Indiana Tribüne, Volume 28, Number 202, Indianapolis, Marion County, 18 April 1905 — Page 6
18. April 1905. 6
Jndiana Tribüne
Dichtungen
von Mutfuhiio, Kaiser von Japan. I. Friedfertig ist mein Enm: in Eintracht möcht' Mein Leben lang ich sein mit allen; Doch ach! Es steigen Wetterwolken nieder, Der Sturm hebt an und peitscht die Wcllen auf, Tic Elemente rasen um mich her Jäi kann's nicht fassen, warum dem ist! TL jährlich l StieM unser ist die schuld. Wir wollten lauter sein in Wort und That. Nnd unverfnchet blieb kein Mittel, Recht zu bekommen in gerechter Cache. Vergebens alles! Nun mag der Gort, Der' in der Wmschen Herzen sieht, uns gnädig sein! III. Tic Jungen in der Front', schon greifen Auch die Alten zu den Waffen. Tief, tief hinab sich beugend zu den Halmen Heimsen im Reisfeld reiche frucht die Greise. Co eifert Alt und Jung, zu opfern Freudig sich dem Vaterland. Lileja. Nach dem Russischen des Luchmanow von El. Verdau. Sileja! Lileja!" rief der alte Fürst, der in seinem bequemen Polsterstuhl süß. Welch merkwürdiger Name!" Merkwürdig? Ach ja, ich vergaß ganz, daß ie ein neu angekommener Gast sind. Ich war so befreundet mit Ihrem Vater, verehre und liebe Ihre Mutter so sehr, daß es mir vorkommt, als hätte ich auch Sie immer gekannt, und dennoch. . . Ja, Sie sind also erstaunt, daß ich meine Tochter Lileja nenne. Man hat Ihnen einfach gesagt, sie heiße Elena Pawlowna? Als Baby, als sie noch nicht ihren Namen aussprechcn konnte, hat sie sich selbst Lileja ffenannt. So ist nun dieser Name für sie geläufig geblieben . . . Lileja!" Ich komme schon, ich bringe den Kaffee." . Die Stimme, die vom Corridor her erklang, fiel auf durch ihre Weichheit und durch den metallischen Ton. Die Portiere bewegte sich leicht, ein rosafarbener Kattunärmel wurde sichtbar, das vergnügte, stumpfnasige Gesicht des Stubenmädchens, die die schwere Portiere zurückzog, und in der Thüröffnung wie in einem Rahmen von dunkelrothem Sammt stand die schlanke, hohe Gestalt des jungen Mädchens. Das dunkelblaue Kleid umschloß fest tadellose, mädchenhafte Formen. Alle Linien der Schultern, Brust, Taille und Hüften schmolzen zusammen, als ob sie gemeißelt wären. und bildeten als Ganzes eine unvergleichlich herrliche Harmonie. Die kleinen Hände mit feinen, langen Fingern hielten ohne Mühe das' schwere, silberne Theebretr, auf dem ein Kaffeeseroice stand, Eier in Bechern und ein Korb mit Brod. Leicht und ruhig trat Lileja ins Zimmer, stellte auf den Tisch neben dem L.'hnstuhl des Vaters d-ssen Frühstück, und erst dann richteten sich ihre Augen auf den Gast. Graf Gordenjew," stellte ihn der Vater vor, der Sohn meines eh;maligen Regimentskameraden. Meine Tochter, Prinzessin Elena Pawlowna." Trinken Sie Kaffee, Graf?" Das ist das Land! In Petersbürg würde ein junges Mädchen Sie nach der Oper fragen, ob Sie lang im Ausland gewcfen, und hier fragt man vor allem: Trinken Sie Kaffee?" Und der alte Fürst machte sich lachmd, gierig an sein Frühstück. Die Prinzessin stand schweigend und blickte auf den Gast, augenscheinlich eine Antwort auf ihre Frage erwartend. In ihrem bleichen Gesicht war weder Koketterie noch ein Lächeln noch Verwunderung über die Begegnung mit dem unerwarteten Gast zu bemerken. Danke Ihnen, ich nehme gern etwas Kaffee." Das Mädchen drehte sich um, ging hinaus, wobei sie dem Grafen ihren zarten Nacken zeigte, und er bemerkte, wie sie sich beim Gehen leicht in den Hüften wiegte, wie eine Blume unter dem Windhauch. hre Mutter ist also noch ein Jahr im Ausland geblieben?" Gordenjew setzte sich. Mama. . . Sie wiyen, wic's mit ihrer Gesundheit steht, ich glaube, sie wird nicht nur auf ein Jahr, sondern für immer im Ausland bleiben müssen. Die Dottoren sehen keine Möglichkeit für ihre Lungen, unsern Herbst, Winter, ja sogar den Sommer mit solchen scharfen Contrasten in der Temperaiur durchzumachen. Ich habe um ihretwegen meinen Abschied genommen und bemühe mich um eine Anstellung in unserer Botschaft in Frankreich, Italien oder Spanien." Sie werden sich langweilen!" Langweile? Ja, vielleicht, aber . . . während Mama. . . es ist eben rothwenoi.i." (?r erriete tief und drehte sich um. Fürst LuZowskn blickte auf Gordenjtm, er sah. daß dieser große und starke Mann von 35 Jahren in Verwirrung gerieth. weil er mit seinen Worten der Angst, seine Mutter zu verlieren, und der kindlichen Liebe Ausdruck gegeben hatte, die ihn zwang,
das persönliche Interesse und seine Carriere zu vergessen wegen einer kranken, einsamen Frau. Das ist brav," sagte er, und. . . selten. . . übrigens Lileja würde c?nau wie Sie handeln." Und die Prinzessin, kaum hatte man sie erwähnt, erschien schon wieder an der Thür, aber dieses Mal schlug sie selbst mit einer graziösen Handbewegung die Portiere auseinander, und das junge Zimmermädchen folgte ihr. Lileja nahm lächelnd alles vom Tisch des Vaters ab, übergab es dem Mädchen und setzte sich so hin, daß sie den Vater und den Gast sehen konnte; mit der linken Hand ergriff sie vom nächsten Tischchen die angefangene Arbeit und machte sich ruhig daran. So sind Sie Graf". . . sie hielt inne, seinen Namen nicht findend. Georgej Alexejewitsch", sagte der Vater. So sind Sie, Georgej Alerejewitsch, unser nächster Nachbar? Das Gut Gordejewna liegt wohl drei Kilometer von hier?" Ja, ich bin nicht weiter von Ihnen entfernt, aber nickt von meinem Gute, sondern von der Stadt aus." Sie wohnen in unserm Bezirksstädtcken?" ' Ja, mein Fürst, im Bezirksstädtchen, aber was thun? Ich habe da Geschäfte! Ich muß mich womöglich einen vollen Monat dort aufhalten. Kennen Sie unser Haus auf dem Gut? Es sind Räumlichkeiten aus der Zeit der Kaiserin Katharina: Säulen, Chöre, Marmorsäle, Kälte und Verödung, großväterlicher Hausrath, verknüllte Betten mit Baldachinen; trotz des heißen Sommers Feuchtigkeit, Kälte, ich bin überzeugt, daß dort in jedem Zimmer Gespenster hausen, und ick machte mir ein Gewissen daraus, ihre Ruhe zu stören." Die Prinzessin erhob nachdenklich den Blick vom feinen Stickereistreifen. Ja, es kann schon sein." Gordenjew lachte. Was kann sein, Elena Pawlowna? Daß doch Gespenster umgehen? Glauben Sie?" Eine kaum merkliche Röthe zeigte sich auf den Wangen des jungen Mädchens. Ich wollte immer diese Zimmer besichtigen; ich hörte, daß sie wieder instandgesetzt werden, aber sich niemals in der Hauptsache verändern; was die Gespenster anbetrifft, so glaube ich nicht gerade daran, aber ich bestreite es auch nicht. Ich halte es für möglich!" Du bist nicht klug'," sagte der Fürst trocken und schwieg. Das Köpf chen der Tochter senkte sich, erröthete tiefer, die dunklen Wimpern erzitterten, schneller bewegte sich der goldene Fingerhut. Ich werde anordnen, Prinzessin, daß Ihnen alle Schlüssel vom Hause gebracht werden. Dort sind alte Gobelins. Porträte, Bilder, Porzellan. Es kann Sie vielleicht interessiren. und was die Hauptsache ist, im Eckthurm ist ein rosa Zimmer, in welchem meine Urgroßmutter lebte, auch Elena, wie Sie, genannt; sie verheirathete sich mit 15 Jahren und starb sehr zeitig eines geheimnißvollen, räthselhaften Todes. Es steht dort noch ein Schrank mit ihren Puppen, die sie mit in die Ehe brachte." Das alles ist herrlich aber wo haben Sie in der Stadt Ihr Quartier aufgeschlagen?" In jeder Stadt ist eine Hofstraße und ein Europäischer Hof. Man muß zufrieden sein, Fürst, mit dem, was das Schicksal einem schickt." Dieser Europäische Hof ist eine scheußliche Baracke. Sorge dafür, Lileja, daß heute noch der Wagen geschickt wird, um die Sachen des Grafen zu holen." Mein Fürst! Wie ist das möglich!? Denken Sie, daß ich einwillige, Sie zu stören?" Uns zu stören?. . . Ich hieße nicht Fürst Lukowsky, wenn ich dem Sohne meines besten Freundes er-laub-e, drei Kilometer von meinem Gut entfernt in einer Dorfschenke zu logiren. . . Nicht wahr, Lileja?" Gordeniew war betroffen von der plötzlichen Blässe der Prinzessin. In die großen, geöffneten Augen trat ein Ausdruck der Furcht, aber ihre Stimme klang ebenso musikalisch und gleichmäßig. Um Gottes willen, Papa, regen Sie sich nicht auf, vielleicht erlauben die Geschäfte dem Grafen nicht". . . Mein? Geschäfte", erwiderte der Graf, sind bald beendet, und ich nehme für einige Tage mit Vergnügen Ihre Einladung an." Die Prinzessin erhob sich, ihre Hände zitterten kaum merklich, als sie die Handarbeit zusammenlegte. Du wirst für den Grafen mein blaues Kabinett oben in Ordnung bringen lassen. Es wird Ihnen doch angenehm sein, Georgej Alexejewitsch? Rechts die Bibliothek links die Bildergalerie an beiden Orten werden Sie wahre Kunstschätze finden." Wieder ein Ilick der Prinzessin, in dem sich diesmal Entsetzen spiegelte. Ein merkwürdiges Mädchen!" dachte der Graf, sich innerlich schon über sich ärgernd, daß er eingewilligt hatte zu bleiben. Papa, Ihre Stunde zum Spaziergang!" bemerkte plötzlich die Prinzeß sin und drückte auf den Knopf der elektriscken Glocke.
um Ihnen den unangenehmen ANblick zu ersparen, wie man mich aus dem Schaukelstuhl in den Lehnstuhl transportirt und mich im Blumengarten herumfährt, rathe ich Ihnen, Georgej Alexejewitsch, bis zum Essen sich etwas Bewegung zu machen und im Park spazieren zu gehen; die Prinzessin müssen Sie entschuldigen, sie begleitet mich stets.". . . Ich bitte Sie, Pawel Leowitsch, geniren Sie sich nicht meinetwegen, ich möchte Sie um die Erlaubniß bitten, in die Stadt zu fahren." Und er verabschiedete sich von Vater und Tochter. Dann setzte er sich in den Wagen und fuhr nach der Stadt zurück. Der Weg führte aus den Feldern durch den Wald. Dichte, hundertjährige Fichten wechselten ab mit zarten, krausen Birken; ungeheure Eichen, die hoch ihr Haupt erhoben, zeichneten sich mit den zackigen Conturen ihrer Blätter so deutlich ab, als ob sie geschnitzt wären. Ein schöner Wald!" entfuhr es unwillkürlich den Lippen Gordenjews, der mit vollen Zügen die Frische und den Waldesduft einathmete. Hier muß es viel Wild geben!" Was gibt es hier nicht, Durchlaucht! Alles gibt es, vom Waldschrot bis zum Wolf. Böcke treiben sich hier in Herden herum. Thatsächlich, jetzt haben sie ihre Freiheit." Der Kutscher ! machte eine Handbewegung, auf den ranzen Umkreis hinweisend: Nämlich im Walde ist keine Jagd!" Erlaubt es der Fürst nicht?" Der Fürst ist ein stolzer Herr. Er selbst ist schon seit sieben Iahren gelähmt; er fährt nicht weiter als bis zu seinem Blumengarten; sogar seine unteren Räumlichkeiten betritt er nicht, außer im Rollstuhl. Früher fuhr er ganz allein in seiner Equipage aus, heute verträgt er die Wege nicht mehr. Nun, er wird noch drei Jahre regieren und dann, wer weiß!" Der Kutscher lachte und schüttelte den Kopf. Und was wird in drei Jahren sein?" Die Dinge liegen so: besser, er stirbt, als daß er das erlebt. Er hat geherrscht, hat die ganze Provinz auf den Kopf gestellt; Französinnen, verschiedene Deutsche zu Dutzenden hielt er' als seine Geliebten. Die Fürstin ist schon längst ins Jenseits abgegangen, und die Tochter. . . sie ist ... ein Engel. . . er kannte sie kaum, als er gesund war die andere Hälfte des Hauses bewohnte sie mit ihrer Gouvernante. Aber als der Donner einschlug und er ohne Fuß erwachte, da stöhnte er laut. Die Freunde liefen alle davon, und wer konnte, schleppte was mit sich, und die Bauern räuberten, daß es zum Himmel schrie." Der Kutscher wendete sein Gesicht Gordenjew zu und lachte, mit den kleineu, röthlichen Augen zwinkernd. Sie hätten alles geplündert, bis auf den letzten Balken, wenn der Arzt nicht eingegriffen hätte." Welcher Arzt?" Nun Andrei Andrejewitsch Kargin mein' ich hat sie gehindert, er ist der Oberste der Stadt und behandelt den Fürsten, und als jener weder Hand noch Fuß bewegen konnte denn die ersten beiden Jahre hat er wie ein Holzklotz sprachlos dagelegen drang der Doktor ein, kriegte den Verwalter zu fassen und wurde der Beschützer des Fürsten. Was schon beiseite gebracht war, war nun mal verloren, aber auf das übrige achtete er strenge. . . Da ist ja wieder der Wald. . . nun. in zehn Jahren werden wir ja sehen." Georgej Alexejewitsch fing an, aus den Worten seines Kutschers das Drama zu begreifen, das sich abgespielt hatte, als der Fürst vom Schlag getroffen wurde. Was haben denn die zehn Jahre zu bedeuten?" Zehn Jahre ist die Frist. Alles war verschuldet und im Hause nicht ein Groschen. Da war der Doktor bereit, seinen Kopf zum Pfand zu geben, daß der Fürst sterben würde nun, und die Prinzessin ist bekanntlich eine Schönheit damals war sie im 16. Jahre, jetzt 23 oder 24. Meine Frau dient bei ihr als Wäscherin, kennt daher alle ihre Angelegenheiten. Also er rechnete darauf, daß sie in zehn Jahren wahrscheinlich sich verheirathen würde. Da haben sie auch den Wald verkauft und den Fruchtgarten, das heißt, alles wurde ihnen zur Benutzung gelassen so werden sie nicht in Armuth gerathen, nicht den Wald fällen, aber sie dürfen auch nicht jagen, sogar nicht Netze legen ode? Fallen stellen, und in zehn Jahrer hängt es vom Willen des Käufers ab. ob er alles ringsum verbrennen oder mit Grund und Boden verkaufen will." Der Kutscher lachte wieder und schüttelte den Kopf. Mit schwerem Herzen kehrte Gordenjew auf das fürstliche Gut zurück; der Kutscher hatte vor ihm den Vorhang geöffnet zwei, drei Fragen in der Stadt hatten ihn weiter gelichtet, und er verstand jetzt das Geheimniß der schönen Prinzessin. Er verstand die stolzen Augen, in denen plötzlich ein Ausdruck des Schreckens erschien, ihr bleiches Gesicht, das plötzlich erröthete, bald schamhaft zart erglühte, wie der Widerschein der Morgenröthe in einer Perlmuttermuschel, bald tief und heiß wie die Gluth der gu eröbrunst.
Ucach dem Effen versammelte stey eine kleine Gesellschaft im Garten. Aus der Stadt kam Andrei Andrejewitsch Kargin, ein hübscher, brünetter Mann, der sich zur Verwunderung von George Alexejewitsch als nicht älter als 30 Jahre entpuppte. Dem Grafen Gordenjew efcblen der Blick der schwarzen Augen des Doktors, wenn er sie auf Lileja richtete, zu heiß und zu ausdrucksvoll. Sollte dies der zukünftige Bräutigam sein derjenige, der kommen sollte, diese arme Lileja vor dem schrecklichen und nahen Ruin zu retten? Der Arzt und die Prinzessin? Es erschien ihm unmöglich. Ein erdrückendes Gefühl der Sehnsucht preßte plötzlich sein Herz zusammen; er stand auf und ging nach dem Garten. Die Düfte der heißen Julinacyl umwehten thu. am Äunklen Himmel leuchteten nur wenige Sterne. Gordenjew ging, ohne auf den Weg zu achten, rechts und links, und wie um ein und denselben Punkt IwtU send, befand er sich plötzlich wieder nicht weit vom Hause, auf dem runden Platz, wo der Springbrunnen melancholisch plätscherte. Er setzte sich auf die steinerne Bank, die in der Nische von dichtem Laub stand. Nach und nach verlor er sich in Gedanken und schlummerte fast ein, eingelullt vom monotonen Rauschen des Wassers, vom Flüstern der schlanken Zweige. Wie lange hatte er hier gesessen? Vielleicht eine Minute, womöglich eine Stunde? Er erwachte, als er die Stimmen der Prinzessin Lileja und des Doktor Kargin hörte. Sie wissen, Prinzessin, was ich verpflichtet wäre zu thun?" fragte der Doktor. Mich meinen Weg gehen lassen, man kann ja doch nichts thun." Ich müßte Sie von hier losreißen, Ihre verschtoindende Gesundheit retten. Mit jedem Tag, mit jeder Stunde werden Sie schwächer, bleicher, der Kampf mit der Lüge, mit der Scham". . . Andrej Andrejewitsch!". . . Nein, um Gottes willen, Prinzessin, lassen Sie mich einmal alles vor Ihnen aussvrechen. Ich ersticke sonst, ich komme von Verstand, wenn ich weiter schweige! Sie gehen mit sicheren, schnellen Schritten nicht dem Tode, der ist noch nicht so nah, abei der Verzweiflung cnta.ea.en." Ich habe Religion." Ich weiß, und die Religion wird Ihren Körper erretten. Sie sind nicht fähig, sich das Leben zu nehmen." Mein Leben ist dem Vater nöthig!" Ich weiß, ich weiß" der Doktor schrie fast, aber in feinem Ton lag so viel aufrichtige Sehnsucht, solch schrecklicher Kummer, daß sich sogar in Gordenjew ein gutes Gefühl für ihn regte ich weiß das, aber nichts destoweniger fühle ich mit jedem Tag, wie die Kräfte Sie verlassen. Sie leiden ohne Klage, ohne Thränen, aber sehen Sie, ich bin Arzt ich bin auch Christ, ich rettete Sterbende, ich entriß sie den Krallen des Todes, und ich kann nichts, verstehen Sie mich, nichts für Sie thun. Sie erlauben es nicht, und doch ist mein ganzes Herz, mein ganzes Gehirn voll von Ihnen; icb wage nicht, das Gefühl zu nennen, das den Sinn meines Lebens ausmacht, wage nicht, alles zu Ihren Füßen niederzulegen, alles, was ich habe, ich". . . Die laute, rauhe Stimme des Doktors ging beinahe in Flüstern über, man hörte, daß er ein Schluchzen unterdrückte. Andrej Andrejewitsch" Gordenjew fühlte aus jeder zitternden Silbe die Aufregung, die sich des jungen Mädchens bemächtigt hatte ich muß Ihnen schwere Dinge sagen, es thut mir weh. . . aber es muß sein. . . Ich bin 23 Jahre alt, ich verstehe das Leben, mit dem Unausgesprochenen spielen kann ich nicht; ich kann nie Ihre Frau werden." Niemals? Prinzessin!. . . Elena Pawlowna! Niemals!" Niemals, Doktor, meine Mutter verließ meinen Vater, als ich ein Baby war." Ein Engel hätte das Leben mit ihm nicht ertragen." Sie müssen nicht so reden. Sie war Mutter und hätte aushalten müssen. Ich gehöre demjenigen, der mich aufgezogen hat, und kann über meinen Vater nicht richten. Ich habe ihn stets einsam, verlassen gekannt. Meine Mutter ging zur Bühne, sie ist eine berühmte Sängerin. Der Vater kann ihren Namen nicht hören, er hat mich in seinen Prinzipien erzogen, seine Tochter, die Prinzessin Lukowsky als Frau eines Doktor Kargin sehen bedeutet für ihn den zweiten Familienschlag erleben oder richtiger: daran sterben erst die Frau, dann die Tochter." Und Sie und Sie denken wie er? Sie verachten einen Mann deshalb, weil er ein Arbeiter ist und kein titulirter Müßiggänger?" Sie haben sich längst davon überzeugt, daß ich Sie verehre, Doktor. Ich war ein Kind, als Sie mir sagten: Hören Sie auf mich, und ich werde Ihren Vater retten." Ich habe mich daran gewöhnt, Sie zu verehren endlich ich bin hier mit Ihnen zur Nachtzeit, ich spreche mit Ihnen, ist das nicht genügend Beweis?" O stolze, reine Lileja! Sie sind stets ein und dieselbe, gerecht und un-
erreieydar. Ist'S denn möglich, van Sie wegen Vorurtheile einer Welt, die Sie nicht kennt, Sie verläßt schön, jung im Elend verwelken, 'n der Einöde?! Sie stoßen meine Liebe, den einzigen Weg der Rettung, von sich?" Das ist keine Rettung der Vater würde mir nie seinen Segen geben und ich würde mich nie von ihm trennen. Aßerdem, außerdem liebe ich Sie nicht." Kargin wich zurück und wollte fliehen. Bleiben Sie, bleiben Sie, ich bitte Sie ich liebe nun mal keinen! Nicht einmal habe ich meinen Gedanken erlaubt, bei Ihnen zu verweilen, wie bei einer Ausnahme von andern; nicht einmal habe ich mir erlaubt, eine überflüssige Minute mit Ihnen zu verbringen ich sagte mir, daß Sie mir Freund sind Doktor damit genug, und nichts anderes können Sie für mich sein. Ich liebe Sie nicht ich liebe Sie nur nicht, wie ich auch keinen anderen liebe. . . Sie verstehen das!" Und dieser Graf, der Gott weiß woher gekommen? Das ist ein Bräutt?" Ihre Frage ist mir peinlich, aber ich verstehe, daß Sie leiden. Er konnte mein zukünftiqer Bräutigam sein nach Namen und Stellung, aber er kam als Fremder und wird als Fremder gehen. Ich werde mit keinem Athemzug dem sich oollziehendenSchicksal zu Hilfe kommen. Mein Schicksal wird dasjenige sein, welches Gott mir zuertheilt hat.". . . Wie kann er Sie sehen, in Ihrer Nähe sein und Sie nicht lieben, Lileja?" Warum denken Sie, daß ein Mann mit seinem Namen und Stellung nicht liebt und geliebt wird? Ich bin für ihn eine Fremde, wie auch er für mich; ich kam nicht um solcher Unterhaltung willen mit Ihnen in den Garten, Doktor, ich wollte Sie bitten". . . Alles, was Sie sagen, ist mir heilig." Vater sprach vor einigen. Tagen den Wunsch aus, ins Ausland zu reisen. Hier erhält sich der ganze uns umgebende Betrug durch irgend ein Wunder; aber ich bin's müde, zu lügen ach wie müde! Ich zittere beständig, lüge; aber ich hasse so die Furcht wie die Lüge! Ich bitte Sie, retten Sie mich, ich habe keine Kraft mehr für dieses Leb?n; helfen Sie mir, alles zu verkaufen, die übrig gebliebenen Bilder, Waffen, Bücher alles, alles, was man verkaufen kann, verwandeln Sie in Geld. Sehen Sie, der Vater darf doch nicht mehr aufstehen, nicht alles dieses aenießen." Und Sie?" Ich brauche nichts mehr nach seinem Tode ja und von mir ist nicht die Rede! Berufen Sie ein Konzil, und schicken Sie ihn auf ein Jahr ins Ausland, da werden wir schon auf die eine oder andere Weise leben. Mir thut's leid um den Vater, aber er ist über70 Jahre alt." Und Sie? Was werden Sie thun? Für ihn reicht das Geld schon aus, aber später, was bleibt da für Sie übrig?" Ich werde tos Kloster gehen." Ins Kloster? Lieber als sich mit einem Plebejer verheirathen, der Sie liebt, Sie vergöttert?" Keine Antwort. . . Grausame, verrückte Erziehung, verfluchter Stolz, der mit der Muttermilch schon eingcsogen wird. . .Ich werde alles besorgen." Schritte, schwere, beinahe laufende Schritte knirschten auf dem Sande und verhallten. Der Mond tauchte auf und beleuchtete die Prinzessin. Sie stand schlank da, schlank wie ein Zweig die Arme glitten ihr herab; in dem bleichen Antlitz brannten die großen Augen, aber sie blieben trocken. . . Jeder hat sein Schicksal!" wiederholte sie, seufzte tief auf und ging leise, unhörbar in der Richtung auf das Haus zu. Jeder hat fein Schicksal!" sagte Gordenjew, als er sich erhob, aber sein Gesicht war ganz mit Thränen tttt&t. O, wenn er frei wäre, würde er sich auf die Knie werfen vor diesem Mädeben und sie anflehen, ihm zu erlauben, sie zu lieben! Er würde dieses Gut retten und den Namen des ruinirten Fürsten. Aber, er war schon seit einem Jahr der Verlobte eines entzückenden, ihn heiß liebenden Mädchens. Die Krankheit der Mutter hatte ihre Hochzeit verschoben, aber jetzt war die Braut dort bei der Kranken, und er war nur wegen der Papiere und um sein Geschäfte in Ordnung zu bringen fortgereist. Dieser Besuch beim Fürsten war ein grausamer Hohn des Schicksals, das ihn plötzlich in ein fremdes Gebeimniß einblicken ließ und ihm die Leiden zeigte, an denen er kaltblütig vorübergehen mußte. Lebe wohl, Lileja, lebe wohl, armes Kind, die du dich aus allen Kräften bemühst, das Leben eines für jedermann entbehrlichen Menschen, die Ehre eines aussterbenden Namens zu retten' Graf Gordenjew verließ am nachsten Morgen das Gut.
Ein Schlaumeier. Herr Gerichtsvollzieher, thun Sie mir einen Gefallen, pfänden Sie auch das Klavier meiner Frau aber drücken Sie das Siegel auf's Schlüsselloch."
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