Indiana Tribüne, Volume 28, Number 219, Indianapolis, Marion County, 8 May 1905 — Page 7
Jndiana Tribüne, 8. Mai 1905.
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U o m a n V0!, Ha. von cbcltitj (Fortsetzung.) In totp, Herr Ceheimrath. Aber im Herbst kommt er nach Berlin zur Kriegsakademie." Frau Salester sprach es mit einem schlichten Stolz, und übe? ihr Gesicht legte sich ein ij'lü-scrirmer, der sie noch mehr verschd'nte. So sehr, daß drüben das junce Mädchen impulsiv zu dem Sone sagte: Was baben Sie für t'mt sÄ"rie Mama! ' Als sie c ausperrcchcn hatte, erröthete sie ein renn, schlug auf einen Moment die dunZ.en, lanzw'.5?'.perigen Augen nieder und setzte schnell hinzu: Näin'ick, ... ich rare scbon im vorigen Winte? die Ehre qeh'.bt. Ihre Frau Mama zu seinen. Im Kailerbos . . . bei dem großen WohlthätigZeisbazar." iolp? Auch eine schöne Gebend!" hatte inzwischen der Gehcimrath cntc?;rd. Nun. unsre jungen Herren Mfsen es sich überall behaglich ein'::r:cy:en. Ader Äer'm unO Die Krieg? akademie wird cr doch rorziehen. Bitte. Willy, gib mir noch eine Thräne ?ett ... danke' Ah. ich sehe, pie sind bei der goßen Staatsaktien aller Fremden Lei der Roueneser Ente. Gexiht s Durand ist sie vortrefflich. Obwr .renn ich ehrlich sein soll, mir daheinl eine Ente mit Maronen besser fchmecit Ganz mein Fall, Herr Geheimrathl brummte Salester. Ueber. Haupt diese Pariser ftiiche! Eigentl üfaa Kraft und Saft." C, man darf da- Hinö nicht mit dem Bade ausschüttn. Sie hat schon ihre Specialitäten, in denen sie UNübertrefflich ist. Nun, gnädigste Frau... und die Ausstellung? Sind Sie befriedigt? Das Große und das kleine Palaiö überhaupt, die Kunst ich bin entzückt! (5s ist das frei lich. sozusagen, meine besondere Liebhaberei, und ich werde mich ibr jetzt wohl noch mehr widmen, wenn ich mich von dem leidigen Geschäft zurüctgezogen habe." Ueber das breite Gesicht Salesters kuschte ein Lackeln. Er wußte, daß der Gekieimrath seit einem halben Jahrzehnt davon sprach, sich vom Gefchäft zurück?icbcn zu wollen, daß c aber immer bei der Absicht bliel?. Warum anen? Möller war eigentlich noch jung tf.v,u. Auffallend friicf) und rüsiig. Wie ein Mann im Anfang der Bier-ig sah er aus. wenn er so wie jetzt eben lächelnd seinen starken, schwarzen Scnnurrbart strich. Nein . . . nein, mein Bester. Sie brauchen gar nicht svöltische Augen zu macb.en. Tiesmal wird's Ernst. Am 1. Üttober trete ich zurück. Ich bin an der Mitte der Fünziger da darf man wohl jüngeren Kräften bei Feld räumen. Ist übrigens auch Jau:ilientradi:ion bei uns. Und zudem macht's 'mir keinen Spaß mehr, seit Ihre Großbanken uns armen PrivatbanZiers das Wasser abgraben. Aber abgesehen davon: ich will endlich einmal meinen Passionen. meinen Sammlungen . . . und meinem Töchterchen da leben. Nun mag mein Sokin sich an den veränderten Berhäl:ninen die Zähne aufbeißen. Er ist ja" der Geheimrath sagte es mkt ein wenig ironischem Lächeln er ist ja ein ganz moderner Mensch." Wilin -..''rerr Sieghard hatte neben Frau Baldin seinen Platz gefunden und fernen mit dem außerordentlich zufrieden. Er hatte sich zwar zuerst innerlich über die Reiseanzüge der beiden Herren mokirt. die allerdings mit seinem etwas übereleganten Tinerjakett stark konstrastirten. Aber an der Toileite der jungen Frau fand lein verwohnte? Auge nichts auszusetzen. Er war sofort mit ihr in ein lebhaftes Gefvräch verwielt. das von der Modeausstellung von Felix im Palais de cosiume auf die jüngste französische Literatur, ron der auf die große Sarah als l'Aiglon, und von dieser in einer genialen .urve zu den Juwelenwundern von Tinann und Boucheron qlitt. Und nun befand sich Frau Paula erst in ihrem eigentlichen E!ement. veie ic.&tz zwar, als sie erzählte, wie vor den Auslagen des Königs der Pariser Juweliere zwei Da wen vor Entsagungsschmerz gestöhnt hätten, aber sie füate mit einem seiet ten Augenaufschlag hinzu: Und ich war die dritte!" Tann erboo sich der Geheimrath. mWt wollen noch auf zwei Akte in die Oper. Es wird grad nicht aufregend sein ... die .Afrikanern ist wohl nicht jünger geworden, feit ich sie zum letzten Male mit unsrer unvergeßlichen ucca sah . . . aber in Paris gewe'en zu sein und mau m dtt Oper das würde mir meine Hardi nie verqeben." Er sah sich im Kreise um und setzte unter dem Einfluß einer Auaenbliasstimmung hinzu: Ueorigens . . . wir fcaben noch einen Platz in der Loge frei. Wenn Sie sich vielleicht anschließen wollen, mem verehrter Herr Kriezsmann Konrad Salester warf einen fragen den Blick auf seine Mutter. Dann bejahte er eifrig. Mit einer schnell getroffenen Verabredung für den nachsten Vormittaa zum Lunch im. deut-
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schen Restaurant der Ausstellung schied man. Auch die andern brachen bald auf. Draußen brauste das Voulevardleben. Dem breiten Strom, der von dem Ausstellunosgebäude kommend über den Madeleineplatz wogte, stemmte sich
der andre entgegen, der sich aus der inneren Stadt in die Rue Royale, nach dem Place de la Concorde zu ergoß. Nur schrittweise kam man vorwärts. Ein Wagen war nicht zu finden. Langsam gingen sie den Boulevard des Capucins hinauf, Salesters voran, Baldins hinterdrein. Es war sehr schwer, bei einander zu bleiben, so dicht war das Gedränge. Vor den langen Stublreihen des Eafe de la Pair staute es völlig. Die Camelots riefen soeben die zweite Ausgabe des Soir" aus. drängten sich durch die Paffanten; ein paar Händler boten mitten auf dem Trottoir ihren Tand feil, billige Bijouterieen, Streichhölzer, Postkarten, weiße Mäuse und kleine zahme Pavageien; wie eine Mauer stand die Menge um die lebhaft gestikulirenden Burschen. Eine unendlicbe Wagenreihe fuhr zur nahen Oper und sperrte den Ucbergang. Plötzlich fühlte Baldin den Druck der Hand seiner Frau auf dem Arm. Ihre Rechte krampfte sich förmlich ein. Da . . . wieder er!" stieh sie hervor. Fast mnnittelbm neben ihnen, in der zweiten Stuhlreihe des Käses, er. hob sich eine lange, hagere Gestalt. Ein Mann mit einem scharfaeschnittenen, bartlosen Gesicht, vielfaltig wie das eine VNNe uno von irankyastcr Bläffe. Er hatte den Hui. einen breitrandmen ml, vor sich in den anden. Ueber die hohe Stirn fiel eine weiße Strähne des son''t noch ungebleichten Haares hmab. ein rechtem Auge war mit einer schwarzen Binde vcrdeat. Aber das linke Auge heftete sich auf das junge Weib mit einem Ausdruck von ingrimmigem Haß und Veracht :ung. ..Komm fchnell tagte sie zu ihrem Mann. Jetzt war nichts mehr in ihr ron ironischer Ueberleacnbeii. Bk zitterte. Er drängte vorwärts. Aber sie kamen nicht von der Stelle. Und nun kreuzte sich auch sein Sbltrf mit dem des Einsamen drübenunter der bunten Menge. Da verzog sich dessen Gesicht zu einem spöitlschen Xa chen. Baldin steifte unwillkürlich den Racken. Aber er zog doch den Hut, und der andre nickte ibm zu. immer noch mit demselben Hohnlächeln. Jetzt endlich hob der Gardien drüben seinen tab. Die Wazenreihe hielt die Paffanten schoben hastig vor. und die Welle trug auch Baldin und seine Frau weiter. Ihre Hand bebte noch auf sei: nein Arm, als sie drüben jenseits der Rue de la Paix wieder fe'ten Fuß faßten. ,.ic ein Anarchist sah er aus - flüsrcrte sie. Als ob er im nächs-en Moment eine Bombe schleudern würde " Der Direktor konnt? schon wieder lachen: Ach Unnnn! Deine Nerven sind doch sonsi nicht so schlecht. Paula. Der Mann thut keinem Menschen etwas zu leide höchstens sich selbst!" 2. a v x I t l. aZ Mölln-Sieghard'sche Koure B hielt vor dem Hause Pral J burgstrahe 102. Der Diener sprang vom Bock, die Wagentbur zu cnnen. Ter alte Kutsche saß kerzengerade, Hand am Hut. Bernhardine stieg aus. Einen Augenblick blieb sie auf dem Bürgersteig nchen und sah sich verwundert um Sie war noch nie in dieser Gegend gewesen, an der äußersten Grenze der Weltstadt. Die Straße war erst auf einer Seite bebaut und nicht vollstän-. dig regulirt. Quer über den Damm lief noch ein kleines chienengcleise, auf dem die beim Bau der Unter grundbahn an der Kaiser WilhelmGedächtnißlirche ausgebobenen Bodenmaffen hierher transportirt wurden. um das tiefer gelegene Gelände aufzu füllen; einige Arbeitertrupps waren oeim 'na'.tern ce'chttiat: nn Asvhallke'sel s?ieß dicken Qualm aus Hüben war die Hänserreibe noch nicht lückenlos, aber jedes einzelne Haus erschien als riesige Miethskaserne mit fast palastartiger Vorderfront. Wo zwischen den schon vollendeten und den im Rohbau begriffenen Häusern sich noch Bauplätze einschoben, sah man auf die tiefen kablen Hintergebäude mit ihren eintönigen Fensterreiben. Trüben, auf der andern Straßenseite, lagen kleine Gärten, Laubenkoloniecn, in denen gerade die Kartoffeln aeerntet wurden. Es sah ganz freundlich aus: die Astern blühten in lanaen Reihen, ein paar verspätete Sonnenblumen hoben sich aelbleuchtend aus dem Grün; an den Staketen kletterten die Kürbisranken: nebn einigen der Lauben und Hol.hütten, auf denen bunte Fahnen flatterten, schwellen lustige Feuerchen aus Kartoffeltraut, Und über all dem weitete sich der Blick auf das schier endlose Feld, das erst ganz in der nerne, halb im R:bel dunst, eine zweite Häusermaffe und ein dunkler Streif begrenzten Halensee und der Grunewald. Auf der obersten der drei Stufen. die zur Hanstbür führten, blieb Bernhardine noch einiaal stehen und wandte sich um. War's eine Plötzlich veranderte Beleuchtung die Aussicht nach drüben erschien ihr ga?'z verwandelt eine weite, ode. graue Fläche, auf der sich nur hier und dort einzelne Zaun reihen, ein paar Vorwerken gleich vom Häusermeer vorgeschobene Bau-
lichkeiten abzeichneten. Und der Himmel drüber so blaugrau, so stumpf. Ein melancholisches Bild Sie zog die Klingel. Erst nach einigen Minuten sprang die Thür auf. Flur und Treppenaufgang waren
sehr elegant, fast prunkvoll. Aber als sie einige Schritte m den Korridor gethan hatte, tauchte aus der Portierloge ein schlecht angezogenes Weib auf mit wirrem Haar und rief ihr nach: Zu wem wollm Se denn?" Fräulein von Kolanden wohnt doch hier? Qder " sie verbesserte sich Graf Wellried?" Gartenbaus drei Treppen! Ter andre Einzana!" antwortete die Frau und kroch in ihre Portierloge zurück. So stand sie nun wieder auf der Straße, ein wenig befangen und verschüchtert. Richtig, dort rechts war ja ein zweiter Eingang, ein schmales Tbor Aber daror lehnte ein Tienstmadchen. mit einem Korb im Arm, und plai; derte mit einem Arbeiter der Asphaltwerke, der sich dicht neben der hur auf den Erdoi.'en gesetzt hatte. eine Branntweinflasche im Schooß und eine dicke Brotschnitte in der Hand. Jobann ' Gnädiges Fräulein " Gelten Sie mit mir hinauf. Gartcnhaus . . ." Das Dienstmädchen schob sich etwas widerwillig zur Seite, glotzte die junge Dame mit aroßm neugierigen Auaen an. Wie öie seioenen" Aoat raub ten Schnellen Schritts ging Vernhardine durch den halbduntlen, ziemlich engen Flur. Es war doch gut, daß sie Johann hatte mitgehen heißen. , , . , - f r Aber war denn oas ncyng rnerj Gartenhaus? Das mußte ein Haus in einem Garten sein. Ter Flur aber mündete aus einen schmalen Hof zwischen hrmmelbohen Mauern. Ein paar träucher freilich verkümmerten in der Mitte auf einem kleinen dürftigen Ralenriea. uno rea)is uno linrs uno geradezu waren Eingänge Johann icyien lich zurecht zu finden. Er deutete diskret nach vorn. Eine schmale, schlecht beleuchtete. steile Treppe. Ein dürftiger Kolosläufer darauf. Und ein athembeklemmender Geruch nach Sensen Zwiebeln Sauerkraut. " Konnte hier Lora wohnen, ihre schöne, zarte Lora? Sie hatte ja frei. lich auf der Schulbank immer von sich gesagt: Ich bin so arm, daß eine Kirchenmaus ein Krösus mir -gegen-über ist." Und ohne Grund hatte das arme liebe Ting sich gewiß nicht die drei langen Jahre im Seminar gequält, bis sie nun endlich am Ziel war. Und Graf Well.ied? Ter zierliche Greis mit den Allüren eines Hofmannes aus der guten alten Zeit! Ter große Kunstkenner, den man überall traf, den Papa fast bei jedem Ankauf für seine Callerie zu Rathe zog der wohnte auch hier? Wunderlich! Wunderlich! Bernhardine tappste tapfer vorwärts. Stufe auf Stufe. Eigentlich muhte d.is doch schon die letzte Treppe sein? Noch nicht! Gut nur, daß Fräulein von Schotten zu Hause geblieben war Nun stand sie endlich, hochausathmend, vor der Thür mit dein kleinen blitzblanken Messingschild: Graf Bruno Wellried." und Johann streckte dienstbereit die Hand neiren ihr aus' um die Klingel zu ziehen. Ein derbes Dienstmädchen öffnete. gramem von noiancen zu Hause?" Das Mädchen wußte wenigstens, was sich schickte. Es hatte sofort einen kleinen Silbertcller zur Hand für die Karte: Ich werde nachsehen." Und dann ohncie sich auch gleich eine Seuenthur, Lora zog die Freun din sofort in das Zimmer. Fast drei Jahre hatten sie stch nicht gesehen drei endlose Jahre Und ste saßen, eng umschlungen, nebeneinander auf dem Sofa und be richteten und plauderten eine Welt l-atten sie sich zu erzählen. Von der Pension in Brüssel, vom ersten Ausgeb?n im vorigen Winter, von Paris und Scheveningen die eine: von ernster liebgewo.dener Arbeit die andre. Mehr zu erzählen und auszuplaudern hatte wohl jene: aber wie es immer zwischen ihnen gewesen war: Lora war die. welche mehr gab. AllmäligwurdeBernhardine schweigsamer. Aber ihr Blick hing wie ge bannt an dem zarten, etwas blassen Cval mit den feingeschwungenen, ein wenig herben Lippen und den großen mandelförmigen dunklen Augen, über denen sich die dichten Brauen in vol b'ndetcr Rundung wölbten. Und wenn dann und wann ihr Auge an dem schö neu Gesicht vorbeiglitt und auf kurze Momente dies Zimmer umspannte mit dem Urväterhausrath, der fast wieder anmuthete, als sei er das Allermodernste: den tiefen bequemen Sesseln, den von der Zeit nachgebräunten ?.'cabazottiflachen, den kolorirten englischen Kupfern dann sagte sie sich im Stillen: Wie merkwürdig sie hier f - . . w . i ylne!npan.zi ume oas alles zu th? stimmt, in Form und Farbe!" Auch Lora war ein wenig ver stlimmt. Aber nach einer kleinen Pause fragte sie plötzlich: Uebrigens. wir sprechen immer von uns! Wie geht es Deinem verehrten Papa?" Oh... Papa! Papa faulenzt, wie er sagt, und das bekommt ihm vortrefflich. Er hat nämlich meinem Brude? die ganze Last des Geschäfts 3Ufrt'VLZbl "
, Will . . . Deinem Herrn Bruder! Trägt cr schwer daran?" meinte Lora ein wenig ironisch. Kaum! Er ist noch immer der gute ,frcre' von ehedem, wenn er sich auch manchmal eine ehrpusselic Gcsch'.in miene zulegt und den Ehrgeizigen spielt. Er trägt die schönsten Westen Berlins und die wundervollsten Scklipse " Mitten im Satz lachte sie laut auf. mit einem wahren Jubelton: Bitte, bitte, thu' mir nur ein einziges Mal den Gefallen " und stellte Lora zu reckt, fast wie der Maler ein Modell stellt. Sie gab ibr ein Buch in d'e herabhängende Rechte, drehte den Stopf ein wenig nach dem Licht und rief endlich, in die Hände klatschend: Da hab' ich's! Ich wußte es doch und konnte nur nicht darauf kommen. Auf's Tippelchen wie der herrliche Gainsborouh, um den Papa in Paris so beiß handelte." ?tärrin Du!" sagte Lora. Noch einen Augenblick wenn
tch doch nur ein Stückchen schwarzen Schleier? hätte..." Sie batten Beide nicht bemerkt, daß die Thür znm Nebenzimmer geräusch los ae'öffnet wurde. Auf der Schwelle stand der alie Graf und sah mit heiterem Lächeln auf das hübsche Bild. Er hatte die letzten Satze gehört, nickte stummen Beimll. Ein Gainsborough. Es mochte wohl sein. Etwas von der englischen Rasseschonheit lag m der Lora. n dem schmalen und doch so feinqerundeten Gesicht, in der wundervoll hochgewach senen Gestalt, breit in den Schultern, zum Umj pannen im uchs. Auch das aschblonde Haar, das sich über der 2:i:n nicht dem Zwang des glatten Scheitels fügen wollte, überall in tk neu Löckchen sich hervorstahl, aber hinten im Nacken zu einem für die zierliche öiovfform fast allzu starken Knoten energisch zusammengefaßt war auch hkz herrliche Haar paßte zu einem Gainsborough. Das Künstlerauge des Greises hatte seine Freude an all dem. Und als jetzt Bernhardine den Wunsch nach einem Stückchen schwarzen Schleiers" aussprach, verschwand er auf einen Augenblick in seinem Zimmer. um sofort mit einem feinen schmalen alten Spitzenshawl wieder zu erscheinen Hier, meine Damen! Guten Tag. gnädigstes Fräulein! Halt nur still, Lora ... ich möchte das auch gern sehen . . ." und er legte die schwarzen Spitzen selbst über das blonde Haar, schlang die Enden ganz lose unter dem ftmn zusammen und trat schmunzelnd zurück: Mein Kompliment, Lora. Ale? auch für Sie. gnädigstes Fräulein! Wie sich doch feiner Kunstgeschi??ack vererben lann ich schätze nämlich wirklich das Kunstverstäildniß Jhre- verehrten Herrn Papas sehr hoch. Störe ich auch nicht?" Die beiden jungen Mädchen waren zuerst ein wenig beschämt gewesen. Aber jetzte sagte Lora eifrig: Tu? Nie. Onkel!" und Bernhardine machte ihren artigsten .Knicls und log: ...Eine Empfehlung von Papa, Herr Graf." Ten ktzten Nest ton vefangenhei! konnte sie doch noch nicht abstreifen. Sie bette den Greis immer nur im Frack oder im Gehrock gesehen. Nun. im brauen kurzen Sammetjakett, mit dem lose umgeschlungencn bunten Halstuch, kam er ihr ganz fremd vor: viel älter, viel eingefallener. Aber die Augen leuchteten so warm und freundlich. wie stets, und es kam so herzlich heraus, als er sagte: Recht ist's, daß Sie sich nach Lora umsahen, gnädiges Fräulein. Man soll alte Freundschaft nicht einrosten lassen ... freilich, von Ihren Freundschaften kann man eigent.ichnicht als von alten sprechen. Tie glückliche Jugend! Ich bw so frob. daß nun mit Loras Heimkebr auch ein kleiner Strahl von ihr für mich abfällt. Wenn's mir auch gruslich erscheint, daß Lora stch gleich wieder in die dumpfige Schulstube einzwängen will ... ein wenig Zeit wird sie schon für den alten Onkel übrig bebalten. Uebriens . . . können Sie sich Lo:a als Lehrerin denken?" Einen Augenblick sah Bernhardine der Freundin voll in das schöne Gesicht. Tann lachte sie bell auf: Nein, Graf Wellried! Wirklich nem! Eö geht gar nicht. Die ganze Klasse verknallt sich ja sofort rettungslos in sie, und es gibt eme MordSeiserMcht unter allen Schülerinnen " Oho, Hardi, ich kann sehr strenge sein." Ach aeh doch Du und strenge ! Und Überhaupt ... ich kann Dick) mir eigentlich nur vorstellen im Fond einer Eampaqe oder in einem großen Salon, von einer Schaar von Verehrern umlagert, oder alö Herrin emes chonen Schlosses oder etwa in der Loge der Opcr oder auf dem Rennplatz " (Fortsetzung folgt.) Vrunnenkrei'scn-Salat Nachdem die Kresse mehrmals gewa schen ist. schwenkt man sie aus. bis kein Wajjer mebr abfließt. Das Gelbe ron emem hartgekochten Ei verrührt mrn mit etwas Senf. Arovenceöl. Pfeffer und Salz und Esdragonessig. In diese Sauce thut man die Kresse, wen det sie darin um, richtet sie in der Salatschüssel an und aarnirt sie mit hart gekochten E'ervierteln und aufgerollten Sardellen. Selbstverständlich laßt man die dicken Suele der Kresse denn Ber lesen zurück.
Nncchke neue Kartoffeln. Die Art ihrer SrftcUung in verschiedene Lön.'erll Kennzeichen. In welchem Maßstabe sich die Nahrungsmitte. Verfälschung selbst derKartoffel bemächtigt hat, kann man aus einem Artikel des Prometheus" ersehen. Terielbe schreibt: Lange bevor im Frühjahr die Karlöffeln gepflanzt werden, erscheinen auf deutschen Märkten und in den Delikatessenhandlungen der Städte bereits neue Kartoffeln," die allgemein als Malta-Kartoffeln oder eingeschickte' bezeichnet werden. Früher wurden, neben echten, auch diese unechten neuen Kartoffelll ans dem Auslande lezogen, neuerdings werden sie aber auch in Deutschland massenweis hergestellt. In allen Fällen benutzt man dazu al'.e. vorjährige Kartoffeln, denen auf künstlichem Wege neue Jugend verliehen wird. Zu dem Behufe läßt man die alten Kartoffeln einige Tage im Wassec aufquellen, dem etwas Schwefelsäure beigemischt ist; alsdann werden die Kartoffeln tüchtig mit einem stumpfen Reiscrl-scn umgerührt und so lange bearbeitet, bis die braune Winterschale entfernt ist und die Kartoffeln das helle Aussehen von neuen haben. Beim Kochen tritt aber ein unangenehmer Geruch hervor; auch dunkle Flecle im Inneren verrathen die alte Kartoffel. Unter allen Umständen aber ist die unechte neue Kartoffel daran 311 erkennen, daß ihr die junge, dünne und leicht abzunehmende Haut der wirrlichen neuen Kartoffel fehlt. In Frankreich läßt man zu dem Zwecke die alten, welken und zusammengeschrumpften, höchstens mittelgrosten Kartoffeln zwei bis drei Tage in einer Wanne im Wasser einweichen, wobei sie sich voll Wasser saugen und eine volle Form annehmen. Tann werden die Kartoffeln so lange gequirlt, bis sie ihre dunkle, dicke Winterschale abgerieben und ein frühlingszartes Aussehen erlangt haben. Flüchtig übertrocknet, werden sie dann in frischer Erde gewälzt, die sich leicht an die noch
feuchte Schale anheftet; dann kommen noch einige Hände voll Erde in den Sack, und fort geht die neueste Ernte" hinaus in die Welt. In Kalifornien, wo gleichfalls viele neue Kartoffeln hergestellt werden. pflanzt man eigens zu diesem Zwecke gegen Ende des Sommers eine schnellwüchsige Kartofftlsorte, so daß sich noch vor Eintritt des ersten Frostes mittelgroße junge Kartoffeln entwickeln. Dieselben werden ausgegraben, auf dem offenen Felde zu Haufen gefckichtet und dann, so mit Deckmaterial und Erde eingedeckt, daß sie sich bis zum Frühjahr frisch erhalten, ohne einzuschrumpfen. Alsdann werden d!e Kartoffeln in einem Drahtkorbc m eine heiße Lauge eingetaucht. Hierdurch kräuselt sich die alte Schale, so daß sie platzt: gleichzeitig wird die Kartoffel härter und fester. Nachdem sie an der Sonne übertrocknet ist, kann sie kaum von wirklichen neuen Kartoffeln unterschieden werden. Schneidet man allerdings diese präparirten Kartoffeln quer durch, so bemerkt man in kurzem Abstände unter der äußeren Haut eine gelblichweitze Linie; bis dahin war beim Eintauchen die heiße Lauge eingedrungen. Beim Kochen tritt dann auch der Laugenge .uch deutlich herror; außerdem fühlt sich die aus dem Wasser genommene Kartoffel seifig an. kiinefisclic Tiunsprüchc. In den Sprichwörtern einer Nation spiegelt sich ihr Geist und Charakter getreulich ab. Ganz besonders ist dleZ beim chinesischen Sprichwort der Fall, das jedoch mehr Weltklugheit als Mitgefühl verräth, wie folgende Proben darthun werden: Geld ist ein guter Diener, aber ein gefährlicher Herr. Wer borgt, um zu bauen, baut, um zu verkaufen. Wer seine Bedürfnisse vermindert, bereichert sich. Auch der Landesfürst hat seine armen Verwandten. Ziehe gute Nachbarn entfernten Verwandten vor. Es gibt zwei gute Menschen: der eine ist todt, der andere noch nicht geboren. Männer in der Gesellschaft hören sich zu, Frauen fehen sich an. Schöne Frauen sind zumeist sehr unglücklich. Häßliche Gattinnen sind kostbare Schätze. Kaufe nie etwas, was Du nicht nöthig hast, nur weil eö billig ist. Reue ist das Echo einer verlorenen Tugend. Ehe Du eine Wohnung miethest, ?r kundige Dich nach der Nachbarschaft. Kluge Männer sind selten schön: schöne Frauen selten klug. Verderblicher Ehrgeiz. Die elf Jahre alte Louise divers in La Rochelle, N. Y., hat bei dem Versuch, als die beste Seilspringerin der Nachbarschaft zu gelten, ihr junges Leben eingebüßt. Etwa 200 Mal zu springen, war bisher die höchste Leistung gewesen, und das Kind hatte oft den Versuch gemacht, diesen Rekord" zu brechen, aber keinen Erfolg gehabt. Jüngst machte sie einen abermaligen Versuch, der aber ein verhängnißvolleS Endenahm. Nach dem 200. Sprung ermattete sie sichtlich, doch gab sie nich! nach, bis sie bei dem 218. Sprung zusammenbrach. Man brachte sie nach dem Hospital, wo sie nach kurzer Zeit an akuter Vlinodarmentziindung starb.
Japans MilttZrnttätswcsm. crismcl. Feldspitäler. Krankenjüge, Azke unö weibliche jtzclZer. Als musteriltig darf nach einem Vortrage, den der Generalstabsarzt Uriel jüngst in einer Versammlung 'des Vereins der Militärärzte der Wiener Garnison hielt, das japanische Militärsanitätswesen bezeichnet werden. Der Ehef der japanischen SanitätsOrganisationen steht im Range eines Feldmarschallleutnants. Das Truppensnitätspersonal ist sehr reich bemessen. Bei jedem Jnfanterie-Regi-ment zu drei Bataillonen befinden sich 6 Aerzte, 3 Oberfanitätsgehilfen, 12 Sanitätsgehilfen und 48 Blessirtenträger. Das bei jeder Truppendivision eingetheilte Sanitätsdetachement befleht aus zwei Blessirtenträger-Kom-pagnien und einer Central- oder Verbandplatzabtheilung; es umfaßt 8 Aerzte, 1 Apotheker, 1 Verwaltung offizier, 3 Trainoffiziere und 405 Mann. Weiter verfügt jede Truppendivision über sechs Feldspitäler für je 200 Kranke oder Verwundete. DaZ. Personal eines Feldspitals setzt sich zufammen aus 6 Aerzten, 1 Apotheker, 1 Verwalwngsoffizier und 108 Mann. Zur Ablösung der vorderen Feldspitäler sind die stationären" Feldspitäler bestimmt. Der Gefechtsfanitätsdienst vollzieht sich derart, daß die Hälfte des Truppen-Sanitätspersonals thunlichst nahe hinter der kämpfenden Abtheilung die allererste Hilfe leistet, während die andere Hälfte weiter rückwärts auf dem Regimentshilfsplatze die dahin gebrachten Verwundeien zum weiteren Transport geeignet macht. Zu erwähnen ist bei dieser Gelegenheit auch die Thätigkeit weiblicher Helferinnen auf dem Schlachtfelde, die die weibliche Jugend der ehemaligen Kriegerkaste, der Samurais, stellt. Von den Verbandplätzen kommen die Verwundeten in die Feldspitäler. Der weitere TransPort bis zur Küste erfolgt durch chinesische Träger oder auf den zweirädrigen Chinescnkarren, sodann auf Spitalschiffen nach Japan. In Japan sind improvisirte Krankenzüge in Verwendung. Ter KriegsHygiene wird von den Japanern in vor--znglicher Weife Rechnung getragen.
Offiziere und Mannschaft sind hygienisch geschult und die genaue Durchführung aller hygienischen Maßnahmen ist durch die strenge Disziplin und den ausgesprochenen Reinlichkeitssinn der Japaner gewährleistet. Ter Militärarzt ist geradezu allgegenhärtig. Schon den vordersten Aufilärungspatrouillen folgt er mit Mikroskop und Untersuchangsbehelfen; er durchforscht die Orte nach Jnfektionstranken. prüft die Trinkwässer und veranlaßt alles zur hygienischen Sicherung der Truppen Nöthige. ES ist bekannt, daß lange vor Kriegsausbruch der voraussichtlich: Kiiezslchauvlatz von den Japanern auch in sanitärer Hinsicht sorgfältig ausgekundschaftet worden ist. Während es im gegenwärtigen Kriege den Japanern bisher gelang, Typhus und Dysenterie aufMinimum zu beschränken, haben sie fehr unter Beriberi, einer chronisch-konstitutionel-leu Krankheit, zu leiden. Die HauptUrsache ist die große Empfänglichkeit der mongolischen Rassc. Abontcuer cincs Tangers. Das Mitglied der ..Opera Comigue" in Paris Zocchi, ron Geburt ein Italiener, war nach Roucn gefah ren, um dort in einer Matinee mitzuwirken. Abends jedoch hatte er in Paris in der Cavalleria Rusticana"' zu singen. Unglücklicherweise versäumte er nun den ?!achmittagszug fa Rouen. Was thun? Schnell entschloß sen miethete er ein Automobil, und Ml begann ein Wettrennen mit dem bereits abgegangenen Zug. Galt es doch noch vor diescrn in Mantes einzutreffen, um dann ron hier aus nach Paris zu gelangen. Aber mit des Schicksal. Mächten oder richtiger mit den franzosischen Landgendarmen ist kein ewiger Bund zu flechten. Zocchi wurde von einein Gendarmen angehalten und wegen zu rascben Fahrens aufnotirt. ein? Prozedur, die mehr als 20 Minuten beanspruchte. Dann ging's weiter, aber als der Sänger nach Mantes kam, war der Expretzzug fchon wieder abgefahren. Nun setzte er die Reise mit dem Automobil fort und erreichte Paris Abends 9 Uhr. Die ,.Cavalleria" war als letztes Stück angesetzt, er war also noch rechtzeitig eingetroffen. In seiner Garderobe jedoch fand cr einen Brief seines Direktors vor, in dem er ihm mittheilte, dasi er ihn um 2000 Francs gestraft habe, weil cr ohne Erlaubnisi aris verlassen hab?. Au herdem entdeckte der Sänger, daß er sein Portemonnaie mit allem Geld, das ev überhaupt noch besaß, verloren habe. Gehobener (Boa t',. Etwa 20 Meilen von Fort Worth. Tex., hat ein gewisser T. A. Ledbetter einen Topf ausgezraben, welcher $2000 in Goldmünzen enthielt, die wahrscheinlich vor vielen Jahren vergraben wurden, sich aber noch in gutem Austande befinden. Ein alter Indianer erzählte vor Iahren, daß in jener Gegend, wo Ledbetter den Fund machte, ein Schatz vergraben sei und mehrere Leute stellten Nachforschunqen an, hatten aber keinen Erfolg. Mehrere Bäume in der Nähe fcfc Fundorts trugen indianische Zeichen. Die erste buddhistische Zeitschrift in Europa, Der Buddhist ist dieser Tage in Leipzig erschienen.
