Indiana Tribüne, Volume 28, Number 202, Indianapolis, Marion County, 18 April 1905 — Page 5

Jndiana Tribüne 18. April 1P05

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Zum Vlutvas iu Baku. Tie nachstehenden Schilderungen sind einem $nocimtfc aus Ba!u entnommen: Seit langen Jahren herrscht hier d.e feste, durch viele Gerüchte reranlaßt, Ueberzeugung, daß die Türttn Da Armenier überfallen möchten. Tie aus dem hiesigen Regierunggebäude gestoylenen Dokumente sowrt die von den TörKn öjfenilich auZgesproche.ie Absicht zeigten ganz deutlich, daß die russische Regierung sich sehr bemüht, einen Kampf zwischen den verschiedenen jtiienen hnbeizuführren. Das war Plehwes und Gaiizins Politik, deren folgen sich zuerst in Misgine.o zeigten. Ater im Kaukasus war e-s scheinbar sehr schlver, das Voi! aufzureihen, und so Uran e dieser Plan erst langsam zur Nei,e gelangen. Doch endlich ist der Tag gekommen, an dem die Saat diescr Patrioten" aufgeht. Es war an tiaern Montag Morgen, einem tri7öen Tage. Wir Armeniee gingen ganz ruhig unserer gewöhnlichen Beschäftigung nach, als sieh plötzlich das Gerücht verbreitete, da d'? Türken in der Nacht armenische Hü ser beraubt und viele Familien getödtet hätten. Eine verzweifelte Furcht bemächtigte sich unserer, besonders als wir werkten, daß sich keine Schutzleute auf der Straße befanden. Icy iüt nach Hause, die junoer waren schon in die Schule gegangen. Der Dieser wurde ihnen sofort nachgeschickt, aber aber er kam bald doller Furcht zurüek und erklärte, daß es unmöglich sei, weiterzugehen. Man hörte jetzt dc; dumpfen Wafsenlärm, aber welche Ccfahr könnte einen Vater zurückhalten, feine Kinder zu retten! Ich stieß den Diener, der mich nicht gehen lassen wollte, zurück und stürzte hjnau-. Kaum war ich vor die Thür getreten, als mich der Tumult und da- her.z zerreißende Jammergeschrei, daö den lautkrachenden Schüssen folgte, fast zu Eis erstarren liefen. Vcr um lagen zehn, zwölf im Tod-skampf röcbelnde Sterbende. Die Schüsse kamen au einem persischen Tbeehase. Einen Augenblick stand ich wie versteinert, dcch dann erwachte wieder mein Instinkt zum Leben, und ich 'kehrte zurück, um die kinderlose Matter zu trösten. Den ganzen Tag waren wir wie betäubt, lebendig todt, und doch erhielt uns zu gleicher Zeit bi Hoffnung aufrecht, daß unsere Kinder noch am. Leben wären. Spät 2iV)mittags verstummte das Kampsgetöse fast ganz. Man bemertte jetzt Gruppen von bewaffneten Armeniern, sodaß ich wieder versuchen konnte, ausucvhen. In kurzen Entfernungen sahich fünfzig bis siebzig Leichen. J?tz: erschienen aum auf der Straße Soldaten. welche die Armenier untersuchten, ihnen die Waffen nahmen und diese vor ihren Augen den Türken gaben mit der Erklärung, daß' sie nach dem Befehl der Obrigkeit so handelten. Gerade hier im Centrum der Stadt war die Zahl der Armenier so groß, bah die Türken trotz der Hilfe der Soldaten auch mich untersucht und meines Geldes, der Udr und Ringe terai hatten. Unser gewandter Diener, weleher sich mit großen Kosten eine alle Schutzmannsuniform verschafft hatte, ging in dieser Verkleidung auf die Straße, aber erst später kehrte er mit einer schrectensvollen Kunde zurück. Soll ich sie Dir mittheilen, oder wäre es besser, die eigene Hand abzu bauen? Sascha ist getödtet. die Bieher in der Hand; der Kopf von Emma ist gefunden, aber ihr Körper war nicht von den vielen anderen Leichen zu unterscheiden. Nicht weiter will ich von den Schrecknissen berichten, nur noch erzählen, wie Emma noch, te:: Abend vorbei plötzlich das Buch sinken ließ und mit Thränen in den Anen seufzte: Ach, wäre ich ein Vogel! Tann könnte ich zu meinem Bruder fliegen und wissen, ob er an sein kleines Schwesterchen denkt." Das arme Kind ahnte tief im Herzen roahtschein lich, daß es in ein paar Stunden nicrj: mehr am Leben sein würde. Aus dem Zvürftcntvm Matzcbur. Der nach Schönberg einberufene Landtag für das Fürstentum Ratze -- bürg theilte das Schicksal seiner 34 Vorgänger, er war, wie schon knz gemeldet, wieder beschlußunfähig weil die bürgerlichen und bäuerlick'eei Vertreter schon vorher ihr Nichterschei nen angekündigt hatten und aucb nicht erschienen waren. Im Herbst dieses Jahres finden Neuwahlen statt. Ob Diese ein ande es Resultat zeitigen werden, bleibt abzuwarten, weil man an den alten Zustäaden festhält uno die Wahl eines Abgeordneten immer davon abhängig gemacht hat. Der Grund zur Obstruktion ist in derZusammensetzung des Landtages zu suchen, dem außer 6 bäuerlichen und 2 bürgerlichen Vertretern angehören 3 Pastoren, 3 Domänpäckter und die Besitzer der Ritteraüter Torisdor?, Horst und Dadow. Seit 1870. in welchemJahre der Landtag zum ersten Male berufen wurde, lieaen für den Bau eines Krankenha ti ses in Sebönberg 13,000 Thaler Ureit. Die Summe ha sieb durch Zins und Zinfeszins längst verdoppelt, aber infolge der ständigen Beschlußunfähigkeit des Landtags hat Schönbeg noch kein Krankenhaus erhalten. Schlimm sieht es aus: mit den Wegen im Fürstenthum "us, da bierfür seine Mittel bereitgestellt werden können.

Die neue griechische Kammer zählt 160 ministerielle Mitgliede? und 76 der Opposition.

Dom Auslande.

Eine schwere Mordthat wurde in Weicherau, Kreis Neumarkt, verübt. Die Dienstmagd des Gastiv:rths Hampel hatte 600 Mark in der Lotterie gewonnen. Als das Mädchen diesen Betrag seiner Mutter im Nachbarorte bringen wollten, wurde ihm in eine,m Gebüsch am Wege aufgelauert und mit einem Messer die Kehle völlig durchschnitten, so daß es sofort todt war. Das Geld wurde geraubt. Das Messer ließ der Mörder am Thatort. Ein Gendarm begab sich darauf in das Gasthaus zu Weicherau und fragte die Anwesenden, ob jemandem der Eigenthümer des Messers .:e:annt sei. Mit dem Ausruf: Das ist ja das Messer von Papa!" wurde der Gastwirth Hampel durch seine ahnungslose Tochter überführt. Einer schwierigen Operation mußte sich ein junger Berliner Artist unterziehen, der als sogenannter Glas- und Degenschlucker in einem Varit des Nordwestens der Stadt seine Künste produzirt hatte. Seine Spezialität war es, eine Glasröhre von 2 Fuß Länge so zu verschlucken, daß aus dem Munde nichts mehr hervorragteAllabendlich war das Experiment unter großer Bewunderung des staunenden Publikums glücklich gelungen, bis das Glasrohr brach und ein Theil von etwa 4 Zoll Länge im Magen stecken blieb. Der junge Mann wurde fast bewußtlos von der Bühne weggetragen und in die Königlichc Klinik in der Ziegelstraße gebracht. Hier wurde ihm der Magen aufqescbnitten und das Glasstück unter großen Schwierigkeiten entfernt. Nach Ansicht der Aerzte steht zu erwarten, daß der in seinem Berufe veyunglückte Artist am Leben erhalten bleibt. JndererstenHälftedes März war die Tischlermeistersgattin Lcopoldine Reiter in ihrer Wohnung zu Wien ermordet worden; die eingehenden Nachforschungen der KriminalBehörden waren lange ohne Erfolg gcwefen, bis es endlich gelang, des Thäter habhaft zu werden: es war der Lehrjunge des Meisters Reiter selber, der 17 Jahre alte Schuhmacherssohn Franz Hejny, aus Beraun in Böhmen gebürtig. Durch die )lbsendung einer Postanweisung hatte er sich verdächtig gemacht; er wurde verhaftet und gestand nach langem Zögern die furchtbare That ein. Nachdem er die unglückliche Frau seines Meisters Abends mit einem schweren Hammer durch mehrfache Schläge getödtet hatte, stahl er 380 Kronen, die der Meister in ein Sacktuch eingeschlagen hatte; am nächsten Morgen ging Hejny ohne jede Erregung seiner gewohnten Arbeit nach, bis ihn jetzt das Geschick ereilt hat. Den größten Theil des geraubten Geldes fand man in einem Versteck vor. Hesny wurde wegen Raubmords unter Anklage gestellt. Einen verwegenen und eigenartigen Ueberfall vollführten zwei halbwüchsige Burschen auf ein Zigeunerlager im Letter Holze bei Ahlem, etwa eine Stunde von Hannover. Den Burschen hatte es die zwölfjährige Tochter des Zigeneurs, der mit seiner Familie dort seit einigen Tagen hausie, angethan, und sie beschlossen, sich des Mädchens zu bemächtigen. Mit Revower und großen Dolchmessern bewaffnet und vorsichtshalber in Begleitung eines Hundes drangen sie in das Zigeunerlager ein, feuerten als Drohung einen Scbuß in die Luft ab und verlangten die Herausgabe des Mädchens. Dem Vater boten sie als Entschädigung" ezroßmüthig 50 Pf. an. Der Zigeuner, ein baumlanger, kräftiger Mann, schreckte vor dem geladenen Revolver zurück, zumal da die Angreifer die drohendsten Mienen aufzogen und jeden Augenblick zu schießen drohten. Er ließ sich des. halb in Unterhandlungen ein und zog diese glücklich so weit hm, bis zwei Männer aus Letter des Weges kamen. Sie leisteten dem Zigeuner Hilfe und verscheuchten die Burschen. Diese wurden ermittelt und verhaftet; der eine zählt 17. der andere erst .15 Lenze. Den Verbrennungstod gefunden haben in ihrer Wohnung in Riesa (Sachsen) zwei Besucher des dortigen Technikums, die im 5. Semester stehenden Studirenden des Maschinenbaufaches Müller aus Celle und Siegel aus Gleina bei Querfurt. Die Mitbewohner des betreffenden Hauses sahen am Morgen aus den beiden Zimmern der Studenten starken Rauch aufsteigen, auch machte sich im ganzen Hause ein intensiver Brandgeruch bemerkbar. Infolgedessen wurde sofort die Feuerwehr requirirt. Nachdem die Zimmer gewaltsam aufgebrochen, sanden die Feuerwehrleute beide Wohnungen in Brand; die Betten, Polstermöbel, Gardmen und Portieren waren zum Theil schon den Flammen zum Opfer gefallen. Von den Wohnungsinhabern wurde Müller bereits todt, Siegel dagegen .mit schweren Brandwunden aufgefunden. Siegel wurde sofort nach dem Krankenhause gebracht, wo er bald darauf verschied, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Es kann mithin niemand Aufschluß geben, wie das Unglück entstanden ist. Es wird indessen angenommen, daß vermuthlich einer der Studenten, im Bette lesend, die Petroleumlampe umgestoßen hat, wodurch das brennende Oel mit rapider Schnelligkeit beide Zimmer in Brand

' gesetzt hat.

Europäische Nachrichten. K?roritt.; 'iUncn. Dortmund. Auf dem BahnHof Dortmunder Feld wurde der 61 Jahe alte Kohlenaibeitcr Otto Ha g?nbrock von einem Personenzug überfahren, gräßlich verstümmelt und sofort getödtet. G e s e k e. Hier ist eine freiwillige Sanitätscolonne begründet worden. Hagen. Der Schreiner Oberegge, Vater einer zahlreichen Familie, wollte

ein Kind, das sich auf dem Geleise der Straßenbahn befand, vor dem heraneilenden Wagen retten und setzt? es schnell außerhalb des Geleises. Dabei aber wurde er selbst von der Straßenbahn erfaßt und erlitt so schwere Verletzungen, daß er bald darauf gestorben ist. Minden. Dem bisherigen langjährigen ersten Commandeur der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr, Albert Bepler, der nach 26iahr:ger aktive? Dienstzeit aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand tritt, ist der Kronen-' orden 4. Klasse verliehen worden. N e u e n k i r ch e n. Ein seltenes Fest, das fünfzigjährige Jubiläum im Dienste ein und derftlbenFirma, konnte Gerhard Hansschmidt, Kellermeister der Firma Wittib Stadler hier, fesern. Aus diesein Anlasse war dem Jubilar das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. Schwelln. Die rothe KreuzMedaille dritter Klasse erhielt Frau Sanitätsrath Bertha Dicke, geb.Wuppermann, Hierselbst. Warendorf. Vom Zuge zermalmt wurde die Frau des Kötters Katienbaum, welche bei dem Sturm jedenfalls das Nahen des Zuges überHort hatte. Die Frau hatte den Bahndämm an einer dem Verkehr nicht freigegebenen Stelle überschreiten wollen. Mitten. Einen schrecklichen Tod fand der Arbeiter Nikolaus Bonaards Hierselbst. Der schon bejahrte Mann bewohnte ein Zimmer im dritten Stock und beköstigte sich selbst. Seit längerer Zeit vermißte man ihn. Als ein Arbeiter den Bongards besuchen wollte, fand dieser die Thür verschlossen. Nach gewaltsamer Oeffnung bot sich dem Eintretenden ein furchtbarer Anblick dar. Bongards lag todt auf dem Fußboden, sein Körper war vollständig mit Brandwunden bedeckt. Neben der Leiche fand man zertrümmert eine Petroleumlampe am Boden liegen. Vermuthlich hat der Unglückliche in angetrunkenem Zustande die Lampe umgestoßen. VyeipVinz. Köln. Der in der Buchdruckerei I. P. Bachem (KölnischeVolkszeitung) beschäftigte Peter Wirfs konnte sein silbernes Jubiläum als Angehöriger des genannten Betriebes begehen. Barmen. Durch Spielen mit Streichhölzern geriethen die Kleider der 2.jährigen Klara Kaufung in Brand. Das Kind ist an den erlittenen Brandwunden gestorben. Die Eltern befanden sich in Arbeit und hatten die Kleine ohne Aufsicht in der Wohnung zurückgelassen. B e r g r a t h. Auf Schacht Konstantia der Gutehoffnungshütte wurden durch vorzeitiges Losgehen eines Schusses der Aufseher Sebenkötter und der Schlepper Borowiak getödtet; schwer verwundet wurden Schichtmeister Felkamp und Schlepper Quant. E s ch w e i l e r. Der beim hiesigen Postamt beschäftigte Postgehilfe Krahnert jagte sich eine Kugel in die Schläfe. Der Schwerverwundete wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er verschied. H a m b o r n. Fabrikbesitzer Eduard Morian überwies der hiesigen Gemeinde 100,000 Mark zum Bau eines neuen Krankenhauses. K r a y. Ein Sohn des hiesigen Kapellmeisters Müller, der als Beamter auf der Zeche Grimberg in Kamen angestellt war durfte während des Streiks einen Revolver tragen. Vor einiger Zeit war er mit dem Reinigen der Waffe beschäftigt. Diese entlud sich, und der junge Mann erhielt einen Schuß in den Hals. Der schnell herbeigerufene Arzt war sofort zurStelle, konnte aber leider nicht mehr helfen; der junge Mann starb an Verblutung. Solingen. Ein Veteran der Arbeit ist Daniel Stader, der im Monat Mai 50 Jahre als Waffenpolierer thätig sein wird. Stader, der auch den Krieg 7071 beim 39. Jnfanterie - Regiment mitgemacht hat, steht imj2. Lebensjahre. C5 t o I 6 t x q. Dieser Tage wurde der Meister Winandy von der hiesigen Spiegel - Manufaktur am Bahnübergange bei Wirtz von dem Walheimcc Arbeiterzuge überfahren und zermalmt. Winandy war schwerhörig. Uerdingen. Der Hauptsteueramts - Assistent Behn hatte amHauptZollamt seinen Dienst angetreten und wollte hierbei die steinerne Treppe zur Rheinwerft hmuntergehen. Hierbei muß ihn wohl der bösartige heftige Sturm so arg gepackt haben, daß der schon ältere Herr das Gleichgewicht verlor und die Treppe hinunterstürzte. Der Bedauernswerthe schlug mit dem Kopse auf die Steinkanten auf und erlitt hierbei einen doppelten Schädelbruch. Die ärztliche Kunst vermochte den Verunglückten nicht mehr zu retten; nach kurzer Zeit erlag er seinen Verletzungen. rov,nz LdeffeN'Vast' Kassel. Die Lokomotivfabrik

Firma Henschel & Sohn hat dieser Tage die 7000. Lokomotive fertiggestellt. Anläßlich dieses Jubiläums stiftete die Firma abermals 100,000 Mark fär die Beamten - Pensionsund Wittwenkasse; 50,000 Mark wurden als Gratifikationen den Arbeitern zugewendet. A m ö n e b u r g. Die Konrad Gebhard'schen Eheleute erhielten aus Anlaß ihres goldenen Ehejubiläums vom Kaiser ein Geschenk von 30 Mark. Frankfurt. Pfarrer Charles Correoon, Seelsorger der mehr als 350 Jahre alten französisch - reformirten hiesigen Gemeinde, feierte die)i Tage das 25jährige Jubiläum seiner Amtsthätigkeit. Correvon ist ein geborener Schweizer; sein gastfreies Haus hat manchem hier niedergelassenen cder blos durchreisenden Landsmann eine freundliche Erinnerung an die Heimath gegeben. Günsterode. Bürgermeister Kllhlborn wurde von einem wildgewordenen Bullen, der sich losgerissen, auf offener Straße überfallen und derart zugerichtet, daß der Bedauernswerthe seinen schweren Verletzungen erlag. H a n a u. Dem hiesigen Bildhauer Paul Fliegner wurde vom Fürsten von Schwarzburg - Sondershausen die goldene Medaille für Auszeichnung in der Kunst verliehen. Fliegner hat die Plakette für das Arnstädter Stadtjubiläum entworfen. Langenthal. Das Haus des Zimmergesellen Justus Zwiste brannte bis auf den Grund nieder. Von den Möbeln, u. f. w., welche bei der Hambürg - Bremer Feuerversicherungsgesellfchaft in Hamburg versichert sind, konnte vieles gerettet werden. M o s h e i m. Dieser Tage starb hier nach nur kurzem Kranksein der in hohem Ansehen stehende Bürgermeister Aßmus im 60. Lebensjahre. Schellbach. Einen raschen Tod hatte der hiesige Landwirth Johannes Ehrenfricd. Während er sein Morgenpfeifchen rauchte und sich mit seinem Machbar unterhielt, fiel er plötzlich zurück und war alsbald eine Leiche; ein Herzschlag hatte seinem Leben ein jähes Ende bereitet. Mit ihm ist das letzte Glied einer acht Personen zählenden Familie dahingegangen, nachdem der unerbittliche Tod in den letzten sechs Jahren die Hausfrau und lle Kinder dahingerafft. S t e i n b a ch. Kürzlich feierte das Ehepaar Markus Rehberg dahier das Fest Her goldenen Hochzeit. MittekdeutscHe Staaten. A l i e n b u r g. In kräftigsten Mannesalter verschied nach längerer Krankheit Rechtsanwalt Dr. jur. Hans Findeisen. Er war einer der Söhne des verstorbenen Pfarrers Heinrich FindFifen in Göllnitz. , Arnstadt. Ter Gerber Paul Richter von hier wurde in der Nähe des Fürstenberges auf dem Bahnkörper todt aufgefunden. Der Körper war gräßlich verstümmelt. Döllstädt. Der Landwirth und Maurer Ehrlich aus Herbsleben gerieth hier beim Ueberschreiten der Geleise unter die Räder eines heranbrausenden Zuges. Dem Unglücklichen wurde der Kopf zermalmt, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Eine besondere Tragik gewinnt der schreckliche Vorfall noch dadurch, daß der so jäh um's Leben gekommene Mann in nächster Zeit seine silberne Hochzeit festlich begehen wollte. Jena. In der Leutrastraße gerieth das fünfjährige Mädchen des Bäckermeisters Hermann Ludwig unter einen Motorwagen der Straßenbahn. Dem armen Kinde wurde die linke Hand vollständig abgefahren. K a t t e r f e l d. Der frühere Holzbaucr Hugo Stötzer stürzte beim Zapfensteigen von einer Fichte in der hiesigen Gemeindewaldung. Der Bedauernswerthe mußte als Leiche nach Hause geschafft werden. Mödlitz. Kürzlich wurde der ljährige Landwirth Bauer beim Holzfällen von einem niederstürzenden Baume erfaßt und so schwer am Kopfe verletzt, daß der Tod auf der Stelle eintrat. P ö l z i g. Bei dem Wandeinsturz auf dem Ottoschacht bei Meuselwitz hat auch der hiesige Maurer Otto Braune schwere Verletzungen davongetragen. Er erlitt schwere Kopfwunden, die vernäht werden mußten, auch hat er am rechten Arm und am rechten Bein Quetschungen davongetragen. Saarbrücken. Der Rekrut Schröder von der 3. Compagnie des hiesigen 70. Infanterie - Regiments hat sich in der Kaserne mit seinem Dienstgewehr erschossen. Fortgesetzte Mißhandlungen durch ältere Leute sollen den jungen Mann, der bei den Vorgesetzten als tüchtiger Soldat sehr beliebt war, in den Tod getrieben haben. V e l b e r t. Vor längerer Zeit hatte der 12jährige Knabe Kluß in Abwesenheit der Eltern Petroleum auf das Feuer gegossen und sich durch Explodiren der Kanne so schwere Brandwunden zugezogen, daß er zum Krankenhause geschafft werden mußte. Dort ist er nun nach schwerem Krankenlager seinen Verletzungen erlegen. Weimar. Bei der Einbalsamirung der Frau Großherzogin Karoline von Sachsen-Weimar wurde folgender anatomischer Befund erhoben: Doppelfettige fibrinöse Pleuritis. Fibrinöse (krupöfe) Pneumonie des Unterlappens und des zungenförmiqen Anhangs des

Oberlappens der linken Lunge, sämmtlicher Lappen der rechten Lunge, Magenerweiterung. Z,cr)len. Dresden. Aufsehen erregte hic? der Selbstmord des antisemitischen Stadtverordneten Vuchdruckereibesitzer Clausen, d:r sich angeblich in einem Anfalle geistiger Umnachtung Durch Erhängen selbst entleibt hat. Clausen war Herausgeber des in DresdenStriesen erscheinenden Generalanzeiger" und Obmann der deutschen Reformpartei im 6. sächsischen Reichstagswahlkreise. Ihr 50jähriges Arbeitsjubiläum feierte Frau verw. Anna Löhnert, die am 9. Februar 1855 in die hiesige Posamentenfabrik von Dittrich, Universitätsstraße eintrat und jetzt noch bei Obermeister Albrecht Dittrich, Blücherstraße No. 11 in seltener geistiger und körperlicher Frische thätig ist. B u ch h o l z. Hier ist der um das städtische Gemeinwesen seit 30 Jahren hochverdiente Stadtrath Sühnel im Alter von 68 Jahren gestorben. C h e m n i tz. Der hier wohnhaft gewesene 45jährige Schlosser Ludwig Ernst Resch, der in einem Anfalle von Geistesgestörtheit seiner 12 Jahre alten Tochter und seinem 5 Jahre alten Sohne annehmbar mittels eines Taschenmessers schwere Kopfverletzungen beigebracht hatte, so daß beide Kinder in's Stadtkrankenhaus gebracht werden mußten, wurde letztens auf einem Feldgrundstück hinter der Blücherstraße mit durchschnittener Kehle und drei Schnitten in der Brust todt aufgefunden. Es liegt zweifellos Selbstmord vor. F u g a u. Kürzlich brannte hier das Gebäude des Hausbesitzers Gampe vollständig nieder. K ö n i g st e i n. Oberlehrer Pfeiffer konnte auf eine 25jährige Thätigkeit als Lehrer an der Schifferschule zurückblicken. Aus diesem Anlasse wurde ihm das Albrechtskreuz verliehen. M e i s s e n. Für das in diesem Sommer hier abzuhaltende Keglerfest wurden rund 10,000 Mark für Preise vorgesehen. Es soll ein besonderer Gabentempel errichtet werden. M e e r a n e. Hier erhängte sich der 66jährige verwittwete Schuhmacher Völkel. Riesa. Vor einiger Zeit feierte hier Fleischermeifter Christian Karl Plänitz sen. sein 60jähriges Bürgerjubiläum. Aus diesem Anlaß wurde er durch eine städtische Deputation beglückwünscht, die ihm ein Geschenk überreichte. Z w i ck a u. In einem hiesigen Hotel wurde der seit längerer Zeit aus Reichenbach i. V. verschwundene Webmeister Höfer mit einer Schußwunde im Kopf besinnungslos aufgefunden. Z w ö n i tz. Kürzlich beging der bei der hiesigen Firma C. A. Schwetzer, Emaille- und Metallfabrik, angestellte Werkmeister Günther sein 50jähriges Arbcitsiubiläum. Tie Macht der Tck,onheit.

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Erster Leutnant: Sie sehen so verstimmt aus, Herr Kamerad?" ZweiterLeutnant: Ich hat.e heute schrecklichen Aerger." Erster Leutnant: Gegen Aerger habe ich ein ganz ausgezeichneies Mittel, besehe mich einige Minuten im Spiegel und Aerger sofort verflogen." ' Ein historisches Gebäude soll in der nächsten Zeit von dem Stadtboden in Cincinnati verschwinden. Das Haus liegt an der achten Straße und erlangte seine geschichtliche Bedeutung durch den Umstand, daß Thomas Buchanan Reed vor vierzig Jahren sein Mdrk Sheridan's Ride" darin verfaßte. Das Gebäude ging durch Kauf an eine Gesellschaft über, die es niederreißen und eine Fabrik an seine Stelle bauen lassen will. Aus einem Bericht, welchen Inspektor Henry M. Lechtrecker über eine Untersuchung in den Jndustrie - Schulen New Yorks der StaatsWohlthätigkeitscommisfion überreichte, gehen recht traurige Thatsachen hervor. Unter 10,000 Kindern in den Schulen, welche er untersuchte, waren 439, welche oft Morgens ohne irgend welche Nahrung in die Schule kamen; 998 erhielten genügende Nahrung, und 7416 ein aus Thee oder Kaffee und Brod bestehendes Frühstück. Die große Mehrzahl war wegen ungenügender Nahrung blutarm. Unter den Anstalten, welche untersucht wurden, befinden sich die Kinderschutz - Gesellschaft, Guardian Society und WilsonSchule für Mädchen.

ase-Ball. National-Liga. St. LouiS, 17. April. St. LouiS ....2 0100222 9 Chicago 00130001 06 Batterien Campbell und Woner; Brown und Kling. Brootlyn, 17. April. Brooklyn 10001000 2-4 Philadelphia .1 0 0 0 4 2 0 0 0-7 Batterien Scanlon, Doescher und Rilte; Corridon und Dooin. Cincinnati. 17. Aplil. Cincinnati ...00300000 1 4 Pittsdurg . ...1 00 1 0 3 0 1 0 6 Batterien Overall. Walker und PhclpS; Lynch und Peitz. American Liga. Washington, 17. April. Washington. ..10301000 2 7 New York. . 012041032 13 Batterien Tomnsend und Ritt reoge; Clertson. Puttmznn und McGuire. Chicago, 17. April. Chicago. 00000000001- 1 St. LouiS.. 0 000000000 0 0 Batterien White und S llivan; Howell und Sugdan.

Lcheidnngsklage. ffrau Louise Bernhardt, die seit 1875 vecheirathet ist, reichte gestern eine Scheidungsklage gegen ihren Gatten ein, wegen unausgesetzter schlechter BeHandlung. rucdt Die BONANZA. te amerikanischen F a hnen, welche beim ersten t Anfang des Bürgerkrieges über Fort Sumter im Hafen von Charleston zur Zeit der Uebergabe des Fort an die Rebellen im April 1861 wehten und welche später zur Zeit der Wiedereinnahme des Forts durch die Bundestruppen im April 1864 wiedergefunden und über dem Fort aufgehißt wurden, sind in den letzten Tagen imSaale des Kriegsdepartements in Washington ausgestellt und von Kriegsminister Taft uno anderen hochstehenden Beamten besuchtigt worden. Diese Flaggen wurden kürzlich in Gemähheit des letzten Willens der Wittwe des Generals Anderson. in dessen Familie diese Wahrzeichen seit dem Bärgerkriege aufbewahrt wurden, dem Kriegsdepartement übergeben. Herr Taft verfügte, daß sie in einem Glasschranke im Empfangssaale des Departements aufzubewahren sind. General Anderson hatte bei Beginn des Krieges mit nur 74 Mann Fort Sumter auf's Tapferste gegen eine gewaltige Rebellenmacht vertheidigt und den freien Abzug mit vollen kriegerischen Ehren erlangt. Dieser Tage besuchte der frühere New Yorker Bürgermeister Seth Low Ellis Island. Als er dort mit dem früheren EinwanderungsCommissär Williams und dessen Nachfolger Watchorn die Runde machte, sah er, wie ein Einwanderer in den Bahnräumen seine hohlen Hände als Trinkbecher benutzte. Herr Low machte Herrn Watchorn auf den Vorfall aufmerksam, und der Commissär erwiderte. daß er in der kurzen Zeit seines Aufenthaltes auf Ellis Island so viel zu thun gehabt, daß er noch keine Zeit gefunden, sich um die geringeren Eizelheiten des Dienstes zu kümmern. Herr Williams könn? vielleicht eher darüber Auskunft geben, warum keine Vorkehrunaen getroffen worden, den Einwanderern in den Bahnräumen zu ermöglichen, ihren Durst in etwas civilisirterer Weise zu stillen, als aus höhlen Händen. Herr Williams erwiderte erröthend. es sei ein Uebersehen seinerseits, daß die nöthigen Trinkvorkehrungen nicht auch für de auf den nach Westen führenden Eisenbahnen abreisenden Einwanderer getroffen worden. Seth Low verkündete nun: er werde als Andenken an seinen Besuch auf Ellis Island einen Trinkbrunnen für solche Einwanderer stiften; er wolle um die Erlaubniß in Washington nachsuchen, und hoffe, sie zu erlangen. DieHarfederKaiserin Josephine ist von der Kaiserin Eugeme für Schloß Malmaison, das zu einem Museum ausgestattet werden soi", geschenkt worden. Die von einem kaiserlichen Adler gekrönte Harfe ist sehr schön und gut erhalten. Ihre Saiten sind nicht erklungen seit der Zeit, da sie zur Begleitung der hübschen, von der Königin Hortcnse komponirten Romanzen dienten, die im Pariser Konservatorium aufbewahrt werden. JndembeiCastrop (West salen) gelegenen Orte Bödinghaufen wurden gelegentlich einer Festlichkeit mehrere hundert Personen in einen Streit verwickelt, wobei schließlich mit Messer und Revolver aufeinander losgezogen tvurde. Ein großes Polizeiund Gendarmerieaufgebot war gezwungen. mit blanker Waffe die Wlithenden Ovseinanderzutreiben. Zahlreiche Personen wurden durch Schußund. Stichwunden schwer verletzt, mehren find gestorben. Die Hauptrjioelsführer wurden verbattet.