Indiana Tribüne, Volume 28, Number 196, Indianapolis, Marion County, 11 April 1905 — Page 7
Jndiana Tribüne, 11. April 1905.
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V Qi A . st z cucrviumcn I fiotnan von Adolf Wilbraudt O G c o o o C3 Ci . CiO ' o o O O O st 8 (Fortsetzung.) JD, wie baben Sie recht!" rief Minna, deren Wangen immer wärmer glühten. Gott sei Dank, Sie sprechen das einmal aus, was ich immer fühle, was ich immer sagen möchte; ich kann's nur nicht so." Ich kann's auch nicht, gnädige Frau. Das liegt wohl zum Theil in der Sache: das Allerletzte und Allerfeinste, das geht nicht in Worte. Vielleicht versteht mich auch nur, wer selber ein bischen Feuerblume ist; i ch bin's jedenfalls. Ich gehör' zum Unkraut. Ich schäme mich dessen nicht. Wie sagt der ernste, ehrenwerthe, feierliche Schiller? Gemeine Naturen zahlen mit dem, was sie thun, edle mit dem, was sie sind. Tas ilt ein qutes, tröstliches Motto für die Feuerblumen! Damit kann man sicb gegen die Gutsbesitze? halten!" Bravo! bravo!" rief Minna. Ich bin auch dabei. Ich gehöre ganz entschieden zu den Feuerblumen. Das gefällt mir von diesem Schiller." Sie hob ihr Glas und hielt es zu Werner hinüber. Es lebe Schiller und es leben die Feuerblumen!" Werner zögerte, mit ihr anzustoßen; er sah, dafz die anderen Tafelgäste sich dem lebhaft gewordenen Gespräch zugewendet hatten; einige lächelten. Es war ihm nicht angenehm, aufzufallen. Die junge Frau blickte ihn aber mit so reizend warmen Augen und so auffordernd an. daß auch seine Hand sich hob. Die beiden Gläser klangen zusammen. Nun ja! dachte Hugo, indem er sich auf die Lipve biß. Verwandte Seelen finden sich" . . . Und dieses schöne Unkraut wollt' ich durchaus in meinen Acker verpflanzen! Er erbitterte sich mit einer Art von Wollust gegen seine Nachbarin; die grünlich bläulichen Augen der jungen Dame drüben leuchteten ihm dabei sonderbar fragend oder forschend entgegen. Ihr frisches Gesicht gefiel ihm mehr und mehr; ihm mißfiel nur, daß sie die Schwester dieses geistreichen Nichtsthuers" war, den er in diesem Augenblick haßte. Na, und Sie, mein Fräulein?" entfuhr ihm plötzlich. Sie baben ja nicht mit angestoßen. Schwören Sie denn nicht auch zu den Feuerblumen?" Ach nein." antwortete Fräulein Christine treuherzig. Das heißt, ich war einmal gar nicht so weit davon; wenn man einen so gefährlichen Bruder hat. der einem alles so einleuchtend macht. Aber ich will doch nicht. Ich will mich auf der Welt nützlich machen irgend wieich weiß noch nicht, wie!" Gott sei Dank!" rief Hugo aus. Die drei Worte brachen ihm so herzhaft aus der Brust hervor, daß die andern lachen mußten; sogar Werner, der Bruder, lachte mit. Sein Lachen kam ungezwungener und heiterer heraus, als Hugo gedacht hätte; auch klang es gut, die S:imme war so angenehm. t Der Gutsbesitzer kränkte ' sich, daß dieses bleiche Unkraut sich vornehmer und männlicher benehmen sollte als er, der Nüliche." Mit einer plötzlichen Bewegung stand er auf. Die Stimme dämpfend sprach er über den Tisch hinüber: Ich dank' Ihnen, Herr RingHof, daß Sie die Sache so heiter nehmen. Ich fürchtete schon, ich hätt' Ihnen den Humor verdorben der doch das Beste vom Leben ist. Uebriaens, was meine Aeußerungen betrifft, nehmen Sie die. bitte, nicht zu schwer. Ich werd' bis jetzt mit meinem Acker besser fertig als mit meinen Reden: da wächst mir noch so leicht Unkraut dazwischen." Wern'r lachte wieder. Er erhob sich auch und streckte seine rechte Hand über den Tnch. Sie haben recht, Herr Hoffmann: der Humor ist da Beste. Uebrigens, was Sie in Ihren Reden Unkraut nennen, das nenn' ich ja Feuer blume!" 4. K a p i t e l. rst in tiefer Nacht kam Hugo in unruhigen Schlaf; erst am Waten Morgen erwacvte er. Ihn weckte ein klapperndes Geräulch. das er in der Frühe schon einmal aehört und dann überschlafen hatte; als er aufsprang und an's Fenster trat, erkannte er. daß dieses holzerne. taktmäßiae klappern von einer der vielen kleinen -lzhütten kam, die den Berg hinab eim Gießbach begtateten. Das Wasser schäumte gegen etwas, das sich hurtia drehte: mehr konnte er nicht sehn. Sind das alles Mühlen? dachte er. Wem gehören die? Warum denn so viele? Die Fragen hielten ihn jetzt Nicht fest; der gestrige Abend stand wieder vor ihm, der sich nach dem Feuerblumengespräch noch so lang gedehnt hatte. Die Gäste waren alle fort, die Fünf hatten noch immer geplaudert; wovon eigentlich? dachte er. Mir geht alles wirr durch den Kopf. Dieses Mädel, dieses Fräulein Christine hat mir sehr gefallen! Das ift frisches Blut. Rheinländisches aber dabei so vernünftig, so gediegen, scheint mir. Wahrhaftig und Gott, das ist komisch: ich hatt' doch ganz vergen. daß ich mich aus Trotz in die erste Beste verlieben wollte; und gewissermahen wie mir's nun vorkommt ist's dann doch geschehn! Er staunte über diesen Abgrund Jet
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ner slatterhafren Seele; er lächelte; dann schüttelte er ernsthaft den Kopf. Ein Mihgefühl kam dann hinterdrein: er fah Frau Minna vor sich, wie sie mit
dem interessanten Mann" tomnr.e. Förmlich in demselben Maß, w Hugo Z4 SS ?ErÄitTtn ftfrrtfHn prVnnrmtp IU, I IU v ! v mwm hatte Minna Wemtraut sich für die Ansichten und Gefühle des Herrn RingHof begeistert. Die Beiden hatten ja wohl noch gar ein Lied zusammen gesungen, ganz zuletzt, mit gedämpfter Stimme. Was denn für ein Lied? hm war's aal entfallen. Der Wein, der Aerger und die Verliebtheit . . . Dummes Zeug!" begehrte er nun auf. Verliebt! Das Madel ist nett: weiter nichts! Aber anziehn muß ich mich. Um Zehn wollten wir ja zum Wasserfall gehn, wir Fünf miteinander. Weizen und Unkraut vertragen sich. as hatt' ich gestern nicht gedacht, als die ihre Treppe herunterkamen . . ." Es war wieder ein schöner, sonniger Tag. in dieser Höhe nicht zu warm; die Luft lag härter und fester um den Menschen her, der sanfte Wind kam von Norden und schien den erfrischenden Athem der Gletscher in das Thal zu tragen. Um zehn Uhr, überraschend pünktlich, standen die fünf neuen Bekannten beim Rupertihaus auf der Fahrstraße und schlenderten dem wenig entfernten unteren Mollfall zu. Werner Ringhof hatte von der ersten Kellnerin, der sogenannten Servirerin," erfragt, daß man diesen Wasserfall am besten Vormittags besuche, weil die Sonne dann so hübsch in ihn hmernscheine, Regenbogen mache. Unten. seitab, floß die Moll, diefem ihrem Fall zu, von ihrem hochgelegenen, unstchtbaren Gletscher her; die Fahrstraße schwebte höher am Berg, mit freiem Blick thalauf und thalab. Die Getreidefelder, unten und auf den MhüN gen zwischen Wiesengrün verstreut, grünten selber noch, sie reifter so viel später als im Unterland. Hoch über den Wanderern, wie in den Himmel hinein, glänzten schön gebräunte Bauernhäuser in der Spätmorgensonne. Frau Minna, die Heiterste, wie so oft, stimmte für sich ein Liedchen an, ein tirolisches oder steirisches. das sie vordem im Gebirg gelernt hatt, und verstieg sich zuletzt in einen kunstvollen Jodler, der ihr nicht recht glückte. Sie waren nicht mehr weit vom Fall, ohne es zu wissen, als über ihnen am Berg ein Knistern und Rascheln anfing und erne menschliche Gestalt sich geschwind herabbewegte; anfangs war nicht zu erkennen, wie. Nach einer Weile sahen sie, daß ein Mann über einen langen grünen Abhang niederrutschte, mit einem Berqstock steuernd, wie es schien: wie die Knaben auf ihren bergab fahrenden Schlitten mit der Pike steuern. Als der Abhang bei einer Baumreihe in Geröll und unbebauten Acker überging, sprang der Mann auf und in unheimlich großen Sätzen vorwärts, auf die fünf Wanderer zu. Unten an der Fahrstraße erwartete ihn noch eine steile Böschung, in zwei Absätzen aufgemauert; die bekümmerte ihn aber nicht. Er that noch zwei mächtige Sprünge und war auf der Straße. Verwundert, die Damen mit verhaltenem Athem, sahen sie ihn an. Er erschien ihnen nun viel kleiner als vorhin; eine kraftvolle, aber untersetzte Gestalt, in dicker, verwetterter Lodenjoppe und kurzer Lederhose über den nackten Knieen. Schöngefärbte Strumpfe, feste Nägelschuhe, em zerknittertes, uraltes Hütchen, ein offenes Wollhemd bedeckten den übrigen Menschen. Unter diesem Jagerhut" zeigte sich aber, ganz unerwartet, ein femge schnittenes, geistig ausgearbeitetes Ge sieht. Es glühte von der raschen Be wegung, Schweiß tropfte nieder; auch so war es aber ein anziehender Kopf. gutgeformt, beinahe schön. Die starken, schwarten Brauen, der auffallend dunkelröthliche, langgezogene Schnauzbart unter einer feinen Nase, der kühne Ausdruck des prachtvoll gebräunten Gesichts sprachen auf den ersten Blick. Der junge Mann denn jung mußte er noch sem. trof. der entschiedensten Männlickkeit sah wohl, wie erstaunt und wie eifrig er betrachtet wurde; er begann zu lächeln . Dann zog er feinen Hut Die andern grüßten nun auch. Sie erlauben," sagte Werner sehr artig: Sie sind in dieser Gegend zu Hause, wie es scheint. Möchten Sie uns sagen, ob wir zum Mollfall richtig gehn?" Gewiß," antwsrtete der Bergspringer. Sie aehn den gradesten Weg." Und sind wir bald dort?" Da um's Eck, dann von dcr Straß' einen kleinen Fußweg hinunter; Sie werden ihn schon sehn. Sie werden auch den Fall schon hören. Fünf, sechs Minuten, dann sind Sie dort.Ich dank' Ihnen Der junge Mann halte in angenehm osterreichilcher Färbung, mehr wie ein Wiener, gesprochen; er grüßte nun noch einmal mit dem abgelebten Hut. Dann ging er m'u raschen Schritten den Hei ligenbluter Häusern zu. Frautein Christine lay iym eine Weile nach; länger als die andern. E'.n drolliaer oeuher kam ihr zuletzt aus der Kehle. Das wär' mein Ideal!" sagte sie, zu Minna gewendet. 00 möcht' ich auch herumgehn; und so über die Berge kraxeln. Wie der Springer da?" entgegnete Minna und lachte. Mit so 'nem unwahrscheinlichen Hut?" setzte Werner hinzu. Und mit der Joppe aus Maria Theresias glorreichen Zeiten?" Christine nickte. Grad' so!" Der Bruder lachte nun auch. Hugo lächelte.
Ihm gefiel das wieder. Ihm gefiel wieder alles, was das Fräulein diesen Morgen sagte. Und ihn freute diebisch." daß es ihn so freute; daß er sich so frei von der koket:en Schlange, von der Zirtnitzgrotte. von all seinen
gestrigen Gedanken fühlte. Sie kamen auf den Fußweg, der zum Fall abwärts führte; hier wunderten sie sich nun freilich, wie gut dieser Berghupfer von ihrer Schwindelfreiheit gedacht hatte. Der Pfad lief an einem schmalen, bedenklich steilen Grat hinab; rechts ging cö felsig jäh zu der Schlucht der stürzenden Möll hinunter, links an einem grünen, grasigen Abhang, auf dem man sich aber auch den Hals brechen konnle, wie Werner meinte, wenn man etwas Glück hatte." Glatte Baumwurzeln liefen über den Weg; noch glatter war der schwärzliche Staub des Thonschiefers, der, mit Lärchennadeln gemischt, den Pfad bedeckte. Minna stieß, während sie abwärts stiegen. ein paarmal einen ihrer kleinen Evaschreie aus; sie war aber tapfer, schon aus Eitelkeit, um der männlichen Feuerblume zu gefallen, verbat sich jede Hilfe und kam glücklich, stolz, auf den geschützten ebenen Grat, zu dem, wie sie nun entdeckten, noch ein bequemerer Weg führte. Fräulein Christine war keck und sicher geklettert; Antonie an Hugos Arm, der freilich auch mit einem leichten Schwindelgefühl gekämpft und sich über diese pommersche Schwäche" im Stillen geärgert hatte. Der Aristokrat" hatte offenbar nichts derart verspürt; er stieg leicht, gleichsam ele gant hinunter. Bei einer schlanken Lärche am Weg, die eine Inschrift trug, blieben sie nun stehn. Der Fall brauste aus gleicher Hohe wie sie, zwischen engen, wilden Felsen, in die Tiefe nieder. Der Anblick war schön, weil das Spiel der einfallenden Sonnenstrahlen hn wunderbar verklärte; es nahm sich aus, als stürze der Schaum denn man ah eigentlich nur Schaum auf einen Regenbogen hinunter. Weite? als Farbenspiel schien da unten nichts zu sein; das geblendete Auge bemerkte einstweilen nur den Regenbogen und kein Wasser mehr. Siehst Du wohl, wie schön das ist!" sagte Christine zu ihrem Bruder; in hrem Ton lag die Freude: ich hab' Dich doch nicht umsonst in's Gebirg gelockt! Der nur wenig Fuß breite Rücken, auf dem sie standen, war auf beiden Seiten durch ein hölzernes Geländer gesichert; hier konnte man in Ruhe genießen. Um noch besser zu sehen, trat das Fräulein einen Schritt zurück, lehnte sich recht behaglich an die Holzstange, die von Pfahl zu Pfahl lief, und fchaute in das brausende, donnernde Licht- und Wafferspiel. Ihre schlanke Gestalt legte sich aber doch zu sorglos fest auf das verwitternde Bäumchen . . . War nun oas Holz vermorscht, ohne daß man darauf geachtet hatte, oder hatten sich die Nägel am Pfahl gelockert: Christinens Rucken hatte plötzlich keine Stütze mehr, es krachte etwas hinter ihr. Sie schwebte einen Augenblick haltlos in der Luft, dann stürzte sie rücklings den grasigen Abhang hinunter. Ihr entfuhr kein Schrei; war sie vor Schreck erstarrt? Hugo fah sie aber fallen. er stand neben ihr. Vom ersten Entsetzen fast gelähmt, streckte er toch die Hand nach ihr aus; er griff jedoch in's Leere. Im nächsten Augenblick hatte er sich gefaßt, wie es seine Art war. Wie man aus irgend einer Höhe in's Wasser springt, warf er sich ihr nach, zwischen ein paar Lärchen durch. Was ihm geschah, was er that, ward ihm nicht bewußt; ihm war nur duntel, als flöge er über sie hinweg. Plötzlich fühlte er einen Baumstamm vor sich, den er umklammerte; und eine schwere Last prallte heftig gegen seinen Rücken. Er hielt aber Stand. Aus irgend einem zweckmäßigen, unbestimmteil Gefühl sank er in die Kniee; so konnte auch die Last hinter ihm zur Ruhe kommen. Als er seinen stark erschütterten Körper zu wenden vermochte Sekunden erschienen da wie Minuten lag das Fräulein, offenbar besinnungslos, mit Kopf und Schultern und Armen wie in ihn hineingeschmiegt; sie war leichenblaß. Er hob ihren Kopf, der nach unten gesunken war, und legte die Hilflose besser gegen seine Brust. Jbn selbst hielt der Baumstamm, so daß er nicht weiter hinunterrollte. Ihre Gestalt war so schwer, so todt, daß ihm ein gräßlicher Gedanke kam; mein Fräulein! mein Fräulein!" sagte er, selber noch halb wie im Traum. Hören Sie mich? Wie ist Ihnen?" Sie gab keine Antwort, rührte sich auch noch nicht; er fühlte nun aber das warme Leben in ihr. Der Bruder kam eoen oen Ävyang herunter, jeine Ferien möglichst tief und fest in die Erde fetzend; oben, neben dem zerbrochenen Geländer, rang Frau Minna die Hände. Was ist?" rief sie aus. Wie steht's ?" wie steht's?" Was sie eigentlich fragen wollte, wagte sie nicht auszusprechen. Es verging noch einige Zeit, bis sich die blasse Christine regte. Sie sah neben sich die beiden Männer knieen, die nun bleicher waren als sie, da in des Mädchens Gesicht die Farben langsam wieverkehrten. In Werners unruhig fragende, zärtlich gute Augen starrend, versuchte sie ihn anzulächeln. Sie erkannte, wo und wie sie lag. Ihr hab! mich gerettet; oh!" hauchte sie. Wie habt Ihr das gemacht?" Fühlst Du Schmerzen?" fragte Werner dagegen. Ueberhauvt. wie fühlst Du Dich?" Recht gut," anwortete sie mit noch schwacher Stimme, nach einigem Besinnen. Ich glaub', mir ist nichts at
schehen. Ich kaun jedes Glied bewegen, siehst Du. Ihr habt mich gercttet!" Ich leider nicht," sagte Werner mit einem traurigen Lächeln. Das hat Herr Hoffmann allein gethan. M Gefahr seines eigenen Herr! ich danke Ihnen!" Hugo hob abwehrend die Hcind. Mit Gefahr? Das wußt' ich nicht. Es ging ja nicht drüben den Fels hin-unte.-; nur den Abhang hier." -')crr, Sie stürzten sich wie ein Wahnsinniger ich begreif's nctf jetzt nicht, wie Sie an meiner Schwe' n vor. ei oder über sie hinüberkamen. Ich begreif' es nicht!" Es wird wohl mit natürlichen Dingen zugegangen sein," sagte Hugo lächelnd. Jetzt fühlte er aber, wie sich Christinen lieblich warme Hand auf die seine legte, und es überlief ihn ein ganz eigen wohliges Gefühl. Ach, S!e müssen nun nichts mehr sagen," sprach sie mi! einer weichen, süßen Stimme. Sie haben mich gerettel. Ich dachte ja, wie ich rücklings wegstürzte: nun ist's aus mit mir. Ich dank' Ihnen! Mein Retter!" 5. Kapitel.
ine hcJbe Stunde später war Fräulein Christine aufrecht aus dem Heimweg; zwischen Werner und Hugo, von beiden geführt, ging sie aus einem unteren, ebenen Fußpfad hin. zu dem man sie vorsichtig hinabgeleitet hatte. Langsam und bequem stiegen ste dann zur Fahrstraße hinauf, wo Minna und Antonic schon warteten: die beiden waren auf dem Grat geblieben und auf dem besseren Fußweg zur Straße zurückgekehrt. Christine schritt tapfer aus. so männlich wie sie irgend konnte; ihr möglichst heiteres Gesicht verzog sich aber doch mehr und mehr; endlich mußte sie bekennen, daß das rechte Knie empfindlich schmerzte, und immer stärker, je länger sie ging. Werner gerieth in Sorgen; er blie!? mit ihr stehen. Wo schmerzt es?" fragte er. Im Gelenk?" Sie zuckt die Achseln. Sie weiß es nicht. Mit so einem Knie ist nicht zu spaßen. Kind, was soll man machen? Weit und breit kein Wagen zu sehen. Wollen wir hier bleiben und warten, bis Du fahren kannst?" Um Gottes willen!" rief das Mädchen. Nur weil's etwas weh thut. Eine Viertelstunde, dann sind wir zu Haus; so viel kann ich ja doch noch geben. Ach, ärgert mich nur nicht noch mehr; ich bin schon so wüthend, daß mir das geschehen mußte mir, gerade mir! Dem ,Bergfex,' 'wie Du sagst. In der Ebene, wirst Du dann sagen, wär' uns das nicht begegnet . . . So, nun hat das Knie genug ausgeruht, und nun gehen wir weiter!" Werner weigerte sich; aber so viel jünger sie war, sie hatte auch ihren festen Willen. Sie zog ihn fast stürmisch. und ihren anderen Führer sanft mit fort. Zuweilen sah sie diesen plötzlich von der Seite an, mit einem rührend dankbar bewundernden Blick. Der Bruder hatte ihr erzählen müssen, ausfuhrlich und noch ausführlicher, wie das alles zugegangen, wie der Herr Hoffmann ihr nachgestürzt sei, sie gereltet habe. Von Zeit zu Zeit rührte sich nun ihr Arm in Hugos Arm, mit jungfräulicher Schüchternheit, aber doch lebendig; ja, das haben Sie gut gemacht." sagte sie dann etwa leife zu ihm hin. Oder: Ich dank' Ihnen so sehr. Eigentlich schäm' ich mich. Aber ich dank' Ihnen doch so sehr!" Als sie endlich das Rupertihaus erreicht hatten und in Christinen s Zimmer standen, war sie ganz erschöpft und verbarg es auch nicht mehr; sie sank au' ihr Sofa, streckte sich aus und schloß tre Augen. Ich hab' mich auch an Ihr Orakel, die Servirerin. gewendet," sagt Frau Minna zu Werner; in ihrer gutherzigen Geschäftigkeit war sie voraus geeilt. Sie sagt, ein Arzt ist hier, zufälliq; er wohnt im unteren Haus. Er fei eine Weile oben in den Bergen gewesen, aber gerade wiedergekommen. Da hab' ich sie denn hingeschickt, ihn herauf zu bitten." Besten Dank!" erwiderte Werner, dessen Augen mit einem liebevoll weichen Blick auf der scheinbar schlafenden Schwester ruhten. Ich bin ja nicht in Sorgen aber wer kann wissen!" Früher, als er gehofft hatte, klopfte es an der Thür. Christine öffnete die Augen. Werner rief herein. Zu seine? Ueberraschung trat der Mann in der Joppe aus Maria Theresias Zeiten" in's Zimmer; den unwahrscheinlichen Hut hielt er in der Hand. Das WollHemd war jetzt über der Brust und am Hals geichioicn; sonst yatte stcy mcylö geändert. Er grüßte mit einer schlichten Verbeugung und tret auf Frau Minna zu. Sie haben gewünscht, gnädige Frau," sagte er mit seinem gemüthliehen Baß. .Sie oder" Er blickte auf Christine, die sich aufrichtete. "Ja, ja allerdings," antwortete Minna verlegen; ihre &et)lezggcmrjan verließ sie diesmal. Das heißt wir wünschten einen Arzt einen Doktor für das Fräulein da." Der Bergspringer lächelte. Der bin ich, gnädige Frau. Ich schau' nicht so aus; bitt' sehr um Vergebung. Ich sollt' gleich kommen, hat man mir gesagt. Da bin ich denn ohne alle Unistände Die Hauptsach' ist ja das Helfen beim Doktor." Ja, gewiß, gewiß! Wir danken Ihnen Hr. Es ist nur ich hätt' nicht r Lcht "
Was, gnädige Frau?" Daß ein so junger Herr wie Sie Entschuldigen Sie, werther Herr. Sind Sie wirklich Doktor?" Werner konnte sich nicht enthalten, rnen Augenblick aufzulachen; die Frage kam so drollig aus dem schönen Mund. Der junge Mann lächelte nur wieder, and sozusagen ernsthaft; er zog dann stumm eine Besuchskarte aus seinem Taschenbuch und hielt sie der Frau Minna hin. Bitte, überzeugen Sie sich. Wolfgang Tietl, Doktor Medi;inä. Wenn ich auch jetzt, in den Feneu, ein sogenannter Alpinist bin bitte nochmals um Entschuldigung ich hab' in Wien studirt und die Prüfungen gemacht; die Sach' ist in Ordnung." Verzeihen Sie!" sagte Minna, der nun die Wangen glühten. Ich hab' mich ja wohl sehr dumm benommen . . . Aber Ihre Jugend " Ach, das täuscht leider, gnädig? Frau. Sechsundzwanzig Jahre, näaV stens. Wenn also die junge Dame da, wie ich denke " Christine war aufgestanden. Sie sah den jungen Doktor noch immer wie eine märchenhafte Erscheinung an; es schien ihr zu gefallen, daß der Zufall ihr einen so echten Alpinisten" als ärztlichen Berather geschickt hatte. Zugleich hatt? sie aber eine mädchenhafte Scheu vor ihm Aus ihren noch blassen Augen flog ein Blick zu Frau Minna hinüber, der wohl fagen sollte: gehen Sie nicht hinaus! Es handelt sich um meine Schwester.
ja," nahm nun Werner das Wort. Sie hat sich bei einem Sturz am Kn'.e verletzt; wir wissen nur noch nicht, wie. Wenn Sie also die Güte haben wollen . . ." Er winkte Hugo und trat mit ihm in sein Zimmer nebenan, das auf den Großglockner hinaussah; die Dame blieben mit dem Doktor zurück. Ich glaube, bester Herr," fing er hier an. während sie an's Fenster traten, ich hab' Ihnen noch gar nicht recht gesagt. wie ich Ihnen danke. An dieser kleinen Schwester häng' ich so sehr ... Ich will Ihnen gestehen, es bedrückt mich diese ganze Zeit, daß ich ihr nicht geholfen hab', daß dazu ein andrer nöthig war!" Sie haben sie nicht fallen sehen," warf Hugo ein. Daher Doch, ich hab's gesehen! Aber ich war im ersten Augenblick so versteinert so nur noch Auge und weiter nichts." Mit einem melancholischen, liebenswür digen Lächeln fuhr er langsam fort: Das hab' ich schon mehr erlebt; das ist vielleicht die Feuerblume; ich meine dieses ästhetisch Beschauliche, dem bei einer großen Ueberraschung die plötzliche, zupackende Thatkraft fehlt. Sie sehen wenigstens, bester Hur, ich schone mich selber nicht! Also herzlichen, neidlosen Tank. Ja, ich häng' an ih ett drei Jayren leven wir so zu zweien miteinander; damals starb un sere Mutter; der Vater war schon länger todt. Zwei Brüder haben wir noch. aber die sind in die Welt gegangen leben in England und Australien. Und nun bevatere ich das Mädel; nun ja! ich bin fast neun Jahr' älter, bin einunddreißig. Wir sind sehr verschieden; und das halt dann doch wie Ken tenringe zusammen. Geschwister! darii steckt was Wunderbares! Also lieber, geistesgegenwärtiger, fixer Herr Hoffmann. Besten, neidlosen Dank!" (Fortsetzung folgt.) Ueber Biömarök als Sprachlehrer, wird der Boss. Ztg." gejchrieoen: fba feiner Ansprache, die Sir ThomaBarclay, der bekannte Vorkämpfer friedlicher Beziehungen zwischen Eng land und Deutschland, auf dem deutschen Handelstage in Berlin gehalten hat, berührte es sehr ange'iehm. dast Herr Barclay, trotzdem er um an tige Rücksichtnahme wegen seines ..inanaelbaiten Rutsch" uat. Die Sprache außerordentlich fliehend be herrschte. Interessant durfte es sein zu erfahren, wie der Friedenspostc sich neuerdings er war ja frühe: mehrfach auf deutschen Hochschulen - die Geläufigkeit der deutschen Sprach angeeignet hat. Es war kein Genn aerer als der Altreichskanzler Füri Bismarck, den sich Sir Thomas Barclay zum Vorbild ausersehen hatte. In Dessau, wo er vom Herzog Friedrich empfangen wurde und der Jahresversammlung des Anhaltischen Jndustrievereins beiwohnte.kbt ein Verwandter von ihm, sein, 'ckwaoer. Prof. Heyer. Barclay und bieff da den die Töchter eines in Jena kü zlich verstorbenen deutsch-brasuiscken Arzt:und Naturforschers geheiratket. Kurz vor seiner Reift schrieb Sir Thomas Barclay seinen Dessauer Verwandt n und äußerte dabei die bang: Ansich:. er werde jedenfalls D?utich rede müssen, fürchte jedoch, daß seinKenntnisse allzu sehr eingerostet seien. Er bat um Protokolle d:r ReichstaasVerhandlungen, um an dieser Lektür.' sich zu üben. Vielleicht gäbe e? ein' Ausgabe der Vismarck'schen Reden", die man ihm senden könne. Nat;jr: wurde ihm diese Ausgabe von seinem Schwager sofort gesandt, und nri: Sir Thomas in seinem Dankb.iee bemerkte, hatte er sie sofort eif.iz stu diert und war hingerissen v:n ,.de außerordentlichen Klarheit, dem eminent praktischen Sinn und der leich ten Verständlichkeit" dieser Reden. Man könne üb:rhaupt kein bessereVorbild haben", schrieb er. Nach den Berichten über seine Ansprache scheint er dieses Vorbild in de? That mit beflm Eriolae benutzt zu haben.
Allerlei für's Hau. Aufgehen der Schnürsene l. Es giebt ein aanz einfaches
Mittel, die Schleife der Schuhbänder so zu knüpfen, daß ste von selbst nicht aufgeht und doch beim Ausziehen der 'tietel mit einem Ruck zu lösen ist. Es ist dies der sogenannte noch wenig veiannie englische Knoten", den man beim Knüpfen der Schleife auf folgende Weise macht: Man bindet das Schuhband wie gewöhnlich, nur daß man das Band . Ende, welches den Knoten herstellt, zweimal, anstatt wie sonst nur einmal um die erste vom anderen Ende gelegte Schleife fchlingt und danach das Ende zur zweiten Schleife wie gewöhnlich, aber recht stramm durchzieht. Die Beschreibung mag umständlich erscheinen, doch ist die Ausführung so einfach, dcck sie jedes Kind begreift und sofort nachmacyl. Man uderzeuae sich durch einen praktischen Versuch und wird oann chwerlich seine Schuhbänder nach anderer Art knüpfen, denn der englische noten' ist wirklich probat. Ein auier ??ensterkitt wird hergestellt, indem man drei Theile Kreide, drei Theile Bleiwei mit fünf Theilen Leinölfirniß m Teig knetet und etwas Silberglätte hinzusetzt. Wird dann das Holz und der Kitt gut im Oelanstrich erhalten, so wird das Wasser nicht durchdringen. Oder man vermenge ganz fein gepuloerie leigiatte und concentnrteß, svrupdickes, wasserhelles Glycerin innig miteinander, derart, daß tm weicher, zähflüssige? Brei entsteht. Diesen ureicyt man in die ftal. m welche die Glasscheiben kommen sollen, drückt lentere hinein und entfernt den überschüssigen Kitt; nack kurzer Zeit ist er vollständig erhärtet. Man kann ihn. weil er so schnell hart wnd und mcht wieder erweicht werden kann, nickt vorräthig halten. SchriftausLeinwand. Um waschechte Schrift auf Leinwand zu erzeugen, befeuchte man die Stelle des Gewebes, welches gezeichnet werden soll, mit Schwefelkalium und schreibe mit einer Losuna von salpetersaurem Silber. Nach einer anderen Vorschrift erfolgt das Auftragen der Schrift mittels eines Gemenges von Anilinschwarz mit Kupfervitriol und durch nachfolgendes Erwärmen mit einem heißen Platteisen. Farbe der Bienenwohn u n g e n. Der Haltbarkeit und Schönheit halber streicht man Bienenwohnunaen vielfach mit Oelfarbe an. Welche Farbe man dazu wählt, ist den Bienen ganz gletchgutlg, nur soll man wenn n n ein Bienenhaus besitzt, iy welchem mehrere Etagen übereinander sind, die Stöcke einer jeden Etage anders anstreichen, damit ein Verfliegen der Bienen nicht fo leicht möglich ist. Nickelrost. Um Rostspuren von nickelplattirten Gegenständen zu entfermn, läßt man dieselben einige Tage lang mit Fett bedeckt liegen, dann reibt man sie gut mit Ammoniak ab. Ist der Rost tief, dann bediene man sich einer oralsauren Lösung oder verdünnter Salzsäure, welche man auf dem Rostflecken aber nur einen Augenblick lassen darf. Man wäscht dann mit Wasser und Schwamm ab und polirt mit Whiting". Oelfarben verdünnt man mit Mohnöl, bei gewöhnlicheren Arbeiten, dekorativer Malerei u. f. w. genügt Leinöl. Soll die Malerei schnell trocknen, fetzt man mehr oder weniger Sikkativ zu dem Oel. Im Allgemeinen dürfte auf ein Pfund Oel 10 Gramm Sikkativ aenügen. Das von Vielen beliebte Verdünnen mit Terpentin nimmt den Farben nur ihre Leuchtkraft. Einen Gummibaum kann man dazu veranlassen, Seitenzweige zu treiben, wenn man mit dem Taschenmesser einen Schnitt von Zoll Tiefe in den Stamm macht, gerade über einem Knospenauge, noch besser wo ein altes Blatt abgefallen ist. Nach einigen Wochen wird ein neuer Schößling erscheinen und man kann auf diese Weise den Gummibäumen eine fchöne Form geben. Reinigung der Kleiderb ü r st e n. Die eben gebrauchte Bürste reibe man jedesmal gegen ein reines Papier, welches man mit einer Hand gegen die scharfe Ecke eines Tisches hält, so lange, bis das Papier, welches man beim Reiben immer verschiebt, rein bleibt. Dies ist in wenigen Augenblicken geschehen. Man schont die zu reinigenden Kleidungsstücke auf diese Weise sehr, da die unreinen Bürsten denselben oft mehr Schaden thun, als der Gebrauch und derStaub. I a ck st i e f e l erhält man lange in ihrem ursprünglichen eleganten Glänze und guter' Schmiegsamkeit, wenn man sie nach dem Gebrauch mittels eines feinen baumwollenen Tuches von losem Staube und sonstigen Unreinigkeiten reinigt. Zuweilen nimmt man dann etwas Milch oder einen Tropfen Speiseöl, den man vollständig mit dem Handballen auf dem Lack verreibt, bis kein blinder Hauch mehr zu sehen ist. Aufbewahrt werden Lackschuhe am beften, indem man sie inwendig mit Papier oder einem Stiefelholz ausfüllt und in Seidenpapier oder ein weiches Tuch einschlägt. Wenn sie naß geworden sind, bringt man sie in mäßige Temperatur und läßt sie langsam trockrken. Lackleder verträgt keine Kälte, es sind daher Lackschuhe nicht an kalten, sondern mäßig warmen Orten aufzubewahren
