Indiana Tribüne, Volume 28, Number 211, Indianapolis, Marion County, 28 April 1905 — Page 7

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Jndiana Tribüne, 28. April 190.

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?cucrblumcn ! C i . o tlonian von 6 Ndolf Wi'.brandt Ö0SO30 1 0 Ci Ci; O o I O OSs0 (Fortsetzung.) Werner nickte vor sich hin. Ich glaub' auch, ich sagte Dir damals so etwas" v ich nicht eher den Alpenmann gern hätte; ja, Tu Hast's geahnt! Ich qina nun also wie ein XthtnbiRebus herum: was soll aus mir werden: Ta, schon am nächsten Tag, Bmmt sein zweiter Brief. Reiner Sonnenschein! Ueber Nacht sei ihm das Glück gekommen; ach, er schreibt das alles so süß; mußt es selber lesen! Man biet' ihm eine sehr gute, einträgliche Stellung im Hochgebirg an; in demselben Möllthal, aber weiter unten; aber doch noch in seiner Welt. Tenn ein Alpendoktor zu werdm. dazu fühl' er sich nun doch einmal mit Haut und Haar, mit Leib und Seele geschaffen! Und ihm sage eine freche Stimme in seinem Herzen nein, nicht frech, aber selig verwegen daß es mir eigentlich ebenso gehe: als süßer Kamerad eines Alpendoktors zu leben hab' mich Gott berufen! Dann erschrickt er aber wieder über diesen Uebermuth; wird zweifelsücktig und bang zum Erbarmen, fällt in alle Zustände . . . Sollst es wirklich lesen! Und je mehr er in diese Zustände fällt das war mir so merkwürdig, Werner desto mehr tauch' ich heraus. Nein, nein, denk' ich, es ist ja wahr. Ja, ja, ja, mein Alpenherz. Schon in Heiligenblut hab' ich's ja gefühlt. Und ich hab' endlich laut gesagt: Lieber Bub, sei ruhig. Du bist ja mein schwarzer Bub! Und ich werd' noch Dein Kamerad!" Ueber das bleiche Gesicht des Bruders ging ein erstes, mattes Lächeln. Also das ist die Lösung! So steht's!" Ja, Werner, so steht's! Aber ich hab' Dir ja noch mehr zu sagen; ich komm' ja von Stettin. Ich setzte mich am nächsten Tag also hin und schrieb ihm auch einen Brief; nicht ganz hoffnungslos, kannst Du Dir wohl denken; er hat ihn aber in Heiligenblut gar nicht mehr gekriegt. Denn wie ich gestern, als Frau Minna fort war, mit Antonie Ohlmann in Stettin auf dem Bahnhof stehe, um nach Swinemünde zu fahren, wer stößt da plötzlich eine Art von Schrei aus und tritt vor mich hin? Er! Wolfgang Dietl! Im ersten Augenblick mir so furchtbar fremd, ich kann's gar nicht sagen: als moderner Kulturmensch, im steifen Hemd, mit dem Stehkragen; denk Dir, sogar im schwarzen Rock! Ich kriegt' einen doppelten Schreck: daß er da war, und daß er eigentlich nicht da war. Ich war ganz verblüfft! Wie kommen Sie hierher? fängt er eben an, auch nicht schlecht verblüfft; im selben Augenblick frag' ich auch: wie kommen Sie yierher? Ich will nach Bartelshagen, sagt er. Was wollen Sie da? Ihren Bruder besuchen, und Sie! Ich werd' feuerroth. In Bartelshagen können Sie uns nicht besuchen, lächle und stammele ich dann, denn da sind wir nicht; und in Grebbin, wo wir jetzt zu Gast sind, wohl auch nicht, denn wie ginge das? Das weiß ich nicht. Nun, dann weiß ich's einstweilen auch nicht! sagt er mit einem prachtvollen Lächeln in seinem blassen Gesicht; aber Sie sehn, Gott hilft mir ja. Ich soll 'hier auf dem Bahnhof zwei stunden warten und will eben fluchen; da entdeck' ich Ihren Hut und Sie!" Hm! Jedenfalls einschneidiger - Ja, so sind die Schwarzen!" rief Christine mit drolliger Begeisterung aus. Und die Oesterreicher! die Alpinisten!" setzte sie hinzu. Ich mach' ihn endlich aufmerksam, daß da noch eine Dame steht, die zu mir gehört; jetzt erkennt er sie erst. Ich erzähl' ihm dann geschwind, um ihn aufzuheitern qan vor Antonie den Mund halten, das konnt' ich nicht erzähl' ihm von dem Brief, den ich ihm geschrieben hab', der nun wohl in Heiligenblut liegt. Jetzt schaut er mich an aber wie! und fängt an, in meinen Augen zu lesen. Ich sucht' ihm den Inhalt meines Briefes mit meinen Au gen zu sagen; ich glaub', er hat ihn auch aanz verstanden! So nach und nach kriegte er ein Lächeln; dann aber auch über das ganze Gesicht! Als er darauf hört, wo w:r hin wollen biet ben Sie doch hier! sagt er. Was wol len Sie am Meer? Das Meer ist so flach wie meine Hand. Das ist nichts als lana und breit. Jeder Berg in den Alpen, auf dem man tüchtig herum kraxeln kann, ist mehr werth als ein O'.ean! Antonie Ohlmann er rötbete, offenbar darüber, daß niesn solchen Unsinn reden kann; sie machte ihr gebildetes, bedeutendes Gesicht. Sie ist ja aber ,inngut,' wie Frau Wanda sagt; als sie erst begriffen hatte, wie die Sache stand, da war sie auf einmal auch dafür, in Stettin zu Metten, und wir blieben da! Im Hotel haben wir uns dann allein gesprochen, der Doktor und ich: Antonie sah sich nc einmal den Qafen an. Ich hab's nicht ausgehalten, sagte er. ich mußte Sie sehn! Mußt' mir selber mein Schicksal holen, und wie es auch ist! Für meine " M Zukunft ist gelorgk. wie ico ynen schrieb. Wollen Sie. so nehm' ich's an: sonst nicht. Ich bin ein ungedul diger Mensch, will alles erkraxeln. das

muß ich zugeben. Ich lass' Ihnen gar

eine Ruh'. Aber ich hab' auch keine!" Chriftinens Auaen blitzten den Bruder an; dann schaute sie vor sich nieder. Na, und das sah ich dann ja ein," setzte sie hinzu. Und Ihr seid nun einig, murmelte Werner nach einer Weile. Ja, wir sind wohl so Ziemlich emig, Bruder. Ich glaub', ich hab' meine Bestimmung gesunden, Bruder." Werner lachte kurz aus. Des glaub' ich auch! Die Bestimmung ist eben der Mann!" AS nein, saa das nicht. Mich nützlich machen! das war ja mein Traum. So wie Frau Wanda. das kann ich nicht; ich bin nur ein dummes Kind. Aber etwas thun! wo das Herz dabei ist! Die Frau eines Tottorö im Geblrg, bei so viel armen unr unwissenden xuien, o, die kann was thun. Und mein Alpenherz. Werner. Ich schäm' mich nur vor dem andecn so sehr, vor dem Huzo Hoffmann. Wie hab' ich den nun getuiazt . . . Was der von mir denken wird! Und Du; mit diesem blassen, immer noch finstern Gesicht. Was denkst Du von mir? Werachtest Du mich?" Närrin!" sazte er und strich ihr über das Haar. Das klingt schon etwas beruhigend. Sag Tu's ihm, Werner; ich brächt's mcht heraus. Sag ihm den Herrn Hoffmann mein' ichich wär halt nicht sehr gescheit, hätt' wie im Traum gelebt; gemeint hätt' ich's gut... Ach. Du wirst's schon sage.i; wirst ihm das alles psychologisch auseinandersetzen. Willst Du's thun, Bruder .' Willst Du mir's zuliebe thun? Ich bitt' Dich gar schön!" Bieuem)t; ja, ja, stieß er yeraus und stand auf. Und ich geb' Dir meinen Segen, zu allem. Und n'.'n thu mir auch eine Liebe und laß mich allein!" Christine blickte ihn mit erschrockenen Augen an. Ja, willst Tu ihn denn 2d&i sehn?" Wen?" iWolfgang Dietl. Ich wollt' Dich bitten, mit hinzugehn " Großer Gott! wohin?" Ach, fahr nicht so auf; sei nicht bös. In das Städtle da an unserm Babnhof; da haben wir ihn untergebracht. Ein ganz netter Gasthof. dem sogenannten Stadtpark gegenüber, sagt Antonie. Er muß Dich doch sprechen! Und er und ich; denk doch. Bruder. Er kann doch nicht auf zwei, drei Stunden kommen und dann wie ein Raubmörder nach Heiligenblut zurück! Da ich aber dachte: nach Grebbin soll er nicht, denn wie müßt' das auffallen" Ich soll mit Dir in die Stadt?" Chrisline hängte sich schüchtern an ihn, sie begriff seine Verstörtheit nicht: Ist Dir das so schrecklich? Cin Spaziergang, dackt' ich. Wir sch.endern miteinander hin. dreiviertel Stunden Wegs; treffen ihn in seinem Gasthof, wo uns Niemand kennt" Wann?" fiel er ihr in's Wort. Jetzt? Sie nickte. Jent! Du weißt nicht, was Du sprichst!" Wieso weiß ich nicht " Ja, ja, ja. Tu weißt," verbesserte er sich mit einer jähen Handbewegu 7 g. Aber laß mich jetzt. Es gibt Stunmungen Gemüthsverfassungen in denen man schon das Aeußerste thut, wenn man nicht um sich schlägt!" Werner!" Sei ruhig; ich schlag' nicht um mich. Aber ich hab' schon das Uebermenschliche gethan, indem ich Dir so lange Ich muß ihn sehn! ihn sprechen! Ja. ja! Vielleicht Nachmittags. Jetzt bin ich lächerlich nervös. Hab' Geduld, bis ich mich melde. Christel!" Er küßte sie rasch, hefng, aber nicht auf den Mund, mn auf die Schläfe. Tann trat er zur. 0. und nun geh! nun geh!" Christine ließ den Kops sinken und ging. Werner sah sich zu feiner Freude allein. Er starrte mit einem unnnnigen Lächeln umher; dann versuchte er, was er vorhin schon einmal versucht hatte, sich zu einer Thätigkeit zu entschließen, seinen Koffer für die Abreise zu packen. Es war aber eine übermächtige Unruhe in ihm. die ihn immer wieder zwang, nach seinem Schreibtisch hinzublicken, wo auf d?r Mappe schon ein Briefbogen lag, die eingetauchte Feder daneben; das Tintenfaß stand geöffnet da. Nur der Wille fehlte. Jede Minute dackte er: ich muß schreiben! und nie hatte ihm so vor dem Schreiben gegraut. Er seufzte, daß es ihn schüttelte. Zwischen dem Koffer und dem Schreibtisch stand er wte verloren da . . . Wie war es möglich! Gott, wie war es möglich!" sprach er vor sich bin. Endlich saß er doch am Tisch. Die innere Qual zu ührirrnben, die zu brennend würd?, tauchte er die $co:r wieder ein. dachte sich m Frau M'nna hinüber, die nun auch wohl in tiefen Gedanken saß. und schrieb: Liebe Ich weiß nicht, wie ick Sie anreden soll. So fängt mein Elend schon an. Wüßt' ich, wie es enden wird? Es ist vielleicht die schwerste Stunde meines ganzen Leben, daß ich hier sitze und versuche. Ihnen auszusprechcn. was eigentlich unaussprechbar ist. Nach den zärtlichen Stunden gestern Ihnen heut zu sagen: ich Nein, so kann ich's nicht. Sie haben mir auf der Reise vom Süden hierher erzählt, daß Sie eigentlich schon einen andern lieb hatten, als der Ver-

lobte Ihrer Schwester Sie so leidenschaftlich aufregte. Das eine Gefübl ward von dem andern niedergedrückt, aber nicht erstickt ... Ich glaube, dergleichen ist häufiger, als die Menschen annehmen; bestehen wir doch aus so rersct.ie denen Sinnen- und SeelenZräften. die alle gleichzeitig leben oder nach Leben rincem 5um Lebeil erwachen. In mir wollte jetzt das fühl' ich. das weiß ich nun eine lange unterdrückte Kraft wollte in mir empor! Es war nicht sogenannte Neiaung, Verliebtheit, was mich zu Ihrer Schwester zog, als ich sie kennen lernte: es war der geHeime Wille dieser Kraft, es war eine organische Notkwendigkeit ja, lassen Sie mich diese Worte brauchen, so entsetzlich gelehrt sie auch klingen. Sie sollen Ihnen nur deutlich machen, wenn es möglich ist, daß es ganz etwas andres war, was ich für Frau Wanda fühlte, als was ich für Sie empfand. So begann es wenigstens; wär' es so geblieben! Ich will Sie ja nicht täuschen; es blieb nicht so. Eine unwiderstehliche Macht gab mich neuen Gefühlen hin. Ich ward ein andrer Mensch; in so wunderbar kurzer Zeit. Der Mann, den Sie in Heiligenblut kennen lernten, der ist in Grebbin gestorben. Er hat dann noch einen Todtenritt gemacht, zu Ihnen. Bürgers ,Leonore.' Sie glaubten, er sei noch lebendig. Ich hab's auch geglaubt . . . Jedes Wort muß Sie blutig verletzen, das ich schreibe. Ich Unglücklicher, was soll ich thun? Ich wollte zuerst, in der Verzweiflung, lügen, aber ich kann es nicht. Ich wollte hinüberreiten, Ihnen mein Herz noch einmal zu Füßen legen. Ihnen sagen:

wohin wollen Sie gehn? Dahin geh ich mit! Aber ich sah dann wohl, daß das alles unmöglich ist. Nein, mich lieber von Ihnen verachten lassen, als vor Ihnen lügen. Ich will Ihnen auch das noch gestehn: ich hatte gestrebt, Frau Wanda für's Leben zu gewinnen. Sie hat nicht gewollt. Sie hat nichts gewollt, als was gut und rein ist. Und da erwachte der Schatten des Mannes von Heiligenblut . . . Was ist nun das Ende? Daß ich Sie Beide verloren habe. Und daß mein neues Leben todt ist, wie in der Geburt erstickt: und das alte ein Spuk, ein Gespenst. Ich könnte Ihnen noch sagen, Frau Minna: meinen Sie nun Rechte an mich zu haben, rufen Sie meine ritterlichen Gefühle an, so bin ich bereit, zu sagen: gebieten Sie über mich! Aber es ist schon ein Wahnsinn des Pflichtgefühls, das nur hinzuschreiben. Ihr Frauenstolz, Ihr Menschenstolz Verachten Sie mich! Ich muß es tragen. Ich bin nach Grebbin zurückgekehrt, um nicht durch plötzliches Verschwinden aufzufallen so gern ich einfach in die Erde versunken wäre; damit der aute Name meiner edlen Gastfreundin unantastbar bleibt, muß ich den Kelch bis zu Ende trinken. Ich nehme hier heut Nachmittag Abschied und fahre mit meiner Schwester an's Meer, da sie es noch nicht gesehen hat; von dort aus können wir dann wohl unter irgend einem guten Vorwand von Ihnen schriftlichen Abschied nehmen. O vergeben Sie! Nein, verge ben Sie nicht. Ich habe kein Recht. Sie darum zu bitten. Es ist aus alles aus. Geh' es Ihnen gut!" 23. K a p i i e l. s war Nachmittaq. die Sonne sank schon tief. In Wolfgang Dietls Zimer in dem kleinen Gasthof standen Werner und Ehnstme mit dem iunaen Doktor am Fenster, nachdem sie um den Sofatisch dieses Nachspiel der Heiligenbluter Tage bei prochen, sich geeinigt hatten Sie sahen aus das Städtchen hinaus das sich nach rechts zum Bahnhof hin zog; grade vor ihnen lag der Stadt park," eine kleine, aber baumreiche An läge, die, wie es im Norden nicht selten ist, unmittelbar an den Friedhof grenzte. Alte und neue Grabkreuze leuchteten dort marmorweiß aus dem Schatten der Gebüsche hervor; gleich nebenan standen die grünen Bänke der Lebendigen, wo me Erwachsenen plau derten und die Kinder spielten. LinZ vom Sidtpark war noch ein offener Blick in's Land, aber von waldigen oder korntragenden Hügeln vielfach unterbrochen. Die Häuser von Grebbin und Bartelshagen, obwohl nicht fern, waren nicht zu sehn: Tesckenbera vollends lag hinter einer Reihe von Erdwellen verborgen. So ein Land gefällt Ihnen natürlich nicht." sagte Werner lächelnd. Er war wieder der wohlgekleidete, wohlgePflegte Mann; ein leichter, feiner Dust umgab ihn. Um seine noch mattgefärbten Augen dunkelten freilich breite Ringe; sie konnten aber wieder Heiterkeit heucheln, die verlorene Selbstbeherrschung war zurückgewonnen. Es ist eine erstaunliche Macht in der Gewohnheit feiner Formen, in dem ästhetischen Bedürfniß, dem Auge und Ohr der Menschen angenehm zu sein. Wie es inwendig auch stürmen oder wurlen mag. der äußere Mensch weiß sich bald zu fassen; oder er muß vielmehr, veredelte Gefühle zwingen ihn. Werner empfand diesen Segen jetzt; es war. wie wenn der ihn aufrecht hielte. Ihn hielt freilich auch die Herzensgüte, die ja auch zur Gewohnheit" wird. Er sah die Beiden, denen das junge Glück aus den Auaen. von den Wanaen lachte, und dachte in seiner verfinster- ' ten Seele: ick kann auck nock Kelten Z

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Um nun noch eine Nebensache in's

Reine zu bringen." nahm er wieder das Wort: Christine muß und wird mir gestatten, daß ich einen Theil meines Vermögens auf sie übertrage. Mk bleibt dann immer noch mehr als genug. Werner?" rief Christine und umschlang den Bruder mit einem Arm. da er am Fenster neben ihr stand. Er machte sich sanft und langsam los. "Nur keinen Dank," sagte er mit vivi'Ärm 0äv.;m cv r - js. . . . m.iivni uuiiii. ,11 UIlCIll loiaCI, err ' vi iyuu a-ui ru i?eieivigeno: Aber mir muffen Sie schon erlauben," fing nun Wolfgang an, daß ich Ihnen wenigstens ganz im Allgemeinen danke. Sie haben meine Herzensergüsse und alles, was an Verlieöten so langivellig ist, mit rührender Geduld angehört; obgleich Sie nicht wohl sind, leioer; man sieht's Ihnen ja an. Man steht, wie Ihre Nerven heimlich und auch sichtbar zucken. Sie haben aber doch verstanden, wie es in uns aussieht; Sie haben zugestimmt, daß Ihre Schwester mir Horfnuna macht" Meine Schwester ist mündig!" unterbrach ihn Werner. Er setzte aber sogleich hinzu: Nein, nein, ich glaub' aber auch, sie hat recht. In Ihnen ist ein ehrliches, unverdorbenes Herz, darauf will ich schwören. Die Wärme strahlt ja nur so von Ihnen aus. Und dann haben Sie das, was ich selbst nicht habe, aber an andern vielleicht darum so liebe: diese muskelstarke Seele, diesen festen Willen, der an jedem Felsen im Leben hinaufkraxelt!" Wolfgang nahm Werners Hand und drückte sie lächelnd: Verzeihen Sie. dafür muß ich Ihnen einen Augenblick durch eine lästige Berührung auf die Nerven gehn! Daß Sie mit solcher Anerkennung von meinem Kraxeln sprechen" Nur vom seelischen!" fiel Werner ihm in's Wort. Es schmeickelt aber doch auch dem fter und sah auf den Friedhof hinaus. Amandas Vater! dachte er. Da lebt nun das Kind und ahnt nicht, daß jetzt Mt sein Vater gestorben ist; und wie. Wird's auch nie erfahren . . . Wanda wird's erfahren, ging ihm dann durch den Kopf. Wie wird ihr zu Vcuthe sein! Da waren die Gedanken an Wanda wieder, vor denen er floh, so viel er konnte. Er wand sich, seelisch und körperlich; er kämpfte mit stch. Christel!" rief er nach längerer Stille, ohne seinen Platz zu verlassen. Christine trat zu ihm. Lassen wir jetzt die Todten. Der Doktor hat also noch eine Woche Zeit; da müßt Ihr zusammen sein. Meine Meinung ist. wir fahren noch heut an die See, nach Swinemünde oder weiter; als Grund sagen wir: Deinetwegen. Und ich, als Bruder " Es wird auch Dir gut thun, Bruder!" sagte sie und schlang die Arme um ilm. fcL Fortsetzung folgt.) SiMgrs Verlangen. Zahnarzt (der noch keine Praxis hat, ärgerlich zum Gläubiger): Wenn Sie nun schon einmal jeden Tag die Rechnung vorzeigen müssen, dann kommen Sie doch wenigstens mit verbundenem Kopf . . . damit die Leute Sie für einen Patienten halten!" T h e u r e s Bein. In New York sprach kürzlich eine Jury einem 13 Jahre alten Knaben Namens Charles Ernst $12,500 Schadenersatz zu für den Verlust eines Beines, welche Summe die Terry Contracting & Trucking Co. in New York zu bezahlen hat. Der Knabe war im Juli 1904, während er auf einem Bicycle fuhr, von einem Waqen der genannten Gesellschaft überfahren worden. Im ersten Prozesse hatten die Geschworenen dem Knaben $7500 zugesprochen, aber das Verdikt wurde umgestoßen und ein neuer Prozeß angeordnet, der damit endete, daß der im ersten Prozeß dem Knaben zugesprochene Schadenersatz nahezu verdoppelt wurde. Die grünen Londoner. Die Londoner Modc-iarbe für bicfc Saison ist für Herren grün in allen seinen Schattirungen. In allen Läden sieht mau grüneTuche, grüne Flanelle, grüne Hüte und Milheit und selbst den bekannten Bowler" in grüner svarbe ausgestellt. Die la-.ielle sind dunkelgrün mit feegrünen 3'trci fen. Auch Hemden und fragen sind mtsprechend, imd grüne Socken tragen hellgrüne Flecken. Nur die Schuhe scheinen nicht grün werden zu sollen. Eiiie englische Zeitung erklärt, die Herren seien der schwarten, graiien und dunkeln Farben überdrüssig ge worden. Die Westen strahlen in einer Farbenpracht, die noch im vorigen abre als filrchtbar gewöhnlich" be zeichnet worden wäre. Wenn die Londoner Schneider ibren Willen durch' setzen, werden in diesem Sommer die schlanren Manner, da auch die (rngHerzigkeit der Kleidungsstücke Mode wird, wie grün angestrichene Later nenpfähle imd die korpulenten Herren wie etwas zu stark gerathene Kohl kopie aussehen. Als erste Tame wurde an de. Universität Heidelberg Frl. Anus Martba Uaiiuegießer aus Varmer zum Tr. med. promoviert. Im ver gangenen Jabre hat die junge Tam: dort die ärztliche Staatsprüfung mit bestem Erfolge abgelegt. .

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Italims neuer Premier. Kenntmtzreicher Jurist und erfahrenerStaatS mann Seine Politik. Ter neue italienische Premierminister Alessandro Fortis wurde 1842 zu For'.i in der Romagna geboren. Er studirte die Rechte und schloß sich der republikanischen Partei an. Bald gehörte er als gewandter, schlagfertiger

SSJ Alessandro Forlis. Redner und kenntnitzreicher Jurist zu den gesuchtesten Vertheidigern. Im Jahre 1880 wurde er in die Deputirtenkammer gewählt, wo er zunächst aus der äußersten Linken seinen Platz nahm. Im ersten Kabinett Crispi übernahm Fortis 1887 das Unterstaatösekretariat des Inneren; 1890 nahm er seine Entlassung. Während des zweiten Kabinetts Crispi war er der Leiter der ministeriellen Mehrheit. Er stand an der Spitze der unabhängigen Linken, als er 1898 vom Genera! Pellour mit dem Portefeuille des Handels und Ackerbaus betraut wurde. In diesem Amt hat Fortis den Handelsvertrag mit Frankreich vom Februar 1899 zustande gebracht. Im Mai 1899 schied er wieder aus dem Kabinett Pelloux aus. Bei seinem Debüt als Premierminister im Parlament dieser Tage erklärte Fortis, daß er ein neues politisches Programm nicht zu unterbreiten habe, da er die vom Land bereits gutgeheißene Politik fortführen werde. Chicagos Bürgcrmcistcrivahl. 2er Sieg der Bewegung für Municipal Qwncrsdip." Die Wahl des Richters Edward F. Dünne zum Mayor von Chicago, der zweitgrößten Stadt des Landes, ist ein bedeutsamer Sieg der in neuerer Zeit immer stärker werdenden Bewegung für Municipal Ownership." Alle Parteigrenzen waren bei der Wahl verwischt. Für den Demokraten Dünne, der seit Langem schon die Uebernahn.e der öffentlichen Verkehrsund sonstigen Anstalten in städtischen Besitz und städtische Regie mit aller Kraft befürwortet hatte und jetzt auf Grund einer Plattform kandidirte, die ihn zum sofortigen Vorgehen m der gedachten Richtung verpflichtet, stimmten, außer Parteigenossen des Richters, auch Republikaner und andere Partei angehörige. Er ging aus dem Wahlkämpfe mit einer Mehrheit von 24,248 Stimmen hervor, und noch nie hat ein Bürgermeister-Kandidat in der Gartenstadt" ein so großes Votum auf sich vereinigt als Dünne. Von den 322,373 abgegebenen Stimmen entfielen allein 161,669 auf den Rico ter; 137,411 Stimmen empfing sein republikanischer Gegenkandidat Harlan, 20,323 Stimmen der Sozialist Collins und 2980 der Prohibitionist Stewart. Zunächst wird man in Edward F. Dünne. Chicago mit der Uebernahme der Straßenbahnen in städtische Verwal tuna beainnen. Edward F. Dünne wurde 1853 in Waterville, Conn., geboren. Seine Eltern verzogen 1834 mit dem Knaben nach Peoria, Jll., und sandten ihn, als er 16 Jahre zählte, behufs seiner Ausbildung nach Dublin, Schottland. Er graduirte am dortigen Trinity College und kam 1876 nach Chicago, wo er die Rechte studirte und 1878 zur Barre zugelassen ward. Dünne übte mit großem Erfolge die AnwaltsPraxis aus, wurde 1892 zum Kreisrichte? gewählt und 1897. sowie 1903 als solcher wiedererwählt.

Allerlei für's HauS.

BehandlungderZimmerpflanzen. Um das Abfallen der Blumenknospen, namentlich an Kämelien, Granaten u. s. w., zu verhüten, müssen die Sträucher bei Heller Witterung, selbst während des Winters im Zimmer oder im Gewächshause, hier aber mit lauem, sonst kaltem Wasser, überspritzt werden. Dieses Wasser ersetzt den wohlthätigen Thau, der diesen Pflanzen unentbehrlich ist und aus Mangel denen gewöhnlich die Knospen abfallen und die Pfanzen selbst leiden. Zur Reinigung goldener und silberner Schmucksachen empfielt sich nachstehendes Verfahren: In einer aus warmem Wasser, Seife und Salmiakgeist bestehenden Lauge bürste man die Gegenstände mittels einer Silberbürste aus, spüle in Wasser nach und trockne sie mit altem Leinen. Zur Erhöhung des Feuers überreibt man darauf die vorhandenenEdelsteine mit einem in Spiritus angefeuchteten Lederlappen und polirt die Schmuckstücke mit dem trockenen Putzleder nach. Bei glatten Goldfachen verwendet man nach dem Reinigungsbade eine Kleinigkeit bester Pomade oder pulvliistrter Kreide. Das Ergebniß ist durchaus zufriedenstellend und dürfte selbst einem Fachmanne Ehre machen. Farben aus der Wäsche zu entfernen. Um mit Buchdruckfärbe oder Druckerschwärzeauf LeinenWäsche gedruckte Schrift oder Zeichnung zu entfernen, muß man die farbigen Stellen mit Terpentinöl oder Benzin stark befeuchten und die Schwärze herausreiben, eventuell muß dies mehrere Male geschehen. Schließlich wäscht man die Leinwand in Seifenwasser gut aus. Wenn die Vordruckfarbe bei Monogrammen und dergleichen aus der Wäsche beim gewöhnlichen Waschen nicht herausgeht, so kann man dieselbe mit starkem Alkobol und Aether entfernen, welche Stoffe die Anilinfarbe lösen; Oelfarben entfernt man mit Benzin. Das Reinigen der Borst e n p i n s e l. Pinsel lassen sich leicht reinigen, wenn dies gleich, nachdem man sie gebraucht hat. geschieht, schwerer ist es, wenn dieFarbe in ihnen angetrocknet oder eingetrocknet ist und die Borsten eine harte Masse bilden. Pinsel, die zur Oelmalerei oder zum Anstreichen mit Oelfarbe gebraucht wurden, spült man am besten mit etwas Terpentinöl aus und wäscht sie nachher mit guter Scbmier- oder Marseille? - Seife und lauwarmem Wasser so lange, als dieses noch gefärbt erscheint. Heißes Wasser ist zu vermeiden, da es die Borsten angreift. Gereinigte Pinsel sind stets mit den Borsten nach oben in ein passendes Gefäß, Vase oder Tops, zu stellen, damit die Borsten völlig austrocknen können und ihre Form behalten. Pinsel, deren Borsten nach dem Waschen auseinander streben, feuchte man gut an und umwickele sie mit nasser Watte. Nach dem Trocknen bewahren sie die gegebene Forin. Auf gleiche Weise wie Oelfarbenpinsel werden die Pinsel gereinigt, die man zu Porzellan- und Glasmalerei benutzt. Den Glanz auf Stoffen zieht man mit einem sehr heißen Plätteisen ab. Man verfährt dabei folgendermaßen: Auf die glänzende Stelle wird ein feuchtes Tuch gelegt, über welches man einiqe Male schnell mit dem Plätteisen fahrt; doch darf dabei das Tuch nicht ganz austrocknen. Dann nimmt man dieses weg und klopft, während der Stoff dampft, diesen mit einer reinen Bürste so lange, bis das Dampfen aufhört. FrostrisseundFrostspalten treten meistens nur bei Kirschbäumen auf unv umfassenRinde und Hclz. Sie entstehen nur bei großer Kälte, in der Regel in der Nacht, indem der Stamm mit starkem Knall, oft bis auf das Mark aufspringt. Dieses Aufspringen beruht darauf, daß stch der äußere, der Kälte am meisten ausgesetzte Theil des Stammes unter der Einwirkung der ungewöhnlich starken Abkühlung stärker zusammenzieht als der Kern desselben, so daß die Spannung schließlich zu groß wird. Da sich das Holz mit Eintritt wärmerer Witterung ausdehnt, so schlieht sich die Stelle vorübergehend wieder theilweise, jedoch nie so vollständig, daß das Holz und die bloßgelegte Rinde gegen die die Witterungseinflüsse geschützt sind. Holz und Rinde werden daher morsch, und es tritt leicht Stammfäule ein. Um dies zu verhüten, müssen Holz und Rinde möglichst bald geschützt werden durch Bestreichen mitBaumwachs, Oelfärbe und Theer. Der Zuckergast. Ein kleines Insekt, das wenig beachtet wird und doch empfindlichen Schaden anrichten kann, ist der Zuckergast, gewöhnlich Silberfischchen genannt. Das sehr kleine, silberweiße, beschuppte Thierchen wird meist nur beim Oeffnen alter, lange nicht benutzter Bücher angetroffen, ist aber auch in Vorrathsschränken, in Resten von Mehl und zuckerhaltigen Stoffen zu finden. Besonders gerne macht sich das Insekt an Samenvorräthe und manch werthvoller Same wird von ihm ausgehöhlt. Da das äußerst scheue Thierchen nur Nachts auf Raub ausgeht, weiß man oft nicht, wodurch der Schaden verursacht ist. Um werthvolle Sämereien zu schützen, soll man für diese nur fest schließende Blechbehälter benutzen. Der Zuckergast ist durch gutes Insektenpulver zu vernichten.

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