Indiana Tribüne, Volume 28, Number 217, Indianapolis, Marion County, 5 May 1905 — Page 7

Jndiana Tribüne, S Mai 1905

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Icuerblumen liotnan von Adolf Wilbrandt 6 SOS ? Ci r rOOOSOOSOSOS-O rr v (Schluß.) Ja, da üab' ich das Kind, und das Fräulein Stark. Bewährt sich als braves, gescheites, gebildetes Frauenzimmer; offenbar eine gute Art, die Starks. Und dann sie hat Frau Wanda noch gut gekannt . . . Mit dem kleinen Teufel, der Amanda, wird sie nicht leicht fertig ; da helf' ich dann aus. Nun geht's erst in der Wirthschaft los! Bisber hab' ick an mich gekalten, weißt Du, mit aller Gewalt; keine Uebereilungen! war mein erstes Selbstgebot. Im ersten Jahr nur lernen, lernen! nur beobachten, Erfahrungen sammeln, tüchtig, praktisch werden. Hat auch Mühe genug gemacht! Jetzt fangen wir aber an. Zunächst neue Wohnungen! Hast wohl schon beim Fahren durch's Dorf gesehn " Verzeih, ich hab' nichts gesehn." 5in Käthen ist schon niedergeriyen. wird neu aufgebaut. Nach und nach sollen alle dran. Lauter gute, lustige, gesunde vierhischige Käthen " Vierhischig V fragte Christine. Was iü das?" leryaultg; vier ckgiorjnerruin; Zungen in einem Käthen. Die Wohnungen im Torf sind halt alt und schlecht; da haben die früheren GutsHerren einträchtig geknickert. Frau Wanda wußte das sehr gut; aber in diesem Punkt konnte sie nichts machen. Jetzt jetzt ändert sich das. nach ihrem Sinn! Auch die Ställe sollen verbessert werden, einer nach dem andern. Die Kleistwiese kommt auch daran. Kurz, Arbeit genug!" Ja, ja. Aber die Erholung . . ." Werner lächelte: Kind, so ein Gutsbesitzer überarbeitet sich nicht! Im Winter, da geht's diesmal für einige Zeit nach Berlin: Kunst, Wisfenschaft. Menschen. Will ja nicht rerdauern; so wenig wie Dein Wolfgang. Sonst aber sonst ist mir hier so wohl! Dieses Luftleben herrlich. Und die tägliche kleine Sorge, das nothwendige Pfefferkorn. Und die Natur geht mir hier so wunderbar zu Herzen . . Er lächelte ein wenig. Mein See! Meine Wälder!" Christine lächelte auch. Wie Du das drollig sagst: mein See." Ja. wir Gutsbesitzer! Es ist wohl bei mir noch etwas Besonderes. Wenn ich so auf dem See fahre wie vorhin zwischen den Hügeln und Wäldern jeder Baum guckt mich an. als sagte er mir was . . ." Er verstummte. Er versank in sich. Die Schwester ließ ihn eine Weile so. Erst als ihr das Schweigen zu tief, zu schwer wurde, nahm sie wieder das Wort: Auf Amanda bin ich neugierig; nun ist sie ja längst zehn Jahre alt. Weißt Du. es ist mir immer noch gar so merkwürdig: Tu, der .freie Mann.' der Welt- und Kunstgenießer, mit so einem beinah hätt' ich .Balg' gesagt. Sie macht Dir das Leben nicht zu schwer?" Werner sah sie mit einem seiner verschleiert durchdringenden Blicke an: Fehler hat sie noch genuz. Aber Liebe und Geduld unsre Sonne und unser Mond die erreichen viel bei ihr! In der ersten Zeit war das Mädel noch furchtbar ernst; ich hab's wohl geschrieben. Tann aber, so allmälia, da ihr hier wohler und wobler wurde Ja, was denkst Du? Sie hat jetzt einen niedlichen, neckischen Humor. Nur ein Beispiel, das neueste! Vor einem Vierteljahr und drüber war ich ibr ei: en Pfennig schuldig geworden, ich w' Iß nicht mehr, wie. Ich will ihn zahlen, da sagt sie: Ach nein, Vaterle, ihu's noch nicht. Ich möcht' so gern Dein Schuldiger sein nein, Tein Gläubiger das verwechsl' ich immer. Stell' mir einen Schuldschein aus. bitte, bitte! Ich setz' mich also hin: .Unterzeichneter bekennt hiermit. der noch unbegebenen Jungfrau Amanda Löffler einen Pfennig fchuldig zu sein. Er verpflichtet sich, ihn nach drei Monaten gegen Rückgabe diefes Scheins auf Heller und Pfennig auszuzahlen; widrigenfalls und so weiter'; so ungefähr war's. Natürlich vergaß ich die Sache schon denselben Tag. Das Kind aber nicht Heute Morgen bekomm' ich durch die Post ein Schreiben, auf einem großen Bogen, Geschäftspapier, das die Spitzbübin mir heimlich fortgenommen hatte; und mit ihrer ziemlich kühnen Schrift, aber einer Masse Fehler, denn sie ist nock flüchtig, schreibt sie mir Werner griff in die Tasche; ich hab's ja bei mir." sagte er und zog ein etwas zerknülltes Papier heraus. Er las vor: Geehrter Herr! Ech hab sonst geglaubt. Gutsbesitzer sind Ehrenmanner. Und das bin ich nicht qe wohnt, daß man mich nicht bezahlt. wenn man mir was schuldig ist. Ihre Frist ist ja abgelaufen; wissen Sie denn das nickt ? Schon acht Tage lan ger als drei Monate habe ich gewartet. Auch die Geduld eines Lammes endet Haben Sie in acht Tagen nicht Ihre Pflicht erfüllt, so werden Sie verklagt. mein Herr, und kommen in's Gefängniß. Und Ihre Ehre, denken Sie nur mal. Mir hat emnial ein Onkel Wer ner gesagt: Schulden sind heilig! O wie können Sie nur so sein. O was machen Sie für Sachen. Ich warte

noch acht Taae. dann webe ftfinen!

Unterzeichnet? Amanda Löffler, unbe-

gebene alte Jungfer, Geldverleiherin. Christine lächelte. Närrisches Ding! Also so heiter geht es hier zu; das dacht' ich nicht." Werner steckte das Papier wieder in die Tasche. Nun will ich " Ein Schmettern von Kindertrompeten unterbrach ihn; durch die offenen Fenster brach es in furchtbaren Tönen herein. Ah," sagte er, das t r r i n cmn: Sie traten Beide an's Fenster; eben erschien das Motorboot auf dem See, von rechts, ein schmuckes, buntbemaltes Fahrzeug. Vorne standen die Kinder, Amanda, Adolf und Eva. und bliesen alle drei; hinten sahen die Erwachsenen. Es ward angelegt; man stieg aus. Wie allerliebst das ist." sagte Ebristine; so ein Maschinenschiff auf Teinem See. Wir müssen ja aber hin, sie begrüßen!" zt stiegen nunter; an der Gartenthür kam ib.:?n die kleine Gesellscbaft schon entgegen. Neben dem langen Hugo fiel seine stattliche Neuvermahlte auf. die, wie es sanen. nom etwas gewachsene Betty; jetzt ohne ihr Geaennück, die kleine Hedwig. Sie war als junge Frau reizender geworden: HefsetcM weil sie l"- ßtewis sensöisse mehr hatte. Alle staunten, die Fremde aus den Alpen zu sehn. Es gab herzliche Begrüßungen. Als Ehriitine vor ugo nano, war iie einen Augenblick unentschlossen; sie ward eth; er auch. Tann traten sie gleichzeitig aufeinander zu, mit vorgestreck ter Hand; meinen herzlichen GluckWunsch!" sagten sie zugleich. Ebert lachte unverhohlen auf. Betty war aber geschwind zur Hand und fiel der andern jungen Frau um den Hals. Nun kamen auch die Kinder heran; die Kleinen nied':ich wie vor einem Jabr, nur mehr au-fgeschossen; über Amanda aber mußte Christine sich rerwundern: so auffallend war sie verweiblicht und verschönert, voller, blübender. Tie Augen wirkten dennoch so .groß wie früher; es war ein Charakterköpfcben. Anfangs stand sie scheu und stumm; doch nach dem ersten guten Wort der Tante Christine" schmiegte sie sich zutraulich, bald auch zärtlich an. Werner lächelte. Ja. die will immer Liebe haben," sagte er zur Erklärung. Sie fragt jeden Tag: hast mich noch gern. Vaterle?' Jetzt lächelte Amanda auch; es war noch etwas von der alten natürlichen Wildheit" in dem guten Lächeln. Man trat in's Haus; sie nahm Christinens Hand und führte sie eifrig geschäftig in ihr eigenes süßes" Zimmer, dasselbe, tn dem sie schon als Wandas Pflegekind gewohnt hatte. Es war mit Liebe ausgestattet; ganz von Werners Hand. Was sogleich in die Augen fiel, war die Menge von Wanda-Bildern, die er nach Photographien, welche Ebert besaß, neu und zum Theil vergrößert hatte herstellen lassen. Sie schmückten die Bettwand, den Schreibtisch und auch sonst die Wände. Einige Jnschrifttafeln wie die in Wandas Zimmer hingen auch hier, neben den Photographien. Christine kam darauf in den Salon und in's Speisezimmer; es war nun, wie wenn sich nichts verändert hätte: jedes Stück an dem alten Platz. Sie sah unwillkürlich nach der Thür: jetzt tritt Wanda ein! Es erschien aber nur die Hausdame, die auf dem runden Tisch im Salon einen letzten Imbiß bergerichtet hatte. Sie lud ein; Werner setzte hinzu: Während angespannt wird, noch ein Glas von meinem griechischen Wein! Maurodaphne; einer meiner Lieblinge. Von der deut schen Gesellschaft Achaja, in der deut schen Kolonie Gutland bei Patras. Tie Tc-itschen machen den Griechen ihren beüen Wein!" Fräulein Stark füllte die Gläser; man setzte sich; süßes Gebäck stand da bei, über das die Kinder herfielen. Dte Männer tranken auf die gute Ernte, die in der Hauptsache beendet war; die Damen stießen mit an. Wie merkwürdig aber doch manches am Ort haftet," sagte Werner heiter. So hab' ich als Nachfolger eines großen Jägers, wie der vorige Gutsherr von Grebbin war, richtig in diesem Jahr die meisten Bocke geschoben." Ebert lachte; er lackte gern. Hugo Hoffmann entgegnete: Und mir scheint, von uns dreien haben Sie doch die beste Ernte." Man sagt ja auch hierzulande," gab Werner zurück: Tie Dummen bauen die meisten Kartoffeln!" Tas nützt Ihnen nichts," sagte Betty; wir wissen doch alles. Ja, wir Frauen auch; unsre Männer erzählen uns alles." Sie lächelte: Ich will eie nur nicht eitel machen! Werner verneigte sich. Wie steht's denn mit dem großen Jäger?" fragte Christine. Was ist aus dem geworden r Aus Keßler?" antwortete Werner. Ter hat sich im äußersten Hinterpommern wieder angekauft. Ebert nickte. Zu theuer, wie ich höre." Hugo zuckte die Achseln. Die anöern zuckten dann auch. Es ward ein allgemeines Lächeln daraus. Ein Dienstmädchen trat ein und meldete. die Wagen seien angespannt. Die Gäste und der Wirth standen auf Man rüstete sich zur Abfahrt, trank noch erst den letzten Tropfen. Als die Kleinen kamen, vom ,,Onke Werner" Abschied zu nehmen, hob er sie eines nach dem andern empor, küßte sie von Herzen. Amanda sah mit gro ßen. heißen Augen, offenbar mit Eifer

sucht zu. Dann zog Werner noch ein

paar Überraschungen Hervor, die er bisber in seinen Rocktaschen versteckt hatte: reizende, wirkungsvolle Spielsacken, aus Berlin gekommen; eine männliche und eine weibliche, wie er den Kindern erklärte. Adolf schrie vor Freude auf; Eva schrie ihm nach. Er mußte sie beide noch einmal in die Höbe heben und an seinen Mund. Endlich war der letzte Abschied vorbei; die beiden Wagen rollten hintereinander davon. Christine nahm ihres Bruders Arm und ging mit ihm in die Zimmer zurück. Ich war noch nicht in ihre? Stube," sagte sie mit leiser Stimme. Werner nickte still. Sie traten ohne Amanda, die mit dem Fräulein verschwunden war in das Hausorgelzimmer ein. Schönes Abendlicht lag darin, durch den hohen Wald gedämpft. Alles war wie einst; auch keine der Inschriften war weggenommen. Nur eine Staffelei stand in einer Ecke, die Christine früber nicht ge-

feben hatte: darauf ein verhängtes Bild. ,,arf man das sehn?" fragte sie nach einem langen Schweigen. Werner erwiderte nichts, machte aber eine verzögerte Beweguna. die offenbar agte: wie Tu tomn! ie trat rnn lnd hob dett Vorhang zurück. Es war eine Pastellmalerei darunter, von Werners Tilettantenhand sauber ausgeführt., Feuerblumen, schön glühende, tandm auf der schlichten Ackererde. Zwischen ihnen waren aber Weizenahren ausgewachsen, kraftvoll gestielt und hoch aufgeschossen, weit über die Fcuerblumen hinaus. Tie höchste und üppigste hatte etwas Seltsames, Phantastisches: ein Menschenantlitz war in ie hineingezeichnet, das an Wanda erinnerte; die Aehnlichkeit war unverkennbar. Es schwebte in der blaugeärbten Luft. Immer Wanda, Wanda! dachte Christine. Werner stand eine Weile still daneben; dann deckte er das Bild wieder diese Tummhett genug besehn. So was kann ich nicht. Ich bin Gutsbe sitzer!" Sie schwieg. Jetzt entdeckte sie auch das zweite, das in diesem Raum hinzugekommen war: eine große Photographie von Wanda, über dem Schreibtisch, ebenfalls vergrößert, das treueste und schönste Bild. In Kabinettsform hatte sie es schon bei Frau Minna in Heiligenblut gesehn. Es ergriff Ehristine. Sie konnte es nicht ohne Ruhrung betrachten . . . Aber auch ein Widerspruch, eine Art von Feindseligkeit regte sich in ihr. Sie hatte em Gefühl, wie wenn diese Frau ihr den Bruder genommen, ihn sich zu eigen gemacht, ihn verwandelt hätte; zu seinem Glück? Sie verstand es nicht. Sie konnte es nicht glauben. Sie schüttelte den Kopf. Ohne Werner anzusehn, faßte sie sich ein Herz und sagte: Nimmst Du mir's nicht übel? Ich muß ja doch, als verliebte Frau, immer wieder an meinen Wolfgang denken. Nur immer leben, leben! sagt Wolfgang; immer frisch drauf los! Nicht zu viel an's Ende denken, sagt er, und an das Unendliche. Das Ende kommt viel zu früh, und das Unendliche ist ein Traum!" Um Werners Lippen regte sich etwas. Er schwieg aber still. Darf ich noch was sagen, Bruder?" fing sie wieder an. Ich glaub' nimm's nicht übel ich glaub', Du wirst nach und nach ein bissel Sonderling werden, wenn Du so weiterlebst." Kann wohl sein, Christel. Wär' noch nicht das Schlimmste." Weißt Du Du sollst wieder für den Winter nach Italien gehn. Da war Dir am wohlsten." War!" Wär' wohl auch noch!" Werner begann nun wirklich zn lächeln. Da traf' ich dann leicht Frau Minna, könnt' mit ihr für Tizian schwärmen." Ah? Ist sie dort?" Jetzt nicht. Noch ist ihr's da zu warm. Sie schwärmt noch für die Natur, in Baden-Baden. Aber später! Venedig, Rom!" Woher weiht Tu das alles?" Sie hat's an ihren Bruder aeschrie ben. An mich schreibt sie nicht; wir waren etwas ausernandergekom men . . . Uebrigens hat sie mich doch grüßen lassen; diese gutherzige und in ihren Gefühlen wech selnde Frau trägt nichts lange nach! etc und ibre Antome reisen mit einem Mann, den sie hoch verehrt; der sie darin an mick erinnert, schreibt sie, daß er auch so im Schönen lebt, so verfeinerte Sinne hat; aber .mebr Charakter.' schreibt sie. Er sei ihr Fuhrer zu allem Großen und Schönen. Ja, die sagt ungefähr auch wie Wongang: Nur immer leben, leben! Immer frisch drauf los!" Christine wollte etwas erwidern; Fraulem Stark erschien in der Thu und meldete, die beiden Zimmer des verehrten Gastes seien bereit. Zwei?" fragte Christine verwundert. Sie sind ja da," sagte Werner Ich wollte meine Schwester doch ehren; ich als Guts- und Hausbesttzer." Christine dankte und umarmte ihn. Tann nur gleich ern wenig aus packen!" sagte sie und ging mit dem Fraulem hinaus. Werner sah ihr nach. Die Gedan ken zogen ihm in leisen Bewegungen über das Gesicht. Bruder und Schwester," sagte er vor sich hin; aber sie verstehn sich nicht ganz. Vielleicht

versteht sie mich so roeit nicht, wie sie, bei aller Mädelschwärmerei, diese Frau nicht verstehen konnte." Er trat vor Wandas Bild über dem Tisch; wunderbar, erschütternd lebendig sah es ihn in diesem Augenblick an. Nun? dachte er, als frage er sie in

gegenwärtiger Wirklichkeit. Siehst Du 1 nun, daß ich mein Wort halten kann? Und daß Du hier fortlebst? in mir? Eine Weil'e schaute er noch so Aug' in Auae; dann riß er sich los und setzte sich an's Harmonium. Um die herrlich hohen Melodien nicht ganz zu verlieren, mit denen ihn Wanda einst beseligt ilnd beseelt hatte, war er auf den Versuch gekommen, seine schwachen Klavierküne von vordem wieder aufzunebmen und nach gedruckten Lehren auf die Hausorgel zu übertragen. So hatte er doch eine Anzahl dieser Melodien sich wieder leidlich lebendig gemcs';t. Ta er aber keine Anleitung hatte, ging es langsam vorwärts; ihn verdroß, daß er noch so wnig konnte. Für Amanda war's schön genug; sie kam fast allemal geschlichen, wenn sie die Hausorgel hörte. Auch jetzt war fie auf einmal da. die Hände auf dc Rücken. Sie blieb andächtig bei der Thür, solange er spielte. Erst als er aufgehört hatte, stellte sie sich neben ihn und legte ih:n eine Hand auf den Arm. Er lächelte ihr freundlich zu. Sie diückte seineu Arm. Warst wieder so süß mit den Kleinen, Vaerle. Hast mich auch noch lieb? Er legann wieder zu lächeln. Ihm fiel nun aitx ein, was er wollte, und er machte ein ernstes Gesicht. Tas kommt drauf an," sagte er, wie Tu zu mir bist. Willst Du mir einen Pfennig leihn?" Sie starrte ihn an. Ein Schelmenzug huschte auf; sie hatte errathen, wo hinaus er wollte. Im nächsten Augenblick verschwand der Zug, und das kleine Gesicht mit dem klugen Näschen gab seinem an Ernst nichts nach. Ich bin 'nämlich in großer Noth, fuhr er fort. Ein weiblicher Gläubiger hat mir einen fürchterlichen, grausamen Brief geschrieben; und meine Ehre stebt auf dem Spiel. Eine hartherzige Wucherin " Amanda zitterte vor Vergnügen. Offenbar eine ganz abscheuliche Person; wahrscheinlich so eine alte, verknöcherte Jungfer " Tas Kind schüttelte sich. Kurz, ein weiblicher Menschenmörder! Aber Gott sei Dank, ich hab' eine Tochter, die mich retten kann. Die wird für mich bluten. Die wird svarcn Tag und Nacht, bis sie diese ganze furchtbare Schuld für mich tilgen und mich retten kann; denn sie hat mich lieb " 0 Gott, ja! das hat sie!" schrie Amanda auf; nun hielt sie sich doch nicht länger. Sie umklammerte ihn von hinten her, vor Entzücken, daß er so süß," so neckisch mit ihr gescherzt hatte. Ja. Vaterle, ja! Ich hab' Dich schauderhaft lieb!" Er wandte sich herum und zog sie auf feinen Schooh. Sie fest an sich drückend nichts auf der Welt that dem Kind so wohl küßte er sie mit Vaterwonne; denn ihm war. als sei sie nun wirklich sein. Durch Wanda sein, die sie ihm gegeben . . . Ich lieb' Dich auch," erwiderte er nach einer Weile; da Tu danach fragtest. Man liebt doch sein Glück, nicht wahr; und Tu bist mein Glück." Amanda mußte lachen; vor Ver wunderung und vor Lust. Ich Dein Gluck! Wie gut! Wie närrisch! Ja," sagte Werner, der nun ernsthaft ward; sogleich ward ue s auch. Wir haben uns gut zusammengefunden; meinst Tu nicht? Wir drei. Wir drei. Ja." Sie nickte. Sie hatte ihn verstanden. Ibre Augen gingen zu dem Bild über dem Tisch hinauf. Ja. Mutter Wanda. Die ist immer mit dabei." Er lüßte sie auf den ernsten Mund. Die ist gut gut, die Mutter Wanda," sagte das Kind, das einen möglichst starken Ausdruck suchte; darum ist sie immer mit dabei. Du bist aber auch sehr gut. Worüber lächelst Du, Vater?" Ter Vater lächelt, weil seine Tochter in den Tag hinein spricht. Kind, wer ist gut? Gut werden können wir nicht. Aber besser werden." Wenn wir besser werden, dann sind wir doch mehr als gut!" Werner sagte darauf nichts mehr. Er strich ihr stumm über das Haar, dann über die nicht mehr mageren Wangen. Sie rührte sich nicht, sie genoß es still. Uebrigens wußte die kleine Kluge schon, oder glaubte es, daß immer, wenn der Vater sie so gedankenroll streichelte, er an Mutter Wanda dachte. Ende. Zahlreiche Nachkommen schaft. Vor Kurzem starb in Schottland die verwittwete Herzogin von Abercorn im Alter von 97 Iahren. Sie hinterließ 162 lebende Abkömmlinge, in erster Linie fünf Söhne und fünf Töchter, unt erlebte noch die Geburt eines Ururenkels. D T ä t o w i r e n Der Pferde ist die neueste Modethorheit. die Anfang dieses Jahres in Paris aufgekommen ist. Hervorragende Mitglieder der vornehmsten Gesellschaft von Paris haben auf den Seiten der Pferde ihre Familienwappen anbringsn lassen.

per Erfinder dcs Monokcls.

tuthmahlicher Ursprung der in' ug ge klemmte Linse. Als Erfinder des Monokels gilt der Abenteurer und Sammler, Diplomat und Alterthumsforscher Baron Philipp v. Stosch. Ein Zeugniß darüber liefert der Gelehrte Joh. Gg. Keyßler, der 1730 Stosch in Rom besucht hat. wo dieser als englischer Agent lebte, um auf die Schritte des Prätendenten Jakob III. zu passen. In seinem 1740 erschienenen Reisewerk schildert eytzler die Häuslichkeit Stoschs, wo er sich mit der Prüfung von Kameen, Siegeln und Münzen beschäftigte, und sagt dann weiter: Wegen seiner blöden Augen bedient er sich eines Fernglases, so mit einem dünnen Kettchen am Rock befestigt ist. Die Haut um seine Augen ist also gewohnt, daß sie sich fest um dies Glas schließt, und er mcbt nöthig hat, solches mit den Händen zu halten." Tiee Mittheilung Kevßlers läßt erkennen, daß ihm der Gebrauch des in's Auge geklemmten Glases neu war; da er aber seit seiner Hallenser Studienzeit sich als Erzieher junger Adeliger in vornehmen Kreisen bewegte, zuerst als Hofmeister der Grafen v. Giech, dann der Grafen v. Bernstorff, mit denen er seit 1716 Europa bereiste, so kann weiter mit Bestimmtheit gefolgert werden, daß auch in der vornehmen Gesellschaft jener Zeit das Monokel noch nicht üblich war, sonst würde es dem Verfasser bei Stosch nicht dermaßen aufgefallen sein, daß er seinen Gebrauch ausdrücklich beschreibt, als handelte es sich etwa um ein Hausgeräth eines wilden Volksstammes. Tie letzten Buren. Vor Kurzem reiste von Ceylon mit Erlaubniß der englischen Regierung Robert Rogers, einer der wenigen Buren, die die Gefangenschaft dem Treueide vorgezogen hatten, der von ihnen verlangt wurde, nach Holland ab. Rogers war mit General Prinsloe gefangen worden und mit Kommandant Roux zusammen in Ceylon eingetroffen. Seine Gefangenschaft hat 4j Jahre gedauert. Auch jetzt noch bleibt ihm sein Vaterland verschlossen, denn er hat den Eid der Treue für König Edward immer noch nicht geschworen. Damit er nicht von Holland aus die Heimath erreicht, sind die Behörden in Südafrika von seiner Abreise nach Holland und über seine Person genau informirt worden. In Ceylon bleibt nun nur noch ein Bur als Gefangener zurück, der wahrscheinlich keine Zu fluchtsstätte finden kann und es doch nicht über sich gewinnt, dem Könige Edward Treue zu schwören. Der Mann heißt Engelbrecht und ist ein Freistaatler. Augenblicklich ist er auf der Insel Ceylon in Hambantota internirt. Als er vor Kurzem gefragt wurde, warum er nicht endlich den Treueid leiste, erwiderte er: Ich kenne mich und weiß, daß ich dem Könige niemals treu sein konnte. Wes halb sollte ich aus mir einen falschen Menschen machen?" Gegen den Alkoholmißbrauch. Die Frauenveremigung zur Bekämpfung des Alkoholmißbrauches hatte jüngst in Brüssel einen unerwarteten Erfolg. Sie kündigte nämlich an, daß in einem Theater eine Vor stellung auf Kosten der Vereinigung gegeben werde. Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch alle Vorone, und schon um ein Uhr Nachmittags bildete eine achtbare An zahl von Theaterfreunden vor den Tbüren Queue. Allmälig begann man sich anzubiedern, und da es noch ziem lich lange dauerte, bis das Theater geöffnet werden follte, so zog man einstweilen in die benachbarten Wirthschaften und traktirte sich tapfer gegenseitig mit Hasselt" (Schnaps)! Dennoch verfehlte die Vorstellung nicht, einen nachhaltigen Eindruck auszuüben, besonders als während der ersten Zwischenpause ein Frl. Parent in einer glänzenden Rede die Ziele der Vereinigung auseinandersetzte. Ein Klub kinderloser Vater. Vierzig bekannte Geschäfts leu :e in Chippewa Falls, Wis., haben einen eigenartigen Verein gebildet und wollen denselben über den ganzen Staat verbreiten. Die Konstitution enthält unter Anderem die folgenden Bestimmungen: Nur verheirathete Manner, die nicht Väter sind, können Mitglieder werden. Wird ein Mitglied Vater, wird es aus dem Verein ausgestoßen. Jedes Mitglied, das ausge stoßen wird, muß den verbleibenden Mitglieder ein Bankett geben. Das Kind eines ausgestoßenen Mitgliedes erhält von jedem verbleibenden M! gliede ein Geschenk von $1, und bk Summe wird für das Kind angelegt Die Organisation bezahlt die Beerdig gungskosten, wenn die Frau eines Mitgliedes stirbt. Wenn die Frau eines Mitgliedes die Stadt zeitweilig verläßt, soll es die Pflicht der übrigen Mitglieder sein, den Strohwittwer in ihrem Heim zu unterhalten, bis die Frau zurückkehrt. Die Seidencoconzuch ist in Serbien jetzt zu einem wichtigen Erwerbszweige breiter Volksschichten geworden. Vergangenes Jahr wur den im Königreiche 312,000 Pfund Seidencocons eingefammelt. Die Re gierung vertheilt zur Begünstigung dieses Erwcrbszweiges Seidenraupen eier kostenlos an Jedermann.

Erziehung des Kindes zur Kunst.

Sin wichtiges Mittel zur Vrgäujung der vyarartcrausdildung. Wenngleich bei der Erziehung des Kindes die Ausbildung des Charakters sowie die Ausgestaltung des Kindes zu einer sittlich-ernsten Persönlichkeit die erste und wesentlichste Aufgabe ist, so muß die Erziehung zur Kunst doch als eine keineswegs zu vernachlässigende Ergänzung angesehen werden. Nicht darum kann es sich hierbei handeln, einen ausübenden Künstler oder einen Kunstgelehrten aus dem Kinde zu machen, sondern lediglich darum, seine Empfänglichkeit für künstlerische Eindrücke und seine persönliche Ausdrucksähigkeit zu entwickeln. Der Ort. an dem das Kind die ersten und nachhaltigsten Eindrücke empfängt. ist die Kinderstube, dort hat deshalb auch die erste Einwirkung in ünstlerischem Sinne einzusetzen. Der Auswahl des Spielzeugs und der Bilberbücher soll die bewußte Absicht zu runde gelegt werden, des Kindes Knmer reger Einbildungskraft Beschäftigung zu geben, das Kind zum Beobachten anzuleiten. Die leichteste Handhabe zur Einwirkung auf das Kind bietet seine unbefangene Freude an dem, was es um sich sieht, innerhalb wie außerhalb der Kinderstube. Kunstsinn ist nicht denkbar ohne Natursinn, und diesen zu Pflegen, sollte man sich besonders angelegen sein lassen. Man rege das Kind dazu an. Däuser, Menschen und Thiere nachzuzeichnen, hake aber dabei im Auge, daß es nur selbst Beobachtetes oder Ausgedachtes auf dem Papiere wiedergebe. Dasselbe gilt für seine Versuche plaftischer Nachbildung in Wachs oder Thon. Das Streben soll dahin gehen. anstatt des üblichen Zeichnens nach Vorlagen, das Zeichnen nach der Natur treten zu lassen, damit das Kind statt gedankenlosen Nachzeichnens lerne, die ihm vorgelegten Dinge selbst zu beobachten und darzustellen. Dies gilt sowohl von der Kinderstube, als auch von der darauffolgenden Schule, in welch letzterer das Zeichnen und Modelliren nach Vorbildern gleichfalls erst nach dem Nachbilden der Natur folgen sollte. Korsolose (Yroftitadt. In Berlin ist der Plan, aus der Sieges-Allee im Thiergarten einen vornehmen Korso zu machen, aufgegeben worden. Der Plan war im Schooß des deutschen Sportvereins, eines aristokratischen Sportklubs, entsta -. den, und das Fallenlassen des Projekts ist darauf zurückzuführen, daß die Gerichte die Polizeiverordnung, betrefsend Fernhaltung von Metzgerwagen und Geschäftsfuhrwerken aller Art, deren Kutscher in den Nachmittagstunden durch den Thiergarten fuhren, um die Equipagen der vornehmen Welt anzustaunen, nicht als zu Recht bestehend erklärten. Vor zwei Jahren fanden dort während mehrerer Wochen brillante Korsofahrten statt, aber schließlich wurden Fahrten durch die Sieges-Allee derartig bespöttelt, daß Equipagen der vornehmen Welt sich dort nicht mehr blicken ließen. In 57 Schadenersatzprozessen, welche Leute, die aus der Sieges-Allee fortgewiesen waren, gegen die Polizei angestrengt hatten, erfolgten Entscheidungen gegen die letztere, und demzufolge hörten die Verhaftungen auf. Mit seinem Beschluß, seinen oben erwähnten Pk.n in formeller Weise aufzugeben, erklärte der deutsche Sportverein zugleich die Absicht, einen Versuch machen zu wollen, wenn möglich eine andere Allee im Thiergarten auf gesetzlichem Wege für einen Korso zu reserviren. Unaufgeklärter Tchlaf. Vor Kurzem traf in Budapest, au Amerika kommend, der reiche Becsker:.ker Privatier Emanuel Kraus in Begleitung feiner zwei Töchter ein. Die jungen Mädchen hatten in Amerika stets gekränkelt und deshalb auch die Rückreise nach Europa angetreten. Kraus nahm in einem Hotel Absteigquartier, mit der Absicht, am nächsten Tage die Reise fortzusetzen. Am folgenden Tage war jedoch eines der beiden Mädchen nicht aus dem Schlafe zu wecken. Es war in eine Art von somnambulistischen Zustand gerathen, der acht age andauerte. Das Mädchen wurde künstlich ernährt. Am achten Tage wachie es endlich auf und war in der Lage, frifch und munter die Heimreise nach Becskerek, Ungarn, anzutreten. In Amerika war die aibt-t der beiden Schwestern kurz vor der Abreise in einen ähnlichen Schlaf verfallen, der drei Wochen andauerte. Eigenthümlicher Fun . Beim Abtragen der Ziegelmauern der alten County-Jail in Ebaska, Minn.. fanden Arbeiter sechs Diamantringe, eine goldene Uhr und ein Perlenhalsband, die in einem Loch in der Mauer lagen. Wie die Juwelen dahin kamen ist ein Gebeimniß. Im Jahre 1878 saß em notorischer Einbrecher Namens James Pulasky in der Jail. welcher in demselben Jahre aus dem Gefängniß entsprang und seitdem verschollen blieb. Man glaubt, daß dieser die geraubten Juwelen dort versteckte. Ein Juwelier schätzte den Werth der Pretiosen auf $1160. Französische Unternehmer planen die Verbindung der Eisenbahnnetze Rußlands und Amerikas Ntittelst einer Eisenbahn und eine Tunnelö unter der Beringstraße.