Indiana Tribüne, Volume 28, Number 215, Indianapolis, Marion County, 3 May 1905 — Page 7
Jndiana Tribüne, . Mai 1903
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Ü Cir . Acuerblumen Koman von Adolf Wilbrandt SO ?.s.O0O?O?C (Fortsetzung.) Sie dürfen nicht mehr sprechen," kam ibm wie ein Seufzer über die Lippen. Acf), was liegt daran. Was ich sagen will, das sag' ich noch. So lang', wie ich kann." Und wenn Sie sterben," brach es nun aus tfrn hervor, wer hat S'e dann getödtet? Ter elendeste Sünder, ich. Ja, a! Der Gram um meine Schuld. Ich bin dann Ihr Mörder." O Gott, nein, nein, nein!" sagte sie rasch. Wie können Sie das denken. Mit diesem Glauben, großer Gott, dürfen .e nicht fortgehn. Sie waren das letzte Glück meines Lebens " Und dann Ihre größte Kränkung! Das verwind' ich nicht. Taö übe.wind' ich nicht. Das jagt mich in den Tod!" Wanda hob einen ihrer Zeigefinger. Kommen ?ie doch wieder mit Ihrem Tod? Und Sie sagten neulich so stolz: ,Tie Heiden sind ihnen selbst ein Gesetz!' Sie müssen es überwinden. Muß ich's denn nicht auch? Hab' ich Sie nicht herrufen lassen und was hatten Sie mir angethan? Nein, wir wollen jetzt nur noch von Ihrem Leben sprechen. Sie sollen mir sagen, eh' Sie gehn nicht wahr, es ist eine letzte Bitte, die erfüllt man doch " Verlangen Sie, was Sie wollen! Alles! Alles!" Sie sollen mir nur sagen, wie Sie nun leben wollen. Das wühl' ich noch gern, ey' ich Es ist offenbar Stolz dabei. Sie sagen, Sie verdankten mir ein neues Leben. Was für ein Leben wird das nun sein? Könnt' ich das noch wissen" Ich schwöre Ihnen." unterbrach er jie, seine schmerzenvollen Augen ganz m die ihren versenkend, daß ich Ihnen keine Schande machen werde. Was ich auch thue, immer werd' ich denken: wär' es Frau Wanda recht? Sie werden mit mir leben, weil Sie in mir leben. Und mein Dasein wird nicht tbatenlos. wird nicht unnütz sein; d.is gelob' ich Ihnen!" Wanda nickte ihm langsam zu. Eine wunderbare Veränderung ging allmälig über ihre Züge: eine so süße Freude verbreitete sich, ein solches Strahlen des Glücks, daß sie wie zu ihrer alten Erscheinung verklärt wuroe; es blieb nichts Fremdes mehr in dem verjüngten Gesicht. Ach, so ist's gut," sagte sie dann, und wiederholte es: Ach. so i'Ys gut. Ach ich danke Ihnen. Das wird ein bimmlischer Trost sein für die letzte Stunde! Aber da ich von dieser Stunde spreche: gehn Sie nun fort von hier, von Grebbin. wenn wir uns getrennt haben; sehn Sie nicht zu, wenn ich sterbe; thun Sie mir die Liebe. Sterben ist nicht schön. Da liegt der Leib so erbärmlich da. hat kaum mehr eine Seele, quält sich noch und röchelt. Ich möcht' Ihnen gern unverleidet bleiben; so, wie ich Ihnen in diesen Wochen lieb war. Ja, so eitel bin ich. Sie haben mich wohl viel edler gedacht?" Werner lagte nichts. Er war unbewußt neben ihr auf die Kniee gesunken, hatte seine Stirn auf ihre Bettkante gedrückt. Ihm war. als sähe er sie im letzten Kampf vergehn. und wie Todesschweiß trat's ihm selber auf die Stirn. In einem Mitleid voll Liebe blickte sie auf ihn hin; endlich legte sie ihm die rechte Hand auf das seidige braune Haar. Werner!" sagte sie so leise, daß er's gar nicht hörte. Werner!" wiederholte sie dann ein wenig lauter. Nun hob er den Kopf und starrte sie an, als hätte er falsch gehört. Ja." sagte sie mit einem Lächeln, das er noch nie an ihr gesehen hatte: es war kindlich, mädchenhaft: ich will Sie einmal Werner nennen. Ich will Ihnen danken, daß Sie mir so gut sind, und daß ich in Ihnen fortleben soll; und ich will Ihnen zeigen, daß ich Ihnen ganz verziehen habe. Lieber, guter Werner!" Sie zog mit den schwachen Händen seinen Kopf heran; richtete sich ein wenig auf, und küßte ihn auf die Stirn. Wanda!" sagte er vor Ueberraschung; ein grenzenloses Erstaunen überrieselte ihn. E;. durchfloß ihn dann eine nie erlebte Empfindung; eine so sonnige, selige, daß alle Küsse, die er je genommen und empfangen, ihm leblos, seelenlos wurden gegen dies Geföhl. Wanda!" seufzte er vor Wunder und Glück. Doch es sollte ihm noch etwas Unerwartetes geschehen. Ihre Lippen zögerten eine Weile, dann suchten sie die seinen und drückten sie weich in einem Abschiedskuß. Für die Ewigkeit!" flüsterte sie. während ihr Mund noch über seinem schwebte. Die Hänoe ließen seinen Kopf dann los, sanken auf's Bett; sie sah ihm noch wieder Aug' in Auge. Gehn Sie nun. Geh nun. Du warst doch mtx.x Glück . . . Aber die Gluth steigt und steigt. Mir wird schon wieder so traumhaft zu Muth. Ich werd' irre reden . . ." Werner stand auf. Ich schwäre Dir," sagte er, ich werd' ein Mensch, der Dir Die schon fast erstickte Stimme dersagte ihm ganz. Er suchte ihr durch
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Die Äugen, durch ein Lächeln auszusprechen, was er meinte. Ein Mensch," brachte er nur noch heraus. Langsam rückwärts gehend, um sie bis zum letzten Augenblick zu sehn, starrte er ihre bleiche Schönheit an. In seiner Seele jagten sich gräßlich ungleiche Gefühle; trunkene Seligkeit über diesen Kuß und die Gewißheit: nie wieder! unfaßbare, unbegreifliche Wonne, daß sie ihn Du genannt, und vernichtendes Grauen, schreckliche Verzweiflung. Und doch mußte r sie anschauen, so lang' er noch im Zimmer war. Schon ein Schatten des Jodes auf ihrer Stirn; aber dieser holdselige, grüßende, abschiednehmende Ausdruck, der ihr Är7-,erensngesicht verklärte... Zuletzt e'.rug er t nicht mehr, das Durcheinander in Hirn und Brust. (5:n Gefühl der Ohnmacht umdunkelte ihn. Irgendwie noch Kräfte zusammenraf send, er wußte nicht w"ber. taumelte
er buialls. 29. Kapitel, las dem Menschen am unmoglichsten dü.lkt, kann er ost am beiden. Bei gewaltigen Schicksalen hört eben gleichsam der Lebenswille auf; eine dumpfe Ergebung in die Urmacht. das Verhängniß, eine halbbetäubende Wttlenslosigkeit tritt als Rettung ein. auch wo die freie Demuth des Frommen fehlt. Diese wohlthätige Einrichtung der Natur kam auch Werner zu gute; das Schlimmste war noch die erste Nacht, an deren Ende Wanda starb. Bis zum frühen Morgen irrte er umher, auf all den ihm bekannten Wegen, die der nun gefüllte Mond erhellte. Zweimal umwanderte er. nah und fern, den Grebbiner See. Zuweilen erblickte er das weiße Haus, von drüben über's Wasser hin, oder vom Hochwald heruntersteigend; dann sah er auch ein mattes, verhängtes Licht in dem Zimmer, in dem ihr verlorenes Leben kämpfte... Im Morgengrauen erlosch es. Wanda hatte nicht geirrt: da geschwächte Herz versagte, und die Lunge dann auch. Werner erfuhr es von einer Frau im Dorf, als der son nigste Morgen schien. Er stand lange still; zum Haus hinunterzugehn, die Todte noch anzuschauen, hatte er nicht das Herz. Ihm war zu Muth, als würd' er damit ein Kleinod in seiner Seele beflecken; er hatte gestern ihr schönstes, bestes Gesicht, er allein, gesehn. Ge.-'en Mittag kam er in den Gasthof im Städtchen zurück, wo er sich bei der Ankunft mit Christinen einquartirt hatte; denn an die See wollte er nicht mehr, er wollte auf Wandas Erde bleiben, bis sie darin die Ruhe des letzten, des festen Hauses," gefunden hätte. Zwei Tage verbrachte er so im Gasthofszimmer, meist mit sich allein, auf dem Sofa liegend oder auf und ab, all seine Gespräche mit Wanda, sein vergangenes Leben, seine Zukunft durchdenkend. So vergingen die Stunden, auch die härtesten, wie sie's immer thun; auch die Stunde des Begräbnisses. bei dem er nicht fehlte. Keine war so schwer wie die; es weitete sich aber doch sein zusammengepreßtes Herz. Die hinzulaufenden Klageweiber" auf den Fnedhöfcn. denen die Augen von Neugicr thränten, waren ihm immer schrecklich gewesen; hier zeigte sich aber auch das wirkliche Gemüth. Die singenden Kinder, vom jungem, weinenden Schullehrer geführt, die still betenden A.'en, der greise Pfarrer, der Wandas Seele gekannt, der auch an ihrer Freundin Grab die letzten Worte gesprochen hatte, sie schienen alle zu ahnen, was geschehen war; wie sollten sie auch nicht? Sie kannten den Verlust, der jeden von ihnen irgendwie getroffen. So ein Mensch, der allen thätige Liebe erwies, geht doch nicht wie ein untersinkender Stein aus der Welt. Werner sah und horchte umher; er fühlte sich doch nicht allein Freilich, wie er konnte Niemand fühlen. Zuletzt, als er sich besann, war ihm auch hier wie in einem Traum: er sah so viele bekannte Gesichter, sie waren ihm aber eigentlich alle fremd; als seien sie Schatten, die die einzige Lebendige begraben. Am Morgen des nächsten Tages stand er an seinem Fenster; vielleicht war es in diesem Winkel der Erde sein letzter Tag. Nebenan, in Christinen Zimmer, hörte er sie mit ihrem Wolfgang sprechen; es sollt heut geschieden sein. Wolfyang mußte nach Wien zurück. Die Glücklichen, dachte Werner, die sich nach dieser Trennung sicher wiederfinden. Beneiden konnte er sie doch nicht. Er sah nach rechts auf den Friedhof hinaus; an dem Marmorkreuz der Josephine Stark, das in dem üppigen Grün zu erkennen war. wußte er auch die Stelle von Wandas noch ödem Grab; denn neben der Freundin hatte sie, wie sie gewollt, ihren Platz gefunden. Und du bist ja doch nicht todt! dachte er. Menschen wie du sterben nicht. Der Wanda-Gedanke bleibt in der Welt zurück; ganz gewiß in mir! Was für ein Gedanke bist du denn? Einen weltbewegenden Geist hattest Du ja nicht. Große Talente, von denen die Menschen entzückt und geblendet werden ach nein! Auch hinreißende Schönheit nicht. Aber eine Kunst, du meine süße Einzige, hast du schön gekonnt: alles, was in dir war. in einem zusammenfassen, das du deinen Gott nanntest; in diesem höchsten Gefühl deine großen und kleinen Kräfte alle zu vereinen, alle zu erhöhen; und in dtefer tapfer erkämpften Harmonie sie so stark zu machen, wie die Pfeile im Bündel sind. Der harmonische Mensch, ja. ja, ist der stärkste
Mensch! Er ist stärker als der mit Gaben Gesegnete, Ueberschüttete, wenn dem diese köstliche Eintracht fehlt. Wie vieles war in deinem innern Gott vereint, zarte, starke Frau du. Die Tüchtigkeit," die Nützlichkeit," die mir einst so klein schien; deine geliebte Kunst, die Musik; deine Opferkraft; die schwärmende Phantasie; die Liebe, die sich selbst nur in den anderen liebt. Das alles in deinen Augen verklärt und in deiner Stimme das war der Wanda-Gedanke . . . Als er sich so weit zur Ruhe gedacht, ihren Werth sich vergeistigt hatte, zerriß ihn wieder der Schmerz. Es kann nun nicht mehr die ganze Welt sein, dachte er, wie vor einer Woche! Der Regenbogen kann nicht mehr voll sein: die schönste Viaitt ist ihm aenommen! Er hielt es nicht länger im Zimmer aus; es 30; ihn ins Freie, zu ihrem Grab als finde er da mehr von ihr. Er ging über die Straße und auf den Friedhof. Ta er nun aber vor dem kahlen, irisch aufgeworfenen Hügel stand, ward ihm bewußt, welch ein Wahn das war. Hier fand er sie nicht. Es litten .(r all seine ästhetisch empfindlichen, nach Zierde und Schönheit verlangenden Gefühle. Ter angesammelte, aufgehäufte Gram entlud sich plötzlich bei diesem Anblick; er brach in heftiges Schluchzen aus. Eischrocken sah er umher; hatte ihn jemand gehört? Hinter ihm begann jetzt das Schluchzen einer Kinder-
stimme; wie wenn seine laute Trauer ein anderes Menschenkind angesteckt hätte. Er blickte in daö Gebüsch hinein, aus dem dieses Weinen kam. Tort saß eine ganz unerwartete Erscheinunz Am an da auf der Erde. Sie sah ihn an, sah sich von ihm entdeckt; sah vielleicht auch Mitleid auf seinem nassen Gesicht, und verging in Thränen. Kind," fragte er, wie kommst Du hierher?" Sie antwortete nicht; sie weinie noch. Hat Dich der Onkel hergeschickt?" ..Der Onkel?" schluchzte sie. Hat er Dich hergeschickt?" fragte er noch einmal. Sie schüttelte den Kopf. Sie sah ihn, wie es ihm schien, mit trotzigen Augen an. Steh auf, wenn Du mit mir sprichst!" Ihr Blick ward verwundert, unsicher, scheu. Sie blieb noch sitzen. Das bätte Wanda nicht gethan! fuhr ihm jetzt durch den Sinn. Warum so herrisch. Sie ist ja doch ein Kind. Und wie erzogen! Steh auf, liebes Kind," sagte er sanft und freundlich, und komm zu mir." Sie erhob sich langsam. Eine letzte Scheu überwindend, stellte sie sich neben ihn. Er nahm ihre Hand. Tu bist ganz allein hier?" .Ja." Es ist ein so weiter Weg von Grebbin; dreiviertel Stunden. Hat der Onkel Tir's erlaubt. Amanda?" Sie schüttelte wieder den Kopf. Ich hab' ihn gebeten," stieß sie hervor. Er hat aber Nein gesagt. Kleine Mädchen, sagt er. laufen nicht so allein auf den Landstraßen herum. Das thun Vagabunden, fazt er. Und ich wär' aber nun in seinem Haus, und da schickt sich's nicht." Und da bist Du doch heimlich fortgelaufen?" Ja!" antwortete sie mit trotzig aufgeworfenen Lippen. Sie sah wieder aus wie die kleine Wilde am ersten Tag; in den feindlichen Augen standen aber noch die großen Thränen. Werner erwiderte nichts. Er hatte ein Wanda -Gefühl. Die Unglückliche! dachte er nur. Wie verlassen steht sie da auf der Welt. Wie viel hat sie in ein paar Wochen verloren: die Mutter, dann den Vater, dann die zweite Mutter! Er strich ihr, so unrichtig es nach dem trotzigen Ja" auch sein mochte, weich über den Kopf; sie hatte ihren Hut nicht drauf, er lag auf der Erde. Das Köpfchen schmiegte sich gegen seine Hand. Sie wunderte sich offenbar über diese Freundlichkeit. Warum hast Du das gethan?" fragte er dann ruhig. Weil Du zu Tante Wanda wolltest?" Ja. zu Mutter Wanda." Hast Du sie so lieb gehabt?" Ich hab' sie auch noch so lieb!" Werner sah stumm auf sie hinunter; dann drückte er sie an sich heran. So hielt er sie eine Weile. Sie stand und rührte sich nicht. Ja, Du und ich!" murmelte er dann. Wir sind ja auch Kameraden, wir beide. Wir sind übrig geblieben." Die Worte befremdeten das Kind; es sah aufmerksam in Werners Gesicht. Bist Du auch übrig geblieben?" O ja. Mutter Wanda hat uns beide " Er seufzte einmal auf. Liebes, armes Kind." sagte er dann. Was wird nun aus Dir? Ja. Du kleine Amanda Du. Was wirst Du nun machen?" Wenn er mich schlägt, geh' ich in den See," sagte sie leise. Werner fuhr zusammen. In den See ... Er glaubte wieder Wandas Worte zu hören: Im Grebbiner See dürfen Sie nicht sterben!" Dann sah er sie in ihrem Bett; Amanda," klagte sie. mein jüngstes Kind; ach, was wird nun aus ihr?" Die Kleine stand ihm wie ein Vermächtnis seiner Todten da. Vermächtniß, dachte er. die Augen schließend. Und ich? Ich nicdt auch? Auch darin Kameraden.
von oetoe. Zch darf mich nicht verlassen; darf ich sie verlassen? Hör' mich einmal an. mein Kind." nahm er wieder das Wort. Ich will heut morgen noch nach Grebbin. hab' mit Deinem Onkel über allerlei zu sprechen. Könnt' auch über Dich mit ihm sprechen " Sie schüttelte hastig den Kopf. Versteh mich nicht falsch. Du kleiner Wildling. Ich könnt' ihn fraqen. ob Tu vielleicht Wie wär's mit uns beiden? Wenn Dich zum Beispiel der Onkel 11h lassen wollte ich weiZ; ja nicht, was er will gingst Tu gern zu mir?'' Sie stieß nur ein Ach!" heraus und drückte sich an ihn. Sie schob und drängte sich zu ihm hin, wie wenn das ganze Gesiellchen in ihn hineinkriechen möchte, wie in ein Schneckenbaus. Tu hast mich wirklich lieb, Amanda?" Hab' ich Tir's nicht schon früher gesagt?" ZZreilicb; vor dem Kuß. Bei mir wärst Tu auch nicht so wild?" (Fortsetzung folgt.)
Passagiere rcbelliren." In Folge einer Rebellion" unter den ZwischendeS - Passagieren des französischen Dampfers Montreal" hat kürzlich das Schiff zu der Reise von Havre nach New Iork nicht weniger als 39 Tage gebraucht. Ter Tampfer, der 7c0 Zwischendecks-Passagiere und sonst nur Fracht an Bord hatte, hatte von Anfang an mit sehr schweren Stürmen zu kämpfen. Nach sieben Tagen der Angst und Sorge geriethen die Passagiere in eine derartige Aufregung, daß sie durch ein Komite von vier Mann dem Kapitän erklären liehen, sie wollten nicht weiterfahren, da sie befürchteten, der Proviant würde nicht reichen und an Bord würde eine Hungersnoth ausbrechen. Alle Borstellungen seitens der Offiziere waren vergebens, und so sah sich denn der Kapitän genöthigt, den Hafen Fayal auf den Azoren anzulaufen. Tort wurden Proviant und Kohlen eingenommen, aber die Leute waren damit noch nicht zufrieden, sondern erklärten, mit diesem Schiffe überhaupt nicht sahren zu wollen. Sie weigerten sich aber auch an Land zu gehen und verlangten von einem anderen Dampfer abgeholt zu werden. Schließlich kabelte der Kapitän nach Havre und der Dampfer Lafavette" wurde abgeschickt und bolte die unzufriedenen Passagiere ab. An Bord blieben nur 200 Personen, meistens Franzosen, während die anderen es vorzogen, an Bord der Lafayette" zu gehen. Adler als Gast. In einer Straße von Lyon, Südsrankreich. ließ sich unlängst ein großer Adler nieder. Das Geräusch der Wagen und der Straßenbahntrompctcken schien jedoch dem an das Schweigen seiner Berggipfel gewöhnten König der Vögel" Furcht und Entsetzen einzuflößen, er bezann sich scheu zurückzuziehen und verbarg sich schließlich unter dem Thorbogen eines Waarenhauses. Dort sab er sich bald von zahlreichen Neugierigen umgeben, die ihn aus respektvoller Entfernung beobachteten. Endlich faßten sich einige besonders tapfere Bürger ein Herz und warfen sich auf den Aar. der sich kampflos fangen lieh. Seine Flügelspannung betrug 6 Fuß. Eigenartiger Eisenbahnunfall. Als sich zwischen Caldiero und San Bonifacio. Oberitalien, ein Eisenbahn-Schnellzug mit einen? Güterzug, kreuzte, fiel von diesem ein Baumwollballen im Gewicht von acht Centnern herab, klemmte sich zwischen beide Züge und zerdrückte die Fenster des Schnellzugs, so daß die Glassplitter umherflogen und mehrere Reisende verletzten. Die beiden Züge hielten, und die erschreckten Reisenden wollten erst nicht weiterfahren. Auf einem Bahnhos in Verona wurden die Schnittwunden, die die Reisenden an Gesicht und Händen davongetragen hatten, verbunden. Gi ThUcmatthcr. Was hast D' g'sagt? Woaßt', Sepp, wenn mi' jetz' g'rad' net gar so in d' Pratz'n frieret', krieget'st D' a' Mordswatsch'n!" Boshafter Artillerist. In Landau, Rheinpfalz, biß ein Soldat des dort garnisonirenden Artil-lerie-Regiments einem anderen Artilleristen im Streite die Nasenspitze ab und verschluckte sie, um ein Winderanheften der Nasenspitze zu vereiteln.
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Allerlei für'S Hau?. Cigarrenreste. Cigarrenstummel, sowie die abgeschnittene Spitze der Cigarre, lassen sich in der Gärtnerei gut verwenden. Dieselben werden gedörrt und zu Pulver zerrieben. Dieser Tabakstaub wird des Morgens über die mit Ungeziefer behafteten Pflanzen, wenn sie noch bethaut sind, gestäubt oder man macht davon einen Tabaksud und verwendet ihn zum Bespritzen der Obstbäume und Pflanzen. Dadurch werden die Erdflöhe und sonstige Pflanzenschädlinge total vernichtet. DerNässe wider st ehende Anstriche für Holz ergeben folgende Recepte: Zwei Theile Steinkohlentheer, 2 Theile Pech und ein Theil einer aus gleichen Theilen frisch oebranntem Kalk und gewöhnlichem Harz bestehenden Mischung werden zusammengeschmolzen und mehrere Male warm auf das gut trockene Holz aufgetragen. Den letzten Anstrich bewerse man vor dem Trocknen mit feinem Sande, wodurch eine steinartige Oberfläche entsteht. 2. Es werden 10 Theile gelbes Wachs in 10 Theilen Leinöl, 5 Theile gewöhnliches Harz in 8 Theilen Terpentin bei gelinder Wärme gelöst und beide Lösungen gemischt, nachdem eine beliebige Farbe zugesetzt wurde. 3. Steinkohlentheer und an der Luft zerfallener Kalk werden gut durcheinander gerührt, wobei so viel Kalk genommen wird, daß das Gemisch die Dicke einer guten Oelfarbe bekommt. Das beste von allen Mitteln gegen Feuchtigkeit ist und bleibt indessen das bekannte Carbolineum Avenarius." Sammet. Um Sammet, z. B. bei Taillen, lange frisch zu erhalten, dämpfe man stets bald nach Gebrauch niedergedrückte Stellen, wie Aermelfalten und dergleichen auf. Ist der Sammet durch Regen oder Schmutz verfilzt und rauh geworden, so befeuchtet man die Rückseite des Sammets und zieht ihn mit der Rückseite über ein heißes Eisen. Sind Flecke auf den Sammet gekommen, so befeuchtet man dieselben mit etwas Wasser und betupft sie mit Salmiakgeist. Dann zieht man die Rückseite über ein heißes Plätteisen. Aufkrausen derSchmuckfedern. Um den Federn eine hübsche Krümmung und ein gelockertes Ansehen zu geben, hält man die von schwarzer Farbe über Rauch, indem man Zucker auf glühendeKohlen streut. Bei weißen Federn zieht man die Fahne zwischen Daumen und einer stumpfen Messerklinge durch. EineMasse zum Abformen von Münzen und Medaillen erhält man, indem man zu geschmolzenem. dünnflüssigem Schwefel ungefähr gleichviel Infusorienerde und etwas Graphit mischt. Trägt man von dieser, über einer Flamme in Fluß gebrachten Masse mit einem Spatel oder Löfsel eine hinreichende Quantität behende auf eine Münze oder Medaille auf, so erhält man nach dem meist rasch erfolgenden Erkalten einen Abdruck von außerordentlicher Schärfe. Eine Legirung zum Abdrücken von Medaillen besteht aus 1 Theil Zinn, 1 Theil Antimon, 2 Theilen Wismuth. Salz als Hausmittel. Man verwendet feines Oel, mit Salz gemengt, zum Abreiben aller gebeizten Möbel, wodurch sie wieder wie neu werden und auch die Flecken verlieren. Besonders bewährt es sich, die vom nassen Aufwischen in den Zimmern weiß gewordenen Füße der Möbel mit Oel und Salz abzureiben. Salz dient auch vortheilhaft ab und zu zum Putzen der Zähne, wodurch die fehr weiß werden. Oefter jedoch als alle drei Wochen darf man das ausgezeichnete Mittel nicht gebrauchen, der Schmelz der Zähne würde dadurch sehr leiden. Bei starken Berwundungen bezw. Blutungen ist vor allem für ihre Stillung, dann für zweckmäßige Lagerung und event, den Transport des Verletzten Sorge zu tragen. Man schicke sofort nach sachverständiger Hilfe. Die Wunde nicht berühren, am besten mit abgekochtem Wasser oder einer Lprozentigen Lysollösung bespülen. Jedes Verschmieren und Verschmutzen schadet der Heilung. Wenn das Blut wie ein Strahl hervorspritzt, so ist eine Schlagader getroffen und es muß der Blutlaus zwischen der Verletzung und dem Herzen gehemmt werden. In Ermangelung einer Aderpresse drückt man mit dem Daumen möglichst nahe an der Verletzung fest auf die Schlagader, so daß sie zu klopfen aufhört. Dieser Druck muß bis zur Ankunft des Arztes fortgesetzt werden. Auch kann man durch Auflegen von Eisenchloridwatte das Blut schnell stillen. Als besteSteinmassezum Ausbessern von Stiegenstufen ist eine ziemlich weiche Mischung von Cementkalk mit Kaliwasserglas, welcher man etwaS fein gesiebten Flußsand zusetzt, zu empfehlen. Daö Verhältniß von Cementkalk zu Flußsand ist 2:1. Die abgetretenen Stusen brauchen nicht, wie bisher üblich, ausgemeißelt zu werden. Die frisch angemachte Masse wird an den defekten Stellen, welche vorher mit Wasserglas befeuchtet wurden, aufgetragen und dabei die nöthige Form gegeben. Diese Procedur ist am besten durch einen sachkundigen Maur vorzunehmen; die Masse trocknet binnen 6 Stunden und wird zu festem Sandstein.
Vom Auslande.
DieAnhängerdesim englischen Parlament eingebrachten Ge setzvorschlages gegen die Einwänderung machen es sich zunutze, daß der Staatssekretär des Innern im UnterHause erklärte, daß die Londoner Polizei etwa 100 Mitglied in Jiddisch auszubilden genöthigt war und daß 50 bis 60 weitere Mitglieder der Polizeitruvpe sich einige Kenntniß dieser Sprache aneignen mußten, um im Ostende Londons ihren Dienst befriedigend v:rsehen zu können. Die englische Sprache, die sich früher jeder EinWanderer möglichst bald aneignete, wird mehr und mehr im Osten durch das Jiddisch verdrängt. In hunderten von Läden sieht man Preisverzeichnisse und Auslagezettel in Jidbisch. Der Staatssekretär vergaß, die interessante Thatsache zu erwähnen, daß die Polizisten, die Jiddisch lernen, zuerst deutschen Sprachunterricht erhalten, da die Kenntniß der deutschen Sprache das Erlernen des Jiddisch außerordentlich erleichtert. Einen gelungene nAprilscherz hat sich ein in Pola erscheinendes italienisches Blättchen geleistet. Es setzte zum 1. April die schauerliche Nachricht in die Welt, ein italienisches Torpedoboot habe sich mit abgeblendeten Lichtern der Festung Barbariga genähert, sei unbemerkt gelandet und habe einen Offizier i voller Uniform an Land gesetzt, der sich sofort daran gemacht habe, ocherrätherische Geländeaufnahmen vorzunehnien, alsbald aber von einer Schildwache bemerkt und festgenommen worden sei. Auch der Name des Offiziers wurde nicht verschwiegen: Pesci sollte der leichtsinnige Hochverräther heißen. Natürlich konnte ein italienisches Blatt ihn ja nicht Ente" taufen. Da aber die Kenntniß des Italienischen in österreichischen Redaktionen nicht so-' weit langt, um die Identität von Pesci und Ent festzustellen, so verspeisten die meisten von ihnen selbst die des hofräthlich feierlichen Fremdenblattes ist darunter den pesce d'aprile mit größtem chauvinistischen Behagen und erkannten dann zu spät, daß sie eine regelrechte Aprilente im Magen hatten. U m einem tiefgefühlt e n Bedürfniß abzuhelfen," so und ähnlich begannen ungefähr die Artikel, in denen die Athener Zeitungen die Gründung eines amtlichen, unter Staatsaufsicht stehenden Leihhauses ankündigten. Ein; Anzahl vermögender Männer mit hinreichenden Mitteln hatten sich zusammengefunden, um unter dem Namen VolksvVcin Leihhaus zu gründen, wie solche schon seit 100 Jahren auf den Ionischen Inseln bestehen. Der kleine Mann in Athen war bisher gezwungen, zu Wucherern zu gehen, wo er oft kaum den dritten Theil des Werthes des versetzten Gegenstandes bekam, dafür aber 36 und mehr Prozent Zinsen bezahlte. Das Leihhaus Volksbank wird sich mit 6 bis 7 Prozent begnügen und eine Commission einsetzen, die, sobald das -neue Institut seine Arbeiten beginnt, die bei den Privatanstalten", d. i. den Wucherern versetzten Gegenstände abschätzen und einlösen wird. Die Privatleihanstalten sollen durch ein Gesetz aufgehoben werden. Auf den Wunsch der Besitzer wird die genannte Commission auch Gegenstände, die zur gelegentlichen Aushülfe an Privatleute verpfändet sind, einlösen. Es ist zu verwundern, daß Athen, eine Stadt, die doch über 150,000 Einwohner zählt, so lange ohne eine solche Einrichtung geblieben ist, während private Anstalten dieser Art zu Hunderten ihr unsauberes Wesen getrieben haben und ihre Besitzer zu Millionären wurden. In der Tegeler Heide bei Berlin fand unlängst ein Pistolenzweikampf statt, der mit dem Tode des einen Duellanten endete. Es standen sich der in der Borsigschen Maschinenfabrit thätige Diplomingenieur v. Coblinski und der Vertreter der geschädigten Ansiedler aus Südwestafrika, Farmer Zipplitt, gegenüber. Schon beim ersten Kugelwechsel erhielt Zipplitt einen Schuß in den Unterleib, der ihm Magen und Leber zerriß. Der Getroffene brach tödtlich getroffen zusammen und wurde im Wagen nach dem St. Gerhardt-Stift übergeführt. Dort erlag er noch Abends seiner Verletzung. Zipplitt war noch ein ganz junger Mann. Seine Farm liegt nordöstlich von Grootfontein in der Gegend des Omuramba Omatako. Dort beschäftigte er sich mit Kulturversuchen, u. a. mit der Anpflanzung von Sisalagaven. die viel versprach. Bcim Ausbruch des Herero-Aufstan-des war er von den Eingeborenen bedroht. Oberleutnant Volkmann. Distriktschef von Grootfontein, ließ ihn und einige andere Farmer durch eine Streifwache abholen und nach der Station bringen, wo sie nun bei der mehrmonatigen Vertheidigung des Platzes selbst und der Umgegend mitwirkten. Dann, während der Farmbetrieb ruhen mußte, kam Zipplitt nach Europa, wo er auch verblieb, nachdem sonst im Grootfonteiner Bezirk die Arbeit vor einigen Monaten wieder aufgenommen war. Er war nur kurze Zeit im Schutzgebiet gewesen. Ein sehr thörichter Anlaß scheint dem unglücklichen jungen Manne das Leben gekostet zu -haben, ein WortWechsel wegen .unartigen Firueni".
