Indiana Tribüne, Volume 28, Number 214, Indianapolis, Marion County, 2 May 1905 — Page 6
Jndiana Tribüiik, S. Mai 1903.
Europäische Nachrichten. Provinz Mestfren. M ü n st e r. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich hier auf dem Domplatz. Während ein Fuhrmann eines hiesigen Baugeschäftes, welcher Buden zum Jahrmarkt gebracht hatte, damit beschäftigt war, seine Pferde auszuspannen, gingen diese plötzlich durch und überrannten die WittweSuresch mit ihrem Kinde. Das Kind wurde von den Hufen der Pferde so aräßlich zugerichtet, daß es auf dem Wege zum Krankenhause starb. Die Mutlec wurde ebenfalls nicht nnerheblies) verletzt. A t t e n d o r n. Die vor Kurzem verstorbene Lehrerin Thiele hat dem hiesigen Gymnasium 20,000 Mark zur Unterstützung armer Schüler vermacht. Brakel. Hier wurde die Maschinenlagerhalle von Bünnagel eingeäschert. Viele landwirtschaftliche Maschinen sind vernichtet. Es wurde bedeutender Schaden angerichtet, der indessen durch Versicherung gedeckt ist. Dortmund. Vor einiger Zeit stieg der Anstreicher Otto Crämer, Düsseldorferstraße 201,, durchs Fenster der 4. Etage aufs Dach des Hauses. Von dort stürzte er auf einen Holzzaun, der sich im Hofe befand, dabei drangen ihm vier Spitzen in den Unterleib. Ins Krankenhaus geschafft, starb der Verletzte bald darauf. G ü n n i n g f e l d. Das 14 Monate alte Söhnchen des Bergmannes Krause von hier kam auf schreckliche Weise ums Leben. Das Kind spielte in der Küche neben dem Herde, als die Mutter das Unglück hatte, einen auf dem Ofen stehenden und mit heißem Wasser gefüllten Topf umzustoßen. Das kochende Wasser ergoß sich über den Körper des Kindes. Die dabei erhaltenen Brandwunden waren derart, daß es nach kurzer Zeit starb. H a t t i n g e n. Auf Zeche Baaker Mulde" stürzte der 21jährige Bergmann Bergböhmer aus Baak in den Schacht; er konnte nur als zerschmetterte Masse zutage gefördert werden. Haspe. Von einem schweren Unglück wurde die Familie des Fabrikarbeiters Paul betroffen. Kürzlich wurde der elfjährige Sohn vermißt. Nach langem Suchen fand man ihn als schrecklich zugerichtete Leiche in einem Hammerwerk auf. Der Junge ist ohne Zweifel dem Antriebrade der Bläsemafchine zu nahe gekommen und mit herumgeschleudert worden. M e n d e n. In einem Kalkwerk unweit von hier war der Bohrer Menze damit beschäftigt, Schußlöcher zum Sprengen von Kalksteinfelsen zu bohren. Infolge eines Fehltrittes stürzte er aus beträchtlicher Höhe in die Tiefe. Er schlug mit dem Kovfe mehrfach auf das felsige Gestein. Der Tod trat alsbald ein. S ch w e l m. Kürzlich verletzte sich der 23jährige Fabrikarbeiter Bambring unglücklicherweise mit einem Dolchmesser die Schlagader. Da dem Manne Hilfe nicht gebracht wurde, trat der Tod infolge Verblutung nach kurzer Zeit ein. 'Aheinprovinz. Köln. Das Schwurgericht verurtheilte nach zweitägiger Verhandlung den 23jährigen Arbeiter Jean Nau, der am 28. Derember vorigen Jahres seine Geliebte, die 18jährige Gertrud Wollersheim ermordet hatte, zum Tode. Die Geschworenen beabsichtigten jedoch, den Verurtheilten der Gnade des Königs zu empfehlen. A l l e n b a ch. Ein Blitz verursachte ein Grohfeuer und zerstörte das Bauerngut des hiesigen Müllers Näher. 21 Stück Vieh sind verbrannt. Barmen. Der Hilfsbremser Friedr. Stallmann wurde auf dem Rittershauser Bahnhof von einem Rangirzug angefahren und schwer verletzt. Er erlitt außer inneren auch äußere Verletzungen am Kopf, am rechten Fuß und an der rechten Hand. Dorsten. Erschossen hat sich der hochangesehene Rechtsanwalt Timmermann. Essen. Ein großes Denkmal für T. A. Krupp wollen die Angehörigen der Kruppschen Werke sowie eine Gruppe von Freunden und Verehrern gemeinsam dieser Stadt errichten. Als Standort ist der Limbeckerplatz bierselbst vorgesehen.
Grevenboich. Letztens wurde der Fabrikpförtner Jakob Ahrweiler aus Neuenhausen aus dem Eisenbahnüveraanae zwischen Neuenbausen und hier von einem Zuge erfaßt und erlitt schwere Verletzungen am Kopfe. Der Verlente. welcher per Waqen in das hiesige Krankenhaus transportirt wurde. x)i bald daraus an den erlitte nen Verletzungen gestorben. Müblheim. Das etwa 2V2 Jahre alte Kind des Heizers Koopmann von hier wußte sich in einem un bewachten Augenblick Wäschebläue zu verschaffen und aß hiervon. Trotz sofortiger ärztlicher Hilfe starb das Kind an den Folgen der Vergiftung. Wesel. Letztens wurde auf der Abelftraße die Leiche des Handelsmannes Heinrich Fallise aus Hiesfeld aufgefunden. An der Leiche wurden nehme Wunden festgestellt. Wahrcheinlich ist Fallise ermordet worden. Drei Personen, ein Fabrikarbeiter und Mti Händlerinnen, welche mit dem Ermordeten zusammen gewesen sind, wurden verhaftet. Zfrovinz Hessen affau. Kassel. Den Sanitätsrath Dr.
Bock wurde aus Anlaß feines 50jährigen Doktorjubiläums der Rothe Adlerorden 4. Klasse verliehen. Bornheim. Im dritten Stock des Hauses Roßdorferstraße 24 ist das anderthalb Jahr alte Mädchen Maria Beck in seinem Bettchen verbrannt, während die Mutter im gleichen Zimmer schlief. E l l e n b e r g. Hier erhängte sich in der Wohnstube an eine Bindfaden die 73jährige Wittwe Krug. Frankfurt. In der hiesigen Abestfabrik. Bergerstraße 207, kam der 54jährige Maschinist Mathias Vogt der Längswelle der Dampfmasckine zu nahe. Seine Kleider wurden erfaßt und Vogt mit herumgeschleudert. Dem Unglücklichen wurde der rechte Unterschenkel vollständig zermalmt und abgerissen. Auf das Hilfegeschrei eilten Arbeiter herbei, um die Maschine abzustellen, es war aber zu spät, der Tod war bereits eingetreten. Hanau. Aus dem sogenannten Kleinen Main wurde die Leiche des Reisenden Steinhorst gelandet. Steinhorst reiste für bfc Kunstanstalt von Gebrüder Behrendt in Berlin. M er x Hausen. Der Förster Jakob von hier beging kürzlich sein 50jähriqes Dienstjubiläum. Am 1. Juli b Js. werden es 40 Jahre sein, daß Jakob hier als kommunalständischer Förster' angestellt wurde. Der im Dienst ergraute Beamte wird am 1. Oktober ds. Js. in Pension gehen. Nentershausen. Kürzlich feierten Landwirth Johannes Gebhardt und dessen Ehefrau Hierselbst das Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlaß wurde dem Jubelpaare die Ehejubiläumsmedaille durch Pfarrer Hoffmann überreicht. Gebhardt sowie dessen Ehefrau erfreuen sich noch ausgezeichneter Rüstigkeit. Wiesbaden. Infolge eines Sturmes stürzte das zum Neubau des Landeshauses aufgestellte Gerüst ein und erschlug zwei vorübergehende Herren, den Rentner Fetz und den Fabrikanten Wagner. Zslitterdcutsche Staaten. Blankenburg. Gutsbesitzer v. Ohnesora hier beging mit seiner Gattin im S. reise seiner Familie das Fest der goldenen Hochzeit.
Braunschweig. Dieser Tage i verstarb hier im 80. Lebensjahre der Prof. Dr. Franz Georg. Brandes. Er war hier am 17. September 1825 geboren; 1844 bis 1847 studirte er Theologie und trieb daneben noch das Studium der neueren Sprachen und der Musik. Er wurde später Lehrer am Obergymnasium und dann am Realgymnasium. Seit 1885 wirkte er am Neuen Gymnasium. Durch rheumatisehe Leiden genöthigt, ließ er sich 1894 vensioniren. H e l m st e d t. Der zehnjährige Knabe Wilhelm Sube kletterte beim Ballspiel über das Eisengitter des Gartens vor dem Gymnasium. Hierbei spießte sich der Knabe auf, so daß die Eisenspitze ihm tief in den Leib drang. An den Verletzungen ist er im Krankenhause verstorben. Jena. Tödtlich verunglückte beim Rodeln (Schlittenfahren) auf der Straße zum Forst der Studirende der Medizin Funcke aus Wiesbaden. Kürzlich starb der hoffnungsvolle junge Mann, der einzige Sohn seiner Eltern. Neundorf. Vor einiger Zeit entstand hier in einem Hause ein Brand, der durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr auf seinen Herd beschränkt wurde. Als man in die Stube, in der das Feuer ausgekommen war, eindrang, fand man vier Kinder im Alter von 5 bis 10 Jahren als Leichen mit durchstochenen Hälsm in den Betten liegend vor, während ihr Vater, der Arbeiter Carl Dommes, aus dem Boden erhängt aufgefunden wurde. Ein im Kinderwagen liegendes einjähriges ind war durch den Rauch erstickt. Die Ehefrau des Dommes war vor Iahresfrist gestorben. Ueber den Beweggründ zu der entsetzlichen That verlautet nichts. N i e n b u r g. Kürzlich fand man den 68 Jahre alten Schiffshaupter Müller auf dem Boden seiner Wohnung erhängt vor. Lebensüberdruß scheint den Mann, der schon seit 15 Jahren Wittwer ist, in den Tod getrieden zu haben. S ch m i r ch a u. Kürzlich ist das Gehöft der Frau verw. Noritzsch bis auf die Grundmauern niedergebrannt. S t a d t s u l z a. Bei Ausschachtungsarkeitpn wurde hier ein Grab aus vorgeschichtlicher Zeit blosgelegt, in dem man außer Skelettstücken mehrere bronzene Schmuckstücke fand. Der Kustos des Weimarer Museums, Möller, hat die Gegenstände für das Weimarer Museum erworben. Die Grabungen werden fortgesetzt. f acfrsen. Dresden7Der 83jährige. älteste Arbeiter der Firma Seidel & Naumann, Eisendreher Carl Ed. Albrecht, feierte sein 25jähriges Arbeits - Jubiläum bei dieser Firma. Albrecht ist InHaber der Lebensrettungs - Medaille und der Alberts - Medaille in Silber und hat schon einmal sein 25jähriges Arbeitslubiläum bei der Firma Hart mann in Chemnitz gefeiert. Der Jubilar ist trotz seines hohen Alter? noch aktives Mitglied des MännergesangVereins der Firma Seidel & Naumann. C a n n e w i tz. Rentier Richter hat sich in seiner Wohnung erhängt.
Müde. Von Gertrud Triebe!. Ein blasser Abend dämmert still herauf, $ie Steine steh'n in nebelfcrnen Reichen; Ich bin so müd' vom irren Tageslauf, Daß mir die Thränen überS Antlitz schleichen. Kamst du nicht sonst um diese Stunde her, Um meinen Kopf an deine Brust zu Ichnen? Nur dunkel fühl' ich's und nichts weiter mehr . . . Zu müde selbst, um mich nach dir zu sehnen. Der Stratege. Humoreske von Hans Wust. Der dicke Oberstleutnant saß hochaufgerichtet auf seinem Braunen, Flohbock genannt, der hin- und hertrampelte und nach allen Seiten um sich biß und auspfefferte, wie immer, wenn sein Gebieter ihn aus Nervosität in's Maul ritz und ihm mit den Spo ren unbewußt in die Ripepn fuhr. Zur Nervosität war such aller Grund heute vorhande., denn der Oberstleutnant befand sich imExamen, und die Excellenz, der Divisnns-Com-mandeur, war Examinator. Aufgabe war: jedem Gegner das Heraustreten aus Defileen zu verwehren, und zur Verfügung standen zwei Bataillone, eine Schwadron und eine Batterie. Schwer schien die Aufgabe nicht. Man ging, wenn der Gegner auf das Defilee zumarschirte, in das Defilee und klopfte ihn, oder man ließ ihn zur Hälfte aus dem Defilee heraus und fiel dann mit Uebermacht über ihn her. Das Verschmitzte lag aber darin, daß man nicht wissen konnte, über welches Defilee der böse Feind mit seiner Hauptmacht ziehen wolle, denn es gab ihrer zwei, etwa eine halbe Meile voneinander entfernt, beide durch Seen begrenzt, und außerdem konnte der Gegner noch eine Brücke passtren die kam aber, Gott sei Dank, nicht in Betracht, denn in dem Auftrag stand: Brücke abgebrochen. So hatte denn der Herr Oberstleutnant an jedes der beiden Defileen zwei Compagnien geschoben, die ihrerseits wieder Cavallerie vortrieben, und stand mit der Hauptmacht in der Mitte zwischen den beiden Engen bereit, sich muthvoll auf den grimmen Feind zu stürzen, sobald er erfahren würde, woher er käme. Aber der Feind ließ auf sich warten, er kam nicht, und der Führer wurde immer aufgeregter. Am linken Defilee ging es" ganz friedlich zu. Hier standen zwei Compagnien unterHauptmann Essel, hatten die Gewehre zusammengesetzt und vertrauten auf die vorgeschobene Cavallerie. Man besprach die Sachlage. Ja," sagte Leutnant Stumpf zu seinem Kapitän, wenn aber der böse Feind doch über die Brücke geht, die gar zu verführerisch daliegt?" Die ist abgebrochen!" Ganz richtig, aber wer verbietet ihm denn, sie wiederherzustellen? Das ganze Ding ist ja nur ein paar Meter lang." Hören Sie, Stumpf, Sie könnten doch recht haben, nehmen Sie ihren Zug und ein paar Dragoner und sehen Sie sich die Geschichte mal an; ich kann hier nicht weg." Stumpf zog ab, näherte sich aber der ominösen Brücke vorsichtig und hatte die Freude, zu bemerken, daß man sich thatsächlich feindl'cherseits für dieselbe bedeutend zu intttessiren schien; da wimmelten allerlei Infanterie- und Kavalleriepatrouillen herum. Er meldete das und hatte die Genugthuung, bald darauf den Rest seiner Kompagnie unter dem Hauptmann anrücken zu sehen. So standen die Dinge, als dem Flohbock das ewige Reißen und Sporiren denn doch zu toll wurde. Plötzlich machte er einen Satz! Der Oberstleutnant kam etwas aus dem Sitz! Noch ein Satz! Hopp! Der Oberstleutnant kam noch mehr aus dem Sitz! da hatte Flohbock plötzlich die Kandarre zwischen den Zähnen, und heidi dahin gingen Roß und Reiter wie eine Rakete, einen gelben Staub-
schwänz hinter sich herztehend. Der Oberstleutnant war aber wieder in Sitz gekommen. Warte, du verfluchter Racker," sagte er zu sich selbst, und da ihm nichts besseres einfiel, zog er den Säbel und zog seinem Renner ein paar gehörig über, was den noch schneller lausn machte. Die Truppen hatten dem Vorgang schadenfroh zugesehen. Der Adjutant pretschte hinter seinem Brotherrn gehorsamst her: Glückliche Reise!" rief er ihm nach. Aber da zog der Oberstleutnant den Säbel, kein Zweifel, man sah es ganz deutlich, er winkte! An die Gewehre!" kommandirte der Major. Gewehr in die Hand!" Herr Hauptmann, ich bitte, mit der Batterie im Trabe vorzugehen." Zwei Treffen formiren und mir folgen!" Kein Zweifel, der Oberstleutnant hatte gewinkt, man hatte den bösen Feind! Der Oberstleutnant war indeß in fliegender Fahrt an dem linken Defilee und an der dort noch befindlichen einen Kompagnie vorbeigesaust, gefolgt vom Adjutanten, und jagte mit gezogenem Säbel der Brücke zu. Hcrrjeh," sagte Hauptmann Essel, was ist los? He, Stelzl", schrie er dem Adjutanten zu, wo geht die Reise hin?" Weiß ich's?" Aber auch Flohbocklungen und Flohbockbeine gelangen an das End ihres Könnens. Flohbock stoppte ab, nd da
tx bekannte blaue Männer in der Nähe sah, blieb er bei der Kompagnie stehen, welche die Brücke im Auge behielt, auf der sich gerade allerlei Interessantes abspielte, denn soeben betrat die feindliche Vorhut, eng aufgeschlossen, dieselbe. Der Oberstleutnant sah von diesem Vorgang noch nicht, er sah nur eine seiner Kompagnien an einem Ort, an den er sie nicht befohlen hatte, und da er an Flohbock seine Wuth nicht auszulassen wagte, denn der tanzte schon wieder verfänglich, sollte der Hauptmann herhalten. Herr! Wer in Teufels Namen hat Sie hierher befohlen, was machen Sie hier?" Ich beobachte die Brücke und habe bereits Meldung gesandt: Der Feind geht soeben herüber." Wer? Was soll das heißen, die Brücke ist abgebrochen." Wollen Herr Oberstleutnant sich selbst überzeugen." Ja, das wollte er, und was er sah, genügte, um ihm das Bild eines Mannes vor die Augen zu führen, der mit Zylinder und Regenschirm die Promenaden billiger Städte unsicher macht. 'Der Gegner ging thatsächlich über die Brücke, man sah schon das Gros, und hier stand eine Kompagnie, seine Hauptmacht war gut zwei Kilometer entfernt. Ach, wenn er sie hier in Position bringen könnte! Also verloren, Rodrigo; aus ist es mit dem Soldatenspielen! Ich reite zurück, lieber Kamerad," sagte er mit milder Stimme zu dem Hauptmann, bis sie außer Gefecht gesetzt werden." Aber sieh' was ist das? Da jagt ein Artillerie-Offizier links auf die Höhe. Er hebt die Hand. In der Karriere fährt die Batterie auf seine Batterie! protzt ab und bum, bum, bum," dröhnt es hinein in die Massen auf der Brücke. Und da was ist das wieder? Der Oberstleutnant streicht sich über die Augen. Jetzt rückt sein gesammtes Fußvolk herbei, schön geordnet in zwei Treffen. In wenigen Minuten ist es heran, bereit, den die Brücke und das Thal beHerrschenden Höhenzug zu besetzen. Wohl schießt des Gegners Artillerie, wohl versucht er, sich mit den schon hinübergekommenen Truppen zu entwickeln und schnell nachzuschieben, aber das alles kommt nun zu spät: Der Feind ist während des Uebergangö gefaßt; sein Spiel ist verloren! Kaum eine Viertelstunde wüthete das Feuergefecht, da zog in langen Tönen vom Feloherrnhügel das Signal: Das Ganze Halt!" herüber, und es folgte der Offizierruf. Ercellenz war sehr gnädig. Mein lieber Oberstleutnant! Sie haben die Sache sehr gut gemacht, haben ruhig gewartet, bis der wirkliche Uebergangspunkt feststand und sich nicht durch die Demonstrationen bei den Defilees beirren lassen. Sie nahmen sehr richtig an, daß solche Brücke, wenn sie auch zerstört gemeldet oder angenommen wird, sich in kurzer Zeit wiederherstellen läßt, und ließen sie deshalb scharf beobachten. Dann haben Sie sich selbst an den Hauptpunkt begeben und Ihre Truppen gerade im richtigen Augenblick eingesetzt. Sehr gut in der That ich gratulire Ihnen." Der Oberstleutnant war etwas benommen. Die ganze Geschichte war ihm unklar, aber Soldat war er gerade lange genug gewesen, um zu wissen: Kriegsgunst ist veränderlich!" und halte den Mund!" So ritt er denn als Sieger davon und schielte nur manchmal energisch nach dem Gesicht seines Adjutanten, das ihm so merkwürdig vorkam, als müsse der ein stetig aufsteigendes Grinsen verbergen. Eins aber gelobte er: Flohbock erhielt ein Stück Zucker und das Gnadenbrot das heißt, solange wie er selber, denn wer kann wissen, ob es das nächste Mal auch so abgeht. S t i l b l ü t h e. (Aus eir Theaterkritik.) . . . Was die dekorative Ausstattung anbelangt, so stand der prachtvolle Hintergrund im Vorderqrund. Dasselbe. Ich habe leider nur noch ganz entfernte Verwandte!" Sind Ihre näheren Verwandten alle gestorben?" Nein, aber sie sind reich aeworden!" Originell. Rekrut (aus dem Urlaub kommend und dem Feldwebel einige Würste überreichend): Eine Empsehlung von meinem Vater,. . . da schickt er eine Todesanzeige von unserem Schwein! Finessen.
Freier: ...Vermögen besitze ich nicht aber gründliche Kenntnisse, und über leinen Charakter und meine Bildung kann ich Ihnen die besten Referenzen aufgeben!" Parvenü: Sie haben also nichts!? . . . Mein Lieber, Geld ist aber heutzutag' doch d' Hauptfach'!... Charakter, Bildung solche Finessen braucht's net, um glücklich zu wer-kni"
Kontraktsretyeit. Das Bunde?obergericht hat die Rechtsansicht festgelegt, daß die Arbeitszeit nicht vermittelst behördlicher Anordnungen geregelt werden dürfe, weil dadurch die Freiheit des Vertragsabschlusses der einzelnen Bürger beeinträchtigt werden würde. 2?ach der Verfassung, so inirbjn der Begründung des Erkenntnisses gesagt, dars kein Staat einem Menschen das Leben, die Freiheit oder Eigenthum ohne Verurtheilung auf Gruno eines ordnungsmäßigen Rechtsverfahrens nehmen. Die Befugnitz zum Verkauf und Ankauf der Arbeitskraft aber bildet einen Theil der Freiheit, welche im 14.An;endement gewährleistet ist, soweit besondere Umstände dieses Recht nicht ausschließen. Die Ausnahmen gelten, sobald die Sickerheit, die Moral oder ba Gemeinwohl gefährdet erscheint. In dürren Worten sagt die Entscheidung: Jeder freie Amerikaner hat das unveräußerliche Recht, so lange und so viel zu arbeiten, wie es ihm behagt. Da jedes Ding auf Erden aber zwei Seiten hat. so mag es unter Umständen auch heißen: Jeder amerikanisch? Arbeitgeber hat das Recht, seine Leute so lange schuften" zu lassen, als er kann. Das Erkenntniß wurde in einem Falle abgegeben, in dem ein New ?)orler Bäckermeister der Übertretung des dortigen Staatsgesetzes angeklagt war. demzufolge die Arbeiter in Bäckereien nicht länger als zehn Stunden täglich oder sechszig Stunden in der Woche beschäftigt werden dürfen. Die New Morker Staatsgerichte hatten den Mann schuldig befunden und zur Zahlung einer Geldbuße verurtheilt, das höchste Tribunal des Landes dagegen erkannte auf Freisprechung. Die Thatsache, daß die Entscheidung mit fünf gegen vier Stimmen abgegeben wurde, lehrt, daß unter den hochsten Richtern des Landes ;n der Frag: eine sehr bemerkenswert Meinungsverschiedenheit herrscht. Im Ramen der vier Mitglieder des Kollegiums. welche sich den Vorentscheidungen der New Jorker Geriete anschlössen, erklärte der Oberrichter Harlan in seinem Minderheitsberich'te, daß den Staaten das Recht der gesundheitspolizeilichen Kontrolle der Geschäftsbetriebe innerhalb ihres Jurisdiktionskreises nicht verkümmert werden solle. Seiner Ansicht nach wirke eine längere alt die zehnstündige Thätigkeit in Bäckereien ungünstig auf das Wohlbefinden und die Lebensdauer der Arbeiter. Damit scheint Herr Harlan durchaus im Rechte zu sein. Wer sich der Mühe unterzieht, die Verhältnisse und Bedingungen kennen zu lernen, unter denen viele Bäcker arbeiten rnus-. ssen, wird der Ansicht ohne jeden Rückhalt beistimmen. Herr Harlan nennt die Entscheidung die wichtigste seit hundert Jahren, und er mag auch damit Recht haben. Sie wirft voraussicktlich alle Gesetze und Verordnungen über denHaufcn. in welchen Staaten. Stäote und Gemeinden die Arbeitszeit regelten. Der gesetzliche Achtstundentag" dürfte vor den Gerichten keine Geltung mehr haben, und die langen, schweren Kämpfe, anter denen er errungen wurde, dürften umsonst geführt, die schweren Opfer vergeblich gebracht worden sein. Andererseits darf dem Erkenntniß aber auch kein gar zu tiefgehender Einfluß auf unser wirthschaftliches Leben
beigemessen werden. Die Stundenzahl kann wie alle anderen Arbeitsbedingungen durch Verträge zwischen Arbeitern und Arbeitgebern geregelt werden. Freilich erhalten dadurch diele dieser Verträge einen erhöhten Werth, und das wird die nothwendige Folge nach sich ziehen, daß die kontrahirenden Theile ihre Verpflichtungen mit großerer Gewissenhaftigkeit beobachten und erfüllen werden müssen, als das heutzutage leider gar manchmal der Fall ist. i Daö Tintenfaß. Ein hübsches Geschichtchen wird aus Paris geschrieben. Die Republikancr, die noch unter dem Kaiserreich lebten, erinnern sich noch deutlich an Herrn de Laboulaye. den Professor der vergleichenden Rechtswissenschaft am Collgue de France. Er war ein schneidiger Demokrat und begeisterte die jungen Leute für die amerikanischen Staatseinrichtungen. Seine Schüler wollten ihm nun. um ihm ihre Dankbarkeit zu beweisen, ein Gcschenk überreichen. Ihre Wahl fiel auf ein Tintenfaß. Kurz vor dem Plebiszit von 1869 ging Laboulaye plötzlich mit wehenden Fahnen in's Lager Napole ons über. Die Studenten nahmen großem Anstoß an dieser Treulosigkeit und organisirten eine lärmende Kundgebung gegen ihn. Diese verlief unter dem Ruf: Gebt das Tintenfaß zurück! Nun geht jetzt der Sohn vieses Mannes, der Direktor der Postsparkasse Herr Laboulaye in Pension. Seine Beamten wollten ihm zum Abschied ein Geschenk überreichen und wählten, ohne sich etwas dabei zu denken, auch ein Tintenfaß. Dieses sollte ihm in einer feierlichen Versammlung ausgehändigt werden, da bemerkte ein Boshafter die Ähnlichkeit der Herrn Laboulaye zugedachten Ehrung mit der einst seinem Vater erwiesenen. Böser Wille war nicht vorhanden. Was thun? Ein Spaßvogel rieth: ..Gebt das Tintenfaß zurück dem Kaufmann!" Und so geschah es. Ein Porzellanservice aus Sevres wird nun das Tintenfaß ersetzen. ' Drohung. Lizzie! Erhören Sie mich, oder ich greife zum Automobil!"
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