Indiana Tribüne, Volume 28, Number 216, Indianapolis, Marion County, 4 May 1905 — Page 7
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Jndiana Tribüne, Mai 1905
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so cuerblumen i lon!an von Adolf Wilbrandt oc o - o . ao O ;0$Q$0 - Q (Fortsetzung.) fett bodre das Köpfchen in ihn hinein, chne in Worten zu sprechen. Ich sen aber nur, was ich denke. Kind.- wissen thu' ich nichts. Wie es k.alt der Onkel will! Nur nicht zittern; es wird wohl gut. Wir gehen jetzt nach Grebbin. Nimm Deinen Hin und komm mit. Und unterwegs, mein gutes Kind, wollen wir nicht viel sprevi; ich mag noch nicht. Wir wollen an ilvükx Santa denken. Kannst ja auch gut schweigen, Tu." Amanda nickte, sehr ernsthaft. Sie machten sich auf den Weg. 30. Kapitel. esrg Keßler saß in seinem Zimwer am Schrcibti?ch. einen angefangenen Brief vor sich, an der eber kauend. Er erstaunte sehr, als 'r in der schn?arzgekleideten Gestalt, die auf sein Herein in die Thür trat, seinen früheren Gast Werner Ringhof erlannte. Er dachte ihn fchon abgereist. Ta er ihn jetzt mit unbedecktem Kopf sah auf dem Fried Hof hatte er ihn gestern nur im Hut gesehen bemerkte er die grauen Streifen, die sich in Werner braunes Haar Qtltr hatten; in der verwanderten Sterbenacht waren sie gekommen. Zu ihnen stimmte die Blässe, die auf den etwas abgemagerten Wanzen und der schönen Stirn lag. und der ur.u schleierte Blick. Ich wl llte die Gegend nicht derlassen." begann Werner nach der Begrüßung, ohn? für alles Gute zu dantat, das mir in Ihrem Haus zu Theil geworden; und ohne auch eine geschänliche Frage an Sie zu richten die Ihnen wahrscheinlich unerwartet ist Ihr Schwager, Herr Ebert, hat mir gesagt, daß Ihnen vor einem halben Jahr ein kauflustiger .Liebhaber' ein bedeutendes Angebot auf Grebbin gemacht hat. Ihre Forderung war dann aber noch höher, und war ihm zu hock." Allerdings, so ist es." erwiderte Keßler, mit einer unbewußten Bewegung des ackenv. als säße dort sein Eigensinn. Von dem, was ich einmal verlangt hab', geh' ich nicht ab." Sehr wohl. Ich verstehe. Herr Ebert hat mir auch Ihren Preis genannt. Bei dem bleiben Sie?" Wie ich eben sagte." Mit andern Worten, dafür geben Sie's auch heute her?" Das das thu' ich, allerdings" Werner lächelte: Das können S'e auch thun, Herr Keßler; denn es ist vn wie soll ich sagen ein ganz tadelloser Liebhaberpreis. Sie würden ihn auch wohl sonst nicht kriegen; da hc.t sich aber ein Mann gefunden, der sich in Grebbin verbissen hat. der es selbst um diesen Preis haben möchte. Und der Mann bin ich." Keßlers scharfe Jägeraugen glotzten Werner in unverhohlener Verblüfftheit an. Sie? Sie kaufen Güter?" Wenigstens das eine möcht' ich." Um hier im Sommer I Um hier Sommer und Winter zu leben. Um Grebbin zu bewirthschaften. Eben'd wie Sie." Nein! Ein Spaß!" Lieber Herr Keßler, in so einem Haus spaßt man doch wohl nicht. Ich will Lndmann werden. Ich hab' hier Freude daran gewonnen mehr, als ich geahnt hab'. Mit einunddreißia Jakren kann man ja noch so ziemlich alles werden. Herr Ebert ist bereit, mir freundschaftlich beizustehen. Kurz es ist nun so." Es kann ja auch so sein." entgegnete Keßler böflich; was er sonst noch dachte, brauchte er ja nicht zu sagen. Ueberfordern werd' ich Sie weiter nicht; das ist gegen mein Point d'honneur. Sobald Sie wollen, ist's abgemacht." Nur noch eine Bedingung hätt' ich das heißt, einen Wunsch," derbesserte Werner sich. Sie sagten einmal im Scherz, bei Tisch, ich sei ein Gemüthswensch; vielleicht bin ich's ganz im Ernst. Es sind mir bei meinem Aufenthalt hier einige Ihrer Zimwer so an's Herz gewachsen, daß ich sie grade so bewohnen möchte, wie sie heute sind. Mit allen Möbeln, verstehn Sie. und mit allen Bildern; mit jedem Nagel an der Wand. Ter Salon, das Speisezimmer und das Boudoir Ihrer Frou; mit dem Harmonium. Tie drei Zimmer hängen zusammen; wenn ich da später auf und ab gehe, so kann ich denken, es wären noch die allen Zeiten. Würden Sie mir diese Einrichtungen noch besonders verkaufen? für einen guten Preis?" Keßler, dessen glatte Züge bisher so ruhig wie gewöhnlich gewesen waren nur ernst, dieser Zeit gemäß zeigte nun doch ein betroffenes, bedenkliches Gesicht. Entschuldigen Sie." sagte er. Tas ist ei.: merkwürdiger auffallender Wunsch. Tie Zimmer meiner Frau!" Werner erröthete rasch; ebenso rasch verschwand es wieder. Ja. Herr Keßler. Ihrer Frau. Einer der besten und reinsten Frauen, nach meiner Meinung, die bis jetzt gelebt haben." Sie müssen aber doch entschuldigen " Bitte, lassen Sie mich noch drei Worte faaen! Ihnen wird nickt diel
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liegen an diesen Bildern und diesen Möbeln; mir aber lie.t daran. Selbstverständlich kann es sich hier nur um Pietät und Verehrung handeln . . . Ich weiß kaum recht, was ich sagen soll. Wollt' ich Ihnen feierliche Betheuerunaen machen, so wär' daö schon eine Bcleidigung gegen die edle Todte. Ich ha'ö' sie nur ein paar Wochen aekannt " Das weiß ich " Mi? deucht, das genügt! Ich hab' aber i're griHranigfeii, ihre Menschenliebe. II ihre großen Eigenschaften fo hoch verehren gelernt, daß ich ihr Andenken gerne pflegen möchte. Es ist ein gewisses religiöses Gefühl, trenn Sie wollen. Ich denk' mir, es wird auch der Verklärten eine Freude sein, wenn ihre Wohnräume ganz so bleiben, wie sie sind." Keßler zuckte die Achseln. Es gibt ja allerhand Liebhabereien, das weiß ich. Meine wär' es nicht." Nennen Sie's, wie Sie wollen. Herr Keßler: eine Liebhaberei, eine Laune, eine Phantasie, und halten Sie sie einem Gemüthsmenfchen zu gut!" Keßler läck'elte ein wenig, beruhigt, auch geschmeichelt. Sie geben nun also zu, ich hab' Sie damals richtig taxirt! Ich will Ihnen was sagen, Herr Nina Hof. Ta Sie darin allerdings rechl haben: ich leg' auf diese Sachen nicht viel Werth und da Sie mir ein lieber, geschätzter Gast gewesen sind in:. Grebbin so ohne alles Hände' . Laufen so möcht' ich Ihnen gern den Gefallen thun. Also abgemacht, in Gottes Namen! Bei mir heißt's: gleich oder nie! Ich laß mir aber nur zahlen, was die Sachen werth sind; und das ist nicht viel." Werner verneigte sich. Wie Sie wollen, Herr Keßler. Ich dank' Ihnen für Ihre freundliche Bereitwilligleit von ganzem Herzen." Er hörte ein leises Geräusch an der Thür zum Salon, durch die er gekommen war; der Drücker bewegte sich. Was ist das? dachte er. Amanda? Ist das Kind so neugierig? Oder will sie mir ein Zeichen geben, daß ich sie nicht vergessen soll? Äch du armes Gcschöps ta, ich vergess' dich nicht! Er war aufgestanden, blieb aber Men. Halt' ich Sie auf, Herr cti gler? Ode'- haben Sie noch für eine Fraae Zeit?" Bitte!" Ich bin einsam. Bis jetzt war ich mit ter Schwester zusammen; sie geht nun aber zu den beiden Tanten am Rhein zurück. Ich hätt' gern einen Menschen, eine Aufgabe! Ta ist nun diese Amanda Löffler. Ihre Nichte; aber ich darf ja wohl offen sagen: Sie haben sie nicht gern im Haus. Sie ist Ihnen eine Last. Vollends seit Ihre Frau JeZt graut Ihnen wohl vor dieser Last." Ich müßt' sie wohl in 'ne Anstalt geben," murmelte Keßler. Tann geben Sie sie lieber mir! Ta wundern Sie sich wieder über mich; heut schon zum drittenmal. Ich hab' die Kleine liebgewonnen! Ich hab' allerlei Gutes und Schönes in ihr entdeckt; Gefährliches auch; gewiß. Das ist mir aber gerade recht. Ich will 'ne Aufgabe, wie ich Ihnen sagte! Für das Kind wär' es insofern gut: sie hat sich hier schon eingelebt. Denn sie blieb' ja bei mir, im Haus. Für gute weibliche Pflege und Aufsicht würd' ich sorgen; aber das trauen Sie mir wohl ohne weiteres zu." Das trau' ich Ihnen natürlich zu," erwiderte Keßler höflich. Es ward ihm schwer, seine Freude zu verbergen: zwei solche Glücksfälle an einem Tag; Grebbin pi einem Riesenpreis verkauft und der Schandfleck" mit guter Art aus dem Haus! Es' ist allerdings 'ne wunderliche Geschichte," bemerkte er aber doch, um nichts zu versäumen. Tie Welt könnte Glossen machen, wissen Sie, daß der Onkel das Kind hergibt und einFremder nimmt's an." Ja. einige Tummköpfe mögen's thun. Aber das macht ja doch Ihnen nichts. So sind Sie ja nicht. Wenn Sie etwas für gut befunden haben und es Ihnen recht ist, so fragen Sie doch nickt: was sagen all die andern dazu?" Das ist richtig! Tas ist richtig!" Keßler nickte lebhaft. Ich geh' meinen Weg! Nun entschuldigen Sie aber noch eine Gegenfrage. Tas Kind! Tas wird mir doch keinen Krakeel machen? Das wird doch gerne zu Ihnen gehn?" Dieses tolle Mädel! dachte Werner eben, halb unruhig, halb gerührt. Er bemerkte, daß sie die Thür leise geöffnet hatte; er sah ihr Näschen und eine Fußspitze. Ohne eine Miene zu verändern, wandte er sich wieder ganz zu Keßler: Das können wir ja leicht von ihr selbst erfahren. Lassen Sie sie rufen." Keßler nickte. Er wollte klingeln. Es war aber schon zu spät. Amanda stürmte herein, und wie ein rechtes Kind, undiplomatisch, warf sie sich an Werner hin. Es war wieder etwas von dem jungen Panther, aber ein inneres Schluchzen dabei, ein tieferes Gefühl. O ich will ja zum Onkel Werner!" rief sie, ,.O ich will ja so gern! O laß mich nur zu ihm gehen'" Hast Tu gehorcht?" sagte Werner. Horchen thut man nicht." Keßler stand verblüfft da; er sprach eine Weile nichts. Bald sah er die Kleine, bald den Großen an. Er 3 chelte gewngen. Na, dann sind wir ja einig!" sagte er endlich, indem er an ein Fenster trat. Werner hob aber das Geschöpfchen empor und umschlana es fest. (HJrtU
es auf den Nund, der sich sehnsüchtig entgegendrückte. Ihr Vermächtniß! dachte er. Und: ich hab' ein Kind! 3L Kapitel. Ojf Bi Flühlina, heiraihete Christin ihre:, schwarzen Doltor; in. Rheinland, bei den Tanten, mit denen sie den Winter verlebt hatte: Teschcnberg wäre ihr zu nahe bei Grebbin gewesen. Werner, der neue Herr von Grebbin, kam zur Hochzeit qereist; er nahm an allem theil, um das junge Glück nicht zu stören, hielt sich aber still. Als die beiden nach Süden, in die Alpen fuhren, :eyrte er r.aG: Pommern zurück. Füc Christine und ihr Alpenherz begannen nun schönste Flittcrwochen, Frühling und Sommer hindurch; um sie her, im Möllthal und in die Berge hinauf, war die wilde Herrlichkeit, und in ihrem eigenen Haus war Thätigkeit und Liebe. Jeden Morgen beschloß sie von Neuem, Wolfangs allerbester Kamerad zu sein . . . Eö wurmte sie in ihrem Glück nur eins: daß alle ihre Einladungen und wünsche nicht vermochten, Werner im &emmtl nach Süden zu ziehen. Er kam nicht über die Alpen zu ihnen, er blieb in Grebbin. Grebbin ist für jetzt meine Sommerfrische," war im:::cr sein letztes Wort. Sie begriff es nichi. Hielt ihn denn wirklich die Arl'eit so fest? Das hatte ste noch nie gethan. Hielten ihn die Erinnerungen? eine todte Frau? Tas begriff sie vollends nicht. Und mochte ihm Wanda noch so sehr zu Herzen gegangen sein mehr, als Christine denken konnte ste war nun doch todt. Einen Lebendigen wahnsinnig lieben o! daö verstand Christine; das konnte sie selbst. Aber einen Schatten . . . Einen Gedanken . . . Sie schüttelte immer wieder den Kopf, sie begriff es nicht. Endlich hielt ihr Schwesterherz es so nicht mehr aus; da für Wolfgang die Zeit gekommen war. auf einige Wochen nach Wien zu gehen, nahm sie von ihm Urlaub, so hart weh es that, und fuhr nach Grebbin. Vor dreizehn Monaten war sie von dort weggefahren; es war jetzt der letzte August, der Frühherbst begann. Was im Stillen ihre Unrube war. war auch ihre Lust: sie reiste als Ueberraschung.ganz unangemeldet, wie ein Gewitter reist. Schrieb sie vorher, so konnte er antworten, wohl gar durch den Telegraphen: bitte, später, jetzt nicht! Sobald es hier paßt, lade ich dich ein! Denn seit ste ihn nicht mehr verstand, den unheimlichen Bruder, traute sie ihm alles Märchenhafte, auch diese Abwehrung zu. Er hatte aber geschrieben, zu Haus bleibe er gewiß. So rollte sie denn weiter, so geschwind sie konnte, und genau in der Stunde, die sie mit ihrem Wolfgang ausgerechnet hatte, fuhr sie durch das Grebbiner Torf und vom Kirchenberg zu dem weißen Haus hinab. Eine Tame in mittleren Jahren erschien auf der Terrasse, als Christine ausstieg; eine verblühte Häßlichkeit, aber ein gutes Gesicht, ein Charakterköpf. Sie grüßte sehr verbindlich, erfreut. Ich bin Herrn Ringhofs Schwester." sagte Christine; die Dame fiel ihr aber sogleich in's Wort. Ich kenne Sie ja von den Photographien. gnädige Frau, in den Albums. Erlauben Sie: Sophie Stark. Tie Hausdame. Schwester der Josephine Stark, von der Sie vielleicht aehört haben . . ." Ehristine nickte. Und von Ihnen hat mir mein Bruder qeschricben. Ich überrasche ihn. Woist er jetzt?" Alle auf dem See! Er und seine Gäste." Ich möcht' einige Tage bleiben, wenn mein Herr Bruder mich nicht hinauswirft. Ist ein Zimmer srei?" Aber sie sind oben ja alle frei," entgegnete das Fräulein. Hausgäste haben wir nicht! Nur das eine Zimmer, in dem Herr Ringhof zuerst als Gast gewohnt hat. das hat er als eine Art Atelicr oder Kunstmuseum für sich eingerichtet; er liebt so sehr die Aussicht, sagt er. Ta malt er auch zuweilen " Tas lassen Sie mich nur gleich sehen!" fiel ihr Christine in's Wort. Ihr kamen die Erinnerungen: wie sie ferner in diesem Zimmer besucht, ihm einmal Abends ihre Schwärmerei für Wanda vorc'epredigt hatte ihre noch unreifen Mädchengefühle; jetzt war sie eine junge Frau, aufgeklärt und abgeklärt. Ja, da war er vom ersten Tag an so gecn. Bitte, gehen wir hinauf!" Sie gingen oben über den langen Gang, mit den Zimmern links und rechts, und traten in diese Stube ein. Ter schön umwaldete Zipfel des Sees, mit der herrlichen Weide auf der Wiese, leuchtete Christine durch die Fenster an. Draußen war das alte Bild; sonst hätte sie daö Zimmer nicht wieder erkannt. Es war ganz mit Kunst gefüllt: Bilder. Büsten. Photographien. Staffeleien, schöne alte Geräthe. orientalische Teppiche; alles in Werners Geschmack malerisch aufgestellt. An einem Haufen von Pastellstiften sah sie. daß er diese Liebhaberei noch nicht aufgeaeben hatte. Damit malt er noch?" fragte sie. Zuweilen." antwortete das Fräulein. Doch noch mein alter Werner! dachte Christine. Als sie aber an's Fenster trat, ward ihr anders zu Muth. Auf dem See erschien jetzt von rechts ein Boot, in dem Werner sah; er hatte die Ruder in den Händen, bewegte sie auch noch einige Mal; dann ließ er sie sinken und träumte offenbar vor sich hin. Es war sein Gesicht, sie hatte es auf den ersten Blick erkannt: aber im Ausdruck.
in der Haltung von Kopf und Schultern und worin noch sonst? war selbst auf diese Entfernung etwas Fremdes, das ibr junges Herz beklemmte. Er war ohne Hut. Sein Haar war nicht grauer geworden, eber wieder brauner, schien ihr. Aber sein Blick ging so weit hinaus ... In dem weichen Al endlicht saß er so vergeistigt da; veredelt, verschönert sogar, wie es sie bedünkte: doch als wär' er nickn mehr so recht von dieser Welt. 2':c wußte sich nicht zu sagen, warum sie das dachte; es legte sich aber etwaZ Kaltes, Herbstfrostiges auf ihre frohliche Seele. Tabei war es ihr so märchenhaft: Wccner auf dem einsamen See, als Herr von Grebbin! c?ie standen eine Weile am Fenster. Fräulein Stark neben ihr; das Fraulein blieb ftmnm. Es schien, daß sie daran gewöhnt war, in diesem Hause taktvoll zu jchweigen. Werner ruderte langsam an's Ufer, landete an einem kleinen Steg, jenseits der Weide, stieg aus und ging dem Hause zu. Ach, ich möcht' ihn hier erwarten!" sagte Christin?, der nun doch das Schwesterherz zu hüpfen anfing. Wollen Sie's ihm sagen? Daß ich da bin. und wo?" Tas Fräulein nickte und ging. Bald wa:en Werners schallende Schrilte aus dem Gang zu hören. Er riß die Thür auf; ..Cbriste!'" rief er. Was machst Du für Sacken? Fällst mir mit der Thür in'S Haus? Fährst in einem Hotelwagen vor, statt in meinem Fnhrwcr!? Na. schließlich ist alles eins. Sei willkommen, Frau Doktorin!" Er nahm ste in seine Arme: es war die alte Zärtlichkeit. Sie betrachteten einander dann von oben bis unten, tob :s in einem solchen Fall wohl natürlich ist. Der Bruder sah ihr nun wieder jünger, frischer, blühender aus; wie wenn er zwei Gesichter hätte, eins für die Einsamkeit und eins für die Welt. Er war auf's sauberste gekleidet wie immer, aber nicht mit so merkbarer, fast gesuchter Eleganz; die schönen Rinae trug er nicht mehr. Ich will Dir erklären, Werner." fing sie mit etwas verlegenem Lächeln an. warum ich Dich überrascht hab'" Ist nicht nöthig, nicht nöthig" unterbrach er sie. Das ist alles so unbedeutend . . . Du bist da; die Ha ptsache. Siehst ja prächtig aus, Christel. Das bekannteFrisch-Frei-Fröhliche hat noch zugenommen. Junge Frau sein bekommt Dir gut!" 0 ja," sagte sie lächelnd, mit unzerdrücktem Stolz. Bis jetzt ricsi.i gut!" Er schlägt Dich doch nicht?" Nein, noch nicht. Bis jetzt benutzt er seine Hände noch, mich darauf zu trafen." Dnn .guter Bub'?" Ach ja. Er klettert wie die Gemse und liebt wie 'ne Turteltaube." Na, das ist ja einstweilen ge-
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Und Du, Bruder?" fragte Christel mit einem aewissen Entschluß. Wie lebst Tu? Wie geht's Dir?" Zunächst wie Figura zeigt," antwortete er heiter, an sich hinunterdcutend. ..Gut gebräunt, wie? Und in Saft und Kraft! Heut ist hier etwas Gesellschaft, Kind; geschient sonst nicht oft. Eberts mit den beiden Kleinen; Hugo Hoffmann Dein Hugo mit seiner jungen Frau, der Betty. Sie waren schon zu Tisch da: in einer balrcn Stunde wollen sie fort: dann sind wir allein. Für anderthalb Stunden hatten sie mir jetzt Urlaub gegeben: denn gar zu lane halt' ich das Gewussel nicht aus. Ich trieb in meinem Kahn wie der Fischer bei der Lorelei; den anderen hatt' ich mein neue, großes Motorboot gegeben, zu einer Rundfahrt über den See. Amanda macht die Honneurs, zu ihrer Wonne: der kleine Adolf kommandir:. Das Schiff muß hinfahren, wol.in er will; nur das Stranden hab' ich ihm verboten." Ihr baltet gute Nachbarschaft, Ihr drei Gutsbesitzer" O ja. Kann nicht bester sein!" Und wie lebst u sonst, Bruder?" Er küßte sie, dann warf er sich in einen alten, schöngeschnitzten Stuhl: Ja, wie meinst Du denn? Wie ein Ackersmann. Mit der Ernte bin ich nun durch, mit Hilfe meines Wirthschafterö; ein ganz überraschend gutes Jahr, wie ich Dir schon schrieb. Bin nun um so mehr, als gottergebener Philosoph, auf schlechtere gefaßt! Otto Ebert hat mir herrlich geholfen. Ohne ihn wär's ja ein Wahnsinn gewesen, daß ich gleich mit den beiden Beinen in'S Wasser ging; aber mit ihm war's möglich. Versuchen Sie's! sagte er mir selbst; und der Mann hat recht behalten weil er balt immer zur Hand war mit Rath und That. Ich hab' ihm im Stillen oft abgebeten: zuerst war er mir nüchtern vorgekommen, gar zu klar und einfach; aber ein Prachtgermane! ein " Sich abwendend sehte er mit weniger Stimme hinzu: Wandas echter Brur!" Christine war eine Weile still. Aber hier im Saus, Werner V (Schluß folgt) Anerkennung. O b e r st (während einer Opernaufführung, zum Direktor): Klappt großartig die ganze Sache ... wie Gewehrgriffe!" I
Schwierige
Denke Dir, Vetter Edgar, Dein Kamerad Schmettwitz hat mir gestern ewige Treue geschworen." Na, wenn er sie Dir nur halb fo lang hält, kannst Du zufrieden sein'."
Ter kleine Modelöwe. Hauptmanncsöhnchen (das einen neuen Paletot von militärischem Schnitt bekommen): Den Paletot zieh' ich nicht an, der hat ja keine Rücenfalte!" Widerlegt. Richter (zum Kläger, der von einem Maurer am Bau eine Ohrfeige erhielt): Um welche Zeit war denn das. als Sie von dem Angeklagten die Ohrfeige erhielten?! Kläger: Na. es wird so zehn Minuten nach sechs Uhr Abends gewesen sein! Angeklagter (Maurer): Ich. zehn Minuten nach sechs Uhr am Bau?... Seh'n Sie, Herr Richter, wie er lügt?! Tie Gattin des Politikers. Frau eines Reichtagsmitgliedes: Sehen Sie, liebe Freundin, meine Nechnungcn der Schneiderin und Putzmacherin lege ich immer meinem Manne vor, wenn im Reichstage das Militärbudget debattirt wird; da ist er an so große Summen gewöhnt, daß er nie murrt! S e k t v r o tz. Herr (im Laden): Wunsche Sektgläser." Verkäufer: Es kann doch etwas Besseres sein, mein Herr?" Herr: Nein ist nur sür'n täglichen Gebrauch!" Ein schneidiges Compliment. Na, aber, gnadiges Fräulein, wem wollen Sie denn eigentlich wohl begegnen, um Glück zu haben, wenn Sie selbst auf die Jagd geben?" Berechtigter Zweifel. Länger lasse ich mich nun nicht mehr hinhalten: entweder Sie bezahlen mich jetzt, oder ich gehe aufs Gericht." Ja. glauben Sie denn, daß man Sie dort bezahlt?" Spöttisch. Gast (der ein zersprungenes Wein6 las bekommen): Herr Wirth, mein veinglaS ist nicht wasserdicht.
Berechnung.
Be u n oe r u n g. Fünfzehntausend Mark! Ae' stattliche Mitgift, Herr Kupferstein aber Ihre Tochter Rebekka is mer doch eppes zu wenig schön!" Gut so sag' ich: zwanzigtausend!" Gott über de Welt! Zwanzigtausend! Nu' is se schon viel, viel schöner . . . aber so ganz schön is se doch noch nicht!" Wie haißt? So sag' ich denn für's allerletzte: fünfundzwanzigtausend!" Freier (entzück:): Fünfundzwanzigtausend! Gott. Herr Kupfersteinleben, was sein Se for ä' Vcrschönerungskünstler!" Zustimmung. G a st: Da schwimmt ja ein goldblondes Haar in der Suppe." Oberkellner: Nicht wahr, bei uns ist alles hochmodern?" Der Vielbeschäftig te. Herr (zu einem Buchhalter): Also vierzig Jahre stnd Sie schon bei Meier u. Co.? Das muß eine recht schöne Stelle sein! Buchhalter : Ach. hören Sie mir doch auf,. . . jeden Tag könnte man vor Gift und Galle sterben,. . man hat nur keine Zeit dazu. Der Berlobungsort. ( Tttti iföB J$ Du hast dich auf der Reise verlobt das ist ja überraschend, wo war denn das?" Ich weiß wirklich nicht, wie der Tunnel heißt!" Beim Rechtsanwalt. Fräulein: Ich bin mit einem Herrn verlobt, doch er weigert stch jetzt, mich zu heirathen. Wozu rathen Sie mir? Rechtsanwalt: Ist der Mann reich? Fräulein: Nein, er hat kein Vermögen. Rechtsanwalt: Nun, dann schreiben Sie ihm einen recht höflichen Dankbrief! Pantoffelheld. Habe ich die Ehre, den Herrn des Hauses zu sprechen?" Nee. bedauere, meine Frau ist nicht zu Hausse!" Angenehme Beschäftigung. Meine Frau befindet sich einer Erbschaft halber in Frankfurt!" DaS erzählten Sie mir ja schon yo? drei Wochen erbt die denn noch im-mer?"
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