Indiana Tribüne, Volume 28, Number 199, Indianapolis, Marion County, 14 April 1905 — Page 6

Europäische Nachrichten. MecK5enburg. Schwerin. Sein fünfundzwanzcgjähriges Diensijubiläum beging der Musikdirigent im Feldartillerie-Regi-ment No. 60 Wilhelm Roesecke. Amtsgerichtsdiener HausmeisterDiehn hierselbst beging sein 50jähriges Dienstjubiläum. Der Jubilar trat seinerzeit beim hiesigen Marstall ein, erhielt später die Amtsgerichtsdienerstelle in Neubukow, wurde demnächst hierher versetzt und erhielt im Jahre 1902 den Titel Hausmeister. D ö ma tz. Dem kürzlich in den Ruhestand getretenen Eisenbahnstationsassistenten Blöcler Hierselbst wurde von dem Kaiser der Kronenorden 4. Klaffe verliehen. Blöcker war auf der h'.esigen Station 31 Jahre im Eisendahndienst thätig. Fürstenberg. Der Hilfsgerlchtsvollzieher und frühere Husar C. Mittelstadt, der an dem Feldzuge 2870-71 als Feldgendarm theilgenommen hat, beging sein 50jährigcs Diensijubiläum. Der Großherzog derlieh dem Jubilar außer einem Geldgeschenke das silberne Tienstkreuz am Bande. N e u st r e l i tz. An einem Strauch am Hafen erhängte sich der Knecht Marin, der hier zum Besuch seiner Mutter eingetroffen war. Der Selbstmörder, der in Hasselförde diente, ist dringend verdächtig, dort an einem mit ihm dienenden Mädchen einen Mord verübt zu haben. Marin derfolgte das Mädchen, Luise Meyer, mit Liebesanträgcn, die sie jedoch zurückwies. Letztens fand man das Mädchen an der Klinke der Stallthür erhängt vor. Marin hatte sich heimlich entfernt und ist der Verdacht sofort auf ihn gefallen, das Mädchen erdrosselt und dann, um die That zu vertuschen, aufgehängt zu haben. Hldenburg. Oldenburg. Dem Generalagenten Gustav v. Gruber ist die Rothe Kreuzmedaille verliehen worden. B a n t. Der 68jährige Conditor Eduard Ahrens, welcher in den letzten Jahren durch die Fabrikation und den Verkauf von Bonbons bei bekannten Kaufleuten ein kümmerliches Dasein fristete, wurde als Leiche aus dem Banterwegsgraben bei der Ortschaft Sedan gezogen. Jedenfalls wird der Verstorbene auf dem Steinpfad das Gleichgewicht verloren haben, in den Graben gestürzt und dann ertrunken sein. Die Leiche wurde in die hiesige Leichenhalle geschafft. Friedrich - Augustengroden. Bei starkem Südoststurm brannte das hier belegene, zu ungefähr 15,000 Mark bei der Jever'schen Brandversicherungs - Gesellschaft für Gebäude versicherte Platzgbäude der Erben des weil. Landwirths Hicke Perers Hicken total nieder. Es ist fast nichts vom lebenden und todten Inventar gerettet worden. Außer dem Eingut, welches total verbrannt ist, sollen über 20 Stück Hornvieh, 6 Pferde. Schweine, Hühner u. s. w. in den Flammen umgekommen sein. Ireie Stcidte. H a m v u r g. Auf der Rhede von Cuxhaven ertrank der Matrose Raß vom Hamburger Schleppdampfer Diomedes". Der Dampfer hatte das französische Schiff Valentina" im Schlepptau, das auf der Rhede vor Anker gehen sollte. Beim Loswerfen der Schlepptroye wurde Raß von dieser erfaßt und über Bord gerissen. Trotz aller sofort angestellten Rettungsversuche konnte der Verunglückte nicht gerettet werden. Sein 25jähriges Dienstjubiläum als Aufseher am Centralgefängniß in Fuhlsbüttel feierte Herr Geerds. An Bord einer französischen Viermastbark entglitt einem in der Takelage arbeitenden Matrosen der Hammer. Von dem Hammer wurde der im Raum arbeitende Schauermann I. Timm am Kopf getroffen und schwer verletzt. Ferner wurde der Schauermann I. Mathiesen mit eingedrücktem Brustkasten in einer längsseit des Dampfers Agnes" liegenden Schute gefunden. Er war von der Rling des Dampfers in die Schute hinabgestürzt und blieb dann bewußtlos liegen. Polizeileutnant von Jetz, ehemaliger Adjutant des Kaisers Maximilian, ist plötzlich an einem Herzschlage gestorben. Ein schwerer Unfall ereignete sich im Straßenbahndepot zu Horn, wo ein Motorwagen aus einer Remise auf die Straße geschoben werden sollte. Der Schaffner Raih gerieth dabei zwischen die Wand und den Wagen und wurde lebensgefährlich verletzt. Man fuhr den Verunglückten in das KrankenHaus, wo er nach kurzer Zeit starb. Bremen. Unter großer Theilnähme wurden dieser Tage in Bremerhaven von der Quarantäne - Anstalt vom Kaiserhafen aus die 9 Opfer der kürzlich dort ftattgefundenen Baukataftrophe beerdigt. Zur Aufrechterhalhing der Ordnung war ein starkes Polizeiaufgebot anwesend. Die 9 Särge waren in der Kapelle aufgebahrt. Verwandte der Verstorbenen verweilten im stummen Schmerze an ihren Särgen. Zur Feier waren alle Geistliche aus Bremerhaven und Lehe erschienen, auch em Offizier war als Vertreter der Leher Garnison anwesend, ferner alle Baumeister der Unterweferorte ust Hunderte von Arbeitskollegen der 2fr. .siorbenen.

Schweiz. Beringen. Im Oekonomiege. bäude des Landwirths I. Schyn brach Feuer aus und ergriff mit rasender Schnelligkeit auch das Wohnhaus und die ganze Gasse gegen die Kirche. Obgleich die Feuerwehr rasch zur Stelle war, brannten im Nu 5 Scheunen und 3 Wohnhäuser nieder. Die Bewohner retteten nur das nackte Leben. Grandvaux. In dem Tunnel zwischen Lausanne und Bern wurde vom Dach eines durchgehenden PostWagens ein Gerüstbalken erfaßt und umgeworfen. Ein italienischer Arbeiter, Namens Perrotti, wurde getödtet. (n ist 31 Jahre alt, verheiratet, aber kinderlos. K a n d e r st e g. Hier verunglückte beim Schütteln an den Bühlstützen die bestbekannte Pächterin des hiesigenHotels Blümlisalp", Frl. Marie Thö nen. De'. Schlitten war ihr durchgegangen und beim Sturz verletzte sie sich so schwer an einem Schenkel, daß sie bald darauf im Krankenhause zu Frutingea, wohin sie gebracht worden war, starb. An den gleichen Stützen erlitt vor etlicher Zeit auch Dr. Biehly von Frutingen einen Unfall; doch toa ren seine Verletzungen nicht so schwer. Orbe. Bei einer Feuersbrunst, die das Haus des Louis Sers hierselbst zerstörte, kam ein zweijähriges Kind in den Flammen um. P a r a d i s o. Hier verunglückte die 45jährige Frau Regina Denti dadurch, daß sie eine brennende Petroleumlampe zu Boden fallen ließ, wobei ihre Kleider in Brand geriethcn. Sie erlitt so schwere Brandwunden, daß sie bald daraus starb. Hosterreich ngclrn. Wien. Bildhauer Pendl, der seinen 60. Geburtstag beging, empfing aus Künstlerkreisen zahlreiche Gratulationen. Später veranstaltete der Erste Tiroler Andreas H,'fer - Verein im Souterrainsaale der Restauration Vrussatti, Schaufflergasse 6. zu Ehren Pendl's einen Pendl - Abend. In Hart bei Gloggnitz ist der Hof- und Kammer - Klaoierfabrikant Friedrich Ehrbar sen. im 78. Lebensjahre gestorben. Der 27jährM Beamte d:r rrnwndanr August ut)i, !5andstrane, Hansalgasse 5 wohnhaft, hat sich durch einen gegen den Kopf abgegebenen Revolverschuß getödtet. Uhl hat dieThat aus Furcht davor verübt, daß er wegen eines Nervenleidens geistesgestört werden könnte. Hier starb in seiner bescheidenen Behausung im 4. Bezirk, Schönbergerstraße No. 2, der einstige Adlatus des berühmten Zeichners Josef Kriehuber, der Kunstlithograph und akademische Maler Josef Anton Bauer. Einer der tüchtigsten hiesigen Feuerwehr - Offiziere, der Jnspek tor Stephan Bogdanovic, hat durch Selbstmord geendet. Von einem tragischen Tod wurde der Präsident des Wiener Modeclub", Karl Ultz, ereilt. Ultz hatte mehrere Freunde in seine Wohnung,Helferstorferstraße 11, geladen. Während er in bester Stimmung im Freundeskreise beim Kartenspiele saß, wurde er plötzlich von einem Schlosanfall betroffen. Baden. Der Badener Villenbesitzer Herr V. Edler von Biedermann, der kürzlich in Wien verstorben ist, hat in seiner letztwilligen Anordnung dem Badener Verschönerungsverein 2000 Kronen iestirt. B u d a p e st. Aus Budapest flüchtete der 28jährige Kaufmann Peter Jung, nachdem er Waaren im Werthe von 12,419 Kronen betrügerisch herausgelockt hatte. N e u d o r f. Der drei Jahre alte Emil, ein Sohn der Wittwe Klimesch von hier, setzte sich in einen Topf mit siedendem Wasser und zog' sich berat tige Brandwunden zu, daß er irr Hospital in Mähr. - Ostrau, wohin er gebracht war, nach kurzerZeit starb. O d r a u. Ein ungefähr 40jähriger Mann aus Kunzendorf, Namens ckel, der den hiesigen Markt besuchen wollte, wurde auf der OdrauerStraße todt aufgefunden. O l m ü tz. Dieser Tage beging der Commandant der 92. Landwehr-Jn-fanterie - Brigade, Generalmajor Benedikt Edler v. Emmert, mit seiner Gemahlin das Fest der silbernen Hochzeit. P a l k o w i tz. Der schon länger Zeit vermißte, 38jährige Bergarbeiter Franz Opiela von hier wurde auf eine Felde bei Borowa in Schlesien todt aufgefunden. Luxemburg. Luxemburg. Kürzlich verschied m dem hiesigen ejullenjcyrislneuerheim der Schriftsteller P. Jos. Spillmann im Alter von 63 Jahren. D a l h e i m. Hier entstand ein Feuer in der Scheune des Ackerers N. Fehlen, durch welches sämmtliche Gebäulichkeiten, Scheune, Stall und das Wohnhaus, zerstört wurden. Grevenmacher. Der 30iäh rige Arbeiter Fritz Element fiel, als er betrunken auf der Deichsel zweier aneinandergekoppelter Wagen des Herrn Becker-Govers scrb, rücklings herunter und wurde vom zweiten Wagen überfahren. Er brach drei Rippen und erlitt augenscheinlich auch innere Verletzungen, so daß sein Leben in Gefahr schwebt. E t t e l b r ü ck. Um den durch den Tod des Herrn Salentiny frei gewordenen Deputirtensitz wird sich der Schwiegersohn des Verstorbenen, Herr Notar Neumann aus Feulen bewerben.

Rcsenzeit

Von E. Herpin. .Sag', Mägdlein, warum bist du so trüb? ist doch die Zeit der Rosen!" Ich hatte ihn lieb, ich liebe ihn noch. Den Burschen, ach, den losen." Nun ist er schon seit Monden fort. Meine Thränen täglich rinnen; Bald kehre ich heim, war sein letztes Wort, Als damals er ging von hinnen l" Und ach, vergessen kann ich ihn nicht, ör hatte mir Treue geschworen!" Tu armes .flinb mit dem blassen Gesicht, Hast du wirklich viel verloren?" Ein guter Mensch wohl nimmer kann Tin treues Qcrz verlassen-, Eine Reiche hat es ihm angctqan, Trum mutzte dein Bild verblassen." Und darum trauerst du Tag für Tag, Willst dich nickt zufrieden geben? ?n thörichtes Rööiein im grünen Hag, ?!och vor dir liegt das Leben!" Standesgemäße Mahlzeiten. Die Philosophie der Mahlzeit ist keine unfruchtbare Wissenschaft und nicht etwa nur eine gastronomische Disziplin". Oft genug kann man den Vildungsstand, den Schönheitsinn und einen Theil der Lebenauffassung der betreffenden Menschen an der Art erkennen, wie sie ihre Mahlzeiten einnehmen. Nicht allein daran, was bci ihnen aufgetragen wird und wieviel, sondern auch in welcher Form, mit welchem Rahmen, ob Gold oder Passepartout, und in welcher Auöstattung. Das alles und der Raum, in dem dieMahlzeiten eingenommen werden, werfen sofort ein Licht auf die ganze soziale Stellung der Familie, und es bedarf meist gar keiner Untersuchung, was denn in den Töpfen verborgen ist. Zu den Gerichten aber, die die Genießenden in den Augen Viele? in die allerniederste Sphäre herabdrücken würden, gehören gewiß alle Theile eines geschlachteten Rosses, obgleich jenes denkwürdige Comite seiner Zeit das Pferdefleischessen mit großem Geschick und Glück in Szene gesetzt hatte; dahin gehört ferner auch der Hering, obwohl er namentlich in gewissen Lebenslagen auch dem nobelsten Magen die besten Dienste leistet, und dazu gehört endlich auch das Kaninchen, obwohl es weit besser schmeckt und appetitlicher ist als jenes Thier, von dem die Sage geht, daß es bei Nacht auf den Dächern spaziert und bei Tage in Gasthäusern so und sovielten Ranges als Hasenbraten servirt wird. Aber noch mehr derlei commune" Gerichte giebt es. Kuttelfleck", ein Gericht, das uns Friedrich Theodor Bischer in der Pfahlbautengeschichte aus seinem Roman Auch einer" in so verschiedc,ner Gestalt vorsetzt, Speckkuchen und Zwiebelkuchen, den man in Thüringen sogar zu den Dorfdelikatessen rechnet, und Krähen. Krähen und Möwen bilden bei den Fischern an der Ostfeeküste, namentlich auf der Kurischen Nehrung, eine beliebte Speise, und der Krähenfang ist dort von Volkswirthschaftlicher Bedeutung. In einem Aufsatz der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" (Fischer, Jena) wird der Krähenfang ausführlich geschildert. Wir erführen dort auch, daß die Krähcnfänger die Vögel tödten, indem sie ihnen den Schädel einbeißen, eine rasche und einfache Tödtungsart, die aber bei den Fremden oft Entsetzen hervorruft und die den Leuten den Ulknamen Krohbieters" (Krähenbeißer) eingetragen hat. In den Gasthäusern der Umgegend sollen die Krähen oft als Tauben servirt werden, und großen Beifallfinden, weil man's nicht weiß. Sonst würde der gleiche Abscheu herrschen wie über Schlangenschnitte", Rattenfrikassee", Affenbraten", wovon die Reisenden erzählen, und wie über den Hundebraten, den der alte Baumert in Hauptmann's Webern" im Topfe hat. Alles das aber sind Speisen, die dem mehr als einfachen Mittagstisch überlassen werden, während andere ebenso merkwürdige" Nahrungsmittel als Delikatessen verspeist werden: wie Salanganennester, Schnepfendreck und die Weinbergsschnecke. die gemästet wird und als Fastenspeise gilt. Aber heutzutage hängt die Würdigung nobler und weniger nobler Speisen von der Mode und vom Geldbeutel ab. Früher war es anders. Da wurden von den Fürsten Speiseordnungen erlassen und darin ganz genau verordnet, was jedeKlasse, jeder Stand auf den Tisch bringen dürfe, insonderheit wie es bei festlichen Gelegenheiten, als Hochzeiten, Verlobnissen, Kindtaufen, gehalten werden soll. So werden in der Erneuerten Landes - Fürstlichen Verordnung" der Herzogin Anna Amalia von SachenEisenach von 1768 fünf Klassen de? Unterthanen festgesetzt, wobei die Doctores", Bürgermeister", Director und Collegae Gymnasii", Professores". sämmtliche Literati" u. s. w. in der dritten Klasse rangiren und merklich hinter ollen Hofbeamten zurückstehen. Den ersten Klassen wird alsdann bei den Festmahlzeiten eine besondere Gunst dadurch erwiesen, daß sie viel größere Mengen auftragen durften als die niederen Klassen. Aber auch in der Qualität waren Unterschiede festgesetzt. So durften die drei oberen Klassen Verlöbnisse bey einem Glas Wein, Torten und Gebackenen", die zwei niederen hingegen nur .bey Bier, Kuchm, Brezeln

und Brod" feiern. Bei Hochzeiten z. B. soll nach geendigtem Tantze entweder Thee und Caffee (denn das waren damals Raritäten) herumgegeben oder bey geringeren Personen eine Suppe oder Kalteschale nebst etwan zurückaestellten kalten Braten Sallate, Kuchen oder Brezeln gespeiset werden." Auch für den Trank galt die Scheidung der Klassen, insofern als den ersten drei Klassen auslandische und deutsche Weine erlaubt waren, der vierten nur Franckenwein, Brandewein und Bier", der fünften nur Brandewein und Vier" und bei jeder Mahlzeit der Branntwein nur ein- oder zweimal herumgegeben werden durfte. Denn die Lust am Trinken scheint immer und überall gleich gewesen zu sein. Ganz allgemein nämlich bestimmt der Paragraph 21 abgemeldeter Verordnung in drastischer Art: Alles Voll-, Zu- und GleichSaufen und überhaupt das schändliche Laster der Trunckenheit nebst daraus entstehende Fluchen, Schwören, Blöken, Gassenschwärmen, Zotenreißen u. s. w. soll nach aller Möglichkeit verhütet; die gleichwohl vom Trunck übernommene oder vorsätzlich Vollgesoffene aber mit Güte oder Zwang zur Ruhe oder nach Hauß gebracht; und solchergestalt Friede, Ordnung und Wohlstand erhalten werden".

Bater und Kind. Liebe erfordert Gegenliebe. Dafür haben Kinder ein selten feines Gefühl. Sie lieben nur da, wo sie fühlen, daß ihnen aufrichtige Herzlichkeit, wahrhaft selbstlose Liebe, gleichmäßige Freundlichkeit entgegengebracht werden. In den meisten Fällen hängt das Kind mehr an der Mutter als an d&m Vaw. Das ist natürlich. Die Mutter beschäftigt sich vom ersten Tage an mit dem Kinde, widmet sich ihm vollständig, hat auch immer Zeit und Interesse für seine Anliegen, ja sie leitet eigentlich, wenigstens in den ersten Jahren, seine ganze Erziehung. Der Vater hat seinen Beruf, er verbringt meist nur seine Mußestunden im Familienkreise. Er steht den Kindern dadurch ferner und ist ihnen fremder, als die Mutter, die stündlich mit ihnen verkehrt. Die Mutter pflegt rücksichtsvoll dafür zu sorgen, daß die Kinder in Gegenwart des Vaters besonders ruhig und artig sind. Den Kindern ist also von vornherein ein kleiner Dämpfer aufgesetzt, der wohl seinen guten Zweck hat, aber sie hinder:, sich natürlich zu geben. Kommt der Vater gar verstimmt oder verärgert nach Hause, so fühlen die Kinder sofort den Druck, vorsichtig ziehen sie sich xurück oder halten sich still. Barsches Wesen, ein rauhes Wort verscheuchen das Kind' ersticken sofort jeden vertraulichen Annäherungsversuch. Vertraulicher Umgang, zärtliches Anschmiegen auch an den Vater wird nur möglich sein, wenn der Vater trotz seiner Strenge, entgegen seiner Autorität, zuweilen mit den Kindern wieder zum Kinde wird. Nimmt er theil an den ruhigen oder lärmenden Spielen, ja läßt er sich zeitweilig gar zum Pferde, Kamel oder Esel degradiren, so verlieren die Kinder alle Scheu, werden zutraulich und erwarten ungeduldig sein Erscheinen. Jubelnd stürmen sie ihm entgegen und hängen sich zärtlich an ihn. Freundliches Eingehen auf ihre kleinen Interessen, öfteres Entgegenkommen in ihren kindlichen Nöthen sichern auch dem Vater das Vertrauen' seiner Kinder. Strenge muß jede Kindererziehung begleiten, ist aber nur am Platze, wo Ungehorfern, Faulheit, wirkliche Fehler und Vergehen sie nöthig machen. Der Vater ist die oberste Instanz auch beim Strafen. Muß er strafen oder schelten, so müssen die Kinder taS Bewußtsein haben, daß er es nur gezwungen, zu ihrem Besten thut. Sie müssen fühlen, daß die Strafe, die der Vater ausübt, ihn selbst am meisten schmerzt, ihm Ueberwindung kostet. Sehen die Kinder ein, daß sie den Vaicr gekränkt haben, so wird ein mildes Wort mehr bessern als harte Strafe. Wo Strenge und Milde Hand in Hand gehen, der Vater nicht nur ein strenger Sittenrichter, sondern auch ein lieber Freund und Helfer, ein guter Kamerad ist, da fliegen ihm die Herzen seiner Kinder von selber zu. Herzlicher Jubel, stürmische Zärtlichkeit, vertrauliches Anschmiegen, eine warme Zuneigung werden ohne besonderes Zuthun sein süßer Lohn sein. Gedrillt. Menageriebesitzer (zu einem stellesuchenden jungen Mann): Ich engagire Sie gerne als Erklärer der Thiere für meine Menagerie, aber werden Ihnen denn die Thiernamen auch alle im Kopfe bleiben?! Der junge Mann: O, gewiß! Die sind mir sogar geläufig. Ich w ja jetzt drei Jahre beim Militär! Gegen das Beschlagen ver F e n st e r hat sich folgendes Mittel bewährt: 2 Unzen Glycerin werben in einem Quart 63prozentigen Spiritus aufgelöst, de man, um einen angenehmen Geruch zu erzielen, etwas Lavendelöl zufügt. Sobald die Mischung wasserklar erscheint, wird die innere Fläche des Fensters mit dieser Flüssigkeit mittelst eines Fensterleder! oder Leinwandlappens abgerieben, wodurch nicht nur daö Gefrieren, fondern auch das Beschlagen und Schwitzen der Jenster verhindert werden kann.

Aus der Geilylchte der Brojcyc.

Die Geschichte der Brosche, dieses heute beliebtesten weiblichen Schmuckscückes, führt bis in die Urzeiten der Geschichte zurück. Schon in Gräbern h:z Bronzezeit finden sich Sicherheitnadeln, sogenannte Fibeln, die sich allmählich durch reicheres Ornament zu Broschen entwickelten. So sehen wir z. B. im Pester Nationalmuseum eine Gewandnadel, die durchaus unserer Sicherheitsnadel entspricht; doch durch reichere Verzierung der Enden mit schön ornamentirten Platten entsteht allmählich ein schildartiger Schmuck, de.r wir Brosche benennen müssen. Diese Entstehung der Schmuckbrosche aus der einfachen Nadel führt uns in lehrreichen Bildern ein reich illustrirtes, kürzlich erschienenes Buch von Harrict A. Heaton The Brooches of many Nations" vor Augen. Die Nadel selbst aber ist wieder die künstlerische Nachahmung und Nachbildung eines gewöhnlichen Dornes; den Dorn gebrauchen auch heute noch die Frauen Oberägyptens, um ihre Kleider festzustecken. Die Archäologie hat ja zu unserem Erstaunen es offenbart, daß die ägyptische Dame viele tausend Jahre vor Christi Geburt schon in den geheimnißoollen Zeiten prähistorischer Epochen in Toilette und Allüren ihrer Schwester in unserm zwanzigsten Jahrhundert nicht unähnlich war. Sie trug nicht nur elegante Röcke und Korsagen, nein, sie schmückte sich mit Armbändern, Halsketten und Ohrringen wie die Frau von heute. Und da sie von diesen ihren Kostbarkeiten sich auch im Tode nicht trennte und sie mit in's Grab nahm, sind uns in ägyptischen Mumien für alle Fragen nach ältesten Toilettengegenstänoen wundervolleDokumente zur Aufklärung dargeboten. So sind denn auch Spangen, Nadeln und Broschen aufgefunden worden. Die frühesten Nadeln sind wohl aus Knochen gemacht worden, doch sind auch schon Nadeln aus Kupfer und Bronze in den Gräbern sehr früher Epochen ausgeoraben worden. Bci allen primitiven Völkern scheint die Entwicklung von Dorn über die Nadel zur Sicherheitsnadel und Brosche früh fortgeschritten zu sein, denn in skandinavischen, keltischen, schottischen, ungarischen Gräbern hat man bereits broschenartige Nadeln gefunden, die eine außerordentliche Schönheit des Ornaments, eine prachtvolle Behandlung des Materials und eine strenge Einfachheit der Form zeigen, wie wir sie heute bei der Brosche meistens nicht mehr finden. Auch betonen sie immer stark das Prinzip der Nadel. die zusammenhalten soll, und bestanden gewöhnlich aus zwei symmeirischen Theilen, so daß in der Brosche sich zwei Gewandstücke symbolisch vereinigten und verbanden. Es hatt? die Spange auch in aller primitiven Kleidung eine viel wichtigere Bedeutung als bei uns, denn damals trug man ja keine genähten Kleider, die nach festem Schnitt zusammenaehalteu wurden, sondern die freifallenden Stoffmassen des antiken Gewandes wurden nur hie und da durch eine Spange gerafft und gebändigt. Die Brosche ist heute völlig zum Schmuck geworden, sie hat ihren Beruf als Nadel, als zwei Gewandtheile verbindenden Gegenstand vergessen und glänzt nun in Diamanten und kostbaren Fassungen, sie wird jetzt auch nur von Frauen getragen, lange Zeit aber war sie auch Männern ein unentbehrliches Toilettenstück. Geheimer Zauber knüpfte sich an die Brosche in mancher Mythologie, sie hatte die Gabe des Haltens und Verbindend galt als Symbol der Vereinigung und des festen Zuammenhalts, und es ward für eins der schlimmsten Verbrechen des bösen Loke in der germanischen Sage gehalten, daß er die wundervolle heilige Brosche der Görtin Freya stahl. Die alten Broschen und Spangen, die das Peplon zusammenhielten, waren auch viel größer und stärker als unsere heutigen Broschen, so lang etwa wie unsere Hutnadeln. Nur so ist es zu erklären, daß mit ihnen Blutthaten und Morde ausgeführt wurden. So stach sich Oedipus mit den Spangen feiner Frau die Augen aus und Hekuba tödtete mit der Nadel ihrer Brosche die beiden Kinder des ihr verhaßten Polymnestor. Von diesen frühen Formen, die auch sehr großen Schmuck, z. B. in Aegypten den stilisirten Habicht, in Skandinavien mächtige Schilder hatten, führt den Weg zu den zierlichen und feinen Filigranbroschen, die wir schon in alte!ruskischen Gräbern finden, und zu den zart durchbrochenen Goldarbeiten, die die römische Braut in ihrem Schmuckkästchen mit sich führte. 1793 ist in Rom ein solch silbernes Kästchen aus einer Brautausstattung gefunden worden, in dem sich eine Schnalle, zwei Broschen und zehn Haarnadeln fanden. Dem harten Römer erschien der Gebrauch solcher Fibulä schon als weibisch, denn nach dem Bericht des Plinius beklagte sich Brutus in einem Brief aus Philippi über den wachsenden Luxus im Heere, da die Officiere goldene Fibeln an ihren Uniformen trügen. .Im Mittelalter aber hatte die Brosche in der männlichen Tracht ihre höchste Ausbildung erhalten, indem sie als Gewandnadel und Mantelschließe für die Tracht der Kirchenfürsten verwandt wurde. Das Pectorale. die große Brosche, die das Plutotale des bifchöflicben Ornats zusam-

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