Indiana Tribüne, Volume 28, Number 193, Indianapolis, Marion County, 7 April 1905 — Page 3
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Dreibund
In Neapel von Kaiser Wilhelm und König Victor Emanucl aufgefrischt. König Edward in Paris. Proklamation der rnsfischen Sozialisten. Masscn-Bcrgiftnng in einer Fabrik in Polen. ie Deutschen Böhmen's unzufrieden. Deutsche Wein-Jvteressen von Amerika geschädigt.
Italien. Kaiser und König. Neapel, 6. April. König Victor Emanuel kam yeute von Rom hier an mit dem Minister des Aeutzern Tit. toni undFlottenminifter Mirabelle, um Kaiser Wilhelm zu begrüßen. Der Hafen mit den geschmückten Schiffen aller Art bot einen prächtigen Anblick. Unter dem Donner der Geschütze fuhr der König in einer Barkaffe nach der kaiserlichen Yacht Hohenzollern". Die Begrüßung zwischen den zwei Souveränen war äußerst herzlich und beide stellten dann ihreGefolge vor. Ein Frühstück wurde an Bord der Yacht servirt. ES wurde später berichtet, das der Kaiser und der König deS Längeren die internationale Landwirthschaftskammer besprachen, die letzterer plant. Zu Ehren des Kaisers fand am Abend ein Gala-Diner im königlichen Schlöffe statt; demselben wohnten Mi nifter und die Gefolge bei. König Victor Emanuel sprach in Italienisch über die Bande, welche die verbündeten Völker verknüpften und brachte einen Toast auf die kaiserliche Familie aus. Kaiser Wilhelm erwiderte in Deutsch, daß ihm der Aufenthalt in Italien große Freude bereite und dankte für den Empfang, welcher der Kaiserin und den beiden Prinzen bereitet worden sei. Dann fuhr er fort: Der Dreibund ist eine sichere und und feste Friedensbürgschaft. Unter seinem Schutze gehen unsere verbündeten Völker vertrauensvoll der Zukunft entgegen." Frankreich. Besuch des Königs Edward. Paris, 6. April. Der Besuch deS Königs Edward in Paris wird hier als ein Beweis der englisch-franzöfifchen Freundschaft ausgelegt und als Antwort auf die Rede deS deutschen Kaisers in Tanger. Der König verweilte nur kurze Zeit. Der Präsident traf ihn vor Paris und hatte eine Unterredung von etwa einer Stunde mit ihm. Der Besuch des Königs war äußerlich wenig auffüllig. ES schien sogar, als versuchten die Behörden, Demonftrationen zu vermeiden. Präsident Loubet begrüßte, von einem glänzenden Gefolge umgeben, den König auf der Station Pierrefitte. Der König geleitete den Präsidenten nach seinem Pri vatwagen und dort fand eine Unter redung zwischen Beiden statt, die an hielt, bis der Zug den Lyons'er BahnHof erreichte. Derselbe war durch einen Polizeicordon abgesperrt. Militär war nicht zu sehen. Während deS halbftündigen Aufenthaltes hatte der König auch eine Conferenz mit dem englischen Botschafter zu Paris, Sir Francis Le vison Bertie. Um 7 Uhr 10 Minuten fuhr der König uach Marseilles ab, wo er an Bord der Yacht Victoria und Albert" die Königin Alexandra treffen wird. Eine halboffizielle Mittheilung über die Zusammenkunft sagt: Es ist natürlich anzunehmen, daß die Konversation zwischen dem König und dem Präsidenten zu einem IdeenauStausch über alle diplomatischen Ta geSfragen führte (?), aber da keiner der Theilnehmer ihren Inhalt enthüllte, muß man die mehr oder weniger glücklichm Erfindungen mit Vorsicht auf nehmen. Nach äußeren Anzeichen zu urtheilen, verhielten sich die beiden Theilnehmer der Zusammenkunft weni ger reservirt wie letztes Jahr." Die öffentliche Meinung und Iviele Zeitungen laffen sich aber durch solche Mahnungen nicht zügeln. DaS Journal des DebatS" sagt: ES ist di?S eine neue Bestätigung deS englisch-franzöfischen Freundschafts verhältniffeS , der Flottendemonftra tionen der britischen und frauzöfischen Geschwader folgen werden." TempS" und andere Zeitungen bäum ebenfalls allerlei Luftschlöffer auf den Besuch. Paris, 6. April. Das Zusam mentreffen deS Präsidenten Loubet mi
König Edward erregt angesichts der Marokko-Frage großes Interesse. Sie wird etwa zwei Stunden dauern. Der König wird um 6:40 Uhr Abds. hier ankommen. Die Berliner Berichte, daß Deutschland die Berufung eines internationa len Kongresses erwägt, der die Marokko-
Frage berathen soll, erregte in offiziellen Kreisen Unruhe.! ES wird behauptet, daß der Kongreß zu Madrid im Jahre 1830 die internationalen Beziehungen Marokko'S genau definirte , deshalb würde die Berufung eines neuen Kongr:sseö ein Beweis der Unfreundlichkeit Deutschland'S sein. Die hiesige Regierung glaubt nicht, daß die Ver. Staaen sich in die Frage mischen werden. Reise des Königs. London, 6. April. König Edward reifte heute nach Marseille? ab, wo er Königin Alexandra treffen wiro. Auf der Reise wird er auch den Prüftfidenten Loubet sehen. Er wird von MarqutS Saliöbury begleitet. Die Annahme, daß letztere Zusammenkunft die Einleitung zu einer fran-zöfisch-englischen Allianz sei, findet hier wenig Anklang. Rukland. Proklamation der Soz i a l i st e n. Moskau, 6. April. DaS Zenralkomite hat in Hunderttausenden von Exemplaren ihr Programm über das ganze europäische Rußland verbreitet. Die erste Forderung in demselben ist eine demokratische Republik. Außer allgemeinen sozialistischen Doktrinen enthält es Pläne, die direkt das Selbstinteresse des Proletariats aufstacheln. Massenvergiftung. Warschau, 6. April. Eine Massenvergiftung ist in einer Baumwollfabrik zu Pabianize vorgekommen; 70 Mädchen in der Färberei erkrankten plötzlich und fielen bewußtlos zu Boden, 31 davon wurden nach einem Hospitale gebracht. Die Untersuchung ergab, daß die Mädchen durch Arsenik vergiftet waren. das in böswilliger Absicht in dem Raume ausgestreut war. Volksvertretung ver langt. Samara, 6. April. Die hiesige Börse, derm Verbindungen sich über ein Gebiet erstrecken, daß von 7,000, rOO Menschen bewohnt wird, hat dem Minister des Innern, Bouligan. tele graphirt, daß die ganze Bevölkerung in größter Aufregung ist und daß eine Katastrophe nur durch sofortige Beru fung einer Volksvertretung abgewendet werden kann, wie sie im kaiserlichen Reskript verheißen wurde. Die Börse hat verlangt, daß sie bei der Kommission vertreten fei, welche über eine Volksvertretung beräth. FreundschaftSdien st. St. Petersburg, 6. April. Die Veröffentlichung der Aktenstücke, welche Kaiser Wilhelm als den Urheber der Verhandlungen offenbaren, die zur Anerkennung der chinesischen Neutralität seitens der Kriegführenden führte, wird hier als ein Freundschaftsdienst der Washingtoner Regierung gegenüber Deutschland angesehen, speciell im gegenwärtigen Augenblicke, da Deutschland eine ähnliche Politik in Marokko vertritt. Japan. Russischer Angriff. Tokio, 6. April. Aus dem Hauptquartier der Armee wird gemeldet: Am Nachmittag des 3. rückte der Feind mit reitender Artillerie und Ma schinengewehren von Tawo auf der Fenghua-Straße nach Süden vor und am 4. beschoß er Chincheatun. f zeitig rückte eine starke Jnfanterie-Ko-lonne von der Hauptstraße, mit zwei kleineren Abtheilungen gegen unsere Flanken, vor. Sie kamen bis auf 400 Meter an unsere Stellungen heran, mußten sich aber um 6 Uhr Abends zurückziehen. Wir hatten 27 Verwundete. Der Verlust des Feindes wird auf 20 geschützt."
Ein Waisenmädchen Von der Pflegemutter angeblich ge martert.
A l e d o, Jll.. 6. April. Die senfationellen Anklagen gegen Frau Mary McKinney, welche weit über die Grenzen dieser Stadt hinaus Aufsehen erregten, haben einen ungewöhnlichen Schritt des Sheriffs Lawrence von Mercer Co. zur Folge gehabt. Derselbe verhaftete heute Frau McKinney in ihrer Wohnung auf dem Krankenbette. Vergeblich hatten einflußreiche Freunde und Kirchenmitglieder dies zu verhindern gesucht. Die Frau empfing den Shenff vollständig gefaßt un) bat nur um die Erlaubniß noch 12 Tage im Bette bleiben zu dürfen. Der Sheriff gewährte dieselbe, wird aber die Ver haftete durch Gehilfen bewachen lassen. Frau McKinney ist angeklagt, ein Waisenmädchen, daö ihr von einer Chicago'er Anstalt anvertraut wurde, in schrecklicher Weise gemartert zu haben. W i. Oesterreich-Ungarn. Tschechen bevorzugt. P r a g, 6. April. Unter den Deutschen in Böhmen giebt sich neuerdings große Mißstimmung kund, weil bei der Besetzung von Richterftellen die Tschechen ganz unverhältnißmäßig bevorzugt worden find. Auf 103 richte?, liche Beamte, welche, soeben ernannt worden find, kommen ganze neun Deutsche. Attache gefunden. Wien, 6. April. ES ist feftge. stellt, daß der öfterreichische Militärattache bei der russischen Armee. Graf Szeptychi, der nach der Schlacht bei Mukden als vermißt gemeldet wurde, sich wohlbehalten bei Gen. Rennenkampf'S Armee befindet. Budapest, 6. April. In der heutigen Sitzung des AbgeordnetenHauses beantragte Franz Kossuth, der Führer der Oppositionsparteien, ein Komite zu ernennen, das eine Adresse an den Kaiser entwerfen solle. In dieser Adresse sollten die Bedingungen genannt werden, unter denen die OpPosition ein neues Ministerium unterstützen werde. Der Antrag wird morgen zur Debatte gelangen. Polizei und Streiker im Kampf. W i e n, 6. April. Im Stadttheil Brigittenau ist es zwischen streikenden Tischlern und der Polizei zu einem be klagenSmerthen Zusammenstoß gekommen. Infolge von Ruhestörungen schritt die Polizei ein; die Ausftünoigen leisteten Widerstand, worauf von der blanken Waffe Gebrauch gemacht wurde. Viele der Streiker trugen Verwundungen davon, und es wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Plehwe'S Mörder entkommen. Wien, 6. April. DaS Wiener Tageblatt" will aus absolut zugerlüsfiger Quelle erfahren haben, daß Saffonoff, der Mörder des früheren Minifters von Plehwe aus der St. Peterund Paul-Feftung, in welcher er seit letztem Juli in den Kasematten schmachtete, entkommen ist. Auf welche Weise der Attentäter seine Flucht bewerkstelligt haben soll, berichtet das Blatt nicht näher. Großbritannien. 4 Ballons nach Frank reich. London, 6. April. Vier BallonS traten heute von verschiedenen Punkten im Süden Englands bei günftigem Nordweftwinde die Fahrt nach Frankreich an. Drei der Ballons kamen auf die Erde zurück, bevor sie den Kanal erreichten. Marokko-Frage im UnterHause. London, 6. April. Im Unter. Hause erklärte der Untersekretär für Auswärtiges auf Anfragen, die fran-zöfifch-englifche Vereinbarung vom 8. April 1904 fei niemals offiziell Deutschland mitgetheilt worden und auch zwischen Großbritannien und Deutschland seien niemals Verhandlungen über den Gegenstand gepflogen worden. Der Sultan von Marokko sei keine Partei bei dem Abschlüsse der Vereinbarung gewesen. Diese befasse fich, unabhängig von anderen Angelegenheiten, mit den Interessen Großbritanniens und Frankreichs. Auf die Fage, ob Deutschlands Vertrag mit Marokko ihm besondere Vorrechte gewähre, sagte der Sekretär, der deutsch . marokkanische Vertrag von 1890 sei analog dem eng-lisch-marokkanischen Vertrage.
Wahlkampf. Drei Todte, viele Verwundete und Gesanuene.
H u n t i n g t o n , W. V., 6. April. Der Demokrat John W. Enfign wurde heute zum Mayor gewühlt. Bei dem Wahlkampfe gab es drei Todte und zahlreiche Verwundete. Viele County und Stadtbeamte wurden verhaftet. Schon am Morgen waren drei Personen erschossen worden, und mährend deS Vormittags wurde Wm. Gerron, ein Hilfs-Sheriff, von dem Poliziften Vernall übel zugerichtet. Während des TageS wurden über 30 Personen, die angeblich mehrmals stimmten, in's Gefängniß abgeführt. Deutschland. Deutsche Wein-Jnter-essen. Mainz, 6. April. Hier haben soeben die Delegirten der südweftdeutschen Weinhündler - Verbände getagt, und das Resultat ihrer Berathungen ist ein einmüthig angenommener geharnischter Protest gegen die Abficht der Regierung der Vereinigten Staaten, die Bestimmungen, welche insonderheit die deutsche Weineinfuhr treffen, in Vollzug zu setzen. In ihren Beschlüssen erklären die Weinhändler, daß die geplanten Verfügungen mit den deutschen Weinverhältniffen gänzlich unver einbar seien. Sie wenden sich beson derö gegen die Vorschrift, laut welcher Weine, die rationell, genau dem deutschen Gesetze entsprechend, durch Zucker verbessert werden, nur mit der Bezeichnung Zuckerwein" zugelassen werden sollen. Und ferner führen sie Beschwerde über den Paragraphen, nach welchem die Bezeichnung der Herkunst nur gestattet ist, wenn der Wein ausschließlich den Weinbergen deS genannten OrteS entstammt. ES wird darin eine schwere und völlig unbegründete Schädigung des deutschen Weinbaues und deutschen WeinHandels erblickt. Eine Denkschrift, welche diese Beschlüsse enthält, wird dem Vorsteher des chemischen BureauS in Washington, H. W. Wiley, von dem Sekretär der Mainzer Handelskammer, Meesmann, überreicht werden. Neuer Gesandter nach Marokko. 'Berlin, 6. April. Die Nachricht von der Ernennung des GeheimrathS Dr. Rosen, der kürzlich in besonderer Mission nach Abesfinien ging, zum Gesandten in Marokko als Nachfolger deS verstorbenen Baron von Mentzingen, wird bestätigt. Geheimrath Rosen befindet fich auf der Heimeeise von Abesfinien. Dr. Rosen ist in orientalischen Spra chen sehr bewandert und als der beste Kenner der orientalischen Zivilisation in Deutschland bekannt. Er ist den Orientalen sympathisch und man erwartet daß seine Beherrschung der orienta tischen Sprache und seine genaue Kenntniß der orientalischen LebenSgewohnheiten ihn zum einflußreichsten Diplomaten in Marokko machen werden. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß Deutschland seine Politik in Marokko züh verfolgen wird. Groß Herzog von Hessen als Protektor. Darmftadt, 6. April. Der Großherzog Ernst Ludwig von Hessen hat das Protektorat für den Delegirtentag deS Verbandes deutscher Journalisten und Schriftsteller, welcher hier vom 19. bis zum 22. Juni stattfindet, angenommen. DieGenickftarre in Obers ch l e s i e n. B r e S l a u, 6. April. Mit Rücksicht auf die gegenwärtig in Oberfchlesien wieder in bedenklichem Umfang grasfirende Genickstarre sind die geplanten Uebungen des sechsten Armeekorps und die Aufstellung von Referve'Truppentheilen aufgegeben worden. Wie arg die Epidemie wüthet, beweift z. B. der Umstand, daß von dem in Beuthen ftationirten dritten Battaillon des Infanterie . Regiments Keith (1. Oberschlefisches) No. 22 nicht weniger als 32 Mann an der tückischen Krqnkheit darniederliegen. Die Thatsache, daß die Krankheit von Tag zu Tag an Ausbreitung zunimmt, lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit in hervorragendem Maße auf fich. Die Zahl der jetzigen Erkrankungen in Schlesien hat die Zahl 500 überschritten und mehr als die Hälfte pflegt tödtlich zu verlaufen.
Geschichte der Hygiene. Vesundheitttche Vcstimmungen und Smpfeh' lungen in verschiedener Zeit. Die noch viel verbreitete Annahme, daß die Gesundheitspflege ein Kind der modernen Zeit sei, hat einen neuerlichen Stoß durch die babylonischen Ausgrabungen erlitten, die unter Anderem von ausgezeichneten hygienischen Bestimmungen der Sumerer Kunde geben. Den Griechen gab Lykurg Gesundheitsgesetze, und bei den Römern enthielt schon das Zwölftafelgesetz hygienische Vorschriften. Mit der römischen Herrschaft und Kultur breitete sich auch ih.'e Gesundheitspflege in den eroberten Ländern aus, allerdings um mit dem Untergange ihres Reiches wieder zu versinken. Die Gesundheitspflege in Mittelalter war äußerst dürftig. Eine entsetzliche Berwahrlosung herrschte in den Hospitälern. Arme, Kranke und Landstreiche? wurden dort zusammen untergebracht. Geisteskranke behandelte man wie Thiere. Man sah die Krankheil als eine göttliche Strafe an und behandelte demgemäß die Kranken als Büher. Die Kost war ebenso ungenügend wie die Reinlichkeit in den Zellen. Aber die zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts entstehende philanthropische Bewegung brachte starke Umwälzungen auch auf diesem Gebiete hervor. Man fing an, die Gesundheit des Einzelnen als etwas für den Staat Werthvolles anzusehen. Und auch die praktischen Versuche blieben nicht aus. So baute schon damals ein englischer Arzt ein neues Krankenhaus, das aus einzelnen kleinen Gebäuden bestand. Wie eng die Gesundheitspflege mit dem Volkswohl verknüpft ist, sah auch der berühmte Kliniker Peter Frank (1745 bis 1821) ein, der nacheinander Professuren in Göttingen, Pavia und Wien bekleidete. Er empfahl die Anlage von Fluhbädern und Rücksichtnahme der Schule auf die gesunde Entwicklung der Kinder. Die Schulzimmer sollten gehörigen Luftraum haben, hell und gut heizbar sein. Naturkunde sollte auf Spaziergängen getrieben und für regelmäßige Leibesübungen ein Exerzierhaus bei der Schule erbaut werden. Gesunde Mädchen sollten bei der Eheschließung durch eine Aussteuer unterstützt, und für die Findlinge und arme Kinder sollte durch Erhebung einer Hagestolzensteuer gesorgt werden. Ganz ein Mann der Praxis auf hygienischem Gebiet war der Amerikaner Benjamin Thompson.. Dieser 1745 in Boston, Mass., geborene Gelehrte suchte durch Einrichtung von Voksküchen die Ernährung der unteren Stände zu verbessern. Er beschäftigte sich mit der Lüftung der Wohnräume und der Untersuchung über den Feuchtigkeit--durchlatz der vers chiedenen Bekleidungs -stoffe. Ein Pionier auf dem Gebiete der Volksgesundheit war auch der französische Chemiker Lavoisier, der die Lehre von der Respiration begründete, den Angriffen Murats aber auf der Guillotine zum Opfer fiel. Lavoisier wandte seine humanen Bestrebungen der Verbesserung der Gefängnisse zu. Seine Vorschläge zur Einführung einer Wohnungshygiene, zur Wasserleitung, Entwässerung, Entlüftuna, seine Mittel gegen die Wohnungsfeuchtigkeit wie die Behandlung an ansteckenden Krankheiten leidender Ge-
fangenen sind noch heute maßgebend. Mit den Schrecken der Revolution und der blutigen napoleonischen KriegsHerrschaft versanken die hygienischen Bestrebungen. Erst die neuen naturwissenschaftlichen Entdeckungen belebten sie wieder. Lange Friedenszeiten schufen den Wohlstand und die ausgebreitete Kultur, die die Hygiene als Voraussetzung nöthig hat, und der innige Zusammenhang mit dem wissenschaftlichen Fortschritt gibt dieser jüngsten Wissenschaft, in der für Pettenkofer im Anfang der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts der erste Lehrstuhl errichtet wurde, die immense Bedeutung für die Wohlfahrt des Volkes. Wichtiger Sanitätsvertrag. Der Bundessenat ratifizirte unlängst den internationalen Sanitätsvertrag, welcher von einem Konvent von Vertretern fast aller Nationen vereinbart wurde. Der Konvent war abgehalten worden, um eine Einigung über gleichförmige Maßregeln zur Verhütung der Pest und der Cholera herbeizuführen. Der Vertrag betrifft Vorschriften, für deren Befolgung die Signatarmächte zu sorgen sich verpflichten, sobald Pest oder Cholera auf ihrem Gebi-t auftritt; er enthält Ab-wehr-Maßr?geln anderer Länder gegen die für infizirt erklärten Territorien, Arrangements, welche für außereuropäische Länder getroffen werden sollen, Arrangements für Pilgerfahrten und Bestimmungen über die Ueberwachung und Ausführung der Ver-trags-Vereinbarungen. Der Artikel bezüglich des Gelben Fiebers sagt: Es wird empfohlen, daß die interessirten Länder ihre Sanitäts-Regula-tionen in solcher Weise ändern, daß sie im Einkla::g mit dem derzeitigen Stande der Wissenschaft bezüglich der Art der Uebertragung des Gelben FieHers stehen und vor allem bezüglich der Rolle, welche die Moskitos a Träger der Keime der Krankheit spie len. Eine praktische Schule für die Herstellung von Damenhüten wurde in Belgien eröffnet und wird der Kurs in jeder Abtheilung drei Jahre dauern.
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