Indiana Tribüne, Volume 28, Number 213, Indianapolis, Marion County, 1 May 1905 — Page 3

Jndiana Tribüne, K. Mai 1905

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Demonstrationen

Werden von Frankreich in Scene gesetzt, anscheinend gegen Deutschland. Besuch König Edward's in Paris. Vorbereitungen für die Fchiller-Feier in Deutschland. Eine Erklärung des Gesandten v. Tattenbach. Scharmüyel in der Mandschurei. Krawalle im Kankasns und in Polen. Oesterreichs Zollpolitik gegenüber den Bereinigten Staaten.

Frankreich. Flottenbesuche. Paris, 30. April. Bald nach dem Besuche König Edwards wird der König von Spanien für 6 Tage hier-j her kommen. Er wird von einem Geschwader, bestehend aus 3 Schlacht-! schiffen, 6 Kreuzern und vielen kleineren , Schiffen nach der französischen Küfte begleitet werden. Dieses Geschwader wird zu Cherbourg 15 der ftärkften und modernsten französischen Schlachtschiffe treffen. Auch ein englisches Geschwader wird dort erwartet. Präsident Loubet wird den König AlphonS in Cherbourg empfangen und mit ihm eine Parade der Geschwader abnehmen. In Paris wird der hohe Besucher auf jede Art gefeiert werden. Dem Besuche deS KönigS AlphonS wird ein solcher eines englischen Geschwaders in französischen Gewüffern folgen. Zu Brest werden 20 englische Kriegsschiffe vereinigt sein. Die vereinigten Paraden und Festlichkeiten werden vom 10. bis 17. Juli dauern. Ein französisches Geschwader soll einen Gegenbesuch in Portsmouth machen. Natürlich richtet sich die Spitze dieser Demonstration gegen Deutschland. König Edward'S Besuch. Paris, 30. April. Die Besuche, welche sich König Edward und Präfident Loubet heute gegenseitig machten, zeichneten sich durch große Herzlichkeit aus. Heute Abend gab der Präsident dem König zu Ehren ein Diner, zu dem 120 Gäste geladen waren, darunter der englische, amerikanische, deutsche, ruffische, italienische und spanische Botschafter und die KabinetSmitglieder. Teutschland. Schillerfeier. Berlin, 30. April. Im Laufe der letzten Monate ist öfters Über die Vorbereitungen zu den Schillerfeieru in deutschen Gauen berichtet worden. Die Zahl ist Legion. Da ist kein Städtchen zu klein, kein Vereinchen zu gering, es wird seine Schillerfeier haden. Man möchte fast sagen, daß seit vielen Jahren kein Festtag so allgemein gefeiert wurde wie dieser begangen werden wird. Die Schulkinder und das Militär, die Gesangvereine und die Beamtenschaft, die Studenten und die Geistlichen, Sozialiften und RegierungSfreunde, sie alle arbeiten wie die Biber an den Programmen, die aus ihren Lagern der Oeffentlichkeit darge. boten werden. Berlin plant drei Festtage. Am 8. Mai finden in etwa acht Sälen Gedächtnißfeiern mit Prolog, Deklamationen aus Schiller'S Werken und Mu fikaufführungen statt, die, obzwar von individuellen Körperschaften veranftaltet, sammt und sonders unter der Oberleitung deS städtischen FeftauS schuffes stehen, der in mehreren Fällen auch einen großen Theil der Kosten trägt. Am 9. Mai wird sich ein Festzug durch die Straßen der Residenzftadt bewegen, der an Glanz wohl einzig in ihrer Geschichte dastehen dürfte. ES betheiligen sich daran die Hochfchu len, die Volksschulen, BildungKrieger und Berufsvereine und beim Schillerdenkmal, wo di.' Prozession zum Abschluß kommt, vereint die Begeift.'rung der Theilnehmer sich zu einem grandios? Huldigungsakt. Die Festlichkeiten des 10. Mai beschränken sich im großen Grade auf die Schulzimmer. Tausende von Exemplaren Schiller'scher Werke die Auöwähl ist mit Rückfichtnahme auf das Alter der zu Beschenkenden getroffen worden find auf Stadtkoften gekauft morden und werden an die Volks schüler vertheilt. Schwaben in der ersten Reihe. Berlin, 30. April. Kaum bedarf eS der Erwähnung daß im Schwabenlande die Begeisterung sehr hohe Wogen schlügt. Vor einigen Wochen wurde in Augsburg der Schwäbische Schillerverein gegründet, dem sofort der Kaiser, der Großherzog, die Großherzogin und der Erbgrotz

herzog von Baden beitraten. Dieser Verein leitet nun die schwäbischen Feiern unter denen besonders die in Marbach, dem Geburtsorte Schiller'S, genannt zu werden verdient. Sämmtliche Universitäten des deut Reiches bereiten Schillerfeiern vor. In Wiesbaden wird ein Schillerdenkmal enthüllt und dieser Ceremonie folgt eine Reihe von Feftspielen während vier Abenden. Zur Aufführung gelangen die Jungfrau von Orleans, Wilhelm Tell, Don Carlos und die Räuber. Auch Stuttgart trifft glanzvolle Borbereitungen zum Besten der Schillerftiftung, die später zu einem Schillerdenkmal führen soll. Chas. M. Schwab. Berlin, 30. April. Chas. M. Schwad dielt sich auf der Rückreise von St. Petersburg einen Tag hier auf. Er sagte eö sei wahr, daß er mit der russischen Regierung einen Vertrag über den Bau von Kriegsschiffen abgeschlos sen habe. ES sei nicht seine Sache Einzelheiten bekannt zu geben, dies sei Sache der russischen Regierung. Schwab geht von hier nach Luxembürg, um dortige Eisenwerke zu befichtigen. Konsul Greeney. G l a ch a n, 30. April. Der hiesige amerikanische Konsul Ed. A. Greeney sagte bezüglich der Beschwerden über seine Fragen nach dem finanziellen Stand von Fabriken, er werde fortfahren in Uebereinstimmung mit den Instruktionen für Konsuln, Berechnungen zu verlangen, umsomehr,

da 90 Prozent seiner ..npfehlungen von der Behörde der Abschätzn zu New Iork angenommen worden seien. Nach einer gestrigen Depesche hatten sich Fabrikanten beschwert, daß der Konsul mit seinen Fragen an Erporteure in ihre Geschäftsgeheimnisse zu dringen suche. Verband der Hochschulen. Berlin, 30. April. Der Vorort deS Verbandes deutscher Hochschulen hat für den 10. Mai einen außerordentlichen Verbandstag nach Weimar einberufen, der sich an die dortige, großartig vorbereitete Schillerfeier anschließen soll. Hauptgegenftand der Tagesordnung wird der wieder entbrannte Kampf um die akademische Freiheit sein. Eventuell wird eine Sympathie-Kundgebung für die Göi tinger Professoren erfolgen, welche durch ihren energischen und überzeugenden Protest gegen die Uedergrifte des preu ßischen KultuSminifteriuS die Sache der Studenten zu ihrer eigenen gemacht haben. Die Lehrkörper der Universitäten Ox ford und Cambridge und 148 ameri rikanische Hochschul-Profefforen haben den Göttinger Professoren ihre Sympathie telegraphisch übermittelt und ihrer Befriedigung darüber Ausdruck verliehen, daß in der Sorge für die akademische Freiheit Profefforen und Studirende einig find. 10. Jahresfeier derRoent-gen-Strahlen. B er l i n, 30. April. Hier wurde heute eine Konferenz eröffnet, um den 10. Jahrestag der Entdeckung der Roentgen-Strahlen zu feiern. NamenS der auswärtigen Delegaten sprach Dr. Leonard von Philadelphia den Dank für den freundlichen Empfang auS. Minister v. Budde schwerkrank und amtömüde. Berlin, 50. April. Gerücht weise verlautet, daß der Minister der öffentlichen Arbeiten, Generalmajor z. D. v. Budde, schwer krank sei und sein AbschiedS-Gesuch geschrieben habe. Verhängnisvolle E x p l s s i o n. Berlin, 30. April. Eine Explofion in der Cellulose-Fabrik an der GreifSwalderStraße verursachte gestern Morgen eine große Panik. Eine Feuersbrunft entstand und in wildem Gedränge eilten die Arbeiter den Ausgüngen zu. Eine Person wurde getödtet und neun Leute trugen schwere, viele andere leichtere Verletzungen da-von.

Zulassung von russischen

S tudir enden verboten. München, 30. April. Wie ge meldet wird, hat die gewaltige Steigerung der Zahl der russischen Studiren den die verantwortliche Leitung veran laßt, die weitere Zulassung von Russen an den technischen Anstalten Bayerns zu verbieten. Marokko -Frage. Berlin, 30. April. Das Auswärtige Amt betrachtete die (gemeldete) Dirigirung des britischen Gesandten G. A. Lowther nach Fez als auf Anregung des französischen Ministers deS Aeußem Delcasse erfolgt, welcher der deutschen Sondergesandtschaft ein Paroli bieten wollte. ES erwartet jedoch von Lowther's Anwesenheit in der scherifi schen Hauptstadt eine retardircnde EinWirkung auf den französischen Gesandten Taillandier, so daß die Ergebnisse kaum zur Genugthuung der maßgebenden Gewalten in Paris anöfallen werden. Taillandier hat bewiesenermaßen wiederholt Forderungen an die Regierung deS Sultans von Marokko gestellt, welche nicht nur über die Madrider Konvention, fondern sogar über das englisch-franzöfische Abkommen hinausgingen und sicherlich nicht auf den Vortheil der Engländer berechnet waren. Die französischen Bemühungen, England als unbedingten Bundesgenoffeu Frankreichs in den marokkanischen Angelegenheiten erscheinen zu lassen, werden, nach dem Dafürhalten hiesiger unterrichteter Kreise, von britischer Seite noch eine sehr entschiedene Zurückweisung erfahren, wenn die Londoner Handelskreise erst gewahr werden, daß die Franzosen bei der Verfolgung ihrer famosen Politik des friedlichen Durchdringens" die britischenJnteressen ebenso mit Füßen treten, wie diejenigen anderer Länder. Marokko. Erklärung des deutschen G e s a n d t'e n. Tanger, 30. April. Graf von Tattenbach-AShold, das Haupt der deutschen Gesandtschaft, welche nach Fez gehen und einen speziellen HandelSvertrag zwischen Deutschland und Marokko vereinbaren soll, legte in einer Unterredung Deutschlands Stellung zu Marokko hinsichtlich der französischenglischen Vereinbarung dar. Er sagte, Deutschland erkenne eine franzöfische Controlle in Marokko nicht an, und suche den Zustand, wie er vor der Vereinbarung herrschte, aufrecht zu erhalten. Deutschland bedürfe in Folge seiner rasch wachsenden Bevölkerung deS Raumes und Marokko sei das rechte Feld dafür. Deutschlands Handel und Jnduftrie", sagte der Graf, bedürfen deS Schutzes gegen die Hindernisse, welche ihnen andere Länder in den Weg zu legen suchen. Andere Mächte haben große Kolonien, wo fie ihren eigenen Handel begünstigen können, während Deutschland nur wenige und kleine Kolonien hat; wo immer es seinen Handel auszudehnen versucht, stößt eS auf eine Coalition der anderen Mächte. ES ist nicht im Stande, einen Grund hierfür einzusehen. In dem Burenkriege zum Biispiel war eS ftrict neutral, aber sobald England gesiegt hatte, führte es einen Vorzugstarif ein, der für den deutschen Handel nachtheilig war. ES ist unmöglich, den Versuch zu übersehen, dieselbe Politik in Marokko zu befolgen. Hätte Frankreich sich zuvor mit Deutschland in's Einvernehmen gesetzt, so hätte eS fich viel Trubel gespart. Deutschland hätte ihm auseinandergesetzt, daß private Vereinbarungen zwischen einzelnen Mächten nicht angängig find, wo internationale Ansprüche bestehen, an denen der Sultan betheiligt ist. Frankreich erbietet sich nun, in Verhandlvl'gen einzutreten, aber Deutschland kann fich nicht desselben Fehlers schuldig machen, dessen eS andere Mächte bezichtigt. Deutschlands Weg ist klar. ES verlangt gleiche Rechte mit anderen Mächten und besteht auf der Jntegrität deS maurischen Reiches. Meine Mission nach Fez hat den Zweck, dem Sultan für den Empfang zu danken, den er dem Kaiser bereitete, und die Versicherungen über Deutschlands Haltung gegenüber Marokko zu wiederholen. Der Kaiser hat keine Vorschlüge zu machen und beabsichtigt nicht für irgendwelche Konzessionen zu fragen. Deutschland schlügt keine internationale Konvention vor, aber eS würde einen solchen Vorschlag, als einzige Lösung des gegenwärtigen Kon fiikteö, unterstützen, wenn er von Seiten des Sultans käme.Berichte von Fez sagen, daß die fran-zösisch-n Verhandlungen keine Fort-

schritte machen und daß der Sultan die

Sache bis nach der Ankunft des Grafen v. Tattenbach hinzuziehen sucht. Rußland. Streikkrawall. W a r s ch a u, 30. April. Zwischen Streikern und Truppen kam eS gestern zu Czeftochowa an der schlefischen Grenze zu einem Zusammenstoße; 4 Streiter wurden getödtet, über ein Dutzend vermundet. Streiker verlangten die Freigabe von verhafteten Genossen. Die Streiker wurden gewarnt, gegen die Truppen anzudrängen. Sie thaten dies doch, nachdem fie Frauen in ihre erste Reihe gestellt hatten; einer der Streiker feuerte einen Revolver ab. Darauf gaben die Truppen mehrere Salven mit dem angegebenen Resultate ab. Kossacken zerstreuten die Menge. Schrecken im Kaukasus. S t. P e t e r S b u r g, 30. April. Gar nicht im Einklang mit den friedlichen Berichten aus dem sonstigen Rußland stehen die aus dem Kaukasus einlaufenden Nachrichten. Aus Batum wird brieflich gemeldet, daß dort am Ende der letzten Woche die Anarchie schlimmer war, als je vorher. Die aufrührerischen Bauern plündern und morden und haben eidlich verschworen, keine Steuern mehr zu bezahlen. Es vergeht kaum ein Tag, ohne daß Steuereinnehmer oder andere kleine Beamte ermordet werden. Erfolg in der Mands ch u r e i. St. Petersburg, 30. April. Gen. Linevitch sagt in einer Depesche an den Zaren: In der Nacht deS 29. April griffen 21 russische Abtheilungen gleichzeitig die Japaner bei Tunghufiang an und trieben fie aus 5 Stellungen, die fie nacheinander besetzt hatten. Unsere Truppen nahmen Tunghufiang ein. Ruhige Ostern. Warschau. 30. April. Der Oftersonntag ist hier ohne Störung vorübergegangen. ES standen 60,000 Mann Truppen bereit, doch war den Befehlshabern die größte Mäßigung anbefohlen, falls fie zum Einschreiten gezwungen sein sollten. Oefierreich'Ungarn. Z o l l p o l i t i s ch e S. Wien, 30. April. Die Zollpolitik Deutschlands gegenüber den Ver. Staaten, nachdem eö mit verschiedenen europäischen Ländern Handelsverträge abgeschlossen hat, erregt hier das größte Interesse, da Oefterreich-Ungarn nach Abschluß der schwebenden Verträge mit Italien, Rußland, der Schweiz und den Balkan-Staaten fich in derselben Lage befinden wird, wie Deutschland. Es wird, wie aus bester Quelle verlautet, dem Beispiele Deutschlands folgen und den Ver. Staaten die Meist Vergünstigung verweigern. Minifterkonferenz. Wien, 30. April. Die gestrige Zusammenkunft Signor Tittoni'S mit dem Grasen Goluchomsky zu Venedig wird allgemein als ein Zeichen begrüßt, daß der Dreibund noch vollständig in Kraft ist. Nach Auslassungen des Fremdenblattes", deS Organs deS auswärtigen AmteS, scheint eS fich bei der Konferenz hauptsächlich um die Durchführung der Reformen auf der Balkan-Halbinsel gehandelt zu haben. Venezuela. Bowen reift ab. Caracas, 30. April. Gesandter Bowen ist nach Washington berufen worden und wird wahrscheinlich Montag von hier abreisen. Japan. Ganz in Japan '-Händen. Tokio, 30. April. DaS neue Abkommen zwischen Japan und Korea wird heute in den amtlichen Zeitungen veröffentlicht. Unter demselben wird Japan in Zukunft nicht nur daS Zollwesen deS vollständig unter seine OberHerrschaft gebrachten kleinen Königreichs kontrolliren, sondern auch den Post-, Telegraphen- und Telephondienft. Die Todten geehrt. Tokio, 30. April. Unter großen Zeremonien, die von Mittwoch biSFreitag dauern werden, sollen die Namen von 30.866 Soldaten u. Matrosen, die vos der Schlacht bei Mukden fielen, im Spokonöka-Tempel aufgezeichnet wer den. ZahlreicheVerwandte derOpfer deS Krieges werden zu der Feier erscheinen und Gäste der Regierung sein. Der Hof wird fich an der Feier ebenfalls be-theiligen.

Sklaverei in Australien. Der Bericht der königl. Kommission üöer die Lebensbedingungen der Eingeboienen Westaustraliens entwirft recht eigenthümliche Bilder von den dortigen Zuständen. Die Sklaverei ist danach auch in den englischen Kolonien Australiens ebensowenig in Wahrheit abgeschafft wie in anderen Besitzungen, und zwar wird fie von den Behörden nicht nur geduldet, sondern direkt von ihnen selbst und sogar in ihrem persönlichen Interesse ausgebeutet. Der offizielle Bericht sagt ganz unumwunden: In vielen Fällen find die Eingeborenen nicht mehr und nicht weni. ger als Sklaven schlechthin. Sie erhalten keinerlei Löhnung und werden von einem Stationsvorsteher an den anderen verliehen, natürlich ohne dabei gefragt zu werden. Sie werden von ihren Wächtern einfach dahin getrieben, wo fie arbeiten sollen, und versucht einer der Eingeborenen, sich durch die Flucht dieser Arbeit zu entziehen, so wird er regelrecht gejagt und eingefangen, um ausgepeifcht und sonstwie bestraft zu werden." ... An einer anderen Stelle desselben offiziellen Berichtes der königl. Kommission heißt es: Die Polizei erhält von der Regierung eine bestimmte Summe pro Gefangenen für dessen Beköstigung. Die Eingeborenen aber leben fast ausschließlich von Kän-guruh-, Opossum- und Eidechsenfleisch, die die Polizei sie selbst sich fangen oder erlegen läßt, um so die Ausgabe für deren Unterhaltung zu sparen. Die Folge ist 1) daß die der Polizei resp, den wenigen eine Station unter sich habenden Polizisten gezahlte Entschädigung für den Unterhalt der Gefangenen in die Privattasche dieser Schutzleute fließt, und daß was das schlimmste ist diese nun 2) ein lebhaftes Interesse daran haben, soviele Gefangene" als möglich auf ihren Stationen zu haben, um so viele Rationen bezahlt zu erhalten und einstecken zu können." Das führt dazu, daß Eingeborene unter den fadenscheiniqsten Vorwänden, als angebliche Viehdiebe, oder Viehverstümmler usw. eingefangen und dann, eine schwere Kette um den Hals und Ketten um den Leib, an das Pferd des Schutzmannes gefesselt werden. Sie werden dann zu Zwangsarbeit" angehalten. Die Untersuchung führen häufig die Polizisten selbst, welche die Verhaftung oder besser das Einfangen des Eingeborenen vorgenommen haben. Es wurde ein Fall ausdrücklich festgestellt, wo erweislich der betr. Polizist den Eingeborenen mit vorgehaltenem Karabiner aufforderte, den Schafdiebstahl zu gestehen, dessen er ihn beschuldigte, und als ersterer sich immer noch für unschuldig erklärte, den Unglücklichen einfach sofort niederschoß. 1 Memoiren eines Zuchthauslers. In Hamburg wurde vor Kurzem der von Rawitsch aus steckbrieflich verfolgte 35-jährige Schauspieler WilHelm Kringel verhaftet, der schon in seiner frühesten Jugend gewerbsmäßige Einbrüche und Betrügereien verübte und wohl die Hälfte feines Lebens hinter Zuchthausmauern zubrachte. Ursprünglich zum Lehrerberuf bestimmt, trat er im Jahre 1888 in die Unteroffizierschule zu Weißenfels ein, wo er es infolge seiner Intelligenz und seines Fleißes bald zum Bataillonsschreiber brachte. Da er aber ein flottes Leben gewohnt war, reichten seine Mittel nicht, dies weiter fortzuführen, und er vergriff sich schließlich an den ihm anvertrauten Geldern. Als ihm Entdeckung drohte, desertirte er. Nach etwa Jahresfrist wurde er ergriffen und zu lj Jahren Gefängniß und zur Degratation verurtheilt. Nach Verbüßung dieser Strafe wurde er abermals fahnenflüchtig. Er verschaffte sich falsche Papiere und erreichte unangefochten das Ausland. Nach einigen Monaten kehrte er wieder in die deutsche Heimath zurück und hielt sich in Koblenz, Hagen i. W., Berlin etc., auf, wo er als Schauspieler" auftrat. Hier beging er von neuem Betrügereien, indem er sich engagiren ließ und mit den erhaltenen Vorschüssen das Weite suchte. Seiner Festnahme suchte er sich stets dadurch zu entziehen, daß er sich falsche Namen beilegte. Im Jahre 1893 wurde Kringel endlich in Wittenberg von seinem Geschick ereilt. Er hatte sich an einem dortigen Theater engagiren lassen und spielte auf der Bühne gerade die Rolle eines Kriminalschutzmannes, als seine Festnahme erfolgte. Es nurbe nun ermittelt, daß er kurz zuvor in Berliw einen Juwelendiebstahl verübt hatte. Der gefährliche Mensch wurde der Militärbehörde ausgeliefert, und das Mieg-sgericht der 10. Division in Posen verurtheilte ihn zu insgesammt 10 Jahren Zuchthaus, die er von 1893 bis 1903 in Rawitsch verbüßte. Von dort aus wurde er wegen Anstiftung zur Meuterei und Sachbeschädigung steckbrieflich verfolgt, weil er zwei Insassen der Strafanstalt veranlaßt hatte, auszubrechen. Als feine Festnahme in Hamburg erfolgte, schrieb er gerade an seinen Memoiren. Ein von ihm früher verfaßter Lebenslauf" wird als Kuriosität im Kriminalmuseum des Polizeipräsidiums zu Berlin aufbewahrt. In Königsberg hat der blinde Student Kurt Senger die erste theologische Prüfung bestanden. Senge? hat das königliche Gymnasium in Rastenburg besucht und sich mit Hülfe seiner Mutter, der verwittweten Frau Major Senger. zur Reifeprüfung vor-

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