Indiana Tribüne, Volume 28, Number 192, Indianapolis, Marion County, 6 April 1905 — Page 7

Jndiana Tribüne, . April 1905

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Das mm des lNycn Aowrn" f Viamait von 4 ctljarb Stein i ? (Fortsetzung.) 10. Kapitel, endemann hatte einen Enischutz JS?) gefaßt. Um jeder Versuchung aus dem Wege zu gehen, tundigte er sein Zimmer und sagte seiner Wirthin, daß er wahrscheinlich schon in den allernächsten Tagen auszieben werde, sobald er ein passendes Lcqis gefunden habe. Nachdem er diese Mittheilung gemacht, verließ er rasch das Zimmer und stieg mit innerem Grimm die Treppe hinab. Die Tbür der Driesenschen Wohnung blieb geschlossen, Edith war nicht zu sehen. Das paßte gerade zu seiner Stimmung. Er wollte nichts mehr wissen, er wollte sich alle Empfindungen für Edith aus dem Herzen reißen. Ja, nun war es ihm ganz klar: er liebte sie. er liebte sie leidenfchaftlich mit allem, was an ihm war. Er hätte ihr sein Leben geopfert, wenn sie es gewünscht hätte. Aber sie wünschte es nicht, sie wünschte überhaupt nichts von ihm. Er war das glaubte er fest in ihren Augen eine Null, ein unbedeutender Mensch, der Schreiber ihrer Schwester. Und auf einen simplen Schreiber braucht eine Dame keine Rücksicht zu nehmen. Wenn sie die Lust anwandelt, kann sie mit ihm spielen wie die Katze mit der Maus. Und sie hat mit ihm gespielt, sie hat sich das kleine Vergnügen gemacht. Nunmehr aber sollte es zu Ende sein, völlig zu Ende. Andere Geoend, andere Wege. Die Arbeit sollte ihn trösten für den Schmerz, den er empfand. Die Zeit sollte ihn heilen. Ihr wird es vielleicht gelingen, das Bild des Mädchens, das er so sehr liebte, aus seinem Herzen zu verwischen. Mit dumpfer Leidenschaftlichkeit stürzte er sich in die Arbeit. Aber es ging nicht vorwärts. Wie er es auch anstellen mochte, das Bild des geliebten Mädchens war stärker als sein Wille. Er konnte nichts denken als blos an sie. Jeder Nersuch. seinen Sinn auf etwas andere? in richten, war umsonst. ImNa "- N A WrtV sltnAM Oslt AAtt ! lilZL iintuci uuuu ic uui twicu auyui und unaufhörlich fühlte er den bohrenden Schmerz der Sehnsucht und der unerwiderten Liebe. Zornig warf er die Feder hin und verließ das Bureau. Er machte sich auf die Suche nach einer neuen Wohnung. Er stieg treppauf, treppab, besah große und kleine Zimmer, einfache und elegante nichts konnte seinen Wünschen entsprechen. Er wußte überhaupt nicht, was er eigentlich wünschte. Er sah um sich mit verschleiertem Blick, er hörte nur mit halbem Ohr und hatte immer nur den einen Gedanken, daß er aus dem Hause, in dem Edith wohnte, fortzielen werde, fortziehen müsse, um sie vielleicht nie, nie mehr zu sehen. So verfloß ihm der Tag. Er hatte nichts gearbeitet, er hatte keine Wohnung gefunden, und müde, zerschlagen an Körper und Seele, kam er am späten Abend in seinem alten Zimmerchen an. Er wollte gar nicht erst Licht machen. Ermattet warf er sich auf einen Stuhl und starrte vor sich hin. So saß er eine längere Weile, immer nur mit dem einen Gedanken im Hirn, daß er nun bald hier nicht mehr wohnen werde. Endlich erhob er sich, schwer, fast taumelnd, um sein Lager aufzusuchen. Da wurde sein Blick von etwas Weißem gefesselt, das sich trotz der Dunkelheit im Raume von der TischPlatte abhob. Er sah schärfer hin, es war offenbar ein Brief. Er zündete die Lampe an und der erste Blick auf den Umschlag zeigte ihm. daß es die Handschrift von Frau Driesen war. Wieder Manuskript " brummte er enttäuscht. Er öffnete den Umschlag und las: Lieber Herr Heydemann! Ihre Wirthin benachrichtigte mich, daß Sie Ihr Zimmer gekündigt hätten. Es thut mir wirklich leid, daß wir Sie nun als Hausgenossen, als Nachbar verlieren werden. Doch ehe Sie uns verlassen, möchte ich gern einiges mit Ihnen besprechen. Würde es Ihnen morgen passen? Vielleicht zum Kaffee? Ich erwarte Sie bestimmt. Ihre ergebene Friederike Driesen." Es war das erste Mal, daß er eine schriftliche Einladung von Frau Driesen erhielt. Sie wußte also schon, was er beabsichtigte. Was mochte sie von ihm wollen? Gewiß handelte es sich um die Fortsetzung des vor Wochen begonnenen Romans und wohl auch um eine Vereinbarung betreffs der später zu schreibenden Erzählungen. Bei dem Gedanken daran empfand er eine sehr geringe Freude. Die journalistische Arbeit war ihm über den Kopf gewachsen, und die Arbeiten für Frau Driesen konnten nur durch ein sehr großes Ovfer an Kraft und Zeit ausgeführt werden. Er hätte viel darum gegeben, wenn er die Romane nicht mehr hätte schreiben müssen. Er hatte sich da Frau Driesen st lange nichts von sich hören ließ schon mehrmals einreden wollen, daß sie überhaupt nicht mehr schreibe oder daß sie aus seme Mitarbeitersckaft verzichten wolle. Nun zerstörte der Brief seine stillen Hofsnungen. Die Romanschreiberei sollte also von Neuem anfangen. Und

er konnte auf die Aufforderung, zum Kaffee zu kommen, nicht nein sagen. Er mußte hingehen, so ungern er es auch that. Ungern denn er würde wahrscheinlich wieder mit Edith zusammentreffen! Als er des Morgens aufstand, fühlte er sein Herz gegen alles gepanzert. Aber je mehr die Stunden vorrückten, desto unruhiger wurde er. Er dachte gar nicht an Frau Driesen und ihre Manuskripte. Ihn beschäftigte nur eine Frage: Wird sie, wird Edith da sein oder wird sie ihn ganz erbarmungslos der Schwester überlassen? Endlich war die anberaumte Stunde gekommen. Einen Moment stand er an der Thür, still und überlegend, sein Herz klopfte unruhig. Nun klingelte er, das Dienstmädchen öffnete, und ohne feine Frage, ob die gnädige Frau zu Hause sei, zu beantWorten, ließ sie ihn sofort in den Salon eintreten. Vor ihm stand aber nicht Frau Driesen, sondern Edith. Sie erwiderte stinen Gruß mit einer verlegenen Förmlichkeit, aber auch nicht ohne Freundlichkeit. Meine Schwester läßt um Entschuldigung bitten," sagte sie mit einer gewissen Unsicherheit in der Stimme. Sie wurde vor einer halben Stunde in einer dringenden Angelegenheit fortgebeten. Sie beauftragte mich, über das Manuskript mit Ihnen zu sprechen." Ja, über das Manuskript," wiederholte er mechanisch. Sie wies auf einen Sessel, und Heydemann nahm langsam und etwas förmlich Platz. Sie haben sich wohl gewundert, daß die Fortsetzung so lange auf sich warten ließ?" fragte sie. Nun ja," sagte er zögernd, und eigentlich auch nicht. Ich hatte so viel zu thun ... es gibt immer viel Arbeit in der Redaktion." Daß Sie nicht zum Verwundern

kamen," ergänzte sie. Nun, mit dem Roman wird es noch mehr Arbeit für Sie geben. Wie wollen Sie das bewältigen?" Ich weiß nicht... wenn ich eben muß" Ist Ihnen denn so viel daran gelegen, die Romane weiter zu bearbeiten?" fragte sie mit ganz harmloser Miene. Heydemann sah sie verblüfft an. Sie that ja so, als ob nicht er die Aufforderung erhalten, fondern um die Fortsetzung gebeten hatte. Ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll," meinte er verlegen. Ich bin ja sonst sehr beschäftigt, es war mir sogar lieb, daß ich kein Manuskript erhielt. Es ist so chwer mit der doppelten Arbeit . . . Ich kann also nicht recht von Herzenswunsch sprechen. Aber wenn es Frau Doktor Driesen wünscht: ich bin ihr zu so viel Dank verpflichtet, zu so vielem Dank, den ich nie werde abtragen können . . . Wenn es fern muß, kann ich ja auch die ganze Zeitungsschreiberei an den Nagel hangen Aber wo denken Sie hm!" nef Edith erschreckt, das würde ich mir schön verbitten!" Heydemann blickte verwundert aus. Sie, Sie würden " Aber ganz entschieden!" rief sie. Plötzlich aber wurde sie verlegen. Sie wurde inne, daß sie stch hatt: hinreißen lassen. Das heißt," fuhr sie erläuternd fort, selbstverständlich in aller Freundschaft. Sie haben doch nun einen Beruf und sind darin tüchtig. Wenn Sie ihn verlassen, das wäre ja der reine Selbstmord." Einige Augenblicke war es still. Er schaute gedankenvoll vor sich hin, dann sagte er meyr sür sich in bitterem Tone: Und wenn es Selbstmord wäre! Wenn tch es thun wollle, was berührt Sie das, Fräulein Edith?" Ja, Sie haben recht, das berührt mich gar nicht," antwortete sie trocken. Sehen Sie, ich wußte das," meinte er resignirt. Es ist doch schließlich ganz gleich, ob ich dies thue oder etwas anderes, ob ich eristire oder todt bin. Höchstens meine eigene Privatangelegenheit, mein innerstes Empfinden. Der Außenwelt, den anderen Menschen, kann das ganz gleich bleiben. Niemand wird mich vermissen, Niemand wird sich durch mein Leben oder Sterben, oder dadurch, daß ich für eine Zeitung oder Knminalromane schreibe, gestört fühlen." Jawohl, Sie haben recht," sagte Edith in dem Tone wie vorhin. Und da ich, wie gesagt, Ihrer Frau Schwester so unendlich viel schuldig bin. werde ich mich nur ihrer Sache widmen Ich hoffe, daß mir vielleicht dann doch noch ein wenig Zeit bleiben wird, um hie und da doch noch etwas für den , Tagesboten' zu arbeiten. Sie sehen ein, Fräulein Edith " Allerdings, ich sehe ein." meinte Edith in einem eigenthümlichen Ton Schade, daß sie es nicht selbst hört, was Sie da fegen. hat das, wa Sie soeben mit Loöeöhymncn bestngc.i, nicht sohoch bewenhet. Aoer einerlei, die Annchtcn sind verschieden. Es ist nur noch ein kleiner Umstand dabei. Wie die Dinge jetzt heute stelen, tvvcc meine Schwester wahrscheinlich Monate hindurch und vielleicht noch langer kaum zum Schreiren kommen." Nicht?" sraote er verwundert. Nein," sagte sie, das war es auch, was ich Ihnen mittheilen wollte. Ich wollte nur Ihre Meinung darüber ho ren. Nein, sie wird vorläufig nicht schreiben. Den Grund werden S rn den allernächsten Tagen schon erfahren."

Es entstand eine längere Paule. Plötzlich stand er auf und sagte: So bin ich ja eigentlich entlassen!" Wenn Sie es in Bezug auf die Romane meinen ja," meinte sie mit einem zornigen Beben der Stimme. Er stand einen Moment in sich verfunken da. Er war sich selbst nicht über seine Empfindungen klar. Es erfüllte ihn mit Freude,' die schwere Last losgeworden zu sein, und er fühlte es als schwere und ungerechte Demüthigunq, gewissermaßen aus der Freund-

schaft und aus dem Hause gewiesen zu werden. Na, dann ist ja die Sache -endgiltig erledigt," sagte er mit schiecht verhehltem Groll. Nun will ich Sie nicht weiter stören . . . Vielleicht haben Sie die Güte, Ihrer Frau Schwester meinen Tank für alles zu übermitteln. Ich kann es ihr ja leider nicht sagen." Und wrum nicht?" fragte sie. Er zuckte kaum merklich die Schultern und schwieg. Sie wollen uns also nicht mehr besuchen?" Ich will Ihnen nicht lästig fallen," sagte er. Schwer aufathmend machte er eine Verbeugung und wandte sich zur Thür. Herr Heydemann!" rief sie plötzlich ihn an. Er standstill. Sagen mir, bevor wir uns auf immer verabschieden und das soll doch wohl ein vollständiger Abschied sein warum Sie nicht mehr kommen wollen, warum Sie uns in den letzten Wochen so absichtlich gemieden haben? Warum Sie sich, ohne jede Ursache denn ich weiß keine so feindlich gezeigt haben?" Ich bin mir nicht bewußt " sagte er ausweichend. Nein, nein!" rief sie. Sie sprechen nicht die Wahrheit, ich weiß es. Sie wollen etwas verbergen. Sie sind uns, Sie sind vor allem mir ausgewichen. Was habe ich Ihnen gethan?" Sie mir? Nichts." Doch! Reden Sie! Sie müssen reden! Ich verlange es, ich bitte Sie darum." Ja . . . das kann ich nicht so sagen. Sie haben mir wirklich nichts gethan rein gar nichts." Und doch sind Sie fo feindlich Gott bewahre mich!" Nun die Wahrheit!" Ich kann es nicht . . . ich " Sie sotten es können. Sie sollen es sagen! Offen und ehrlich!" Nun denn ich glaubte, und woh! mit Recht, Sie wollten mich nicht mer haben, Sie wollten nichts mehr von mir wissen." Wie? Meine Schwester?" Nein, Sie, Fräulein Edith." Aber Herr Heydemann! Wie kommen Sie nur darauf?" Nun, Sie waren erst so freundlick, so gut, so liebenswürdig. Und plötzlich" Und plötzlich?" War es anders, ganz anders! Möglich. daß ich es mir nur einbilde, aber ais ?ie mir von Herrn oyne erzähl ten, daß er so oft käme Ach so, Herr Bohne!" Ja. Ich hielt es für einen Wink. ich folle nicht belästigen." Und da wollten Sie Ihre Wohnung, das Haus und uns verlassen. Nicht wahr? Ganz als ob wir nie existirt hätten. Wir zählten nicht mit. Natürlich, was geht das uns an, was Herr Heydemann denkt und thut?" Nem, so war es nicht gemeint." Nicht? Nun sagen Sie: That es Ihnen denn gar nicht, gar nicht leid, so vielleicht auf Nimmerwiedersehen von uns fortzugehen?" O, wie können Sie nur so fragen!" sagte Heydemann schmerzlich. Sie sollen direkt antworten, ganz geradeaus. Frei und offen!" Heydemann blickte eine Weile stumm vor sich hin. Er kämpfte innerlich einen schweren Kampf. Ich soll also frei und offen reden?" sagte er leise. 0"' Und Sie werden nicht böse sein, es nicht übel nehmen?" Nein." Also ich wollte gehen, weil ich eben noch einen Grund habe, weil ich mit Ihnen, Fräulein Edith, nicht m demselben Hause, nicht in Ihrer unmittelbaren Nähe bleiben kann. Weil ich es nicht mehr ertrage, wenn mir mein Verstand heil bleiben soll. Glauben S'e mir, ich habe mich dagegen gewehrt, ich habe mit mir gekampft, ich habe mir klar gemacht, daß zwischen Ihnen und mir, dem unbedeutenden Journalisten, ein großer Abstand ist. Und den noch . . . dennoch!" Nun?" fragte sie, indem sie den Blick ihrer dunklen Augen so fragend, so dringlich auf ihn richtete, daß es ihm heiß zu Kopse stieg. Dennoch konnte ich nicht anders," sagte er lcise mit beengtem Athem Alles, was ich fühlte, dachte das waren Sie, Sie allein. Ich muß fort, ich muß. denn ich liebe Sie. Sie sehen ja nun selbst" Sie stand dicht vor ihm. Auf ihrem Gesichte brannte eine tiefe, dunkle Gluth. In ihren Augen schimmerte es feucht wie von hcrvordrängenden Thränen, und auf ihren Lippen lag ein weiches Lächeln. Also darum nur wollen Sie fort? Nur darum? Und wenn ich Ihnen sage: Bleiben Sie! Bleiben Sie bei mir!" In ihrer Stimme klang eine tiefe Zärtlichkeit. Edith!" rief er fast erschreckt. O Sie, Sie zaghafter, eigensinniger Mann!" rief sie, indem sie ihre Hand aus seinen Arm legte. Sie Blinder Mit Ihrem Hochmuth und Ihrer lmucvternkeit. Haben Sie denn gar

nichts gesehen? Haben Sie eö nicht gefühlt? Mußte ich Ihnen erst das Wort erpressen?" Edith?" fragte er leise. Nun, ja doch, ja!" sagte sie lachend und weinend zugleich, indem sie ihm faide .ssände rrichit lkfi muh es also wirklich sagen: ja, ich yabe Sie sehr lieb, schon aus der Zeit her, als ich so böse gegen Sie war ... Ich war es ja eben deshalb " Er blickte ihr in die Augen, und

plötzlich erfaßte ihn ein wilder Mutn, eine tolle Leidenschaft. O Edith! Wie liebe ick Dich!" rief er. Und mit einem Ausbruch der lange zurückgedrängten Gluth schlang er seine Arme um sie. druckte sie an sich und üßte sie auf die Augen, die Stirne, den Mund, und sie lag wie wehrlos an seinem Herzen, hingegeben dieser Leidenschart, die so lange geschwiegen hatte. Doch Plötzlich ließ er sie los. Darf ich Dich etwas fraqen. Edith?" begann er mit einem gewissen Mißtrauen. Was war das mit Bohne? Ich mußte immer wieder diesen Namen hören." Sie lachte fröhlich auf. Bohne? Na er ist doch ein sehr amüsanter Mensch. Sag einmal, kennst Du unter Deinen Kollegen einen noch größeren Lügner, als Bohne es ist?" Einen größeren nem. Er ist der größte." Nun also! Em zweiter Münchhausen das wußte ich schon nach der ersten Viertelstunde. Ist Münchhausen nicht amüsant?" Ach so " sagte er lachend, von dieser Seite freilich " Hat es die Eifersucht nicht aufgefaßt," ergänzte sie. Er schloß sie wieder in seine Arme und verhinderte sie, weiter zu sprechen. Als er am folgenden Morgen die Räume des Tagesboten" betrat, theilte lhm der Botenaufseher mit, daß Kriminalkommissär Wilke vom Polizeipräsidium telephonisch gebeten habe, Herr Heydemann möchte sofort zu ihm kommen. Kommissär Witte?" fragte Heydemann überrascht. Ja," sagte der Botenaufseher, und auch Herr Bohne will Sie sprechen. Ich weiß nicht genau, was er durch das Telephon sagte, ich habe nicht gut verstanden. Er sprach etwas von emem Schutzmann und einer Sistirung." Heydemann schüttelte den Kopf. Gemiß wieder eine der Hirnblasen Vohnes, die ihm neue Unruhe und Störung verursachen sollte. Mißmuthig wandte er sich wieder zum Gehen. Bohne konnte warten. Erst wollte er hören, was ihm Wilke zu sagen hatte. Da tauchte plötzlich die Gestalt Bohnes im Zimmer auf. Wie ein Stoßvogel schoß er auf Heydemann zu. Na. da sind Sie ja endlich!" rief er. vor Eile noch keuchend. Ich habe mir eine schöne Geschickte 5cbretweaen einaebrockt. Wissen Sie, was mir passirt ist? Mir und Beutler? Wir sind gestern zur Polizei sistirt worden! Von zwei Schutzleute:. Einfach arretirt!" deinetwegen? Wie komme ich denn dazu?" fragte Heydemann verwundert. Wie Sie dazu kommen?" rief Bohne entrüstet, schöne Frage! Es war doch Ihre Angelegenheit, Ihre Sacye. tteilerei, Herausschmiß, Sistirung und nun noch dazu eine Klage wegen Hausfriedensbruch. Ich habe die gane Nacht im Kittchen gesessen. Es war sehr schön und wird vielleicht noch schöner werden." Aber ich habe doch die Keilerei nicht angefangen," bemerkte Heydemann, und dann ich weiß gar nicht, was ich mit der Sache zu thun habe." Nanu, seien Sie doch nicht so," meinte Bohne ärgerlich. Sie können sich ja schon vorstellen, wer und wo daS war. Natürlich im ,Rothen Löwen.' Ich war schon so weit, daß ich Krüger das Geständniß abpressen tonnte. Bin mit Beutler hingegangen, um einen Zeugen zu haben. Wir sitzen also, ich, Beutler. Krüger und der Alte, beisammen. Der gute Weigel drückt sich ab und zu hinten im Zimmer herum. Wir trinken Wein, es wird gemüthlich, ich fange an, von der Geschichte mit den vierzigtausend Mark zu sprechen, und sage es Krüger auf den Kopf zu, baß er sie eingesteckt habe und mich, seinen Freund, zum Theilhaber nehmen solle. Da wird der Mensch ungemüthlich, grob und roh. Ich ärgere mich schließlich und werde noch gröber. Ein Wort gibt das andere, und ich sage ihm ganz einfach, er soll gar nicht mehr den Versuch machen, es abzuleugnen, ich wüß:e bestimmt, daß er das Geld genommen habe. Da fängt der Kerl zu hauen an, denken Sie nur! Na, ich ließ mir das nicht ruhig gefallen natürlich. Es gibt Siandal, der Alte mischt sich hmein, ein Hausdiener kommt... Na ja. Schließlich fliegen wir hinaus und werden von zwei Schutzleuten empfangen. Aber Krüger, die Bestie, mußte auch mit. Er mußte auch die ganze Nacht brummen. Gott sei DankMorgens wurde ich entlassen, bin aber sofort zu Wilke hingegangen, aufs Polizeipräsidium, und' habe die Verhaftung Krügers verlangt. Der Kriminalkommissär lachte. Ich werde mich übrigens darüber beschweren. Denken Sie nur, Wilke besitzt die Frechheit, zu sagen, daß ich auf gänzlich falschem Wege sei. Er vermuthe jetzt etwas ganz anderes und werde noch heute die nöthigen Schritte thun. Na, die werden danach sein! Er wird Sie rufen lassen, und ich soll mit Ihnen kommen." (Schluß folgt.)

RZeik Haversack's Schreibebrief. So. 886.

Seöhrter Mister Edith! Der Christ un die ganze FammilZe un mich mir sin also nach die Zittiehahl gemartscht, ei tell juh es war e rehgeller Proseschen. Alle Leut hen sich erum gedreht wie mer gepäßt sin un all wäre se geposselt, for warum die ganze Schuhtingmetsch so fähd geguckt Hot. Ich hen grad geackt, als wann mich die Fämmillie gar nicks angehn deht un schließlich sin mer dann auch miiaus Aeckzident nach die Zittiehahl komme un wie mir die Steps enuf geträmpt sin, do hen all die Zittie Impleus ihre Diehre aufgerisse bikahs fe hen gedenkt, e Retschiement deht angemartscht komme. Wie mer in den Mister Mehr seine Ossis komme sin, do hen se all Fehses gehabt, die wäre so weiß wie Tchahk. Der Mister Mehr Hot gesagt: Was kann ich for Jhne duhn? Der Christ war nit ehbel e Wort zu sage un do hen ich getahkt. Ich hen den Mister Mehr verzählt wie alles komme is un wie die Buwe nor e wenig Fonn hätte hen wolle, un daß se ihren eigenePa am allermehrschte gesohkt hätte UN das is all UN do Hot der Mister Mehr gesagt: Off Kohrs is es die Tuttie von die Bolies, daß se die Buwe for das erreste duht un ich kann mein Weg nit klier sehn, wie mer den Errest eweute könne." Jetzt is mein Törn komme. Ich hen den Mister Mehr demmonstrehtet, daß seine eigene Buwe, wie se noch Kids gewese sin, mich mit Schnohbahls aevelzt hatte un :cy van ,e ooa,) nit erreste ioe um so fort un Kinds wäre doch emol Kids UN das wär alles was se wäre UN er sollt emol e Auge zudrücke un sollt nit so streng urdeile un do Hot er gesagt: Well, ich will euch emol ebbes sage: Wollt Ihr euch von jetzt an behehse un wollt Niemand mehr mit Ehks bombaddire? Do hen die Kids wie aus einem Mund gesagt: Mer kenne ja gar nit mehr, bikahs mer hen alle Ehks an den Pa ufsgejuhst. Do Hot der Mister Mehr lache müsse un Hot gesagt, se sollte all heim gehn un sollte keinem Mensche ebbes von sage. Do sin se all zu den Mister Mehr gange UN hen Händs geschehkt un die Selma Hot ihn en Schmeil gewwe, daß der Mister Mehr gebloscht Hot un dann sin mer all fort. Wie mer autseit die Ossis wäre, do Hot der Christ gesagt: Meik, du Host mich jetzt e Fehwer gedahn, das duhn ich dich mei ganzes Lewe nit vergeffe. Jetzt gehst du mit mich un dann duhn mer zellebrehte UN wann's mich e ganze Wochelohn koste duht. Heut sieht mich die Zittiehahl nit Widder. Ahlrecht, hen ich gesagt, wann du den Weg fühle duhst, dann go ehett. Ich hen gedenkt, er wollt uns mit nemme in den Saluhn, awwer er ho gesagt, mir könne ebbes besseres in unser Heim hen. Wie mer heim sin komme, Hot er jeden von die Kids e Order ausgemacht un die Buwe sin dann fortgeronnt. So ebaut e halwe Stund später, do is e ganzes Bäsket voll Wein geschickt worde, dann sin feine Dessikabelle komme un so ebaut vier Battele Schempehn un e Battel Kimmel, wo ich aller Hand Achtung vor hen. Dann hen mer uns hingesetzt un hen e Fiest gehabt, das Hot einiges geböte. Die Kids sin off Kohrs am Obend bei Zeite in's Bett geschickt worde un do hen mer immer noch weiter gepichelt. Wie mer grad so in die beste Stimmung wäre, do räppt Jemand an die Dohr un erei kommt der Käpten von die Bolies. Mister Thiereckter, Mister Thiereckter, Hot er gehallert, es sin Burklersch in Jhne Ihr Haus! Do is awwer der Christ zusammegefahre, als wann ihn e Schnehk gebiffe hätt. Die Selma Hot alliwwer geschimmert bikahs se is so geschkehrt gewese; ich hen ganz annerschter gefühlt; ich hen e ganze Latt Drinks in mich gehabt un do hen ich e Korretsch gehabt, daß ich nicks drum gewwe hätt un wann e ganze Reiwerband in's Haus gewese wär. Ich hen den Käpten gefragt: Wo sin die Gauner? Do Hot der Käpten gesagt: Ich sin das Haus gepäßt un do hen ich ebbes in den Frontruhm muhfe sehn un wie ich in das Fenster geguckt ben. do hen ich ganz distinklie gesehn, daß en Feller mit en Kändel in sei Hand in e Korner erumgemonkied Hot. Mir war dann for e Minnit ganz still un hen gelissend un schuhr genug hen mer gehört, daß Jemand daunstehrs gewese is un mer hen auch ganz schloh tahke höre. Do hen ich gesagt: Alle hopp Christ, du bist der Thiereckter von die Bolies un es is deine Duttie, daß du deine Fohrs mit e leichtendes Bleistift voran gehn duhst. Der Christ Hot gesagt, er könnt nit, er deht schon e wenig schehkie fühle un er deht nit denke, daß er die Stepps mache könnt. Do Hot die Selma gesagt: Schehm an juh! Komm an Meik, mir zwei gehn baunstehrs un mir wolle emol inweftigehte was an geht. Wie ich das gehört hen, do hen ich gesagt: Ich sin in itt. Zu-

erscht wolle mer noch einS tackele un

dann gehn mer un Sie Mister Käpten gehn mit. Mer hen e Gias Schempehn gedrunke un dann sin mer gan schloh daunstehrs gange. Mer sin auch mitaus Neus in dasFrontruhm komme un schuhr genug, do Hot das Kendel gebrennt. Awwer was wer'n Se denke, was mer gesehn hen? Die zwei älteste Kids von die Selma hen sich e Battel Wein getäckelt gehabt un hen ganz gemiethlich do gehockt und hen se gepetzt! Ich hen jedem e diesente Lickin gewwe, was sehr iesig gewesen is, bikahs se sin in ihre Neitgauns gewese un dann sin se ausgerisse, un hen gehallert wie die Blutvergießer. Awwer von den Christ do hen ich meine Oppinjien gehabt. Un so Hot die Selma. Mer sin obbstehrs gange un do hen ich un die Selma noch e Kimmelche genomme. Der Christ Hot sich schon in sei Klapp gelegt gehabt. Ich denke, ich muß doch sehn, daß mer en annere Bolies Thiereckter kriege, der Christ duht nit die Bill sülle. Mit allerhand Riegardö Juhrs Trulie, Meik Habersack, Eskweier un Scheriff von Apple ja! Holie Teuer Kauntie. Au5 3.lmcwrvtt. Bankier (einem Bekannten seine Ansichtskarten - Sammlung zeigend): ,.Sehen Sie, diese Karte aus Amerika lostet mich 15,000 Mark" D e r Bekannte: Wie ist das nur möqlich?" B a n k i e r : Da ist mir mal ein Kassircr mit 15,000 Mark durchgegangen, und die hat er mir dann aus Amerika geschickt!" clrnmer 0?crd)iiftsmann. David Moses hat eine alte Frau vom Tode des Ertrinkens gerettet. Der Bürgermeister überreicht dem braven Manne die wohlverdiente Rettungsmedaille. Moses nimmt die Medaille und fängt an, sie von vorn und hinten und von allen Seiten zu betrachten Oder," meint der Bürgermeister, wenn Sie lieber Geld dafür nehmen, dann wollen wir Ihnen 30 Mark geben!" Erlauben Se e' Frag', Herr Bürgermeister," sagt Moses, was mag die Medaille wohl haben for 'nen Werth?" Nun, der Werth an sich ist ja so qroß nicht vielleicht fünf Mark!" Fünf Mark?... Nun. da werd' ich Ihnen was sagen, Herr Bürgermeister: geben Se mer de Medaille und 25 Mark!" Moderner Bettler ta 1$&L ... Geld werde ich Ihnen nicht geben aber Arbeit kann ich Ihnen verschaffen!" Sie sind zu gütig! Wenn ich von Jemand' erfahren sollte, daß er eine Arbeit sucht, werd' ich ihn sofort herschicken!" Keine Freunoe von Denkmälern scheinen die Cemeindevertreter von Lankwitz bei Berlin zu sein. Zunächst wiesen sie einen Antrag auf Errichtung eines Kriegerdenkmals ab. Die Ablehnung des Vorschlages wurde damit begründet, daß es sich dabei um ein Denkmal für einen einzelnen Mann handeln würde, da nur ein einziger Lankwitzer ein Opfer des Krieges von 187071 geworden sei. Das leuchtete auch den Antragstellern ein, und sie machten deshalb den Vorschlag, an Stelle des Kriegerdenkmals ein Kaiser WilhelmDenkmal in Lankwitz zu errichten. Die Gemeindevertretung lehnte jedoch auch dies Projekt, mangels ausreichender Mittel, ab. Adler attackirt Schulk i n d e r. Als kürzlich die Schüler einer Landschule bei Long Prairie, Minn., auf dem Heimwege waren, stieß plötzlich ein großer Adler aus der Luft nieder und packte mit seinen Krallen ein kleines, fünf Jahre altes Mädchen an der Schulter und den Kleidern. Das Kind schwebte schon einige Fuß hoch in der Luft, als mehrere Knaben hinzusprangen und die Kleider der Kleinen erfaßten. Der wüthende Raubvogel hackte mit dem Schnabel nach ihnen, mußte aber schließlich seine Beute fahren lassen und sauste mit lauten Flügelschlägen hinauf m die Lüfte. Zerstörter y:por:icyer Thurm. Ein heftiger Sturm brachte jüngst den mächtigen Schloßthurm in Villafranca, Oberitalien, zum Einstürz. Der von den Scalingern (1260 bis 1387) erbaute Thurm hatte eine Höhe von 82 Fuß; die Mauern waren am Grunde 6z ftufe dick.