Indiana Tribüne, Volume 28, Number 199, Indianapolis, Marion County, 14 April 1905 — Page 7
Jndiana Tribüne, 14 April 1903.
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? r t .i 8 zcncrviumcn ? Vmhui von O Adolf Wilbrandt o KiO'O-O-CJ-O.OO-O-ü'O-O d (Fortsetzung.) Also, lieber Freund; ja, nun bleibt's dabei! Ich bin fast nie mit einein Menschen so schnell Freund g? worden . . . Taß ich Ihnen also da? noch sage: so viele Jahre sind nun dahingegangen; wer denkt noch an Rache? Meine Schwester gewiß nicht mehr. Tie hat nun ja, sie hat später einen andern geheirathet; mit dem lebt sie nun in meiner Nachbarschaft, auf ihrem schönen Gut. Uebertrieben glücklich, das ist sie nicht. Wozu Jhne:i das verschweigen; das ist kein Geheimniß. Wie viele sind denn glücklich? Ich war auch nicht glücklich. Ich bin nicht sehr für die Ehe, das gesteh' ich offen . . . Man kann ja, Gott sei Dank, auch sonst gut Freund miteinander sein; kann Gedanken und Gefühle miteinander theilen, in schöner aufrichtiger Freundschaft aber ohne Ketten. Ich bin nicht für Ketten. Ich bin für die Freiheit!" Sie hatte wieder einen Glanz von Heiterkeit im Gesicht; mit dem strahlte sie ihn an. Jetzt sah sie wieder überrascheud jung aus; und zugleich reizend zutraulich, als sei er der Mensch auf der Welt, zu dem sie am meisten Vertrauen habe. Nur Vertrauen? Es schien auch noch etwas andres zu sein. Tie redseligen grauen Augen schienen ganz verstohlen, ganz leise etwas zu sagen, etwas zu versprechen . . . In ihm erwachte seine ganze Jugend, sein goldene? Leichtsinn," wie er ihn so gern im Uebermuth nannte. Er strahlte sie ebenso heiter an, wie sie ihn. Er begann zu lächeln. Sie auch. Es legte sich ihm ein leichtes, gefährliches Wort auf die Zunge, das da eine Weile unentschlossen schwebte. Was für ein Gesicht ist das?" fragte er dann auf einmal, unwillkürlich. Ein großer Kopf auf einer Kabinettsphotographie war ihm in die Augen gefallen, die auf einem nahen Tischchen stand. Es war ein Frauengesi.cht, mit wellig gescheileltem, dunklem Haar über einer merkwürdigen, edlen Stirn. Das Eirund des Kopfes war schön geformt; Nase und Mund nicht so schön. Die Augen aber, die auf den Beschauer blickten, hatten etwas so Sonderbares, fast erschre!end Durchdringendes, das wieder durch so viel Güte verklärt war. daß Werner sich von diesem Ausdruck wie gefesselt fühlte. Wer das ist? Meine Schwester Wanda. Wollen Sie sie sehn?" Sie nahm das Bild, das auf einer kleinen japanischen Staffelei stand, und hielt es ihm hin. Er betrachtete ?Z aufmerksam; vielmehr, ihm war, ars betrachtete es ihn: so ruhte der tiefe Blick dieser Augen auf ihm. Ist das Bild gut?" fragte er überflüfsigerweise; er fühlte: es ist gut. O ja," warf sie hin. Das beste, das wir von ihr haben. Was für ein guter Mensch sie ist, das sieht man aber doch nickt." ,.C doch." murmelte er. Die Augen Ich weiß nicht solche Augen .hab' ich noch nicht gesehn. DaS sind ja Augen vim Verlieben." Minna lächelte. Sie würden sich doch nickt in sie verlieben. Wanda ist sehr fromm. Und das sind Sie nicht, wenn ich Sie nicht ganz falsch derstehe." Nein, das bin ich nicht. S ehr fromm?" Für 5kbren Geschmack gewiß zu sehr. Offen gestanven, für meinen auch! Man hat ja seinen Gott, gewiß; und auch seinen Glauben; aber sich so in das alles versenken, wie Wanda nein, das könnt' ich nicht. Und gleichsam bei allem an die Vorbereitung für's zukünftige Leben denken ach nein, eigentlich noch mehr: dieses ganze Leben auf Erden nur als eine Vorbereitung anseben ... Da denk' ich wie mein kleiner Neffe, Adolf, meines Bruders Cno Sohn; mit dem geht Wanda einmal im Garten spazieren und spricht mit ihm über den Himmel und das Jenseits, da er danach fragt, und schildert ihm, wie schön es da sein werde; dafür sei es eben das Paradies. Der Kleine wird auch nachdenklich. Dann guckt er aber mit seinen blauen Augen zu ihr auf und sagt: ,Ach, Tante Wanda, das wollen wir man noch abwarten; es ist ja hier so schön!' " Werner lachte. Ich stimme dem Vorredner bei," sagte er dann ernsthaft. Wenigstens an guten Tagen ist es hier
rechtschaffen schön . . . Er sah sie an, wie sie so jugendfrisch in ihrer zarten Fülle vor ihm stand, denn sie hatten sich noch nicht wieder gesetzt. Er wollte ihr etwas Liebes, Schmeichelndes sagen, die Schönheit des Lebens auf sie beziehen. Sein Blick irrte indessen wieder zu den Augen des Bildes ab, das er noch in der Hand hielt; er starrte sie an und vergaß seine Worte. Schade! dachte er. mit einem Mißgefühl in der Brust; Schade!" sagte er dann halblaut. Ein solcher Kopf und gar fo fromm. Ich hätt's ihm nicht zugetraut. Es ist wohl eine gewisse M:lancholie darin etwas rührend Ernstes aber von Weltflucht oder Weltverleugnung sieht man doch nichts. Nur viel Güte; viel Güte." Mein Gott, sie ist ja auch engelsgut! Und Weltflucht nein, die hat t nickt. Sie ist ia ein furcktbai-r m f
Pflichtmensch; was man auf Erden zu thun hat, das soll man thun. Und überhaupt " Werner warf die Photographie auf den kleinen Tisch. Sie sah das und verstummte. Mit einer Heftigkeit, die sie überraschte, stieß er dann hervor: Ich hasse diese .furchtbaren Pflichtmenschen.' Es sind gewöhnlich harte, stolze Pharisäer! Ich hasse auch die ewige Frömmigkeit. Die sitzt in ihrem Himmel und guckt mit mild vernichtendem Blick auf uns von Gott verdammte Weltkinder hinunter. Ach, wie bedaue..n wir Euch! seufzen diese guten Seelen. Ihr kommt in die Hölle und wir gradeswcgs zum lieben Gott! Das kann nie ein ganz edler, guter Mensch sein, der so denkt. Nein, das kann er nicht'. Er mag noch so viel Liebes und Gutes haben: er hat den Gottähnlichkeitsmahn; auch ein Größenwahn. Er fühlt sich als artiges Kind, als Lieblingökind; ach. er fühlt sich so. Er ist nicht ganz gut! Er kann es nicht!" Ich widerspreche ja nicht," entgegnete Minna lächelnd. Sie blitzen und donnern mich so an, wie wenn ich Ihnen widerspräche." Ja, ja. Entschuldigen Sie!" sagte er zerstreut. Ich bin ja ganz Ihrer Meinung." .Ja, ja!" Er that ein paar Schritte. Darauf griff er nach dem Tischchen und nahm die Photographie wieder in die Hand. Seine Auoen, als wären es richtige Maleraugen, bohrten sich in das Bild. Nach und nach sich dann tief verfinsternd, schüttelte er den Kopf; warf es wieder hin. Auf Wiedersehen beim Abendessen!" sprach er halb in die Luft, halb zu Minna, drückte ihr rafch die Hand, nahm feinen Mantel und Hut und gmg. iao iym etwas befremdet nacy; ihre Lippen verzogen sich. 8. Kapitel.
inige Tage später, an einem fonnig schönen Vormittag, saßen Hugo und Frau Minna, Werner und seine Schwester und der junge Doktor, im Fleißthal an einem leise rieselnden Bächlein, das dem Fleißbach zufloß. Lärchen und Fichten gaben angenehmen Schatten; ein mächtiger Felsblock, wohl einmal vom Berg gestürzt, trennte die Rastenden gleichsam von der Welt; es war ein heimliches Plätzchen. Sie hatten am Tag vorher den Sonnblick erstiegen, ohne Fräulein Antonie. die sich vor dieser Gletscherwanderung gefürchtet hatte, waren früh um Sechs vom Zittelhaus auf dem Gipfel wieder aufgebrochen, um zu Mittag im Rupertihaus zu sein, und frühstückten nun ein wenig aus Wolfqanqs Rucksack, der in seinen gastfreundlichen Falten noch einige gute R-se hatte. Auf dem weichen Moos ruhte man so gut; sitzend oder liegend. Ein paar unsichtbare Vögelchen zwitscherten einen leisen Gesang. Am blauen Himmel segelten leichte, langsame. schneeweiße Wölkchen vorüber. Werner, der auf seinem Mantel lag. den Kopf aufgestützt, nickte vor sich hin. Ja, hier kann man doch wieder leb-n." sagte er wie aufathmend. Wenn man auch noch ziemlich r)oun über dem Heiligenbluter Thal ist, man hat doch schon wieder ein menschliche Gefübl. Bäume; sogar Vögel. Ein civilisirtes kleines Wässerchen, das halbmenschlich mitplaudert. Hier geht's!" O ja," versetzte Christine, die gegen einen Baum gelehnt sah. Hier ist's auch nicht übel. Aber das war doch schöner, als ich da oben über dem öden ??elsensee die Schn?ebalde hinuntersauste, hinter dem Herrn Doktor. Die himmlisch kalte Luft, und der Wind, den wir uns selber machten. Und diesei schnelle Dahinrutschen in so 'ner märchenhaft wilden Wett. Bruder, das war schön!" Wintersport im Sommer," warf er ein. Nun ja!" Dazu hatt' ich doch nicht den Muth!" bemerkte Minna von ihrem Baum herüber; sie aß noch ein paar Apfelschnittchen. Mich dem Doktor gleichsam auf den Rücken zu setzen und unter mir nichts als Schnee und ein Abhang" Er hatte ja seine dicke Joppe auf den Schnee gelegt; es war wie e'.n Schlitten!" Christine warf einen ihrer dankbaren und bewundernden Blicke auf Wolfgang, die Hugo alle unterwegs auffig; sie kamen aber zu seinem Mißvergnügen dock an's Ziel. Ein rührend guter Herr Doktor!" setzte sie hinu. Und dabei wie ein Athlet!" Wolfgang lächelte. Sie haben halt ein Alpenherz, daher überschätzen Sie mich so sehr. Ihren Bruder haben wir aber leider nicht begeistern können, weder für das Mitrutschen, noch sonst. Ich glaub', der denkt in diesem Augenblick: Hol der Henker den Sonnblick und den Doktor und alle Alpinisten dazu!" Sie nicht," antwortete Werner l'ächelnd; aber den Sonnblick meinetwegen. Da steigt man in der brennenden Sonne vier, fünf Stunden bergan, stapft dann noch stundenlang durch den Gletscherschnee, durch eine infame Schneebrille entstellt und was hat man dann? Wieder o ein Holzhäuschen wie aus der Nürnberger SpielWaarenschachtel, auf einem häßlichen Berg. Rund herum Eis und Schnee! So weit man sehen kann, Berge, Berge, Berge; es sieht aus, als hätt' die Erde einmal das Schauleln gekriegt und
W6r' dadurch in Wellenbewegung gekommen; zwanzigtausend solche Wellen, nachträglich wieder versteinert, stehn da nun rund herum. Macht Sie das wirklich glücklich, Herr Doktor?" Ich seh' wohl auch noch andres" Wirklich? Ich nicht! Endlich geht man freudensatt zu Bett. In einer schrägen Dachkammer; Mann an Mann. Tiefe Winterkälte; im Juli! Schlafen möcht' man wohl, warum nicht; aber wie macht man das? Man friert. Ter Wind heult um's Haus" Da oben ist balt immer Wind." Der glückliche Wind! Also der pfeift und heult und unterhält sich mit dem Dach über mir die ganze Nacht. Schnee- und Eisstückchen klirren über die Dachschindeln hin, einen halben Meter über meiner Nase, auch die ganze Nacht. Du konnt'st da unten im Rupertihaus schlafen, in einem menschenliebenden guten Bett, armer Naturser Du; aber hinauf, hinauf! ,Auf den Bergen wohnt die Freiheit'; die Freiheit von Ruh' und Schlaf! Na. man hat die Erinnerung. Es ist eine unvergeßliche Nacht!" Chrisiine war leise aufgestanden, sie mochte den Bruder nicht so reden hören; geräuschlos ging sie zwischen den Bäumen hin. bis sie hinter dem großen Felsblock verschwand. Es entstand eine Stille, die offenbar Niemand unterbre chen mochte; die Männer lagen mit ernsthaften Gesichtern da. nur Minna lächelte den zornberedten Werner an. Auch so im Lästern" gefiel er ihr; er gefiel ihr mehr und mehr. Sie trällerte nach einer Weile leise vor sich hin, um die Stille etwas gemüthlicher zu machen. Sie schien in Träumerei zu versinken, sie sah aber alles: ihre gure, neugierige SJijren, ste verstand jedes Wort. Sehen Sie," sprach Hugo, wie Sie da vor mir wegsausten, sozusagen aus des Doktors Rücken, über den Schnee zum See hinunter da hatt' ich ein ganz verrücktes, scheußliches Gefühl: sie saust mir mit ibm für immer davon! Auf diesen jungen Mann, das gesteh' ich Ihnen, bin ich eifersüchtig ... Ich beschwöre Sie, sagen Sie mir's aufrich tig; schonen Sie mich um Gottes willen nicht. Haben Sie für den Doktor ein wärmeres Gefühl?" Ich hab' ihn gern," antwortete Christim treuherig leise; ihre Stimme klang weicher als sonst. Sie fragen aber auch wirklich viel." Gern, sagen Sie," forschte Hugo unerschüttert weiter. Zu gern?" Nein, nein, nein. Was denken Sie." Glauben Sie, daß Sie mich, Hugo Hoffmann daß Sie mich lieb haben können für ein ganzes Leben? Sie kennen mich noch wenig, das weiß ich.
Und" Und Sie kennen mich ja ebenso wenig," fiel sie ihm sanft in's Wort. Ach, was mich betrifft, ich brauchte keine Stunde mehr. Ich bin Ihnen schon so wahnsinnig gut; Sie ahnen ja nicht, wie gut!" Ei, mein lieber Junge, cachte Minna in ihrem Hinterhalt, den runden, weichen Arm aufgestützt wie beruhigend schnell hast Du Dich getröstet! Wirklich?" flüsterte Christine. Es handelt sich ja nur noch um Sie. Ob Sie mit einem pommerschen Gutsbesitze? Hohe Berge mit Gletschern und Schneerutschen hab' ich freilich nicht. S:e sagten aber neulich da gefiel mir so gut, ist mir so nachg?gangen Sie wollten sich nützlich machen. kein fideles Unkraut werden. Ach. wenn Ihnen das Herz aufginge, sich für Pommern nützlich zu machen und für irnch!" neugierigen Augen sahen überhaupt zeitlebens mehr, als wohl je einer ihrer Verehrer glaubte. Ihr konnte nicht entgehn, daß nun auch Hugo sich geräuschlos erhob und an dem flüsternden Büchlein hinging, als beschäftige ihn da etwas. Natürlich wollte er aber ganz etwas andres; das wußte sie sofort. Richtig, er verschwand nun auch hinter dem Jelsblock. Die träumerische Minna nickte vor sich hin. Sie trällerte leiser, immer leiser; endlich war ihr, als höre sie eine gedämpfte Männerstimme sprechen, offenbar auf der andern Seite des Felsblocke. Hinter dem sitzen sie! dachte sie. Was er ihr wohl sagt? Schade, daß ich nicht oben auf dem Fels liege, wie gestern; da könnt' ich hören, ungesehn . . . Man kann ja wieder hinauf! dachte sie weiter. Etwas lauter trällernd erhob sie sich von ihrem Baum, sah sich dann die Männer an. Diese stumpftren Herren der Schöpfung," die so viel Interessantes nicht interessirt da lagen sie ohne Augen und Ohren, nichtö als stilles Belagen, Werner und Wolfgang nebeneinander. Sie hatten sich Cigaretten angezündet und rauchten; der blaue Dunst, den sie sich so sorglos vormachten, stieg lustig gekräuselt, wie wenn es die Athemzüge ihres Leichtsinns wären, in die schattige Luft. Frau Minna, die das Leben ernster nahm, ging wie ein anmuthig träumendes Wesen leise von ihnen fort. An einer Stelle war der Felsblock leicht zu ersteigen; oben war er fast eben, hier und da moosbewachsen; dort hatten sie gestern Morgen beim Aufwärtswandern alle fünf eine Weile geruht. Jetzt stieg sie allein hinauf und legte sich nahe am jenseitigen Rand in das dürftige, kurze Moos. Die Beiden da unten am Stein hatten sie offenbar nicht gehört: Hugos tiefe, verhaltene Stimme sprach ruhig weiter. Es war sicher, sie saßen dort, vermuthlich an den Fels gelehnt. Minna horchte andächtig; sie hatte
Das ist's ja eben." sagte Christine schonend leise: Pommern kenn' ich gar nicht; in Norddeutschland überHaupt war ich ja noch nie. Wie da die Menschen sind und wie da auf dem Land gewirthschaftet wird was von einer Landfrau verlangt und erwartet wird Sie müssen mich nicht auslachen, daß ich davon spreche! Aber das alles geht mir im Kopf herum, liegt mir auf der Brust. Ja, wenn ich mich für eine Weile hinzaub.'-n könnte in Ihr Hinterpommern, mein' ich und da wie ein manschen herumschauen und horchen, bis ich wüßte, wi? das alles ist . . . Und wie Sie dort sind; auch das . . . Verstehn Sie, wie ich's meine? Oder finden Sie das alles zu pedantisch, zu praktisch, zu nüchtern mit zu wenig Herz?" Da wär' ich wohl ein eingebildeter Geck, liebes räulc'.n," sprach nun Hugo wieder. Nein, ich finde, das alles ist natürlich, vernünftig; nur sehr traurig für mich! Sie sagen, Ihr Bruder will nächstens fort. Wie seh' ich Sie dann wieder? Und vor allem, wie zaubere ich Sie nach Pommern hin? daß Sie mich und alles so kennen lernen, wie " Er sprach nicht zu Ende. Doktor Wolfgang war aufgestanden und rief jetzt in die Welt hinein: Meine Herrschaften, ich muß bitten! Es ist Zeit zum Aufbruch, wenn wir im Rupertihaus zu Mitag essen wollen!" Minna hörte, oder glaubte zu hören, daß die beiden da unter ihr in die Höhe fuhren, dann am Felsblock hingingen. Sie selbst blieb noch einige Augenblicke liegen; darauf erhob sie sich und trat wie schlaftrunken, die Augen reibend, an den anderen Rand des Felsen vor. Denken Sie," sagte sie zu den Mannern hinunter, ich war hier fest eingeschlafen. Das kommt wohl von der schlechten Nacht auf dem Sonnblick. Nun bin ich wieder marschbereit!" Sie warf einen Blick auf Werner, ibren" Werner, wie sie bei sich dachte: in seinem eleganten Anzug, dazu Den langen Bergstock in der Hand, nägelbeschlagene Schuhe an den Füßen, stand er wie ein etwas drolliges Gemisch, aber für sie doch wie ein schlanker Adonis da. Das Zaubern" übernehme ich! dachte sie. Drei Fliegen mit einer Klappe! Mein Plan ist schon fertig! Sie stieg von ihrem Fels herab; die etwas volle Gestalt war doch noch elastisch, unversehrte Jugend.
9. Kapitel, 'l'erner saß am nächsten Morgen s n seinem Zimmer nahe am Fenster; er betrachtete mit kritischen Augen, was er seit einer Stunde gemacht hatte: einen träumenschen Versuch, Frau Minnas Büste aus dem Kopf mit Pastellfarben zu malen. Wie er sich hatte denken können, war der Versuch stark mißglückt; so ein gründlich geschultes Meistergedächtniß hatte er nicht. Es war einer seiner müßigen Einfälle, die der dumpfe Thätigkeiisdrang hervorrief und über die er sich hinterdrein zu ärgern pflegte. Diesmal hatie ihn obendrein irgend ein Kobold geneckt: in Minnas Gesicht hatte sich das ihrer Schwester mit hineingedrängt, besonders Augen und Stirn waren mehr nach Wanda gerathen. Mißrathen war jedenfalls dieser ganze Unsinn ... Er hörte nebenan bei Chrisiine gehen; dann klopfte es dort an seine Thür. Er warf die Farbenkleckferei" in eine Schublade und rief etwas unwirsch: Ja, ja! Komm Du nur herein! Christine trat in's Zimmer. Sie hatte den Hut auf dem Kopf; ihre frischen. sanftcebräunten Wanaen hatten eine leichte Nöthe. Stör' ich Dich?" fragte sie. mit einem besondern Ausdruck von Harmlosigkeit im Gesicht. Er schüttelte den Kopf. Wo kommst Du her?" fragte er. Du warst aus gegangen." Ja; nur auf die Landstraße. Da rief mich Frau Weintraut von ihrem Balkon herunter an, erklärte, sie hätte Sehnsucht nach mir. und ich ging hinauf. Sie wird neuerdings fo besonders herzlich und zärtlich zu nur Furchtbar lieb ist sie gegen mich!" Ja. das hab' ich zu meiner Freude bemerkt," sagte Werner; denn es ist ja eine allerliebste Frau. Als wir gestern aus dem Fleißthal herunterstiegen, ließ sie Dich gar nicht mehr von sich; und rötern Abend war s wieder so. Ich ward zuletzt förmlich eifer süchtig " Ach, aber von Dir spricht sie mit einer Verehrung, Werner, und mit einer Wärme! Sie läßt Dich schön grüßen." Christine trat an's Fenster, als bemerkte sie dort irgend etwas, trat dann wieder in's Zimmer zurück und lehnte sich an den Stuhl ihres Bruders. den sie aber nur von der Seite ansah. Einer seiner verschleiert durchdrin genden Blicke ruhte auf ihr. Christel. Tu hast was." Tante er dann, mit sei nem ihr bekannten brüderlichen Lächeln. (Fortsetzung folgt.) JmanhaltischenOrt Neundorf steckte der Arbeiter Dammes seine Wohnuna in Brand, wobei vier seiner Kinder den Tod .anden. Nachdem er oem jüngsten Kinde die Kehle durch- . 'ii. ii . i. n -C om .. Finnen oane, ervangre jicg ucr 2111 der. Individueller Vergleich. Er st er Kadett: Kamerad, muß wohl scheußliches Jefühl feinunglücklich vergebt." Zweiter Kadett: Na. stell' mir vor. so wie nach erster Cigarre.
Für die Köche.
Hefenpudding mit Zwieb e l f ü l ! u n g. Man bereitet sich einen einfachen Hefenteig mit 1 2 Ei ern und der nölhigenMilch, jedoch ohne Zucker und stellt ihn zum Aufgehen hin. Dann wiegt man 5 7 Zwiebeln fein und brüht 3 Eßlöffel voll fein gehobelten Weißkohl mit siedendem Wasser. Nachdem letzteres abgetropft ist, schmort man die Zwiebeln nebst dem Weißkohl in Butter oder Provenceöl mit 901, Pfeffer oder Paprika ganz weich. Wer den Geschmack des Kohls nicht liebt, nimmt nur Zwiebeln. Es wird nun eine Puddingform dick mit Butter ausgeschmiert und mit dem Teige ausgefüttert, doch darf man des Aufgehcns wegen nur bis zur reichlichen Hälfte derselben Teig anbringen. Man gü'bt die Zwiebelfüllung hinein, deckt einen Teigdeckel darüber, läßt alles gut aufgehen und kocht den Pudding zwei Stunden lang in einem Wasserbade, worauf er aus der Form gestürzt und mit brauner Butter angerichtet wird. Rindfleisch mit Unterrüb e n. Eine beliebig breite Rindfleischscheide ohne Knochen setzt man in kochendem Wasser zu, um sie mitZwiebel, einem Kräuterbündelchen, PetersilienWurzel, Sellerie und Porree in etwa 2 Stunden recht weich und saftig zu kochen. Unterdessen schält man gelbe (nicht weiße) Unterkohlrabi (Steckrüben), hobelt dieselben auf einem Gurkenhobel, brüht sie mit kochendem Wasser und stellt sie dann zugedeckt zum Feuer. Sie werden mit halb Wasser, halb Fleischbrühe, die man zum Theil vom Fleisch abschöpfen kann, ganz weich gekocht. Die Brühe muß so in die Rüben hineinkochen, daß sie, wenn dieselben weich sind, über dem Fleische steht. Dann richtet man die Unterrüben in ihrer kurzen Brühe auf einer runden Schüssel an, schneidet das Rindfleisch in handlange Streifen von nur lfc Zoll Breite, bildet davon einen Stern auf den schönfarbigen Rüben und reicht das Gericht nach einer aus der Fleischbrühe bereil ten guten Reissuppe als einzige Speiss Durch das Hobeln wird die Steckrüoe so sehr saftig, wie in keiner anderen Zubereitung. Als Nachtisch giebt man gedünstete Kirschen. Dieses Mittagessen wird sich in jedem Hausstande ganz allgemeiner Beliebtheit erfreuen und zeichnet sich durch einfache Zubereitungswcise aus. Schweinskeule als Schmor braten. Man reibt eine kleine Schweinskeule von 7 Pfund mit 1 Eßlöffel Salz und y2 Theelöffel Pfeffer ein und läßt sie V2 Stunde lie gen. In einer Kasserole läßt man 4 Unzen fein geschnittenen Speck hellbraun werden, giebt 2 Unzen Butter und die Keule hinzu, dreht sie oft um und läßt sie hellbraun werden, giebt dann 1 Pint kochendes Wasser hinzu, rügt eme mit 3 Nelken bestochene Zwie bel und 3 Scheiben Karotten hinzu. deckt die Kasserole fest zu und läßt das Fleisch 2y2 3 Stunden ganz langsam schmoren, giebt, wenn nöthig, noch etwas Wasser hinzu. Kurz vor dem Serviren richtet man die Keule auf heißer Schüssel an, entfettet die Sauce, giebt 1 Eßlöffel in Wasser aufgelöste? Kornstärke hinzu, rührt sie 2 Minuten über dem Feuer, giebt Wasser hinzu und läßt das Ganze zu einer sämigen Sauce verkochen, passirt die Sauce durch ein Sieb und aiebt sie in einer Sauciere. Schmutzige Korke reinigt man am einfachsten mittels übermangansauren Kaliums. Mna verfährt m der Weise, daß man, nachdem die gar zu sehr eingeschmutzten oder mit Lack überzogenen Korke ausgelesen stnd, die der Reinigung zu unterwersenden in einen Topf thut, sie mit einer Lösung von 1 Unze Kalium - Permanganat übergießt, hierauf mit einem mit Steinen beschwerten Deckel bedeckt und nun soviel Wasser darauf gießt, daß es die Korke bedeckt. So läßt man diesleben 1 bis 2 Tage stehen, gießt darnach das Wasser ab, spült die Korke ab und thut sie wieder in den Topf. Jetzt werden sie mit ein Pfund Salzsäure und nochmals bis zum Ueberstehen begossen und ebensalls einige Tage bei Seite gesetzt. Hiernach werden sie gründlich abgcspült, mit reinem Wasser noch etwa einen Tag hingestellt und schließlich getrocknet. UmschwarzeRipsseidezu reinigen, kann man folgendermaßen verfahren: Man kocht in 78 Quart Wasser eine Hand voll gewöhnlichen Rauchtabak und seiht ihn dann ab. Das Wasser theilt man in zwei Theile und schwenkt, wenn es etwas abgekühlt ist, den zu waschenden Stoff recht tüchtig in beiden Wassern; fleckige Stellen reibt man besonders aus. Dann drückt man das Tabakwasser aus dem Stoff, schlägt ihn in trockene Tücher und bügelt ihn sogleich auf der linken Seite. Wenn Insekten imWinter an den Topfpflanzen erscheinen, so wird man das folgende M'ttel dagegen sehr wirksam finden: 1 Tasse kochendheißes Seifenwasser vermischt man mit 2 Tassen Petroleum, gießt diese Mischung in eine Flasche und schüttelt die Flasche dann 5 Minuten lang, recht tüchtig. Bon dieser Mischung fügt- man eine knappe Tasse voll zu 1015 Tassen lauwarmem Waffer und bespritzt damit die Pflanzen, wobei man die untere Seite der Blätter, sowie die Stengel nicht vergessen darf.
olzwert vor Fauinry und vor Verbrennen zu sichern. Hierzu dient ein Ueberzug des Holzes mit Metall - Oxygen (Metallkalken). Es werden 5 Pfund gewöhnlicher Hammerschlag zerstoßen und gesiebt, dann mit iy2 Pfund Alaun, nachdem derselbe gleichfalls zerstoßen und gesiebt worden, innig vermengt und mit so viel Theer angerührt, als erforderlich ist, um die Masse mit einem Maurerpinsel auf das betreffende Holz auftragen zu könncn. Nachdem der Anstrich geschehen ist, wird derselbe mit trockenem Pulver desselben Gemenges überstreut. Wenn der erste Anstrich trocken ist, wiederholt man noch einmal das Verfahren. Rohrstühle reinigt man, indem man sie umstürzt und das Nohrgeflecht mit möglichst heißem Seisenwasser und einer Bürste abwäscht und vor dem Trocknen mit Schwefelpulver bestreut. Hierauf stellt man die Stühle entweder in's Freie oder in Zugluft zum Trocknen. Den Schwefel entfernt man an den dickeren Stellen mittels Bürste. Ist das Geflecht nicht zerrissen, so wird es wieder fest und gespannt wie bei neuen Stühlen. Um Silberg eräthe auf ihre Echtheit zu prüfen, faßt man den zu untersuchenden Gegenstand mit der Pincette, spritzt ihn mittelst Spritzflasche mit Alcohol und gleich hinterher mit Aether ab, legt ihn eine Minute auf Fließpapier, und betupft ihn mit einem Tropfen einer etwa Iprozentigen Lösung von Zweifach - Schwefelnatrium. Nach einer Einwirkung von 10 Minuten spült man den Tropfen mit Wasser weg. Ist der Gegenstand versilbert, so hat der Tropfen einen vollen, runden, stahlgrauen Fleck hervorgebracht. Andere weiße Metalle und Legirungen, mit Ausnahme des verquecksilberten Kupfers, zeigen bei gleicher Behandlung diese Erscheinung nicht, es tritt höchstens am Rande d:s Tropfens ein Ring auf. Das verquecksilberte Kupfer wird durch den Tropfen Schwefelnatrium schneller gefärbt und matter schwarz als Silber. Die Probe ist so empfindlich, daß der Fleck auch dann auftritt, wenn die Versilberung fo dünn ist, daß sie die ursprüngliche Farbe des Gegenstandes durchscheinen läßt. Um das Abfärben von Kattun und Musselin beim Waschen zu verhindern, hat sich das folgende Verfahren bewährt. Man erhitzt weiches Wasser in einem dazu geeigneten großen Gefäße soweit, daß man kaum die Hand darin halten kann. Darauf schüttet man ungefähr den achten Theil vom Gewichte der zu waschenden Stoffe Weizenkleie hinein. Diese Mischung läßt man unter fleißigem Umrühren etwa 5 Minuten lang auf dem Feuer stehen, worauf man die zu waschenden Gewebe hineinbringt. Unter fortgefetztem Rühren mittelst eines Holzstabes läßt man die Mischung zum Sieden kommen. Kurz darauf nimmt man das Gefäß vom Feuer und läßt den Inhalt abkühlen, wäscht die Gewebe darin aus, spült sie in weichem Wasser nach und trocknet sie bei gewöhnlicher Temperatur. Auf diese Weise sollten Kattunstoffe so rein werden, als ob sie mit Seife gewaschen wären, ohne daß ihre Farben leiden. Beim Photographen.
Bitte, recht freundlich", hat das Fräul'n g'sagt . . . Sepp, i' mein' all'weil, die is verliebt in di'!! " Hoch befriedigt. Er: Ob wohl unsere Gäste mit dem heutigen Souper zufrieden waren?" Sie: Sei nur beruhigt soeben hörte ich beim Fortgehen jemand jagen, es sei weit über unsere Mittel gewesen' . u Bok?aft. Alte Jungfer (die mit einer Freundin im Theater ist): Bemerkst Du 'nicht, daß doch immer noch viele Herren nach mir blicken Freundin: O gewiß; aber wn solche, die keinen Operngucker haben!"
