Indiana Tribüne, Volume 28, Number 212, Indianapolis, Marion County, 29 April 1905 — Page 5
Jndiana Tribüne, 29. April 1905.
5
Aberglaube in der Krankenstube. Von Tr. Erich cthge (Würzburg). Es erben sich Gesetz und Rechte wie eine ewige Krankheit fort," sagtGoethe. Kein Uebel besitzt eine andauerndere Vererbungsfähigkeit als der Aberglaube, und kaum auf einem anderen Gebiet hat er sich in gleicher Stärke erhalten als in der volksthümlichen Krankheitsbehandlung. Hier herrschen trotz aller Aufklärung noch immer irrige Vorstellungen längst vergangener Zeiten bis zu den unsinnigsten Aeußerungen des krassesten Aberglaubens in Hülle und Fülle. Selbst der, der sonst über abergläubische Anschauungen überlegen lächelt und überlebte Vortheile abgestreift hat, wird in der Krankenstube schwankend, kleinmüthig und nachgiebig, unterwirft sich den zweckwidrigsten Ueberlieferungen aus dunkler Vorzeit und den verschwommenen Rathschlägen runzeliger Müt terchen, greift nach diesem oder jenem wunderkräftigen Hausmittel oder läßt sogar die absonderlichsten Prozeduren abergläubischer Abgeschmacktheit willig über sich ergehen. Zwar nicht unmittelbar vom wirklichen Aberglauben beeinflußt, aber doch nach veralteten, aus der unklar befangenen Vergangenheit stammenden Grundsätzen gehandhabt wird noch heute vielfach das Regime der allgemeinen Krankenpflege. Noch immer wehrt man voll übertriebener Aengstlichkeit in zahlreichen Krankenstuben der frischen Luft den Zutritt aus Furcht vor Zug und Erkältung. Es ist dies zum Zheil eine unbewußte Erinnerung aus dem späten Mittelalter, wo man die Luft als Träger von Krankheitsfluiden und Miasmen sorgsam absperren zu müssen glaubte. Und doch ist die frische, reine Luft, wenn schon für den Gesunden, so noch mehr für den Kranken ein wahres Lebenselerir. Selbstverständlich soll der Kranke nicht einem schädlichen, unmäßig starken Zug aus gesetzt werden. Aber es gibt eine ganze Reihe von einfachen Hausmitteln, die eine vortreffliche Lüftung der Krankenstube ermöglichen, ohne daß der Kranke unter dem Zugwind im geringsten zu leiden hat. Am vorteilhaftesten wird die Krankenstube dadurch gelüftet, daß man den oberen Flügel eines- Fensters öffnet. Die Luft unter der Decke eines jeden Zimmers ist stets die wärmste und am meisten verbrauchte. Bei geöffnetem oberen Fensterflügel fließt aber sie gerade in erster Linie ab. Ist die Außenluft kühler, so bringt die Oeffnung eines oberen Flügels noch das Gute mit sich, daß die hereinströmende frische Luft, während sie zu Boden sinkt, allmählich die Temperatur der Zimmerluft annimmt, so daß eine plötzliche Abkühlung des Kranken ausgeschlossen ist. Ist aus irgend einem Grunde eine derartige Lüftung der Krankenstube unmöglich, so kann man sich so helfen, daß man ein Fenster im Nebenzimmer aufmacht und zugleich die Verbindungsthür zwischen beiden Räumen entsprechend weit öffnet. Wenn auch dieses unthunlich ist, so steht noch immer ein dritter Weg offen. Man hat dann ein Fenster der Krankenstube und außerdem ein solches, das dem Krankenstubenfenster gegenüberliegt, in dem Nebenraum zu öffnen. Aber wenn die Thür zwischen beiden geschlössen bleibt, entsteht doch eine stärkere Luftströmung von Fenster zu Fenster. Gegen den unmittelbaren Zug ist der Kranke durch eine spanische Wand oder einen leicht anbringbaren Vorhang zu schützen. Im Winter kann man außerdem Kopf und Brust mit einer leichten Decke während der Zeit der Lüftung bedecken. Nie soll sich der unangenehme Krankenstubengeruch bemerkbar machen. Daher ist die eine oder andere Art der Lüftung wenigstens dreimal am Tage auszuführen, bei Krankheiten aber, die von lästigen Ausdünstungen begleitet sind, ist sie noch öfters zu wiederholen. Auch das Licht wird noch häufig vom Krankenzimmer fern gehalten. Wenn die Augen überempfindlich sind, oder der Kranken schlafen soll, ist ja ein Halbdunkel zweckmäßig, sonst aber ist für ihn ein heller, von Sonnenlicht durchleuchteter Raum entschieden zuträglicher. Man braucht gar nicht die direkte Einwirkung des Sonnenlichtes in Anschlag zu bringen, schon der belebende Einfluß, den das Sonnenlicht auf den Geist und die Gemüthsstimmung ausübt, ist von größtem Werth. Ein Kranker, der stetig in einem lichtarmen halbdunkeln Zimmer weilen muß, dünkt sich in einem Käfig zu sein, während ihn die goldenen, hereinfluthenden Sonnenstrahlen aus seiner Haft loslösen, ihn mit der Außenwelt in Verbindung fetzen und ihn mit Lebensmuth und Hoffnungsfreudigkeit erfüllen. Eine gefestigte, zuversichtliche Seelenstimmunc; ist aber nicht diij nebensächlichste Heilmittel zur Wiedergewinnung der Gesundheit. Sobald die Kräftigung genügend weit vorgeschritten ist, soll man deshalb auch dem Genesenden die Wohlthat verschaffen, am Fenster oder an einem sonst geeigneten Plätzchen ein Stündchen im milden Sonnenschein behaglich zuzubringen. Ebenso huldigt man noch hinsichtlich der Krankenstubentemperatur vielfach veralteten Anschauungen. Die meisten Krankenstuben werden im Winter überheizt. Für die große Mehrzahl der Kranken reicht, wenn sie im Bett liegen, die die gewöhnliche Zimmertemperatur von 15 Grad R. vollkommen aus. Eine allgemeine Regel für die
Temperatur laßt sich allerdings nicht angeben, da die Art der Krankheit und der Körperzustand des Kranken in dem Einzelfalle bestimmend mitsprechen, aber eine niedrigere Temperatur ist noch immer vortheilhafter als eine unmäßige Ueberhitzung. Bei einigen Krankheiten, beispielsweise beim Scharlach, sind je 'nach der Höhe des Fiebers bereits 12 bis 14 Grad R. genügend, und beim Typhus soll man sogar auf 12 bis 13 Grad R. herabgehen. Um im Sommer einer Ueberhitzung des Krankenzimmers entgegenten Tüchern in der nähe des Bettes empfehlenswerth. Die verdunstende Feuchtigkeit entzieht der Luft Wärme, so daß die Temperatur in der UmgeVung des Kranken sinkt. Bei der Behandlung der Krankheiten ist das Festkleben an ehedem gültigen Vorstellungen und Heilmethoden noch um vieles verbreiteter. Noch immer begegnet man dem Glauben, daß eiternde Geschwüre, Flechten und Hautkrankheiten dem Körper schlechte Stoffe entziehen, ihr Fortbestand daher nützlich, ihre Beseitigung aber schädlich sei, da sich dann der Krankheitsstoff nach einer anderen Körperstelle hinziehe. Diese Ansicht ist ein Vermächtnis der alten Humoralpathologie, die in einer falschen Mischung der Säfte den Ursprung der Krankheiten suchte. Sie stammt noch aus jener Zeit, wo ein monatlicher Aderlaß zur vorbeugenden Gesundheitspflege und zugleich zum guten Ton gehörte. Jedes länger bestehende, auch nicht gerade ernstliche Leiden schwächt den Körper, untergräbt feine Widerstandsfähigkeit und erböht auf der anderen Seite feine Empfänglichkeit für die Erwerbung von Krankheiten. Von einer Schädigung durch das Vertreiben eines Leidens, wie man sich ausdrückt, kann nicht die Rede sein. Das Auftreten einer Krankheit ist, abgesehen von den Fällen, wo besonders Krankheitserreger mitwirken, ausschließlich an die örtliche Beschaffenheit der einzelnen Organe gebunden. Wird eine Krankheit an einer bestimmten Stelle ur Heilung gebracht, so kann sie sich daher auch nicht auf einen anderen Theil, der gesund und normal ist, schlagen, wie man zu sagen Pflegt, sondern es hat sich dann eben hier ein anderer, unabhängiger Krankheitsprozeß entwickelt. Leiden irgendwelcher Art soll man daher nicht hinziehen, sondern möglichst schnell zu beseitigen suchen. Ferner spukt noch in zahlreichen Hausmitteln der Glaube früherer Jahrhunderte. Wenn man gegen Lungenstechen Brennesselthee trinkt oder gegen ein Steinleiden Steinbrechabkochungen gebraucht, so ist dieses nichts anderes als ein Nachklang aus den Tagen des Paracelsus, als man meinte, den Pflanzen seien vom Schöpfer Kennzeichen oder Signaturen gegeben, aus denen ihre Wirksamkeit für die verschiedenen Krankheitsformen errathen werden könnte. Damals, in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, verordnete der studirte Aerzt. Disteln, weil sie stechen, gegen Hüftweh, die Lungenflechte odec das isländische Moos wegen der gelappten Gestalt der blattähnlichen Theile gegen Lungenleiden, das Leberkraut wegen der leberförmigen Blätter gegen Leberkrankheiten, das Schöllkraut wegen des gelben Saftes gegen Gelbsucht und den Natterkopf wegen der züngelnden Form seines Blüthenkopfes gegenSchlangenbisse. Die erwähnte Verwendung von Brennesseln gegen Lungenstechen, nur weil sie brennen, oder Steinbrechabkochungen gegen Steinleiden, weil sich die Pflanze mit Kalkausschwitzungen bedeckt, läuft auf denselben Gedanken hinaus und ist genau so werthlos wie der Gebrauch des Natterkopfes gegen Schlangenbisse. Eine erkleckliche Anzahl volksthümlicker vermeintlicher Heilmittel ist in Wirklichkeit ebenso bedeutungslos. Der Aberglaube in nacktester Gestalt mag nur mit einigen wenigen Worten gestreift werden. Im bayerisehen Hochlande gilt das Tragen einer rothen Siegellackstange als ein anerkanntes Heilmittel gegen die Gesichtsrose, während röthliche Gesteinsarten, wie Blutstein, Blutungen stillen sollen. Geweihte Hostien werden in OstPreußen als erprobte Gegenmittel gegen Krämpfe erachtet. Für das sicherste Mittel hält der Masure den Abendmahlswein. Wird er ihm von seinem evangelischen Seelsorger verweigert, dann sucht er den katholischen Pfarrer auf. Aber auch, der umgekehrte Fall kommt vor. In vielen Theilen Deutschlands kehrt der Glaube wieder, daß eine Krankheit auf einen Todten übertragen werden kann, der sie dann mit in das Grab nimmt. Zu diesem Zweck beißt man in Schwaben und Schlesien die Leiche in die große Zehe. Oder man berührt wenigst?ns die Leiche oder das TodtenHemd, wodurch dann das Leiden ebenfalls auf den Verstorbenen übergeht. In Oldenburg bestreicht man das Gesteht der Leiche, am besten dasjenige eines unschuldigen Kindes, mit der Hand, darauf den erkrankten Körpertheil und glaubt nur des Erfolges sicher sein zu können. In das Gebiet des Aberglaubens endlich gehört auch die noch allenthalben auftauchende Vorstellung, daß gewisse Thiere bestimmte Krankheiten anziehen. Eine auf das Herz gelegte Spinne nimmt das Fieber in sich auf, eine im Zimmer gehaltene Lachtaube zieht die Gicht.der Kreuzschnabel die Schwindsucht, die Katze den Rheumatismus an. Alle diese uno ähnliche Bräuche beruhen auf
einer gänzlichen Verkennunq der Ent
stehung und des Wesens der Krankheiten, und ein jeder einsichtsvolle Mensch sollte darum bestrebt sein, sich von diesen Widersinnigkeiten loszureitzen und freizuhalten. " Wenn der Aberglaube in der Krankenstube auch nicht immer unmittelbar schadet, so verzögert er doch mindestens die Heilung. Niemals kann aber gegen einen Krankheitsprozeß der Kampf früh genug aufgenommen werwerden, denn hier vor allem gilt das Wort: Doppelt gibt, wer schnell gibt." i Eine alte Jungfer. AuS dem Italienischen von Tr. Hans Liesal. Man hatte uns gesagt, daß sie sehr tüchtig in Strickereiarbeiten sei. Es kostete nicht geringe Mühe, das Häuc--chen im Labyrinth der engen Gätzchen aufzufinden. Ueber eine Schneckenstiege, die uns schwindelig machte, kamen wir zur Thüre, an der eine Karte mit ihrem säuberlich geschriebenen Namen angebracht war. Wir hatten gedacht, eine Arbeiterin zu finden, aber die Alte, die uns öffnete, war trotz des sehr bescheidenen Anzuges so ganz Dame" vom Scheitel bis zur Sohle, daß wir uns unwillkürlich respektvoll verbeugten. Ihr Heim war winzig: eine Puppenwohnung, aber die Behausung einer armen Puppe, denn die ledernen Persönchen, mit Wachsgesichtern, den großen Glasaugen und den echten" Haaren, die im Leben unserer Kinder von heute eine so große Rolle spielen, wohnen ja in verzauberten Palästen mit den kostbarsten Möbeln. Hier aber war alles ärmlich, wenn auch nett. Eine winzige Küche, mit Küchengeräthen en niiniatnre, wie für einen Zwerghaushalt, aber blitzend vor Sauberkeit. Das Empfangszimmer, ein zwischen zwei Holzwänden geschaffener Winkel, wies ein kleines Kanapee, zwei Stühle und ein Tischchen auf, alles bedeckt mit zierlich gehäkelten Teckchcn, die mitleidig alle Mängel des Stoffes und des wurmstichigen Holzes verschleierten. An den Wänden, auf selbstgemachten Etageren eine Menge von Nichtigkeiten, über die man hätte lächeln mögen, wenn sie nicht so deutlich das Bestreben verrathen hätten, mit dem denkbar geringsten Kostenaufwand den Raum für sich und die anderen so anheimelnd als möglich zu gestalten. Während meine Freundin ihr die sÄwierige Arbeit erklärte und sie ihr mit müdem Lächeln der fatblosen Lippen zuhörte, traf mich, lind wie eine Liebkosung, der zarte Duft von Veilchen, ein Frühlingshauch an diesem kalttrüben Wintertag. Ich suchte nach dem Ursprung dieses Duftes und entdeckte auf einer kleinen Wanvetagere ein zierliches Väschen mit den herrlichsten Veilchen der Riviera. Dahinter hrnc in künstlerischem Rahmen ein Daguerreotyp, doch konnte ich nicht erkennen, was es darstellte. O. welch herrliche Veilchen!" rief ich bewundernd. Wie bekommen Sie dieselben?" Sie erhdb den Kopf und ein fast jugendliches Erröthen färbte die eingesunkenen Wangen. Sie kommen von Genua; ein dortiger Blumenhändler sendet sie mir das ganze Jahr hindurch," antwortete sie mit einem gewissen Stolz. Und da wir unsere Ueberraschung dock gar zu schlecht zu verbergen vermochten, fügte sie erklärend bei: Sie kosten ja ziemlich viel, aber bis jetzt vermochte ich immer noch genug zu verdienen." Nun trieb uns die Neugierde, das kleine Bild näher zu betrachten. Es stellte einen schönen, jungen Offizier in einer fremdartigen Uniform dar. Sie war hinzugetreten und hatte ihre Hand wie liebkosend darüber gleiten lassen. Es ist die Uniform eines österreichischen Regiments." erklärte sie uns, und dann mit tiefer, feierlicher Stimme: Er ist todt!" Und ohne daß wir sie weiter fragten, erzählte sie uns ohne Thränen, die lc.'.igst vrsigt war:n, ohne Zorn und Stofj, die sie nie gekannt hatte, die Geschichte ihrer Liebe, nie all ihren schmerz und oll ihr Glück ausmachte. Auch sie war einmal schön und jung gewesen. In bescheidenem Wohlstande verlebte sie ihre Jugend mit den lebhaften Brüdern und dem guten, ein wenig bärbeißigen Vatcr, ohne große Wünsche und Leidenschaften in der gefunden, ein bißchen langweiligen Monotonie einer Provinzstadt. Aber das politische Gewitter, das im Jahre 1848 zum Ausbruch kam, hatte auch ein anderes in ihrem Mädchenherzen hervorgerufen; ein Atom in der Großartigkeit der damaligen Ereignisse, aber genügend, ein Herz zu brechen, ein Dasein zu zerstören! Warum hatten sie sich geliebt, da doch alles sie trennen sollte? Sie waren sich vor Ausbruch der Revolution oft in einem befreundeten Hause begegnet und während viele sei-' ner Kameraden, die sich gar zu sehr als Sieger im besiegten Lande gaben, eben als nothwendiges Uebel ertragen wurden, hatte er sich durch seine Liebenswürdigkeit und sein feines Taktgefühl die Achtung uno die Sympathie Aller erworben. Dies war vielleicht auch der erste Anstoß zu der schwärmenschen Verehrung des jungen Mädchens. Wir liebten uns," sagte uns die
Alte mit einer Wärme, die deutlich erkennen ließ, daß ihre Liebe heute noch so lebendig war als am ersten Tage. Sie wissen es wohl auch, die Liebe ist stärker als Vaterlandsliebe und Nationalsiolz, aber mem Vater war ein glühender Patriot, er hätte mich eher getödtet. als einem Feind des Vateilendes gelassen." Meine Freundin fuhr auf: Aber das ist Egoismus, Ungerechtigkeit... Ihr Äater hatte kein Recht Sie schüttelte mit mildem Lächeln das greise Haupt. Liebes Fräulein, zu meiner Zeit sprachen die jungenMädchen noch nicht von ihren Rechten, der Wille deo Vaters war Gesetz, gegen das es keinAuflehnen gab." Sie konnten warten, bis Sie großjährig wären . . ." Es wäre für meinen Vater der aroßte Schmerz seines Lebens, vielleicht seinTod gewesen; mir blieb seine andere Wahl, als zu entsagen." rnd er?" Ihre abgemagerte Hand machte eine leichte Bewegung, die alles sagte, was die Lippen verschiviegen. Er blieb bei Solferino,'' flüsterte sie dann, mit einem Blick voll Stolz auf das Bild. Er starb den Heldentod mit meinem Namen auf den Lippen. Seine Mutter sandte mir später sein oild, um seinen letzten Willen zu erfüllen." Sie stand vor uns, erhaben in der Würde ihres Schmerzes, majestätisch ragte sie empor aus den Ruinen der Vergangenheit, aus der die Vision des blutigen Schlachtfeldes auftauchte, wo die armen Knochen bleichten. In ihrem deinen Stübchen sitzt sie Tag für Tag, die mageren Finger emsig regend, unter denen die weichen Tücher, die hübschen Deckchen entstehen und sich vergrößern. Die Brüder, die in guten Stellunacn überall zerstreut sind, haben ihr sckon alle ein Heim geboten, aber sie will allein bleiben, allein mit der Erinnerung .... Die Nachbarweibcr mit dem praktischen Sinn des Volkes lächeln spöttisch uno mitleidig, wenn jede Woche der kleine Karton kommt, in welchem sorgfältig verpackt die dunklen, duftenden Veilchen liegen, ihr Tribut an den Todten. Arbeiten, um zu leben, das lassen wir uns gefallen," meinen sie, aber sich für so ein Hirngespinnst abplagen..." und sie niesen vielsagend die Achseln über die alte Jungfer. Die aber läßt die lieben Nachbarinnen schwätzen und lebt still weiter in dem Traum ihrer Jugend, so eine größere, ungetrübtere Glückseligkeit genießend, als das wäre Leben, die Wirtlichkeit ihr je hätten bieten können.
upfer und Kreide. - (&& ist merkwürdig, daß ein so wichtiges Metall und eine so unentbehrliche Stewart nach zwei Mittelmeerinseln heißen: nach dem der Aphrodite gehetligten Eiland Cypern und dem schon im Neuen Testament und jetzt wieder durch die Streisucht seiner Bewohner berufenen Kreta. Beide Gegenstände haben ihre Namen von den betriebsamen Phöniziern erhalten, die jene beiden Inseln zuerst in den Kreis des Handelsinteresses gezogen haben. Direkt zu thun mit einander haben übrigens diese Gegenstände eigentlich nichts; immerhin ist schon mancher Mann in die Kreide gerathen, wenn er durch zu fleißige Huldigung vor dem Gotte Bacchus seinen Gesichtserker kupfern gefärbt hatte. Schon in Viktor Scheffel's Sauricrballade" aber wird mit nachdrücklicher Warnung festgestellt, daß es .natürlich vorbei" ist. wenn man zu tief in die Kreide" geräth. Schülermttnd Ein Wiener Gymnasiallehrer veröffentlicht eine Anzahl komischer Ausfprüche aus Schülermund: Ueber Winterfreuden" urtheilt ein Schüler: Nur der Greis sitzt hinter dem Ofen, raucht seine Pfeife und schaut öfter um die Ecke, ob der Tod noch nicht kommt. So hat jeder Mensch sein eigenes Vergnügen." Auf die Frage des Pädagogen, warum steigt das Quecksilber in die Höhe, wenn man das Thermometer in warmes Wasser bringt, antWörter ein Schüler mit stolzer Sicherheit: weil's ihm unten zu heiß wird." Zu bewundern ist ferner die Ansicht eines Gymnasiasten, der da sagt: Cäsar war ein stattlicher Mann, vom Kopf bis zur Zehe, welchen Eindruck wir schon aus der stattlichen Büste im Schulsaale gewinnen." Eine ganz köstliche Satzconstruktion liefert ein Schüler bei derBeschreibung eines Brandes: Zuletzt fuhren die Spritzen wea, mit dem Bewußtsein, eine edle That vollbracht zu haben." Eine böhereTochter" schildert in Lohengrin" die bekannte Frage Elsa's an den Gralritter: Nachdem Elsa dem Lohengrin drei Tage und drei Nächte etwas vorgeweint hatte, fragte sie ihn. welchen Geschlechts er sei." Ein Gymnasiast läßt Wallenstein's Generäle sich im Bräuhause zu Pilsen versammeln", während einem anderen als Tortur vorkommt, was die Mönche am Kopfscheitel tragen (Tonfür); ein anderer Politiker" theilte Ungarn statt in Komitate in lauter Comubinate" ein etc. Scherzfrage. Welches ist die passendste Grabschrift für einen Straßenkehrer? Antwort: Er kehrt r. .wieder."
Eine ??orschunaLrkts
nach Neu-Guinea, die auf 2XÜ Jahre berechnet ist, wird der Engländer Pratt in Begleitung seiner beiden Söhne unternchmcn, nachdem er eben erst von einer zweijährigen Fahrt zurückgekehrt ist, auf der er namentlich das Gebiet des Owen-Stanley - Gebirges im britischen Theil der Insel erkundet hat. Der Ausgang des neuen Unternehmens erfolgt von Batavia. Nach Vereinbarung mit der holländischen Regierung wirdPratt zuvor die südlich von NeuGuinea gelegene Gruppe der Aru-Jn-seln besuchen, die von Europäern noch kaum betreten worden ist. Pratt würde sich auf Guinea sofort ins Innere der großen Insel begeben, um dort die Carl-Ludwigs - Kette, ein das Land in ostwestlicher Richtung durchziehendes Schneegebirge, das noch nie zuvor von einem Weißen besucht worden ist, möglichst bis zum höchsten Punkt zu besteigen. Es werden werthvolle geographische Ergebnisse erwartet, auch eine Karte soll angefertigt werden, jedoch wird die Hauptarbeit in der Anläge naturwissenschaftlicher Sammlungen bestehen. Vor Kurzem reiste von Ceylon mit Erlaubniß der englischen Regierung Robert Rogers, einer der wenigen Buren, die bis heute die Gefangenschaft dem Treueide vorgezogen hatten, der von ihnen verlangt wurde, nach Holland ab. Rogers war mit Gencral Prinsloe gefangen worden und mit Commandant Roux zusammen in Ceylon eingetroffen. Seine Gefangenfchaft hat 4 Jahre gedauert. Auch jetzt noch bleibt ihm sein Vaterland verschlossen, denn er hat den Eid der Treue zu König Edward immer noch nicht geschworen. Damit er nicht von Holland aus die Heimath erreicht, sind die Behörden in Südafrika von seiner Abreise nach Holland und über seine Person genau informirt worden. In Ceylon bleibt nur noch ein Bur als Gefangener zurück, der wahrscheinlich keine Zufluchtsstätte finden kann und es doch nicht über sich gewinnt, dem Könige Edward Treue zu schwören. Der Mann heißt Engelbrecht und ist ein Freistaatler. Augenblicklich ist er auf der Insel Ceylon in Hambantota internirt. Als er vor Kurzem gefragt wurde, warum er nicht endlich den Treueid leiste, erwiderte er: Ich kenne mich und weiß, daß ich dem Könige niemals treu sein konnte. Weshalb sollte ich aus mir einen falschen Menschen machen?" Eine unliebsame U n terbrechung hat plötzlich die Wanderschaft des Gastwirths Calver Marcella. aus Hull in England genommen, der eine Wette geschlossen hatte, daß er 5000 (englische) Meilen in 200 Tagen marschieren rserde. In Ponderand traf ihn dieser Tage ein Mißgeschick. Sein Hund, der ihn begleitet, sprang unter eme Rotte Knaben und biß einen von ihnen ins Bein. Marcella sollte dafür eine Strafe zahlen, hatte aber das ieto nian und wurde deshalb m at genommen. Vor den Magistratsbcamten geführt, bat er beweglich, ihn ziehen zu lassen. Er habe bereits 4500 Beeilen seiner Tour glücklich zurückgelegt und habe nur noch 30 Tage, um die fehlenden 500 Meile , zu vollenden. Andnfalls verlöre er die gewetteten $5000. Sein vierfüßiger Begleiter sei ihm von Lord Lonsdale zur Reise geschenkt worden. Die Knaben hätten das Thier schwer gereizt. Er wolle gern später bezahlen, jetzt habe er kein Geld. Er dürfe, den Bedingungen der Wette zufolge, kein Geld bei stch führen, dürfe auch weder borgen, betteln noch stehlen, ebensowenig von Hause stch etwas schicken lassen. Seine Vorstellungen halfen ihm nichts. Der Richter sah keinen Ausweg für ihn aus dem Dilemma, bedauerte den armen Mann fehr, ließ ihn aber wieder in die Zelle abführen. Wenn ihm nicht ein freiwilliger Wohlthäter zu Hilfe kommt, geht seine Wette in letzter Stunde verloren. Eine Spaziergängerin fand kürzlich in einer Londoner Straße eine Brieftasche. In dieser lag u. a. ein geschlossenes adressirtes Schreiben. In dem Glauben, dieses fei vielleicht eilig, wollte ste es schon in den Briefkästen stecken, besann stch aber und gab alles auf der Polizei ab. Damit hat sie eine fürchterliche Unthat verhüten helfen. Die Sache eilte in der That sehr, wie stch herausstellte, als die Beamten das Schreiben geöffnet hatten. In ihm theilte ein junger Kaufmann, Namens Box, feiner in Reading wohnenden Mutter mit, dafy er die Absicht habe, sein Weib und Kind zu ermorden. Es galt nun, keine Minute zu verlieren. Es war schon spät Abends, die Familie Box, deren Adresse die Tetektives ermittelt hatten, war schon zu Bett gegangen, die Lichter waren erloschen. Die Polizei klopfte die Leute heraus. Box selbst kam an die Thür, im höchsten Grade verstört. Er wurde sofort in Haft genommen. Er vermuthete den Brief noch in seinem Ueberzieher. Er habe ihn nicht abgeschickt, weil er sich sein Vorhaben noch einmal habe überlegen wollen. Seine Frau wurde nunmehr benachrichtigt: ein junges Weib von achtzehn Jahren. Ihr Entsetzen kann man sich denken. Sie besann sich jetzt, daß ihr Gatte vor dem Schlafengehen sein Rasirmesser aus dem Kasten geholt und, darüber von ihr interpellirt, erklärt habe, er wolle nur sehen, ob es noch scharf genug fei. Box wurde vorläufig zur Beobachtung seines Geisteszustandes in eine Anstalt gebracht.
Wölfc in 5stprcutzen. Ueber die rafche Zunahme von Wol fen in Ostpreußen berichtet der Weidmann". Zur dtulnhing ist die Wolfsplage vergangener Zeiten geschildert. R dem großen Kriege von 1812 erfolgte eine ganz bedeutende Einwand?rung von Wölfen in Teutschland. In gewallten Scharen begleiteten sie die aus Rußland zurückfluthe.iden Trümmer der Napoleonischen großen Armee und überschwemmten ganz Deutschland bis zum Rhein hin. In Ostpreußen. Posen. Pommern, in einigen Fcrsten des sächsischen Erzgebirges. des Harzes und des Rheinlandes roarenren die dem Blute und den Leichen felgcndcn Wolfrdel in großen Massen zusammengerottet und hielten sich dortselbst auch viele Jahre. Gewaltig; Anstrengungen der Forstbeamtcn, bcsondere Maßregeln der Regierungen. Polizeijagdcn, das Verwenden von Netzen und Tüchern, das Anlegen großartiger Fanggruben, das Ausbictcn beträchtlicher Geldpreise, alle dich zum Theil reckt tostspicligen Maßnahmen waren erforderlich, um der Plage Einhalt zu thun. Seit den 1860, Jahren hat die Plage beträchtlich abgenommen, und wenn auck ab und zu immer noch ein Wolf erlegt wurde, sc geschah es doch immerhin von Jahr zu Jahr seltener. Erst seit etwa zehn Jahren ist der Zuzug von starkem Raubzeug aus russischen Gebieten wieder lebhafter und vor allem auch regelmäßige? geworden. SelbstverständUck ist der Grund in erster Linie dem jetzigen erfreulichen Anwacksen der Wild, stände zu verdanken. Denn das gesummt? Heer der unlautern WettbeWerber bevorzugt stets Gegenden, die ihm viele Freude bieten und verschmähi Gefilde, in denen der Tifch knapp gedeckt ist. Aber die Zustände im Innern Rußlands sind wohl ebenfalls dafür maßgebend. Zunächst ist eser Angriff, der jetzt in großem Maßstab auf die Waldoeftände gemacht wird, Die Ströme und die in letzter Zeit besser gewordenen Landverbindungcn und Eisenbahnen gewährleisten eine besserVerwendung des Holzes, das im Westen jetzt im Preis steigt und den Rupfen bessere Holzmärkte eröffnet. Dann aber wird auch die Jagd in Rußland heutzutage von wettern Kreisen der Bevölkerung betrieben, und in beträgtlicher Zahl kommen auch auswärtige Jäger dorthin, um sich an der Ausbeute zu betheiligen, die in andern Ländern wohl oft für höher gehalten wird, als sie in Virklichkeit ist. Die Jagdkommandos hc russischen Armee, die Unternehmer, welche russische Bä-ren-und Wolfsreviere industriell ausbeuten, hyben in den letzten Jahrzchnten ebenfalls in jenen Wäldern mehr Unruhe hervorgerufen als ehemals. Wie die Zeitungen melden, sind auch jetzt wieder Wölfe in Ostpreußen eingewandert, die besonders in den Oberförstereien Jura, Wischwill und Schmalleningken den Rehen argen Abbruch gethan haben. Bekanntlich, sind auch in der Rominter Heide in den letzten Jahren mehrfach Wölfe gewesen. Bei dem so besonders hohen Werth der dortigen Wildbahn wird ihnen natürlich ganz besonders eifrig nachgestellt. Leider entkommen trotz aller Wachsamkeit und allen Fleißes der Forsibeamten doch immer einige der fremden Eindringlinge.was bei dem so ausnehmend dichten Bestände der cstpreutzischen Wälder und bei dem jetzt chronischen Mangel an Sckmee zum Einkreisen wohl leicbt erklärlich ist. Zu Ansang Februar sind abermals Wölfe cingewandert. Und zwar ist es dieses Mal ein ganzes Rudel. In der Grafschaft Sorquitten machten sich Beweise der Anwesenheit von fünf Wölfen an dem starken und gut gehaltenen Wildnand unangenehm bemerkbar. Bei der Jagd gelang es leider nur zwei der grauen Unholde zu erlegen, während die drei andern entkamen. Einige Tage später sind nun allerdings weiter in Masuren drei Wölfe aewefen, die nicht nur gespürt, sondern auch gesehen worden sind. Auch in einer andern Gegend, bei Krualanken, ist der Einzug von Wölfen festgestellt. Sie haben eine Menge Rehe zerrissen und sind auch schließlich eingekreist worden. Nzch der Zeitungsnachricht soll bei der darauffolgenden Jagd aber nur einer von ihnen zur Strecke gekommen sein.
??on kcy Se5zkir, Direktor: Sie. Knauseöein, weil Sie sich gerade für die Rolle des Othello vorbereiten, könnten Sie mir auch gleich meine Stiefel wichsen!" Konsequenz. Siehst Tu, Eduard, hätten wir nur noch ein zweites Dienstmädchen aenommen... eben sollte mir Mina zehn Mark leihen und hat selber nur fünf!-
! - - I ' - m
