Indiana Tribüne, Volume 28, Number 202, Indianapolis, Marion County, 18 April 1905 — Page 7
Jndiana Tribüne, 18 April 1905
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O-O O OO O 030040C cuerblumen I o . o lioinan von Adolf Wilbrandt o a - a o a s oo o?ö o$oo (Fortsetzung.) Nun sah sie in ein Gesicht, das ähnlich träumte; das einzige in diese? kleinen Gesellschaft. Werner stand vor ihr; er n?ar sehr bleich geworden, tief ernst; eine freudige Röthe stieg ihn: nun aber in die ein weniq zuckenden Wanzen. Das war schön," murmelte er mit wenig Stimme. Ich danle Ihnen sehr." ' Mir?" entgeznete sie. ES war eben B.'ethoven." Ja, ja," murmelte er wieder. Mich freut, daß es Ihnen so gefallen hat," setzte sie leiser hinzu. Die möchten hier am liebsten lustige Musik; das thu' ich aber nicht; oder selten. Etwas Wunderschönes oder gar nicht!" Er nickte. Er hätte gern ihre beiden Hände ergriffen, die ihm eben so zu Herzen gespielt hatten; aus irgend einem unklaren Gefühl getraute er sich's nicht. Sie spielen so, wie Sie sprechen," sagte er nur, in die nocn ganz musikverklärten Augen blickend. Wie meinen Sie das?" fragte sie verwundert. Sie haben eine so wunderbare Stimme . . . Entschuldigen Sie, dah ich das beut schon sage; sonst hätt' ich s ja doch morgen oder übermorgen gethan. Es ist wohl vor allem so die! Seele drin . . . Und so, mein' ich, war auch Jbr Spiel. Ich danke Ihnen sehr." Sie schüttelte den Kopf; ick Ihnen!" erwidert: sie fast leise. So bat mir das noch Niemand " .Wanda!" rief in diejem Augenblick Herrn Keßlers geräuschvolle Stimme; er stand an der Thür, die zum VorPlatz führte. Ich bitte! Wir gehn!" Sie gab Werner stumm die Hand und ging. Der allgemeine Abschied begann; alle zogen bis zur Hausthür mit. wo der Grebbiner Wagen hielt. Auch Werner folgte, in sich versunken. Es war noch heller Tag, die Dämmerung wollte erst beginnen; der Waen war offen, die Luft ging mild. Beide stiegen ein; Keßler rief noch ein Abschiedswort und winkte mit der Hand. Tann schnalzte er mit der Zunge. Der Kutscher bewegte die Peitsche, die Pferde ;o : en an. Der Wagen rollte über den Hof dahin. Werner sah ihm nach. Es war ihm ein kalt widriges Gefühl in der Brust, wie die zwei miteinander in den sich leise verfärbenden Abendhimmel hineinfuhren. 12. Kapitel, ommst Du mit?" fragte Chrisiine am nächsten Morgen ihren Bruder. Ich will mit Frau Ebert in ihre Küche, Keller und so weiter. Ich will sehn, wie sie's hier machen; kurz, ich will was lernen. Bist Du auch dabei?" Werner lächelte, nahm sie in den Arm und wanderte mit. in den lin!en Flügel. Frau Lotte Ebert stand vor ihrer Küche, eine hübsche, farbige Schürze vorgebunden; es ging, toi: immer, gutherzige, fast übertrieben e'n fache Gemüthlichkeit von ihr aus. Als sie mit ihr in die große, helle Küche traten, in der alles von blanker Reinlichkeit glänzte, sah Werner ein anmuthiges Bild: am Fenster, malerisch gut beleuchtet, saßen rechts und links vom Küchcntisch die beiden Kochenlernerinnen." Bohnen abziehend und Kartoffeln schälend. Wie von einem der alten Holländer gemalt, saßen sie fti ihren lichten auskleidchen und Schürzen so blühend und so heiter da. als wäre diese Arbeit das reine Vergnügen, als hätte man ihnen das Kartoffelschälen zum Geburtstag geschenkt. Fräulein Betty Reif, die Aeltere, die Große, erschien ihm heute sehr stattlich, ein angenehmer Anblick; gestern hatte er sie kaum angesehn. Klüger, mit einem drollig listigen Zug um den hübschen Mund, war wohl Fräulein Hedwig, die Kleinere, Siebzehnjährige. Ihre Augen blitzten sogleich luftig auf, als die Damen eintraten und mit ihnen der feine, elegante Herr. Das Gesicht der andern blieb stiller, träumerisch verwundert. Ei, was bekommen wir für hohen Besuch!" sagte Hedwig, mit einem kindlich übermüthigen Blick auf Werner; er war fast noch ein Backfischblick. Die Luft in diesem Hause war offenbar oosi harmloser Heiterkeit. Ich komme, um den jungen Damen zu helfen," gab Werner zur Antwort. Das ist eine alte Leidenschaft in mir, da Kartof5elscbälcn " C Gott!" rief Christine aus. Und ich hab' mir von Frau Ebert eben ausgebeten," fuhr er unbeirrt fort, daß ich auch etn'as mitthun darf." Die jungen Mädchen lachten. Na. dann kommen Sie nur her!" rief Betty, die Große. Da ist ein Stuhl, und da ist ein Messer." Werner saß auch schon; mit dem ernsteren Gesicht fing er an zu schälen. Er hatte das wunderliche, erfschende Gefühl, aMki er in ein altes holländisches GsWbild hineingetreten und lebe nun leibhaftig drin mit. Aber um Gottes willen!" rief jetzt die Hausfrau. Ihr großen Dirns fangt ja ebenso an, wie gestern meine Kinder!" Bitte sehr!" erwiderte die Kleine. Wir sind junge Damen. Frau Ebert.
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und wissen ja doch, was sich Ichtckl. Aber wenn sich Herr Ringhof selber so dringend und so rührend angeboten hatte-" Von einer unbezwinglichen Leiden-. schaft getrieben." setzte er hinzu. Lassen Sie mich nur, gnädige Frau' Sonst zieh' ich auch norl) die Bohnen ab!" Die Hausfrau zuckte lächelnd die Achseln. Sie begann Christine herumzuführen, von einem Wirthschastsräum zum andern, redselig mit sanfter Stimme erklärend. Werner blieb in
seinem Genrebild; bald unterhielt er sich eifrig mit seinen so gut beleuchteten Partnerinnen, die so lebendig lachen konnten; dabei ging ihm sein Geschäft nicht übel von der Hand. (5s war seit gestern eine gewisse mild? Freudigkeit über ihn gekommen, die er seit Jahren nicht so gekannt hatte; ferne Erinnerungen aus der Knabenzeit, zuerst Nachts im Traum erwacht, zogen ibm weich durch den Sinn. Fräulein Betty, die eben einen witziqen plattdeutschen Spruch verwendet hatte, der ihm sehr gefiel, erröthete auf einmal heftig. Zugleich hörte er eine bekannte männliche Stimme und blickte nach der offenen Gangchür. Hugo Hoffmann stand auf der Schwelle, in einem grauen Rock, den grauen Hut auf dem Kopf. Seit der Abfahrt vom Rupcrtihaus hatte Werner ihn nicht gesehen; die anderen waren über München, Hugo über Wien nach Norden gereist. ,.Schönen guten Morgen!" sagte der Gutsbesitzer mit seinem scheinbar phlegmatischen Baß und nahm seinen Hut ab. Was, da sitzen Sie auch . . . So nützlich haben Sie sich wohl lange nicht gemacht! Ja. und wie lanae hab' ich die jungen Damen nicht gesehn. Ich begrüße Sie, guten Morgen!" Guten Morgen!" gab die kleine Hedwig zurück. Betty nickte nur. Ich wollte Sie und Ihr Fräulein Schwester fragen," fuhr Hugo zu Werner fort, ob Sie mir. vielleicht heute Morgen die Ehre geben möchten, Tescheu berg anzuschauen. Sie wissen, in Heiligenblut haben Sie mir's versprochen " Versteht sich," antwortete Werner mit einer freundlichen Verneigung. Wir wollen Hinterpommern kennen lernen: es war eine klaffende Lücke. Christine und ich sind immer bereit!" Hugo trat langsam an den Küchentisch, nachdem er durch eine Verbeugung gedankt hatte; er streckte seine deckte, die in einem wetlerfesten Handschuh sicclte, zunächst dem Fräulein Betty hin. Na?" sagte er weich, fast etwaZ gedrückt oder verlegen, da V:tty fortfuhr, an ihren Bohnen zu schnitzein. Krieg' ich keine Hand?" Eilt es Ihnen jetzt so plötzlich damir?" fragte Betty zurück; sie hatte wieder die gewöhnliche Farbe im Gesicht. Sie standen ja so lang' an der Thür; ich dachte schon, Sie wollten keine. Aber da! Guten Morgen!" Sie gab ihm ihre große, rosige, gutgeformte Hand. Hugo drückte sie. Ach, wie können Sie so reden, Fräulein Betty. Ich blieb nur an der Thür, weil " Weil Sie sich schämten, daß Sie mir Ihr Wort nicht gehalten haben; vielleicht war es das, Herr Hoffmann." Was denn für ein Wort?" Altt! Das weiß .'r nicht einma mehr!" O doch, Fräulein Bettv. Rech: gu Ich hatt' Ihnen eine Ansichtska aus Heiligenblut für Ihr Album versprochen. Ich dacht' nur eben, Si? hätten es vielleicht vergessen." Ch!" rief sie aus und stand in plötzlichem Eifer auf. ..Ich! das sollt' ich vergessen! Tann sank sie aber rasch wieder auf ihren Stuhl und griff in die Bohnenschüssel. ...Mein Gott." sagte sie ruhiger, Näschen und Mund etwas verziehend, die Ansichtskarte .. . Aus so einer Ansichtskarte mach' ich mir doch nicht gar so viel. Es war mir nur interessant, ob Sie Ihr Wort halten würden; man will ja doch gern Erfahrungen machen. Na, das Wetter war vielleicht gu schlecht. Oder das Wetter war vielleicht zu schön. Oder es war auch gar rein Wetter. Kurz, es hat sich nicht so gefügt!" Ich lin ein j schlechter Mensch," versetzte Hugo zerknirscht. Ich bin ein schauderhaft schlechter Mensch." Bctty schwieg eine Weile. Dann hob sie seitwärts den Kopf zu U;rn: Das ist Ihnen wohl nicht angenehm, daß alle still sind, daß Ihnen gar keiner widerspricht!" Ach. Fräulein Betty!" Ach, Herr Hoffmann!" Wohl zu Hugos Freude ward das Gespräch, dem Werner aufmerksam zugehört hatte, durch eine kräftige Stimme unterbrochen: Ebert erschien in der offenen Thür, mit seiner Frau, Christinc und Minna. Ich weiß schon. Hoffmann, warum Sie hier sind," sagte Ebert. indem er seinen Hut aufsetzte; meine Schwester Wanda, der Sie davon geschrieben hatten, hat mir's gestern erzählt. Dann müssen wir nun aber auch aufbrechen, wissen Sie; sonst wird uns die Zeit zu knapp." Wollen Sie mit?" fragte Hugo erfreut. Gewiß! Bitte, meine Damen, machen Sie sich fertig!" Minna und Christine verschwanden; Hugo, der sie geschwind begrüßt hatte, trat noch einmal zu Fräulein Betty, seinen hochragenden Kopf wie ein armer Sünder senkend. Ich hab's vergessen. das war gemein; die Ansichtskarte mein' ich. Seien Sie desto edler als das bessere Geschlecht und verzeihen Sie. Will'n wi uns wed-
der verdrägen?" setzte er auf plattdeutsch hinzu, da sie noch schwieg. Ach, Sie Schwerenöther!" gab sie nun zur Antwort. Ach Gott ne ja!" fing er scherzhaft auf Messing'sch" an. in dem plattdeutsch gedachten und betonten Hochdeutsch des Schwachgebildeten. Ick bün ja woll ein sehr unbedarwter Mensch; aber-" Bitte, verspäten eie sich nicht!" unterbrach sie ihn. Ihre Damen warten! Uebrigens. mit Ihnen sprech' ich jetzt nur uvch hochdeutsch, bis Sie sich ernstlich gebessert haben. Schönen guten Morgen!" Hugo murmelte ein Abschiedswort, grüßte und ging. Werner folgte ihm. Tor der Hausthür, auf dem Hof, hielt Hugos Wagen, ein stattlicher viersitziger, in den Minna mit Christine, Ebert mit Werner einstiegen; Hugo stieg auf den Bock, die Pferde zu lenken, der Kutscher saß neen ihm. Der Himmel hatte sich wieder bezogen, es war kühl geworden; doch regnete es nicht. Sie fuhren über die Bartelshagener Feldmark, dann durch Kolonisienland, ehemaliges Herrengut, das in viele kleine Bauernhufen oder Büdnereien zerthei t worden war; auf dem welligen Boden lagen die einzelnen Wohnsitze mit spärlichem Baumwuchs hier und da verstreut. Allmälig näherte sich der See, von dem sich gestern ein Zipfel gezeigt hatte, und breitete seine graue, durch Halbinseln zerrissene Fläche aus. Doch ehe man ihn erreichte, schwenkte der Wagen auf einen Seitenweg ab und rasselte vald auf den gepflasterten Gutshof von Teschenberg. Ein frisch getünchtes, lichtgelbes, stattliches Herrenhaus leuchtete unter dem farblosen Himmel; dahinter stiegen die mächtigen Baumkronen des Gartens auf. Vor der Glasveranda, die den Eingang des Hauses deckte, hielt ein kleines, leichtes Gefährt, in dem zu Werners Ueberraschung Frau Wanda saß. Sie hatte die Zügel in der Hand, ihre Pferde scharrten; ein kleiner Kut scher saß hinter ihr. Ick bün all hier!" rief sie wie in
dem plattdeutschen Märchen vom Swinegel und seiner Frau; es war dem verblüfften Werner ganz sonderbar, diese Frau und diese Stimme plattdeutsch reden zu bören. Sie hat' ten ja recht, Herr Hoffmann, ich mußt' auch dabei sein. Ihr Feld hab' ich ja schrecklich lange nicht gesehen!" Sie stieg ab, die anderen auch; man begrüßte sich. Die ganze Gesellschaf: durchwanderte dann das Haus; Christine in Minnas Arm gehängt, etwas befangen schweigsam, Hugo etwas auf geregt beredt, aber sich fast nur an die anderen wendend, aus ehrenfestem Zartgefühl. Nach der städtischen Eleganz in Frau Minnas Flügel, der etwas altfränkischen Behaglichkeit im Ebertschen verspürte Werner hier die Kälte eines Junggesellenheims, die er freilich auch erwartet hatte; alles schien noch in einem gewissen Zustand der Er Wartung zu sein: wann kommt denn endlich die s?rau und die Gemüthlichkeit? Im Speisezimmer, das in einen blumenreichen, nur etwas verwilderten Garten blxite, war der Tisch mit einen Üppigen Frühstück bedeckt; Hugo lud eifrig ein, sich zu setzen. Nein, nein, nein, das paßt uns nicht," saite aber der unaednldi-'e Cbert soaleich, für alle ..Im Stehen ein Butterbrot und banr weiter: meinetwegen einen Tropfen Wein dazu. Teschenberg ist groß und wir haben noch viel zu sehen!" Niemand widersprach; nach wenige.'. Minuten trieb er auch schon zum Abbruch, und man zog zu Fuß auf das Feld hinaus. Wanda ging mit Hugo voran; ihre schlanke, fast noch madchem hafte Gewalt schien so recht mit Freude auszuschrenen. Sie nahm sich gut neben dem langen Germanen" aus. der sie freilich stark überragte; übrigens war auch eine schlichte, selbstverständliche Herzlichkeit zwischen ihnen, die Werner jchon bei der Begrüßung bemerkt hatte. Mit Hugos Zutraulichk:it zu der jungen Frau mischte sich ein? gewisse Huldigung, eine ländlich natürliche Verehrung, die fast rührend war; sie gefiel ihm an dem Mann, den er sonst nicht liebte. Wanda strebte lebhaft vorwärts, auf den Feldwegen ztoi sehen den hohen Saaten hin, die in der stillen Luft heute wie eingeschlafen standen, und wie wenn sie die gtchen, gelblichen Aehren mühsam aufrech: hielten. Sie griff bald hier, bald da in das vielversprechende Gedränge hinein; ihr Kopf ging wie der eines Vogels eifrig hin und her. Hugo, sich zuweilen halbverstohlen zu Christinen wendend,, erklärte die Eintheilung seiner Feldmark, die Fruchtfolgen, die Zeiten bt Aussaat; geflissentlich sachlich, unpersönlich; zuweilen erschien dann ein plötzliches, jugendliches Feuer in den großen Augen. Ihr Roggen steh, oesser als unserer." sagte Wanda endlich; Ihre Gersie auch. Na, ja, überhaupt . . . Ich Hab's doch noch immer nicht erreichen können, daß mein Mann Ihre neue Eintheilung der Schläge in Grebbin einführt. Alles ist vergebens!" 's ist eben ein zäher Bauer," murmelte Ebert hinter ihr. Aber nur nicht nachlassen. Kriegst ihn am Ende doch herum." O," sagte sie. ich hab' Geduld! Ihr Weizen da steht ja auch nicht schlecht; aber wie kommen Sie zu dieser furchtbaren Menge Feuerblumen? Manchmal steht man ja mehr Roth als Gelb. Worüber lächeln Sie? Die lächeln ja alle. Nur Otto nicht. Was ist da zu lächeln?" Das ist nur so 'ne Geschichte aus
dem Hochgebirg," fing Hugo nach einsgem Zögern an. Wir haben da" Wir haben da wie gute Teutsche grimmig gestritten," nahm Werner d.i. rJo:t. Es handelte sich eben um dicFeuerblumen. Ich erzähl' Ihnen das zu gelegener Zeit." Das Zeug sieht ja gut aus," sagte Ebert harmlos; im Blumenstrauß auf dem Tich hab' ich's sehr gern. Aber hier ist's der reine Unfug! Ich dachte, dieser ganze Hügel wär' guter Weizenboden." Ist es auch. Ebert! Ist es auch'" rief Hugo. Ich hab' hier das letzte Mal famosen Weizen gehabt. Ävtt diesmal hat das verwünschte Unkraut" ..Entschuldigen Sie!" setzte er un willkürlich, m:t einer Wendung zu Werner. hinzu. Werner, in seiner besten Laune, lacbte laut auf. Die anderen lachten mit. Sie gingen weiter, an hübschen kleinen Geholfn und einem ehemaligen Teich oder Wasscr'och vorbei, zu dessen Urbarmachung eben Thonröhren gelegt wurden. Wanda sprach mit dem Vorarbeite?; sie schien das alles wie ein Mann zu verstehen. Eine grüne Niederung senkte sich dann zur Linken, eine lange, nicht so breite Wiese, die künstlich entwässert war; schmale Quergräben theilten sie in eine Reihe fast gleicher Theile. Das schon einmal gemähte Gras sah schon wieder recht Üppig und saftig aus. Hugo betrachtete die Wiese mit liebevollem Blick. Mit der bin ich jetzt zufrieden," bemerlte er zu Ebert. Sie thut, was sie soll." Ebert nickte sachverständig. Wanda seufzte leise. Dabei muß ich an unsere Kleistwisse denken," sagte sie, sich an die beiden Landwirthe wendend. Oben an den Rändern ist sie ja prachtvoll; aber nach der Tiefe zu wird sie immer schlechter, und unten ersäuft sie ganz. Und man könnte sie doch gewiß sehr viel trockener machen; Otto, meinst Du nicht?" Gewiß," antwortete Ebert, auf seinen gelben Knotenstock gestützt. Den Abzugsgraben tiefer legen." Tief genug? Glaubst Du?", ..Große Arbeit würd's machen; Unkosten auch. Aber verzinsen thut sich'5 gewiß!" Aber oen. nach den Rändern zu. würd' dann da der gute Boden nicht am Ende zu trocken werden?" Hugo machte ein etwas bedenkliches Gesicht: Da hat Frau Keßler vielleicht nicht unrecht. Je tiefer der Graben, je weniger Wasser bleibt in der Höhe." Ebert schüttelte ruhig den Kopf: Das ist nicht so schlimm. Hoffmann, das fürcht' ich nicht. Wissen Sie. diese Kleistwiese ein verwünscht wasserhaltiges Stück Land!" Geht doch einmal mit mir hin." sagte Wanda, untersuchen wir's ganz genau. Willst Du, Otto? Herr Hoffmann, wollen Sie?" Sebr gern," entgcgnete Hugo; lassen Sie mich nur kommen; wann Sie wollen!" Ebert nickte und streichelte ihr die Wange. Nach diesem Gespräch, das Werner tiefverwundert angehört hatte, zog bic kleine Gesellschaft weiter. Endlich waren alle Hauvtsachen geseben; bei einer schönen, alleinstehenden Eiche, wo die Bescbauung enden sollte, hielten die nachbestellten Wagen, der kleine und der große. Man trennte sich, es war hohe Zeit; Wanda bestieg ihr Wägelchen und nahm wieder die Zügel; die andern stiegen in den Viersitze, ein. den nun der Kutscher führte: Hugo ging zu Fuß nach Haus. Werner sah der kutschirenden jungen Frau etrn Weile in allerlei Gedanken nach. Er suylle oann eine Hand aus seinem Knie; Ebert hatte sie zutraulich darauf gelegt. Ich tann mir denken, was Sie sich denken," vegann Etert lächelnd, mit gedämpfier stimme, des Kutschers wegen. Sie wundern sich üver meine Schwester Wanda und ihre Landwirth' schaft. Das ist natürlich." Ich gestehe, ja " Wie sollten Sie auch nicht! Wissen Sie, als meine Schwester heirathete, da verstand sie von der Landwirthschaft so viel wie dieser Stock. Sie wünschte sich auch nicht mehr! Aber wie's so geht. Der Mann Na. Sie haben ihn ja gesehen. Und meine Schwester Minna da wird Ihnen schon dies und das über ihn erzählt haben; denn römische oder spartanische Verschwiegenheit ist nicht ihre Sache "
Minna lachte zustimmend aus. ) (Fortsetzung folgt.) Gntsct7tdigt. Kneipkollege (höhnisch): ...Ja. schimpfen thut meine Frau auch onentlich, wenn ich spät nach Hause komme aber mit dem Stiefelknecht werfen, wie Deine Alte diese Nacht . . ."-H a u s h e r r : Was sollte ste machen sie war ja stockheiser!" Der Grund. Du behandelst Deinen Mann in der letzten Zeit ja ganz außerordentlich schlecht." X antippe: Ja. denk Dir, dem wurde neulich in einer spiritistischen Sitzung suggerirt, ich sei gestorben, und da machte der Unverschämte in der Hypnose ein überglückliches Gesicht Der Handel mit künstlichen" Mumien bringt, nach einer französisehen Zeitung, EgYPten jährlich mehr als $200.000 ein.
Brande in Koustantinopcl. Wenn hier eines der alten türkischen Holzhäuser in Flammen aufgeht, so giebt es, falls der Brand sich begrenzen läßt, ein nur kurze Zeit währendes Schauspiel. Manch einer, der einen kurzen Spaziergang gemacht hatte, fand bei seiner Rückkehr nur ein Häufchen Asche vor, wo eine halbe Stunde vorder sein Haus gestanden hatte. So fting es auch kürzlich dem englischen Eesckäftsträger. Herrn Townley. Sein türkisches Miethbaus lag naye der deutschen Botschaft; e'war ein geräumiger luftiger Bau. den reichliche Mittel und guter Geschmack zu einem entzückenden Heim umgeschaffen hatten. Zufällig befand sich Lady Si-zan Townley allein in dem Hause, als der Brand ausbrach. Nur mit ei.'.em leisten Morgenkleid bekleidet entfloh Lady Suz.an in bis deutsche Botschaft, nährend im Laufschritt die zwölf Mann der deutschen Botschaflsfchutztruppe. die unter dem Befehl des Oberleutnants z, S. Graf Recke in der Botschaft wchnt, anrückten und noch einige werthvclle Stücke retten konnten. Auch die deutschen Kawassen betheiligten sich an dem Retiungswerke. Schließlich erschien auch die Feuerwehr des Grafen Szechenyi und die altmovis'ten Tolumbadschis, die lautlos auf klotzen Sohen einhertraöenden und spritzentragenden Löschmänner. Von den Sammlungen aus aller Herren Ländern, die das Heim füllten, konnte nur wenig geborgen werden, und Lady Suzan sah von den Fenstern der deut schen Botschaft den Ort in Trümmer und Asche zerfallen, wo sie vor einigen Minuten noch so sorglos in ihren Kissen gelegen hatte. Dieser nicht gcrade programmäßige Verlauf oes Morgens sollte indessen auf das Programm des Abends keine Einwirkung haben; der Abend sah Lady Suzan strahlend auf rem Balle der Gesellschaft Dorcas, dem allwinterlichen Ereigniß der englischen und befreundeten Kreise.
Aus dem gt lobten Lande des Mottos kommt wieder einmal eine jener Nachrichten, die durch ihre Seltenheit erst recht das ganze Hr der Lottospieler in die freudig, .e Aufregung versehen nnd dem Lotto-Aberglauven für Jay:e hinaus wieder neue Nahrung zufüren. Die iabbala und das Traumbuch huben am 4. März, bei der Zie hung in Neapel einen glänzenden (ro!g gegen den N..cker Staat" davongetragen, der bekanntlich mit der Selbstsucht, die man an ihm gewöhn: ist. das Lottospiel nur als eine sistalisehe Einnahmequelle und nicht als eine gütige Vorsehung für den armen Mann ansieht. Ab und zu aber räch: sich das neapolitanische Volk, das wie kein anderer Theil der Bevölkerung Italiens vom Höchsten bis zum Niedrigsten für das Lctto eine schwär, merische Verehrung empfindet, an dem habgierigen Staat und nimmt ihm an einem einzigen Samstag Nachmittag ein paar Millionen ab. Das ist nur möglich durch die unter den NeaPolitianern allgemein verbreitete Kenntniß der geheimen Wissenschaften, infolge deren die gesammte lotlospielende Bevölkerung einige bestimn U Nummern zeitweilig als glückbringend ansieht und wie nach einer wohlvrbreiteten Verschwörung einmüthig auf diese setzt. Diesmal waren es die Nummern 6 und 23, die man, wer weiß mit welchen tiefsinnigen Berech nungen, als Gewinn-Nummern für die Neapoler Ziehung erkannt hatte, und clle Welt setzte darauf. Sie kamen beraus. und nun muß der Stai an mehrere tausend Gewinner im ganzcn über zwei Millionen auszahlen. Brennende Dschnnkenftadt. An den Ufern des Westflusses, 500 Kilometer von Hongkong entfernt, liegt in der Kwangst-Provinz der blühende Vertragshafen Wuchow, der dem Vizekönig von Kanton augenblicklich als Wohnort dient. Der Ort ist besonders zu Beginn des Monats Februar, wenn die chinesische Bevölkerung zur Feier des Neujahrsfestes zusammenströmt, dicht beoölkert. Die Hälfte der Menschen wohnt auf dem Flusse in Sampans und Dschunken, die während der Nacht auf dem Fuflusse, einein Nebenflusse des Westflusses, an kern. In der Nacht zum 7. Februar iahen die cnlisci'.en Konsularbeamten und die amerikanischen Missionäre, d'e auf einem Hügel an der Wasserstraße wohnen. Flammen aus diesen Booten aufschießen. Mit großer Geschw:nd!gZeit sprangen diese Flammen von Boot zu Boot über. Die Boote selbst geriethen ins Treiben und über!rugen das F?uer mi Vantas. Ein chinesisches Damvsboot dampfte tapfer ;n die brennende Masse, um die brennenden Boote vom Ufer loszumachen. Das Schiff verbrannte dabei vollstä-'d!g. aber die schwere Aufgabe gelang feiner Mannschaft mit Aufopferung de eigenen Lebens. Hunderte von Menschen -Nüssen in f en Flammen oder im W'sser ihren Untergang gefunden nabei. Man glaubt, daß das Feuer dur Tt: chen an Bord zum Ausbruch kam. Da bei dem in Landau (Pfalz) in Garnison liegenden -18. Infanterieregiment seit dem 29. Januar kein neuer Typhusfall mehr vorgekommen ist, ka,in die Epidemie als e:lo schen angesehen werden. Die Zahl der frn Garnisonlazareth befindlichen Typhuskranken beträgt noch 34. darunter 30 Rekcnra'eZzenten. vier sind der Krankheit erlegen.
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ranz v. DefreggcvÄ 7. eburtOtß und küttstlcrichc Vcdcutuu. Einer der vorzüglichsten Genremalcr Deutschlands. Franz v. Tefregger. begeht demnächst seinen 70. Geburtstag. Wie kaum ein andere? Künstler hat Tefregger es verstanden, das Volksleben mit so scharfem Blick und einer so vollkommenen Wahrheit zu erfassen. Am besten sind diejenigen seiner Schöpfungen, bei denen eine heitere Auffassung des Lebens den Mal?? begeisterte. Franz Tefregger erblickte am 30. April 1835 zu Stronach in Tirol als Sohn eines Bauern das Licht der Welt. Schon in früher Jugend begann er beim Viehhüten zu zeichnen und in Holz zu schneiden. Als er 1860 sein väterliches Erbtheil erhielt, g.ng er nach Innsbruck, um unter Leitung des Professors Stolz BildHauer zu werden. Defregger bekundete jedoch mehr Geschick zum Malen und besuchte deshalb die Münchener Kunstakademie. Nachdem er hierauf zwei Jahre in Paris geweilt, trat er 1867 in das Atelier von Piloty in München ein, wo sich seine Begabung schnell entwickelte. Defregger behandelte Motive aus dem Tiroler Volksleben, und es entstanden unter anderem die Bilder Försters letzte Heimkehr" und Speckbachcr und sein Sohn." Nach der GeFrau; v. Dfreger. nesung von einer schweren Krankheil malte Defregger für die Kirche zu Tölsach eine Madonna" mit modernem Gesichtsausdruck. Er schuf nachdem Der Tanz auf der Alm" und Die italienischen Vettelsänger," Gemälde, die Tcfreggers Ruhm sicher begründeten. Seinem Versuche, von der Genremalerei zur Historienmalerei überzugehen, entsprang die lebensgroße Figur Andreas Hofer." Im Jahre 1878 wurde Tefregger Professor an der Münchener Kunstakademie. Unter seinen neueren Schöpfungen sind zu erwähnen Der Salontiroler" und die Wahrsagerin." Durch tausendfältige Reproduktionen sind die Werke DefreggerS in der ganzen Welt bekannt geworden. Ein künNiger Mikado. Der Sodn ?d japanischen Kronprinzen als Schauke!pscrdrei!er. Während die neuesten Photographien des Zarewitsch diesen noch im Tragkissen oder höchstens auf den Knieen seines Vaters und da noch mit der Unselbstständigkeit eines Halbjährigen reitend darstellen, zeigen uns die letzten Jllus '-atirnen aus Ostasien seinen prä'".m7,ircn Kollegen auf künftigem. Ka'c'.hion, den Enkel des Mikado, fr::: ö Äs c:. 'sendeten Kavalier allerdings auf einem Schau kr! Pferd. Das dunkle Vürschcben, das dem nächst sein viertes Lebensjahr vollen det, heißt Hirohito Michinomiya und ist der erstgeborene Sohn des japaniPrinz Hirohito Mi6inoniiya. schen Kronprinzen Foshihito Haruno miya aus seiner Ehe mit der Prinzessin Sadako Fudschiwara. Trotz der europäischen Babygewandung läßt sich in dem jungen Prinzen eine Veranlagung zur Entschiedenheit nicht rerkennen, wenn auch die Bethätigung derselben ihm noch nicht viel Sorge zu machen scheint. In der That dürfte er noch reichlich Zeit haben, sich auf die Erfüllung der Herrscherpflichtcn vorzubereiten, denn zwischen ihm und dem Thron steht einstweilen noch sein Vater, und der ist erst 26 Jahre alt.
