Indiana Tribüne, Volume 28, Number 201, Indianapolis, Marion County, 17 April 1905 — Page 5

Vrcellenz Chang gewinnt seinen Prozeß. Seit fast einem Monat trnr der Mandarin Ckangjenmao eine vielb.'wunderte Person im Gerichtshofe in London. Er war in seinem ganzen Mandarinenstaat nach London ge!o:n inen, um dort in seinem eigenen Namen und im Namen der Chinesische Maschinenbau- und Berabauaesellfchaft von Tienknn gegen die F rn.a Charles Ägernon-Moreing und gegen Messrs. Befcii, Morewz und Co., sowie gegen eine andere Minengesellfchaft in Tientsin zu klagen. Während der Borerunruhen hatte Chang sich überreden lassen, zur Sicherung des ihm unterstellten Eigentums einen Kontrakt aufzustellen, den die Angeklagten in der Weise benutzten, Deß sie den von Chang verwalteten Besitz fast vollständig unter ihre Kontroll.' brachten, obne sich durch die weiteren Bestimmungen des Kontraktes Chang gegenüber verpflichtet zu fühlen. Ter Richter bezeichnete das Verh'l'en reenglischen Gesellschaft als einen fla gianteu Vertrauensbruch, der in keinem Lande geduldet werden könne. Wenn die englische Gesellschaft nicht ihren Verpflichtungen gegenüber Cbansi und der chinesischen Ges U'chaft nachkomme, so werde der Gerichtshof die nöthigen Schritte thun müssen, um zu verhindern, daß die englische Gesellschaft die Kontrolle über den st???tigen Besitz behalte. Die Firma Moreing wurde ferner verurtheilt. Chang sämmtliche Kosten zu bezahlen. Der Chinese ist durch dieesn Urtheilsspruch vor einem sehr unangenehmen Schickfal bewahrt worden, denn die Kaise--rin-Wittwe von China, die bekanntlich eine sehr energi''ch?Dame ist. hatte ihm deutlich zu verstehen gegeben, daß er. falls es ihm nicht gelinge, den fremdem Teufeln ihren Raub zu entreißen, ich' nur leinen Mandarinenknopf, sondern fogar seinen Mandarinenkopf verlie ren würde. Auch die angenehm; Strafe des Ohrenabschneidens war ihm in Aussicht gestellt worden.

Ter verkrachte eip'iq-connewitzer Konsumverein. Ende vorigen Jahres gin bekannt lich der sozialdemokratiscy geleitetgroße Konsu:nverein Leipzig Conne Witz in die Brüche, und sein erster G? schäftsführer. langjähriger sozaldcmokratischer Stadtrerordnet?r Bo '. wurde wegen höchst bedenkliter Ge schä'tsführung verhaftet. Er bat:, einen Reingewinn von 115.321 Mark Herausgerecknet. die genaue Bilanz:rung ergab indessen einen Fehlbetrag von' über 83,000 Mark, der sich in Wirklichkeit noch um etwa 78,000 Mk. Mitgliederguthaben erhöht. Eine Bekanntmachung der Liquidatoren bt--sagt, daß das Ergebniß der Versteigerung der Vereinsgrundstücke wahrscheinlick ein Hypothe!enaus?all von 100,000 Mark sein und oan min vergeblich versuchen werde, di? Mitglieder haftbar zu machen, da dies? meist aus kleinen Leuten bestanden. Jetzt hat sich nun der Konsun verein Leipzig-Vlagwik. einer der größten und reichsten Teutschlands, bereiter klärt, die Liquidationsmasse oeö Connewitzer Vereins, die noch keine 50 Prozent deckt, zu übernehmen und allen Gläubigern (mit Ausschluß d.'r Hypcthekengläubiger und der Mitg'.ie der hinsichtlich ihresGeschäftsantheils 60 Prozent ikner Forderungen zu zahlen. Eine Anzahl stark enaagirter Waarengläuliger hat den Verg'eiD abgelehnt. Sollten diese bis zu d?m nahe bevorstehenden Ablauf des M rctoriums auf ihrer Ablehnung deharren, so muß der Verein den Kop.kurs erklären. Ein internationales Preisausschreiben. Im Herbst vorigen Jahres wurde bekannt, daß der pariser Musikvertag C. Astruc et Eie. nach dem Muster de Mailänder Verlegers Sonzogono ein musikalisches Preisausschreiben erlassen werde, zu dem Bewerber aller Länder und Vertreter aller musitaliichn Fächer eingeladen werden sollen. Die Preise in Höhe von 55,000 Francs rühmen von dem genannten Musikverlag, dem Fürsten Albert von Mnoca und dem Großindustriellen Henri Deutsch de la Meurthe her. Die Abtheilungen des Wettbewerbes, der am 31. Oktober 1906 geschlossen wird, umfassen 1. Oper oder lyrisches Drama (30,000 Francs), 2. komisch? Oper (12,000 Francs), 3. Ballet oder Ballettpantomime (8000 Francs), 4. Trio für Klavier, Violine und Cell? (3000 Francs) und Sonate für Klavier und Violine (2000 Francs). D'e Libretti können entlehnt oder von dem Komponisten selbst geschrieben sein; die Anzahl der Akte und Szenen ist unbeschränkt; doch darf das Bühnenwerk die Dauer einer normalen Theatervorstellung nicht überschreiten. Die mit dem ersten Preise ausgezeichneten Bühnenwerke werden auf dem Grand Thatre de Monte Carlo oder aus einer größeren Pariser Bühne zur Darstellung kommen. Der Concours de Mustque unterscheidet sich in einer Beziehung übri. aens wesentlich von dem Sonzogonischen Opernwettbewerb. Die mit dem Preise ausgezeichneten Komponisten erhalten nämlich nicht allein die ausgeworfenen Geldprämien, sondern s bleiben auch Mitbesitzer ihrer Werke. die allerdings bei der Pstiser Fir ma Astruc et Cie verlegt werden müs-sen.

ein Sieg Heine's in feiner Geburtsstadt. Vor fünfzehn Jahren verweigerte die städlische Vetrctung D ü s s e l -d or f s einem geplanten Hcine-Denk-irol für welche ot eiträae auch in Tüssc'dorf selbst reichlich geflossen ira ren. die Annahme. Und dafür erhielt He!nc dann ein h?rcliches Denkmal in New Iork. Der Düsseldorfer Dmkmulausjch'.ß löste sch damals aus, und das Te.kmalgeld wurde unter Pflegschaft gestellt. Der Pfleger yat nunmehr nach Anhörung der tbtmaAgen Ausschußmitglieder und unter Zustimmung des Vormundschaftsgerichts aus einem Theil des Denkmalgeldes eine vom Leipziger Buchhändler Friedrich Mcyer zusammengbr.-ch.e Heine-Bibliothek erworben, die eben nach Amerika verkauft werden sollte; sie et'ält n'cht rur die verschiedenen Ausgaben Heine'scher Schriften in Buchform, sondern auch viele Bände und Einzelnummern von Zeit chrif ten, in denen H'ie'sche Gedichte oder sonstige Beiträge Hl?ine's zuerst aögedruckt sind, desgleichen die entsprechende Literatur über Heine, von 1817 bis 1903. im Ganzen über 1200 Num mern, Alles inAllcm eine gute Grund läge für wissenschaftliche Fcr'chuuaen über den seine Stellung in der deutsetzen Literatur fest behauptenden großen Lyriker und Sa!yriker. Besagter Pfleger und die Mitqlieder besagten Tenkmalcomites boten jetzt diese Heine-Vibliothek nebst einer Heine-Büste und dem Rest des Denkmalgeldes der Stadt Düsseldorf als Geschenk an mit der Pflicht, die HeineBibliothek in der Düsseldorfer Landesund Stadtvibliothek als gesonderte Abtheilung aufzubewahren, im selben Raum die Büste aufzustellen und den Rest des Denkma'geldes zur Ausschmückung des Raums und zur Er gänzung der Heine-Bibliothek zu verwenden. Was that aber die jetzige Düsseldorfer städtische Vertretung? Si.' hat das Geschenk nebst den daran geknüpften Bedingungen einstimmig angenommen und den Gebern den wärmsten Tank ausgesprochen.

Ter neue (ncralaouverneur von Warschau, Konstantin Klawdiewirfch Max mo, witsch, Hetman der Tonschcn Ko atei. stammt auö dem alten Adel des Pol tawaer Gouoernemcnts und ist 185 2 geboren, Maximowitsch wurde zuerj: im PagenZorps erzogen und viitte dann die Akademie des Geeralnade die er im Jahre 1874 absclrirte. Im türkischen Feldzuae 187? zeichnete sir Maxi.owitsch besonders ans, so daß ihm der Zar für seine Tapferkeit eine., goldenen Säbl v:rl'eh. Nach dem Kriege wurde Maximowitsch nachein ander mit dein koi;manto der 1. und 2. Division betraut und erhielt im Jahre 1884 das 28. Dragonerregiment. 1888 wurde Marimowitsch Generalmajor und befehligte eineKava!leriebrigade. Nach fünf Jahren wurde er guci Generalgouverneur des Uralskgebietes ernannt und 1897 zum Generalleutnant befördert. Mvei Jahre später ernannte syn der Zar zum Hetman der Donschen Kosaken, und am 30. Juli 1904 erhielt Marimowitsch den Titel eines Generaladjutanten. Als er gleich darauf nach Petersbur kam, um sich anläßlich tiefer Auszeichnung beim Zaren zu melden befragte dieser Maximowitsch über seine Meinung bezüglich de? Bildung einer besonderen Ko'akendivision, die in derselben Weise wie die des Genera!'' Mischtsckenko auf dem Kriegssckauplatze thätig sein sollte. Aus den Rath Marimowitscbs wurde jedoch davon Abstand genommen. Vatikan und Quirinal. In den kirchlichen Kreisen Rom Wird ein Anise! derCioilta cattoii'a" lebhaft befprochen, in welchem die genannte Reoue die g?genwar.ige rech.liche Lage der Kardinäle mit Rüclsichl auf das öffentliche Rech: in J.al'.en einer Prüfung unterzieht. Die Civilta ca.tolica" weist darauf hm, datz die Kardinä.. dieselben Rechte und d..' gleichen Prir'.'egien genießen wie ror 1870. Es eristirt ein königliches D tret vom Jahre 1808,- welches tta Kardinälen vor allen anderen hohe." Staatswürdenträern, selbst vor den als Vettern des Königs" angeeher.e.i Rittern des Annunziatenordens. den Vorrang zuspricht. Dieses Dekre:. das die Kardinäle cen Prinzen aus königlichem Blute an die Seite stellt, ist noch immer in Kraft, und die (5iviltil" betrachtet es als rechtsbildende Grundlage für di' Vorrechte und Privilec:ien Kardinäle. Ter Artikel erregt darum große Aufinertsamkeit, weil sein Erscheinen in einer Reoue, die unter jesuitischem Einfluss? steh, ein Symptom der Erstarkung dee be kannten Tendenz ur Vertiefung d-r Annäherung zwischen Vatikan und Quirinal zu bilden sche'.nt. Der Kaiser beabsichtigt, für seine Hohenzollern" ein E sa zschiff bauer zu lassen. Auf der ModellversuchZstelle des Norddeut che -Lloyd" zu Bremerhaven werren seit einigen Monaten Versuche mit tnt:p. v)n Pro. Schütte. Schif'baulehrec an der Technischen Hochschule in Danzi, hergestellten Musterschiff an-este2l. Der Kaiser wollte bei seinem stngen Besuch den Versucken beiwohnen, sah aber infolge Erkältung davon ab.

Jndiana Tribüne BBHMHHHHMHHMMaHHnMH

Europäische Nachrichten. Provinz Schleswig -Kolstein. Schleswig. In der Mathildenstraße glitt die 68 Jahre alte Wittwe Köhnke auf der Treppe eines Hauses aus und stürzte hinunter. Sie erlitt anscheinend schwere innerliche Verletzungen, so daß ihr Transport nach dem Krankenhause erfolgen mußte. A l t o n a. Sein 30jähriges Dienstjubiläum im Dienst der hiesigen Eifenbahndirektion feierte der Schlosser Stahl Hierselbst. Von der Eisenbahndirektion erhielt der Jubilar für seine treue Dienstzeit ein größeres Geldgeschenk überreicht. A tz b ü l l. Das Vierbrauereigewese von E. Nielsen hier ist bis auf das Wohnhaus niedergebrannt. Das Feuer soll dem Vernehmen nach durch einen schadhaften Schornstein entstanden sein. Versichert war das Gewese bei der schleswig - holsteinischen Landesbrandkasse. V j e r n d r u p f e l d. Ein Sohn des Hofbesitzers Fredrek Nissen von hier hatte das Unglück, als er Heu vom Boden warf, durch eine offenstehende Luke auf die Tenne zu stürzen. Der Vedauernswerthe hat sich den Hinterköpf arg zerschlagen, so daß der hinzugezogene Arzt die Kopfhaut zusammennähen mußte. F u g l s a n g. In der hiesigen Bierbrauerei stürzte der ArbeiterMane Nissen beim Ueberlegen einer Brücke über einen Aufzugsschacht kopfüber in letzteren hinein. An der dabei erlittenen GeHirnverletzung ist der Verunglückte bald darauf gestorben. Neuendeich. Durch ein Schadenfeuer wurde das mit Stroh bedeckte Wohngewese des hiesigen Schuhmachermetsters Pein total eingeäschert. Fast sämmtliches Inventar und mehrere tausend Pfund Räucherwaaren sind mitverbrannt. Die EntstehungsUrsache ist unbekannt. O s d o r f. Die goldene Hochzeit feierten der Privatmann Joh. Leseberg und Frau, geb. Vollmer, hierselbst. Das Jubelpaar ist 82 bezw. 71 Jahre alt und erfreut sich noch einer guten Gesundheit und Rüstigkeit. Sonderburg. Der auf der Marinestation beschäftigte Lokomotivfllhrer Knop aus Kiel erlitt infolge eines Sturzes von der Maschine einen Bruch des Rückgrats. Schönkirchen. Der Amtsvorsteher F. Wiese ist, als er von einer Hochzeitsfeier nach Hause gehen wollte auf den verkehrten Weg gerathen, in den Dorfteich gekürzt und ertrunken. W i l st e r. Rentner Jacob Jochims und Frau, geborene Albers, Hierselbst feierten dieser Tage das Fest der goldenen Hochzeit. Jochims war früher Hofbesitzer in Brokdorf. Provinz SchkolLen. B rs l a u.' Auf dem Märkischen Bahnhof" stürzte der beim Rangiren beschäftigte, etwa 19 Jahre alte Rangirer Ulbrich, ob infolge eines Stoßes des Waggons, oder infolge Ausgleitens, konnte nicht festgestellt werden auf dieErde und blieb bewußtlos liegen. Der sofort herbeigerufene Bahnarzt, Dr. Beer, konnte ihm keine Hilfe mehr bringen. Der Verunglückte verstarb, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, Anscheinend infolge einer inneren Verletzung. Arnsdorf. Der Bäckerlehrling Georg Lindner, der bei einem Bäckermeiste? Breitestraße 41 in Lehre stand, lehnte sich gegen die Hobrechteiche, glitt aber aus und stürzte, da der steile Abhang des Oberdammes mit einer Einfriedigung nicht versehen ist, in den Schiffahrtskanal und ertrank. Ei lau. Auf der Wilhelmshütie" flog von einem mächtigen Hammer, durch den altes Gußeisen zerstückelt wird, ein großes Eisentück weit weg und traf den Maurer Ernst Klar aus Schadendorf, der an inneren Organen, namentlich auch an der Lunge, lebensgefährlich verletzt wurde. So ist dem Manne u. a. auch eine Nien losgeschlagen worden. Gersdorf. In der hiesigen Thonwaarenfabrik fiel der Feuermann Opitz aus Waldau, Vater von 6 Kindern, eine Treppe hinunter, brach das Genick und starb. G r o t t k a u. Das Uhrmacher Franz und Karoline Zeiper'sche Ehepaar von hier beging das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. L i ch t e n w a l d e. Der 20jährige Max Erxner, Sohn eines Oberholzschlägers, verunglückte infolge eines Unwetters. Als er von Einkäufen in der Stadt mit einem College zurückkehrte, muß er, nachdem er sich von diesem getrennt batte, im Sckneegestöder den Weg verloren haben. Trotz eifrigen Suchens des geängstigten Vaters und der Brüder gelang es nicht, ihn aufzufinden. Erst nach langer Zeit fand man ihn in bereits leblosem Zustande. Nieder-Salzbrunn. In dem am Viehweg gelegenen Busch fand man die Leiche des Arbeiters Naumann. Der in den 40er Jahren stehende Mann war arbeitslos, hatte sich im Rausche niedergelegt und ist in der Kälte umgekommen. frcr?inz ofcn. Posen. Unser Stadtparlament ist von einem herben Verluste betroffen worden. Der Stadtverordnete Rentier Sally Konicker ist, weiten Kreisen ganz unerwartet, im Alter von 52 Jahren nach kurzem Krankenlaaer aestorben. Der Verstorbene, der

17. April 1905.

früher auf dem Alten Markte einTuchgeschäft besaß, war ein alter hiesiger Bürger. G n e s e n. Infolge einer schweren Blutvergiftung verstarb hier der 11 Jahre alte Sohn des Landstallmeisters Kiekebusch. Die Blutvergiftung trat infolqe einer eiin.füqiqen Verlenuna eines Fingers an einem verrosteten Nagel ein. K o st s ch i n. Letztens brannte das in der Nähe der Stadt belegene Badehaus der Domäne Strumin nieder; das Badehaus war nicht versichert. Bald darauf entstand Feuer in der Werkstätie des Tischlermeisters Karl Kawetzki, die in einem Stalle des HotelbesitzersKietzmann untergebracht ist. Kawetzki trifft der Brand um so empfindlicher, als erst vor kurzer Zeit sein Haus sammt den Tischlerwerkstatten ein Raub der Flammen wurde. Die Gerätschaften waren versichert. K r i e w e n. Dieser Tage beging der hiesige Bürger Michael Donj mit seiner Gemahlin Anastasia, geb. Grzegorczhk, die Feier der goldenen Hochzeit. Neuzattum. Kürzlich wurde der in den 60er Jahren stehende Arbeiter Thomas Dräger auf dem Boden des von ihm bewohnten Gebäudes erhängt aufgefunden. Da VerdachtsMomente auf Mord vorlagen, so nahm sich die Staatsanwaltschaft der Sache an und schritt nach der sofort eingeleiteten Untersuchung zur Verhaftung des eigenen Sohnes des Verstorbenen, des etwa 37jährigen Arbeiters Franz Dräger, und dessen um einige Jahre älteren Ehefrau. Der alte Vater soll von den beiden vergiftet und dann, um die That zu verdecken, aufgehängt worden sein. O s w i e c i m. Beim Verladen ausgeglitten ist der BahnarbeiterCzerwonski auf dem hiesigen Bahnhofe mit einem Faß Wein, welches er gerade trug. Er stürzte so unglücklich zu Boden, daß das Faß auf ihn fiel und ihn erschlug. P e m p o w o. Von einem Wilderer erschossen wurde letztens der Förster Michalek von mer. In dem zur Herrschaft gehörigen Wald sah er sich plötzlich einem Wilderer gegenüber, der sofort auf Michalek anlegte. Blitzschnell riß auch Michalek sein Gewehr an die Schulter, einSchuß ertönte und beide, Förster und Wilderer, sanken getroffen zur Erde. Michalek wurde so schwer verletzt, daß er seinen Verletzungen erlag. Auch der Wilderer erlitt so schwere Verletzungen, daß er kaum mit dem Leben davonkommen dürfte. Z e r k o w. Der unter den Verdachte der Ermordung des Ausgedingers Filipiak verhaftete Wirth Walczak hat nunmehr nach längeremLeugnen den Feldläufer und MaschinenHeizer Wenclewski, mit dem Walczak in enger Freundschaft lebte, der That beschuldigt. Walcz.ik hat die Stelle verrathen, wo das Mordinstrumcnt, ein Hammer, verborgen worden ist. Nach der Aussage des Walczak soll Wenclewski die That ohne Hilfe begangen haben. Auf Grund dieser Anschu,lhiaung fand die Verhaftung des Wenclewski statt. ovinz Sachsen. Magdeburg. Dem Maurermeister Schoekel, dem Vorsitzenden der hiesigen Handwerkskammer, ist der Kronenorden verliehen worden. Breiten ha cen. Hier ist der bisherige Dorfälteste, der frühere Schiffer Lehmann, im 100. Lebensjähre gestorben. G r a d i tz. Oberlandstallmeister Graf Lehndorff feierte dieser Tage hier das Fest der goldenen Hochzeit; im Februar 1835 vermählte er sich in Königsberg mit Gräfin Klara von Kalnein. Groß , Kmehlen. Letztens brach in der Scheune des hiesigenGutsbesitzers Opitz Feuer aus, das bald auf die Nachbarscheune übergriff und auch diese einäscherte. Ferner brannten nieder die Wirthschaftsgebäude des Gutsbefrs Karl Schmidt und das Wohnhaus nebst Stallung des Stellmachermeisters Nicklisch, sowie die Stallung des Gutsbesitzers Menge und das Auszugsgebäude des Gutsbesitzers Horst. Halber st ad t. Auf dem Neubau des Stadttheaters ereignete sich ein tödtlicher Unglllcksfall. Der Kutscher Leopold Günther wurde von dem Schwungrade einer Winde, das sich gelöst hatte, erschlagen, so daß er auf der Stelle todt war. M ü h l h a u s e n. Kreisthierarzt a. D. Lieber i't im 84. Lebensjahre gestorben. Von 1879 bis 1903 vermaltete er hier das Amt des Kreisthierarztes. Bei seinem Uebertritt in den Ruhestand erhielt er den Rothen Adlerorden 4. Klasse. S ch a d e l e v e n. Der Arbeiter Wilhelm Ködert beging kürzlich mit seiner Ehefrau die goldene Hochziit. T o r g a u. An dem Wege von hier nach Roitzsch wurde im Forst dieLeiche eines etwa 60jährigen Mannes gefunden, dessen Leben offenbar ein Schlaganfall ein Ende bereitet hatte. Er wurde recogncscirt als der Dachdeckergeselle Küttom aus Vorhaus (Kr. Goldberg). Wernigerode. Der achtjährige Sohn des Eigarrenmachers Voigts verwendete beim Feueranmachen Petroleum und erlitt dabei durch die zurückschlagende Flamme so schwere Brandwunden, daß er nach kurzer Zeit starb. i

Provinz Kannover. Hannover. Das 15jährige Geschäfts - Jubiläum feierte bei der F:cma F. G. Rümkoff & Co., hier, der kaufm. Procurist Friedr. Munke. Anläßlich der Feier des goldenen Hochzeitsjubiläums wurde den in Lindenstraße 27 wohnhaften Eheleuten Rentier Schmidt vom Kaiser die Ehejubiläumsmedaille verliehen. A l m st e d t. Der 33jährige Postagent Ernst Wunstorf von hier hatte sich ohne Kopsbedeckung entfernt und kehrte nicht wieder zurück. Dieser Tage fand der Mühlenbesitzer Vohnhorst die Leiche des Bedauernswerthen hier in dem Mühlenwasser. An dem Verunglückten wurden schon seit einiger Zeit Spuren von Schwcrmuth wahrgenommen, so daß die Annahme nicht ungerechtfertigt ist, daß sich Wunstorf in einem solchen Anfall das Leben genommen hat. E l d a g s e n. Einen tödtlichen Unfall erlitt der Fuhrwerksbesitzer Neddermeyer, der den täglichen Ömnibusverkehr zwischen der Stadt und dem Bahnhof vermittelt. Auf der Fahrt zum Bahnhof hatte Neddermeyer auf dem Trittbrett Platz genommen, weil der Wagen voll besetzt war. Während der Fahrt brach der Zughaken an der Deichsel, die Pferde gingen aber weiter und rissen dabei den Führer, der die Leine festhielt, vom Wagen herunter. Bei dem Sturze brach Neddermeyer das Genick. Goslar. Im Rammelsberger Bergwerk verunglückten die Bergleute Heinrich Brarist und Heinrich Dinkler. Im sog. Tagesbau mit Schießen beschäftigt, wurden sie nach geschehener Sprengung von herabstürzenden Gesteinsmassen verschüttet und getödtet. Die Leichen konnten geborgen werden. H i l d e s h e i m. Der Dienstknecht Schürmann ist vom hiesigen Schwurgericht wegen Ermordung der Dienstmagd Huhs zum Tode verurtheilt worden. I e st e b u r g. Der Altentheiler Ehlers von hier hatte mit dem Gespann seines Schwiegersohnes Sinnen nach Hittfeld Schweine gefahren und solche bei Steinwehe abgeliefert. Beim Wiederansvannen wurde "das Pferd scheu und ging durch. Ehlers ergriff dasselbe beim Kopf, kam hierbei jedoch zu Fall und schlug derart mit dem Hinterkopf auf den Erdboden, daß er gleich darauf seinen Geist aufgab. W o l t h a u s e n. Kürzlich ist das Haus des Pferdehändlers Hellmann mit sämmtlichen dazu gehörigen Gebäuden niedergebrannt. Es konnten alle Thiere, mitAusnahme einer Ziege, gerettet werden, jedoch ist fast alles Mobiliar verbrannt. Die Entstehungsursache des Brandes ist unbekanni. U e l z e n. Unser Stadt - Oberforster, Karl Weßberge, hat seine Pensionirung beantragt. 37 Jahre lang hat er sich der Pflege und Förderung unserer Forste mit Eifer gewidmet.

Der Grund. Du behandelst Deinen Mann in der letzten Zeit ja ganz außerordentlich schlecht." Xanthippe: Ja, denk Dir, dem wurde neulich in einer spiritistischen Sitzung suggerirt, ich sei gestorben, und da machte der Unverschämte in der Hypnose ein überglückliches Gesicht. Eine sinnige SchillerEhrung wird in Essen beabsichtigt. Es soll.im dortigen Stadtwalde ein Schiller-Hain aus Lindenbäumen angelegt werden. Inmitten des Haines wird eine Quelle murmeln und einen Bachlauf mit Wasser speisen. Steiuert Bänke werden zum Rüben einAiden. Ein größerer freier Platz sou zu Volksspielen und Aufführungen im Freien dienen. Mit der Pflanzung der ersten Linde am Sonntag, 7. Mai, wird die eigentliche Schiller-Feler oerbunden, an der möglichst die ganze Bevölkerung, namentlich aber die Schuljugend, theilnehmen soll. In unserer denkmalübersättigten Zeit erscheint der Gedanke, unseren Schiller durch einen ihm geweihten Hain zu ehren, der Beachtung wohl werth. Manch einer würde hier im stillen Walde fern ab vom Weltaetriebe mehr Erbauung finden, als vor dem schönsten Schiller - Denkmal im Lärm der Straßen. Ueber die Verhaftung eines Kriminalwachtmeisters wegen mehrererErpressungsgeschichten schreibt man aus Hamburg: Der Hamburger 5iriminalwachtm.?isterHorstmann halte in einem Hinterzimmer des Cigarrengeschäftes, wo er seine Cigarren kaufte, östers mit der Inhaberin des Geschäftss Bier getrunken. Dje Frau hielt den Beamte für einen Gerichtsvollzieher. Eines schönen Tages kam er wieder und fragte die Frau, ob sie wohl Feindehabe. Es sei eine Anzeige wegen Kuppelei gegen sie eingelaufen. Darauf legitimirte er sich als Kriminalwachtmeister und sagte ihr, sie werde beschuldigt, in ihrem Hinterzimmer Damenbedienung eingerichtet zu habm und ohne Erlaubniß alkoholische Getränke zu verkaufen. Er wolle aber die Sache schon all right" machen. Die Akte werde ganz einfach zerrissen. Aber der Schreiber müsse zwanzig Mark dafür haben. Die Frau, die vermuthlich kein ganz reines Gewissen hatte, gab das Geld auch her. . . Jetzt sind diese und eine ganze Reihe von anderen ähnlichen Erpressungen des famofen Kriminalbeamten an's Licht gekommen.

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E i n altes märkisches Fest, bei dem ein alter Brauch wieder zu feinem Rechte kam, ist kürzlich, am Sonntag Jnvocavit, in Kyritz, Prov. Brandenburg, gefeiert worden: es ist das sogenannte Basewitz - Fest. In grauen Zeiten belagerte der Ritter Basewitz Kyritz. Der Edle grub einen unterndischen Gang nach der Stadt, der bei der Kirche mündete. Dort aber ijatk man längst den Braten gerochen, und der Ritter wurde gebührend in der Kirche empfangen und dann mit Hirsedrei todtgefüttert". Seitdem wird ar jenem Sonntage jeder Besucher der Kirche mit einem guten Stollen emvfangen oder vielmehr er bekommt ihn (fürsichtigerweise) nach dem Gottesdienst. Mit einem großen Korbe hat sich am Ausgange der Kirchendiener aufgepflanzt, der dann die Kirchgänger mit dem duftenden Gebäck beglückt. Am Sonntag Jnvocavit ist in der Kirche in Kyritz immer der Besuch merkwürdig zahlreich. Daß den Dieben nichts zu schwer" ist, wenn sie Beute mittern, die ihre Anstrengungen lohnt, beweist ein verwegener Einbruch auf dem englischen Linienschiffe Swiftsure", das zur Zeit in Chathan im Trockendock liegt. Vor einigen Rächten nämlich schlichen sich Diebe auf dem Schiffe ein, die es aus den in der Messe befindlichen eisernen Geldschrank abgesehen hatten. Sie schleppten den Schrank auf das Deck und ließen ihn mit einem der Krähne hinab in das Dock. Dort machten sie sich daran, ihn zu öffnen. Sie müssen aber gestört worden sein, denn am Morgen fand man den Schrank zwar beschädigt, aber noch geschlossen, und so entging sein Inhalt, gegen 400 Pfd. Strl., den Dieben. Die Swiftsure" ist eines der beiden Kriegsschiffe, welehe England oer chilenischen Regierung abkaufte und dadurch Rußland zuvorkam, welches auch wegen dieser Schiffe in Unterhandlung stand. Einen erschütternden Abschluß fand im Hause No. 10 auf dem Benediktiner Platz zu Klagenfurth, das Lebensdrama der drei Schwestern, Baronessen Zinn v. Zinnenburg, Töchter des verstorbenen kaiserl. königl. Ingenieurs der Forstdirektion. Von den Schwestern war die älteste, Luise, 70 Jahre, die zweite, Cresina, 64 und die dritte, Auguste, 53 Jahre alt. Die drei Baronessen lebten in überaus ärmlichen Verhältnissen: sie ernährten sich von Stickerciarbeiten und hielten sich seit Langem von aller Welt zurückgezogen. Cresina Zinn v. Zinnenburg war vor Kurzem an Lungentuberkulose verschieden. Die Leichenträger erschienen, um die irbi'chen Reste nach dem Fnedhoft zu überführen, doch fanden sie die Woh nung verschlossen. Als auf mehrfaches Klopfen kine Antwort erfolgte, wurde die Thür polizeilich gesprengt. Beim Eintritt in's Zimmer erblickte man die verblichene Cresina dürftig aufgebahrt in der Mitte des Zimmers; zu ihren Füßen auf dem Boden lagen die Leichen ihrer beiden Schwestern. An v:r Bahre der Dahingeschiedenen hatten die Baronessen Luise und Auguste sich erschossen. Wie jetzt bekannt wird, hatten die drei Schwestern einc.nder gelobt, daß im Falle des Ablebens der einen von ihnen die beiden anderen ihr freiwillig in den Tod folgen sollen. Nun haben sie das traurige Gelübde getreulich erfüllt. Zu gleicher Stunde wurden die Todten beigesetzt; dos Leichen begängniß besorgte eine Gesellschaft zu Klagenfurth kostenlos. Tie Famili? Zinn von Zinnenburg stammt auS t:m zwölften Jahrhundert und h.-:üc danials großen Grundbesitz in Mah. Einer der Vorfahren war Großrrio? der Tempelritter, ein anderer Landeshauptmann in Böhmen. Räch den Türkenkriegen verarmte die ehemals hochang?sehene Famitte, dessen letzte Mitglieder nunmehr aus dem Leben geschieden sind. Von der Polizei, die stets oss Böse will, doch das Gute schafft, wird folgende Geschichte aus Kopenhagen erzählt: Ein junges Mädchen aus nicht sehr begütertem Stande war aus Schweden herüber gekommen, um die Ziehungsliste der 5. Klasse der dänischen Klassenlotterie einzusehen und ein Erneuerungslos für die 6. Klasse in Empfang zu nehmen. Der Collekteur theilte ihr mit, daß sie in der 3. Klasse 1000 Kronen gewonnen habe und zahlte das Geld in 100-Kronen-scheinen aus. Die glückliche Gewinnerin machte in verschiedenen WaarenMagazinen Einkauft und bezahlte jedesmal mit einem 100-Kronenschein. Den Angestellten fiel dies auf und sie benachrichtigten heimlich die Polizei. Bald erschien ein Beamter in Civil. nahm das Mädchen beiseite und frag:e in höflichem Tone, woher sie das Geld habe. Als sie angab, es in der Lotterie gewonnen zu haben, fragte er weiter nach dem Collekteur, zu dem sie zusammen in einer Droschke hinfuhren. Hier stellte sich der Beamte vor und wünschte zu erfahren, ob das Mädchen heute Vormittag . . . Hierbei unterterbrach ihn der Collekteur, stammelte Entschuldigungen und sagte: Mein Fräulein, Sie haben 10,000 Kronen gewonnen, ich konnte aber leider Ihren Aufenthalt nicht mehr ermitteln." Auf diese Weise hat unbeabsichtigterweise die Polizei dem jungen Mädchen zu ibrem Gelde verholfen. ch IT Staucht die BONANZA.