Indiana Tribüne, Volume 28, Number 220, Indianapolis, Marion County, 9 May 1905 — Page 3
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Bereinigung
Rojcstvcnsly's und Ncbogatoff's in St. Petersburg als Thatsache angenommen. Bomben in Warschau beschlagnahmt. Meinungsverschiedenheiten zwischen England und Frankreich bezüglich Neutralität. Ausdehnung des Krieges in Berlin befürchtet. Sekretär Hay in Bad Nauhcim. Bockbeinige Studenten in Karlsruhe.
Oft-Afien. Bereinigung derGeschwa der angenommen. St. Petersburg, 8. Mai. Nach Depeschen, welche das Hospital schiff Koftroma nach Saigon, Jndo china, brachte, ift zu dieser Zeit die Verewigung von Nebogatoff'S und Rojeft-! vmSky'S Geschwadern vollzogen. Die Admiralität behauptet, den Auf enthaltsort des vereinigten Geschwaders nicht zu kennen, aber man glaubt, daß Nebogatoff'S Geschwader nach der langen ununterbrochenen Fahrt einige Zeit in geschützten Gewüffern an der chinefischen Küfte, aber außerhalb der 3 Meilen - Grenze, zubringen wird, um seine Kohlenvorrüthe zu ergänzen und andere Vorbereitungen für die letzte schwierige Strecke der Fahrt zu treffen. RojeftvenSky in franzö fischen Gewässern. Saigon, 3. Mai. Durch seine Kundschafter wurde Admiral de Ionquieres benachrichtigt, daß Admiral RojeftvenSky'Z Geschwader südlich von der Hon-Kohe-Bai an der Küfte von Annam liegt. RojeftvenSky wurde gewarnt und versprach, sofort abzufahren. Russen abgefahren. Paris, 3. Mai. Die Regierung erhielt heute Abend eine Depesche, daß das russische Geschwader Kong Hai (auch Kahnhoa oder Nha Trang) Bai verlassen habe, wahrscheinlich auf Drängen der franzöfifchen Behörden. Der Bestimmungsort des Geschwaders wird nicht angegeben. Zivilverwaltung in der Mandschurei. Tokio, 3. Mai. Die Regierung entwirft Pläne für eine Zivilverwaltung in der Mandschurei. Wahrscheinlich werden Offiziere an der Spitze der verschiedenen Departements bleiben, aber es werden ihnen sachkundige Zivilliften beigegeben werden. JapanischeKundschafter. A m o y, 8. Mai. Ankommende Schiffe berichten, japanische Kriegsschiffe zwischen hier und Hongkong ge sehen zn haben. Japanische Schiffe erscheinen Nachts vor Amoy. Ohne Zweifel unterhalten sie Verbindung zwischen hier und Formsa. Letzteres soll von japanischen Kundschafterschiffen umschwärmt werden. Rubland. Bauernaufstand. St. Petersburg, 8. Mai. Die aufrührerischen Bauern haben den Besitz des Fürsten Lazareff zu Eherfon mit Feuer verheert. Eine starke Abtheilung Dragoner ift nach dem Schauplatze der Unruhen abgeschickt worden. Ruhe zu Warschau. St. P e t e r S b u r g. 8. Mai. Nachrichten von Warschau lassen erkennen, daß die Polizei daselbst energisch vorgeht um Bombenattentaten ein Ende zu machen. Sie hat in den Wohnun gen mehrerer Agitatoren Bomben und Revolver beschlagnahmt. Starke Patrouillen durchziehen die Straßen Warschau'S und Ruheftörungen in größerem Maßstabe find auSgeschloffen. Großbritannien. Warnung an Frankreich. London, 8. Mai. In einem Leitartikel warnt die Times" die franzönsche Regierung eindringlich vor der Gefahr in Oftasien und räth ihr die japanischen Proteste nicht leicht zu nehmen. Die Zeitung erklärt Gründe zur Annahme zu haben, daß das aus wärtige Amt der französischen Regierung ernft? Borgellungen bezüglich der verschiedenen Verletzungen der Neutralität in den Gewässern Jndochina'S machte, die Admiral RojeftvenSky gestattet wurden. Neutra litütSdruch in Kimran-Bai. London, 8. Mai. Von Hong kong ift bei einer hiesigen Agentur eine Depesche eingetroffen, welche die fran zdfischen Behörden angeblich am 30.
April nicht befördern wollten. Die Depesche beschreibt ausführlich wie dem russischen Geschwader für 10 Tage gestattet war, Kohlen und Lebensmittel einzunehmen und die Kamran - Bai überhaupt als Flottenbasis zu benutzen. Die Operationen wurden von Fürst Lieven, dem Kommandanten des internirten russischen Kreuzers Diana" geleitet. Admiral JonquiereS war anwesend, machte aber bis zum 23. April keinen Versuch einzuschreiten. Frankreich. Dementi. P a r i s, 8. Mai. Die tadelnden Bemerkungen der britischen Preffe über den französischen Neutralitätsbruch in Jndochina haben das hiesige auswärtige Amt zu der Erklärung veranlaßt, die Beschuldigungen seien durchaus unbe gründet. Das japanische Spionagesyftem sei ein anerkannt gutes. Wenn d'e japanische Regierung Nachrichten von Verletzungen der Neutralität erhalten hätte, würde sie jedenfalls nicht verfehlt haben, die französische Regierung auf bestimmte Fälle mit Angabe der Einzelheiten aufmerksam zu machen. Der japanische Gesandte DeMotoro hatte gestern Abend mit Delcaffe eine längere Unterredung. Man hat das Gefühl hier, daß die Verhältniffe ziemlich gespannt find. Vielfach wird die Vermuthung laut, daß die Jnftruktionen der Regierung von den Beamten in Jndochina, die persönlich mit den Ruffen sympathifiren, nur mangelhaft durchgeführt werden. Delcaffe bleibt. Paris, 8. Mai. Das Gerücht über angebliche neue RücktriitSgedanken des französischen Ministers des Aus wärtigen, Delcaffe, werden oziell
dementirt. Die Regierungsorgane versichern, daß das Verhältniß zwischen dem Minister und dem Premier Rouvier das denkbar herzlichste fei und die Beiden in allen Fragen, hauptsächlich aber in Betreff der Marokko-Affaire, vollständig übereinstimmen. Deutschland. Weltkrieg befürchtet. Berlin, 8. Mai. Seit dem Beginn des Krieges zwischen Rußland und Japan wurden die Ereigniffe in Oftasten nicht mit so gespannter Aufmerksamkeit verfolgt, wie gegenwärtig. In offiziellen Kreisen herrscht die Anficht, daß die Situation sich in gefährlicher Weise zuspitzt und der Weltfriede ernstlich gefährdet ift. Ein hoher Beamter des Auswärtigen Amtes erklärte heute: Es ift sehr leicht möglich, daß in ganz kurzer Zeit England und Frankreich in ken Krieg hineingezogen werden. Die NeutralitätS . Brüche RojeftvenSky'S mögen, obgleich fich Japan scheinbar mit der Erklärung der französischen Regierung zufrieden gegeben hat, schlimme Folgen haben und hätten von Anfang an nicht geduldet werden sollen' Sekretär Hay. Bad Nauheim, 8. Mai. Sekretür Hay hat den ersten Theil seiner Kur vollendet. Er fährt täglich aus, macht Spaziergänge und wohnt den Konzerten auf der Kurterraffe bei. Dr. I. Grödel, der ihn behandelt, sagt, Hay'S Zustand sei befriedigend. Studenten demonftriren. Karlsruhe, 8. Mai. Die Studentenschaft des Polytechnikums demonftrirt in Folge der neuen Kämpfe um die akademische Freiheit gegen den Kaiser. Der Stadtrath hat die verschiedenen Verbindungen ersucht, beim bevorstehenden Einzug des KaiserpaareS Spaliers zu bilden, doch lehnten sie sämmtlich ohne Angabe von Gründen ab. Schillerfeier. Weimar, 8. Mai. Hunderte von Kränzen kamen heute aus allen Gauen Deutschland's hier an und wurden um das Schillerdenkmal angeord net. ES find von den Universitäten Deutschlands, Oesterreichs, der Schweiz und auch Amerika's Abgeordnete hier eingetroffen. Die Hotels find mit fürstlichen und anderen hervorragenden
Persönlichkeiten überfüllt, die morgen
an der Feier des 100. Todestages Schil lers theilnehmen wollen. Der Schiller-Frauenverein hat zur Errichtung eines Sch'ller - Instituts $62,5000 erhalten, wovon 512,500 von amerikanischen Verehrern des beut schen Liedlingsdichters kamen. Gesellschaft" athmet auf. Berlin, 8. Mai. Der hiesigen Gesellschaft" ist ein Siein vom Herzen gefallen, denn die der Kuppelei beschuldigte Kanzleiräthin SmegielSka hat fich schuldig bekannt. Die fich auS den exklufiven Kreisen rekrutirenden Kunden der GelegenheitSmacherin entgingen daher der Vernehmung im öffentlichen Gerichtssaal, und unzählige Skandale sind abgewendet. Merkwürdiger Weise wurde die Frau, die ihr schändliches Gewerbe seit Jahren betrieben und selbst ihre eigene Tochter verkuppelt hat, nur zu vier Monaten Gefängniß verurtheilt. Diese milde Strafe überrascht allgemein und man tuschelt, daß gewisse mächtige Persönlichkeiten ihren Einfluß geltend machten, um die Seelenverkäuferin vor einem langen ZuchtHaustermin zu bewahren. Gefecht in Südweftafrika. Berlin, 8. Mai. Eine Abtheilung Hereros Übersiel in den Bergen östlich von Cananis, Deutsch-Südweft-afrika, eine deutsche Kolonne, die von Hauptmann Winterseldt geführt wurde. Die Deutschen hatten 15 Todte und Verwundete. Die Hereroö flohen und ließen 15 Todte zurück. Der Kaiser redet. Berlin, 8. Mai. Die Evangelische Kirchenzeitung" bringt einen ausführlichen Bericht über die Rede, welche Kaiser Wilhelm am 9. März bei der Vereidigung der Marinerekruten zu Wilhelmshaven hielt. Nach demselben stellte der Kaiser die Japaner als keuchtende Beispiele des Patriotismus nnd soldatischer Treue hin. Keine Kriegskontrebande. Berlin, 8. Mai. Die Theile von Torpedobooten die zu Lübeck auf dem Dampfer Aegir" beschlagnahmt wurden, sind freigegeben worden, da Sachverständige erklärt haben, daß die Torpedoboote nicht in weniger als 6 Monaten vollendet werden könnten. Die deutsche Regierung nahm darauf an, daß die Boote nicht für den gegen wärtigen Krieg bestimmt find. Be kanntlich find die Bootstheile für Rußland bestimmt. Oefterreich'Ungarn. Mehr Trubel für Franz Joseph. Wien, 8. Mai. Kaiser Franz Joseph ift Oberst deö russischen Keks-holm-RegimentS, das vor einer Woche das Blutbad in Warschau anrich tete. Wie nun gemeldet wird, werden die Pole im österreichischen Reichsrath die Forderung stellen, daß der Monarch den Ehrenposten niederlege. Jeden falls wird eS über diese Forderung zu einer stürmischen Debatte kommen. Drei Bergsteiger v e r u n -glückt. Wien, 8. Mai. Die Profefforen von Glanvell und Hetritsch von der Universität Graz, sowie ein Beamter NamenS Stopper verloren durch eine Lawine das Leben, als sie den Fölgein in der Hochschwab-Gruppe der Steyrischen Alpen zu besteigen versuchten. Die Verunglückten waren geübte Bergsteige?; ihre Leichen find geborgen. Marokko. Gesandten empfangen. Tanger, 8. Mai. Die deutsche Sondergesandtschaft mit Graf Taktendach an der Spitze ift zu AlcaffarKeber, 80 Meilen nordwestlich von Fez angekommen, wo sie von einer starken Kavallerie-ESkorte erwartet wurde. Es ift auch ein Truppentheil hier angekommen, der den britischen Gesandten Lowther nach Fez begleiten soll. Canada. Zugsentgleisung. M o n d o n, 8. Mai. Der canadifche Expreßzug, der MorgenS um 8 Uhr von Halifax nach Montreal ab geht, entgleiste nahe Rochefter, 20 Meilen östlich von hier; Lokomotivführer White soll umgekommen sein. Einzel heiten fehlen noch. Panama. Gouv. DaviS reift ab. Panama, 8. Mai. Gen. DaviS, welcher als Gouverneur der Kanalzone abberufen ift, reifte heute nnch Colon ab, wo er fich nach New Jork einschiffen wird. Eine Anzahl bekannter GeschüstSleute hat an den scheidenden Gouverneur einn Addreffe gerichtet, in welcher dem Bedauern über seine Abreise Ausdruck verliehen wird.
Der Mörder des rokfürfte Ger
gius. Nach der erfolgten Verurteilung Kalajews fciii len fo.genoe Einzelheiten, die ein Redakkeur des Slo.ro Polskie" über se.ne Bekanntschaft mit dem Attentäter veröffentlicht, allgemeines Interesse beanspruchen: Kalajew. e'n schmächtiger, blonb haariger Jüngling, der keineswegs den Eindruck eines russischen Radikalen macht, hatte, um seine Verhaftung wegen eines politischen Deliktes zu titimeiden, Rußland verlassen und sich nach Lemberg begeben, wo er durch Uebersetzungen russischer Werke sein Fortkommen zu erlangen trachtete. Im März 1902 überreichte er einem dcr Redakteure tes S!o.-vo Polskie" ein Empfehlungsschreiben eines gemeinsamen Petersburger Freundes und schilderte in schlicht:? Weife seine p.e.äre Lage. Er entschloß sich, um Mittel zum Lebensunterhalt zu erlangen, ruffischen Sprachunterricht zu ertheilen, wobei ihm die akademischen Stubentenvereine in Lemberg durch ihre Vermittelung behilf.ich sein sollten. Kalajew beabsichtigte auch, als Hörer der historisch-philologisckien Fakultät seine Studien an der Lemberger Universiät fortzusetzen. Dcr Redakteur deI Slowo Polskie rieth ihm, auch Zeiiungsartikel über dieZustände in Rußland zu schreiben, was jedoch der junge Russe mit der Begründung ablehnt', daß er keine Frage des öffentlichen Lebens in Rußland in umfassender, erschöpfender Weise zu erörtern ttu mö'chte. Er kenne nur die Verhältnisse der Moskauer Uni ersität und sei la her auch nicht in der Lage, über die politische Bewegung der russischen Universitätsjugend imAUgemeinen ein Urtheil abzugeben. Kalajew erschien als ein Student von mittelmäßiger Veranlagung, nicht gar zu weit reichenden Aspirationen und keinesfalls überschäumendemTemperament. Seine politischen Uebereu gungen waren wenig gefestigt, und er geberdete sich auch nicht als entschiedener Bekenne? irgend einer revolutionären Doktrin, sondern stand immer auf dem Standpunkte des gewöhn! chen russischen Malkonienten. Im Juni 1902 nahm Kalajew in Lemberg an einem politischen Diskussionsabend eines wissenschaftlich-literarischen Vereins theil und berichtete dieTheorien eines Redners über Ziele und Wesen der Poesie". Hernach verließ Kalajew Lemberg und kehrte nach Rußland zurück, von wo aus ihn seine Mutter materiell zu unterstützen pflegte. Bei der Enthüllung des Mickiewicz-Tenk-mals in Warschau fungirte er als Korrespondent des ..Moskauer Kurier." Nach Aufzeichnungen der Lemberegr Polizeidirektion wurde Johann Kalajew am 24. Juni 1877 in Warschau geboren. Sein Vater, der russische Handelsagent Platon Kalajew starb in Warschau im Jahre 1898: seine Mutter war die Polin Sophie Piotrowska, und dieser hatte er die Kenntniß der polnischen Sprache zu verdanken. Nach Galizien kam Johann Kalajew aus Warschau mit einem Auslandspasse am 28. Januar 1902. In Lemberg wohnte er in der Lyczakower Straße und war polizeilich gemeldet. Die Schiller-Jeier in Weimar wird sich in folgenden Formen abspielen: Am 8. Mai Abends findet im Hoftheater ein Schiller - Konzert statt. Am 9. Mai früh 9 Uhr erfolgt ein allgemeiner Festzug, der sich auf dem Marktplatz oronet. und vor dessen Abgang der gemeinsame Gesang des Schiller'schen Liedes Freude, schöner Götterfunken" erfolgt. Am Zuge betheiligen sich außer den Behörden, Schulen und Vereinen Wein ars b':e Deputationen der Studenten aller deutschen Hochschulen, das weimarische Staatsministorium, die Geistlichkeit, die Mitglieder der deutschen SchillerStiftung, der Vorstand des GoetheZug bewegt sich unter Musikbegle lang und Schiller - Archivs und die literarischen Gesellschaften Weimars. Der am Goethe-Hause vorüber nach der Fürstengruft, wo Kränze am Sarge Schillers niedergelegt werden. Mittags 12 Uhr folgt vor dem GoetheSchiller - Denkmal in Gegenwart des Großherzogs, des Hofes, des Offizierkorps, der Diplomatie und aller am Zuge Betheiligten eine Huldigungsseier. Nach Absingen eins vom Staatsrath Dr. Kühn gedichteten und von Professor Zöllner komponier. en Schiller - Liedes hält Professor Scheidemantel die Festrede, worauf die Niederlegung vcnKränzen erfolgt. Abends sindet Iestvorstellung im Hofth:ater statt, wobei die Aufführung des D:metrius" und des Gocthe'schen Epilogs zu Schillers Gloäe", sowie des letzten Theiles der 9. Symphonie von Bethoven folgt. Das Schiller-Haus und die erste Begräbnißstätte Schillers auf dem Ja-cobs-Friedhof, das Goethe-, Schillerund Karl August - Denkmal sowie dr Rathhausbalkon werden seitens der Stadt festlich geschmückt, das Denkmal vor dem Theater und das Schil-ler-Haus am Abend festlich beleuch'.et und das Genellische Transparentbi.d mit Schillers Apotheose neben dem Schiller - Haus wieder aufgestellt. D?r Oberbürgermeister erläßt an die E'.nWohnerschaft Weimars die Aufford:rung. alle Gebäude gleichwie die staatlichen und städtischen zu deflaggin. In dem Bebe l' schen Erb. schaftsprozeß hat die unterlegene Pa? tei Kollmann Berufung gegen das Urtheil des Ulmer Landgerichts eingeleitet.
Die franzöfische Presse über deutsche Marokkopolitik. Die französische Presse war mit Delcass6s Marokkopolitik und der absichtlich herbeigeführten Verstimmung Deutschlands durck'QUs nicht einverstanden. Trotzdem die Sache durch das Einlenken der französischen Reg'.erung in ruhige Bahnen gelenkt wor tin ist, dürfte es doch wohl von Interesse sein, einige Urtheile hervorragender Nariser Blätter vom Anfange dieses Monats zu hören: Die sozialistisch-radikale Lanterne" drückt sich besonders fcfarf aus: Herr Delcasse," liest man hier, hat uns in Marokko in ein Abenteuer verwickelt, dessen Folgen sich nicht absehen lassen, und jetzt zieht er uns auch einen Konflikt mit Deutschland zu. Dieses neuen, allerdings sehr ernsten Zwischenfalls hätte es nicht bedurft, um die Nolitik Delcasss in Marokko zu verdammen. Das Abenteuer wäre sckon gefährlich aenug gewesen, ncrn wir allein Ansprüche auf das marokkanische Reich geltend machten und keine andere eruropäische Macht dadurch beunruhigt werden könnte . . . Unser Minister des Aeußern hat ein Abkommen mit England abgeschlossen und mit Spanien unterhandelt. Er hat aber Deutschland vorsätzlich vernachlässigt. Und nun tritt Deutschland auf und macht durch einen Glanzstreich seinen Willen geltend, Frankreich nicht frei schalten und walten zu lassen. Verharrt Delcass6 in seiner Haltung, so schafft er einen gewaltigen Konflikt mit unseren überrheinischen Nachbarn; giebt er nach, so erleidet unsere Politik in Marokko, welche die seimge ist, eine zermalmende Niederlage. Wie ist Herr Delcass dazu gekommen, uns in eine so gefährliche Lage zu versetzen ? Ganz einfach, weil er mi mit Deutschland unterhandeln wollte. Unser Patriotismus gebietet, wie es scheint, unserer Diplomatie, Deutschland zu ignoriren, bei dem wir eine Botschaft unterhalten. Da aber Deutschland Herrn Delcass zumTrotze existirt. wird man jetzt mit ihm rechnen müssen. Frankreich wird in seiner Diplomatie von einem Blinden geführt. Wohin führt er uns? Er weiß es selbst nicht, denn er sieht nricht klar." In derAurore" schreibt Clemenceau: Man weiß, was ich vom friedliCtn Eindringen" Delcasses in Marokko halte. Wir sind erst am Anfang dieser Angelegenheit und ehe wir noch an die ungeheuren Schwierigkeiten herantreten, die uns erwarten, finden wir das militärische Deutschland vor uns, das uns den Weg vertritt. Wenn man nur die tiefgehenden Interessen Frankreichs betrachtet, so ist es vielleicht ein Dienst, den uns Wilhelm der Zweite erwies, ohne es zu wollen, indem er uns am Rande des wahnsinnigen Abenteuers aufhielt. In dieser Lage, wo es so weise gewesen wäre, zu schweigen, wollte Delcaffe sprechen, und wir sahen nun (in der Sitzung dcs Senat, d. Red.) einen Minister auftreten, der 20Minuten lang sprach, um nichts wie die Loyalität seinerAbsichten zu büheuern. Ich fürchte, ihm unrecht zu thun, wenn ich versuchen wollte, zu errathen, welchen Eindruck er mit seiner Rede in Deutschland hervorbringen wollte. D e Zeit der Worte ist durch seine eigene Schuld vorbei. Wir erwarten ihn vei den Thaten." Die Petite Republique" (soz.) äußert: Wilhelm wollte unserer Diplomatie in Erinnerung bringen, daß in der Welt ein ziemlich umfangreiches Reich existirt, das sich Deutschland nennt, daß dieses Reich bedeutende HandelsInteressen in Marokko hat und daß ym Veränderungen der poetischen und wirthschaftlichen Zustände jener Geaend Afrikas nicht gleichgültig sein können." Der Gaulois" findet, daß die auswärtige Politik Frankreichs im Rückschritt ist. Der konvenable, wenn nicht herzliche Modus vivendi, der sich mit Deutschland herausgebildet hatte, ist gefährdet. Wir werden wohl die Grenzoorfälle von ehedem wieder auftauchen sehen!" Das Abendblatt La Presse" verlangte, daß Delcasse entweder in Berlin Verhandlungen einleite oder demissionire. Zu der von den Sozialisten angekündigten Interpellation über Marokko und die Beziehungen zu Deutschland erklärt der sozialistische Deputirte Jaures in seiner Humanite": Wir hoffen, daß die französische Diplomatie. frei von jedem Hintergedanken, Frankreich ehrliche, friedliche und von gegenseitigem Vertrauen erfüllte Jeziehungen sowohl zu Deutschland wie zu England sichert. Wir beklagen und verabscheuen das engherzige Versahren des Ministers Delcasse, das, wenn es ein Bundniß oder ein Einvernehmen abschließt, sie immer gegen jemand abzuschließen scheint. Wir sind eifrige Anhänger des französisch-eng-lischen Einvernehmens, aber wir wollen nicht, daß auch nur im geringsten gerade eine Zeile gegen Deutschland darin enthalten ist und wir dadur?. gehindert werden, ein offenes, klare? und friedliches Verhältniß zu Deutsch kand zu unterhalten." Der polnische MöbelHändler Gabryelewicz in Posen ist wegen betrügerischen Bankerotts ?erhaftet worden. Die Schulden betragen mehr als 100,000 Mark. Aktiva sind nicht vorhanden. Der Zusammenbruch weiterer polnischer Firmeo, unabhängig hiervon, steht bevor.
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