Indiana Tribüne, Volume 28, Number 195, Indianapolis, Marion County, 10 April 1905 — Page 6
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Europäische Nachrichten. Provinz Brandenburg. Berlin. Professor Dr. Karl Möbius, der Direktor des zoologischen Museums, vollendete kürzlich seinen 80. Geburtstag. Im Hause Dragonerstraße 37 hat der Tischlergeselle Franz Knoll aus Potsdam seine frühere Geliebte, die 31 Jahre alte eheverlassene, unter sittenpolizeilicher Controlle stehende Arbeiterfrau Jda Arndt durch Messerstiche am Halse so schwer verwundet, daß sie bestnnungslos im Krankenhaus Am FriedrichsHain liegt. Knoll wurde verhaftet. Er giebt an, in der Nothmehr gehandelt zu haben, da die Arndt nach voraufgegangenen Streitigkeiten wegenGeldforderungen ihn thätlich bedroht habe. Mit Blausäure vergiftete sich der 21 Jahre alte Friseurgehilfe Karl Krämer aus der Zimmerstraße 80, der zuletzt in der Könizgrätzerstraße arbeitete und seitdem ohne Stellung war. In einem Cafe in der Friedrichstraße schoß sich ein junger Mann eine Kugzl in den Kopf und wurde schwerverwundet nach der Charitee gebracht. Er gab an, ein 24 Jahre alter Uhrmacher Jakob Binge, Schützenstratze 4. zu sein. Hier kennt man ihn jedoch nicht. Kürzlich waren 40 Jahre verflossen, daß Anton Linken, Königgrätzer Straße 113, seine Dienste in Pflichttreue dem Hause der Familie Halske bezw. der Freifrau von und zu Egloffstein erwiesen hat. Veteran der Feldzüge von 1866 und 187071 erfreut er sich mit seiner Ehefrau Johanna, geb. Siewert, nach 32jähriger Ehe seltener körperlicher Rüstigkeit und Gesundheit. Schwer verunglückt ist die Arbeiterin Schornstein, öderbergstr. 4, in einer elektrischen Fabrik in der Strelitzerstraße. Sie verbrühte sich an beiden Füßen so stark, daß sie mit einem Kopp'schen Krankenwagen nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht werden mußte. Plötzlich gestorben ist der Puppen-Scbulze, der 56 Jahre alte Zauberkünstler und Inhaber eines Puppen - Theaters, Heinrich Schulze aus der Rügenerstraße Ro. 11. Potsdam. Den hiesigen emeritirten Pfarrern Adolf Fischer, bisher zu Droskau im Kreise Sorau, und Adolf Müller, bisher zu Rosenthal im Kreise Soldin, ist der Rothe Adlerorden vierter Klasse verliehen worden. Brandenburg. Infolge Spielens mit Streichhölzern ist die zweijährige Tochter des Arbeiters Große verbrannt. Charlottenburg. Johann Schütz, Uhlandstraße 183 wohnhaft, tvar es vergönnt, sein LZjähriges Jubiläum im Dienste der WerkstättenInspektion Berlin 1 zu feiern. Frankfurt. Vor einiger Zeit ereignete sich in der Weizfrauenstraße bei dem Abbruch des Eckhauses an der Schneidwallgasse ein schwerer Unglücksfall. Der 41jährige Taglöhner Friedrich Auth aus Machtlos, Kreis Fulda, war damit beschäftigt, aus dem Kellergewölbe Steine loszubrechen. Plötzlich ging ein Stein, auf dem Auth stand, los und fiel in die Tiefe.Auth stürzte ebenfalls ab und die Steinmasse fiel auf ihn. Der Aermste erlitt einen schweren Bruch des linken Unterschenkels und Verletzungen am Kopf. Gadow. Der Wirkliche Geh. Rath und Major a. D. Graf Wichard v. Wilamowitz - Möllendorf ist nach kurzer Krankheit im 70. Lebensjahre hier in seinem Schloß gestorben. L e h n i n. In der Schale'schen Ziegelei wurden durch herabstürzende Erdmassen die Arbeiter Friedrich Schulze und Große verschüttet. Dieser tonnte nur als Leiche wieder ausgegraben werden, während Schulze mit einigen Verletzungen davonkam. N e u e n h a g e n. In der Wohnung des Gärtners F. Mühlenhaupt waren der etwa 4jährige Sohn und das ljährige Töchterchen auf kurze Zeit sich selbst überlassen geblieben. An herausgefallenen glühenden Kohlen des Ofens entzündeten sich die Kleider des Mädchens und diefes verbrannte jämmerlich. Als die Mutter zurückkehrte, war das Kind todt. R i r d o r f. Aus Furcht vor Strafe sich hat der 40 Jahre alte Tischler Wilhelm Lukas, Bergstraße 129, das Leben genommen. Der Mann wurde beschuldigt, sich an der Schulfreundin seiner zwölfjährigen Tochter vergangen zu haben. Er erhängte sich in der Wobnung mit einer Zuckerschnur am Kleiderhaken. Templin. Hier, wo er seit J.ib ren sein Heim aufgeschlagen hatte, ist der Musikschriftsteller Robert Eitner verschieden. W a n n s e e. Hier starb der General der Artillerie z. D. Wiebe, nachdem er soeben erst seinen 76. Geburtstag gefeiert hatte. Arcr?nz Hstpreußcn. Königsberg. Die Geschworenen erachteten den Knecht Johann Friedrich Wtttkowsn und den Arbei ter Karl Robert Radtke, welche beschuldigt waren, am 15. November v. Js. zu Dahlheim den Arbeiter Karl Plehn erschlagen zu haben, im Sinne der Anklage für schuldig. Die Sache lag aber insofern milde, als der tädtliche Schlag im gegenseitigen Raufen erfolgt ist. Das hiesige Schwurgericht verurtheilte den Wittkowski zu zwei Jahren und einem Monat Gefängnis.
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Letzterer erhielt die höhere Strafe,wul er auch noch einen anderen Arbeiter mißhandelt hat. B i a l l a. Stadtkämmerer Jeschonneck, der dieser Tage im Alter von 80 Jahren starb, hat 48 Jahre lang der Stadt in Ehren aedient. G u m b i n n e n. Vom Zuge überfahren und getödtet wurde dieser Tage auf dem nahegelegenen Norutschatscher Ueberwege der 83jährige Steinsetzer Scheffler. Der alte Mann war schwerhörig und kurzsichtig. I n st e r b u r g. Hauptmann von Gusooius vom Feldartillerie-Regt. ist infolge eines Schlaganfalles im Alter von 32 Jahren plötzlich verstorben. Er war nach der Rückkehr aus der Kaferne in seiner Wohnung plötzlich von einem Unwohlsein beifallen worden und bald darauf todt. L 5. n g f e n i n g k e n. Das Fest der goldenen Hochzeit feierte das Altsitzer Siemoneitsche Ehepaar von hier. Der König hat dem Paare ein Geschenk von 30 Mark bewilligt. S o l d a u. Das Dienstmädchen Bertha Goralski, welches bei dem hiesigen Fleischermeister Jul. Wagner bedienstet und seit Weihnachten spurlos verschwunden war, ist jetzt als Leiche im Fluß an der Kurkaner Brücke gefunden worden. Da das Mädchen vom Besuche ihrer Eltern von Heinrichsdorf nach hier mit der Bahn zurückfuhr, so ist es räthselhaft, wie es an diesen Fundort gekommen tst. T i l x i. Zu acht Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust wurde vom hiesigen Schwurgericht der 44 Jahre alte Abdeckereipächter Franz Wolff aus Kautenehlen, Kreis Riederung, wegen versuchten lttlichkensverbrechen in Verbindung mit rohester Mißhandlung einer 17 Jahre alten Bcsitztochter verurtheilt. Das arme Mädchen ist m lebenslängliches Siecythum verfallen. W i l k a t s ch e n. Der Besitzer Stmoneit war kürzlich mit Häckfelschneiden beschäftigt, und seine 74jährige Zchwieaermutter, Frau Trilling, hals ihm beim Fortschaufeln des Häcksels. Aus Unachtsamkeit kam Frau Trilling dem Schwungrade mit der Schaufel zu nahe, dieselbe wurde ihr entrissen und so gegen die Brust geschleudert, daß Frau Trilling schwere innere Verletzungen erlitt. Nach kurzer Zett verschied die Verunglückte. Src'vinz sommern. Stettin. Hier herrscht gegenwärtig wieder eine wahre SelbstmordEpidemie. So hat sich z. B. ein 17jähriges Mädchen von der Pölitzerstraße. Namens Schulz, in den Westends gestürzt. Es gelang herbeieilenden Leuten, die Lebensüberdrüssige zu retten; sie wurde nach ihrer Wohnung geschafft. Was sie zu der verzweifelten That veranlaßt hat, ist unbekannt. Bald darauf wurde ver Buchhalter Josef in feiner Wohnung, Alleesiraße 13, von seinen Wirthsleuten b:sinnungslos aufgefunden. Der junge Mann hatte Sublimatlösung getrunken und dadurch schwere innerlicheVerletzungen davongetragen. Bewußtlos wurde Josef nach dem städtischcnKrankenhaus gebracht, wo er hoffnungslos darniederliegt. Ferner ist das völlig verwaiste Frl. Gallefsky aus Breslau. die feit mehreren Jahren bei einer Kaufmannswittwe als Gesellschafterin c.ngestellt war, freiwillig in den Tod gegangen. Die junge Dame, die im Alter von 25 Jahren stand, griff zu Schweinfurtergrün und vergiftete sich damit. G o l l n o w. Im Liefke'scker Teich wurde die Musikerfrau Giesc todt aufgefunden, die ohne Zweifel verunglückt ist. - H a g e n o w. Der Eigenthümer August Henke aus Altbork hatte in einem Dorfe in der Nähe von hier eine Hochzeit mitgemacht und wollte mit dem letzten Zuge nach Altbork zurükfahren. Auf bisher noch nicht aufge klärte Weise ist er unter die Näder des Wagens gerathen und es wurden ihm die Süße arg zerquetscht. Der Tod trat nach kurzer Zeit ein. so daß anzunehmen ist, daß sich Henke bei dein Falle innere Verletzungen zugezogen hat. Labes. Vor einiger Zeit stürzte sich die etwa 50 Jahre alte gischhändlerin Rusch in die Nega. )ei ihr nachlaufende HausbesiZer M. kam zu spät, um die Frau noch retten zu tönnen. Die Leiche wurde einige Kilometer unterhalb der Stadt aufgesunden. P a s e w a l k. Durch einen Herzschlag plötzlich aus dem Leben abgerufen ist der hiesige Bürgermeister Will. xtx Verstorbene stand seit dem Jahre 1878 im Dienste der Stadt, zunächst als Beigeordneter und dann seit 1895 als Bürgermeister an der Spitze der ädtischen Verwaltung. S t a r g a r d. Kürzlich stürzte sich die 77 Jahre alte Wittwe Walde, wohnhast Heilige Geiststraße 2 3, in geistiger Umnachtung aus ihrer nach dem Hofe im 3. Stock gelegenen Wohnung zum Fenster hinaus. De: Tod der Bedauernswerthen trat auf der Stelle ein. Treptow. Erschossen hat sich der Landschaftssyndikus Jusrizrath fcalow. In emem hinterlassenen Schreiben gibt er an, daß er er ewigen borgen überdrüssig sei. Z ü l l ch o w. Dieser Tage feierten die hier Chausseestraße 23 wohnhaften Wilhelm Rose'schen Eheleute das seltene Fest der goldenen Hochzeit.
Judiana Tribüne,
Prinzeß Zchackel. Eine wahre Thicrqcschichte von Anni Latt Felsberg. Daß Thiere keinen großen Verstand haben, daß sie nur nach Instinkten handeln, wird ost behauptet und bestritten. Wenn ich darüber streiten höre, muß ich still in mich hinein lächeln. Wenn die Gemüther sich dann ein wenig beruhigt haben, fange ich an, mein Erlebniß auf dem Gebiete der ThierWelt zu erzählen, ganz so wie es sich zugetragen hat, und nenne einwandsfreie Zeugen, die es bestätigen können. Backfische haben immer Schwärmereien. Lehrer, Mitschülerinnen, Gymnasiasten bilden gewöhnlich den Gegenstand der Erhebung der Seele aus dem alltäglichen Einerlei. Ich schwärmte auch für einen rothmützigen, schlanken, hübschen Jungen, von dem ich nichts als den Namen kannte, der mich gar nicht kannte, nicht einmal meinen Namen. Aber mein Herz klopfte vorEntzücken, wenn ich ihn von weitem kommen sah. Diese Liebe rückte nicht einmal bis zu einem Gruß empor, aber ich fühlte Mich beseligt unglücklich, meine Seele war ausgefüllt von einem schönen Gefühl, von dem kein Mensch eine Ahnung hatte. Ich hatte etwas für mich ganz allein etwas süß Geheimnißvolles. Also meine schönsten Gefühle galten damals doch einem Menschen. Meine heiße Leidenschaft jedoch besaß Prinzeß Schäckel. Sie konnte ich an's Herz drücken nach Belieben, ihr konnte ich in die schönen Augen sehen, ihr rosiges Mäulchen, ihre weißen Zähnchen bewundern, ich glaube sogar, ich habe es geküßt. Appetttlicheres gab es ja gar nicht, als Prinzeß Schäckel. Sie aß außer Milch und Brötchen nur ein wenig Fleisch und Gemüse, ganz wie eine kleine Prinzeß. Ihr Fellchen war schneeweiß, nur hier und da wunderhübsche schwarze Flecke. An der Seite über den Augen, ganz genau wie Löckchen, umrahmten die schwarzen Flecke das lieblichste Katzengesichtche:., das man sich denken konnte. Daß sie keine wirkliche Katze war, stand bei uns Kindern ganz fest. Sie hatte noch nie eine Maus gesehen, war von Geburt an ein verwöhntes, bewundertes Geschöpf, das immer wie ein Schatz behütet wurde. Als l heranwuchs, lernte sie allerlei Künste, die sonst Katzen nicht vollbringen, 3ie stand auf zwei Beinen, sprang über einen Stock und wußte rührend zu schmeicheln und zu bitten mit ihrer feinen Stimme. Einstimmig wurde Schäckel zur verwunschenen Prinzeß erhoben. Wie harmlos damals die Backfische doch waren, daß sie eine Katze für eine Prinzeß halten und leidenschaftlich lieben konnten. Wenn sie sich in meinen Arm schmiegte, mich mit ihren seelenvollen Augen (wer lacht da?) sie hatte wirklich Seele im Auge ansah, deren Ausdruck so wechselnd war wie der jedes klugen Menschen, dann stand es fest bei mir, daß ich kein Thier im gewöhnlichen Sinn liebte, sondern etwas Höheres. Prinzeß Schäckel entwickelte sich zu einem höchst graziösen, schlanken, zierlichen Geschöpf. Daß sie keine wirkliche Katze war, glaubten wir bestimmt, als sie, allem Katzeninstinlt entgegen, mit unserem Kanarienvogel zu tokettiren anfing. Sein Bauer hing an der Wand, dicht neben dem Sofa. Er schmetterte seine Lieder und drehte das Köpfchen nach allen Seiten. Prinzeß Schäckel zollte ihm ihre Bewunderung, indem sie Ulf die Sofalehne fprang, von dort auf das Dach des Bauers, wo sie sich vorsichtig hinlegte, um aus nächster Nähe sich den kleinen Sänger zu beschauen. Erst flatterte der Vogel ängstlich unter der Nachbarschaft der Prinzeß, dann aber gewöhnte er sich daran, und manchmal zog Prinzeß alle ihre feinen Krallen ein, stieß ihr weißes Sammtpfötchen durch die Drähte des Käfigs, um den kleinen Sänger zu liebkosen. Spröde entzog sich jedoch der Gelbschnabel dieser Zärtlichkeit und flüchtete in eine gesicherte Ecke des Käfigs. So ganz geheuer kam ihm diese Katzenfreundschaft nicht vor. Beleidigt strafte Prinzeß Schäckel ihn von nun an mit Nichtachtung. Aber da ein eöler Äöille in ihr lag, feindliche Elemente friedlich zu stimmen, versuchte sie, ihre Reize auf einen anderen Gegner des Katzcngeschlechts wirken zu lassen. Dieses Mal mit mehr Erfolg. In unserem Hause hatte Verlobung stattgefunden. Mit ihren klugen Augen hatte Prinzeß Schäckel alles beobachtet. Auch war sie Zeuge der Zartlichkeiten, die der Verlobte seinerBraut spendete. Der Verlobte hatte einen Dachs, einen echte Teckel. Walmann kam als Begleiter seines Herrn jetzt täglich in's Haus. Voll Angst und Sorge um meineSchäckcl hielt ich sie krampfhaft in meinem Arm, sie vor etwaigen Gelüsten Waldmanns zu schützen. Schäckel war durchaus nicht einverstanden mit meinem gewaltsamen Schutz. Sie sah sich den angeblichen Feind sehr genau an, auch Waldmann blickte zu ihr auf. Sie blickten sich in die Augen wie zwei Feinde, aber die Augen Prinzeß Schäckelö enthielten nur Liebe, Friedfertigkeit, keineFeindschaft. Mit ihrem Blick schien sie Waldmann vollständig bezwungen zu haben, ganz wie eine wirkliche Prin-
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zessin, die den männlichen Eifer in feine Schranken zurückzuweisen dersteht. Aber Prinzeß Schäck?l wollte mehr als keine Feindschaft. Sie bewarb sich um die Gu'ist des Feindes. Nnld bildete fick ein unaemein zärtliches Verhältniß zwischen ihr ur Waldmann aus. Unser Haus lag am Marktplatz, der Verlobte meiner Schw.stcr mußte den Marktplatz quer überscörciten, wenn er seinen Besuch nach Tisch machte. Ich zeigte einmal Schäckel, der Herr mit seinem Hund ankam. Da kommt Waldmann." Von da an fß rkgelniäßig Schäckel am Fenster und erwartete Waldmann, sowie sie sah, daß die Braut dem Bräutigam entgegensah und auch entgegenging. Dasselbe that sie. Sie ging Waldmann entgegen und geleitete ihn. Wenn Niemano fönst den Verlobten erwartete: PrinzejSchäck saß pünktlich und blickte erwartungsvoll mit ihren glänzenden, schönen Augen, das Köpfchen emporgereckt, über denBiarktplatz dem Kommenden entgegen. Aufgeregt sprang sie vom Fensterbrett, eilte an die Thür und bettelte jämmerlich, aß ihr geöffnet wurde, um die Gäste zu empfangen. Aber sie war auch Weib, ganz kluges Weib, das ahnte, daß die Liebe des Mannes durch ten Magen geht. Sie fing an, ihre Mittagsmahlzeit kaum zu berühren, sie sparte alles für Waldmann auf, führte ihn zu ihrer Schüssel und schien ihn mit den lieblichstcn Tönen aufzufordern, die ihm aufgehobene Mahlzeit zu genießen. Waldmann, ganz Mann, schluckte mit Behagen die Leckerbissen. Eine gewöhnliche Katze, dachte ich, ist doch nicht solcher Opferfreudigkeit fähig. Als Anerkennung für die Mahlzeit machte sich Walomann so klein, wie er nur konnte, qu.tschte sich in Schäckels Korb, hielt dort sine Mittagsruh, während die Prinzeß mit liebevollem Blick daneben saß und sein langes Geficht im Schlaf bewunderte. Es war eine Jdealliebe. Damals kam mir das alles ganz natürlich vor, denn Schäckel war für mich keine Katze. Später bewunderte ich oft diese Beobachtungsgabe des klugen Thieres und das Gemüthsleben, welches aus allen Handlungen sprach, die Schäckel verrichtete. Der Einfluß der Menschenumgebung hatte das Thier veredelt, hatte menschliche Eigenschaften in ihm geweckt. Es handelte gegen seinen Instinkt, gegen angeborene Fe'ndseligleit der einen Art gegen die andere. Aber diese Geschichte endete höchst tragisch. Eines Tages saß Schäckel auch am Fenster und blickte nach Waldmann aus. Als er kam, dasselbe Manöver wie immer. Sie sprang hinab, bettelte, daß ihr die Thüren geöffnet wurden, und eilte in munteren Sprüngen dem Ersehnten entgegen. Da ein fürchterliches Geschrei Schäckels, lautes, stürmisches Hundegebell. Voll Entsetzen lief ich die Treppe hinab. Da lag Schäckel, mein Prinzeß Schäckel, in Zuckungen lang auf der Seite. Waldmann biß sich mit einem großen Schlächterhund herum, der durch Zufall gerade mit dem Gesellen in's Haus gekommen war, als unsereSchackel dem Freund entgeoeneilte. So wurde sie das Opfer ihrer Liebe. Nun geschah noch etwas Seltsames, das für das Gefühlsleben des Thieres ein bedeutendes Zeugniß ablegt. Waldmann war nicht zu bewegen, feit seine Freundin todt war, wieder das Haus zu betreten. Wie ein Mensch hat er gewinselt an ihrer Leiche. Dann begleitete er von dem Tage an seinen Herrn nur noch bis an die Hausthür. Mit hängendem Kopf kehrte er tiefsinnig um. Meine Trauer um Prinzeß Schäckel war fo heftig, daß meineMutter sagte: Es ist schon eine Sünde, ein Thier so zu lieben." Aber für mich war schäckel kein Thier in gewöhnlichem Sinn, für mich war es ein liebliches, graziöses, kluges, vollständig menschenähnliches Geschöpf, dem nur die Menschengestalt und Menschensprache fehlte. Eine Seele in anderer Form. Eine edle Seele, die Freundschaft zum Frieden führte. Oft im Leben habe ich manchem Menschen Prinzeß Schäckels Seele gewünscht. Wer mit Thieren lebt, sie beobachtet, erzieht, wird immer dankbare Resultate erzielen und für das geschmähte Thier eintreten, wenn ihm alles abgesprochen, nur derJnstinkt gelassen wird. Beschäftigt. Nun 'sage mal, mein Sohn, was machst Du denn so den ganzen Tag?" Leutnant: Aeh! ah! P a r i r t. Die Cigarre ist von einem edlen Kraut, die muß mit Verstand geraucht werden." Ich verstehe, darum geben Sie sie weg." Indirekt. Fremder: Wie ist denn das Waffer in dieser Gegend? Einheimischer: Nach dem Bier zu urtheilen, muß es sehr gut fein!
Strafe.
2. 3. Ruhiges Blut. Herr (zu einem Bekannten, mit dem er in Streit gerathen): Einen Ochsen nennen Sie mich, und das auch in Gegenwart meiner Frau?!" Der Bekannte: Die wird's ja so schon lange wissen!" Eingegangen. Hausherr: Der junge Arzt im dritten Stock ist doch ein verfluchter Kerl! . . . Heut' will ich ihn wegen des fälligen Zinses mahnen. Er läßt mich gar nicht zu Wort kommen, zählt meinen Puls, läßt mich die Zunge 'rausstrecken; dann verschreibt er mir ein Rezept und trägt mir strengstens auf, vierzehn Tage das Zimmer zu hüten!" Renommage. IM .' ' . vmi A' i. mml '. ov' mm .ik Altes Fräulein (das etwas schwerhörig ist): Was, Du glaubst, ich hätte keinen Mann kriegen können? O, drei Heirathsanträge habe ich gekriegt und wer weiß, wie viel ich noch überhört habe!" Ausweg. Direktor: Ihr Trauerspiel kann ich nicht geben, das füllt nicht den Abend und ist um zwei Akte zu kurz. Autor: Wissen Sie was, Herr Direktor, wir lassen den Helden und die Liebhaberin einfach stottern.
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