Indiana Tribüne, Volume 28, Number 200, Indianapolis, Marion County, 15 April 1905 — Page 5
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Zwergbost-Abentenrer. WagKalffge Ocean - Bagabnnden in NuftschakUn". (Einige erreichten den Zweck ihres Ehrgeizes. Andere fanden ein namenloses (5nde. Blackburn, der fingerlose Fischer". Andere Bcrül?mt!,citcn, darunter auch Teutsche. Sogar da? Ewigweibliche bethciligt. Es ist eme eigenthümliche, aber schließlich zum Gesetz der Gegensätze passende Erscheinung, daß mitten in der größten Vervollkommnung moderner Verkehrsmittel eine gewisse Klasse Menschenkinder, wenn auch keine grotze, mit wahrer Leidenschaft nicht sowohl die Benutzung derselben verschmäht, wie in herausfordernder Weise sich zu zeigen bemüht, daß sie ohne dieselben, ja mit den denkbar einfacw'ten und ursprünglichsten Vorrichtungen und sonst nur von ihren Gliedmaßen unterstützt, ebenso weit auf dem Erdball oder der Wasserwüste kommen kann. Der Eine macht auf Schusters Rappen Weltreisen oder stiefelt mindestens durch einen ganzen Erdtheil hindurch nach einer Weltausstellung, daure es, so lange es wolle; und Manche leisten sich noch Schubkarrenschieben oder Fässerrollen dabei. Andere überschwimmen weite Meeresarme oder überqueren die gewaltigsten Masserfälle und Wirbelströme und lassen die spießbürgerliche Fortschrittsmenschheit von Dampfern oder von stolzen Brüden aus sie bewundern. Und wiederum Andere versuchen, auf winzigen Fahrzeugen, die nur etwa das Dreisache ihrer eigenen körperlänge messen und von schier robinsonmäßiger Einfachheit sind, über die größten Weltmeere zu kommen, allen Dämonen des Sturme, der Einsamkeit, des Hungers und des Durstes Monate und Monate Trotz bietend. Verschiedenerlei Triebfedern hat diese culturtrotzende Abenteuersucht. Einige jener abenteuernden Landratten sind weiter nichts, als eine etwas ungewöhnliche Sorte Schnorrspekulauten, welche hinterher die Hand aufheben, wenn sie es nicht schon vorhe: gethan; mitunter harmonirt dies vollkommen mit dem Weltboldenthum und deren Trieb nach der Walhalla des Dime"-Museums. Doch sind damit noch lange nicht alle Fälle erschöpft. Die Waghälse der Wasserwelt aber sind fast ohne Ausnahme ganz echte Abenteurer, deren niedrigster Beweggründ noch die Notoritätssucht an sich ist. Und die imponirendste unter ihnen sind die Zwergboot - Oceanvagadunden, welche sich meistens auf dem Atlantischen, zum Theil aber auch auf andern Meeren herumschleudern lassen und alle Götter der Winde und des Wassers sowie alle Schiffahrtsfortschritte der Jahrhunderte zugleich in die Schranken fordern, während ihnen der Tod in mannigfachen Gestalten beständig im Nacken sitzt! Nur ein einziger von allen hat sich je in einem Dime"-Museum zeigen lassen. Merkwürdigerweise war der Sommer von 1904 beinahe der erste seit vierzig Jahren, in welchem von hier aus gar kein einsamer Seereisender einen tollen Versuch machte, das Weltmeer in einer Nußschale zu überquer?. Nur von England aus sollten zwei solche, Namens Naper und Langford, gemeinsam Australien zu erreichen suchen; doch hat man noch nichts weiter von ihnen und ihrem Zwergboot vernommen. Das verflossene Jahr war ja sehr reich an sonstigen aufregenden, weltbewegende Ereignissen, und wahrscheinlich hat dies zum Theil mit dem mangelnden Buhm in Meeres-Trotz-fahrten zu thun gehabt. Indeß ist ja auch in vielen der vorhergegangenen Jabre genug Weltgeschichte mit Brillantfeuerwerk gemacht und in rothen Lettern geschrieben worden, ohne daß sich die Helden der Zwergboote entmuthigt fühlten! Möglich, daß gerade gegenwärtig eine gewisse Erschöpfung in der Zahl der actionsfähigen Abenteurer dieser Klasse eingetreten ist; denn in der unmittelbar vorherigen Saison hatten nicht weniger als vier, den Einzelkampf mit den MeeresElementen im großen Stil versucht, und nur einer war erfolgreich geblieden. Wenn die betreffenden Berichte nicht verfrüh sind, ist im kommenden Sommer ein Neuaufleben dieser Manie zu erwarten. Natürlich recrutiren sich alle solche Oceans - Acrobaten aus den Kreisen von Schiffahrern überhaupt. Bei-nä-herem Zusehen findet man, daß der günstige Boden für ihr Aufkommen die Gegend der Tiefseefischereien von Neuengland ist, obwohl keineswegs alle amerikanischen Berühmtheiten dieser Gattung von da gekommen sind, und einige sogar das Binnenland zestellt bat. Aber gerade unter den Tiefseefischern Neuenglands war die Leidenschaft für dergleichen in neuerer Zeit eine so große geworden, daß die Presse und die Kanzel sich veranlaßt sahen, besonders dagegen aufzutreten! Es geschah dies nicht blos wegen der Waglustigen selbst, sondern mehr noch infolge der Befürchtung, daß häufig hilfsbedürftige umhertreibende Schiffbrüchige mit NußschalenCranks" verwechselt werden und daher ohne Hilfe bleiben könnten! Bis jetzt ist allerdings noch kein derartiger ftall bekannt geworden. Aber die Duelle. elche jene Tiefsttfischer hausig an den Großen Bänken und in den
tumultuarischen Gewässern det 'eeufundland mit Neptun zu bestehen haben, scheinen jedenfalls, eiNepehr guten Mh'rboden für den Bacillus der Nußschalen - Manie zu bieten, die jedoch in der Form von WeltfahrtSvort erst in den Taqen des modernen ampserverkehrö von sich reden machte. Den ersten bekannten Versuch solcher Art unternahm im Jahre 1864 ein Mann von New Dork aus. Mit einer Schaluppe, die er Vision" tauft, wollte er über den großen Häringsteich nach Themse-Babel gondeln; aber er ist versunken und vergessen." Zuletzt wurde er unfern der Großen Bänke von einem Dampfer gesprochen und mit etlichen Vorräthen versorgt, da die seinen schon zum guten Theil versalzwässert waren; dann verschwand er spurlos für immer, aber sein Schicksal läßt sich leicht ungefähr errathen. Es dauerte geraume Zeit, bis er einen Nachfolger fand, welcher eine solche Fahrt ebenfalls ganz allein wagte. Zwei Jahre später indeß machte das Liliputanerboot Red, White and Blue" mit zwei Insassen, John Hudson und Francis Fitsch, eine erfolgreiche Fahrt in derselben Richtung und vollendete sie in 38 Tagen. Das ist, wie sich aus anderen Beispielen ergeben wird, verhältnißmäßig sehr rasch; aber in diesem Punkt hat eben die blinde Glücksgöttin die Hauptentscheidung. Im Jahre 1867 gelangte das Zwergboot Nonpareil" mit drei jungen Männern Miller, Mikes und Lawson binnen 51 Tagen glücklich von Gloucester nach Southampton. Ein Jahr darauf fuhr der Nachen John T. Ford" mit William Marshall undAlbert French von Baltimore los und kam bis in Sicht der Küste von Irland, dort aber kelterte er, und Marshall ertrank, während French von einem vorüberfahrenden Schiffe gerettet wurde. Eine Doppelfahrt über den Ocean machte 1870 1871 die Schaluppe Rayusa" mit zwei Burschen Namens Harper und Benson; sie gelangte in 98 Taqen von Liverpool nach Boston, brauchte aber zur Rückfahrt von New Aork nach 5ueenstown, im folgenden Sommer, nur 49 Tage. Aber das erste Menschenkind, welch.'s ganz allein in einem Zwergdoot erfolgreich den Atlantischen Ocean überquerte, war der Neuengländer Alfred Johnson, im Jahre 1876. Nur 16 Fuß war sein Bootchen lang, und es gelangte in 67 Tagen von Gloucester nach Liverpool. Aber die ganze Fahrt war eine Kette von Abenteuern und Mißgeschick, welches wohl noch nicht Einer unter Zehntausend hätte überstehen können! Einmal schlug das Boot in einem schrecklichen Sturme um; es gelang Johnson indeß trotz der wilden Wogen, es endlich wieder aufzurichten, wobei er auch noch von einem großen Hai verfolgt wurde! Glücklich wieder im Boot stchen, verjagte er schließlich die unheimliche Bestie mit einem langen Messer, das er an einer Stande befestigt hatte. Nie wieder hat seitdem eine solche Fahrt so großes Aufsehen in der alten und neuen Welt erregt. Johnson damals 29 Jahre alt wurde an vielen Orten Englands und Amerikas als der Löwe des Tages gefeiert, und als er nach den Ver. Staaten zurückkam (diesmal als gewöhnlicher Dampferpassagier) wurde er von Barnum in New Aork ausgestellt, und zwar zu einem hohen Salär. Aber er hatte von der e i n e n Trutzfahrt genug und erklärte, nichts in der Welt könnte ihn bewegen, noch einen derartigen Versuch zu machen. Was die Ehre und auch den materiellen Gewinn anbelangt, so ist diese Kunst seitdem sef heruntergekommen; der letzte derartige Wagehals, welcher dieselbe Rei' allein und erfolgreich gemacht hat, fand nirgends ein huldigendes Publikum und gerieih in solche Geldschwulitäten, daß er sein Boot, an dem er mit seiner ganzen Seele hing, billig losschlagen und schließlich die Rückfahrt nach Amerika sich als Zwischendecks-Pflege wart auf dem Kroonland" erarbeiten mußte! Aber auch das scheint Andere nicht abzuschrecken. Schon bald nach Johnson übrigen? versuchte ein anderer junger Amerikaner. Fred Madison, mit seiner Nußschale, welche den ominösen Namen Brittle" führte, eine Soloreise von New Fork nach Liverpool, aber er erreichte dafür das Jenseits. Zum letzten Male wurde er mitten auf dem Ocean gesprochen. Besonders hervorheb.mswerth ist es. daß sogar Evastöchter in dieser Abenteurerklasse zu finden sind! Zwar hat noch kein neues Weib" eine solch? Fahrt allein vrobirt; aber in verschieb denen Fällen ist die Gattin oder Brau! mit dem Nußschalen -Argonauten muthig auf das Weltmeer gegangen, obwohl kein Beispiel glänzenden Er folges eines solchen Paares bekannt geworden ist. Capitän Thomas Crapon und Gattin waren das erste dieser Pärchen. Sie fuhren 1887 in ihrem Zwergboot, das vom weiblichen Standpunkt au sogut wie gar keinen Comfort hatte, von New Bedford, Mass., nach Eng land und erreichten noch 49 Tagen die Küste von Cornwall frisch und wohl; See und Wind waren in diesen Won leidlick aut aufaeleat gewesen,
dennocy war vle Fayrl eme jeyr eretgnißoolle. Etwas weniger Gluck hatten Capitän Louis Goldsmith und seine Gattin, welche in dem Bootchen Uncle Sam" von Gloucester aus in derselben Richtung abenteuerten; sie geriethen in einen furchtbaren Sturm, und nach haarsträubenden Erlebnissen wurden sie von einem, des Weges kommenden Dampfer us ihrer brüchigen Nußschale gerettet, drei Tage nachdem sie St. Johns, N. F., verlassen, wo wo sie zum letzten Mal Station geTtt Aber nie wieder hat man etwa vom Capitän William Andrews und seiner Neuvermählten gehört, welche 1901 in ihrem Boote, das sie Dark Teeret" nannten, eine Hochzeitsreise" von Atlantic City, N. I., aus über den Ocean machten. Sie wandten sich den südlicheren Gewässern zu und wollten an den Azoren - Inseln anlegen; aber ihr Schicksal hat mit dem Namen ihres Bootes harmonirt, es ist ein dunkles Geheimniß. Capitän Andrews hatte schon zwölf Jahre früher sich als Einsiedler - Argonaut versucht, war jedoch nur etwa 200 Meilen weit von der amerikanischen Küste gekommen und dann einen Monat lang durch entsetzliche Stürme herumgeworfen worden, bis ein vorüberkommender Schooner ihn aufnahm, seine arg demolirte Nußschale (von 15 Fuß Länge) der rasenden See überlassend, Einem Bruder von Andrews übrigens gelang es 1878, gleichfalls mit einem Boot von 15 Fuß, in 62 Tagen ohne allen Beistand von Boston nach Havre zu kommen, worauf er die damalige Pariser Weltausstellung besuchte; das Schlimmste, was er unterwegs durchzumachen hatte, waren die Entbehrungen, die beinahe in Hungertod endeten. Andrews selber machte noch zwei andere verwegene Einzelfahrten über das Weltmeer. Bei der einen schlug sein Bötlein fünfmal um; er hätte sich aber nicht aufgreifen lassen, wenn ihn nicht der Hunger dazu gezwungen hätte, da auch seine Nahrungsoorräthe von der Salzfluth verdorben worden waren. Durch diesen Mißerfolg verlor t eine Wette von 2000, die er mit einem Oceanvagabunden Names Lawler eingegangen , welcher seinerseits in 57Tagen Cornwall erreichte. Bei einer zweiten Wettfahrt wurde Andrews von barmherzigen Winden binnen einem Monat nach Portugal getragen, während Lawler mit seinein Boote für immer verschwand. Andrews' letzte Fahrt war die erwähnte Hochzeitstour. Der berühmteste aller TiefseeAbenteurer aber ist Howard Blackburn geworden, auch der f i n g e rl o s e F i s ch e r" genannt, weil er nur noch die Stumpfen seiner Finger besitzt. Das hängt mit seiner ersten Zwergdootfahrt zusammen, die er vor zwanzig Jahren auf dem Ocean hinaus machte, aber nicht freiwillig. Bei n Fischen an den Neufundländer Bänken waren er und ein Kamerad Namens Walsh vom Hauptboot abgekommen und weit auf die See hinaus getrieben worden, in schrecklichem Wetter. Walsh fand den Tod dabei; aber Blackburn erreichte nach sechs Tagen wieder das Gestade, nachdem er beständig ohne Speise und Trank herumgerudert war und Hände und Füße jammervoll erfroren hatte, was ihn für mehrere Monate gänzlich hilflos machte. Das hätte fast jeden Andern den Ocean für immer verleidet. Trotzdem hat dieser Krüppel zweimal erfolgreich den Atlanischen Ocean in Nußschalenbooten überquert und und außerdem weite Fahrten durch unsere Großen Binnenseen und Canäle und an der ganzen Seeküste der östlichen Staaten entlang gemacht ; stets war er dabei ganz allein, und mit seinen verstümmelten Händen mußte er rudern, steuern, Segel stellen und einziehen, kochen und noch hunderterlei andere Dinge thun, welche solche Reisen mit sich bringen! Seine erste Wettmeerfahrt machte er 1899 von Gloucester, Mass., nach Gloucester, England, und in 62 Tagen, die zweite 1901 von seiner Heimath aus nach Lissabon, Portugal, in 39 Tage, und mit derselben Schaluppe, welche er dabei benutzt hatte, machte er im Jahre darauf eine Rundfahrt von 9 Monaten durch Binnenseen und Kllstengewässer, westwärts, südwärts und ostwärts bis an das Ende des Golfes von Mexico. Im Februar 1903 entflammte ihn der Abenteuergeist aufs Neue, und am 8. Juni begann er in einem Boot von 16 Fuß eine Reise, die ihn nachHavre, Gibraltar, über den Ocean wieder zurück nach Florida und dann den Mississippi herauf nach der St. Louiser Weltausstellung bringen sollte. Aber diesmal war ihm das Glück nicht hold. (5r gerieth bald auf dem Ocean in einen unwiderstehlichen Sturm, und mit knapper Noth entging er dem Schicksal, in seinem Zwergboot schlasend zu ertrinken! Die Sturzwelle machte alle seine Mundvorräthe unbrauchbar, und er mußte sich in Clark's Harbor neue holen. Kaum wieder losgefahren, traf ihn ein ahnliches Mißgeschick, Durchnässung und Bloßstellung brachten ihm den Rheumatismus, und er mußte seinen großen Plan endgiltig fallen lassen. Das hätte kein Eisbär länqer aushal-
I ten können," äußerte er sich hintnher. Biackburns gesammte Abenteuer wur-
de ein großes spannendes Bück fül len. Unter seinen Mitstrebenden sind namentlicy der Deutsche Ludwig Eisenbraun, der Deutschamerikaner William Schneider und der Portugiesisch-Ame-rikaner Joseph Chavres erwähnenswerth. Die eine Hand des Letzteren ist gleichfalls verkrüppelt, die That eines wahnsinnig gewordenen Kämeraden auf einem Fischerboot. Chavres machte gegen Ende Juni 1903 eine waghalsige Oceanfahrt in einer Nußschale, kam aber nur 300 Meilen weit, und es war ein Wunder, daß er so weit kam, denn das Boot erwies sich als baufällig! Eisenbraun machte, nach zwei verunglückten Versuchen, im Hochsommer 1903 eine folgreiche Zwergbootfahrt von Halifax, N. S., nach Madeira in 72 Tagen, und weiterhin nach Gibraltar, das er am 20. November erreichte. Schrecklicher Sturm überschwemmte wiederholt sein Boot und beraubte ihn seiner Nahrungsmittel und seiner meisten Geräthschaften; doch ließ er sich von vorüberkommenden Schiffen au's Neue ausstatten. Einmal auch stieß seine Nußschale mit einem schlasenden Walfisch zusammen, ging aber wenigstens nicht aus den Fugen. Eisenbraun kann nicht genug davon erzählen, wie unterhaltend diese Soloreise für ihn gewesen sei, und wie er gewöhnlich während ver Stürme am besten habe schlafen können, da er dann keine Segel zu bedienen gehabt. Im Allgemeinen aber gehört der Verlust an Schlaf zu den ärgsten Strapazen im Einzelvagabundenleben des Meeres. Eine der tollsten Nußschalenfahrien aber, die jemals gemacht wurden, war diejenige von Herbert Berrill und Andrew Coan, welche in einem Boot von 19 Fuß Länge von Boston um das gefürchtete Cap Horn herum nach San Francisco zu gelangen suchte, aber nach einer Reihe Abenteuer, bei denen der Tod ihnen in vielen Gestalten in's Gesicht starrte, froh sein mußte, die Südküste von Brasilien zu erreichen. Endlich sei noch der großen Weltreise des Capitäns Joshua Slocum gedacht, welcher mit seiner Schaluppe Spray", die er selber gebaut, im April 1895 von Boston abfuhr und nach einer Weltfahrt von insgesammt $46,000 Meilen glücklich im Juni 1898 nach dem Äusgangshafen zurückkchrte. Capitän Noß von BritischColumbia suchte 1901, ihn noch zu überbieten, indem er in einem indianischen Kriegscanoe eine Reise durch den Stillen und den Atlantischen Ocean u. s. w. unternahm. Er hatte einen Gehilfen, welcher über Bord geschwemmt wurde, fand aber einen Ersatzmann zu Capstadt und erreichte Louöon am 12. September 1904.
Der Zufall. SuS den Erinnerungen eines Ctaatsanwalt? Der nachfolgend erzählte Fall muthet in seiner Entwicklung wie eine griechische Tragödie an. Ein Frevler ladet Blutschuld auf sein Haupt, um or Strafe wegen einer anderen Missethat zu entgehen; fast scheint es, als ob er straflos ausgehen solle; da frrt wie ein Deiis ex machi ' Ölfischen Tragödie ein ;i .a, das Haupt des Mörders vev - dem Henker. In der Gegend von S. zogen sich Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts noch langgestreckte königliche Forsten hin. Dort brach noch der Keiler durch das Unterholz, dort schrie noch der Hirsch, wenn es seine Zeit war, auch der übrige Wildstand war dank der vorzüglichen Hege und Pflege ein ausgezeichneter. Leider aber wurde in einer Weise gewildert, welche die Forstbeamten zur Verzweiflung zu bringen geeignet war. Und da häufig auf feiten der Schuldigen nicht der verhältnißmäßig geringe wirthschaftliche Nutzen die Triebfeder zum Freveln war, sondern eine ungezügelte Jagdleidenschaft, die auf gesetzmäßigem Wege nicht befriedigt werden konnte, so nützten auch die sehr strengen Strafen, welche die Schöffengerichte und die Strafkammer zu verhängen pflegten, nichts; der Wildfrevel war nicht auszurotten. Deshalb wurde die strengste Aufsicht geübt, und die natürliche Feindschaft zwischen Förster und Wilddieb hatte sich zum leidenschaftlichen Hasse verdichtet. In der ziemlich einsam gelegenen Oberförsterei hauste seit mehreren Jahren ein Oberförster mit seinem jungen Weibe. Die Anstellung hatte ihm endlich die Möglichkeit gegeben, sein Lieb heimzuführen. Die Ehe war gesegnet in jeder Beziehung. Zwei reizende Kinder tappten im Hause umher; Zufriedenheit und Frohsinn wohnten mit unter dem Dache. An einem milden Septemberabend hing sich der Oberförster die Büchsflinte um und pfisf seinem Hunde; er wollte noch einen Gang in das Revier machen, wie er sagte. Bald war er den Augen der ihm nachschauenden Gattin in der zwischen den Bäumen herrschenden Dunkelheit verschwunden. Einige Stunden waren vergangen, da hörte man im Forsthause aus der Stille der Wälder in weiter Ferne dicht hintereinander drei Schüsse fallen. Die Zahl machte die Frau Ober forster stutzig; sie beruhigte sich indessen mit dem Gedankt, daß offenbar ihr Mayy mit eines seiner Förster an der Grenze der Batkernjagden 1)as
Wild vor dem Außjreten auf diese zurückscheuchte, um es vor'den Schrotspritzen der fast allnächtlich auf dem Anstünde sitzenden Bauern zu schützen. Die Nacht schritt vor, der Oberförster war noch nicht zurück. Unruhig lauschte seine Gattin nach draußen. Es war ja öfter vorgekommen, daß er des Nachts im Walde verblieb; dann hatte er aber vorher seine Absicht ausdrücklich mitgetheilt. Da heulte plötzlich vor dem Gehöfte ein Hund. Eine bange Ahnung ergriff die junge Frau. Sie eilte zur Hausthür und öffnete; der Hund ihres Mannes sprang klaglich winselnd an ihr empor. In diesem Augenblick gedachte sie der drei Schüsse vom Abend zuvor, und eine grauenvolle Angst ließ ihr das Blut zum Herzen zurückströmen. Sie weckte die Knechte, und beim ersten Dämmern des Morgens zogen diese aus, ihren Herrn zu suchen. Die ungefähre Richtung war ja durch den Schall der drei Schüsse gegeben. Den Hund hatte man beim Aufbruch an Riemen genommen; er zerrte indessen dermaßen, daß man ihn lösen mußte. Kaum fühlte er sich frei, als er in langen Sätzen im Walde verschwand, in der von Anfang an eingeschlagenen Richtung. Und die Knechte fanden schließlich ihren Herrn. Das Heulen des Hundes hatte ihnen den Weg gewiesen. Todt lag der Oberförster ausgestreckt auf dem blutdurchtränkten Moos; eine Schrotladung, offenbar aus nächster Nähe abgefeuert, war in die Herzgegend gedrungen. Die Büchsflinte lag neben ihm; die Patrone des Kugellaufs war frisch abgeschossen. An der Leiche fehlte nichts. Die Untersuchung wurde sofort aufgenommen. Daß der Thäter ein überraschter Wilddieb war, konnte man bei den obwaltenden Umständen ohne weiteres annehmen. Damit war aber auch zunächst der vorhandene Anhalt erschöpft. Nach der Ueberzeugung der Forstbeamien wilderte die ganze Gegend, die einen bei Gelegenheit, die andern dauernd; besonders verdächtig für den vorliegenden Fall erschien aber bisher niemand. Da führte ein Zufall auf die Spur des Thäters. Wenige Tage nach dem Auffinden der Leiche nahm ein Staatsanwalt des Landgerichts in einer anderen Ermittlungssache eine Haussuchung bei einem vielfach wegen Körperoerletzung, Diebstahls und Wilderns vorbestraften Büdner im Dorfe T. vor, nennen wir den Mann Schmidt. Gegen ihn schwebte, damals und zwar schon längere Zeit, eine Untersuchung wegen Meineides. Er hatte nämlich eidlich versichert, eine Flinte, deren Einziehung bei seiner letzten Verurteilung wegen Wilderns rechtskräftig ausgesprochen war, nicht mehr zu besitzen er wollte sie nach seiner Verurtheilung in den nahen Se? geworfen haben während der dringende Verdacht bestand, daß er sie irgendwo versteckt hielt. Die Untersuchung förderte zwar die Flinte nicht zutage, aber Schmidt war am nächsten Tage aus der Geaend verschwunden. Äa er selbstverständlich schon seit langem von dem gegen ihn bestehenden Verdacht des Meineids Kenntniß hatte, war nicht anzunehmen, daß die erfolglose Haussuchung ihn veranlaßt hätte, sich vor einer Anklage zu retten. Er mußte also noch anderes aus dem Gewissen haben, und bei seiner Persönlichkeit und der Nähe seines Heimathsdorfes vom Thatorte drängte sich jedem Beteiligten die Annahme von selbst auf, daß er dem an dem Oberförster begangenen Morde nicht fern stand. Sofort wurde die VorUntersuchung nach dieser Richtung gelenkt, die Verdachtsgründe häuften sich auch immer mehr, Schmidt selbst aber war und blieb verschwunden. Die umfassendsten Ermittlungen und Steckbriefe in allen möglichen Zeitungen führten ebensowenig zu seiner Entdeckung wie die trotz ihrer Unauffälligkeit sorgsamste Ueberwachung der zurückgebliebenen Ehefrau des Schmidt.
Einige Jahre vergingen; die Erinnerung an die Frevelthat begann bereits zu verblassen. Da war eines Tages auch Frau Schmidt verschwunden. Gegen sie lag nicht das mindeste vor; offenbar war sie ihrem Ehemanne nachgezogen. Von neuem wurden die Ermittlungen aufgenommen; sie blieben gänzlich erfolglos. Wieder vergingen lange Jahre. Die Dezernenten und Sekretäre der Staatsanwaltschaft kamen und gingen; der Name des Schmidt war nur noch in den Akten, nicht aber mehr in der Erinnerung der Beamten enthalten. Um diese Zeit waren im fruchtbaren Ländchen M., einem umfangreichen Gebiete, jahrelang nächtliche Einbruchsdiebstähle in die .wohlgefüllten Räucherkammern der Bauern und Güter verübt worden. Alle Bemühungen der Gendarmen, den Thäter zu ermitteln, waren vergeblich gewesen. Eines Tages zeigte aber die Frau eines Arbeitsmannes im Dorfe H. dem Gendarmen an, daß derjenige, welcher die Einbruchsdiebstahle verübt habe, ihr Mann sei, und daß er so. wie er sich nenne, überhaupt nicht hei--he, sein richtiger Name sei Schmidt. Der Mann wurde in Haft genommen und gab schließlich die Führung eines falschen Namens und die ihm zur Last gelegten Diebstähle zu. Es wur de bestimmungsgemäß bei der Staatsanwaltschaft des Geburtsorts des Schmidt Auskunft übn seine Vor-
strafen eingefordert, und auS dem übersandten Registerauszuge ergab sich, daß Schmidt bereits wiederholt wegen Diebstahls bestraft worden war. Da anscheinend Rückfalldiebstahl im Sinne des Gesetzes, der erheblich schwerer bestraft wird, vorlag, mußte der M'sche Staatsanwalt zur Prüfung der Frage, ob die Voraussetzungen thatsächlich gegeben waren, die Akten über frühere Bestrafungen des Schmidt sich übersenden lassen. Zwecks Feststellung des Rückfalls wird nur geprüft, wann der letzte Diebstah5 begangen und wann die letzte und die vorletzte Strafe verbüßt ist; der übrige Inhalt der Akten interessirt nicht. Nun hatte, wie sich nachträglich herausstellte, seinerzeit auch der Untersuchungsrichter in der Voruntersuchung gegen Schmidt wegen des an dem Oberförster begangenen Mordes die Alten über frühere Bestrafungen des Schmidt eingefordert und sie nach Einsichtnahme später zurückgeschickt. Und hier setzte wieder der Zufall ein. in seiner Folgewirkung dem schuldigen Mörder den Tod, dem verletzten Recht die Sühne bringend. Während der M'sche Staatsanwalt zur Feststellung der für den Rückfall interessirenden Daten in den eingeforderten Akten blätterte, fiel fein Blick auf die zwei Worte: Wegen Mordes". Sie waren in einem der erwähnten Schreiben des Untersuchungsrichters enthalten. Ueberrascht las er das ganze Schreiben und entnahm aus ihm, daß vor langen Iahren bei der preußischen Staatsanwaltschaft L. eine Untersuchung gegen Schmidt wegen Mordes geschwebt hatte. Sofort setzte er sich mit dem Staatsanwalt in L. in Verbindung. Die verstaubten und vergessenen Akten wurden hervorgeholt, die Jdenti tät des jetzt verhafteten mii dem damals flüchtigen Schmidt war bald festgestellt, und nach wenigen Monaten stand Schmidt wegen Meineids, gewerbsmäßigen Wilderns und Mordes vor seinen Richtern. Er gab zu, einen Schuft, und zwar den iödtlichen, auf den Oberförster abgegeben zu haben, behauptete aber, in Nothwehr gehandelt zu haben: der Oberförster habe zuerst auf ihn geschossen. Ein Augenzeuge des Vorfalls war nicht vorhanden, man wußte nur, daß drei Schüsse gefallen waren. Da meldete sick die als ZuHörerin anwesende Frau des Schmidt wieder belastete sie ihren Mann auf das schwerste. Sie bekundete als Zeugin das, was er ihr in der Nacht sofort, nachdem er heimgekehrt war, über sein Zusammentreffen mit dem Oberförster erzählt hatte. Danach war er beim Wildern von dem Obersörster überrascht worden. Sofort hatte er auf den Beamten geschossen. aber zunächst gefehlt; dieser hatte nun seinerseits geschossen und auch gefehlt. Dann hatte ihm Schmidt das tödtliche Blei mit dem dritten der von den Zeugen gehörten Schüsse in das Herz gejagt. ' Der Wahrspruch der Geschworenen lautete auf Schuldig wegen sämmtlicher Missethaten. Als der Obmann auf die Frage des Mordes mit lauter und fester Stimme das Wort Ja" vorlas, brach eine in Schwarz gekleidete Dame ohnmächtig zusammen; die Stimme der irdischen Gerechtigkeit hatte der Wittwe des Ermordeten die Besinnung geraubt. Schmidt wurde zum Tode und zu mehrjähriger Zuchthausstrafe nebst den üblichen Nebenstrafen verurtheilt. Das Urtheil wurde rechtskräftig. Es war an einem trüben Februarmorgen; langsam und unaufhörlich rieselte das Naß vom grauen Himmel. Fröstelnd standen die geladenen Zeugen hervorragende Bürger der Stadt, Offiziere, Aerzte mit hochgeschlcszenen Paletotkragen auf dem Gefängnißhofe, scheuen Blickes nach einem auf einigen Blöcken ruhenden Brett mit angefügtem Klotze und nach einem dabeistehenden hochgewachenen älteren Mann im Frack blickend. Ernsten Angesichts und füsternd unterhielten sich die in ihreTalare gehüllten
Richter und Staatsanwälte. Manch einer der Anwesenden, der das Eiserne Kreuz auf der Brust tragen durfte, zeigte eine Blässe der Züge, welche er sicherlich bei dem Pfeifen der Kugeln und dem Platzen der Schrapnells nicht gezeigt hatte. Da hub die Gefänaißuhr dumpf zu sieben Schlägen an; gleichzeitig fiel ein wimmerndes Glöcklein ein. Ein Thor der Mauer öffnete sich; langsam trat, geführt von einigen Gesängnißbeamten, den Rock umgehängt, ein stiernackiger Mann in den Hof. Es war Schmidt. Noch einmal wurde ihm die Urtheilsformel verlesen, noch einmal sprach leise der Geistliche auf ihn ein und dann ging Schmidt trotzig seine-letzten paar Schritte in diesem Leben. Nach wenigen Sekunden lag das abgeschlagene Haupt des Mörders auf dem Sande, und der Scharfrichter meldete dem Ersten Staatsanwalt, daß das Urtheil vollstreckt sei. Kein Streber. BurenuLorstand: Jetzt, wo es so viel zu thun gibt. . . da wollen Sie Urlaub haben?! Beamter: Na, da macht es einem doch gerade das meiste Vergnügen! Anzüglich. Dachdeckermeister (zum Wirth): Na. die Saseniaad ist vorbei, Ochsenwirth. Da werden wir
auch das Dach mal wieder nachsehen müssen!
