Indiana Tribüne, Volume 28, Number 214, Indianapolis, Marion County, 2 May 1905 — Page 5

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Der Wille zum Leben. Skizze von Hugo v. Gießan. Die Wärterin zog die Vorhänge zu rück und lösch :e das kleine Nachtlicht aus, das unruhig flackernd aus- und niederzuckte. Mit ängstlicher Vorsicht schritt sie durch das Zimmer, das nun, im ersten Schimmer des grauen Wintertages, noch trauriger, noch verlassener sich gestaltete. Acht Uhr war's schon. Noch eine halbe Stunde dann mußte der Professor erscheinen, dann mußte nach ihrem Bericht und nach dem erneuten Befund es sich entscheiden, ob der Eingriff nöthig war, der das Leben jenes Mannes dort auf dem Krankenlager bis hart an die Grenze der Möglichkeit brachte. Sinnend ließ sie sich in dem großen Lehnstuhl nieder, in dem sie mit nie rastender Aufmerksamkeit die ganze Nacht gewacht hatte. Und wenn sie tausendmal von Mitleid eingenommen war sie konnte die betrübenden Thatsachen nicht verleugnen. Sie mußte eingestehen, daß das Fieber sich wieder erhoben hatte, daß es gestiegen war bis zum irren Toben und Schreien, und daß derKranke seit ba'.d

vierunozwanzig Stunden nichts hatte zu sich nehmen können. Denn der Wille zu essen war da. Wie überhaupt der Wille, weiter zu leben und weiter zu zu . . . . Fast hätte die Wärterin gesagt: Weiter zu hassen! In allem nämlich, was der Kranke erzählte und sprach, was er in Fieberphantasien ausplauderte und hervorsprudelte, in all diesen wirren und unzusammenhängenden Reden lag immer nur als einzig faßbarer Kern ein grenzenloser, ungeschwächte? Haß, der selbst in ruhigen Momenten dem Leidenden wie ein schwerer Schatten über die eingefallenen Züge huschte. Wem es galt die Wärterin hatte es nicht ergründen können. Sie gab sich auch nicht sonderliche Mühe. Auf dem Platz, den sie seit Jahren nun mit Selbstverleugnung inne hatte, hörte und sah man so viel es lohnte nicht, dem allen nachzuhängen. Im Schicksale dieser Menschen entwirrte sich alles von selbst. Und doch bei dem hier erfaßte sie manchmal ein echtes, tiefes Mitleid. Grad' achtundzwanzig Jahre war er alt, stand an jener Stufe, wo sonst die Menschen lebend froh in die Zukunft flattern, und sollte hier schon den schwierigen Abstieg beginnen. Es war eigentlich ein recht schweres Loos. Eine Mutter müßte darüber verzweifeln, aber seltsam ihr fiel es eben ganz besonders auf nie hatte sich Jemand von seiner Familie nach ihm erkundigt! Nur zwei Freunde kamen, lebenslustige Menfchen, die mit Scherzen die Situation verbessern, mit Spott den Ernst vertreiben wollten. Seltsam! Sonst kam Niemand. Er lag die ganze Zeit so ruhig, wie jetzt am frühen Morgen. Wo andere heftig und sehnsüchtig nach Briefen fragten, lag er und verfolgte die Linien an dcrTapeie und die bunten Zeichnungen an der Decke. ES war, als ob ihn nichts mehr im Leben kümmerte, als nur der eine Gedanke, dem er nie recht Worte gab. Selbst jetzt, als der alte Professor in's Zimmer trat, regte er sich kaum, und erwiderte den Gutenmorgengruß nur mit einem ganz leichten Kopfnicken. Er bemühte sich nicht einmal, mit anzuhören, was die Wärterin an der Hand der Krankeniabelle dem alten Arzt erörterte. Er biß die Lippen zusammen und starrte vor sich hin. Als der Professor sich ihm näherte, athmete er tief auf. Nun, was ist's?" fragte er, ohne jede Erregung. Ja. . ." antwortete dieser und fuhr sich ein wenig nervös durch die spärlichen grauen Haare. Wir wir werden's wagen müssen " Auf dem letzten Wort lag ein schwerer, beängstigender Ton, aber den Kranken traf er nicht. Er blieb in seiner Ruhe. Und ist es gefährlich?" gab er zurück. Der Professor blickte ihn ernst und prüfend in die Auqen. Sie werden ja wissen," sagte er bestimmt, jeder Eingriff in den Organismus ist von Bedeutung. .So!" Der Kranke s'loß einen Moment die Augen und drehte sich wie m ner vöser Reizbarkeit. Unterdessen nahm der Professor die Instrumente aus der Tasche und legte sie geordnet aus den kleinen Tisch neben dem Bett. Lassen Sie mich noch einmal im tersuchen. . . . Bitte." Die Wärterin schraubte das Kopfende in die Höhe, so daß der Patient halbsitzend lag. Tastend fuhr des Professors Hand über den entblößten Rücken, an der Wirbelsäule hinauf bis dicht oben an die tragenden Halswirbel. Von da ab leise klopfend bis hinüber zum linken Schulterblatt. Bei der kleinen Narbe vorn äm Kugelgelenk hielt er an. hob den linken Arm des Patienten hoch und bewegte ihn in allen feinen Gelenken. Dann wandte er sich schweigend ab. Stumm ging er zweimal durch daö Zimmer, die Hände weit hinten auf dem Rücken gekreuzt, und die Stirn in Falten.

Als er wieder an das Bett kam, klang seine Stimme sonderbar weich und zurückhaltend. Wollen Sie mir nicht sagen, wie lange Sie Sie das da haben?" Er deutete auf die Narbe. warum denn nicht? Sechs Jahre bald. Ich dachte, Sie wüßten es, Herr Professor." Ja. richtig, richtig. Un Er zögerte ein wenig. Und dar', ich fragen woher?" Der Kranke weitete die Augen. Wozu, Herr Professor, wozu?" Ein wenig geärgert stellte er die Gegenfrage. Ja. sehen Sie, Herr Gräbner Sie wissen's ja wohl schon selbst. Die Kugel hat sich gesenkt. Sie liegt an oder gar fast schon in Ihrem Rückenmark. Gut wär's, wenn man wüßte, mit welcher Kraft, von woher . . . . na, Sie wissen schon, was ich meine!" Ach so! Deshalb..." Während der Kranke noch zögerte, ging leise die Wärterin aus dem Zimmer. Na also ich schoß mich mit einem. Zwanzig Schritt." Pistole natürlich! Und welches Kaliber?"

Das übliche das man mal so nimmt." Hm freilich. Nach der Narbe zu urtheilen. Und zwanzig Schritt, mcht? Sagten Sie nicht so? Grabner nickte stumm. In seinem Kopfe kreuzten sich mit einem Male die Gedanken. Er sah sich wieder in dem kleinen Wäldchen stehen, die Finger krampfhaft am Hahn der Pistole, und vor sich den Verhaßten, den er damals am liebsten hingestreckt hätte, mit einger Ruhe, und d:r ihn mit dem ersten Schuß entwaffnet hatte. Und seine Züge verzerrten sich plötzlich und die Finger krumpften sich und er ächzte und stöhnte in seiner Ohnmacht und auf einmal schrie er laut: Machen Sie mit mir. was Sie wollen! Nur leben will ich leben . . . !" Es klang wie das Brüllen eines gereizten Thieres. Der Professor reckte sich hoch. Seine kleinen Augen funkelten hinter der Brille und die Stirn zog sich wieder in Falten. Ruhig," sagte er. nur ruhig! Das ist die erste Bedingung!" Seine Hand oriff nach dem Puls. Still zählte er, dann ließ er ihn wieder auf die Bettdecke zurückgleiten. Ja." fuhr er dann fort, es wird kaum anders möglich sein. Der der Fremdkörper" muß heraus! Ruinrrt Ihnen Ihr ganzes Leben, körperlich und aller Wahrscheinlichkeit nach auch geistig. Wollen Sie's wagen?" Meinetwegen . ." Glcichailtia gab er die Antwort, und dann lag er wieder theilnahmlos auf seinem geraden Lager. Auf morgen also und Nachmittags spreche ich noch einmal vor." Der Professor reichte ihm die Hand, und Gräbner drückte sie schwach. Nun er mit einem Male vor der Entscheidung stand, schreckte er doch zurück. Wie ein schwarzer Schatten stieg es vor ihm auf, die bange Todesfurcht wurde wach in ch;n und zerrte an seinen Nerven. Wie oft hatte er als Student auf der Mensur gestanden, hatte dem Schläger und den wilden Schlägen, die hageldicht auf ihn herniedersausten, ohne mit der Wimper zu zucken, entgegengeblickt, hatte selbst im Ernstfall vor der Pistole und dem scharfgeschliffenen Säbel ohne jede innere Erregung gestanden, und nun diese Beklommenheit, diese ungewisse Angst?! Er rieb sich die Stirn, er drückte sich die Finger. Was konnte das nur sein? Er verstand sich selbst nickt mebr. Daß einmal jener schwere Eingriff bei ihm unternommen werden mußte, das hatte er gewußt, das hatte man ihm ja schon vor jenen sechs Jahren gejagt. Und er hatte trotzdem ruhig und heiter fortleben können, soweit freilich bei seinem Leben Ruhe und Heiterkeit die Rede sein konnte. Warum ängstigte ihn nun der Tod, wa rum stieg er wie ein Gespenst vor ihm auf und erschreckte ihn mit starren agen?! Er hatte es doch gewußt, daß er ihm nahe war, jchon als er sich in die Kli nik begeben. Geordnet laaen alle seine Sachen zu Haus, das Ueberflüfsige war vernichtet, das Nothwendige wohl verpackt, und lelbst die letzten Ab fchiedszeilen waren geschrieben. Er war gekommen wie ein Gladiator, den Sterbegruß auf abqeblaßten Lippen. Die Rolle lag ihm freilich am besten. Ueberichaute er sein Leben jetzt, so war es wirklich nur ein Kampf um Leben oder Sierben gewesen. Die Anfangsjahre na ja, die zahlten Nicht. Daß sein Vater nur ein armer Beamter war. das war wohl traurig, aber es ließ sich ertraaen. Es stählte für das Dasein und brachte in Muth und Kraft auch einen Vortheil. Aber dann die Zeit hinterher, wo er mit kleinem Wechsel zur Universität kam, und doch die große Rolle spielen sollte. Wie hatte er da mit emsiger Arbeit mit einer Thätigkeit, die feine Korpsbrüder kaum dem Namen nach kannten sein Einkommen vermehren, und ihnen allen darüber Sand in die Augen streuen müssen. Wenn sie nach durchtollten und durchzechten Nächten sich ruhten und aus'

schliefen, saß er am Tisch und schrieo große Bogen voll, oder er war in fremden Häusern und unterrichtete und Niemand durfte davon wissen, weil stets dabei sein Ansehen in Gefahr stand. Jetzt lachte er darüber, jetzt schien . . . .

es ihm blod und dumm, stcy eyrilllzer Arbeit zu schämen, aber damals du lieber Gott, in ängstlicher Scheu hielt er es vor allen geheim. Sie wollten ihm ja ohnehin nicht wohl, die noblen, jungen Herren, die seine Korpsbrüder waren. Es kränkte sie. daß er, der nichts hatte und nichts war. der sich nicht einmal großer BeZiehungen rühmen konnte, mit ihnen gleichberechtigt dastehen sollte. Sein Vater hatte einen Jugendfreund, einen höheren Beamten. Der sorgte für seine Aufnahme in das Korps, aber er kümmerte sich sonst nur wenig um ihn. Das war alles und das ließen sie ihn insgeheim entgelten. Offen härten sie es nicht gewagt, denn er war ein wenig barsch in seinem Auftreten. Er legte jedes Wort auf die Wagschale, und wohl zehnmal hatten die Senioren interveniren müssen, sonst wär's schon dabei zu ernsten Zwistigkeiten gekommen. Man duldete ihn also, weil's schon so sein mußte, und weil er sich im übrigen durchaus korrekt in Haltung und Gesinnung bewies, jedoch man liebte ihn nicht. Im Grunde genommen war er ja auch recht verwendbar. Er konnte all die kleinen Aemter und Arbeiten übernehmen, für die die anderen wenig Lust und Neigung hatten. Die Einladungen schreiben, die Beiträge kassiren, die Kneipbücher führen . . . . Und dabei war's, daß sie ihm plötzlich die Falle stellten. Am Ende des Monats war's. Nach einer Kneipe hatten sie ein kleines Siel gemacht, und er verlor mehr, als er gerade besaß. Die Korpsehre gebot, es gleich am nächsten Tage zu bezahlen. Er bätte um Aufschub bitten, sich emem Korpsbruder anvertrauen können das war schon so und so oft unter ihnen Gebrauch gewesen. Aber er verschmähk es. Es handelte sich ja nur um einen Tag, dann kam ja der Wechsel. Er borgte" es also aus der kleinen Kasse, die ihm anvertraut war, und legte auch dafür einen Zettel hinein. Und gerade an jenem Tage kamen sie zur Abrechnung. Er sagte klar die Wahrheit. Sie waren zwar ein wenig verlegen, aber sie schwiegen allesammt. Und als er am nächsten Tage sein Geld von Hause bekam, stattete er sofort die fehlende Summe wieder ab. Ihm schien die ganze Sache damit geordnet, um so mehr, als Niemand etwas weiter dazu bemerkte. Aber nach wenigen Tagen fiel es ihm auf, wie sich einer oder der andere möglichst abfällig abwandte, wenn er in's Zimmer trat. Er beobachtete, wie sie plötzlich stillschwiegen, wenn sie ihn sahen, und wie sie mit gespielterHarmlosigkeit bei Seite traten. Das reizte ihn. Sein Mißtrauen wuchs Und eines Tages schnappte er ge rade ein Wort noch auf, das seiner Person gegolten. Erregt trat er auf den Sprecher zu: Ich hörte von mir reden .... ich hörte das Wort Unterschlagung" . . . Galt das ebenfalls mir?" Der Angeredete zögerte mit derAntwort. Da schlug ihm Gräbener in's Gesicht! Die Folge war jenes unglückselige Duell, an dessen Folgen er heute noch litt. Das alles zog ihm jetzt durch den Kopf, aber ruhiger machte es ihn nicht. Denn wie der eigene Vater ihn da mals verurtheilte und ihn aus dem Korps auszutreten zwang, da fing sein Unglück an. Da wandten sich alle von ihm, da war er geächtet, entehrt, da mußte er die Universität verlassen. und in der Stille an einer anderen zu Ende studiren. Von jener Zeit an datirte sein Haß gegen den einen Menschen, der die ganze Angelegenheit heuchlerisch an das Tageslicht gezerrt, und von jener Zeit an suchte er nach ihm, nur mit dem einen Gefühl, sich an ihm zu ra chen. Nur der Gedanke lebte in seinem Kopfe und verließ ihn nicht, selbst an der Schwelle des Todes, selbst jetzt. wo er Abrechnung mit seinem Leben hielt. Aber was konnte er thun? Nur die eine Möglichkeit gab es ncch für ihn. daß die Operation glückte. Sonst Was galt sein Leben ohne sie über Haupt noch?! In dieser Erkenntniß zwang er sich zur Ruhe.... Er lächelte sogar ein wenig, als der Professor ihn Nachmittags wieder be suchte. Aber nur für einen Moment. Er erstarrte wieder, als er des Professors Begleiter jab. ..Was will der. was will der hier an memem Bett?" schrie er wie toll. Der der ist es ja!" Verwundert schaute sich der Profes sor um. Das ist mein Assistent. Herr Dr. von Härtung. Der wird mir morgen assistiren!" Nein nein! Niemals!'. Ich duloe es nicht. Der ist schuld an allem. Der hat mein Leben zerstört, der hat die Kugel gejagt der der hat . . . ." in Reu in der Kehle unterbrach

ihn. Er hustete stark und legte ncy zu rück. Da trat der Assistent an sein Lager. Wenn Du's nicht willst, Heinz, so werd' ich's selbstverständlich unterlassen. Aber gerade ich, Heinz, ich sollte denken, ich wäre der nächste. Dir

zu helfen." Der Kranke richtete sich aus. (teilte Augen waren groß und starrten den Assistenzarzt verwundert an. Du Du dutzt mich noch Nun ja. War's denn mit der dummen Geschichte damals nicht schon genug? Sollen wir denn unser ganzes Leben daran tragen?" Aber hast Du denn nicht hast Du denn nicht gesagt, ich hätte un ter " Das Wort wollte ihm nicht über die Lippen. Der andere ließ es auch r.ickt zu. Nein, nein! Einer oder der andere von Deinen heimlichen Feindin stellte wie nebenbei die Frage, wir aber, die meisten von uns. wir wiesen es schroff zurück. Und grad', als Du dazu kamst, da hatte ich nun ja, da hatte ich erklärt, daß alles lächerlich wäre, daß wir Studenten seien und nicht Philister und alle stimmten Mir bei Warum sagtest Du's denn nicht? Du schwiegst doch aus meine Frage!" Pardon Du ließest mir keine Zeit. Du Du " Der Kranke winkte ab. Wie zur Entschuldigung sagte er: Ich war so aufgebracht! Na ja, na ja. Es that uns ja allen leid. Und ganz besonders, daß es uns so auseinandersprengte. Du gingst, ich ging. Aber wir haben später noch oft von Dir gesprochen. Habt Ihr? Wirklich?" Er hatte schwere Thränen in den Augen. Dann aber faßte er die Hände der beiden Männer vor ihm. Ach, macht mich doch qeund! Macht mich doch gesund! Ich möchte so aern noch einmal mit all den alten Freunden leben! Der Professor nickte ihm zu. Es wird schon werden, es wird schon gehen! Hier, die geschickte Hand meines iunaen Freundes, sie wird mir und Ihnen helfen!" Drei Tage spater aber trug man ihn doch zur Klinik hinaus, und tief er griffen stand der Assistenzarzt dabei. Trag' ich nun die Schuld? Nein," sagte der Professor, nim mermehr. Was wir konnten, haben wir gethan. Die Natur zwingen können wir nicht! Und der Schuß! Der unglüaselig Schuß!!" Er hatte eine traurige Folge, abek die Schuld fällt auf die zurück, die diese mittelalterlichen Gesetze noch niebt aufgehoben haben. Wir müssen uns ja leider den Gesetzen beugen." Durchgehende Pferde. Durchlebende Pferde aufzuhalten, ist eine Äufaabe. der ein Schutzmann. dies Oraan der öffentlichen Sicherheit. sich zeden Tag gegenübergestellt sehen kann. In London zum Beispiel stne im Jahre 1903 nicht weniaer als 283 scheugewordene Pferde aufgehalten worden. Dieser Theil ihrer Berussaufgaben fordert also eine Schulung, die der Natur der Sache nach mehr theoretisch als praktisch sein muß, jedenfalls nicht am wirklichen Objekt erworben werden kann. Der Polizist, der beauftragt Wird, m den Straften Londons Dienst zu thun, erhält daher vorher erngehende Weisungen über die sicherste via nier, unter denkbar größerer Vermei duna persönlicher Gefabr dem dahin aaloppirenden Tbiere benukommen. Der Hauptgrundsatz dabei ist, ihm nicht etwa von der entgegengesetzter. Rlchtunq aus oder im rechten Wmkei entaeaenzutreten. Sieht ein Schutz mann ein durchgegangenes Pferd auf sich zukommen, so fanat er seinen :n struktionen aemän die Operation da mit an, daß er in gleicher Richtung wie das Thier auf dem Straßendamm dayinrennt. Durch einen und den an deren Seitenblick überzeuqt er sich da von. dan der fübrerlose Gaul die Rich tung beibehält und wie weit er sich ihm schon aenabert bat. In dem Augen blick, da er an dem Mann vorbeischie nen will, streckt dieser den Arm aus und greift ihm rn den Zügel. Dann braucht er nur noch kurze Zeit mit ihm mitzulaufen, um ihn gebändigt und beruhiat führen zu können, wohin er iyn fuyren will. ; t F"r Freilich in der Gefahr, umgerissen und mit fortaeschleitt zu werden, ist der beherzte Mann in jedem solchen Falle. Man hört aber äußerst selten von einem schlimmen Ausgang der Sache. Und wenn in einem Iayr 285mal der Schutzmann Leben und Eiaentbum der Büraer m solcher edrängniß retten konnte, so ist das doch ein großer Erfolg. Erkennunaszeichen. Frau Inspektor: Ich muß mich jetzt empseylen, nebe Frau utatv. iLiietn Mann wird ungeduldig er wartet , - m . m 1 f" draußen aus mich." Frau warn: v, lassen Sie ihn dock bereinkommen. (Zu ihrem Söhnchen) Fritz, geh' hinaus und hüte den inerrn :n MUOi, daß er seine Frau hier abholt Du kennst ihn doch?" Fritz: Ja. es ging eben jemand vor dem Hause hin und . . j ? z her das wird er woyi jein. (Freundlich zur Frau Inspektor): ' .:.. .Ist Ihr Mann vielleicht so ein ueinc? Buckliger mit emer rothen aze.

dreifache Vaft ctncS Ditken. Wohl am meinen und am vielfach'

ütn beschäftigt von allen Staatsmän rern der Welt ist gegenwärtig W i l ' l i a m Howard Taft. Er ter: lieht nicht nur mit gewohntem Fleiß sein eigentliches kriegsministerliche: Amt. sondern zugleich führt er, seit der Staatsminisier Hat) die längere Erhc-lungs-und Wiederherstellungs - Reisk angetreten hat. di; Aufsicht über d k auswärtige Politik; und in den wielv tigsten Fragen ist er auch der Stelle Vertreter des arbeitsamen Präsidenter Roosevelt, während dieser Wölfe unt Bären jogt. All.', die mit dem Viel beschäftigten in Berührung . kommen auswärtige Diplomaten wie Einheit mische aller Art. rübmen neben seine i Geschäftsgwandtheit seine vollendet: Taktfestigkeit und Liebenswürdigkeit. Eine politisch? Gegnerin w'e bi; New Dorker Staatszeitung stellt ihm auf Washingtoner Mittheilungen hin, das Zeugniß aus: Bei all seiner Liebenswürdiqkeii und anscheinenden Gelassenheit bewä! tigt Taft doch alltäglich eine gern enorme Arbeitslast. Man nennt ihr scherzweise ob seiner dreifachen Thalig seit als stellvertretender Präsident stellvertretender Staatsminisier uni wirklicher Kriegsminister die neu, Dreieinigkeit". Thatsächlich gehen di. Fäden der gesammten Regierungs Masckinerie durch seine Hände, er ha die entscheidende Stimme in aller wichtigen Fragen der Verwaltung, d?i auswärtigen und inneren Poliiik Seine Zeit ist ununterbrochen in Anspruch genommen vom Morgen, bis er gegen fünf Uhr Nachmittags sein Reit pierd besteigt und einen tüchtigen Er holunqsritt in die Umgebung der Bun deshauptstadt unternimmt; dann iil der Abend noch mit Konferenzen mit anderer Arbeit besetzt. Was an ihn, besonders gerühmt wird, ist der klar Blick, die rasche Erfassung einer Sach läge und eine schnelle Entscheiduns darüber, was unter den gegebenen Um ständen zu geschehen habe. Die Er ledigung der mannigfaltigstenGefch'fli wlaelt sicy auf das glatteste ab, ob nur eine Kriegsdepartements - (Sache einer internationalen Angelegenheit auf den Fuße folgt, und von diesem Themci auf eine tiefliegende Rechtsfrage ode, ein von Details strotzendes Terwal tungs-Problem übergesprungen werden muß. T4 scheint sich in dieser Viel beschäftigtheit fehr wohl ?u führen, uni sicherlich zeigt er sich seiner dreifacher Aufgabe gewachsen." Ein solches Zeugniß einer Gegnerin wiegt doppelt schwer oder vielmehr in vorliegenden Falle dreifach schwer Zugleich bedenke man, daß Taft ein schwerbeleibterMann ist. das. was man einen Dicken nennt. Als Civilqouverneur auf den tropischen Philippiner hatte er allerdings an Körpergewich! verloren. Aber seit er sich vor zwe Jahren amtlich in Washington nieder ließ, ist das frühere Körvergewicht dec am diesjährigen fünfzebnten Septem ber erst achtundvierziaiar.rig werden den nicht nur zurüctgeZehrt, sondern noch gestiegen. Daß auch dicke, schwere Männer Be deutendes in der Welt leisten können. sieht man nicht nur an Taft, sonderr auch an anderen geschichtlichen Gestal ten. Wir wollen für heute nur noch zwei aus der Geschichte der Neuzei nennen. Ter mehr als dreihundertp'ündige französische Truppenführer Pelissier eroberte im September 1855 als Ein undsechigjähriger Sebastopol und der Marschallsstab. Der noch schwerere ungarische Staatsmann Franz Dez brackte im Jahre 1867 als Bierund sechzigjähriger zwischen Oesterreich und Unaarn den berühmten Ausgleich zu Stande, bei dessen schnöder Verletzuno durch die heutige ungarische Opposition er sich gewiß in seinem seit vier undzwanzig Jahren von ihm ausge füllten Grabe zu Budapest umgedreh hat. Das von Taft gegebene Beispiel aro ßer Arbeitsfähigkeit ist ermunternd für alle Dickbäuche, wenn sie sich gle'ck ihm die nöthige Bewegung im Freien machen, sei's zu Pferde oder auf Schu sters Rappen, und wenn sie. gleich ihm keine Schlemmer sind. Die er st en Schnellzüge mit 100 Kilometer Geschwindigkeit in der Stunde werden mit den neuen Loko Motiven, die auf der Weltausstellung in St. Louis waren, auf den Strecken Berlin Hamburq und Berlin Han nover voraussichtlich noch in diesem Sommer g?fahren w?rden. G e r e ch t e E n t r ll st u n g et regte der Freiherr von Sierstorsff-Cramm dadurch, daß er 1000 Morgen Ackerland an den Agenten einer polnischen Parzellirungsbank verkaufte, weil diese ihm für das Land 2000 Mark mehr bot. als die preußische AnstedlungöKommission. Wenn ein stark verschuldeter Bauer so handelte, wäre es zu entschuldigen, aber der genannte Edelmann ist sehr wohlhabend, außerdem Erblämmerer eines deutschen Herzogthums und preußischer Rittmeister außer Dienst. Die Familie des Grzfen Bninski schloß kürzlich einen Bninski, der der Ansiedlungskommisston ein Gut im Kreise Gnesen verschafft haben sollte, wegen Landesverraths" aus derFamilie aus. Ein deutscher Grundbesitzer aber hält eS nicht unter seiner Würde, dem Polenthum ein Stück deutscher Erde auszuliefern. Ein Pfui für diesen Men-schen!

Der deutsche Con , ul Weipert in Bordeaux hat im Alter von 49 Jahren unter geheimnißvollen Umständen Selbstmord begangen. Als die Haushälterin gegen 9 Uhr Morgens an die Thür des Schlafzimmers des Consuls klopfte, um ihn zu wecken, hörte sie ihn in seinem Zimmer aufund abgehen und dann plötzlich ein dumpfes Geräusch, worauf Ruhe eintrnt. Als um 10 Uhr der Sekretär d;s Consuls erschien, theilte die Haushälterin ihm ihre Wahrnehmungen mit. Beim Betreten des Bureaus fand der Sekretär einen Bogen Papier mit den Worten: Aus Ursachen, die ich nicht vorher angeben will, ersuche ich Sie. heute Morgen nicht nach meinem Zimmer zu kommen. Sie werden

später erfahren, weshalb. Als trotzdem das Zimmer geöffnet wurde, fand man den Coniul mit durchlchoffener Schläfe todt am Boden liegen. In der Nähe der Leiche lag eine Bibel mit dem aufgeschlagenen Text: Gott ruft mich!" Man nimmt an, daß der Consul den Selbstmord in einem Anfall von Neurasthenie verübt hat. Der bekannte Pariser Bijoutier Couchard nahm einen Dieb gerade in dem Augenblick fest, als dieser einen Ring verschwinden lassen wollte. Da es Mittagszeit war. schloß er den Laden hinter sich ab und geleitete den Langfinger selbst zum nächsten Polizeicommissariat. Bevor er jedoch dort ankam, ließ er sich durch ihn nahezu überzeugen, daß seinerseits ein Irrthum vorliege, so daß er. durch das Leugnen des Arrestanten eingeschüchtert, diesen nicht länger festhielt. An der Thür des Commissariats entspann sich zwischen beiden dieser Dialog: Gehen Sie voran." sagte der Bijoutier, worauf der Dieb höflich erwiderte: Nach Ihnen", und als der Bestohlene sich umsah, war der Spitzbube natürlich verschwunden. Umsonst bemühte er sich, ihn auf derStelle wieder emzufangen. Als er dann etwa eine Stunde später heimkehrte, bemerkte er, daß die Ladenthür jfen stand und das derselbe Dieb ihm den Laden nahezu ausgeräumt hatte. Auf dem Ladentisch aber lag eine Visitenkarte mit folgender ironischer Auffchrift: Emc Höflichkeit, lieber Freund, ist der anderen werth! Den Schlüssel habe ich Ihnen, als Sie vor mir ins Bureau traten, aus der Rocktasche genommen." Wegen mehrfacher Heirathsschwindeleien hatte sich der 29jährigeStudirende der Medizin Georg Schmitt vor der Strafkammer in Darmstadt zu verantworten. Der Angeklagte stammt aus einer hochachtbaren und vermögenden Familie in Dürkheim, ist aber im Laufe der Zeit völlig versumpft", zuletzt lag er seinem Studium an der Universität Würzburg ob. Der Herr Doktor", wie er sich mit Vorliebe tituliren ließ, hat zwar schon etwa 25 Semester hinter sich, aber trotzdem immer noch kein Staatsexamen fertig gebracht. Er scheint auch weniger Freude am Studium als am Heirathsschwindel gefunden zu haben, indem er mit wohlhabenden Damen Beziehungen anknüpfte, die jedesmal zur öffentlichen Verlobung führten. Schmitt wußte einem hessischen Oberamtsrichter über 5000 Mark aus der Tasche zu locken, nachdem er sich mit dessen Tochter verlobt hatte. Auch in Hamburg lieh" er sich von drei Damen, mit denen er sich der Reihe nach ebenfalls verlobt hatte, Summen über 1000 Mark. Schließlich wandte er seine ewigeLiebe einer schon bejahrten Lehrerstochter in Dürkheim zu, die gleichfalls bitter enttäuscht wurde und deshalb den Don Juan zur Anzeige brachte. Das Urtheil lautete auf ein Jahr sechs Mo nate Gefängniß und fünf Jahre Et.rVerlust, auch wurde die sofortige VerHaftung des Angeklagten im Gerichtssaale angeordnet. Vor 20 Jahren verließ ein junger Schweizer Namens Müller seine Frau und seine neugeborene Tochter, um nach Mexiko auszuwandern. Während er dort als Kaufmann zu Wohlstand kam, starb in der Heimath, ohne daß er es erfuhr, feine Frau, und das Kind wurde von einer Bauernfamilie in Appenzell Namens Schloß erzogen und nahm auch deren Namen an, so daß es allgemein als deren Kind angesehen wurde. Vor e'nem Jahre verkaufte Mülltt, der in Mexiko den Namen Jlfelder geführt hatte, seinen dortigen Besitz und kehrte. ebenfalls unter diesem Namen, in seine Heimath zurück. Hier hörte er nun, daß sowohl Frau wie Tochter gestorben s?ien. Unter seinem angenommenen Namen kam er schließlich auch in das Haus des Bauern Schloß und lernte dort das jetzt 20 Jahre alte Mädchen kennen und lieben. Die Liebe wurde von feiten des Mädchens erwidert und die beiden versprachen sich heimlich die Ehe. Als er dann endlich vor den Adoptiovater des Mädchens, den er bis dahin für ihren wahren Vater gehalten, mit einer Bewerbung hintrat, machte ihm dieser nichts ahnend Mittheilung über die Herkunft der Pflegetochter, und der Bewerber erkannte nun, daß er um die Hand feiner eigenen Tochter angehalten hatte. Er verließ darauf völlig verstört das Haus und reiste sofort nach Basel. Von hier aus berichtete er dem Bauer den ganzen Sachverhalt und verschwand in's Ausland, nachdem er für das unglückliche Mädchen auf einer Züricher Bank 60.000 Mark deponirt batte.

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