Indiana Tribüne, Volume 28, Number 198, Indianapolis, Marion County, 13 April 1905 — Page 6

Judiana Tribunc, 13. April 1903

Bei

Euroräische Nachrichten. "23cxrim. München. Die Oberin im Krankenhaus Schwabing, Frau Agape Geißler, beging kürzlich ihr 2öjähriges Jubiläum als Hausoberin. F r e i s i n g. Letztens wurde die Leiche des Gütlers Lorenz Seibold, der seit dem 25. Februar abgängig war, in einem wasserleeren Graben der Gemeindeflur Marzling von arbeitenden Knechten aufgefunden. Etwa 300 Mark Geld, die er bei sich führte, wurden vorgefunden. Stock und Halstuch des Verstorbenen lagen in der Nähe. Seibold, der schon bei seinem Weggang von hier über Unwohlsein klagte, dürfte einem auf dem Wege erlittenen Schlaganfalle zum Opfer gefallen sein. Füssen. Prinz Ludwig hat auf Ansuchen der hiesigen priv. FeuerschüEngest llsctaft das Protektorat über das in der Zeit vom 29. Juni bis 5. Juli ds. Js. stattfindende Jubiläumsschießen übernommen. Groß - O st h e i m. Vor einiger Zeit verunglückt? der hiesige Zimmermann Franz Kapraun beim Kiefernzapfenbrechen durch einen Sturz von eine: Kiffer im benachbarten Niedernberger Wald. Der Verunglückte wurde im Wade mit gebrochenem Genick todt aufgefunden. K ö f e r i n g. Der Führer Felk stürzte von der Vorspannmaschine während der Fahrt auf freier Strecke zwischen hier und Hagelstadt ab. Laut bahnärztlichem Gutachten ist die Verletzung desselben schwerer Art, jedoch ohne Gefahr für das Leben. Oberkotzau. Bei der Einfahrt des von Hof nach Nürnberg fahrenden Eilzuges wurde der verheirathete Beleuchtungsdiener Johann Mertel von hier, Vater von drei Kindern, als er im Begriffe war, eine elektrische Bogenlampe im nördlichen Theile des hiesigen Bahnhofes nachzusehen, von der Lokomotive des genannten Zuges erfifct, auf das Geleise geschleudert und gänzlich zermalmt. Oberammergau. Hier bestieg der Motorwagenführer Franz Göbel aus unaufgeklärten Gründen das Dach des Motorwagens und verunglückte durch die Berührung stromführender Theile tödtlich. R ö t h e n b a ch. Die Leiche des seit dem 28. November v. I. abgängigen Lehrers Loscher von hier wurde bei Laufambolz in ganz verwestem Zustände aus der Pegnitz gezogen. o s e n a u. Im Oekonomtegevaube des hiesigen Gastwirthes Joseph Baumgartner brach Feuer aus, das blitzschnell auch das Gasthaus ergriff und binnen kurzer Zeit fast das gesammte Anwesen in Asche legte. Der Brandschaden ist sehr bedeutend, da auch Baargeld, sowie im Oekonomiegebäude die Maschinen und Futtervorräthe dem verheerenden Elemente zum Opfer fielen. Württemberg. Stuttgart. Kürzlich beging der Altmeister der Tenöre. das EhrenMitglied des hiesigen Hofheaters, Kammerfänger Heinrich Sontheim, in erfreulicher geistiger und körperlicher Frische seinen 85. Geburtstag. Der langjährige frühere Direktor des GeHeimen Haus- und Staats-Archivs, Staatsrath von Schloßberger, ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Bempflingen. Hier geriethen die beiden Schäfer Wieland und Mack auf dem Heimweg in den Fabrikkanal der Baumwollspinnerei Ehner. Mack konnte sich wieder an's Ufer retten, während Wieland trotz des niederen Wasserftandes fortgeschwemmt wurde und ertrank. C a n n st a t t. Die verwittwete, 54 Jahre alte Händlerin Katharine Lindenberger stürzte so unglücklich die Treppe herab, daß sie an den erlittenen Verletzungen im Krankenhaus starb. E l t i n g e n. Der Adlerwirth Marquard wollte einige junge Mensehen aus seiner Wirthschaft weisen. Dabei schlug ihm ein 18jähriger Bursche ein Bierglas auf den Hinterköpf. Die Verletzungen haben sich so verschlimmert, day für das Leben des Mannes gefürchtet wird. Grohaltdorf. Im Alter von 55 Jahren verschied an den Folgen eines Schlaganfalls der in weiten Kreisen bekannte Theilhaber der Firma Schwab u. Cie. in der hiesigen Kunstmühle Friedrich Schmidt. H e g e n s b e r g. Durch eine abstürzende Sandmasse wurde der verheirathete etwa 55 Jahre alte Weingä,tner Christian Weber in einer

Sandgrube verschüttet und dabei getobtet, während es einem mitarbeitenden Sohn noch gelang, sich zu retten. Eine Wittwe und 6 erwachsene Kinder betrauern ihren Gatten und Vater. L o h b u r g. Dieser Tage starb nach kurzer Krankheit Schultheiß Grünenwald von hier, nachdem er erst kürzlich in den wohlverdienten Ruhestand getreten war. Vor einiger Zeit durfte er unter allgemeiner Theilnähme von nah und fern in körperlicher Frische sein 40jähriges Amtsjubikium feiern. Oberniebelsbach. Das Doppelwohnhaus des Metzgers Müller wurde ein Raub der Flammen. labert. Karlsruhe. Dem Ober-Briefträger Adolf Schmidt, welcher eine Reihe von Jahren hier im Briefbestelldienst beschäftigt ist und kürzlich in

oen sruyestand trat, ist aus diesem Anlasse in Anerkennung seiner treuen Dienste das Preußische allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. B l a n k e n l o ch. Der 15 Jahre alte Sohn der Eheleute Schorb spielte mit einem gleichalterigen Kameraden Hofmann mit einem Flobertgewehr, wobei letzterer auf Schorb zielte; das Gewehr entlud sich und traf Schorb so unglücklich, daß er sofort todt war. E t t e n h e i m. Im engsten Familienkreise konnte Privatier Müller mit seiner Ehefrau Karoline geb. Köbele das seltene Fest der goldenen Hochzeit begehen. F r e i b u r g. Das hiesige Schwurgericht verurtheilte den 27jährigen Schreiner Günzler aus Sennfeld in Bayern wegen Todtschlags zu 7 Iahren Zuchthaus. Günzler hatte den unbescholtenen Dienstknecht Eugen Behr aus Löffingen bei einer Streiterei in Waldkirch am 16. October vergangenen Jahres erstochen. H ü r r l i n g e n. Hier wurde der pensionirte Postassistent Hermann erhängt aufgefunden. Ein unheilbares Kopfleiden, das auch die Pensionirung des Unglücklichen bedingte, war jedenfalls die Ursache. . I m m e n st a d. Der 25jährige ledige Max Hund stürzte beim Baumreinigen in der Brauerei Helmsdorf so unglücklich, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt, dem er alsbald erlag. K o n st a n z. Die Selbstmörderin, die von der Rheinbrücke aus in den Rhein sprang, ist das 22 Jahre alte Dienstmädchen Jda Maurer vonMünstingen. Die Ursache ist verschmäht Liebe. Mannheim. Im Alter von 67 Jahren starb nach längerer Krankheit der Geh. Kommerzienrath Heinrich Lanz. R i n t h e i m. Vor einiger Zeit wollte der in dem Steinbearbeitungsgeschäft von Rupp u. Möller hier arbettende verheirathete etwa 45 Jahre alte Friedrich Maier vor dem Sch!afengehen noch einen Schnaps zu sich nehmen, erwischte aber statt diesem Schwefelsäure. Er trank ein Quantum, das zur Folge hatte, daß der Unvorsichtige sein Versehen mit dem Tode bezahlen mußte. Z e l l. Das 2jährige alte Söhnchen des Lindenwirths August Maier fiel in einen Kübel voll heißem Wasser und verbrühte sich derart, daß es nach kurzer Zeit starb. 'Rhernpscrz. S p e y e r. Die Commerzienräthe Wellensieck und Schalk vertheilten aus Anlaß ihrer Ernennung zu Commerzienräthen 50,000 Mark unter ihre Arbeiter und stifteten die gleiche Summe für den Unterstützungsfonds. H e ß h e i m. Die Eheleute Johannes Ungefehr hier mußten plötzlich auf eine schreckliche Weise ihr jüngstes Kind einbüßen. Eine alte Nachbarsfrar, saß mit dem Kinde auf dem Schoße am Ofen, um sich, zu wärmen. Da kam die Magd herein, um heißes Wasser vom Ofen zu holen. Als sie den Blechhafen herbeizog, wurde von dem siedenden Wasser verschüttet und das Kind an den beiden Beinen so stark verbrüht, daß es an den Folgen hiervon nach kurzer Zeit starb. M u t t e r st a d t. Der 35 Jahre alte verheirathete Zug - Rangirer Scheidt von hier wurde im Bahnhof Ludwigshafen während der AusÜbung seines Dienstes von einem lausenden Wagen erfaßt, wobei ihm ein Bein abgefahren wurde. O b e r ü l z e n. Kürzlich stürzte der in den fünfziger Jahren stehende, bei Bürgermeister Witwer beschäftigte Tagner Jak. Krauß von hier infolge eines Fchltrittes von einer Leiter herab und zog sich hierbei schwere innere Verletzungen zu. Man hofft indes, den Bedauernswerthen am Leben erhalten zu können. Offenbach. Der anfangs der 50er Jahre stehende Hufschmied Max Günther von hier wollte im hiesigen Gemeindestall eine Raufe befestigen. Dabei wurde er von einem Stier derart an die Wand gedrückt, daß er schwere innere Verletzungen davontrug und bewußtlos vom Platze getragen werden mußte. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Kaiserslautern. Der 30jährige Rangirer Peter Schoner von vier wurde von der Maschine des Reustadter Schnellzuges am Hinterkopfe getroffen und erhielt eine schwere Verletzung. die seinen alsbaldigen Tod zur Folge hatte. Schoner wollte den

remswagen eines Zuges besteigen, als der Schnellzug einfuhr. P i r m a s e n s. Die 24 Jahre alte Dienstmagd Elisabeth Serbin aus Hirschthal, welche in einer hiesigen Fabrik bedienstet war. wurde verhaftet. weil sie ihr neugeborenes Kind ermordet hat. Das Kind hat man im Abort der Wirthschaft gefunden. West he im. In der Scheune des Schreines Jakob Ullemeyer, die mit Heu und Stroh vollgepfropft war. ist auf nicht aufgeklärte Weise Feuer ausgebrochen, das sich rasch auf die angrenzenden Anwesen des ZeughausarVeiters Ullemeyer und des Bahnwartes Michael Völker ausdehnte. Liebenswürdigkeiten. (Zwei Redakteure stehen nach einem hitzigen Wortkampfe auf.) Ueber das. was Sie nicht wissen, liehe sich ein dickes Buch schreiben!" Ueber das, was sie wissen, ein sehr dünnes!"

aldfriede.

Von Helenk. Blum. Wenn Dein Hcr bedrückt von Leid, Mutzt Du stille lauschen In des Waldes Einsamkeit Seiner Stimmen Rauschen. Tont zu Dir ein zarter Sang Aus des Böglcins Kehle. Grüßt Tich aus dem süßen Klang Eine Frcundcsseele. Und des Herzens banger Schlag Neic sich vor dem Liede. Träumend wie ein Lcnzcstag Spinnt Tich ein der -Friede. Psuscherei. bumoreskc von Kurt Thiergen. Nein, im, um keinen Preis!" sagte der aUt Rath zu mir, als ich um seine Be'tand in einer delikaten Angelegenheit gebeten hatte. Ich habe mir geschworen, nie wieder in das Rad der Geschichte einzugreifen. Wenn der Herr durchaus seine Kellnerin heirathen will dann nur zu! Mich bringen zehn Pferde nicht mehr von meinem Prinzip die Hände von anderer Leute Privataffären zu lassen ab." Ja, Herr Doktor," wandte ich ein, wenn es sich nun aber um das Glück eines Menschen handelt. Lehmer ist nur momentan in einem ganz tollen Rausch, in welchem er einfach unzurechnungsfähig ist. Wenn er das Mädel thatsächlich heirathet, ist feine ganze Karriere verpfuscht." Ich will Ihnen nur einen Rath geben, lieber Freund," meinte hierauf der alte Herr, lassen Sie die Sachen sich selber arrangiren und versuchen Sie um des Himmelswillen nicht Vorsehung zu spielen. Derartige Dinge kann man unmöglich in richtiger Weise drehen, und steckt man seine Hände hinein, so weiß man nicht, was pafsiren kann. Ich habe das an mir selber erfahren. Ich habe einmal den Lauf des Geschickes corrigiren wollen, und das kostete mich einen lieben Freund und ein noch lieberes Mädel." Ich bat: Wäre es unbescheiden, wenn ich Sie bitten würde, mir die Geschichte zu erzählen?" Aber durchaus nicht. Ich will sie Ihnen gern berichten, damit Sie selber Ihren Standpunkt in Ihrer Sache danach bestimmen können." Wir gingen zusammen in ein kleines Weinlokal, und nachdem wir eine Flasche vor uns hatten und die Cigarren glommen, begann der alte Herr mit Behagen. Die Geschichte spielt lange zurück. Ich hatte meine Studien auf der !'fchen Universität beendet und sollte vier Wochen darauf nach Berlin übersiedeln, um dort einen Posten zu übernehmen. Nun hatte ich einen Freund, einen tadellosen Kerl, es sei denn, man rechne ihm seine übergroße Unentschiedenheit als Fehler an. Vier Jahre lang waren wir nebeneinander hermarschirt, so daß ich ihn und feine Affären vollständig kannte. Wir verkehrten viel mit einer töchterreichen Familie. Ei.nes Tages kam er zu mir und sagte: Ich habe entschieden Pech. Ich glaube, ich werde nie im Leben wirklich glücklich sein können. Mir schnappts immer ein anderer vor der Nase weg." Ich fraate. was er habe. Martha hat sich verlobt!" stöhnte er mit todestraurigem Blick. Ich entgegnete, daß ich mich freue, daß das reizende Mädel einen Mann gefunden habe. So," sagte er, wie nun, wenn ich sie geliebt hätte?" In seinem Ton lag so was wie höhnische Resignation. Ich lachte ihn aus und rief: Menschenskind, fei nicht so komisch! Wenn Du sie geliebt hättest, so wärst Du hübsch hingegangen und hättest sie geheirathet." Heirathcn ist eine Sache,, die überlegt sein muß." antwortete er matt. Man ist nie sicher, ob man die Richtige erwischt. Und ganz abgesehen davon, halte ich es einfach für eine Beschneidung meiner Menschenrechte, wenn mir verwehrt wird, mir die Sache erst zu überlegen. Ich habe eben Pech und dagegen ist nichts zu machen! Das ist nun die Tritte, die mir vor der Nase weggenommen wird." In seinem Tone lag etwas so tief Tragisches, das mich unwillkürlich zum' Lachen reizte: Ich rief: Mensch, Freund, Genosse. Du kannst doch nicht ein halbes Dutzend heirathen?" Und er immer in der gleichen resignirten Weise: Das verstehst Du nickt ich bin ein anderer Mensch als Du! Du weißt, daß ich seit acht Jahren bei Kühns aus- und eingehe. Noch vor vier Jahren war das ein göttlicher Genuß. Denke Dir: vier Mädchen im Hause, und alle verschiedene Typen, und jede schön und liebenswerth! Für jede Stimmung etwas; war meine Seele schmerzbewegt, so ging ich zu Käthe, die mich, meinen Kummer mitfühlend, anhörte und immer tröstete, schon durch ihr Zuhören. Käthe ist vor drei Jahren für mich gestorben das heißt verheirathet! Dann war Lot- ! te, in deren Gesellschaft man sich einfach wohl fühlen mutzte, ob man wollte oder nicht. In ihrem Wesen lag eine wohlthuende Sicherheit, die einen bannte auch sie ist todt für mich auch verheirathet!" Nun ip auch Martha futsch Martha, deren braune Augen so lachen konnten." Ich hatte ihm lächelnd zugehört. Als er schwieg und mit verlorenen Augen zum Fenster hinaussah mir ist das

Bild noch ganz klar kn der Erinnerung da sagte ich: Nun bleibt nur noch eine, Dore! Und wie bald wird auch die den Weg alles Fleisches gehen." Mein Freund meinte: Dore ist ein prächtiges Mädel. Ihr Körper ist biegsam wie eine Gerte. Sie spielt auch sein Tennis, ueveryaupt Dore:: az werde mir die Sache überlegen." Er machte eine Pause und fuhr dann fort: Ach früher, das waren noch prachtvolle Zeiten. Wenn ich Sultan gewesen wäre, hätte ich die ganze Kühn'sche Familie gekauft, Mutter Kühn einbegriffen." Selbstverständlich machte ich ihm das Unpassende seines Wunsches klar und nannte ihn einen dreimal gesritenen, alten Türken. Ein halbes Jahr später benützte ich die Gerichtsferien, um nach dem alten, lieben Nest zurückzufahren. Alles war da noch beim Alten. Mein Freund verkehrte, nach wie vo? in der Kühn'schen Familie und erzählte mir die Ohren voll von den Vorzügen des noch übrig gebliebenen Mädels Dore hieß sie. Gut," sagte ich, warum heirathest Du sie nicht?" Mein Freund duckste hin und der und blieb dabei, daß so was überlegt sein wolle. Ich fragte, ob er sie sich zur Frau wünschen möchte, was er bejahte. Nur meinte er, man wüßte nie, ob man sollte oder nicht sollte. Als ich einwarf, daß er wahrscheinlich so lange zögern würde, bis es zu spät sei, wie bei Dorens Schwestern, entgegnete er: Keine Sorge, momentan ist bei Kühns die Luft rein von heirathsfähigen Männern." Der alte Rath beugte sich näher zu mir: Sehen Sie, lieber Freund, jetzt fängt meine Geschichte eigentlich erst an. Ich habe Ihnen nur zur Erklärung einige Präliminarien auftischen müssen. Jetzt machte ich die verfluchte Dummheit, eines Menschen Geschick corrigiren zu wollen das Ergebniß war kläglich. An und für sich war meine Idee gar nicht so übel und Sie werden zugeben, daß ich so richtig, als es menschenmöglich ist, kalkulirt hatte, indem ich menschliche Schwächen auszunützen suchte. Ich ging zu einer jungen Dame, einer Cousine Dorens, auf welche ich, ganz nebenbei bemerkt, ein Auge hatte. Wenn ich ganz offen sein sollte, so mußte ich gestehen, daß ich die betreffende Dame bereits als mein zukünftiges Gespons ansah, und nur noch auf eine Klärung meiner Zukunft wartete, um ihr meinen Antrag dann sofort zu machen. Zu dieser Dame ging ich also und sagte ungefähr: Mein Freund 3E liebt Ihre Cousine Dore, er ist aber ein energieloser Mensch an seinen sonstigen Qualitäten ist nichts zu tadeln. Da er, ohne gewaltsame Mittel, nie zu einer Entscheidung kommen würde, so müssen wir, ich halte das als meine Freundespflicht, die Sache forciren. Mein Freund ist eifersüchtig bis ins Schwefelgelbe. Darauf bauend, müssen wir ihm einen Rivalen besorgen, welcher Ihrer Cousine auf Tod und Leben die Kur schneidet, notabene: nur rein äußerlich. Multipliziren wir seinen Männerstolz mit seiner aufgestachelten Eifersucht, so muß das Fazit: Verlobung! Heirath! und Glück bis zur Bewußtlosigkeit sein." Natürlich lachte das junge Mädchen mich aus und suchte mir klar zu machen, daß der einfachste Weg sei, man verständige Dore, so daß diese der agressive Theil werden könne. Ich hatte das aber längst schon verworfen, indem ich X's Feingefühl in Betracht zog, welchem jedes Entgegenkommen von weiblicher Seite als unweiblich erschienen wäre. Na, um kurz zu sein: acht Tage darauf trat ein entfernter Cousin meiner Helfershelferin das Amt eines StrohVerehrers an, und mit solchem Erfolge, daß mein Freund in größter Aufregung auf meine Bude gestürmt kam und seine Fäuste auf den Tisch schlug, daß das Tintenfaß hoch aufsprang. Gleichzeitig knirschte er zwischen den Zähnen: Der Teufel hole alle Cousins! Man weiß nie, wie man sich hält bei diesem Geschmeiß. Man sollte sie einfach, von Gesetzeswegen, ausrotten mit Stumpf und Stiel." Selbstredend freute ich mich trefflich über die Wirkung meines Planes, stellte mich aber vollständig harmlos. Auf meine Frage, was ihm in die Quere gekommen sei, sah er mich wild an und schrie: Was. Du weißt es noch nicht? Bei Kühns ist seit ein paar Tagen so ein Ekel aufgetaucht und erlaubt sich unter dem Deckmantel der Verwandtschaft allerhand Vertraulichkeiten Dore gegenüber." Ich entgegnete: So, so?! Also auch Dore!" Er fuhr auf: Wie meinst Du das?" Q," rief ich ganz bescheiden, meine Meinung ist ganz nebensächlich!" Einige Tage darauf gingen wir zusammen zu Kühns und dort lernte ich den wackeren Cousin kennen, ein flottes Kerlchen mit noch flotterem Mundwerk und augenscheinlich reichlicher Erfahrung im Umgang mit Weiblichkeiten. Mein Freund biß die Lippen aufeinander und sah melancholisch zu, wie Dore mit ihrem Cousin Tennis spielte. Die andere junge Dame war auch anwesend, kam auf uns zu und suchte meinen Freund aufzuheitern. Sie flüsterte mir zu: Der arme Kerl." worauf ich antwortete: Macht nichts! Medizin schmeckt bitter!" Die darauf folgenden vierzehn Tage oder drei Wachen waren für mich

eine unversiegbare Quelle von lachmuskelreizcnder Komik. Mein Freund bemühte sich auf alle mögliche Weise, seinem Concurrenten den Rang abzulaufen. Dore war förmlich mit Blumen bombardirt, und der andere entwickelte auch hierin einen wahrhaft nervenerschütternden Eifer. Nach drei Wochen ungefähr war mein Freund reif und bereitete sich zum letzten Sturm vor. Aber es dauerte immer noch eine Woche, ehe er seinen Gehrock und die unvermeidlichen weißen Glacees anlegte, um seinen Antrag zu machen. Vor dem schweren Gange kam er noch einmal zu mir und ich ertheilte ihm meine väterlichen Rathschläge und freute mich königlich am Gelingen meines Planes. In meiner Freude war ich zu allem fähig, und bekanntlich stecken Verlobungen an. Daher sagte ich zu ihm, als er die Treppe hinunterstieg: Morgen folge ich Deinem Beispiele und verlobe mich auch." Er wollte natürlich wissen, mit wem, ich sagte aber nur: Du wirst's schon zeitig genug sehen addio!" Keine zwei Stunden waren vergangen, da wurde die Corridorglocke gerissen, so daß ich wüthend aufsprang und hinauseilte, um den ungehörigen Klingler zu rügen. Wer kommt herein? Mein Freund di, den ich in den Armen feiner Braut wähnte! Seine Stirnadern waren geschlossen und seine Augen brannten wie Kohlen. Er schob mich rasch in mein Zimmer zurück und schloß die Thür. Dann packte er meinen Arm und zischte: Der Lump ist mir zuvorgekommen!" Was?" fragte ich und gefror fast zu Eis vor Schreck. Ja, dieser ekelige Schleicher begegnete mir in der Nähe von Kühns; er kam gerade von dort. Und da sagte er mir mit höhnischem Grinsen, er habe sich soeben mit Dore verlobt." Nicht möglich!" stammelte ich. Er hat vielleicht nur gescherzt?" Ganz und gar nicht. Die Thatsache steht fest. Ich bin wieder der Lackirte. Himmel, Hölle! Ich habe mich zusammengenommen und mit heiterem Lächeln gratulirt. Erwürgen hätte ich ihn können." Ich konnte es immer noch nicht sassen und drängte: Du irrst Dich sicher. Es ist ja absolut unmöglich. Es ist ja gegen unsere Abmachung!" Er sagte: Ach was, Abmachung!" obgleich er nichts ahnte. Ich kam mir vor, wie ein begossener Pudel. Teufel, wie man sich täuschen kann: Aus dem Spiel war Ernst geworden, und der Strohmann hatte ernstlich Feuer gefangen. Da sprang mein Freund plötzlich auf und lachte: Nun ist es ganz egal, wie es wird. Ich habe die Zögerei und Zieherei satt! So oder so! Die Lawine ist ins Rollen gerathen " und Gott weiß, was für Unsinn er noch schwatzte. Und fort war er, ehe ich ihn noch beruhigen konnte. Ich dachte nicht anders, als er wollte sich's Leben nehmen. In fürchterlichster Zerknirschung verbrachte er die nächsten Stunden. Ich wagte an gar nichts zu denken ich sah ihn im Geiste schon als blutige Leiche. Die Geschichte nahm aber einen total unerwarteten Verlauf. Der unglückliche Freier kam schon nach einigen Stunden wieder zu mir, etwas verlegen zwar, aber sonst strahlenv und selig. Ich staunte. Als er aber gestand, daß er sich soeben mit Dorens Cousine verlobt habe, lachte ich laut auf und hielt ihn für übergeschnappt. Er aber versicherte: Warum nicht? Rosa ist doch ebenso nett, wie die andere, und außerdem scheint sie mir schon lange zugethan gewesen zu sein. Feine Partie! Geld ist auch da! Was will ich mehr?" Ich wollte ihm an die Kehle springen, aber meine Arme waren zu schlapp vor Schrecken. Rosa, auf die ich selber reflektirt hatte; Rosa, die ich am folgenden Tage fragen wollte, ob Dazu fragte mich mein Freund noch: Ra, und morgen kommst Du dran! Das ist göttlich. Du, wir feiern zusammen Hochzeit!" Ich murmelte etwas von aufschieben und er hatte die Frechheit, mir zu rathen: Du, die Aufschieberei hat keinen Zweck! Man ist nie sicher, ob sie einem nicht weggeschnappt wird!" Der alte Rath stand auf und, obgleich er zu lächeln schien, bemerkte ich doch einen leichten Schatten in seinen Augen. Adieu, lieber Freund! Pfuschen Sie ja nicht dem Schicksal ins Handwerk!" Und so ließ ich denn meinen Freund Lehmer seine Flamme ehelichen, ohne meine Hände zu verbrennen.

'wtl Hüte und keine ttopf. Crowest erzählt folgendes Geschichtchen von dem berühmten Opernsänger Lablache, der der Königin Viktoria Gesanguutcrricht gab. Als Lablache einmal in einem Vorzimmer in Windsor auf die Königin wartete, setzte er seinen Hut auf, da er erkältet war. Plötzlich wurde er zur Königin hereingeruftn und ergriff den erstbesten Hut, den er fand, va er inzwischen ganz vergessen hatte, daß er seinen Hut auf dem Kopfe trug. Als er so vor der Königin erschien, fragte diese ruhig: Welcher von den beiden Hüten gehört Ihnen nun, der auf dem Kopfe, oder der in der Hand?" Trotz seiner Verwirrung war Lablache, als er merkte, in welchem Aufzuge er erschienen war, der Situation gewachsen, und er erwiderte: Majestät, zwei Hüte sind in der That zu viel für einen Mann, der seinen Kopf verloren hat."

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