Indiana Tribüne, Volume 28, Number 196, Indianapolis, Marion County, 11 April 1905 — Page 5
Maiennächte.
Von Robert Sillmaim-Hockheim. Das sind die milden Maiennächte. Wenn's junge Grün aus Knospenschleiern springt. Wenn aus dem leisen Schlummer schreckt dcr Vogel Und liebctrunkcn goldne Lieder singt. Das und die bolden Maiennächte, Wenn zages Ziltern durch die Fluren ptt Der Monditrahl lind und leis die Crde ftrncheU, Die schweigsam rubt. alä sänn' sie ein Webet. Da? sind die schönsten Maiennächte, Wenn in dcr Brust die Sehnsucht lcis verba!lr Und traumcsglcich versinkt, was wir ge litten, rn Strom dcS Glücks sieghafter Allgetvalt. Der Santtätsraty. Aus dem Berliner Leben. Von Julius Knopf. Dröhnend fiel die Thür in'sSchlosz. Sanitätsrath Letting setzte sich müde und schlaff in den hohen Lehnstuhl und spann sich in trübe Gedanken ein. Auch diese Hoffnung fehlgeschlagen! Die letzte. Der Jugendfreund, Professor Werner, der sich durch eine reiche Heirath eine glänzende Position geschaffen, hatte ihm seine Bitte abgeschlagen. Nicht glattweg, mit dürren, abweisenden Worten. O nein, das verbot die Konvenienz, ein gewisses Anstandsgesühl und nicht zuletzt persönliche Feigheit vor unangenehmen Situationen. Aber er hatte Ausflüchte gemacht. Die gewohnten, billigen Redensarten, welche Letting schon von anderer Seite zur Genüge kennen gelernt. Er, Werner, würde ja von Herzen gern wolle auch zusehen, daß doch unerwartete, enorme Ausgaben, die er gerade jetzt höchst fatal das darum könne er naturlich nichts Bestimmtes versprechen ob Letting denn nicht wo anders er selbst habe überhaupt kein Kapital denn was Letting nicht zu wissen scheine: seine Frau habe sich die Verwaltung ihres Vermögens vorbehalten, hartnäckig, eigensinnig, mißtrauisch, wie nun mal Bankierstöchter seien. Unter diesen Umständen würde Letting wohl einsehen, daß er nichts Bindendes sagen könne. Natürlich wolle er seinen ganzen Einfluß auf seine Frau geltend machen. Apropos, ob er sich denn nicht an einen anderen von den Studienfreunden wenden wolle. Da sei doch zum Beispiel der reiche Mitterling. Eben solch' Geizkragen wie Du!" brauste der Sanitätsrath auf, dessen Temperament wieder einmal durchging. Wüthend stand der Professor auf und verabschiedete sich steif. Nun saß Letting allein in seinem großen Sprechzimmer. Patienten störten ihn nicht. Die Armensprechstunde war vorüber, und von zahlungsfähigen Hilfesuchenden kamen nur wenige. Das war's ja eben! Seine Einnahmen gingen langsam, aber mit unerbittlicher, grausamer Stetigkeit zurück. Ihm war zumuthe, wie dem Schiffer, dessen Boot durch die Ebbe auf den Sand gefetzt wird. Er sieht das Wasser allmählich immer weiter zurücktreten, ohnmächtig, der Flucht der Wogen Einhalt zu gebieten. Ganz so ging es ihm. Eine Hausarztstelle nach der anderen verlor er, ohne daß er nur den Versuch wagen durfte, die ungetreuen Familien zu halten. Man verzichtete auf seine Dienste nicht etwa, weil man ihn weniger schätzte oder gar das Vertrauen zu ihm verloren hatte. Fiel Niemanden ein. auch nur den geringsten Zweifel in die Tüchtigkeit des alten Sanitätsraths zu setzen. Man kannte ihn als geschickten, ersahrenen Arzt, dessen Kunst und Gewissenhaftigkeit schon manches tückische Leiden erfolgreich bekämpft. Man achtete ihn als braven, ehrenwerthen Charakter und zog den Hut tief vor ihm. Aber da war der junge Nachwuchs aus der eigenen Familie, der Sohn oder Neffe, der sewen Doktor gemacht hatte; da heirathete die Tochter einen strebsamen Mediziner. Was lag näher, als daß man das schöne Geld für die Hausarztstelle dem Failienmitglied zukommen ließ! Die heranwachsende Jugend raubte dem Sanitätsrath die Patienten. Unter diesen weit verästelten Familien gab es nur wenige noch, die nicht zum mindesten verwandtschaftliche Beziehungen zu einem jungen Mediziner hatten. So gab man dem liebenswürdigen, tüchtigen, hochgeschätzten Herrn Sanitätsrath, höflich bedauernd, den Laufpaß. Anfänglich hatte Letting darüber seine Glossen gemacht; Nepotismus Vettermichelei und dergleichen. Mit den Jahren jedoch, da sich eine Familie nach der anderen von ihm losgelöst hatte, war der lichte Spott der grauen Sorge gewichen. Angstvoll und zagend las er täglich die Familiennachrichten in seiner Zeitung, fürchtend, daß ihm wieder ein junger College eine seiner wenigen treugebliebenenFamilien weggeheirathet. So war es gekommen, daß Letting von Jahr zu Jahr seinem wirthschaftlichen Untergang immer schneller entgegentrieb. Die Einkünfte waren erfchreckend zurückgegangen, die Ausgaben fast die gleichen geblieben. Er lebte sehr mätzig, hatte sich Einschräu-
kungen auferlegt, seine Frau war auch vernünftig genug gewesen, das einzusehen, inds; gewijst Repräsentation pflichten liefen sich nicht umgehen. Da war die theure Wohnungsmiethe, die fast ein Drittel der Einnahmen verschlang, und anständig gekleidet mußte man doch gehen. Viele Einladungen, die nicht abgewiesen werden durften, erheischten kostspielige Gegeneinladungen. Wie ein Fluch lastete seinStand auf ihm; er verpflichtete, ohne ihm eine (Entschädigung zu gewähren. Seine gesellschaftliche Position war eine Amme, welche nicht nährte. Der Sanitätsrath hatte sich in Schulden stürzen müssen, um standesgemäß leben zu können. Standesgemäß! O, wie er diesen Begriff haßte, der die Menschen mehr knechtete, als der grausamste Despot! Standesgemäß! Dieser Moloch, der schon Tausende in den Abgrund geschleudert und nun auch ihn zugrunde richtete, in's Verderben, in den Untergang trieb! Da hatte er nun ein Lebensalter hindurch gearbeitet, hart, zähe, unverdroffen und nun, an der Neige seiner Tage Verarmung Schulden Noth Hunger. Das war das ffnde! Die beiden reich gewordenen Egoisie, welche er um Hilfe angefleht, hatten ihn erstaunt gefragt, ob er denn gar keine Ersparnisse gemacht. Die Protzen! Man erwirbt unendlich leichter, als man spart. Und wie schnell sind Ersparnisse verschlungen, wenn die Einnahmen fehlen. Kein Ausweg! Auch von seinem Sohn nichts zu hoffen. Der arme Junge! Wie oft schon hatte er thränenden Auges darüber geklagt, daß ihn der Vater demselben Metier zugeführt und ihn in die Sackgasse des akademischen Proletariats geleitet. Nun harrte auch der Sohn der Patienten, harrte, bis sein Kopf schmerzte vor getäuschter Erwartung. Und keiner von den beiden konnte etwas thun, um in diesem aufreibenden, zermürbenden Existenzkampf die Ellbogen zu gebrauchen. Alles, was nach Reklame roch, vertrug sich nicht m'u dem Standesbewußtsein, hätte sie mit dem Ehrengericht in Conflikt gebracht. Das winzige weiße Schild vor der Hausthür war ihre einzige Waffe in dem schweren Kampf um's Dastin. Der Kaufmann durfte seine Waaren anpreisen, der Künstler seine Werke ausstellen, der Schriftsteller seine geistigen Erzeugnisse anbieten aber der Arzt, der mußte in seinem Zimmer sitzen und warten, bis man zu ihm kam. Wo jedes um ihn herum emsig darauf bedacht war, alle Kräfte anzuspannen, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, mußte er in aufgezwungener Unthätigkeit verharren. Wehe ihm, wenn er Reklame machte! Der Sanitätsrath lachte bitter auf. Sein StanV verdammte ihn zu einem passiven Heldenthum. An eine der Schlachten mußte er denken, welche er in dem aroßen Franzosenkrieg mitgemacht. Sein Regiment hatte Befehl erhalten, bis auf höhere Anweisung auf keinen Fall in die Schlacht einzugreifen. Und nun prasselten die feindlichen Granaten in die geschlossenen Glieder und rissen klaffende Lücken in das feste Gefüge. Gewehr bei Fuß stand das Regiment und durfte das Feuer nicht erwidern. Die Leute bissen die Zähne zusammen und ballten die Fäuste. Auch für ihn hieß es, die Zähne zusammenbeißen und die Fäuste ballen. Warten, warten, bis das Ende kam. Und noch vor dem anderen fürchtete er sich. Ihm graute vor dem Verbrechen. Als Vormund eines Neffen, eines verwaisten Knabm, verwaltete er ein großes Vermögen. Und das fremde Gold, das lockte und winkte: nimm mich, du bist befreit von denen Sorgen, von deinen Qualen, von deinem Elend. Noch sträubte er sich gegen die Verführung; er fühlte den Ekel des Verdurstenden vor dem Schlammwasfer. Aber er wußte, daß er schließlich unterliegen würde. Denn es war ein Kampf mit ungleichen Waffen. Dort das unbewachte Gold, hier die wachende Noth. Doch am Abend eines ehrenhaften Gebens sein Gewissen beschmutzen nein, lieber ist. Ein Frösteln überlief ihn. Nicht aus Furcht. Aber so glatt verschwinden in das Nichts, ein Raub der nagenden Würmer oder der Hitzwelle des Verbrennungsofens o, wie beneidete er den frommen Kirchengänger, dem der Glauben an ein Jenseits den grausen Tod erleichtert! Also weiterleben ehrlich weiterleben! Und Sanitätsrath Letting setzte sich an den Schreibtisch, auf dem die leeren Rezeptformulare ein beschauliches Dasein führten, und ersuchte das Vormundschaftsgericht, einen anderenVormund zu bestellen.
Ein harter Schädel. Bauer (beim Dreschen zu einem der Knechte): He, Mich'l, thu' Dein' Kopf net allweil so weit vor!. . . A' so a' Dreschflegl kost' a' Geld!Unvorsichtig. Nein, wie Ihr Portier aber stottert!" Schrecklich nicht wahr? Während ich verreift war, hat er meinen Papagei gepflegt, und denken Sie. jetzt stottert der auch!"
Meik Havcrsack's Schreidebrief.
No. 387. Seöbrier Mister Edithor! Die Selma hat den annere Dag en Schreiwebrief aus die alte Kontrie kriegt, daß en entfernter Onkel von sie gestorwe wär un daß sie komme sollt, for das Vermöge, wo er sich abgehungert gehabt Hot, zu dheile. Es is en ganz schöner Emaunt gewese un die Baldrians hen sich all gefreut; das Ding Hot nur ein Hitsch gehabt, un das is der Tripp nach die alte Kontrie gewese. Zuerscht Hot sich die Selma arig gefreut, awwer es Hot nit lang genomme, do Hot se schrecklich angewwe un Hot gesagt, sie wär effreht von den große Wasser un das Wasser hätt keine Balke un wie iesig könnt mer do draunde, awwer das Schlimmste wär. daß fe so iesig siiesick deht wer'n. Mit einem Wort, könnt den Tripp nit mache un wann fe das ganze Prappertie verliere müßt. Do hen ich gesagt, Selma. du mußt mich ecksjuhse un derfst nit schlecht driwwer fühle, awwer du bist e Kameel. Wann ich ebbes zu hole hätt, wei ich deht bis zu die Scheiniemenner gehn. Wann du nit gehn kannst, dann kann ja der Christ gehn. Do sin ich awwer an den richtige komme. Meik. Hot der Christ gesagt, loß mich aus; ich wer'n ja auch siesick un biseids das kann ich doch meine Fämmillie nit so lang alleins losse. Du bist auch e Kameel, hen ich gesagt, denkst du mehbie du kriegst in die Mienteim eins von deine nicksnutzige Kids gestohle? Wer die bei Nacht stehle duht, der duht se an den erschte Lämppost drappe. O, ei dont noh, Hot die Selma gesagt, meine Buwe sin noch lang nit die schlimmste un es Hot ere plentie, die sin wohrs. Awwer ich hen e annere Eidie. Wie w'ärsch denn, wann d u nachSchermennie gehn dehtst als mein Rieprisenntatief? Du bist ahlrecht in e Bißnehlein un ich denke, du könnst auch ganz gut die Zeit spehre. Bei Galle, die Eidie is gar nit so schlappig gewese, ich sin so lang wie ich in die Juneitet Stehts sin, nit mehr in die alte Kontrie gewese un wann ich auch keine Rielehschens mehr dort hen. do deht ich doch gleiche. Widder emol den Platz, wo meine Grehtel gestanne Hot, zu sehn. Dat's e Goh, hen ich gesagt, mach alle Pehpersch reddie, bikahs ich mutz doch die Pauer hen zu äckte un in drei Däg sin ich an den Weg. Do is die Selma glicklich gewese un so is der Christ, bikahs se konnte jetzt schön heim stehn un watsche, daß keins gestohle werd un dieselwe Zeit hen fe ihr Prappertie in die alte Kontrie nit verlöre. Ich hen gesagt, off Kohrs müßte se for den Tripp bezahle. bikahs ich wollt doch den Risk, mei Lcwe zu verliere, nit nemme un noch bieseids die Eckspenzes bezahle. Do Hot die Selma e langes Fehs gemacht. Hot e wenig nachgedcnkt un dann sag! se: Well, Meik, du wcrscht schon die Sach riesennebbel mache un dann duhst du doch auch for dei Bohrd bezahle, wann du fort bist, duhste nit? Noch nit en verdollte Pennie bezahl ich dich; du sollst eschehmt sein, mich auch noch für Bohrd zu frage, wann ich gar keins nemme un wann ich dich e großes Fehwer duhn. Ich denke, fe Hot genohtist, daß se mich mähd gemacht Hot, bikahs se Hot gesagt, ich deht awwer auch gar kein Spaß verstehn, se hätt mich doch nur gefühlt. Well, do is also alles abaemacht gewese; ich sin zu den Mister Mehr gange un hen den for e Feckehschen gefragt; off Kohrs hen ich se gekriegt un dann hen ich mein Stoff gepackt un hen mich e Schiffs - Ticket gekauft. Wie ich das Ticket gehabt hen, do is mich ebbes ei.-.gefalle, wo ich noch gar nit dran gedenkt gehabt hen. Wisse Se, wie ich aus die alte Kontrie fort sin, do hätt ich eigentlich gar nit fort gehn solle. Ich sin nämlich zu die Soldate gezoge worde un wie ich das ausgefunne hen, do hen ich mich aus den Staub gemacht. Ich sin schuhr, daß mich die Ahtorrithees Trubel mache dehte, wann ich reduhr komme deht. awwer dazu hen ich auch keine Lust gehabt. Ich hen auch jetzt nit mehr ausbacke tonne un do hen ich zu mich gedenkt, was die Krenk, hen ich gedenkt, du brauchst ja nit in den Part von Schermennie zu gehn, wo se dich kenne un dann noch e anneres Ding, ich gucke ja auch jetzt ganz different von den wie ich früher geguckt hen. Awwer das Ding Hot mich doch e wenig getrudelt. Ennihau, hen ich gedenkt, is es besser, wann ich hier gar niemand etwas von sage, wohin ich gehn, bikahs es Hot doch immer Fellersch, wo's in hen for einem un wann so en Ku?ne her deht gehn un deht an die deitsche Regierung schreiwe, daß ich komme deht, dann wär meine Guhs gekocht. Ich sin gleich noch emol zu den Mister Mehr un hen ihn gefragt, er sollt keinem Minsche ebbes von sage un das nämliche hen ich die Selma un den Christ gesagt. Damit hen ich alles gedahn, was. ich hen
duhn könne un ich n jetzt ganz beruhigt gewese. Der Christ Hot mich noch alle mögliche Leut genennt, wo ich seine Riegahrds gewwe sollt, awwer ich hen zu ihn gesagt, wann er das for so arig impohrtent halten deht, dann sollt er selbst aehn. ich könnt mich mit so Sache nit battere un die Leut in die alte Kontrie dehte auch verdollt wenig drum qewwe, ob sie seine Riegahrds hätte odder nit. Well, Mister Edithor, ich wer'n dazu tende, daß Sie meine Briefe rehgeller kriege un wann ich's mennetsche kann, dann schreib ich Jhne noch emol von Neijork aus. Zwische Jhne un mich, macht mich jetzt schon der Tripp arig nörweß. awwer ich sage Niemand ebbes davon. Ich fühle auch schon ebbes in meinStommeck, als wann ich siesick wer'n deht Well, jetzt hen ick emol A gesagt, un jetzt sag ich auch Zeit. Mit allerhand Riegards Juhrs Trulie, Meik Habersack, Eskweier un Scheriff von Apple Jack Holie Terrer Kauntie.
Deutsche Schauspieler in Rußland. Ich kann nur constatiren, so erzählt Ludwig Barnay in seinen Erinnerungen", daß ich trotz der überaus glücklichen, von schönsten Erfolgen begleiteten Zeiten, die ich in Rußland verleben durfte, immer erleichtert aufathmete, wenn ich heimreisend die deutschen Grenzorte wieder erreicht hatte und der Eisenbahnzug wieder über deutschen Boden dahinrollte." Bei Barnays erstem Gastspiel am Kaiserlichen Hoftheater in Petersburg (1882) wurde am letzten Gastspielabend zu seinem Benefiz Kean" gegeben. Am Schlüsse dieser Kean"-Vor-stellung ereignete sich etwas recht Befremdliches, worüber der Künstler berichtet: Ich war bereits wieder umgekleidet und im Begriff, die Bühne zu verlassen, als mir ein Beamter des Hoftheaters in dringender Angelegenheit" gemeldet wurde. Dieser Herr trat nun in voller Uniform bei mir ein und fragte, ob ich im dritten Akte des Kean" eine Flasche Champagner auf der Bühne verbraucht hätte. Als ich dies bejahte, forderte er mich auf, den Betrag für diese mit sieben Rubel sofort zu entrichten. Meine Einwendung, daß der Champagner ein nothwendiges Requisit der Vorstellung geWesen sei, wurde nicht beachtet, vielmehr erklärte mir der Beamte, daß ich das Theater nickt verlassen dürfe, bevor nicht diese sieben Rubel erlegt wären. . . Diese außerordentliche Promptheit in Geldsachen flößte mir immerhin einen gewissen Respekt ein, denn ich war genöthigt, einen der Collegen zu bitten. die sieben Rubel für mich auszulegen, damit ich das Kaiserliche Hoftheater unbehelligt verlassen könne. Diese Gewissenhaftigkeit berechtigte mich zu der Annahme, daß man an diesem Kaiserlichen Institute dieselbe glatte Abwicklung auch beim Auszahlen üben würde, deren man sich beim Einkassiren befleißigt hatte. Weit gefehlt. Als felbst am vierten Tage nach dem Schluß des Gastspiels der sehnlich erwartete Kasscnbote nicht in meinem Hotel erschienen war, um das an sieben Gastspielabenden verdiente Honorar von 2558 Rubel und 10 Kopeken zu überbringen, und als es mich nach Hause zog, da erlaubte ich mir mein Honorar mündlich und, als das nichts half, auch schriftlich zu reklamiren. Vergebens. Man bestellte meinen Boten von einem Tag auf den anderen. und der Theaterdiener versuchte endlich, mich mit der Versicherung zu beruhigen, Fräulein Kathi Frank habe schon vor mehreren Monaten hier gastirt, und auch sie habe ihr Honorar noch nicht erhalten; das hätte aber gar nichts zu sagen, ich möchte nur ruhig abreisen, es würde schon später zugeschickt werden. Da mir diese Aussicht wenig verlockend erschien, so wandte ich mich an meinen lieben, alten Freund und Collegen Alexander Fichtmann, einen wackeren Veteranen des Petersburger Deutschen Hoftheaters, um Rath. F. aber sagte ganz trocken: Versprich dem Theaterdiener zehn Rubel Extrahonorar, sonst kriegst du's nicht. So that ich dann, und das half. Tags darauf konnte ich endlich mit meinem Honorar in der Tasche abreisen." Ueber die gegenüber den deutschen Künstlern vom Grafen Scheremetiew geübte Gastfreundschaft erzählt Barnay u. a.: Nach dem Essen führte mich der Graf in sein stimmungsvoll ausgestattetes Faustgimmer"; der künstlich verdunkelte Raum war in streng altdeutschem Stile gehalten, auf einem mächtiaen Herde brodelte ein kupferner Kessel, aus welchem heiße Dämpfe aufstiegen, ein mächtiger Globus war von innen beleuchtet, und von der Decke hingen Fledermäuse, Uhus, Drachen, Krokodile und andere Thiere, deren Augen feurige Blitze wanen. Endlich ersuchte mich der Hausherr, an Fausts Schreibtisch Platz zu nehmen, und ich erschrak nicht wenig, als ich in demselben Augenblick, offenbar auf die Berührung einer heimlichen Feder, mitsammt meinem Stuhle in die Tiefe versank. Hier aber empfing mich Chorgesang in dem mit elektrischem Licht glänzend beleuchteten Weinkeller, in welchem die Gefellschaft bereits fröhlich beisammen saß. . . Hier endete dann der seltene Abend erst, als die Morgensonne durch die Scheiben lugte.
I n M a 1 1 n o to in P 0 1 e n erstickte in einem Brunnen der Brunnenmacher Gesche. Der Mann hatte sich in den Brunnen hinabgelassen, um einen besinnungslos gewordenen Arbeiter zu retten, sich aber nicht an dem Tau festgebunden. Als die Leute das Tau wieder in die Höhe zogen, hing nur der Arbeiter am Tau, nicht aber sein Retter. Ein zweiter Arbeiter, der unter eigener Lebensgefahr in den Brunnen hinabgelassen wurde, mußte schnell wieder hochgezogen werden, bevor er den Brunnenmacher hatte anbinden können. Erst nach ftundenlanger schwerer Arbeit wurde Gesche todt an die Oberfläche befördert. Einer der Wunderbaut e n der Welt schreitet jetzt im Herzen Afrikas der Vollendung entgegen. Es ist die Eisenbahnbrücke, die einige hundert Meter unterhalb der Viktoriafälle den mächtigen Sambesistrom überspannen wird. Die Brücke erhebt sich 400 Fuß über dem Flußspiegel - und wird einen einzigen Riesenbogen bilden. Jetzt werden durch die Schwebebahn die Baumaterialien, die mit der Bahn an das rechte Ufer geschafft wurden, auf das linke Ufer gebracht. Unter den Passagieren, die diese Bahn befördert hat, der sich anzuvertrauen kein geringer Muth gehört, befanden sich die Prinzessin Viktoria vonSchleswig - Holstein und Lord und Lady Roberts. Die Ueberfahrt währt etwa vier Minuten. Gegen 50 C e n t n e r Bernstein, der einen Werth von mehreren Tausend Mark hat, sind seit Mitte Februar in der Danziger Bucht gefunden worden. Namentlich der Sturm am 17. Februar hatte verschiedene große und größere Stücke aus der Tiefe des Meeres an's Land geworfen. In Bohnsack fand man zwischen Algen und anderen Seegewächsen ein Stück, das über ein Pfund schwer war. In den kleinen Fischerdörfern Vöglers und Narmeln wurden ebenfalls große Funde gemacht. Fast alle Bewohner. Männlein, Weiblein und Kinder, suchten nach dem kostbaren Ostseegold. N-ach dem Schaden, den die Stürme diesen Winter der Fischerbevölkerung zugefügt haben, ist ihnen dieser Bernsteinsegen doppelt zu gönnen. AlskürzlichinSmyrna eine griechische Ehefrau wegen böswilligen Verlassens ihres Gatten vor dem geistlichen Gericht die Scheidung nachsuchte, erschien plötzlich eine ihrer Töchter aus erster Ehe, welche freimüthig unter Eid zu Gunsten des Beklagten aussagte. Die darüber empörte Mutter beschuldigte sie daraufhin der Lüge und eines verbrecherischen Verhältnisses mit ihrem Mann. Zuerst sprachlos über diese ungeheuerliche Anschuldigung, griff das unglückliche Mädchen plötzlich zum Kruzifix und rief Gott und den Heiland an, diese böswillige Lüge auf der Stelle zu bestrafen. Wahrscheinlich aus Schreck über diese Beschwörung sank die Mutter, von einem Schlaganfall niedergeworfen, todt zusammen. Der Schwurgerichtssaal in Amiens in Frankreich war kürzlich der Schauplatz wüster Austritte. Die aus zwanzig Köpfen bestehende Einbrecherbande Jakob, die schon vorher durch direkte mündliche Drohungen und von Freunden geschriebene Briefe die Geschworenen einzuschüchtern versucht hatte, nahm eine Bemerkung des Präsidenten als Anlaß, um den Gerichtshof auf's schmachvollste zu beschimpfen. Das Publikum nahm für und wider die Angeklagten Partei. Zehn Angeklagte wurden während der Verhandlungsdauer aus dem Saale entfernt. Die Advokaten richteten eine Protestdepej'che an den Justizminister. In der Stadt herrschte große Aufregung wegen der von den Angeklagten angedrohten Racheakte. In Plauen im Voigt land hat der 45 Jahre alte Zauberkünstler undMagnetiseur Böning seine langjährige Geschäftsgefährtin, die unverehelichte Clara Dübel erschossen und sich dann selbst den Tod gegeben. Die Vorgeschichte dieser aufsehenerregenden That ist kurz folgende: Böning, der verheirathet und Vater zweier Töchter war, zog seit 15 Iahren in ganz Sachsen von Ort zu Ort, um seine Künste als Bauchredner, Magnetiseur und Hypnotiseur zu produziren. Auf diesen Kunstreisen wurde er stets von Fräulein Dübel, die trotz ihrer 35 Jahre eine recht ansehnliche, schöne Erscheinung war, begleitei; sie prangte als aufschwebende Jungfrau Magnet" auf dem Programm und war wohl die Hauptattraktion des Zauberkünstlers Böning. Geschäftsinteresse und gegenseitige Neigung verbanden die beiden, die länger als ein Jahrzehnt unzertrennlich blieben. Da beschloß Frl. Dübel vor einigen Wochen, das unstäte Nomadenleben aufzugeben, sie sagte der Künstlerlaufbahn Valet und zog als Wirthschaften zu einem Werkmeister nach Plauen. Böning konnte die Trennung nicht überwinden. Ganz unerwartet erschien er kürzlich in der Wohnung seiner ehemaligen Gefährtin und bat sie flehentlich, wieder zu ihm zurückzukehren. Aber selbst die Thränen des Zauberkünstlers versagten ihre Wirkung, und so erfolgte die Katastrophe. Die Leichen des erschossenen Paares wurden von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und nach der Halle des städtischen Friehofs in N lauen aebracbt.
VoneinemPferde zerquetscht wurde in Hoboten Nicolo Nabolip, ein Straßenreiniger. Als derselbe an der städtischen Abladestelle eine Ladung Abfälle abladen wollte und, um den Wagen in die richtige Stellung zu bringen, zog das Pferd mit den Zügeln zurück, glitt aus und stürzte zu Boden. Nabolip, der neben dem Pferde stand, gerieth unter dasselbe Und wurde so schlimm gequetscht, daß er auf dem Wege nach dem St. Mary's Hospital starb. Beim Abtragen der Ziegelmauern der alten County Jail unter dem Courthaus von Chaska. Minn., wo ein Kohlenbehälter eingerichtet werden soll, machten die Arbeiter einen seltsamen Fund: sechs Diamantringe, eine goldene Uhr und em Perlenhalsband, die in einem Versteck der Mauer lagen. Wie die Juwelen dahin kamen, ist ein Geheimniß. Im Jahre 1878 saß James Pulasky in der Jail, er entkam aber im September desselben Jahres und man hat nie wieder von ihm gehört, der als ein notorischerEinbreche? galt; es ist die Ansicht, daß diefer die geraubten Juwelen dort versteckte. Ein Juwelier schätzt den Werth derselben auf $1160. Ein 13j ähriger Junge in Groß - New Iork Names George Orange machte kürzlich während der Schulzeit auf seine Lehrerin Frl. Mary Buckley in der öffentlichen Schule No. 19 einen schweren körperlichen Angriff. Er war in der Klasse zufsässig und die Lehrerin verwies ihn vergebens zur Ruhe. Als sie ihn aufforderte, die Klasse zu verlassen und sich beim Oberlehrer zu melden, packte er sie am Halse und würgte sie, bis er von anderen Knaben weggerissen wurde. Er ergriff die Flucht, wurde aber am nächsten Tage von einem Beamten der Kinderschutzgesellschaft verhaftet. Der Knabe stellte im Gericht die Anklage in Abrede und seine Mutter schilderte ihn als einen Mustersohn. Aber die Aussagen der Lehrerin wurden von mehreren Zeugen bestätigt und der Knabe ward im Kindergericht zu einer Strafe von $5 verurtheilt, die von den Eltern erlegt wurde. In Jefferson, Wis., ist der unter dem Namen Diamantenkönig" bekannte Sam Wescott gestorben. Er war lange Jahre Briefträger des County - Asyls und litt namentlich an der Schwäche, daß er jeden besonders glänzenden Kieselstein für einen Diamanten hielt. Er schrieb sogar einmal einen Brief an die Königin Viktoria von England und bot ihr mehrere besagter Steine gegen hohe Summen zum Kauf an. Verschiedenen Bankiers und anderen wohlhabenden Bürgern Jeffersons machte er wahre Riesenexemplare seiner Diamanten" zum Geschenk und führte ein Verzeichnis über dieselben. Es sind in der letzteren Zeit verschiedene alte Einwohner Jeffersons gestorben, darunter Philipp Meister, 78 Jahre alt; Frau Wilhelmine Düsterhoeft, 75 Jahre alt; Frau Katherine Schweinler, gleichfalls aus Jefferson, starb in Fond du Lac, wo sie sich besuchsweise aufgehalten hatte. Ueber einen riesigen Eisenerz - Tranzport wird aus Duluth, Minn., berichtet: Während der letzten Woche im März sind viele Contrakte für den Transport von Eisenerz aus den Lake Superior - Häfen über die See'n abgeschlossen worden; die Gesammtverschiffung wird auf die gewaltige Quantität von über 25 Millionen Tonnen berechnet. Davon kommen allein auf die United Steel Corporation" (Stahltrust) 15U Millionen Tonnen, die auf ihrer eigenen Flotte und gechartetcrten Frachtdampfern transportirt werden. Die Frachtraten sind etwas höher wie voriges Jahr, besonders für Kohlen als Rückfahrt von Lake Erie. Die von unabhängigen Minengesellschaften abgeschlossenen Contrakte erreichen nahzu 12 Millionen Tonnen und die Verschiffung wird bei den günstigen Witterungsverhältnissen dieses Frühjahr bis spätestens den 15. April beginnen. Ein tragischer Unfall hat sich in Jersey City ereignet, dessen Opfer ein deutsches Ehepaar, Herr und Frau Henry Weiß, beide 43 Jahre alt, von No. 23 Delaware Ave., sind, sowie ihr 7jähriger Neffe, Harold Goffang, der im Hause des Onkels wohnte. Erbarmungslos raffte sie das Schicksal dahin, wenige Tage vor der geplanten Reise nach Deutschland, wo Frau Weiß eine größere Erbschaft antreten sollte. Froh in dem Bewußtsein des unerwarteten Glücks waren sie zu Bett gegangen, um nicht mehr zu erwachen. Das in Delaware Ave. gelegene Haus wurde von der Familie Weiß allein bewohnt. Neulich Morgens wollte die Nachbarin, Frau Frances Anderson, Erlaubniß haben, den Hirterhof der Weiß'schen Wohnung zu betreten. Sie schickte ihr kleines Töchterchen zu den Nachbarn. Dieselben konnten aber nicht geweckt werden. Als man nun eine Leiter an's Fenster stellte, entdeckte man einen auffallend starken Gasgeruch. Weiß wurde auf dem Boden eines Zimmers gefunden, Frau Weiß im Bett, ebenso wie der Knabe. Weiß hatte augenscheinlich das Bett verlassen, um ein Fenster zu öffnen. Eine Untersuchung ergab, daß der Gummischlauch, der von einem Gasofen zur Leitung führte, sich von letzterer getrennt hatte und daß infolgedessen das GaS ausgeströmt war. Weiß hatte augenscheinlich die Entdeckung, daß das Gas ausströme, zu spät gemacht.
