Indiana Tribüne, Volume 28, Number 207, Indianapolis, Marion County, 24 April 1905 — Page 6

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" Jndiana Tribüne, 21. April 1903. 6

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Europäische Nachrichten. Provinz Wrnöenvurg. Berlin. Der 22jährige Offiziersbursche Lamprecht hat sich in der Preußischen Straße in dem nahen Wilmersdorf erhängt. Er war Burfche bei einem nach hier abcommandirten Oberleutnant eines westfälischen Infanterieregiments. Bei den Einkaufen, die er für den Offizier besorgte, nahm er auf dessen Namen wiederholt Eßwaaren und Trinkwaaren auf Credit und verzehrte sie dann selbst. Außerdem ließ er sich noch andere kleinere Unregelmäßigkeiten zu schulden kommen. Der Beamte der Deutschen Bank, Alexander Dietmar, beging letztens das Jubiläum seiner 23jährigen Thätigkeit bei dem genannten Jnstitut. Ein tödtlicher Straßenunfall ereignete sich am Wittenbergplatz. Der Arbeiter Tepisch von der Charlottenburger Straßen - Reinigung zog in der auenzienftraße scharf am Bürgerfteig seinen Handkarren. Vor ihm fuhr ein Lastwagen eines Wilmersdorfer Fuhrunternehmers. Der Straßenreiniger gerieth mit seinem Handwagen zwischen das schwere Gefährt und die Bordschwelle und wurde hierbei zu Boden gerissen. Er kam so unglücklich zu Fall, daß ihm Vorder- und Hintcrrad des Lastfuhrwerks über den Kopf hinweggingen und diesen vollständig zermalmten. Der Tod trat auf der Stelle ein. Ein schwerer Bahnunfall ereignete sich auf einem Neubau Kottbuser Damm 6364. Der 48 Jahre alte Arbeiter Valentin Brychey, Rosenstraße 21 wohnhaft, wollte dort über eine Cementdecke, die seit einiger Zeit fertiggestellt war, hinwegschreiten, als er plötzlich durchbrach und in die unteren Etagen herabstürzte.' Er zog sich hierbei schwere innere Verletzungen zu. Kürzlich war der Vorschlosser Rudolf Scholz, Cuvrystr. 37 wohnhaft, 25 Jahre hindurch bei der Firma Carl Beermann in Treptow beschäftigt. Der Jubilar bekleidet auch eine Reihe von städtischen Ehrenämtern in der Schul- und Armen-Commission. Goldene Hochzeit beging das Behring'sche Ehepaar, Bartelstraße 10. Die alten Eheleute stehen im 77. bezw. 78 Lebensjahre, sind völlig unbemittelt und unter der Last des Alters auch arbeitsunfähig geworden. Der Mann ist Veteran und hat mehrere Ehrenzeichen erworben. Burschen. Die hiesige Kirche besitzt ein ansehnliches Vermögen. Im Jahre 1748 haben die Bewohner der Ortschaft einen preußischen Werber aus den Händen verfolgender Polen gerettet. Zum Danke schenkte Friedrich der Große der Kirche 100 Thaler. Durch Zinseszins hat dies Kapital sich im Jahre 1900 auf 75,000 Mark vermehrt, dann aber wurden 30,000 Mark zur Erneuerung der Kirche verwendet. G u s o w. Der Büdner König hatte eine Fuhre Rohr geholt. Als er bereits in der Nähe des Dorfes war, scheuten die Pferde und gingen durch. Es löste sich hierbei der Vorher- vom Hinterwagen, König wurde vom Wagen gerissen und unter dem nachstürzenden Rohr begraben. Als der Verunglückte unter dem Rohr hervorgeholt wurde, war er bereits todt. Durch den schweren Fall war ihm die Schädeldecke zertrümmert worden. Forst. Der Maurer W. Stahn beschäftigte sich in seinemGarten. Cottbuserstraße 66, mit Vinem geladenen Tesching. Da das Gewehr versagte, sah Stahn, um die Ursache zu ergründen, in den Lauf desselben hinein. In demselben Augenblicke ging der Schuß los und tödtete Stahn auf der Stelle. Mariendorf. Der Drehermeisier Carl Belhge, Großbeerenstraße 5a Hierselbst wohnhaft, blickte auf eine 25jährige Thätigkeit in der Daimler Motoren- und Motorenfahrzeugfabrik Marienielde (frühere Firma A. Altmann & Comp., Berlin und Marienfelde) zurück. Seit sechs Jahren ist er Meister der Abtheilung Dreherei. Nieder schöneweide. Ein schwerer Betriebsunfall, dem ein Menfchenleben zum Opfer gefallen ist, trug sich in dem hiesigen Fabrik - Etablissement von Kubnheim & Co. zu. Der 38 Jahre alte Arbeiter Adam Conrad war damit beschäftigt, das Rührwerk, das sich in fortwährender Circulation befand, zu reinigen. Hierbei wurde er von dem Flügel erfaßt, der ihm den Kehlkopf zerdrückte. Der Tod Conrad's trat sofort ein. Schöneberg. Der Xylograph Felir Pfeiffer aus derHauptstraße 21 von hier, der seit langer Zeit für den deutschen Xylographenoerbanb' als Kassirer thätig war, wurde letztens in dem Fremdenzimmer eines Gasthofes in Halle a. S. leblos aufgefunden. Nach einer hinterlassenen Notiz liegt Selbstmord mittels Cvankali vor. Die Leiche wurde behufs Feststellung der Todesursache nach dem pathologischen Institut gebracht. Zorndorf. Dieser Tage verstarb die älteste Person unseres Ortes, der Tischlerrneister M. Fürstenberg, der ein Alter von 95 Jahren und 14 Tagen erreichte. Provinz Hstprcußen. K ö n i gs b e r g. Dr. med. Jsidor Garfein, ein hiesiger junger Arzt, der zuletzt in Neukuhren alsBadearzt fungirt hat, erst seit 1. October hier domizilirte, ist im Alter von 28 Jahren ach längerem, schwerem Leiden ver-

storben. Der Tod war die Folge einer Blutvergiftung, die er sich in seinem Beruf zugezogen hatte. Dieser Tage ist der Metalldreher Robert Schaumann von hier mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe in den Anlagen des Ostbahnhofs todt aufgefunden worden. Die Leiche wurde nach dem Schauhause geschafft. Ueber die Motive der traurigen That ist nichts bekannt. A l l e n st e i n. Sein 25jähriges Jubiläum als Rechtsanwalt konnte Justizrath Wolski hier begehen. K locken. Der Hierselbst wohnhafte Lehrer George MdtejaF begab sich nach dem Brunnen, um Waffer zu schöpfen. Hierbei verlor er das Gleichgewicht, stürzte kopfüber in die Tiefe und konnte, obgleich Hilfe schnell zur Stelle war, nur als Leiche heroorgeholt werden. Der Tod soll infolge der schweren Verletzungen beim Sturze eingetreten sein. Knobbenort. Hier verunglückte der bei dem Gutsbesitzer Dombrowski beschäftigte Arbeiter Masuch. Trotzdem streng angeordnet war, den Dreschkasten im Betriebe nicht zu schmieren, kam Masuch dem Befehle nicht nach, sondern ölte die Trommel der im vollen Gange befindlichen Maschine. Dabei gerieth die linke Hand zwischen die beiden Kammräder und wurde vollständig zerquetscht. Neu - Juga. Die Besitzungen der Herren Reich valdt und Dembowsky brannten theilweise nieder. Man vermuthet Brandstiftung aus Rache. Kürzlich erhielt Reichwaldt seinen Schwager, Gutsbesitzer Heisel - KarlsWalde, zu Besuch. Als man diesen später wecken wollte, fard man ihn todt im Bette liegen. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein jähes Ende bereitet. Przernanken. Beim Viehfüttern verunglückt ist der Besitzer und Geicindevorsteher Schedlenki von hier. Er wollte in der Krippe ein Brett befestigen, damit der Bulle einer V!astkuh, die neben ihm stand, nicht zu viel wegfraß. Plötzlich wurde der Bulle wüthend, riß die Hospe aus dem Balken und bearbeitete Schedlinski derartig mit den Hörnern, daß der Aermste ganz schrecklich zugerichtet ist. W i l l e n b e r g. Dieser Tage beging die hiesige Bürgerschaft das 25jährige Amtsjubiläum des BürgerMeisters Müller in festlicher Weise. W a r t e n b u r g. In der Passenheimer Vorstadt brannte das dem Tischlermeister und Mööelfabrikanten Lutz gehörige Wohnhaus. Provinz Westpreußen. D a n z i g. Kürzlich wurde der Student Albrecht im Mattenblewoer Walde bei Oliva erschossen aufgefunden. Der Grund der That ist unbekannt. Albreckt stand im 23. Lebensjähre, war aus Nawißmühle zu Hause und studirte auf der hiesigen Hochschule Schiffbau. Stabstrompeter Gärtner, der Dirigent des Trompetercorps des 2. Leib - Husaren - Regiments No 2., ist im Garnisonlazarett an den Folgen einer Typhuserkrankung verstorben. Kurz nach der HierHerverlegung des 2. Leib - HusarenRegiments No. 2 im Herbst 1901 trat Gärtner an die Spitze des Trompetercorps desselben und Dank seiner muttjchen Begadung zanne ftme Kapelle mit zu den bestgeschulten unserer Stadt. Baldenburg. Dem hiesigen Oberbriefträger Dittmann ist bei dem Ordensfeste das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. Dittmann steht bereits 38 Jahre im Dienste der PostVerwaltung. G r a u d e n z. An den Folgen ciner Verbrühung ist der jährige Knabe Paul Wendt, der bei seiner Großmutter hier in Pflege war, gestorben. Die alte Frau hatte eine mit heißem Wasser gefüllte Wärmkruke in die Wiege des Kindes gelegt. Der Stöpsel war aber wahrscheinlich nicht genügend fest aufgesetzt, so daß er sich löste und das ausströmende heißeWasser das bedauernswerthe Kind verbrübte. Trotz ärztlicher Hilfe ist das Kind gestorben. Durch einen Schuß in die Brust hat sich der EinjährigFreiwillige Pastorf von der dritten Compagnie des hiesigen InfanterieRegiments No. 14 schwer verletzt. Langfuhr bei Danzig. Durch einen Schuß in den Kopf hat sich in seiner Wohnung der hiesigeFleischermeister Ernst Leimert verletzt. Leimert, ein in weiten Kreisen bekannte? und beliebter Mann, lebte früher in sehr guten Verhältnissen, deren Rückgang ihm schließlich die Waffe in die Hand gedrückt haben soll. P o s Z l g e. Hier brannte das Wohnhaus des Besitzers Gustav Schlichting vollständig nieder. Das Gebäude war versichert. Rosenberg Durch Erhängen hat der 45 Jahre alte Arbeiter Haldau von hier seinem Leben ein Ende gemacht. Vor einiger Zeit starb ihm feine Frau. Es bleiben drei unerzogene Kinder zurück. Schönwerder. Der Arbeiter Karau kam beim Einlegen in den Dreschkasten mit dem Arm zu tief hinein, wobei ihm der Arm bis zum Schulterblatt zermalmt wurde. T i e g e n h o f. Die goldene Hochzeit beging der hier wohnende emer. Lehrer Müller. Müller war früher lange Jahre in Hela, dann in Hoppenbruch bei Marienburg als Lehrer thä-tig.

Vom Auvlauöe.

Fünf Knaben im Alter von 13 und 14 Jahren, sämmtlich Bergmannssöhne aus Frankenholz in der Pfalz, von denen zwei Brüder sind, warfen kürzlich in einen vermauerten Schlacht der unlängst stillgeleglcn Grube Nordfeld bei Waldmohr, Bezirk Trier, ein brennendes Streichholz, das die schlagendenWetter in dem Schachte, die sich in reichlicher Menge angesammelt hatten, in Brand setzte. Es erfolgte eine gewaltige Explosion, die die Vermauerung zertrümmerte. Drei Knaben waren sofort todt, der vierte starb nach kurzer Zeit, während der fünfte schwer verletzt darnieder liegt. DieErinnerung a n d e n Untergang des Dampfers Elbe", bei dem gegen 350 Menschen das Leben verloren, wird das traurige Geschick von Fräulein Anna Böcker, der einzigen bei der Katastrophe geretteten Frau, wieder wachrufen. Wie jetzt englische Blätter erzählen, hat sie durch den Bankerott ihres Anwalts ihr ganzes Vermögen im Betrage von 17,500 Mark, das sie sich mühsam erspart hatte, verloren. Damals, nach ihrer Rettung, war sie in Osborne von der Königin Victoria ind der Kaiserin Friedrieh empfangen worden, die ihr wegen des von ihr bewiesenen Muthes hohes Lob spendeten. Sie blieb damals als Gouvernante in England, um jetzt zum zweiten Male Schiffbruch zu leiden. Fräulein Böcker hat sich bemüht, eine Stelle als Krankenpflegcrin in einem Londoner Hospitale zu erlangen, sie ist aber wegen ihres Gcsundheitszustandes abgewiesen worden. Ihre Freunde wollen nun für sie eine Sammlung veranstalten, um ihr den Verlust zu ersetzen. Eine vogelfressende Spinne, die noch niemals in Europa gezeigt worden ist, hat jetzt ihren Einzug in das Jnsektenhaus des Londoner Zoologischen Gartens '"Kalten. Sie darf weder mit der berühmten Taran-tel-noch mit der gewöhnlichen Vogelspinne verwechselt werden, die auch kleine Vögel zu erwürgen und aufzufressen vermag. Jene Art fängt die Vögel in einem Netz, gerade wie gewohnliche Spinnen ihre Fliegen. Dazu ist es natürlich nothwendig, daß das Gewebe, in dem sich die Kolibris und kleinere Finken verstricken sollen, von ungewöhnlicher Stärke ist. In der That sind die Netze so dick, daß die Reisenden in den südamerikaniscben Wäldern oft große Unannehmlichkeiten mit ihnen haben, wenn sie quer über die weniger benutzten Wege gesponnen sind und das Gesicht des unvorsichtigen Reiters oder Fußgängers mit ziemlieber Gewalt treffen. Die Vogelspinnen selbst sind Thiere von geradezu abstoßendem Aussehen. Ihr Körper ist oft drei Zoll lang und von der Größe einer Hühnereies, während die langen, mit Haaren besetzten Beine wesentlich dazu beitragen, die Erscheinung noch scheußlicher zu machen. Christine Hebbel. die heute 88jährige Wittwe des Dichters Friedrich Hebbel, stiftete zur Erinnerung an den Leidensgang ihres Gatten ein bescheidenes Kapital, um aufstrebenden, jungen Künstlern und Dichtern aus Hebbel's engerer Heimath Holstein Förderung und Unterstützung zu gewähren. Die Summe ist durch Spenden von Einzelpersonen, besonders aber von deutschen Bühnen, vor Kurzem bis auf 15,000 Mark gestiegen. Die Stifterin hatte den Wunsch ausgesprochen, daß die Verkeilung der Zinsen beginnen solle, wenn das Kapitat die Höhe von 30.000 Mark erreicht. Man wollte nun der alten Dame die Freude bereiten, daß die Stiftung noch zu ihren Lebzeiten Künstlern zu Gute komme, und wandte sich daher an den schleswig-holsteinischen Provinziallandtag, um eine erhebliche Vergrößerung des Kapitals zu erlangen. Nach den Ansprachen der Abgeordneten Thomsen und Nieper beschloß bei Landtag mit großer Mehrheit, jährlich 2.000 Mark auf fünf Jahre für die Stiftung zu bewilligen, die demnach bereits in der allernächsten Zeit in's Leben treten wird. Die Stiftung wird beißen: Kieler Friedrich-Hebbel-Stiftung." DieletzteUeberlebende des schrecklichen Rückzuges der Enaländer von Kabul im Jahre 1842 ist in der Person der Wittwe des verstorbenen Obersten Waller in diesen Tagen im benachbarten Brighton aus dem Leben geschieden. Man erinnert sich, daß von den 14,000 Soldaten, die damals von Kabul ausgerückt waren, nur ein einziger Mann, der Militärarzt Bttone, die Heimath wieder sah. Fünf Tage nach Beainn des Rückzuges waren von den 14,000 Mann der Kolonne nur mehr 5000 am Leben. Nach weiteren drei Tagen waren nur noch 65 Mann übrig und Brydone war von diesen der einzige, der mit dem Leben davon kam. Die alte Dame, die ietzt im hohen Alter abgerufen worden ist, war damals eine blutjunge Frau, kaum neunzehn Jahre alt und nicht viel über ein Jahr verheirathet. Akbar Khan nahm die Frauen und Kinder, die das englische Heer begleiteten, unter seinen Schutz. Frau Waller, die bis kurz vor ihrem Tode beneidenswerthe Gesundheit und geistige Frische genoß, erzählte noch an ihrem Lebensende mit photographischer Treue von jenen für Englands Fahnen so unheilvollen Tagen und von ihrer längeren Gefangenschaft unter den Afghanen, wo ihr zweites Kind geboren wurde.

Vom Jnlande. Wie Einer seineFrau für $10 verkaufte, wird aus Wilkesbarre, Pa., berichtet: John Perry in Skinners Eddy hatte seine Frau für $10 an William Blackmore verkauft und einen schriftlichen Contrakt darüber ausgestellt. Die Frau war auch damit ganz einverstanden, aber sie nahm ihre Haushaltungssachen mit und nun ließ Perry sie und Blackmore verhaften. Der Richter kam jedoch zu dem Befund, daß die Sachen von der Frau gekauft wurden, und wies die Klage ab. Der Weiberhandel gehe ihn nichts an das sei eiln Privatangelegenheit, die natürlich keine gesetzliche Giltigkeit habe. Die Desertionen von der Kriegsflotte sind in letzter Zeit vom Navigationsbureau des Flottendepartements genau untersucht worden. T, Ergebnisse werden jetzt von ContreAdmiral Converse. dem Leiter des genannten Bureaus, veröffentlicht. Von einer Präsenzzahl von 30,066 Mann sind 10,7 Prozent desertirt. Ein großer Theil der Desertionen entfällt auf das Maschinen - Personal, namentlich auf die Kohlenschlcpper, eine Abtheilung nicht geübter und wenig geschickter Leute, welche nicht der strengen Disciplin der eigentlichen Seeleute unterliegt. Die Desertionen dieser Schlepper betrugen von der gemeldeten Gesammtzahl der Desertionen 7.97 Prozent, während auf das MaschinenPersonal 17.10 Prozent davon entfielen. Die größte Anzahl von Desertionen. nämlich 23.15 Prozent, wurde unter dem Küchenpersonal, wozu außer den Köchen auch Bäcker und Fleischer gerechnet werden, gefunden. Dies ist die einzige Abtheilung der Kriegsflotte, in welche auch Nicht-Bürger aufgenommen werden. Nach der Meinung der Offiziere, welche diese Frage studirt haben, fallen die Desertionen in dieser Abtheilung unter das Kapitel der Dienstbotenfrage". Ueber einen Plattdeutsch sprechenden Singhalesen von Ceylon wird aus New Z)ork gemeldet: Fünf Singhalesen, barfuß, mit Turban und Tunika, saßen seit einigen Tagen auf Ellis Island fest, weil sich Niemand mit ihnen, die als Elephantenwärter zu einem Cirkus in New Aork sollten, verständigen konnte. Die Leute aus Ceylon wurden bei ihrem Eintreffen mit einem Dampfer aus Europa auf Englisch, Arabisch und sogar Hidostanisch angeredet. Die ganze Schaar der Dolmetscher brachte aber aus ihnen kein Sterbenswörtchen heraus. Es wurde sodann von derEinwanderungsinsel aus nach dem Cirkus von Barnum & Bailey, sowie nach Coney Jsland telephonirt, ob dort vielleicht Singhalesen seien, die als Dolmetscher dienen könnten. Noch ehe ein solcher Dolmetscher eintraf, hatte sich auf der Insel durch Zufall einer gefunden, und zwar ein Plattdeutscher. Zwei dortige plattdeutsche Angestellte hatten sich vor dem Gitter des Detentionsraumes in heimathlicher Mundart unterhalten, als einer der fremdländischen gelben Kerle sich in's Gespräch mischte. Ich möcht awers nu bald rut!" hörten die Plattdeutschen plötzlich von dem Manne mit dem Turban. Wat. Du snakst Platt?"Xam es von Beiden wie aus einem Munde. ,.Tein Johr bin ick in Hamburg bi Hagenbeck west, und da hew ick dat lernt," lautete die überraschende Antwort des Singhalesen. Die Verdolmetschung der Angaben der Fünf aus dem Singhalesischen zuerst in's Plattdeutsche und dann in's Englische bot jetzt keine Schwierigkeiten. Den Fünf wurde, nachdem sich formell für sie der Cirkus verpflichtet hatte, freier Abzug gewährt. Ein niederträchtiger April - Spaß" wurde am ersten April in Baltimore verübt. Die Opfer waren zahlreiche arbeitslose Leute, di? in ihren Hoffnungen auf lohnende Arbeit muthwillig schwer getäuscht wurden. Am Abend zuvor stand in einer englischen Zeitung zu lesen: ..Verlangt: Einhundert und fünfzig Männer für leichte Arbeit. Vorzusprechen um 4 Uhr Morgens in No. 110 Nord Greene Straße. Man bringe Werkzeug mit sich. Guter i'cchn." In dern obengenannten Hause betreibt Herr Edward Pittman. ein ordnuugsliebender Bürger, ein Kosthous. und er war von gerechtem Zorn erfüllt, als er am 1. April um 4 Uhr Morgens aufgeweckt wurde, um von einem Fremden um Arbeit ersucht zu werden. Es folgte eine kurze Auseinandersetzung zwischen den Beiden, welche ergab, daß Herr Pittman sowohl als der Arbeitsuchende die Opfer eines elenden Aprilscherzes waren. Der Fremde entfernte sich, durch die von Pittman gegebene Erklärung ziemlich, trotz seiner Enitäuschung. beruhigt, während fürPittman schwere Stunden der Geduldsprüfung hereinbrachen. Jeden Augenblick klingelte es an seiner Thürglocke, und im Zeiträume von zwanzig Minuten hatten sich etwa fünfzig Männer eingefunden, welche sich um eine der angezeigten Stellen bewarben. Schließlich wurde der Zudrang von Arbeitsuchenden zu Pittman's Wohnung so groß, daß Letzterer die Polizei zur Hülfe rief, und ein Polizist nahm auf Pittman's Treppe Stellung, um alle Neuankömmlinge, ungefähr hundertundfünfzig an der Zahl, zu benachrichtigen, daß sie das Opfer eines Aprilscherzes seien. Von dem rohen Verüber hat man keine Spur.

Frühlingöschnfucht. (Siziliane.) C Allnatm , noch einmal möcht' ich wieder Im holden rüliliiioschmuck dich prangen sehen. Noch einmal möchr' ich bei der Vöglcin Licdcr Lcnz durch blättergrüne Haine achen. Und streust du Blüthen dann auf mich hernieder Beim leisen, Wonnigfüßen Frühlingslochen. Dann schlics; ich selig meine Augenlider Vor all' den Wundern, die im Lcuz qc schchcn.

Fritz Nenttr als Maler. Es ist wohl nur wenigen genaueren Kennern der Lebensgeschichte des plattdeutschen Dichters bekannt, daß er neben der Poesie auch die bildende Kunst gepflegt und, wenn auch nicht mit besonderem Erfolg, so doch mit großem Eifer gemalt hat. Bei Reuter war die Anlage für die bildende Kunst offenbar nicht stark und tief genug, und er hat sich wohl über sich selbst getäuscht, wenn er in jungen Jahren mit dem Plan umging, die Malerei zu seinem Lebensberuf zu machen. Fesselnde Aufschlüsse über diese rce nig bekannte Seite seines Wesens gibt Carl Theodor Gacdertz' anziehende Schrift Im Reiche Reuters". Das dem Reichskanzler gewidmete Buch knüpft im wesentlichen an die von Profcssor Gaedertz im Sommer 1904 veranstaliete Reuter - Ausstellung in Creifswald an und bringt in vier selbständigen Aufsätzen manches Neue in Wort und Bild über den Dichter der Ollen Kamellen. Von der Schwärmerei für Pinsel und Palette erfahren wir u. a., daß Reuter als Jüngling von siebzehn Jahren gegen den Wunsch seines Vaters die Absicht aussprach, sich der Malerei zu widmen, und daß dieser rollcnwidrigc Seitensprung zu dem Entschluß mitwirkte, den jungen Burschen vom Gymnasium zu Friedland auf das zu Parchim zu verpflanzen. Nachdem er dort im Herbst 1831 das Reifezeugniß erlangt und, dem väterlichen Gebot folgend, zum Studmm der Rechtswissenschaft die Universität bezogen hatte, blieb er der Neigung für die Kunst treu, und nach seinem eigenen Geständniß hat sich Reuter in Jena mehr mit Zeichnen. Mathematik und Burschenschaftsangelegenheiten beschäftigt als mit dem Jus. Erfolgreich waren von diesen Beschäftigungen zu allererst, wenn auch sehr gegen den Willen des Stud. Jur., die demagogischen Umtriebe, die ihm eine im Herbst 1833 zu Berlin beginnende Gefängnißzeit eintrugen, die erst im Oktober 1840 nach mehrfachem Wechsel des Haftorts endete. Während dieser sieben Jahre politischer Gefangenschaft ist dem verunglückten Studenten der Rechtsgelahrthcit die Malerei eine wahre Trösterin gewesen; manche trübe Stunde dieser thatenlosen Zeit der besten Jugendjähre wurde ihm durch Zeichnen und Malen erheitert und verkürzt, schon in den ersten Haftmonaten auf der Bertiner Stadtvogtei, wie nachher auf den Festungen Silberberg, Glogau, Magdeburg, Graudenz und Dömitz. Zuerst mußten die armenLeidensgefährten als Modelle herhalten, um zu ihrer eigenen wie zu Reuters Unterhaltung in seine Galerie von Zeitgenossen aufgenommen zu werden, dann die Gefängnißwärter, Wachtoffiziere, PlatzcomMandanten und manche ehrenwerthe Bürger und Beamte der verschiedenen Festungsorte mit ihren Damen. Die besonderen Umstände trugen dazu bei, daß Reuter sich dieser harmlosen, dem Staatsverbrecher unverwehrten KunstÜbung mit heiligem Eifer hingab und sie mit dem denkbar größten Ernst betrieb. Von E. Sarre in Berlin am Werderschen Markt bezog er Stifte, Farben, Pinsel und sonstige Materialien, bestellte sich auch ein Handbuch der Oelmalerei um sich mit dieser Technik vertraut zu machen, und gründete gar in Graudenz eine Akademie der Künste", in der er sich mit Oel-, Pastell- und Porzellanmalerei befaßte. Ohne Zweifel hat diese bereitwilligst in den Dienst seiner Umgebung gestellte Kunstübung viel dazu beigetragen, Reuter das Wohlwollen und die Nachsicht seiner Wächter zu erwerbe, und manche freundliche Erleichterung seiner Haft verdankte er gewiß den Kreideund Pastellbildnissen, die unter der unermüdlichen Hand des Gefangenen entstanden. Immer aufrichtig. Gelegentlich eines Besuches in St. Blassen (Schwarzwald) unterhielt sich die Großherzogin von Baden mit einem alten Mütterchen, das ihr als eine Verwandte des berühmten, in Bernau auf dem Schwarzwald geborenen Malers Hans Thoma vorgestellt war. Die Landesmutter bewunderte dabei die prächtig gestickte Schwarzwaldhaube der Greisin und fragte: Die tragen Sie wohl nur an hohen Feiertagen?" Darauf unsere gute Alte mit zitterndem Stimmchen: O ja, wenn die Frau Großherzogin kommen und an Fastnacht!" Auch eine Arbeit. Bummel: Der Spund läßt sich ja jetzt gar nicht mehr sehen?" Rummel: Ja, der ist jetzt sehr beschäftigt, der raucht sein Zimmer an!" Bummel: Was macht er?" Rummel: Ach, seine hellen Möbel gefallen ihm nicht mehr, und da raucht er sie jetzt an, damit sie mit der Zeit braun werden !"

Warum nicht Ihr Helm anziehend machen, durch den Ge krauch ein?s

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