Indiana Tribüne, Volume 28, Number 195, Indianapolis, Marion County, 10 April 1905 — Page 7

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cucrblumcn f Ö 0 O o Vornan von Adolf Wilbrandt o o o cy oo. o . o O O Oi e (Fortsetzung.) Huqo zuckte die Achseln. Im Buck steht es so!" Tas Auch hatte recht: als sie näher kamen, stiegen an der Fahrstraße, etwa hundert Schritte vor der Kirchengruppe, mehrere Häuser auf, zierlich klein, in einer Art von Alpenstil, unten Stein, oben H?lz, mit Balkönen, Borbauen, Verandas; alle Holzbekleidung nicht bunt, aber kräftig und heiter gefärbt. Tie drei Reisenden hatten ein Hotel" erwartet, einen modernen, unheimlichen Riesenbau, und sahen eine reizende Häusergruppe, denn noch ein drittes, schlichteres stand tiefer am Abhang, durch kleine Gartenterrassen uno Treppchen von den oberen getrennt. Zwischen dem ersten und dem zweiten Haus plätscherte, sehr überraschend in dieser Hockgebirgswelt, ein Springbrunnen, in den Garten hineingestellt; von oben, vom Berq. stürzte der Bach herunter, der offenbar diesen Springquell speiste. Der Wagen hielt und sie stiegen aus. Rupertihaus" stcmd über der Thür des ersten und schönsten Hauses; ein Tienstmädchen. das sie begrüßte, führte sie eine hölzerne Treppe hinauf. Geweihe hingen über den Thüren; schöne eiserne Zieraten fielen in die Augen. Es war, als seien sie aus Versehen in eine Villa gekommen, in der sie nichts zu suchen hätten; Minna, etwas außer Fassung, flüsterte das Antonien zu. So waren auch die Zimmer, in die sie nun kamen: schöngefärbtes Holzaetäfel, texzende Unregelmäßigkeiten, Vorsprüng? und Vertiefungen, hier und da altertbümliche Oefen; aus allen Fenstern schöne Blicke. Auf einen großen Balton tretend sahen sie die Kirche, nun nahe, in ihrem eigenthümlichen schlanken Liebreiz den hoben Tburm neben das schmale gothische Schiff gestellt, und hoch darüber die Gewaltigen" mit dem schneeigen Gipfel des Grohglockners. Frau Minna lachte vor Vergnügen und Verwunderung auf; sie vergaß, daß sie den pommerschen Gutsbesitzer noch schonen wollte. Es es ist doch richtig?" sagte sie dann zu dem Mädchen, das sie führte, in halb verlegener Heiterkeit. Dies ist ein Hotel?" Ja freilich," antwortete das Mädchen, nun auch erstaunt. Das Rupertibaus." Na. dann ist's ja gut! Dann ist für Ihr Album gesorgt, Fräulein Antonie; hier werden Sie wieder das Zeichnen kriegen. Fräulein Oberkellnerin. geben Sie uns drei Zimmer, die schönsten, die Sie haben; und sobald zu Abend gegessen wird, denken Sie an uns. lassen Sie uns rufen!" Tie hat nch Uver mein CQiaiai geschwind getröstet, dachte Hugo, als er allein in feinem Zimmer stand es sah thalhinab und seinen kleinen, enggefüllten Koffer auszupacken begann. Ach, wenn nur diese alberne Verliebt, heit nicht wäre die ungefähr so viel Verstand hat wie ein betrunkener Mensch. Sonst müßt' ick ja eigentlich eine ganz entschiedene Ahnung davon haben, daß es besser ist, sie nimmt mich nickt: daß ich mich doch geirrt und verrannt hatte . . . Eine Ahnung hab' ich auch. Tie ein Herz? Ein lebenslang liches sicher nicht. Aber die gottverlas sene Verliebtheit, die Betrunkenheit Wenn ich ihre Stimme höre, und wenn mtt grauen, unergründlichen Augen Ach was!" rief er grimmig aus, seine Wäsche aus dem Koffer reißend und auf's Sofa streuend. Du sollst Dich wundern wundern sollst Du Dich, Minna Weintraut, geborene Ebert, wie ich nun die andre suchen werd', die .richtige Fnu Hoffmann.' Diesen Abend noch sang' ich an; jawohl, diesen Abend. Beim Nachtessen Wer grade da ist. In die erste Beste werd' ich mich verlieben!" Ungefähr in diefem Sinn, wenn auch nicht ganz so grimmig entschlossen, ging er denn auch die Treppe hinunter, als eme Glocke geläutet und obendrem das kleine Zimmermädchen zum Nachtmahl gerufen hatte. Die Bewohner der drei Häuser freisten alle im zweiten, jenseits des Springbrunnens. Hinter seinen Damen her, die ihn an ihrer Treppe erwarteten, trat er in das kleine Haus und in einen Speisesaal, der ihn wieder überraschte. Wreder nichts vom Hotel, nur Villa: die reizende Holz täfelung, die zierliche Kredenz, die kunstreiche, bemalte Standuhr, die far bigen und glänzenden Schüsseln, Scha len, Krüge oben an den Wänden. Neben einer gemüthlichen Treppe, die von den Gastzimmern her in den Saal htnemführte, vertiefte sich ein großer Erker. eigentlich ein kleines Gemach, in dem es gar heimlich und behaglich aussah und Zeitungen und Bücher emen Tisch be deckten. Zuletzt ging der Saal (wenn man den Raum so nennen wollte) in eine Glasveranda über, die sich an der ganzen Rückseite des Hauses hinzog, mit freiem Blick in die Landschaft. Auch dort brannten die Lampen, und an klei neren Tischchen hatten sich essende und trinkende Gaste angesiedelt. Hier ist's gut sein, scheint mir! sagte Minna leise. Sie warf ihrem langen Germanen einen kindlich herzlichen Blick zu, der wohl sagen sollte: jh nur, wie wir hier eingeladen werden, da? Leben zu genießen; also genießen wir's, machen wir's uns nicht

schwer!" Dann ließ sie sich am langen

Tisch an der Fensterseite weder, zwi schen Hugo und Antonie. Sie hatte sich für die Welt" geschmückt, aber nicht zu sehr; mit ihrer sanften Fülle sah sie doch wieder fast mädchenhaft und leide? recht berückend aus. Dem armen Gutsbesitze? vergingen feine Gedanken an die erste Beste. lr iah woyl ewige Augenblicke umher, was für Augentrost da sein möchte; aber weder die Damen. die schon dasaßen, noch die, welche eben kamen, erschienen verliebenswertb. Minna Weintraut, geborene Ebert. ließ sich noch nicht spotten. Hugo griff endlich zu meinem alten Landmannsmittel, zu Messer und Gabel, und warf sich auf's Essen. Er war im Begriff, sich mit einem ihm noch fremden österreichischen Gericht anzufreunden, als die Thür über der hübschen Treppe ihm gegenüber aufging und ein Paar erschien, das er aufmerksamer betrachtete. Eine schlanke junge Dame, nicht groß, aber von angenehmem Wuchs, mit frischen, fröhlichen Augen, stieg behend herunter; was langsamer folgte der junge Mann, eine auffallende, schöne Erscheinung, die in Hugo doch sofort einen unklaren Widerspruch erregte. Die gleichfalls fchlar.Ze Gestalt war in einen dunklen, leichten Sommeranzug, aber mit fast gesuchter Eleganz gekleidet; sogar der schnitt der leuchtenden Manscheiten fiel iu's Auge, die feinen Perlmuttcrknöpfe daran und die Ringe mit farbigen Edelsteinen an den weißen Händen. Das Gesicht war etwas gebräunt, aber doch bleich; es hatte so aristokratische Formen und so schönes. seidiges, übrigens schlichtes braunes Haar, daß der Widerspruch in Hugo fast verflog. Es nahm sich aus, als sei die Treppe, der Erker, die Standuhr, alles für diesen Gast gemacht. Der junge Mann trat mit seiner Dame an den langen Tisch, grüßte mit einer leichten Verbeugung und nahm den drei Norddeutschen gegenüber Platz. Ich glaube, Sie sind erst diesen Abend gekommen." sagte er nach einer Werle zu Hugo, nachdem er ihn mit einem eigenthümlich verschleierten und doch durchdringenden Blick gemustert hatte. Ja. vor ein paar Stunden," antwortete Hugo. Und wir sind ganz erstaunt!" nahm die immer recht gesellige (auch neugierige) Frau Minna das Wort, die sich eben in die Rubinen und Smaragde an des andern Händen und in seine geistreichen braunen Augen vertiefte. Hier am Ende der Welt, dreizehnhundert Meter hoch, so ein Wirthshaus ein Wirthshaus, das aar keins ist!" Da sagen Sie das rechte Wort," erwiderte der andre lächelnd. Gott sei Tank, es ist keins: Das erste dieser Art, in dem ich unterkomme! Wir sind nun schon zwei Tage hier; mir gefällt es so, daß ich mich fast mit dem Hochgebirg aussöhne. Kein Portier, keine Kellner nun, das hat man auch anderswo; aber wo hat man diese geschmackvolle Gemüthlichkeit, dieses ästhetische Zuhausesein? Das ist mir was ?eues. Jedes Stück Möbel, jede Wand ist angenehm anzusehn. Auch die Kellnerinnen thun nicht weh, wenn sie auch keine Grazien sind. Und die Köchin ist ein ganz entschiedenes Talent! Dabei sanfte, milde Preise. Kurz auf der Welt ist ja immer ein , leider' dabei kurz, leider ein UniZum!" Wie kommt denn das hierher?" fragte Minna. Ich höre, das Ganze fing als Villa an; wenigstens das Haupthaus. Dann ist so nach und nach eine Gruppe daraus geworden, ,Hotelpension.' Mehr weiß ich Ihnen auch nicht zu sagen; ich hab' meine Weisheit von der kleineren Kellnerin da, die eben in die Verac huscht." Erlauben Sie." fing jetzt Fräulein Antonie an; sie erröthete, wie es ihr zu ihrem Verdruß oft geschah, wenn sie einen neuen Menschen zum erstenmal ansprach. Dieses Wirthshaus, sag ten Sie vorhin, gefällt Ihnen so, daß es Sie fast mit dem Hochgemrg aussöhnt. Verzeihen Sie das versteh' ich nicht. Aussöhnen ... Ja, lieben Sie denn das Hochgeb.rg nicht? Der Fremde lächelte, noch feiner und liebenswürdiger als vorhin. Dar über spricht sich schlecht; besonders im Hochgebirg. Die Herrschaften reisen ja nicht hierher, weil sie eine Abneigung dagegen haben. Und es klingt alles so anmaßend und so spahverderbend. was man in so 'nem Alpenwirthshaus in der Sache vorbringt. Also denken Sie lie ber, ich hätt' nichts gesagt!" Nein, nein!" rief nun Minna aus, die sich eben in die Leistungen der Köchin vertieft hatte; ihre Lippen und ihre Augen glänzten. So niedrig müssen Sie uns doch nicht stellen, daß Sie unsre Hochaebirgsgefühle schonen wollen. Wir reisen ulxrall herum; und wir bemühen uns, alles zu ver stehn. Schonung wollen wir gar nicht; wir sind nur für Belehrung dankbar Und Sie sehn so aus " Frau Minna hielt inne. Der Blick der schönen Augen gegenüber verwirrte sie etwas. So unerschrocken sie ge wöhnlich war, es schien ihr in diesem Augenblick doch, als ob sie dem wild fremden Herrn etwas zu gemüthlich Schmeichelhaftes sagen wollte. Bitte, wie seh' ich aus?" fragte der Fremde mit seinem entwaffnenden Lächeln. Nun. als könnten Sie einen belehren," antwortete Minna etwas trocken. Also bitte, sagen Sie alles!" Es ist ja alles Gefühl, anädiae

Frau; der eine fühlt so und der andre so. Ich hab' die Ebene lieber als die hohen, einengenden, oft klotzigen und klumpigen Berge; mir ist im Flachland freier, malerischer, künstlerischer zu Muth. Ein stilles Wasser, in dem sich der Himmel und die Wolken spiegeln, ein paar schöne Bäume, 'ne Heerde, 'ne kleine steinerne Brücke, Morgenlicht oder Abendlicht da sind Gegensätze genug.

Werfen Sie noch einen erratischen Block hinein so ein tüchtiges Stuck Granit, fünf, sechs Meter hoch das thut da denselben Dienst wie hier der Großglockner! Sie liegen am Fuß dieses Blocks im Gras, schauen hin, wie die Abendsonne den Fels roth oder goldig macht, und haben ein ganzes Gebirg in der Seele. Dabei liegt aber der ganze Himmel um Sie her und eine Welt von Wollen, bis in die fernste r s . c n Ferne. Nonnen Jlire Älpen oas? Aber ich will sie Ihnen ja nicht verlei-. den; um Gottes willen. Was würd auch auö diesem Rupertihaus. Im Rupertihaus ist's gut!" Er hatte sich weißen Wein in sein Glas gefüllt und trank es aus, wie wenn er auf das gute Wirthshaus tränke. Frau Minna, die' einem so schönen und interessanten Mann gewiß nicht mißfallen wollte, nickte nachdenklich, als stimme sie ihm zu. Hugo legte aber Messer und Gabel nieder; entschuldigen Sie!" nahm er mit einer leisen Ironie das Wort. Wenn ich fragen darf: warum sind Sie dann doch hier, im Gebirg? dreizehnhundert Meter hoch?" Der Fremde sah mit heiterem Achselzucken auf seine Dame; ,ce que femme veut!' (wenn eine Frau etwas will) erwiderte er. Was will man da machen?" Er ist nämlich der beste Bruder," setzte die junge Dame hinzu, die bisher, aus Bescheidenheit oder aus Hunger, sich mehr mit ihrem Teller beschäftigt hatte. Ich bin in dem Punkt so anders als er ich wollte so gern in's Hochgebirg; recht auf Berge klettern. Und der Vernünftigere, wie er sagt, gibt nach. Und so sind wir hier!" In ihrem Lächeln sah man jetzt die Ähnlichkeit der Geschwister, die sich sonst nicht aufdrängte. Sie hatte dunkleres Haar als er und fast auch dunklere Haut, dazu aber bläuliche Augen, die in's Grüne spielten; ein reizender Widerspruch. Sie sah fröhlicher aus als er; schöner war der Bruder. Da Sie nun schon wissen, daß wir Geschwister sind." sagte der Fremde. so will ich uns doch vorstellen. Werner und Christine Rmghof. Aus Hessen, am Mittelrhein." Minna nannte ihren und ihrer beiden Begleiter Namen. Hugo neigte sich vor: Wenn Sie mehr die Ebene lieben, dann würd' es Ihnen wohl bei uns gefallen. HinterPommern man spricht sonst nicht mit großer Achtung von Hinterpommern aber ich kann Sie versichern, das Land hat seine Reize! Da sind unzählige solche Wasser, wie Sie sie meinen, und" Mag wohl sein." unterbrach ihn Herr Werner Ringhof. Ich glaub's. Da fehlt nur wieder andres." Was denken Sie. daß da fehlt? Die Gegend, in der wir wohnen, weiter nach Osten, die ist fast romantisch. Mein Gut hat leider nicht viel davon, das der Frau Weintraut sckon mehr; aber wenn Sie zum Beispiel zu ihrer Schwester kämen! Da ist Berg und See und Wald, alles wunderschon." ?kcb alaub's. wertber ztt." saate ferner Ainayot lacyetnv. AVer Sie sind Gutsbesitzer; Landwirth, Nicht wahr. Ich dacht' es. Sie ent schuldigen: ein sehr ehrwürdiger und nützlicher Stand; aber malerisch macht er die Erde nicht. Er baut Weizen, Roggen. Kartoffeln, Rüben; in Hin terpommern nalürlich so gut wie anderswo. Sehn Sie, da nützen mir dann ,Berg und See und Wald' tt der Frais Schwester nicht viel. Rund herum, wohin ich auch käme, würd' ich wieder diese nützlichen Produkte finden: Weizen, Roggen, Rüben und Kartoffeln!" Hugo riß die großen Augen nocl größer auf. So ein Weizenfeld finden Sie also nicht schon?" Ich bin so frei." Nicht schön! Wenn über so ein goldgelbes, hochstehendes Feld ein fri scher Wind geht, und die Sonne scheint drauf" So freuen Sie sich, daß Ihnen da Korn nicht verhagelt oder mißrathen ist, daß Sie 'ne gute Ernte zu erwarten haben, und Sie sagen in Ihrem dank baren Gemüth: wie schön! Ueber Haupt, Ihnen wird alles schön, was gleichsam zu Ihnen gehört, was Ihre Arbeit lohnt, was Ihren Beruf erfreulich macht; das ist ja natürlich. Aber nun denken ee, es kommt ein Land scbaftsmaler; oder ein ein schön-heitshung'-iger Müßiggänger wie ich Ter Landschaftsmaler und ich. wir rjtx stehen nichts von der Landwirthscbaft; uns fehlt daher auch das dankbare Gemüth. Dafür lechz?n w?r nach Malerischem, nach alledem, was wirklich schön ist. Und nun sehen wir landauf. landab Kornfeld hinter Kornfeld; et was Wiese, etwas Wald dann wieder Kornfeld hinter Kornfeld oder Kar toffelkraut. Rübenkraut. Ach. mein werther Herr! Dann zieh' ich noch fast die Gletscher vor, die doch auch nicht die reinste Augenweide sind! Verzeihen Sie," erwiderte Huqo. der sich zu ereifern anfma. das ver steh' ick nicht. Es ist ja Wind und blauer Himmel und Sonne dabei

Gehn Sie einmal an so einem wogenden

Weizenfeld hm" Ja. das thu' ich. werther Herr. Und da bab' ich nur einen Augentrost: die rothen Mohnblumen, die Feuerblumen die im OTsrnpn ftfin 5M?nn nrsi viele" w f - t w y - v -) s , V V V VV I Tie Feuerblumen!" rief Hugo aus. Die sind ja Unkraut!" So sagen Sie, als Landwirth. Mich lächeln sie als eine Aufheiteruno an, wenn ich an dem Weizenfeld hingehe. Mir wird wohler, wenn mir recht diele davon in die Augen leuchten; und me blauen Kornblumen dazwischen, die sind auch nicht Übel. Mit dem gelben Korn zusammen" Sie werden aber doch nicht ganz veroessen. daß das schädliches U n -kraut ist!" Unkraut! Unkraut!" Werner schüttelte seinen schönen Kopf; eine Haarsträhne fiel ihm dabei in die weiße Stirn. Entschuldigen Sie, das klingt so, als hätte der liebe Gott am botanischen Schöpfungstag es war ja woh! der dritte K r a u t und Unkraut gemacht. Er schuf ja aber doch nicht blos für die Gutsbesitzer. Ihnen sind die Feuerölumen schädlich,' wie Sie sagen, Sie ernten weniger Korn; m i r machen sie dagegen Vergnügen, mir verschönern sie die schnöde Welt. Ueberhaupt wenn Sie erlauben ich hab' eine Schwäche für die Feuerblumen; ich meine Feuerblumen in jeder Gestalt. Ich meine alles das, was die nützlichen Leute unnütz oder schädlich nennen, weil es ihnen nicht paßt!" Zum Beispiel?" fragte Hugo, dem angenehm gereizt zu Muth wurde; seine überfüllte und bedrückte Seele sehnte sich nach Entladung. Nun, zum Beispiel aber wir brauchend ja nicht in der Natur zu suchen. Zum Beispiel die menschlichen Feuerblumen; die sogenannten Müßiggänaer, die Ueberflüfsigen, die nicht Nützlichen die dafür was andres sind. Die Feinfchmecker, die mehr im Schönen leben, die Aesthetischen oder wie Sie diese Menschenklasse nennen wollen. Ich kann nicht leugnen, für die hab' ich ein Herz!" Ich nicht," warf Hugo möglichst gelassen hin. Sie nicht?" Nein. Warum? Die sind doch aucb ,Die Ueberflüfsigen' haben Sie selbst gesagt. Na, das ist doch schlimm genug, wenn man überslüssia ist." Vielleicht hab' ich's nicht so schlimm gemeint," sagte Werner lächelnd. Vielleicht glaub' ich eher an's Gegentheil." Verzeihen Sie: das versteh' ich nun wieder nicht! Sie sagten auch: Müßiggänger; damit ist doch eigentlich alles gesagt. Ich versteh' nicht, wie man sein Leben lang müßig gehn und sich dabei für einen richtigen Menschen halten kcrTin. Für m i ch sind diese Leute " Hugo hielt nun doch inne. Er sah. wie das aristokratische Gesicht da drüben sich röthete, und seine Gutmüthigkeit regte sich. Was sind diese Leute?" fragte Werner ruhig, aber indem ihm ein hochmüthiges Lächeln um die Lippen flog. Hugo versuchte auch zu lächeln; es kam aber nicht so frei heraus. Ich spreche nur als pommerscher Gutsbesitzer. Für so einen Hinterwäldler sind sie auch ein Unkraut!" Aber! Aber!" rief Minna aus. Lassen Sie ihn nur, gnädige Frau," entge,?nete Werner, der eme seiner feingeformten Hände etwas kokett in der Luft bewegte. Herr Hoffmann ist nur konsequent: was nicht nützt, nimmt den Platz weg, also ist es Unkraut! ob Mensch oder Blume! Ich hab' aber den Verdacht, daß all diese Feuerblumen, in Pflanzen- oder Menschengestalt, mit' großer Absicht geschaffen sind" In welcher Absicht?" warf Hugo dazwischen. Um die Welt nicht trostlos langweilig zu machen; das ist meine Meinung! Es ist ja etwas Herrliches um die nützlichen Geschöpfe, sowohl um Weizen und Hafer, als um die Weizen- und Hafermenschen, damit ich das Wort einmal gleichnißweise gebrauche; aber sehr unterhaltend sind sie in der Regel nicht! Es fehlt ihnen das ja, wie soll ich sagen es fehlt ihnen das impertinent leuchtende Roth, das lasterhaft fidele; es fehlt ihnen dieser gewisse sorgenlose Reiz, dieses erfrischende Parfüm der schönen Ueberflüssigkeit. dieses luftig geistig Leichte ja, wie beschreibt man das. Nehmen Sie aus dem Acker die Feuerblumen und aus der Gesellschaft die .liebenswürdigen Schwerenöther.' die reizenden unbeschäftigten Frauen, die geistreichen Nichtsthuer weg. und die Welt wird um Gähnen nützlich!" (Fortsetzung folgt.) Ein Unschuldswurm. Gefängniß-Geistlicher: ..Nün. w.arum haben Sie die sechs Jahre Zuchthaus bekommen?" Sträfling: Weil ick mir von een 100 Mark ausjeliehen habe." Geistlicher: Unsinn, deswegen kann man dnch niemand bestraf-" " Sträfling: Ja. er wollte sie närn lich nich jutwillig jeden, und da hab' ick ihm erst een Loch in den Schäre! hauen müssen." Bekannter: Wie kommen Sie denn dazu, ein so umfangreiches Werk über Mitteldeutschland zu schreiben?" P r o f e s s o r : Ach. ich wollte meiner Frau eine kleine Rundreise zusammenstellen, und da ist es eben das daraus aeworden!"

Zrau Holmes Gatte; Von Jshn Walfon. ..Bettn, erlaube, daß ich dir Mr.

Holmes vorstelle. Mr. Holmes, Miß Brewster." Betty verbeugte sich äußerst steif. Es ist wirklick nicht schön von NelIn! ?lch war so verqnüqt bis jetzt. Und Nelly versprach mir doch, mir einen der amüsantesten Tischnachbarn auszuwählen!" So grollte Betty, und. aus ihrer Stirne zeigten sich einige kleine Fältchen. Daran zu denken, von diesem Menschen während des ganzen Diners aelanaweut zu werden! 2me ärgerlich! Betty betrachtete einen kurzen Augenblick ihren Caoalier. Ihre feinen Lippen kräuselten sich dabei verächtlich: Frau Holmes Gatte! Naturlich. er ist eine Null. Die Manner o berühmter Frauen sind das meistens. Nun. ich will mich dafür an Nelly schadlos halten." reflektirte das junge Mädchen weiter, was denkt sie denn eigentlich? Glaubt sie vielleicht gar. daß ich mn meinen fünfundzwanzig schon vasse bin? Lächerlich! bitte. sagten Sie etwas?" fragte sie ihren Tischnachbar, ohne ihre Aug:n von dem Teller zu erheben. JM fraate nur" es klang so. als ob er es kaum wagte, seine Stimme zu erheben welches Ihre Lieblingsfärbe wäre?" Betty aß schweigend weiter. Sie ärgerte sich aber, daß sie eben aus Untnuth errathet war. Speisen Sie immer so schweigsam. Miß Brewster?" unterbrach er nach einer Weile ihre Gedanken. Ich bewundere Ihre Frau." entgegnete sie, äußerst ruhig über eine Sardiniere hinweg nach ihrem Gegenüber, einer schönen, blonden Frau blickend, durch die sowohl der Tischnachbar zur Rechten, als auch der zur Linken, ganz in Anspruch genommen waren. Ich habe dieser Tage ihr letztes Werk zu Ende gelesen. Es ist großartig." Wahrhaftig?" sagte Mr. Holmes nachlässig. Nun. etwa nicht?" Ah. er will, daß ich das Loblied seiner Frau singe, was sollte denn diesen Mann sonst intcressiren? Ich habe es nicht gelesen," erwiderte Mr. Holmes ruhig. Erinnern Sie sich. Miß Brewster." fuhr er rasch fort, als ob es ihm äußerst wichtig wäre, das Thema zu wechseln, als wir uns das letzte Mal trafen, hatten Wir einen fürchterlichen Streit? Sie waren ein kleines Mädchen und trugen noch kurze Kleider. Ich schrieb ein Gedicht und widmete es Ihnen " Betty richtete sich mit einem Ruck auf und sah ihren Tischnachbar voll an. Sie Sie ", unsicher schlug sie die Augen zu ihm auf. Sie sind doch nicht Jock?!" Ja, ich bin Jock, oder vielmehr ich oar es. Dieser Knabenname ist mir entschwunden, wie eine Unmenge anderer, mir liebgewordener Dinge." Aber der Name Holmes " sagte Betty, die sich von ihrem Erstaunen noch immer nicht erholen konnte. Mein Großonkel vermachte mir sein Geld unter der ausdrücklichen Bedingung, daß ich weiterhin seinen Namen trage. Ich." fügte er nachdenklich hinzu, erkannte Sie sofort." Aber denken Sie, die vielen Iahre " entgegnete Betty in entschuldigendem Tone, ganze zehn Jahre. Sie sehen, ich bin indessen alt geworden." Zehn Jahre! So ist es. Erinnern Sie sich unserer herrlichen Segelbootfahrten, der kleinen Ducht und Tantchen Sudys Lunches?" Ob sie sich erinnerte! Es war ihr. als fühlte sie noch den salzigen Wasserstaub auf ihrer Wan?e. und den frischen Wind durch ihr dichtes, verworrenes Haar blasen. Sie sieht die gro ßen. weißen, vom Winde aufgeblase nen Seael: sie sieht den begeisterten Jungen neben sich, der trotz Wind und Wetter tollkühn das Segelboot in die sichere Bucht bringt. War es denn möglich, in diesem weltmüden Manne mit dem nüchternen Blick den ausgelassenen Jungen wiederzuerkennen? Dieser Sommer war der letzte, den ich in Point Maine zugebracht habe." unterbrach Mr. Holmes ihren Gedankengang. Ich war vor zwei oder drei Iahren wieder dort," sagte Betty. Sie unterdrückte aber die sich ihr aufdrängende Bemerkung, daß ihr der Platz ohne ihn nie so schön erschienen war. Merkwürdig, gerade heute erhielt ich eine Einladung, den kommenden Sommer dort zu verbringen. Tante Gwen hat sich dort angekauft. Gehe ich nicht hin, so reise ich nach Europa." Ah was ist das für ein Zusammentreffen!" rief Holmes aus. Bon der früheren Müdig!?it seiner Stimme war nichts mehr zu bemerken. Ich bin ebenfalls von einem Freunde eingeladen worden, den Sommer in Point Maine zu verbringen; bis jetzt erschien mir die Aussicht nicht zu sehr verlockend, nun aber " Ihre Blicke trafen sich. Betty schlug ihre großen, grauen Augen verwirrt nieder. Erzählen Sir mir doch etwas aus Ihrem Leben," sagte sie schnell. Erinnern Sie sich noch, wie Sie mich immer zur Vertrauten Ihrer Pläne machten? Sie hatten deren so viele in nen Taaen." ..Harte ich wirklick einmal Pläne?! Die Stimme des Mannes erklang wieder unsagbar müde. Nun denn, da ciebt es nicht viel zu erzäblen. Den

darauffolgenden Juni verließ ich die Universität, dann wanderte ich ungefähr vier Jahre lang in Europa umber, und dann " ' Trafen Sie Ihre Frau?" fiel Betty ein, sie ist ebenso schön als geistvoll." Ihr Ton verrieth aufrichtige Bewunderung. ,. und dann verheirathete ich mich. Und Sie? Sie würden erstaunt sein, wenn Sie erführen, wie viel ich über Sie weiß. Hören Sie: Also zuerst beendigten Sie die Schule mit Auszeichnung, kluge kleine Betty vo'xt träumend sprach er die letzten Worte vor sich hin, ja, und dann sprachen auch bald die Zeitungen von Ihren künstlerischen Erfolgen. Sie haben sich eine geachtete, soziale Stellung errungen Ja, ich war fast immer glücklich. Aber, sagen Sie, wie kommt es, daß Sie über meine Wenigkeit so gut unterrichtet sind?" Vor langer Zeit," begann er langsam, war einmal ein Knabe, dem seine Phantasie die schönsten und Herrlichsten Bilder vorzauberte. Die Welt erschien ihm wie ein köstlicher Ort, in dem nur Gutes und Edles gethan wird. In einem Sommer ging er mit einigen anderen an die Maine-Küste. Es war eine düstere Gegend oder erschien sie dem Knaben nur so, bis er eine Prinzessin dort erblickte? Sie war nicht von erhabener Schönheit, sie hatte kein außergewöhnliches, langes, goldblondes Haar, wie solche Prinzessinnen in den Märchen es sonst haben. Sie war zart wie eine Elfe, hatte tiefschwarzes Lockenhaar, das immer wild durcheinander fiel, und ihre winzigen Hände waren meist nicht ganz saub:r; aber sie hatte große, graue, herrlich schöne Augen, die nur so in die Welt hineinleuchteten. Man erkannte es auf den ersten Blick, daß diese Augen nie etwas Schlimmes erfahren hatten. Ter Knabe und die Prinzessin wurden 5iameraden. Sie fuhren' Boot zusommen, lasen gemeinschaftlich in i'".cn Büchern, es war der glücklichste Sommer, den der Knabe bis jetzt erlebt hatte." Mr. Holmes seufzte leise auf und fuhr nach einer kleinen Pause fort: Der Knabe mußte wieder auf die Universität zurück, jedoch er vergaß nie der kleinen, zierlichen Prinzessin, und tief in seinem Innersten faßte er den Entschluß, sie, wenn er ein Mann geworden wäre ein unabhängiger Mann , wieder aufzusuchen, um der schönen Vergangenheit eine noch schönere Zukunft folgen zu lassen. Nun denn er führte nur selten seine Entschlüsse aus. Außerdem würde die Prinzessin ihm, dem wenig Begüterten, zweifelsohne geringschätzend den Rücken gekehrt haben. So hieß es, immer warben, ein Jahr nach dem anderen. Das eine fühlte er deutlich: es wäre sein härtester Schicksalsschlag geWesen, wenn sie ihn zurückgewiesen hätte." Es ist unklug und unschön." sagte sie endlich langsam und mit bebender Stimme, jetzt über das Schicksal zu spotten. Der Knabe hätte hoffen dürsen " Oh." sagte der Mann erregt, wenn ich ." Er brach mit kurzem Lachen ab. Es giebt Dinge, die ein Mensch nicht erklären kann," fügte er gedankenvoll hinzu. Der Knabe verlor seine Hoffnung , durch wessen Schuld, durch welche Schicksalstücke." er warf ihr einen Blick zu, wollen wir heute, unerörtert lassen. Die Prinzessin, so scheint es. hat ihren P inzen nie gefunden. Aber zurückversetzt an jenen Ort , sollte dort der Himmel nicht wieder in so herrlichem Blau erstrahlen, wie einst? Es würde mich sehr wundern" feine Stimme klang nun wieder sehr lebhaft und sein Gesicht hatte sich fein gecöthet , wenn die Prinzessin und der Knabe, falls sie im nächsten Sommer wieder zu jenem Orte gingen, ihr Feenland nicht ungestört wiederfänden! Ich glaube sogar, viel schöner als je zuvor, denn beide haben jetzt erst den wahren Werth dieses Feenlandes erkannt." Er keuchte beinahe. Prinzessin, das Reiseziel wird nicht Europa sein??? " Betty wagte nicht zu athmen. Die fröhlichen Stimmen der übrigen Theilnehmer der Tischgesellschaft vernahm sie wie aus weiter Ferne. Den Strauß karminrother Blüthen vor ihr, die prachtvoll gekleideten Damen nahm sie nur in verschwommenen Umrissen wahr. Deutlich sah sie einzig und allein die sie nahezu hypnotisirenden hellblauen Augen ihres Tischnachbarn. Ich frage nun wieder, Miß Betty. ob Sie schon wegen des nächsten Somn eraufenthalts einen festen Entschluß gefaßt haben?" Es war Robert Hale. der rasa) auf Betty zugeeilt kam. Er sah sie mit treuem, kameradschaftlichem Blick fragend an. Als er keine Antwort bekam, sagte er leise spottend: Gestern sollte die Reise nach Pointe Maine, vorgestern nach Europa gehen, und heute? Wahrscheinlich werde ich das nie erfahren." Er lachte jetzt delusiigt auf. da ihm Betty abermals die Antwort schuldig blieb. Im Begriffe, zu gehen, sagte er: Was mich betrifft, bleibt es bei Europa." Und ich gehe bestimmt nach Europa, Robert," antwortete Betty, gezwungen lächelnd; ihre Lippen waren blaß geworden. Im selben Augenblick gab die Hausfrau das Zeichen zum Aufbruch. Nur widerstrebend erhob das Mäden. wie zum Dank, ihre Augen. Tapfere, kleine Betty," flüsterte der

andere weich: Behüt dich Gott, und

glückliche Reise !'

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