Indiana Tribüne, Volume 28, Number 210, Indianapolis, Marion County, 27 April 1905 — Page 6

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Iur rechten jcü Autoristt?te Uebersetzung aus dem Schwedifchcn von Lydia Clfon. Schnell und unvorbereitet hatte bei schwere Schlag Ernst Werner getrofsen. Nie während ihrer zwölfjährigen Ehe hatte seine Elsa einen Tag länger im Bett gelegen, als durchaus nothwendig war, zur Zeit, da die vier Kleinen zur Welt gekommen waren. Die Möglichkeit, daß sie ernstlich krank werden könnte, war ihm nie in den Sinn gekommen. Sie war beim Arzt gewesen, und dieser hatte die Nothwendigkeit einer unaufschiebbarenOperation festgestellt, wenn die Aussichten auf ihre Rettung erhalten werden sollten. Wollte sie sich dem nicht unterziehen, so war ihr der Tod in kurzer Zeit gewiß. Sonnabend Mittag war sie nach der Klinik gefahren. Nun war es Sonntag Abend. Mina hatte die Kinder soeben zu Bett gebracht. Ernst warf sich traurig und müde in einen Schaukelstuhl und zündete sich eine Cigarre an. Dieser Sonntag war ein langer, unangenehmer Tag für ihn gewesen, so ganz anders wie all die früheren, die Elsa mit geringen Mitteln für ihn und die Kinder stets so angenehm zu machen wußte. Und dazu quälte ihn fortwährend der beunruhigende Gedanke, daß die Operation mißglücken, daß Elsa sterben könnte. Der Herr ist wohl so gut, und gibt mir das Geld für die Milch. Die gnädige Frau Pflegte jeden Montag Morgen zu bezahlen. Das Geld liegt in einer Schachtel im linken Schreibtischfach. Der Schlüssel ist im Schlüsselkorb." Mina wartete, währenddem er den rechten Schlüssel suchte und das Geld herausnahm. Daneben lag auch ein kleines Buch, und als das Mädchen das Zimmer verlassen hatte, blickte er hinein und las auf der ersten Seite: Tagebuch". Es war die Handschrift seiner Frau. Er begann zu lesen: Den 18. Januar 1889. Es ist keineswegs meine Absicht, jeden Tag Buch zu führen über mein so gleichmäßig verlaufendes Alltagsleben. Aber es giebt Ereignisse, Stimmungen und Tage, die man vielleicht, wenn man alt und grau geworden ist, gern noch einmal in der Erinnerung durchlebt, und dann ist es angenehm, ein paar Aufzeichnungen aus oergangenen Tagen" zu besitzen. Das war heute ein bedeutsamerTag. Ich habe einen Heirathsantrag bekommen und abgewiesen. Ich bin seit vier Monaten in Stockholm, um einen Handarbeitskursus durchzumachen, denn ich will Handarbeitslehrerin werden. In meiner Pension nimmt Doktor Allvar Lange seine Mahlzeiten ein. Wir pflegten uns über alles möglich? zu unterhalten: über Theater, Kunst, Bazillen, ja sogar über Hühneraugen. Bald merkte ich, daß der im Allgemeinen ernste und wortkarge Mann in meiner Gesellschaft gleichsam aufthaute. Ohne Einleitung begann er: Sie würden sich außerordentlich gut zu der Frau eines Arztes eignen mit Ihrem praktischen Sinn, immer gleich die rechte Stelle zu finden, wo Hilfe noth thut." (Natürlich hatten die andern Pensionärinnen ihm vorgeschwatzt, was ich alles gethan hatte, um die armen Leute der südlichen Vorstadt ein wenig zu unterstützen.) Wollen Sie meine Frau werden?" Ich war ganz verwirrt und weiß nicht mehr recht, was ich ihm in meiner Ueberraschung geantwortet habe. Aber er fchien doch aus meiner Antwort zu verstehen, daß ich eineJugendliebe habe, und daß wir nur auf etwas günstigere Umstände warteten, um uns zu verheiraten. Zum Schluß habe ich wohl auch ein bißchen geweint. Nun, nun, beruhigen Sie sich, liedes Fräulein," sagte er, Sie können wirklich nichts dafür, daß ich solch ein Thor bin, um ein Mädchen zu freien, von dem ich nicht die geringste Aufmunterung dazu bekommen habe. Mögen Sie recht glücklich werden." Es ist schade, daß unser Verkehr so schließen muß, doch glücklicherweise ist der Doktor kein Mensch, der an Weltschmerz zu Grunde gehen könnte, weil tt von einem Mädchen einen Korb bekommen hat. Den 24. Juli 1892. Hurrah ! Seit heute trage ich den Verlobungsring! Ernst hat eine gute Anstellung bekommen, und imOctober schon soll unsere Hochzeit sein. Ob man je im Leben noch einmal ebenso glücklich ist wie an seinem Verlobunastage? Weihnachtsabend . 1893. Tausendmal glücklicher noch als am Verlobuugstage! Ein geliebter Mann und ein dicker, zappelnder, kleiner Prachtjunge or:: vier Monaten sind ja mein Eigenthum. Wenn ich an mein eigne- lud denke, habe ich das innige Verlangen, auch andere zu erfreuen, und so habe ich zum Fest nach bestem Vermögen zu helfen gesucht. Die Mittel, die mir zur Verfügung stehen, sind ja nicht sehr groß, aber mit etwas guUm Willen kann man doch ein wenig Sonnenschein in manches ärmliche Heim bringen. Den 3. April 1896. Wie die Zeit

vergüt! Als ich zum letzten Mal schrieb, war Knut vier Monate alt. Nun ist er über zwei und einhalb Jabr. und f I:iir Sigrid ist bereits acht Monate alt. Meine Glückssonne scheint noch ganz klar, aber ich habe incn Kummer Ernsts immer mehr

zunehmende Freude an dem Verkehr mit Kameraden außer dem Hause. Den 25. September 1898. ResigNation! Ein häßliches Wort, das ich niemals leiden mochte. Und doch muß es dem Wortvorrath einer jeden Frau einaefüat werden, denn früher oder später kommt dte Reihe an sie, die Bedeutung desselben zu erkennen. Ich habe nun gelernt zu resigniren mich mit ruhigem Gesicht in dasUnoermeidliche zu fügen. Das ging nicht ohne harte innere Kämpfe ab, und ich fühle mich nun nicht mehr glücklich wie einst zuvor. Ordensgesellschaften, kämeradschaftliche Feste, Spielpartien und dergleichen mehr nehmen nun die mei-

sten Abende meines Mannes in Anspruch. Ich sitze allein, wenn die Km der zu Bett gegangen sind, und mein Gemüth ist schwer. Versuche ich ein wenig Klavier zu spielen, so komme ich nur auf traurige Melodien und fröre wieder auf. Es wäre sicher viel besser, mit einem Manne verheirathet zu sein, da so unangenehm wäre, daß Niemand seinen Umgang suchen wurde, als mit einem der alle Talente besitzt, die ihn im gesellschaftlichen Leben allgemein beliebt machen. Neulich war ich mit den Kindern ausgegangen, um Ernst abzuholen. Wir trafen Doktor Lange, der sich hier niedergelassn hat und unser geschicktest Chirurg sein soll. Er ist glücklich verheirathet und scheint seinen kleinen Mißerfolg bei mir völlig vergessen zu haben. Als die Kinder ihren Vater sahen und ihm entgegen sprangen, sagte der Doktor: Da tch Ihren Gatten nun rennen gelernt habe, wundere ich mich durchaus nicht mehr, daß Sie dein thörichten Doktor kurzen Abschied gegeben haben." Doktor Lange ist jetzt unser Hausarzt. Den 3. October 1902. Gestern gab es einen Auftritt zwischen Ernst und mir. Ich bat ihn um Geld für ein chulkleid für Sigrid. In ärgernchem Ton sagte er mir, daß ich sparen müsse. Sein Einkommen reiche nicht für einen so theuren Haushalt, und wenn es so weiter ginge, käme es zum Bankerott. Dann warf er ein Zehnkronensiück auf den Tisch und wollte hinausgehen ohne adieu zu sagen. Ruhig und bestimmt sagte ich ihm da meine Meinung, daß es auch an ihm wäre, mit dem Sparen zu beginnen, wenn es nöthig sei, denn ich mache eigentlich niemals eine unnöthige Ausgäbe. Daß ein Haushalt mit vier Kindern Geld koste, könne sein gesunder Verstand ihm wohl sagen. Abends kam er zeitig heim und entschuldigte sich wegen seiner Heftigkeit. Natürlich war ich sofort entwaffnet, denn er verfügt wie keiner sonst über dieKunst, unwiderstehlich zu sein, wenn er will. Aber die Kluft zwischen uns erweitert sich von Tag zu Tag, das merke ich nur zu wohl. Es bedarf gewiß erst eines großen Unglücks, damit er mir und seinem Heim zurückgegeben werde. Den 13. Mal 1903. Wie nahe liegen Schmerz und Freude neben einander! Seit einem halben Jahre schon fühle ich mich Nicht gesund, habe aber doch immer gezögert, Doktor Lange um Rath zu fragen. Nun geht's aber nicht länger so, die Schmerzen werden unerträglich. Ich furchte, daß eine Operation nothwendig sein wird. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, Mittags mit Ernst davon zu reden, doch als er heimkam, war er so strahlend vergnügt, daß ich es nicht übers Herz brachte, ihn in seiner glücklichen Stimmung zu stören. Meines Vaters alte excentrischeBase in Kopenhagen, welche bei Lebzeiten nie das geringste Interesse für mich bewiesen hat, ist gestorben und hat mir es ist kaum zu glauben 75,000 Kronen vererbt. Ach, wenn ich doch gesund wäre! Nun, mein Goldkind," sagte Ernst jubelnd, bitten wir Mama zu uns zu kommen, nach den Kindern zu sehen, und dann machen wir beide unsere Hochzeitsreise, denn die haben wir noch zu gut." Ich bemühte mich, heiter auszusehen, dachte mir aber im Stillen: erst müssen wir noch wissen . . ." Hier brachen die Aufzeichnungen ab. Mit immer schmerzlicherem Erstaunen hatte Ernst sie gelesen. Wie egoistisch war er doch in seiner Blindheit gewesen! Weil Elsa ihm niemals übellaunig oder traurig erschien, wenn er sie allein ließ, hatte er. da es ihm so bequem war, angenommen, es sei ihr recht. Und ec hatte sich während all dieser Jahre eingebildet, ein musterhafter Ehemann zu sein, nur weil er stets höflich und freundlich gegen seine Zsrau war. Jetzt mußte er erkennen, daß er sie allmählich beinahe zu Tode gepeinigt hatte. Sicher war die Krankheit nur eine Folge ihres tiefen Kummers, er zweifelte nicht mehr daran. Die Gewissensqualen nahmen ihn ganz gefangen. Lange, martervolle Nächte ohne Ruhe und Schlaf folgten auf traurige Tage. Endlich kamen aus der Klinik bessere Berichte. Die Operation war glücklich überwunden. aber Elsa war noch immer schwach und elend, und durfte in keiner Weise aufgeregt werden. Vier Wochen später gab's einen Freudentag bei Werner's. Frau Elsa war heimgekommen. Sie sah nun im Lehnstuhl, bleich und müde, doch gefund und glücklich. Zu ihren Füßen

lag ein reuevoller Mann. Jetzt endlich wagte er, sein gequältes Herz zu erleichtern und um Vergebung zu bitten. Ach, das Buch wollte ich ja verbrennen, habe es aber in der Unruhe der letzten Tage ganz vergessen," rief Ella aus. Und das war zu unserem Glück, beste Elsa. Denke doch, wie nahe ich daran war, mein Erstgeburtsrecht für einGericht Linsen zu verkaufen, blindlings mein wahres Lebensglück, deine und der Kinder Liebe und Vertrauen für die leeren Freuden des gesellschaftlichen Lebens aufzuopfern. Die bittere Lehre, die ich duch die Lektüre deines Tagebuchs und durch die Sorge während deiner Krankheit erhielt, war eine viel zu geringe Strafe. Für die Zukunft will ich dir ein besserer Gatte sein. Wagst du es, mir noch einmal zu vertrauen?" Ob ich es wage?" antwortete Elsa mit einem glücklichen Lächeln. Natürlich vertraue ich dir, sonst würde ich ja im nächsten Monat nicht mit dir auf die Hochzeitsreise gehen. Nun wollen wir beide all das Unangenehme vergessen, was gewesen ist, nicht wahr?" Ein fester Händedruck und ein dankbarer Kuß war seine Antwort.

Das Inkognito des Herrn Zriesicke. Humoreske von Reinhold Ortmanr.. Eine Schriftstellerin!" Ein Blaustrumpf pfui Teufel!" Daraus darf natürlich niemals etwas werden!" Niemals! Das ist doch selbstverständlich." Herr Anton Friestcke war zwar immer derselben Meining wie seine bessere Hälfte, und er war es nicht etwa aus Furcht, sondern allezeit aus ehrlichster Ueberzeugung. Aber so aus dem tiefsten Herzen kam feine Zustimmung doch nicht immer wie in diesem Fall. Ein Brief ihres Neffen Hans Frie-s-cte hatte den Sturm in ihren sonst so sanften und friedfertigen Gemüthern ausgelöst. Dieser leichtsinnige Springinsfeld, der augenblicklich als Neferendar in einem der hauptstädtischen Amtsgerichte beschäftigt war dieser gottlose Windhund genirte sich nicht, ihnen mitzutheilen, daß er im Begriff sei, sich mit der talentvollen jungen Schriftstellerin Ada Rüstau, der Verfasserin zahlreicher Novellen und Feuilletons, 511 verloben, und er bat die gewissermaßen Elternstelle an ihm vertretenden Bertcandten schließlich ganz unoerfroren um die Erlaubniß, ihnen die Darne seines Herzens, die zu dem kleinen Ausflüge nach Zossen gern bereit sei, vorstellen zu dürfen. Auf lange Corr:spondenzen wollen wir uns gar nicht erst einlassen," erklärte Frau A'oclhcid. Noch heute mußt Du nach Berlin fahren, um diesem Grashupfer den Kopf zu waschen." Mt wahrem Opfermuthe erklärte sich Anton Friesicke bereit, die schwere Pflicht zu erfüllen. Mit dem Nachmittagszuge dampfte er nach Berlin. Ein behäbiger und lebenslustiger Herr in mittleren Jahren, mit dem er im Coupe bekannt geworden war, erwies sich als genauer Kenner der Verliner Verhältnisse. Sie kommen gerade noch zurecht für den großen KünstlermasZenball, der heute Abend stattfindct. Es wäre unverantwortlich, wenn Sie sich die Gelegenheit entgehen ließen, das Leben der Berliner Boheme gewissermaßen an der Quel.? zu studiren." Dem kleincn dicken Herrn aus Zossen lief das Wasser im Murde zusammen. Aber die Kostüinfrage machte ihm einige Sorge. Gehen Sie zu dem ersten besten Mastcnrerleihcr und lassen Sie sich einen Domino geben. Wenn sie dann ncch eine Larve vor das Gesicht nehmen, ist das Kostüm fertig." Anton Friesicke befolgte buchstäblich alle ihm von seinem freundlichenRcisegeführten ertheilten Rathschläge. Eine Eintrittskarte für die Kcdoute hatte er sich von dem Hotelportier besorgen lassen. Verwegen und unternchmungslustig hängte er sich um die zehnte Stunde den Valctot über die Schultern und stieg nach kurzer Droschkenfahrt mit erwartungsvoll pochendem Herzen die breite Treppe zum Ballsaal empor. Da drinnen herrschte bereits ein schier sinnverwirrendes Treiben. Sicher im Bewußtsein seines undurchdringlichen Inkognitos begann der OnM aus Zossen kritische Musterung unter den weiblichen Masken zu halten. Da, es mochten kaum fünf Minuten seit seinem Eintritt vergangen sein, tippte ihm Jemand auf dieSchulter und flüsterte ihm in's Ohr: Guten Abend, Herr Friesicke! Es ist hübsch von Ihnen, daß Sie uns Berlinern auch mal das Vergnügen machen Der Angeredete war in seiner ersten Bestürzung keines TZortes fähig. Und als er sich zu einer Frage aufraffen wollte, war der Sprecher schon wieder im Gewühl verschwunden. Es mußte einer von seinen Berliner Bekannten gewesen sein, das unterlag keinem Zweifel. Fast aber wäre er vor Schrecken m die Knie geknickt, als bald darauf ihn eines knallbunten, schellenklingenden

yarlerins kreiicycude Stimme überlaut anschrie: Grüß Gott. Anton! Hat Dir Deine Alte in Zossen auch den nöthigen Urlaub gegeben?" Schallendes Gelächter erhob sich ringsumher. Anton Friesicke hatte den sehnlichen Wunsch, daß der Boden des Saales sich unter feinen Füßen öffnen und ihn mitsammt diesem abscheulichen Harlekin, der nur der Gottseibeiuns in eigener Person sein konnte, ver schlingen möge. Scheu drückte er sich an der Wand entlang, um einen Nebencaum zu gewinnen. Und es war durchaus keine bloße Vorspiegelung seiner erregten inne, als er auf diesem Wege ein paarmal ganz deutlich sagen hörte: Das ist Herr Anton Friesicke aus Zossen!" Erschöpft und verängstigt ließ er sich an einem der kleinen gedeckten Tische nieder, die in dem Nebenraumc aufgestellt waren. Bringen Sie mir eine Flasche Selterwasser!" rief er dem aufwartenden Kellner zu. Und der Mensch hatte, als er fünf Minuten später das Verlangte vor ihn hinsetzte, wahrhaftig die Frechheit, mit einem nichtswürdigen Grinsen zu sagen: Bitt' schön, Herr Friesicke, eine Flasche Selters." Nun aber war es mit der Geduld des Gepeinigten zu Ende. Und wüthend wie ein gereizter Puter wollte er eben auf den Kellner losfahren, als eine allerliebste kleine Hand sich begütigend auf feinen Arm legte und eine sehr angenehme, weiche Stimme sagte: Ist es erlaubt, sich bei diesem edlen Getränk zu Gaste zu laden, schöne Maske?" Bereitwillig räumte ihrAnton Friesicke einen Platz an seinem Tische ein. Von Minute zu Minute wuchs Anton Friesicke's Entzücken. Mit beinahe unerlaubter Wärme bat er schließlich um ein Lüften der Maske, die ihm das Allerschönste neidisch verhüllte. Mit einem leisen Kichern lehnte sich die Pierrette in ihren Stuhl zurück. Erst sollen Sie mir sagen, für was Sie mich halten!" Für eine Dame vom Theater," rief er. Od?r vielleicht für eine Lehrerin, da Sie so schrecklich viel wissen." Fehlgeschossen! Da traue ich mir doch bessere Menschenkcnntniß zu. Soll ich Ihnen sagen, für wen ich Sie halte?" Nun da wäre ich doch neugierig!" Für Herrn Anton Friesicke, Jnhaber einer Baumwollen - Weberei und -Druckerei in Zossen!" Der Unglückliche fuhr in die Höhe, als wäre er von einer Schlange gebissen worden. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen. Sagen Sie mir um des Himmels willen, mein Fräulein, woher Sie das wissen oder ich verliere den Verstand!" Sie wollte antworten, aber ein dritter hatte sich zu ihnen gesellt, ein stattlicher junger Mann im Kostüm des fliegenden Holländers. Ohne seine Maske zu lüften streckte er Hrnn Anton Friesicke über den Tisch hinweg die Hand entgegen. Guten Abend, Onkel, hoffentlich hast Du die liebe Tante Adelheid auch mitgebracht, damit ich auch ihr meine Braut vorstellen kann, mit der Du Dich, wie ich zu meiner Freude sehe, inzwischen bereits bekannt gemacht hast." Es währte sehr lange, ehe Anton Friesicke, vollständig niedergeschmettert von dem Uebermaß des Unerwarteten und Unbegreiflichen, ein Wort herausbringen konnte. Durchdrungen von der Zwecklosigkcit seines' Bemühens, sein Inkognito hier noch vor irgend Jemandem aufrecht zu erhalten, nahm er die Larve ab und zeigte dem Referendar wie feiner reizenden Pierrette den Anblick eines recht kläglichen und zerknirschten Gesichts. Nein, die Tante ist nicht hier," sagte er kleinlaut, und der Himmel verhüte, daß sie jemals etwas von meiner Anwesenheit auf diesem Maskenball erfährt. Die Aussichten für die Bewahrung des Geheimnisses sind allerdings schlecht genug. Denn hicr wußte ja wie durch ein Wunder jeder meinen Namen." Das Wunder, lieber Onkel, erklärt sich auf eine ziemlich einfache Weise. Du trägst ja Deine Visitenkarte hinten an der Kapuze Deines Domino mit Dir herum." In Hellem Entsetzen fuhr Anton Friesicke mit beiden Händen nach der bezeichneten Stelle. Und da fand er dann richtig die Karte, die er vorhin dem Maskenverlecher eingehändigt und die dieser an dem Domino festgesteckt hatte, um eine Verwechslung zu verhüten. Es möge der Phantasie meiner geneigten Leser überlassen sein, sich das weitere auszumalen. Anton Friesicke kehrte als ein beredter Fürsprecher des Verlöbnisses in Zossens heimische Gesilde zurück und zum erstenmal während der ganzen Dauer seiner glücklichen Ehe ceschah es, daß er seinen Willen gegen den der geliebten Gattin durchzusetzen wußte.

Küchenweisheit. Frau: Nun, Mina, wie gefallt Ihnen der Bräutigam meiner Tochter?" Min: Gnädige Frau, mit dem sind Sie angeführt worden. Der dient ja nur ein Jahr. Meiner ist mir doch zweiJahre sicher!"

Der Segen der Arbeit.

Arbeit ist des Blutes Balsam, Arbeit ist der Tugend Quell! Es ist ein ausgesprochener Charakterzug in uns Menschen, das, waS uns verliehen, nicht nach seinem vollen Werthe zu schätzen. Es wird als etwas Alltägliches, Selbstverständliches hingenommen und dementsprechend bewerthet; erst der Verlust nimmt uns plötzlich die Binde von den Augen, und mit einem Male empfinden und verstehen wir im vollen Umfange, was wir besaßen was uns genommen. Zu spät! Das Schicksal, derart verkannt zu werden, wird neben dem höchsten Gute, der Gesundheit, auch einer idealen Gabe, der Arbeit, zutheil, die als solche kaum erkannt, jedenfalls als Wohlthat nicht empfunden wird. Gar zu oft hört man, wie unter Seufzen gesagt wird: Ach, ich muß arbeiten!" anstatt: Gott sei Dank, ich kann arbciten!" Die Arbeit ist ein stärkendes, beleben des Element, aus dessen frischsprudelndem Quell wir täglich tauscndfältigen Segen schöpfen. Sittliches, geistiges, körperliches, soziales Wohl alles hält sie. für Reich wie für Arm, in ihrer Hand vereinigt. Arbeit eine Wohlthat? Es ist nicht abzuleugnen, daß ein großer Theil der Menschheit in ihr eher eine Strafe als eine Wohlthat erblickt; sie wird als nothwendiges Uebel betrachtet, das auf dem Wege zum Gelderwerd bewältigt und abgethan werden muß. Bei solcher Auffassung geht freilich die sittlich - veredelnde Kraft der Arbeit verloren, und wo gar aus Habgier und schnöder Sucht nach dem gleißenden Golde ein Uebermaß an Arbeit geleistet wird, da wird sie zur Herrin, die Geist und Körper zu Frohndiensten zwingt und den Menschen zur Maschine herabwürdigt. Aus der Wohlthat ist dann eine Wehthat geworden. Deshalb wollen wir dessen eingedenk sein, daß es nicht nur heißt Arbeite!" sondern auch Bete!" und ferner Heilige den Feiertag V Vergiß über dem Nachjagen nad) den zeitlichen Gütern der ewigen nicht, erhole Dich nach schweren Arbeitstagen und genieße die Früchte Deines Fleißes. Für Euch. Ihr lieben Mütter, hier ein Mahnwort! Erwecket in den Kindern frühzeitig die rechte Lust und das rechte Verständniß für die Arbeit; Ihr streut damit goldene Saatkörner, die in späteren Jahren edle Früchte tragen, in die Herzen Eurer Lieblinge, die, wenn auch noch schwach und klein, schon so gern ihre Hülfe anbieten. Nehmt es ja als etwas Wichtiges von ihnen hin. wenn sie eine Arbeit, sei es auch noch so unvollkommen, vollendeten; sie fühlen sich durch einen Blick der Liebe ein tobendes Wort aus Eurem Munde stolz und königlich belohnt. Doch begeht dabei nicht den Fehler, Euren Lieblingen mit einem Stückchen Chocolade oder gar mit klingender Münze ihre kleinen Dienste lohnen zu wollen, damit sie nicht ihre kleinen Obliegenheiten um des süßen Lohnes willen verrichten. Auch bei Kindern äußert sich das Bedürfniß nach Arbeit; sie wollen und müssen, um sich wohl zu fühlen, in irgend einer Weise ihre Kräfte, ihr Können bethätigen; daher fallen Kindern, die nicht genügend beschäftigt werden, schließlich auch die schönsten Ferientage zur Last, und sie sagen nicht selten: Es ist doch gut, daß die Schule wieder anfängt." Wie glücklich bin ich, wieder arbeiten zu können!" ruft wohl mancher, der durch schwere Krankheit zu ungewollter Thatenlosigkeit gezwungen war und nun seine wiedergewonnenen Kräfte in den Dienst der Arbeit stellen kann. Und mit welch' dankbarem Herzen wird die genesene Mutter ihr Tagewerk aufnehmen, nachdem sie diese Pflicht wochenlang fremden Händen überlassen mußte. Sie wußte es wohl, empfindet es aber von Neuem, daß Arbeit eine Wohlthat ist. Und noch ein Bild, ein recht düsteres. steigt vor unsern Augen aus. Das Bild des Verurteilten, der stets die Arbeit gescheut hat und nun in einsamer Zelle, mit schwer belastetem Gewissen und zur Thatenlosigkeit verurtheilt, nach Arbeit durstet, sie für sich als eine ihm jetzt versagte Wolthat erfleht. Hätte er sie als solche früher erkannt! Müßiggang war seiner Laster Anfang, sein unnützes d. h. thatenloses, arbeitsscheues Leben seiner Freiheit früher Tod. Kommen Schmerz und Trübsal über uns, dann tritt die Arbeit uns zur Seite; als Engel des Trostes reicht sie uns die Hand, möchte uns halten und führen und all' unser Denken und Empfinden zu unserem Besten ganz in Beschlag nehmen, damit das Unglück nicht über uns Herr werde. Komm zu mir, greife mich fest an," so ruft sie dem von Leid Ermatteten zu, ich bin ein sicherer Stab in Deiner Hand, mit dem Du auch über Dornenpfade hinwegkommst." Haben wir uns erst zu irgend welcher Thätigkeit wieder aufgerafft, so sind wir dem Leben wiedergewonnen und können nie ganz unglücklich fein. So erweist sich auch dann, wenn Lust und Freuden ihren Reiz für uns verloren haben, die Arbeit als Wohlthäterin, als Retterin. Geistreiches Gespräch. Na. wie geht's?" Dank' schön. 'S geht!" - Na, da geht's ja!-

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