Indiana Tribüne, Volume 28, Number 206, Indianapolis, Marion County, 22 April 1905 — Page 5

Jndiana Tribüne SS. April 1905. 5

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Im Maicnschmuck. Viue uralte Sitte und wie sie entftanden ist. AUcrhauv Aberglauben. Die Eitte, das Heim in der Pfingstzeit mit jungen Birkenftämmchen zu schmücken, ist heidnischen Ursprungs und entstammt einem Baumkultus, den schon die Egypter, Inder und Israeliten kannten. Auch den alten lÄermanen waren die Bäume heilig, namentlich waren es aber Eiche, Buche und Linde, denen sie in besonderer Berehrung huldigten und die in innigsten Beziehungen mit ihren Festen standen. Besondere entwickelte Bäume wurden zu l'?albäumen" gemacht und die Plätze, welche sie beschatteten, hießen Malstätten." Hier fanden im Monat des MarS Versammlungen, meist militärischcr Prägung, statt. Der in die--sein Monat häufig recht bösen Witterung halber wurden diese Märzfelder" aber schon von Pipin dem Kurzen auf den milden und durch altehrwürdige Gebräuche geheiligten Mai verlegt und zu Maifeldern" gemacht. Und da zu dieser Zeit das Auge wohl kaum auf einem Waldbaume so wohlgefällig ruht als auf der Weihbirke, so wurde sie. zumal das vordringende Christenthum und die mit ihm fortschreitende Kultur die altheidnischen Bräuche zu verdrängen begann, der Lieblingsbaum des deutschen Volkes. In grünem Birkenblätterschmuck prangte daher in der Pfingstzeit selbst das kleinste Tachkämmerchen im entlegensten Gäßchen der Stadt, aber auch in stattlichen Wohnungen und Kirchen erfreut der Anblick der grünen Birkenreifer, auch Maien" genannt, Auge und Herz. Mit den Maienzweigen, so harmlos sie auch an und für sich sind, trieb man aber auch allerhand Aberglauben: man steckte sie in alle Winkel des Hauses, um Heren und Dämonen zu verscheuchen. Man band sie an die Futterraufen, um das Vieh vor oem bösen Blick zu schützen. Mit Birkenreisern. Lebensrutben" genannt, pflegten sich die Leu!e zu geißeln und glaubten auf diesem Wege alle Krankheitsstoffe aus dem Körper zu vertreiben, und es dürfte nicht bloßer Zufall sein, daß gerade Birnrutben einst in der Kinderstube und Schule eine gewichtige Rolle spielten, es geschah, um mit den geheiligten Zweigen das besessene Kind von dem Zauber zu befreien. Junge Birken setzt man heute noch beim Richtfest auf dem Giebel des neu erbauten Hauses, um die bösen Geister, welche vielleicht den Baumeister bedrängen, vom eigenen Heim fernzuhalten. Tcr Vnddhazalln in Kandy. In Kandy auf Ceylon wird seit dem Jahre 1566 ein Zahn aufbewahrt, der angeblich von Buddha, dem Begründer des Buddhismus, stammt. Der Zahn ist derart montirt. daß er dem Griffel einer goldenen Blume gleicht. Die Golddrähte, welche den Zahn tragen, ragen aus der Mitte einer goldenen Lotosblume empor. Das Piedestal besitzt die Gestalt eines abgestumpften Kegels mit wellenförmiger Oberfläche, die mit Edelsteinen und anderem seltenen Schmuck besetzt ist. Ueber dem Schrein, in dem der Zahn sich befindet, erhebt sich eine Art Pagode, welche Schätze im Werthe von $500,000 birgt. Zur Verehrung des Buddhazahnes strömen jährlich über 150,000 Pilger nach Kondy. Sie bringen Gaben in Gold und Silber und verausgaben ihr Geld unter den dortigen Haus- und Ladenbeschern. Thatsächlich bestreiten die Priester und Bewohner von Kandv aus diesem Pilgerverkehr fast ausschließlich ihren Lebensunterhalt. Das Leben in Kandy besteht aus einer fast ununterbrochenen Reihe von religiösen Festen und Ceremonien, unter denen die Verbrennung gestorbener Priester für den Fremden das interessanteste Schauspiel bildet. Der Leichnam wnd auf einen Scheiterhaufen aus getrocknetem Holz gelegt, das mit heiligem Oel getränkt ist. Rund um den Katafalk versammeln sich die Priester und Pilger und singen in monotoner Weise das Requiem. Nachdem wird das M angezündet, und die Versammlung beobachtet in tiefstem Stillschweigen die Verbrennuno., bis Leichnam und Scheiterhaufen nur noch ein Häuflein glimmender Kohlen und Asche darstellen. Deserteur als Einbrecher. Im Dezember 1904 verschwand aus Laibach Krain, der 22jährige Kanonier Grcf vom 9. österreichischen Artillerie-Regiment. Er wandte sich nach Steiermark, wo er seine Uniform in die Mur warf, nachdem er sich alte Civilkleider verschafft batte. Vor einiaer Zeit kam er nach Mödling bei Wien und logirte sich unter falschem Namen in einem Gasthause ein. In einer Nacht sprengte er dorten den Koffer des Kellner Mayer auf und stahl eine silberne Uhr und Kleider im Werthe von 150 Kronen ($30.45). Als er die gestohlenen Sachen veräußern wollte, wurde er verhaftet. Demolirte Spielhöllen. In einer Spielhölle zu Santiago. Spanien, entstand ein Streit zwischen dem Bankhalter und den Zöglingen eines Seminars, wobei der Bankhalter verwundet und ein anwesender Student erschossen wurde. Als die übrigen Studenten davon erfuhren, stürmten sie zwei Spiellokale, warfen die Luxusmöbel auf die Straße und verbrannten sie. Tie Gendarmerie verhinderte ein ähnliches Vorgehen in einem dritten Lokal.

Des Dichtcrs Hose.

f&xt in unternehmend, r Pariser eine enge Sammle;- beschwindelte. Vor etwa drei Jahren kam eines Tazes ein Mann Namens Jules Pays in Paris freudestrahlend zu seiner Hausmeisterin und sagte ihr triumphirend: er habe einen prächtigen Gelegenheitskauf gemacht. Dabei öffnete er ein Packet und eninalun ihm eine sehr defekte Hose! Aus Sie erstaunte Frage der Hausmeistcrin, was denn an dem alten Kleidun-zsstück so Werthvolles sei, erklärte er, diese Hose sei worüber er Dokumente besitze von keinem Geringeren als von Viktor Hugo getragen worden. Der Vorfall sprach sich schnell im Viertel herum, und Pays wurde von allen Seiten bestürmt, Stücke von den Hosen des berühmten Mannes abzulassen. Er kam auch diesen Sammlerwünschen bereitwillig nach, natürlich nicht, ohne sich für diese Reliquien gehörig bezahlen zu lassen. Obgleich Viktor Hugo, so groß er auch an Genie war, doch an Körper nur so gotz wie andere war. wollte die Hose kein Ende nehmet?, und Pays setzte den Handel mit ihren Stücken volle drei Jahre lang ununterbrochen fort. In der letzten Zeit aber wurde er, durch den Erfolg ermuthigt, zu keck und verkaufte gleich ganze Hosenbeine zu etwa $18 das Stück. Zufällig kamen jüngst drei Herren zusammen, die jeder ein solches Bein erstanden batten, und als eifrige Sammler rühmten sie einer dem anderen ihre neue Erwerbung. Man kann sich denken, wie erstaunt sie waren, als sie dabei zu dem Schlüsse kamen, die berühmte Hose müsse drei Beine gehabt haben, oder aber der famose Pays habe sie über's Ohr gehauen. Sie neigten sich allmälig der letzteren Ansicht zu. reichten mit mehreren anderen Uebertölpelten eine Klage ein, die zu dem Ergebnisse führte, daß der findige Fabrikant historischer Hosen nahezu 300 Stück davon umgesetzt hat. Bei der Haussuchung, die bei ihm vorgenommen ist, wurde noch eine neue historische Hose in ihrer ganzen" Herrlichseit gefunden. Zu bemerken ist noch, daß diese Hosen alle gewürfelt waren, weshalb die Trödler von ganz Paris für Pays solche aus den ältesten Beständen heraussuchen mußten, da man heute ja keine von solchem Muster mehr trägt. Hcxcnglaubc. Vor der Strafkammer in Göttingen, Hannover, wurde dieser Tage ein Beleidigungsprozeß verhandelt, der den Beweis erbrachte, daß in manchen Gegenden Tcutschlands der Hexenglaube noch die schönsten Blüthen treibt. Als das Kind des Arbeiters Lampe in Relliehausen eines Tages erkrankte, zog die noch junge und unerfahrene Mutter eine ältere Frau zu Rathe. Diese machte sich gerade bei dem Kinde zu schaffen, als der Ehemann Lampe in die Stube trat. Ohne Weiteres warf er die alte Frau zur Thüre hinaus, weil man sie im Dorfe für eine Here hielt. Als sich nun der Zustand des Kindes zufällig verschlimmerte, ging die Nachricht wie ein Lauffeuer durch Relliehausen und das benachbarte Sievershausen: Lampes Kind ist behext." Rasch wurde die als eine kluge Frau" bekannte Frau Reumann in Uslar herbeigerufen, welche die Lampe'schen Eheleute in dem Glauben bestärkte, daß die Hexe" dem Kinde was angethan" habe. Unter Hokuspokus wurde dann das Kind besprochen." Als das Kind bald darauf gesund wurde, glaubte natürlich ein jeder, daß dies der Wissenschaft der Frau Reumann zuzuschreiben sei. Das Bedenkliche bei der ganzen Affäre ftr : aber, daß jene Frau, die man in dem Verdacht der Hexerei hatte, wegen der ihr angethanen Schmach schwer erkrankte. Sie hatte erst gelegentlich dieses Vorfalles davon Kenntniß erhalten, daß man sie für eine Hexe hielt. Sie stellte daher gegen den Ehemann Lampe und die Frau Reumann Strafantrag. Das Gericht verurtheilte ersteren wegen wörtlicher und thätlicher Beleidigung zu 25 Mark Geldstrafe, Frau Neumann erhielt zwei Wochen Gefängniß Entsprungen. Einer der kühnsten Posträuber in den Ver. Staaten, Albert E. Bell, ist aus dem Bundesgefängniß auf McNeils Island. Wafh., entsprungen und hat sich in dk WäldVr geflüchtet Die Gefängnißbeamten begaben sich sofort auf die Verfolgung, doch hatte der Flüchtling seine Spuren so gut verwischt, daß sie über die Richtung, welche er eingeschlagen, vollständig im Ungewissen sind. Vor zwei Jahren, als er einen Post sack gestohlen hatte und von Denv?r nach Philadelphia befördert werden sollte, sprang er aus dem Zuge und bewerkstelligte fein Entkommen. Telegraph-Eodex der Marine. Das Ver. Staaten-Ma-rinedepartement hat offiziell den Tele-graph-Eodex der Western Union adoptirt und Exemplare desselben befinden sich an Bord aller Schiffe der Marine. Abgesehen davon, datz auf solche Weise die amtlichen Mittheilungen geheim gehalten werden, werden durch die BeNutzung des Codex auch die Kosten des Telegraphendienstes bedeutend herabgesetzt. I m Pariser Leihhause werden jährlich etwa 350,000 Uhren und 60.000 Trauringe verfetzt.

Edelkinder Zloras.

Aus unserer Blumenzucht - Welt. Großartige Entwickelung dieser Jndustrie seit drei Jahrzelinten. Immer größere Nnabhängigkeit von den Iahreszeiten. Moden in Lieblingsblumen. Die Bevölkerung unseres Landes giebt heute jährlich rund 20 Millionen Dollars für Blumen aus, die von Floristen gezogen werden, und es sind nahezu 51 Millionen Dollars oder waren es nach dem letzten Censusbericht, der wahrscheinlich schon bedeutend überholt ist in der Blumenzucht angelegt! Dabei ist die Blumenzucht, die nur privatim oder nebenbei betrieben wird, gar nicht mitgerechnet. Es ist wunderbar, wie dieser anmuthigste Zweig des Gartenbaues sich in den letzten dreißig Jahren bei uns entwickelt hat. Wohl gab es auch vor dieser Zeit in den Städten unserer östlichen Staaten und auch in einigen südlichen Städten Geschäfte, die sich in beschränktem Maße mit dem Ziehen von Blumen- und anderen Zierpflanzen befaßten, sowie auch etliche Schnittblumen in den Markt brachten. In der Regel wurden die Erzeugnisse ihres Fleißes unmittelbar an den Eonsumenten verkauft. Aber das war gar nicht zu vergleichen mit der heutigen Riesenindustrie, deren bloße Vorläufer sie bildeten, und die ihrerseits wiederum auf eine ganze Reihe anderer Industrien anregend gewirkt hat. Im Bundes - Censusbericht für 1900 wurde constatirt, daß es damals 6159 geschäftliche Floristen in den Ver. Staaten gab, und dieselben im Ganzen 42.662 Acres Land zur Verfügung hatten, wovon über 81 Prozent verbessertes Land war. Mehr als die Hälfte der betreffenden Etablissements benutzten weniger als 3 Acres, einschließlich des Landes, das unter Glas oder durch die Baulichkeiten in Anspruch genommen war. Daneben aber gab es Blumenzüchtereien von gewaltiger Ausdehnung. Kleinbetrieb und Großbetrieb halten sich auf diesem Gebiete noch jetzt ziemlich gut die Wage. Die Gesammtsumme, welche in Land, Gebäuden und sonstigen Verbesserungen angelegt war, betrug $50,708,671, wovon über 28 Millionen Dollars auf das Land selbst kommen, und etwa 22 Millionen auf Gebäude und Verbesserungen; auch warn nahezu $1,400,000 in Geräthen angelegt. Und das Gesammtprodukt dieser Blumenzüchtereien betrug etwa 20 Millionen im Jahr, oder nahezu $3000 für jeden Floristen. Für Ardeitskosten wurden ungefähr $4,160,000 verausgabt, oder 22 bis 23 Prozent des Produktenwerthes, was ein günstigeres Verhältniß für die Arbeit ist, als es auf den meisten anderen landbaulichen Gebieten vorkommt. Eine bestimmte Lohnskala giebt es auf diesem Felde freilich nicht; aber die durchschnittlichen Löhne sind ebenso gut oder besser als in irgend einer anderen Arbeit entsprechenden Kalibers. Leute mit guter Berufskenntniß verdienen $15 bis $18 die Woche, und gute Vormänner $22 bis $30. Dabei gehört die Arbeit zu der angenehmsten ihrer Art und ist nicht besonders anstrengend, nur sind die Arbeitsstunden manchmal ziemlich lang. Wer aber diesen Beruf wirklich liebt, für den bringt er außer dem Unterhalt so großes Vergnügen, wie nur wenige andere. Was den Einfluß der Blumenzucht auf sonstige Geschäfte anbelangt, so ist derselbe besonders auf die Glasindustrie und gewisse Zweige der Eisenund Holzindustrie ein sehr großer geworden. Vor wenigen Jahren noch schenkten die Glasfabrikanten dem Floristengeschäft kaum irgend welche Aufmerksamkeit; heute aber bewerben sie sich ebenso lebhaft um die Kundschaft von dieser Seite, wie um diejenige der Hausbauer. Und es giebt gegenwärtig ziemlich viele Dampfkesselmacher, deren Produkte nur für Gartenbaugebäude bestimmt sind. Jahr für Jahr wurden Meilen und Meilen eisernes Röhrenwerk für Blumenzüchtereien gebraucht. Dazu kommen Millionen von Fuß Bretterholz, meistens feinere Gattungen, besonders Eypressenholz für Rahmenwerk, wofür höhere Preise gezahlt werden, als für andere Gattungen. Bedeutende Summen werden auch für Cement. Dünger, Farben, Oele und Packmaterial aufgewendet, und enorme Quantitäten Kohlen werden bei der Heizung dieser Etablissements verbrannt: eine der größten Blumenzüchtereien in unserem mittleren Westen soll in dtt letzten Saison allein 30,000 Tonnen Kohlen verbraucht haben! Eine starke Entwicklung hat auch das Vereinswesen in den Blumenzüchter - Kreisen gefunden. Wir haben eine Gesellschaft amerikanischer Floristen", welche im Jahre 1885 gegründet wurde, und deren Mitglieder nach Tausenden zählen, ferner eine nationale Chrysanthemum-Gesellschaft und eine nationale Nelkenzüchter - Vereinigung. (Carnation Society".) Dazu kommt aber noch eine ganze Anzahl örtlicher Vereinigungen in östlichen, westlichen und südlichen Städten. Auch wird unsere Blumenzucht durch vier Wochenblätter unterstützt, welche ausschließlich ihren Interessen gewidmet sind, und in denen alle möglichen atten und neuen Methoden der Cultur von Rosen, Nelken, Chrysanthemums usw. wissenschaftlich erörtert

werden. Dazu kommt noch eine Anzahl Veröffentlichungen, welche im Interesse bestimmter Firmen erscheinen und ihren Kunden gleichfalls eine Fülle nützlicher Ausknuft bieten. Und die Presse im Allgemeinen sieht sich immer mehr veranlaßt, der Blumenzucht bedeutende Beachtung zu schenken, ebenso unser Ackerbau - Departement und allmählich die staatlichen Landwirthschaftsbehörden und Hochschulen. In den einschlägigen Zeitschriften werden auch die Marktpreise aller Blumen in sämmtlichen großen Städten von jeder Woche gegeben, und es erscheinen öfter ausführliche Berichte über die Blumenzüchtern in England, Deutschland, Frankreich, Italien usw., ja selbst im australischen Erdtheil. Blumenausstellungen in unserem Lande und in anderen Culturländern gestalten sich immer epochemachender; aber gerade bei uns ist das Wachsthum der Blumenzucht und des Interesses an derselben verhältnißmäßig am größten, und auch Beobachter von auswärts haben sich schon erstaunt darüber geäußert. Und sogar in das Ausland streckt sie kühn ihre Fühler aus; wenn auch der Blumenexport naturgemäß ein beschränkter ist, so sind doch selbst Schnittblumen schon über den Ocean z. B. auf Pariser Tafeln gewandert, wenn auch vorwiegend für amerikanische Liebhaber und Liebhaberinnen. Die moderne Vervollkommnung des Kühlungsverfahrens ermöglicht dergleichen in beträchtlichem Maße; und wenn solche Blumen nur zu sehr kurzer Herrlichkeit bestimmt sind, nun, so ist es mit den daheimverbrauchten meistens auch nicht viel anders. Entschieden aussichtsvoll erscheint eine Vergrößerung der Ausfuhr mancher Blumenstöcke. Andererseits ist ein großer Theil unserer Blumenzucht und des Blumenhandles, welcher früher ausschließlich sich auf die Einfuhr stützte, ganz einheimischen Charakters geworden. Man denke z. B. nur an die großen Mengen Bermuda - O st e r l i l i e n, welche heute in unserem eigenen Lande gezogen werden, obwohl der Import der Knollen noch immer ein sehr beträchtlicher ist. Zur Verbilligung hat diese Vergrößerung des Angebots durch einheimische Cultur freilich noch nicht in fühlenswerthem Maße beigetragen. Trotz aller Wunderleistungen, welche in der Vervollkommnung auch vieler anderer Blumen erzielt worden sind, bewahrt die Rose noch immer ihren Rang als Blumenkönigin unbestritten. Während aber mehr als 2,000 Gattungen oder Spielarten Rosen in den Catalogen stehen, wird kaum ein Dutzend davon in Treibhäusern während der Wintermonate erfolgreich gezüchtet. Das sind: American Beauty", Bride", Bridesmaid", Liberty", Meteor", La France", Ma Chatenay", Golden Gate", Jvory", Perle des Jardins", Sunrise" und linde John". (Eine Rose Uncle Sam" hat der Amerikaner merkwürdigerweise bis jetzt nicht.) Doch werden ohne Zweifel diese Varietäten noch weiter vermehrt werden, und für das nächste Jahr versprechen sich die Rosenzüchter Großes von einer sensationellen neuen Blume, Richmond" genannt. (Sie wurde zu Richmond, Ind., zuerst gezüchtet.) Es ist dies eine große Rose von so Prachtvoller Farbe und so lieblichem Duft, wie die berühmte alte Gattung Gen. Jacqueminot". die als Winter-Treib-hauspflanze keine besondere Rolle spielt. Im ttebrigen ist es mit der Blumenzucht, wenigstens der in Treibhäusern, auch eine recht heikle Sache, und neben den neu aufkommenden Spielarten, die es zu einem berühmten Namen und zu großem klingenden Erfolg gebracht haben, gibt es auch manche, die wieder verschwunden sind, wenigstens als Gegenstand besonderer Cultur, trotzdem vielleicht eine schöne Summe in sie gesteckt worden war. So wurde in den letzten fünfzehn oder zwanzig Jahren je $4,000 und $5,000 für fünf solche Rosen bezahlt, und keine dieser wird heute für Winterblumen cultivirt; denn sie haben sich nicht bewährt, oder doch nicht in dem erwarteten Maße, ind waren hinter den bestehenden Gattungen zurückgeblieben. Was den geschäftlichen Erfolg betrifft, so wird derselbe auch in der Blumenzucht von der Mode mit beeinflußt. Daß das Ziehen von Schnittblumen erst spät in bedeutendem Mahe aufgekommen ist. hat feinen guten Grund; denn es ist von vielen Ungewißheiten umgeben, besonders hinsichtlich der Rosenzucht, und erfordert unausgefet sorgfältige Beobachtungen bezüglich der Temperatur, der Feuchtigkeit der Ventilation u. s. w. und entspreend eingerichtete Behandlung. Natürlich ist bei Schnutblumen Alles auf den Augenblickserfolg berechnet, mehr noch als bei den Topfblumen, deren Leben in vielen Fällen sich auch nur nach Tagen bemißt. Das rasche Aufpäppeln verträgt sich nicht mit einer sehr langen Existenz, selbst nicht immer bezüglich der Wurzeln. Aber es erwartet auch wohl Niemand, welcher z. B. Osterlilien im Topf kauft, dieselben dauernd weiterzuziehen, und meistens ist man schon froh, wenn die BlumenHerrlichkeit etwa eine Wock? dauert. Nelken oder Carnations" werden heute in vielen Theilen unseres Landes in ungeheuren Mengen gezogen; es ist aber erst ein Dutzend Jahre her,

daß ihre Cultur so rasche Fortschritte hier gemacht hat. Und wenn man gegenwärtig einen amerikanischen Blumencatalog vom Jahre 1896 hervorholt, so kann man obenan unter den Nelken Spielarten verzeichnet sehen, deren jetzt kaum noch eine gezüchtet wird. Ja selbst Varietäten, die noch vor einem oder zwei Jahren sehr populär waren, werden durch neue verdrängt. Für Samennelken sind ebenfalls mitunter hohe, ja schwindelnd hohe Preise bezahlt worden. man spricht von $4,000 bis zu $30,000! Letzterer Preis soll für eine neue Samennelke entrichtet worden sein, welche Mrs. T. W. Lawson" genannt wird. Doch lassen sich hochfliegende Angaben dieser Art so schwer auf ihre Genauigkeit prüfen, wie die Angaben über Gagen berühmter Schauspielerinnen und Opernsängerinnen! Immerhin ist es feststehende Thatfache, daß in dem einen oder anderen Fall $10,000 für die Erwerbung einer neuen Nelken - Varietät bezahlt wurden, und in einigen anderen Fällen das Besitzrecht für $8,000 wechselte. Dieses Frühjahr soll eine besonders großblumige und schöne fleischfarbene Nelken - Spielart, von herrlichem Duft, unter dem Namen Fiancee" zu Markte gebracht werden. Im Ganzen werden gegenwärtig etwa 30 Gattungen Nelken geschäftlich gezogen; eine davon, eine carminrothe, trägt den Nanen des Präsidenten Roosevelt. Noch manche andere Namen von Prominenzen sind unter ihnen vertreten. Bekanntlich hatte Präsident McKinley, namentlich zur Zeit feines tragtschen Todes, besonders viel dazu beigetragen, die rothe Nelke, seine Lieblinasblume, populär zu machen. Nächst den Rosen und Nelken haben die Veilchen im Allgemeinen sehr an Beliebtheit zugenommen, und dementsprechend wurden jedes Jahr mehr gezogen; manche Blumenzüchtereien sind ja sogar ausschließlich ihrer Cultur gewidmet. Hier gehen die Zahlen schon in die Millionen. Den ausgebreitetsten Ruf in der Großstadtwelt genießen bis jetzt die Veilchen, welche in mehreren Gegenden am Hudson entlang gezogen werden. Man hat einzelblüthige und doppelblütige Veilchen, und obwohl die letzteren vielleicht die meistbegünstigten sind, haben doch auch die ersteren, besonders wegen ihrer großen Blumen (manche sind so groß, wie die eines Stiefmütterchens) und ihres lieblichen Duftes viele enthusiastische Freunde. Da man hierzulande keine wildwachsenden Veilchen finden k.nn, welche duften, so sind die Culturveilchen auch noch in der Zeit des Erblühens der wilden Blumen stark begehrt, und Rosen und Veilchen, als verschiedene Sträußchen angesteckt, gehen gut zusammen. Die zarten Maiglöckchen, hierzulande liliefl of the valloy" genannt, welche den Frühling einläuten", sind in vielen Kreisen zu allen Zeiten des Jahres sehr beliebt geworden, seit es durch ein neues Kühllagerungsverfahren möglich geworden ist, sie jederzeit in vollkommener duftender Schönheit zu haben. Noch manche andere Blumen sind solcherart für das ganze Jahr dem huldigenden Publikum zugänglich gemacht worden. Daneben gibt es natürlich auch immer Blumen für eine bestimmte Saison, die vielleicht sogar nur wenige Wochen dauert. Außer den schon erwähntenOsterlilien gehören Orchideen, Callas, sogenannte Süßerbsen u. A. hierher, und von October bis Weihnachten die vielgenannten Chrysanthemums. Das Schnittblumengeschäst wird trotz seiner Schwierigkeiten ein immer vielseitigeres, und Millionen von Tulpen, Hyacinthen, Narcissen und Dasfodils" oder Osterblumen werden jedes Jahr in Knollcnform aus Holland eingeführt und meistens zu dem Zweck, als Schnittblumen verkauft zu werden, zu raschem Wachsthum gebracht. Dieser Zweig der Blumenzucht, der zum Theil noch nicht über die experimentelle Stufe hinaus ist, hat z. B. im Staat Washington einen vielversprechenden Boden gefunden, wie überHaupt unser Westen auch außerhalb des classischen Blumenlandes Californien sich einen beträchtlichen Theil der Blumengunst erobert hat. In außerordentlichem Maße ist die Chrysanthemum, diese herbst- und winterverschönnde Edel - Aster vom Reich der aufgehenden Sonne, seit einigen Jahren durch die Modeliebhaberei begünstigt worden, und es wäre nicht zer verwundern, wenn sie sich in der Gunst des Publikums so lange beHäupten sollte, wie seinerzeit die IaU pe, deren Beliebtheit neuerdings wieder im Zunehmen ist. Nicht weniger als 3.600 Chrysanthemum - Spielarten sind derzeit in Catalogen zu finden, und jedes Jahr gibt es wieder allerhand Veränderungen und Zusätze zu machen. Außer den Erfolgen der Amerikaner und Europäer auf diesem Gebiet, ist neuerdings a u st r a l ischen Züchtern die Erzielung einer Chrysanthemumblume von unerhörter Größe gelungen, bis zu 11 Zoll Durchmesser. Es braucht kaum noch hervorgehoben zu werden, daß mit der eigentlichen Blumenzucht auch das Ziehen von Palmen, Farnkräutern und anderen Blattpflanzen, für Fenster- und sonstige Decoration zu allen Zeiten und auch als Folie für die Blumen, Schritt gehalten und ebenfalls imposante Fortschritte gemacht hat.

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Frenzel mm

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