Indiana Tribüne, Volume 28, Number 212, Indianapolis, Marion County, 29 April 1905 — Page 7

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1 Icucrblumcn s o w 9 o o Vornan von Adolf Wttbrandt 600?0 si OO'G O OOO tt (Fortsetzung.) .Nur vom seelischen!" fiel Werner tym in's Wort. ..Es schmeichelt aber doch auch dem Alpenkraxler; es trifft ihn ganz heimlich mit! Lassen Sie mich Ihnen nun noch sagen, hab's vorhin vergessen: fürchten Sie Beide nicht, daß ich als Alpendoktor verbauern werd'. Tie Gefahr ist ja da, steht gleichsam an jedem Berg geschrieben. Na, da will ich sie dann auch oft lesen, und mich davor hüten. Und werd' doch auch immer wieder in die Welt hinaus trach:en. mich vollsaugcn, mitarbeiten. Und mit diesem Kameraden da " Der Kamerad fürcht't sich nit!" rief Christine. Sie wäre ihrem Schwarzen gern um den Hals gefallen; vor dem bleichen, ernsten Bruder hatte sie nur nicht den Muth. Es war noch immer eine Feierlichkeit in der Stube, die ihr sonst so glückliches Herz bedrückte. Es war so viel geredet worden, immer nur geredet. So mochte es bei eine? Verhandlung zwischen zwei Häuptlingen zugehn in Amerika ode.' Afrika; hier handelte es sich aber um Liebe, um Liebe . . . Wolfgang lächelte sie an; er fühlte wobl ebenso; er hielt sich aber auch zurück. Uebrigens bei Bergen un Krareln fällt mir ein" damit wandte er sich wieder zu Werner : ich hab' Ionen noch etwas zu erzählen, das Sie interesstren wird. Sie werden sich erinnern: das Gespräch über den sögenannten Baron, oben im Glocknerhau :. Ter den ganzen Sommer auf den Almen lebte" Gewiß!" erwiderte Werner. Haben Sie ihn wiedergesehen?" ja und zum letztemal! Ich erzählte damals, daß er auch da oben noch immer von den Weibern nicht lassen kann oder hat lassen können; und daß schon einmal so ein eifersüchtiger Jäger auf ihn geschossen hat; wenigstens hat er's geglaubt. Eh' ich mich nun aufgemacht hab', um hierher zu reisen, bin ich noch einmal hinauf, in mein altes Jagdrevier; da hör' ich schon unierwegs von einem Hirten, d?r hinunter will, was dem Baron gesckehen ist. Vor zwei, drei Stunden, im Morgengrauen, lauert er auf Gemsen, die er schießen will; da trifft ihn ein Schuß; in den Unterleib. Er schleppt sich eine Strecke fort; durch den BlutVerlust oder auch durch die Art der Verlegung, was weiß ich, fällt er endlich hin. Auf sein Hilferufen kommen nach einer Weile Leute, dabei dieser Hirt; ste tragen ihn bis zur nächsien Hütte. Von dem. der geschossen hat. keine -vur ... Da sind wir aber nicht im Zweifel, sagt mir der aufgeregte Hirt, warum d's gethan hat; sagen darf man ja nichts, man weiß nichts Gewisses: aber daß es nicht um ein Mannsbild war, das weiß ich gewiß! Ter Hirt kehrt mit mir um, er hat wollen den Toktor holen; war nun nicht mehr nöthig. Als wir in die Hütte kommen, geht's mit dem Baron fchon dem Ende zu. Es war erbärmlich mit anzusehn, wie so ein Riese sich in Schmerzen windet; arg muß er gelitten haben. Sobald er mich aber steht, geht ibm gleichsam ein Sonnenstrahl über is verzerrte Gesicht; Doktor! sagt er, Sie kommen zur rechten Zeit! Helfen Sie mir; aber geschwind' Denn so 'ne Pein, die bringt ja um. Ich möcht' noch nicht abfahren, Doktor! Es ist nicht so weit her mit bix Wurschtigkeit; wenn man sterben soll, dann ist einem das Leben lieb! Was sollt' ich da machen. Ich that, was ich konnt', und mutzt', ihm ist nicht zu helfen. Im wüthenden Stöhnen hat er dann wiedcr gesprochen, geredet, als wollt' er sich's nicht anfechten lassen; hat mir abgefragt, wohin ich will; nach Hinterommern fahren Sie? sagt er und sein Gesicht verändert sich. Da war ich ja auch. Doktor, da hab' ich allerlei erlebt. Da bin ich ein schlechter Kerl gewesen . . . Auch ein glücklicher. Ach. das gebt alles vorüber: Glück und Schlechtigkeit! Schlechtigkeit undGlück! Und dabi versucht er noch zu lächeln, aber grimmig ernst, melancholisch; dann reißen ihn wieder die Schmerzen herum. Sie haben ihn nicht mehr losgelassen. Endlich hab' ich förmlich aufgeathmet: ich sah, er war todt!" Hm!" murmelte Werner, erst nach einer Weile. Er nickte vor sich hin; reden mochte er nicht. Wie um ganz mit seinen Gedanken allein su sein, trat er an's andere ffenster und sah auf den Friedhof hinaus. Snurntai Vater! dachte er. Da lebt nun das Kind und ahnt nicht, daß jetzt rst sein Vater gestorben ist; und wie. Wird's auch nie erfahren . . . Wanda wird's erfahren, ging ihm dann durch den Kopf. Wie wird ihr zu Muthe sein! Da waren die Gedanken an Wanda wieder, vor denen er floh, so viel er konnte. Er wand sich, seelisch und körperlich; er kämpfte mit sich. Christel!" rief er nach längerer Stille, ohne seinen Platz zu verlassen. Christine trat zu ihm. Lassen wir jetzt die Todten. Der Toktor hat also noch eine Woche Zeit; da müßt Ihr zusammen sein. Meine Meinung ist. wir fahren noch heut an

die See, nach Swinemünde oder weiter; als Grund sagen wir: Dcinetwegen. Und ich, als Bruder " Es wird auch Dir gut thun, Bruder!" sagte ste und schlang die Arme um ihn. Er machte sich wieder leise los: Seh? wohl. Hoff' es auch. Also verlieren wir nun keine Zeit! Da Fräulein Antonie mit Frau Minnas Wagen hier ist, so trifft stch's ja gut: ist sie mit ihren Besorgungen fertig, so fährst Du mit mir nach Bartelshagen. packst da Deine und meine Sachen, so viel noch da liegt; das ist schnell gefcheben. Ich geh' jetzt nach Crebbin zurück und thu' dort dasselbe. Mit dem Abendzug fahren wir alle drei bier a nach Stettin. Morgen an's Meer . . Da soll's schön werden, lieber gute? Bruder!" ,.Ja, ja!" Wolfgang hatte das Fenster, an dem er stand, geöffnet und hinausgesehen. Eben kommt der Wagen." berichtete er; Fräulein Ohlmann sitzt drin." Wie ein Schreckhafter fuhr Werner zusammen alles, was ilm an BartelsHagen erinnerte, ging ihm so durch die Brust. Also keine Minute verlieren: mach fort!" sagte er hastig, grüßte tan Toktor mit der Hand und ging aus der Thür. Cbristine that, als folgte sie ihm. Sie blieb aber bei der Thür wieder stehen, die geschmeidige Gestalt zu Wolfgang wendend, der eilig herantrat. Ach, wie werd' ich mich freuen," warf sie halbgeflüstert hin, wenn ich Sie Dich erst wieder im Berglostüm seh'; das ist doch ein anderer Mensch!" Wird schon kommen!" erwiderte er heiter. Wenn Tu Frau Toktorin bist!" Aber lieb hab' ich Dich auch so!" setzte ste ihre Rede fort. Bist mein schwarzer Bub!" Wolfgang zog sie an sich, und ihre Lippen vereinigten steh in einem raschen, selig verstohlenen Kuß. 24. Kapitel.

twa eine Stunde später saß 9lWiftWi rntl hir fö'pirtrn iv . . V . v . VV.V...V. ... ihrem Salon; sie nähte. Amanda strickte, was der kleinen Wi!den noch Mühe machte; auf der Tante Verlangen war sie aber eifrig dabei. Es war ihr nur etwas beklommen zu Muth, wegen der Stille, die im Zimmer und im Hause herrschte. Ter Onkel fort, Werner fort; und Tante Wanda schweigsam, versonnen, mit einem gar so ernsten Ausdruck, der dem Kind nicht gefiel: er schüchterte sie ein. Sie hätte aufspringen und durch die ganze Wohnung toben mögen, um einen inneren Kobold los zu werden, und saß nun wie angenagelt da. Tante Wanda." fragte sie endlich, als die neue Mutter" mit den still guten Augen aufblickte, warum hat eigentlich Onkel Werner heut Mittag nicht mit uns gegessen, sondern auf seinem Zimmer?" Kind, wozu zweimal fragen; ich hab' Dir's ja schon gesagt Weil er heut nicht wohl ist." Und er ist doch wohl. Heut Nachmittag ist er mit seiner Gchwester fortgegangen; spazieren, wie er mir gesaqt hat." Spazierengehen ist oft das Beste. was man thun kann, wenn man nicht gesund ist." Spazierengehen?" fragte das Kind und ward nachdenklich. Meine Mutter lag dann immer fest im Bett." Manda erwiderte nichts. Sie sah wieder auf ihre Arbeit nieder. Das Kind dachte weiter. Legst Du Dich dann auch in's Bett, wenn Du nicht gesund bist?" Wanda lächelte; es war aber wieder ein Lächeln, das derKleinen auf diesem angebeteten Gesicht nicht gefiel. Liebes Kind," sagte sie, nachdem sie den Kopf geschüttelt hatte, dann läg' ich heute gewiß!" Tie Worte waren ihr unwillkürlich entfahren; vielleicht, weil das Herz eben wiedcr so ungcberdig schlug. Ihr alter Febler eigentlich der einzige, sie war sonst gesund Unruhe oder Schwäche des Herzens, wenn das Leben sie irgendwie erregte, war in der Nacht mit großer Gewalt über sie gekommen und ließ ste auch heut am Tag nicht los, Ihr bangte immer, ohne einen erkennbaren Grund. Sie erwartete irgend etwas Erschreckendes, und wußte nicht. was. Wenn sie auf dem Hof einen Wagen rollen hörte wie jetzt eben wieder so erzitterte sie, als fahre ein Unglück heran. Diese Schwäche empörte sie: ihrem tapferen Gemüth war sie sonst so fremd. Dazu ein Druck, ein Schmerz hinter ihrer Stirn . . . Amanda hatte aufgehorcht; ibre großen Augen wanderten über Wandas Gesicht und Gestalt. Ja, bist Tu ixirn auch nicht gesund?" Nein, mein kleiner Schatz. Ich red' nur nicht gern davon; das ist langlvcilig. Und den Mund halten ist tapferer." Amanda nickte; das gefiel ihr. Aber was fehlt Tir denn?" Kopfweh hab' ich." Ah!" Das Kind sah Wanda mit einem langen Seitenblick an, mit heimlicher Verwunderung, daß dieser Tante auch etwas fehlen, oder daß ste das bedrucken könne. Sie hatte sie sich vollkommen qedacht . . . Nach einem kurzen Klopfen ward die Thur aufgerissen, die zum Vorzimme führte; Minna rauschte herein, in einem festlichen Seidenkleid, das mit dem unfestlich aufgeregten Gesicht schlecht zusammenstimmte. Sie grüßte

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zuerst nur mit dem Kopf und der Hand; ihre Augen gingen umher, als wolle sie sehen, ob sonst noch jemand da sei. Guten Tag!" sagte sie dann erst. Wanda stand auf. Von der großen Reise b.eirigekehrt?" fragte sie. Bon welcher Reise? Ach ja! Taran dachte ich gar nicht mehr. Jin in einem von Ottos Wagen hergcfahren; meiner ist zur Stadt. Bitte, schick die Kleine hinaus!" Minna fiel nun ein, daß sie doch auch Tante" sei; sie redete die Kleine selber an, ihr ein wenig über das schöne Eoldhaae streichend. Geh, mein liebes Kind. Nimm Deinen Strickstrumpf mit. Bist frisch und munter? Ist recht. Nächstens bring' ich Tir 'nc Puppe mit!"

Amanda verichwand m 8 Vorzimmer. Minna that einen langen Athemzug; dann fächelte sie sich mit ihre. Taschentuch. Wird's denn wieder schwül? Dir hab' ich auch was mu gebracht. Eine Überraschung. D?;t Brief da. Durch einen Deiner Dorfjungen beut an mich gekommen. Bitte, lies ihn! LieS!" Tie auf der Fahrt und bis jetzt un terdüclte Auslegung machte sich nun Luft. Minna stieß ihren Athem laut heraus. Sie hatte der Schwester Werners Brief in die Hand gedrückt; m t ein paar Schritten war ne am Sofa und ließ ihre rundlich weiche Gestalt rückstcbt-los in die Ecke fallen. Wanda setzte sich wieder und las. Sie ward todienbleich. Aus ibren Augen ging das Leben fort; plötzlich erglühend kam es dann wieder. Sie fuhr sich mit der Hand nach dem Herzen, das zu ungleich schlug: bald fast unaufbörlich, bald gar nicht mehr. Nur das Rauschen von Minnas Kleid, die die sonderbaren Laute aus deren Kehle reizten sie, sich mit aller Gewalt zu fassen. Sie las still zu Ende. So viel mechanische Besinnung blieb ihr, den 8rfef, den ihre Hand nicht mehr halten moch:e, seitwärts auf einen Tisch zu leen. Gott. Gott. Gott!" kam ihr dann nur eben hörbar von den Lippen. Nun, wie gefällt Tir dieser Herr?" fragte Minna. Ter so viele Jcks in 'icb vereinigt, wie er eben braucht? Tiefer neue Mensch, den Tu hier gemacht baü ? Ter in Grebbin wie Adam auö der Erde wächst und dann wie sein eigenes Gespenst nach Bartelshagen hinübergeht? Ter heut den Eroberer svielt und moraen so 'nen Brief schreibt? Wie gefällt er Dir?" Warum zeigst Tu mir das?" fragte Wanda nur, mit einem schaudernden Bick auf den Brief. Warum 10) tr oas zetge? Ach, Du denkst wohl gar, ein gewisses weiblicheö Gefühl hätt'mir's verbieten müssen. Nein, meine liebe Wanda, das nicbt! Ich würd' ja ersticken, wenn ich Tir's nicht zeigte. Ja, ja, ich war gestern gut zu ihm! Ich hab' diesen Mann Ergebenheit für's ganze Lcl'cn wär' nickt zu viel dafür! Aber diese Männer wi? wußten ja, wie sie sind. Ich hab's ja gewußt. Dieses undankbare, falsche ' Geschlecht! Es fliegt ste eine Laune an diesmal nach der rothen Kamelk wo ist die rotbe Kamelie? Laßt uns sie doch pflücken. Wegwerfen kann man sie ja jede Stunde wieder . . . Und dieser edle, feine Herr mit den warmen Augen und den weichen Worten. Auf einmal ist einem die Besinnung weg . . . Dann dieser Brief. Ich bin außer mir! Ich bin außer mir!" Sie schlug stch mit der kleinen Faust auf die Brust. Wanda lächelte fast, so grausam sie litt. So kannte sie die Schwester aus tausend Fällen: Minna war immer außer stch; Wanda immer in stch. Sckon das kleine Leid der einen rührte gern die Trommel; auch das aroße der anderen schwiea. Wanda schwieg auch jetzt, die Zähne zusammendrückend. Sie dachte nur: und ich? Minna stand auf, ste hatte in der S?faecke frne Ruhe mehr: Seine ,ritterlichen Gefühle' ... Ich will nicht? mehr von ihm, ich hab' nir's Leben genug! So frei wie der Vogel in der Luft foll er sein: sag ihm das! Er soll sein .neues Leben' nur fortsetzen das nun todt ist, schreibt er gar so todt wird's ja wohl nicht sein! Meine fromme Schwester: d'e unberührbare, die tadellose. Es ist doch was Eigenes mit meiner frommen Schwester: jeder verehrt ste ich auch ich auch aber die Männer kommen dann auch mit andern' männlichen Ge fühlen. So ist mir's mit Dir gegan gen von Juqcnd auf! Ja. ja. ja. von Jugend auf! Tie Männer, die was werth waren, die was taugten, immer stnd ste zwischen uns hin und her geflogen, wie die Schmetterlinge; und kamen sie erst zu mir, so flogen sie dann gewiß zu Dir! Du lächelst so eraaven von wenn iq uoerineoe. War's nicht mit Deinem ersten Bräutigam so? War's nicht mit Hugo Hoffmann so? Er hat Dich nicht irai so verehrt, er hat Dich auch lieb gehabt, das redet mir Niemand aus. Und so manche sonst! Nun kommt dieser Letzte, vielleicht der Beste wenigstens hielt ich dumme, dumme Närrin ihn dafür und sowie er die weiße Kamelie steht, flattert er zu der, zu Tir. Und läßt einen neuen Menschen aus sich machen . . . Behalt' ihn, Tei nen neuen Menschen! Ich will ihn nicht! Ich gönn' ihn Dir! Behalt Dein Geschovf!" Wanda sprang auf. Nimmt Tir die Aufreauna den Verstand?" saate sia streng, empört. Hast Du nicht in dem Brief gelesen, daß ich nichts von ihm habe und nichts von ihm will?"

Wenn Wanda ste so anblickte wie jetzt, war Minna allemal schnell geknickt. Förmlich in stch zusammen-

sinkend, mi' beinahe kindlich zerknirsch tem Ausdruck antwortete ste: Verzeib.Jch red' wohl wieder viel zu viel! Natürlich hab' ich das gelesen: ich lin aber so aufgeregt. Ich bin außer mir. Denk doch, was ich seit gestern erlebt hab' ... Ich bin wahnsinnig aufgeregt!" Wenn Tu weniger aufgeregt bist, wirst Du wiederkommen. Bitte, geb! geh! laß mich jetzt allein! Mir ist so grenzenlos traurig zu Muth. O mein Gott! mem Gott! Was ist uns geschebn!" ..Ja. was ist uns geschehn." wiederholte Minna nachdenkend, weicher, von der Stimmung der Schwester etwas angesteckt. Und ich überschütte Dich noch mit meinen Und wie blaß Tu bist! Ich geh', ich geh'. Ich wollte Tu ja auch nur den Brief bringen, und über den. dr ibn geschrieben hat. orl vernichtende Worte sagen, und dann wieder gehn. 'Aber die alte dumme Leidenschaftlichkeit ... Und dieses entsetzliche Also gib mir den Brief und leb wrM!" Wirst Dich wieder fasten, Minna wie schon oft im Leben " Nie! Ties verwind' ich nie! Warum bin ich nur mitten im Sommer wieder hergekommen. In diesem unseligen, verwünschten Pommern hab' ich nichts cus Herzeleid! Ich will wieder fort!" Thu das" Will dn Herbst in Meran fein! Ten Winte'- in Rom! Will nur noch in Kunst ..nd Natur leben und mir das dumme Herz aus der Brust reißen es bringt mich noch um. Nichts als Leidenschaften, nichts als Täuschungen. Sie ist ja zu schlecht, diese Welt! Wenn das alte, ehrliche Herz Sei Du mir nur gut! Adieu!" Es schien, als wollte ihr einSchluchzen kommen. Sie kämpfte es aber nieder. fuhr nur mit dem Arm, wie abwebrend, durch die Luft. Aus der Thür rauschend lief ste in's Vorzimmer und zu ihrem wartenden Wagen. 25. Kapitel, 'l' ana fah dem Wagen nach, 52 k s er den Hof verließ und hinter der langen Scheune verschwand. Sie schloß dann die Augen. Eine Art von Fassung kam allmälig wieder; oder auch ein dumpfer, balbbewußter Zustand, der dem gequälten Herren dasselbe ist. Sie ging durch die großen Räume bis in ihr Hauorgelzimmer. Tort saß ste vor ihrem Schreibtisch nieder, stützte die Ellenbogen auf und legte das glühende Gesicht in die kalten Hände. Verzeihen Sie," hörte sie nach einer Weile Werners Stimme murmeln; erschreckt, fast entsetzt fuhr ste auf. Er war geräuschlos eingetreten und stand vor ihr, den Hut in der Hand. Nur ein wenig bewegte er die Schultern und den Kopf zum Gruß. Auf sein Gesicht war so viel geschrieben, daß sich fast zugleich mit dem Grauen Mitleid in ihr rührte. Nun erschrak sie aber vor diesem Mitleid; unwillkürlich beugte sie sich zurück und trat zwei Schritte v"n ihm hinwea. verzeihen &t," lagte er noch e:nmal; ich kann nicht ohne Abschied fort. Ihretwegen darf ich's nicht. Außerdem aber es lag mir schwer auf der Brust, ich muß Ihnen fagen, wie es mit dem Mann geendet hat, von dem Sie mir in einer Schicksalsstunde erzählt haben. Ihren Verlobten mein' ich. Amandas Vatcr . ." Sie starrte ihn schweigend an. Er erzählte ihr, was Wolfgang ihm vo einer Stunde berichtet hatte. Wanda hatte mit einem lebhafteren, erregteren Geberdenspiel, als ihr sonst eigen war, zugehört: ihre langen schwarzen Brauen drängten stch zusammen, oder Mitleid und Schmerz zogen ihr die Lippen hinunter; sie blickte auch zum Himmel auf. Zuletzt that sie das noch einmal, und mit fast klangloser Stimme sagte ste langsam: Die Rache ist mein! spricht der Herr. Ich will vergelten." Werner erwiderte nichts. Er wagte nicht mehr, sie anzusehn. Eine Zeitlang war tiefe Stille. Ich hab' Ihnen auch etwas zu fagen," nahm sie dann wieder das Wort; die Stimme zitterte ihr. Meine Schwester war hier. Sie hat mir Ihren Brief gezeigt." Werner fuhr zusammen. Ich hätt' Ihnen alles selber gesaqt," erwiderte er nach einer Weile. Schon darum wär' ich hergekommen. Wenn Sie aber durch Ihre Schwester" Auf einmal verließ ihn all die ertogene Fastung. Er warf sich vor dem Sofa auf die Kniee nieder, warf das Gesicht auf die Polsterung, und brach in unaufhaltsames, krampfhaftes, schüttelndes Weinen aus. Es überraschte Wanda sehr; an diese Möglichkeit hatte sie nicht gedacht. Es war ihr wie ein schauriger Traum, den Mann, der ihr gestern sein Leben, seine Liebe angetragen hatte, so zu sehen und so zu hören. Sie hätte fast laut aufgeweint wie er. Aber ein schreckliches Gefühl drückte ihr die Kehle zu und legte sich ihr um die Brust. Sie lehnte sich gegen die Wand, weil die Sinne sie einmal verlassen wollten. So horchte sie mit halb geschlossenen Augen auf das Schluchzen; es klang ihr wie ein Grabgeläut. Werner ward allmalig stiller; er warf oder wand sich herum, bis sein Hinterkopf auf dem Sofa lag. das Gestcht nach oben, die Augen gegn die

'ecke gekehrt. O wie büß' ich jetzt!" stöhnte er hervor; von Zeit zu Zeit unterbrach ihn noch der aufschluchzende Krampf. O wie hat sich's gerächt! Alles zerstört. Ekel und Verachtung! Dieser Schönheitskultus, in dem ich mich so erhaben fühlte so hoch über den Handwerkerseelen und den Pflichtenmenschen wie hat er sich an mir gerächt! Wie grinst er mich nun an. Ein Teufel. Ein Teufel. Ja, ja, als gab's einen Teufel, der Aesthetik treibt der uns Vorlesungen über das Schöne hält über die Hoheit des Schondenkens, über die Verklärung der Sinne, die Niedrigkeit des Tagewerks über den süßen Imperativ der Freiheit: Du darfst! Da glaubt man dann gen Himmel zu fliegen, und ist eines Teufe Unecht. Das Gift! Das süße, langsame Gist! Das durchtränkt die Seele, das kriecht in jede Faser hinein, das saugt dem Willen das Mark aus. Hatt' ich hier nicht gekämpft wie ein Held? Hatt' ich nicht schon gedacht, ich bin los von ihm? Wie trug mich die Sehnsucht, Ihrer werth zu werden reinste, heiligste Sehnsucht Ihre reine Luft da unten im Abgrund, dacht' ich, liegt der schöne Teufel. Aber vierzehn Tage können nicht vierzehn Jahre tödten. Eine böse Stunde Ihr Nein und da renn' ich hin. Und das eitle, trotzige, lebenshungrige Teufels-Jch Ich verachte mich! Ich verachte mich!" Er schlug sich gegen die Stirn, gegen die Brust. Plötzlich sprang er auf. Aber ich will ein Ende machen! Es gibt ja eins, Gott sei Tank! Dann ist alles aus: Reue, Verzweiflung, Ekel und Verachtung!" Mit ein paar raschen Bewegungen war er bei der Thür. Wanda war heftig erschrocken, aber nicht zu sehr; es war, als hätte ste's kommen sehn. Sie ereilte ihn noch zur rechten Zeit und zog ihn zurück. Mit einer Kraft, die er nicht erwartet hatte, faßte ste seinen linken Arm. drängte ihn gegen eine Stuhl an der Thür und drückte ihn hinein. Tann trat ste auf die Schwelle und streckte beide Arme aus. Ich lasse Sie nicht fort," sagte ste. ..Doch, doch. Ich kann nicht mehr leben. Lassen Sie mich hinaus!" ,,Sie müssen mich mit Gewalt von hier wegreißen. Das werden Sie nicht thun." Frau Wanda! Frau Wanda! Wo.-u soll ich leben? Ich hab' Sie und mich verloren. Was hier noch sitzt, das soll stch aus dem Staube machen. Tann ist alles gut'" Tann ist alles gut!" wiederholte ste schaudernd. Das heißt doch wirklich gottlos reden. Zu was waren Sie denn auf der Welt? Haben Sie denn da nun nichts mehr zu thun? Haben. Sie Ihr Leben nun abgelebt? Sind St? Gott nichts mehr schuldig?" Ich hab' zahlen wollen; alles; redlich. Sie haben mich verlassen und er und nun kann ich nichts mehr. Wer stch so verachtet wie ich, der mutz

aus der Welt!" (Fortsetzung folgt.) Aus der Schule. Lehrer: Wir haben in der vorigen Stunde von Joseph gesprochen. Wer kann mir sagen, wo wir stehen geblieben waren?" M a r i e -chen: Da, wo Joseph auf dem Dache saß." L e h r c r : Aber Kind, wie kommst Tu nur auf diesen sonderbaren Einfall?" M a r i e ch e n : Sie sagten doch, Pharao setzte ihn über sein Haus." (DrmürhUdj. Zuchthausdirektor: Wo kommen denn Sie schon wieder her?" G a u n e r : Eine schöne Empfeh' lung vom Herrn Staatsanwalt!" Vorbokalt. Wie heißt denn Dein Vater?" Mein verstorbener Vater heißt Huber!" Und Dein jetziger?" Die Mutter hat g'sagt: Wenn nix mehr dazwischen kommt, Müller!"

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i Verbreitung der Schwindsucht unter den Bewohnern Amerikas. Einftufz ausnbcndc Faktoren Prozcntsätze der Kranken dc? vcrschiedcncn cschlcI,tcr. Rasscn und Nationalitäten Arbeiter und Arbeiterinnen. Fräulein Lillian Brandt vom Wellesley College, der bekannten FrauenUniversität in Massachusetts, hat stch mehrere Jahre mit dem Studium der Verbreitung der Schwindsucht (Tuberkulose) befaßt und ist dabei unter Anderem zu den nachstehenden Befunden gelangt:' In erster Linie spielen bei der Verbreitung der weißen Pest." wie die Tuberkulose wegen ihrer besonders großen Verheerungen unter der civilisirten kaukasischen Nasse genannt wird, das Alter und Geschlecht eine Rolle, nicht minder natürlich die Wohnungsfrage. Beschäftigung und die Gewöhnheiten der einzelnen Bevölkerungsklassen und Rassen. Im Allgemeinen ist es Thatsache, daß mehr Männer als Frauen an Schwindsucht sterben, und zwar starben, für Amerika berechnet, von allen Kranken 10.7 Prozent Manner und 10.3 Prozent Frauen an Tuberkulose; für Greater New Fork berechnet, beträgt das' Verhältniß 13 Prozent für Männer und nicht ganz 10 Prozent für Frauen. Unter den Verheirateten ist die Todesrate bezüglich fast aller Krankheiten eine höhere als bei Nichtverheiratheten. jedoch weit niedriger als bei verwittweten Personen, wohl aus dem Grunde, weil letztere den Mangel eines geordneten Haushalts und einer geregelten Lebensführung, wie sie die Ehe immerhin bedangt, ungleich schwerer empfinden als Personen, die nie verheirathet waren und den Vorzug eines eigenen wirklichen Heims überhaupt nicht kennen gelernt haben. Tie höchste Todesrate überhaupt findet sich bei Wittwen und Wittwern unter 44 Iahren. Die einzelnen Rassen betreffend, so stnd im Allgemeinen 16.55 Prozent Schwindsuchts-Todesfälle bei Farbigen, gegen 10.05 Prozent bei Weißen zu konstatiren; zu Ersteren gehören auch Chinesen und Japanesen; bei Chinesen spielen der Mangel an gesundheitlicben Einrichtungen und der weitverbreitete Opiumgenuh eine schädigende Rolle. Bei den Negern ist, ebenso wie bei Indianern, der nachtheilige Einfluß der ihnen ganz ohne Uebergang aufgezwungenen Civilisation" mit seinem Gefolge von Alkoholmißbrauch und anderen Anhängseln moderner Kultur" deutlich erkennbar. Unter den Angehörigen der kaukastschen Rasse stellen die Jrländer den größten Prozentsatz zu den Schwindsüchtigen, wobei ihre oft geradezu erschreckende Armuth einen Einfluß ausüben mag. Nach den Jrländern kommen die Böhmen als die unter den Eingewanderten am meisten von Tuberkulose heimgesuchten Bevölkerungstheile. Darnach folgen die Skandinavier in der Reihe der Todeskandidaten" an Schwindsucht. Merkwürdigerweise marschiren Italiener, Russen, Ungarn und Polen trotz ihrer nur zu oft unsauberen Wohnungs- und sonstiger Lebensverhältnisse in Bezug auf Sterblichkeit noch weit hinter den Angehörigen der germanischen und keltischen Rasse. In Bezug auf den Beruf zeigt die Statistik, daß Maurer-Arbeiter und Steinhauer die größte Todesrate habcn (Steinhauerlunge") und daß Bankiers und Bankbeamte gerade sechs Mal soviel Chance haben, gesund zu bleiben und ein hohes Alter zu erreichen, als Handwerker. In ähnlichem, wenn auch geringerem Maße leiden die Gipser und Polsterer, Schreiner und Zinngießer, Kappen- und Hutmacher. Schlechte Luft im Arbeitsraume und andere ungesunde Verhältnisse bedeuten für Schriftsetzer und Buchdrucker gleichfalls eine Herabsetzung der Lebensdauer in einem Maße, daß diese Berufe an vierter Stelle in Bezug auf hohen Prozentsatz an Schwindsuchtserkrankung und Tod stehen. Auch Dienstboten und Musiker sind in Bezug auf Disposition zur Tuberkulose un günstig gestellt, insofern auch ste in schlechter Luft die meiste Zeit zu verbringen beruflich gezwungen stnd. Unter den weiblichen Angestellten und Arbeitern kommen nach den Dienstboten als nächst ungünstige Berufe in Bezug auf Schwindsucht die Telephon- und Telegraphen-Beamtin-nen, dann Cigarren- und Tabakarbeiterinnen, Näherinnen, Lehrerinnen. Wäscherinnen und Krankenwärterinnen und dann die Arbeiterinnen in Kunstblumen- und Kartonfabriken; am besten gestellt in Bezug auf gesundheitliche Verhältnisse sind die Jnhaberinnen von Boardinghäusern und Hotels. . Prunkvolles Hochzeitskleid. Prächtige Feste wurden jüngst in Konstantinopcl im Jildizpalast gefeiert, als stch die Tochter des Sultans mit dem Sohn des Justizministers. Abdurrahman Pascha, verheiratbete. Das Kleid der Braut hatte die Kleinigkeit von 10.000 türkischen Pfund (etwa 845.000) gekostet. Es war ganz und gar mit Perlen bestickt und wurde im Schloß selbst von zwei Schneiderinnen angefertigt, die ständig von einem Offizier und zwei Soldaten überwacht wurden.

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