ein edler Tropfen. Folgende Plaude.-e' aus dem Jahre 1870 findet sich in e'.ier deutschländischen Zeitung: Es gibt keine vergnügtere Wittwe, als die Veuve Cliquot; erstens, weil sie gar keine Wittwe ist, und zweitens, weil sie die Veuve Cliquot ist. Mein Champagnerdurst mag groß oder klein sein, sicher ist: ich habe noch wenig Sekt getrunken, noch weniger aber bezahlt; am wenigsten den im Feldzug 1870. Er ist aber bezahlt worden von Herrn Weinhändler Geißler in Meen. Die Sache war so: Vor dem Ausmarsch war ich wie gerädert, denn wir hatten die Kriegsv'uniiion gefaßt und sie hatte mich beim Antreten um 3 Centimeter kürzer gemacht; das Gefühl hatte ich: einfach zusammengeschraubt. Da nzähZie man sich, der Weinhändler Gcißler verschenke Champagnerbon. So müde ich war, da mußte ich nachfragen, denn ich wollte nicht in den Krieg ziehen, ohne diese Anweisung auf den Sieg. Und nun Herr Geißler, ein echter deutscher Mann: Seht aii, daß ihr bis Rneims kommt, dann zahle ich für Jeden eine Flafche Champagner Veuoe Cliquot," sagte er; gab mir die AnWeisung; ein Händedruck und fort ging es am andern Morgen. St. Priva. Beaumont. Sedan waren vorbei, und unser Marsch kam in erfreuliche Nähe der cX'.tr Krönungsstadt Rheim-. Äon ferne sah man die stumpfen Thüemj idt alten Kirche. Schon lauschten wir, ob es hineinginge leider nicht ganz; aber es gab Rasttag in Roicy, und unser Marketender machte einen Abstecher nach RheimZ. Mein Freund N. war zu ihm kommanoirt (wir wann die zwei Franzosen in tir Compagnie, d. h. hatten die Verständigung mit den Franzosen zu besorgen): jetzt oder ?iie! N. hatte einen ganzen Stoß Geißler'sche Bons bekoinmen, und das Schmieder'sche Fuhrw?rk ging gerade auf das Haus Ww. Cliquv: zu. Da gab es thatsächlich so viel Zettel, so viel Flaschen. Kaum war die Last verladen, so stürmten die Offiziere des Hauptquartiers daher: He, Sie, Marketender, woher haben Sie den Champagner?" Mit rückwärts gebogenem Daumen zeigte er nich Veuve Cliquot. Da kamen sie aber schlech: an: Einzelverkauf gab es nicht, Herr Geißler war alter ?unde, und stine Anweisungen galten; in allen Restaurants waren die Bestände erschöpf:. Requisition untersagt und der Pat:io!iömns der Fabrikanten hatte die Keller geschlossen. Nur unser Handel war geglückt. Schwer beladen brachte Schmieder den Schaumwein in's Quartier, und wenn wir das Gefühl von Siegern empfanden, so war es beim Knallen des Pfropf-ns! Es blieb unser einziger Champagner: ich war bei einem trockenen Truppentherl. Herr Geißler legte 600 Thaler auf den Altar des Vaterlandes. Sein Andenken in Ehren! Eine SchiUerdose. Eine Schillerdose wird zu Sonneberg in Thüringen in hohen Ehren gehalten. Es ist dies eine Schnupftabaksdose. die Schiller bei feinem Aufenthalt in Rudolstadt seinem dortigen Schneider als Andenken schenkte. Schneidermeister Schmidt, dies war der Empfänger, vererbte die Dose an seinen Sohn, den Auditor Schmidt, und dieser, der Junggeselle war, vererbte die Dose an seinen Freund, den Vater des jetzigen Besitzers. Die Dose ist außen von weißem und rothem Kautschuk umgeben, oben ist ein Schmetterling in Gold eingelegt, und das Innere der Dose ist mit echtem Schildpatt ausgelegt, so daß die Dose auch eine kunstgewerblich interessante Arbeit bildet.
Allerlei für's ,auS. Um die Federlinge der Hühner zu vertreiben.wirft man mehlfeinen Kalkstaub, den man von jeder Kalkbrennerei erhält, gegen die Decke und Wände des Stalles, bis, wenn sich die Staubwolke verzogen hat, alle Ritzen und Vorsprünge und Winkel mit einer dünnen Schicht Kalkstaub überzogen sind. Die Sitzstangen bestreicht man mit einer Lösung von 3 bis 4 Tropfen Anisöl in 100 Gramm Vrommöl und bespritzt das Gefieder der Hühner mittels eines Zerstäubers mit einer Lösung von 1 Gramm Anisöl auf 100 Gramm Spiritus. Sehr vortheilhaft ist es, den Hühnern dauernd ein Staubbad zur Verfügung zu stellen, das man bereitet, indem man eine flache Holzleiste mit einem Gemisch von feingesiebter Erde und Holzasche füllt und dieser Mischung eine Kleinigkeit Kalkstaub und Schwefelblumen zusetzt. Feuerfester, unverwüstlicher Anstrich. Salz. Alaun. Wasserglas und wolframsaure Soda, zu gleichen Theilen mit vier Theilen Kalk gemischt und mit Leinsamenöl angerieben, macht das Holz feuersicher und, wie versichert wird, bis zu 30 Jahren haltbar. Für Fensterrahmen, Rollläden und dergleichen dürfte sich in gewissen Fällen, wo hervorragende Haltbarkeit bedingt wird, die Anwendung dieses Anstriches empfehlen. Für undicht gewordene Aquarien mischt man drei Theile Bleiglätte mit einem Theil fein gepulvertem Harz, giebt etwas feinen Sand und Gips dazu und verrührt alle diese Bestandtheile mit Eindrittel Siccativ .rnd Zweidrittel gekochtem Leinöl zu einem guten Teig. Man muß diesen Kitt einige Stunden stehen lassen, bevor man ihn anwendet. Das zu kittende Aquarium muß natürlich vollständig trocken sein. Ummattgewordenen Spiegcln den ursprünglichen Glanz wiederzugeben, versuche man ein Abreiben mit einer Mischung von Magnesia und Spiritus. Sollte sich dadurch eine Besserung nickt erzielen lassen, so liegt des Uebels Wurzel am Beleg, mit dem man selbst absolut nichts anfangen kann. Frisch t a p e z i r t e Z i m m e r von Kleistergeruch zu befreien. Den ebenso unangenehmen als ungesunden Geruch neu tapezirter Zimmer kann man auf folgende Weise vertreiben: Nachdem man die Fenster und Thüren solcher Räume geschlossen hat, bringt man glühende Kohlen hinein und streut einige Hände voll Wachholderbeeren darauf. Nach etwa zwölf Stunden öffnet man alle Fenster und Thüren, damit frische Luft eindringen kann, und man wird finden, daß der üble Geruch vollständig verschwunden ist. Firniß und O e l f a r b en von Holz und anderen Gegenständen zu entfernen. Es geschieht am besten, wenn man die Gegenstände mittelst eines Pinsels mit einer Auflösung von kaustischer (grüner) Soda überstreicht. Nach einiger Zeit wäscht man den Gegenstand mit reinem Wasser ab. Wenn nöthig, muß das Verfahren mehrmals wiederholt werden. Das Holz behält dabei seine natürliche Farbe. Um Petroleumlampen, besonders einfache Küchenlampen leicht und schnell zu reinigen, reibe man Brenner und Glasbecken von innen und außen mit trockener Holziohlenasche und weichem Papier (FiltrirPapier) gut ab. Es ist dann nur noch nöthig, mit einem weichen, trockenen Lappen die Aschereste abzuwischen. Die Asche saugt alles Petroleum auf und das Becken wird spiegelblank. (Zum Schutz der Hände ziehe man alte Lederhandschuhe über.) Diese Reinigungsmethode hat den großen Vortheil, daß die Verkittungen nicht angegriffen werden, ein Uebelstand, der ch beim Auskochen mit Seife und Soda leicht einstellt. Ein Mittel, das während des Trocknens bleicht und dadurch sehr weiße Wäsche erzielt, erhält man, wenn man zwei Theile hochprocentigen, reinen Spiritus mit einem Theil bestem, hellfarbigem Terpentinöl mischt. (Vorficht wegen Feuergefährlichkeit.) Von dem Gemisch setzt man dem Blauwasser oder dem letzten' Spülwasser auf cica 12 Gallonen zwei Eßlöffel voll zu. Dadurch bleicht die Wäsche, während sie trocknet. Für die Haltbarkeit der Leinwand ist das Mittel ganz unschädlich. Behandlung der Handschuhe. Wenn die hellen Handschuhe in Benzin gereinigt sind, so werden sie noch viel rascher als vorher trübe und schmutzig. Um sie dagegen zu schützen, reibe man sie nach dem Waschen mit weißem Talkpulver ein; dieses verleiht dem matten Leder einen leichten Glanz und hält Staub und Schmutz ziemlich lange ab. ist aber nur für die ganz lichten Handschuhe zu gebrauchen. Das Verkitten der Fußbodenfugen läßt sich leicht und dauerhaft durch eine Mischung von frischem Käse, sogenanntem Quark, und ungelöschtem Kalk bewerkstelligen. Man nimmt auf 3 Theile Käse 1 Theil Kalk und setzt, wenn man den Kitt gefärbt zu haben wünscht, gelben Ocker, Terra di Siena. Caput Mortuum oder andere Erdfarben zu. Der Kitt wird in den Fugen zu einer steinharten Masse, die sich nicht im Wasser auflöst und dem nassen Scheuern widersteht.
Ayres Bulletin Kilt Kleidsrröcke mit fiebenzehn Gore $5. Kleiderröcke in diesem modernen Schnitt sind die reine Verzweiflung der durchschnittlichen Kleidermacherin, der Beweis eines guten SümeiderS. Diese spezielle Partie umschließt Shepherd Plaids, unsichtbare Checks und einfachere Desstns in Panama Worsted und Hellem Tuch, anqefertiat in Kilt Mustern, Geh-Längen und mit siebenzehn Gores zugeschnitten. Sie werden schwerlich irgendwo ähnliche Muster finden für nur an, nähernd solch niedrigem Priis. $5.00 luwm. Jndiana' größte Dr, Good Händler. ase-Ball. American.Association. Indianapolis, 8. Mai. Indianapolis 2 ColumbuS 4 MnneapoliS, 8. Mat. MinneapoliS....0 0000000 0 0 KansaSCity 0 00 1 1 0 3 0 05 Batterien Stovall und Marshall; Morgan und Butler. St. Paul, 8. MaZ. St. Paul 000 0 1 0 0 0 0 1 Milwaukee ...52520000 014 Batterien Kilroy, EvanS, Ses. fions und Veager; McCuy und Beville. Toledo, 8. Mai. Toledo 0 8131001 14 Louiöville 000 7 00 1 0 08 Batterien Minahan. Martin und Clark; Scott, Dunkle, Campbell und Schricver. NationalLiga. Philadelphia, 8. Mai. Philadelphia. ..4 0 0 02 0 0 1 - 7 Broottyn 0 0010000 12 Batterien Caldwell und Dooin; JoneS und Bergen. PittSburg, 3. Mai. PittSburg 00011000 2 Cincinnati 0 0 0 1 0 0 0 0 0 1 Batterien Phillippe und Carisch; Overall und Schlei. New York. 8. Mai. New York 0 1 503000 9 Boston 00 00000 1 0 1 Batterien Taylor und Bowerman; Wilhelm, Willis und Needha n. Europäisches epartenck Wechsel, Creditbriese, Postanweisungen, auf alle Städte Europas. Schiffsscheine von und nach Europa. ln- und Verkauf auszändi scheu Geldes. No. 35 Süd Meridian Str. Mercliaiits National Bank. Betrachten Sie Ihre Talente nicht als unzerstörbares Capital, worauf Sie stets Zinsen ziehen können. Dieselben werden zu einer Zeit erschöpft, veraltert und unproduktiv sein ; erschaffen Sie lieber ein dauerndes Kapi tat aus Ihren Talenten, dessen Ertrag Ihnen genügend dient in Ihren alten Tagen. Ein Sparkonto mit unserer Gesellschaft ist die einfachste und effekivste Method' das gewünschte Resultat yerveizusuhren. Die syNematischen Ersparnisse eines Theiles Jhreö EinkommenS, wöchentlich oder monatlich, mit den aufgelaufenen Zinsen, zahlbar halbjährlich, werden Ihnen schließlichen Erfolg sichern. EfDIN TRUST CO., Capital $1,000,000 Ueberschuß $250,000
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