Indiana Tribüne, Volume 28, Number 192, Indianapolis, Marion County, 6 April 1905 — Page 5

Jndiana Tribüne . April m5.

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leine Stadtnachrichten.

D i e von oet Jndiana Florifts' Association StaatShause ab. gehaltene Blumen und Pflanzen-Aus ftellung war gut besucht und In dianapolis Floristen waren vollzählig in dea Lifte der preisgekrönten Con teftanten vertreten. Sobald der Stadtrath die nöthigen Gelder bewilligt, um die Pläne des Mayors und der Behörde für öffentliche Arbeiten zu verwirklichen. werden die öffentlichen Bäder unter ftäotischer Aufficht eröffnet werden können. Die Abficht ist, die Rechte der Frau Minnie Schissel anzukaufen. Der MadisoN'Avenue Bau. und Leih'Verein No. 7 erwählte folgende Beamte: Jonathan T. War ner, Präsident; William Kleis. VicePräsident; Peter Ohley?r, Sekretär; Fred Hofherr, Schatzmeister; Direkto ren: Fred Hefe, Charles Schmidt, Mi. chael Dammel, Joseph Lander; An walte: Florea & Seidenfticker. D i e Indianapolis und MartinSville Rapid Transit Co. gedenkt noch während des SommerS ihre BahnVerbindung nach Bloomington auSzu. dehnen. Superintendent Paul H. White kehrte gestern von einerTour zwischen MartinSville und Bloomington zurück, eine Anzahl Repräsentanten der Eaftern Bonding Co. begleiieten ihn auf der Reise. Fair Bank Park, der beliebte Sommervergnügungsort, wird auch fernerhin als Konzertgarten die nen und eine Saison schöner Konzerte im Freien liefern, welche alles bisher Gebotene übertreffen wird. Frau Tron wird selbst die Geschäftsführung über, nehmen und den guten Namen, den der Park sich unter ihres verstorbenen MannneS Thätigkeit errungen bat, zu erhalten sich bemühen. Die Eröffnung findet am 29. Mai statt. Die Damen deS VereinsFreund' fchaftsClub versammelten sich im Hause der Frau August Tamm, 1005 Oft Market Str. Nach Erledigung der regelmähigen Versammlung und derRoutinegeschäfte blieben die Damen im Hause der Gastgeberin in gemüthlicher Unterhaltung beisammen. Preisspiele wurden arrangirt und schöne Preise kamen zur Vertheilung, auch wurde jede der anwesenden Damen mit einem schö nen Souvenier bedacht. Henry Arzman, der beim Militär-Park eine Wirthschaft zu be treiben gedenkt, wurde gestern wegen Schankes ohne Stadt.LizenS verhaftet. Arzman'S Wirthschaft befindet fich in nächster Nähe deS Militär.ParkS und unter der Bestimmung der Park Be hörde, daß innerhalb 500 Fuß von einem Parke fich keine Wirthschaft be finden dürfe, wurde ihm die Stadt. lizenS verweigert. Joseph Heimbo, 30 Jahre alt, ist gestern in seiner Wohnung 2027 Nord Senate Ave. gestorben. Gehiernerschütterung wird als TodeS Ursache angegeben. Heimbo erzählte dem Arzte und den Mitgliedern seiner Familie, daß er eine Treppe hinab, stürzte und da fich die Gerüchte, daß er in einer Schlägerei zu Schaden kam, nicht bewahrheiteten, ist kein Grund zur Bezweiflung seiner Aussagen vor handcn. US der Office der GesnndheitsBehörde. In der Sitzung der Gesundheitsbe hörde würd? heute Dr. E. E. Reyer, Präsident der Behörde beauftragt, eine Conferenz aller derjenigen Personen einzuberufen, welche für die BeHand' lung schwindsüchtiger Patienten fich in teresfiren, um Wege und Mittel zu finden, wie fich die Stadt derselben an nehmen kann. Dem Stadtanwalt Henry Warrum wurde ein Schreiben zugesandt, in welchem derselbe gebeten wird Mittel und Wege anzugeben, wie man Dr. C. E. Ferguson die ihm schuldigen 81750 zahlen kann, die ihm für die bakteriologischen Untersuchungen deS städtischen WafferS noch zukommen. Die Qualität be durch die Waffer. werke gelieferten WafferS beffert fich täglich und nach Anficht des städtischen Gesundheitsbeamten Keene wird das selbe innerhalb 90 Tagen so rein sein, daß man dasselbe nicht mehr zu kochen braucht; bis zur offiziellen Bekannt machung der Gesundheitsbehörde jedoch, sollte dasselbe unbedingt nicht ohne vorheriges Kochen getrunken werden. Die beste 5 Cent Cigarre in der Stadt. Mucho'S Longfellow".

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ANSI st n 0 5 f . ...'-.!- Greisin suchte den Tod. Aus Lebensüberdruß rbängte sich in WeißenfeU, Provinz Sachsen, die 90jährige, in den besten Verhältnißen lebende Wittwe Schönherr. Von einen: Baum erschlagen wurde in SIebencichen, Sachsen, der Konfirmand Arnold Storl. Er war mit seinem Va:er damit beschäftigt, einen Apftlbaum umzulegen, wocei das Unglück geschah. Bestahl seinen eigenen Vater. Bei einem Privatmann in Mainz, Hessen, wurden nächtlicher Weile ein (Einbruch verübt und nahezu 14,000 Mark gestohlen. Als der Einbreche? wurde der eigene Sohn des Bestohlenen von der Polizei ermittelt. Tod durch eine Wäschemangel. Tie 50jährige Frau FZemming in Pößneck. Thüringen, gerieth beim Mangeln der Wäsche zwischen eine Säule und den elektrischen Mangelwagen, und es wurde ihr der Brustkorb zermalmt. Die Frau war auf der Stelle todt. Seuche unter Rennthieren. In den Tungusentundren hinter Turnchansk. Sibirien, ist unter den Nennthieren eine Seuche ausgebrochen, der bis vor Kurzem 20.000 Thiere zum Opfer gefallen waren. Mehrere Tunguscn, die das Fleisch erkrankter Rennthiere genossen hatten, sind an den Folgen der Vergiftung gestorbcn. Seltene Ausstellung. Der Verein Caritas" in Rheydt, Rheinprovinz, der sich die Pflege mittelloser Wöchnerinnen und die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit zur Aufgabe gemacht Hai. veranstaltete jüngsthin eine öffentliche Ausstellung von höchst wertbvollem Material und Demonstrationen über den Schmutzgehalt der Kindermilch. Außergewöhnlicher S e l b st m o r d. Der Handelsmann Schröder in Gartz. Pommern, begoß fein Bett vollständig mit Petroleum, legte sich hinein und zündete es an. Als die Hausbewohner, durch den Qualm aufmerksam geworden, die Zimmerthür erbrachen, gelang es, den Brand zu löschen, aber Schröder hatte bereits einen qualvollen Tod erlitten. Opulente Hochzeit. Bei einer in einem Gasthofe zu Gangkofen. Niederbayern, stattgefundenen Hochzeit war der Zudrang von allen Seiten so groß, daß erst um Mitternacht einigermaßen Luft zum Tanzen wurde. Es wurden von den Gästen 1 Stier, 5 Kälber. 6 Schweine, 6 Spanferkel, 4 Lämmer und ein Dutzend Gänse verzehrt und dabei über 20 Hektoliter (528 Gallonen) Bier hinter die Binde ge gössen. Vom Regen in die Traufe. Infolge der Unruhen in Rußland verließ auch ein Fabrikbesiher in Odessa mit seiner Familie das Land und nahm in einem Hotel zu Hirschberg. Prcußisch-Schlesten. Wohnung. Durch Zufall wurde entdeckt, daß der Fabrikbesitzer ein deutscher Reichsangchöriger, ein wegen Fahnenflucht seit mehreren Jahren verfolgter deutscher Offizier war. Er wurde verhaftet und durch zwei deutsche Offiziere des Hirschberger Jägerbataillons nach seiner früheren Garnison in Süddeutschland transportirt. Beim Frisiren erdross e l t. Vor dem Schwurgerichte in Reichenberg. Böhmen, fand kürzlich die Verhandlung gegen die 16jährige Marie Hradek statt, die am 22. Dezember vorigen Jahres der alten Kartenlegerin Dievok beim Frinren von rückwärts einen Strick um den Hals warf und ne erdrosselte. Tann raubte sie ein auf 720 Kronen ($146.16) lautendes Sparkassebuch und einiges Baargeld. Die Angeklagte wurde zu zwölf Iahren schweren Kerkers verurtheilt, da ein Todesurtheil infolge ihres jugendlichen Alters nicht gefällt werden konnte. Brennende Dschunken. Auf einer in dem chinesischen Hafen Wuchow liegenden Dschunke entstand ein Feuer. Mit großer Geschwindigkeit sprangen die Flammen von Boot zu Boot über. Die Boote selbst geriethen in's Treiben und übertrugen das Feuer auf Pontons. Ein chinesiscbes Tampfbovt dampfte tapfer in die brennende Masse, um die brennenden Boote vom Ufer loszumachen. Das Schiff verbrannte dabei vollständig, aber die schwere Aufgabe gelang seiner Mannschaft mit Aufopferung des eigenen Lebens. Hunderte von Menschen kamen in den Flammen um. Aufregende Szene. Im Mutterkloster zu Mallersdors. Niederbayern, stieg jüngst eine Aspirantin in einem Anfalle von Verfolgungswahn durch das Fenster einer Dachwobnung auf das Dach, setzte sich nach kurzer Wanderung auf das Schneegitter und war durch die gutgemeinten Worte der verschiedenen Schwestern nicht dahin zu bringen, durch das nächstgelegene Fenster wieder einzusteigen. Eine volle Stunde, in welcher sie öfters Miene zu machen schien, vom Dache auf das Pflaster zu springen, dauerte das beängstigende Schauspiel. Auf Anrathen des Hausarztes war man sch öaran. die Feuerwehr zu alarmiren, als es endlich dem Beichtvater gelang, s zuir Einsteigen zu bewegen.

Ein Schritt uom Wege. Wie lange müssen wir hier noch warten. Mütterchen." fragte Iwan Petrowitsch wohl zum hundertsten Male die Mutter, neben der er in einer der Straßen Moskaus schon an drei Stunden auf demselben Fleck stand, weil alle Straßenzüge gesperrt waren, die auf den Weg stießen, den das Zarenpaar heute bei der Ankunft in Moskau muthmahlich verfolgen würde. Ich weiß es nicht, Iwan, wir müssen uns in Geduld fassen." Soll ich nicht noch einmal den Verfuch machen, mit dem Offizier zu sprechen. Es liegt dock gar kein Grund vor, daß wir nicht nach unserem Hause hinüber dürfen. Es sind ja nur wenige Schritte." Versuche Dein Heil, aber Du wirst Dich nur unnöthigcn Grobheiten aussetzen." Was die Mutter vorausgesehen hatte, traf ein. Der neunzehnjährige Iwan Petrowitsch wurde derart angeschnauzt, daß er zähneknirschend auf feinen Platz zurückkehrte. Aus den

drei Stunden waren fünf geworden, als die Sperre aufgehoben wurde, lange nachdem der Zar auf einem ganz anderen Wege zum Kreml gefahren war. ..Bei uns regiert nur noch die Willkür der Beamten, sie schwingen die Knute über uns, Mütterchen, es ist kein Wunder, daß es überall gährt. Denke Dir nur, an den Häusern, die auf die Strecke der Bahn sehen, die der Hofzug passiren mußte, durfte den ganzen Morgen hindurch kein Fenster geöffnet werden." berichtete am Abend desselben Tages Iwan seiner Mutter. Ja. ja, mein Seelchen, sie fürchten immer irgend ein Attentat. Und doch trotz all dieser Matzregeln, die das Volk mit Recht so erbittern, können sie das Leben des Zaren nicht schützen. Sie trennen dagegen wie mit Mauern den Herrscher von seinem Volk, und da ist nichts, was diese Sperre zu durchbrechen vermöchte. Wir haben es ja auch in unserer Familie zur Genüge erfahren." Du denkst an Deinen Bruder. Mütterchen?" Ja. Iwan, er wurde unschuldig verbannt und starb als Sträfling in Sibiriens Bergwerken." Gehörte er denn nicht einem GeHeimbunde an?" Nein, aber es genügte, daß er zufällig in demselben Hause anwesend war. als die Polizei dort eine solche Vereinigung überraschte und verhaftete. Onkel Andrej hatte einen Bekannten besuchen wollen, der, ohne daß mein Bruder es ahnte, ein Mitglied des Bundes war." Hat der Freund denn nicht Zeugniß für ihn abgelegt?" Natürlich, mein Seelchen, aber er fand keinen Glauben. Vater hat nichts unversucht gelassen, doch war alles vergebens. Andrej mußte den Leidenskelch bis auf die Neige austrinken, doch seine süße, junge Frau wurde in den Schreckenstagen wahnsinnig. Gott war barmherzig und schenkte ihr Vergessen. Vor einem Jahre ist Tante Sonja gestorben." Es wurde still im Zimmer. Mutter und Sohn horchten der Stimmen, die aus der Vergangenheit zu ihnen sprachen und die immer lebendiger wurden, als müßten sie als ernste Warnung in die Gegenwart hinüberklingen. Sofia Pawlowna faßte plötzlich die Hand ihres Sohnes, sie zog ihn näher zu sich heran, und ihre Stimme hatte heiseren Klang, als sie ihn beschwor: Iwan, mein Seelchen, Du weiht, was Du mir versprochen hast? Ich kann ganz ruhig sein. Du gehörst keiner Verbindung an?" Sei ganz unbesorgt, mein Mütterchen, ich gehe ganz still meiner Wege, fo schwer es mir auch oft wird, zu allem zu schweigen. Aber wir können nichts daran ändern und mit Bombenwerfen und Meuchelmord ist nicht gehalfen. Eine Revolution, die uns retten könnte, müßte von oben ausgehen, wenn der Zar. von einsichtigen Männern, unterstützt, sich von seinen unseligen Rathgebern befreite und sich an die Spitze seines Volkes stellte." Sofia Pawlowna lächelte, als sie in die blitzenden Augen ihres blühenden Sohnes blickte und fein jugendliches Ungestüm beobachtete. Er war ihr ein und alles, ihr Trost und ihre Stütze, denn ihr Mann war schon lange todt. In einem Jahr bist Du ja auch dieser Sorge ledig," fuhr Iwan fort. ..Dann zicben wir nach Deutschland und ich studire." Sofia Pawlowna strich zärtlich über das lichte krause Haar und küßte die männlich breite Stirn ihres Sohnes, der sie so gut zu trösten verstand. Dann gingen sie zur Ruhe. mm Die letzte Stunde war zu Ende und die Säle des Gvmnasiums leerten sich rasch. Iwan Petrowitsch beeilte sich, da er wußte, daß die Mutter die Minuten bis zu seiner Heimkehr zählte. Die thörichte, liebe Mutter! Wozu sie sich nur stets unnöthigen Befürchtungen hingab? Er war doch wahrlich alt aenug. für sich selbst zu sorgen. Iwan Petrowitsch. warum diese Eile? Wir haben ja denselben Weg," rief die helle Stimme eines jüngeren Kameraden hinter ihm. Ach, Du bist's. Sascha?" Weiht Du das Neueste. Iwan?" flüsterte der Freund ganz aufgeregt

und blickte sich dabei vorsichtig um. ob ihn kein Unberufener belausche. In Deiner Klasse sitzen jetzt die Verschwörer." Wer?" Nun. der Geheimbund tagt heute, wie er es schon so oft getban haben soll. 5ch hatte schon eine Bärenanc:st. Du wcirtt auch darunter. Mi! so was soll man keinen Spaß treiben oder es wird blutiger Ernst daraus, sagt mein Vater. Sie nehmen jent alles so höllisch ernst, das hat man jüngst dei den Studentenunruhen gesehen. Ich möch.e nicht in ibrer Haut stecken, wenn sie gefaßt werden." ..Weiset Du das für gewiß. Sascha?" Ganz gewiß. Marjas Bruder ist auch dabei, sie klagte eö mir unter Thränen. Er soll sogar der Anstifter des Ganzen sein. Marja hat durch Zufall alles erfahren." Iwan hörte nichts mehr, ohne auf den Zuruf des Schülers zu achten, lief er den Weg zurück, den er gekommen war. Sein bester Freund Petruschka war unter die Verschwörer gegangen.

Es galt, ihn zu warnen, aber wie. Wenn er es thm auf den Kopf zusagte, würde er alles leugnen, aber wenn er sie überraschte, hörten sie vielleicht auf ihn. Schon daß sie sich verrathen sahen, mußte sie vorsichtiger machen. Diese Keckheit, das Klassenzimmer zum Versammlungsort zu wählen. Da lag das Gebäude vor ihm. Der SÄuldiener war sicher bestochen, denn der offene Thorweg gewährte ungehinderten Eintritt. Die Treppen und Gänge lagen wie ausgestorben. Was würde er finden? Iwan war es, als spüre er schon die kalte Hand des Gespenstes, das hier umging, in seinem Nacken, und als er hinter sich Tritte die Treppe emporkommen hörte, suchte er vergeblich nach einem Versteck, in dem er sich verbergen könne. Ein Fremder stieg rasch die Stufen empor und blitzte ihn mit seinen dunklen Augen durchdringend an. Wir haben wohl denselben Weg, junger Freund!" redete er ihn an und bog an seiner Seite in den Gang zur Linken ein. Iwan konnte kein Wort über die Lippen bringen, die Kehle war ihm wie zugeschnürt und auf seiner Stirn fühlte er Schweißtropfen perlen, aber er mußte folgen, er mochte wollen oder nicht. Nun standen sie vor der Thür seiner Klasse, sein Begleiter klopfte rasch in eigenthümlicher Weise an. Die Thür öffnete sich zu einem Spalt, eine geflüsterte Frage, eine ebenso leise Antwort, und der Fremde schlüpfte hinein, ohne sich weiter um Iwan zu bekümmern. Er mußte wohl annehmen, daß dieser ihm gefolgt war. Iwan aber stand wie angewurzelt. Wie ein Blitz durchfuhr ihn die Erinnerung an die Warnung seiner Mutter und an das. Schicksal seines Onkels Andrej. Hier, wo Fremde schon die Führung übernommen, hatte er nichts mehr zu suchen. Er würde Petruschka warnen, aber sich seinetwegen dem Verdacht aussetzen, daß er einer der Ihrigen war, das konnte auch die Freundschaft nicht von ihm verlangen. Rasch eilte er die Treppe hinunter und' oeobachtete zu feinem Schrecken, daß noch einige unbetannte Männer ihm begegneten, die ihren Weg schweigend an ihm vorbei nahmen, aber ihn forschend betrachteten. Die Sache gewann ein immer ernsteres Aussehen und Iwan athmete tief auf, als er endlich oen Thorweg durchschritt und auf die offene Straße trat. Da legte sich eine schwere Hand auf seine Schulter, er blickte in das bärtige Gesicht eines Beamten der Polizei, der ihn aufforderte, ihm zu folgen. Die Erkenntniß der Gefahr, in die er sich gebracht, brach mit solch betäubender Wucht über ihn herein, daß er alle Geistesgegenwart verlor und sich losriß, um sein Heil in sinnloser Flucht zu suchen. Sie hatten ihn nur zu bald wieder eingefangen. Monate vergingen. Die Unterfuchung ging ihren schleppenden Gang. Trotz der einmüthigen Aussage der Kameraden, daß Iwan nicht zu ihnen gehöre, waren die Behörden anderer Ansicht. Ter Neffe seines Onkels Andrej konnte nur ein gefährlicher Verschwörer sein. Auch für ihn lautete das Urtheil: Nach Sibirien verbannt!" Aus besonderer Gnade wurde den jugendlichen Verbrechern die Erlaubniß bewilligt, von den Ihrigen Abschied nehmen zu dürfen. Ein trüber Wintertag war es. als Sofia Pawlowna ihren Leidensgang antrat. Wie sie die Monate zugebracht hatte, seitdem das Licht ihrer Tage von ihr genommen war. sie wußte es selber nicht. Sie war von der Thür eines Gewaltherrn zu der eines andern gewandert. Sie hatte gefleht, gedroht und qebettelt bis in den Staub batte 'sie sich erniedrigt. Alles war umsonst. Nun kam sie, um von ihrem Kinde Abschied für dieses Leben zu nehmen. In schwarze Gewänder gehüllt, auf der Stirn die Hoheit des Schmerzes, betrat sie das Gefängniß und forderte Einlaß. Ich darf doch ohne Zeugen von meinem Sohne Abschied nehmen?" fragte sie und lieh eine schwere Börse in die Hand des führenden Beamten gleiten. Wie Sie es wünschen." beeilte sich der Begleiter zu sagen, obwohl es seiner Instruktion direkt entgegen lief. Die schwere Thür der Zelle fiel hinter Sofia Pawlowna in'S Schloß, sie stand ihrem Sohn gegenüber. .Mutter, schne Iwan aus und siel '

ihr zu Füßen, sie mit seinen Armen umklammernd, Mutter, verzeihe mir, ich that nur einen Schritt vom Wege und das wurde mein Unglück." Mein armes, armes Kind." klagte Sofia Pawlowna. als die Beichte ihres Sohnes zu Ende war. und ihre Augen strahlten in irrem Glanz. Unschuldig sollst Tu die Reise antreten, von der Niemand wiederkehrt. Onkel Andrej nicht und Tu auch nicht. Sie sterben alle daran, alle." Ter Onkel war ein kronker Mann. ich bin gesund, ich halte es aus," tröstete der Sohn die verzweifelte Mutter. Nun werdet hr aneinander aeschlössen wie Verbrecher und in den schmutzigen, eisig kalten Stationen wie die Schafe eingepfercht. Nein, schlim mer als Schafe, die sind werthvoll und könnten ersticken. Bei Euch ist es im Grün!' einerlei, wie viele ihr Ziel er reichen, um erst dort zu sterben. So oder so, der Tod kommt doch." Rede nicht so grausige Sachen. Mütterchen. Es sind schon viele lviedergekommen. Sieh, daran mußt Du festhalten, daß Dein Iwan einmal heimkommt." Ich erlebe es nicht und ich will es auch nicht erleben, wenn Du als gebrochener Mann die Heimath wiedersiehst." Wenn ich mich gut führe, wird es mir schon nicht so schlimm ergehen. Mütterchen. Wir haben ja doch gar nichts böses gethan." Man nennt Euch politische Verbrecher, man wittert in Euch zukünftige Anarchisten und bedenkt nicht, daß man durch die grausamen Strafen und die himmelschreiende Ungerechtigkeit, mit der man gegen Euch verfährt, sie künstlich züchtet." Sofia Pawlowna riß Hut und Mantel ab, als müsse sie ersticken und umklammerte ihren Sohn, ihn mit glühenden Augen anstarrend. Sieh mich noch einmal an mit Deinen lieben Augen, wie liegen ste so hohl in der Stirit. Wie hager sind Deine Wangen und die Lippen so blaß, die Kleider schlottern um Deine Glieder, und ich darf Dich nicht gefund pflegen. Ich soll allein zurückbleiben allein! Die Einsamkeit wird mich erdrücken, der Gedanke an Deine Leiden bringt mir den Wahnsinn. Denke an Tante Sonja. Hörst Du nichts? Ich glaube, sie kommen, um mich von Dir zu trennen. Iwan Iwan wenn Du mich lieb hast, so folge mir nach!" Ein heißes Umfangen, ein wilder Kuh, und noch ehe der Sohn sich des Entsetzlichen bewußt wurde, blitzte in der weißen Hand Sofia Pawlownas die todtbringende Waffe, die sie an ihre Schläfe drückte. Ein Knall, ein leises Aechzen und der Körper der Sterbenden fiel in die ausgebreiteten Arme Iwans. Mit liebevoller Sorgfalt bettete der Sohn die Todte auf fein armseliges Lager und drückte einen Kuß auf den bleichen Mund, der ihm zuzulächeln schien. Hörst Du mich. Mutter, im Leben und im Tode folge ich Dir nach." Stimmen wurden laut, der Wärter rüttelte an dem Sloß, seine vor Aufregung bebenden Hände vermochten es nicht sogleich zu öffnen. Iwan wandte das verhärmte, blasse Gesicht lauschend empor, der Ausdruck lächelnden Höhnes umspielte die Lippen, die murmelnd fvrachen: Ich werde Euch keine Mühe mehr machen." Mit fester Hand traf er sich in's Herz, zu den Füßen seiner Mutter fiel er nieder. verbot yencn das Zischen. Gegen das Zischen und da capo"Rufen in Tbeatern erschien im Jahre 1793 in Mailand. Italien, ein geharnischter Regierungsbefehl. Die VerOrdnung hatte folgenden Wortlaut: Seit einiger Zeit werden in den Theatern verschiedene Theile des Stückes, manchmal gegen den Wunsch eines großen Theiles der Zuschauer, von den Schauspielern bereitwillig wiederholt. Das ermüdet nicht nur die Schauspieler. indem es sie jeden Abnd zu doppelter Anstrengung zwingt und sie unfähig macht, an den folgenden Abenden ihre Pflicht zu thun, sondern verletzt und s:ört auch die Schicklichkeit und die Ruhe des Schausviels, das ungebührlich verlängert wird. Um derartigen Ui'belständen zu begegnen, macht die Regierung das Publikum darauf aufmerksam. daß es den Schauspielern trotz des Beifalls streng verboten ist, einzelne Theile des Stückes zu wiederholen, und erneuert zu gleicher Zeit das früher erlassene Dekret, welches das Zischen und andere Zeichen der Mißbilligung im Theater mit Strafe belegt." Gin guter Vater. Herr Komnnssionsrath, auf Ihrem Hofe steht ja ein Möbelwagen!... Wollen Sie denn umziehen?" Bewahre! Mein Söhnchen hat sich vorgestern einen Möbelwagen gewünscht, und da hab' ich ihm einen gekauft!" Gcdunlvknlplittcr. Den Streber lockt nur das Ziel, den Strebenden auch der Weg. Nichts ist so häufig, nimmt man's genau, Als der einzige Wunsch einer Frau. Die Erziehung des Kindes beginnt bei der Geburt der Mutter. Um Aufrichtigkeit wird oft gerade dann gebeten, wenn man in Kompliment hören will. Wie lieb wir jemand baden, wiffen wir nie so sehr, als wie lies wir ihn gehabt haben. '

Bei Mnklik zu Gafte. Ehrung einci fnilänbcr und eines Ameritaners Honigdicrgelage. Jeder Fremde, der in Abessinien jagen oder forschen will, hat in Adis Abeba persönlich die Erlaubniß dazu zu erbitten und wird dann wohl auch vom Kaiser Menelik empfangen, wobei darauf Werth gelegt wird, daß der Fremdling zum mindesten im schwarzen tcsellschaftsanzuge sich vorstellt. Der Engländer Lord Hindlip und der Amerikaner Whitehouse, die vor Jahresfrist eine Jagdexpedition in Abessinien unternehmen wollten, erhielten in einer Audienz bei Menelik die Erlaubniß hierzu und wurden dann zu einem Gastmahl eingeladen. Der Speisesaal war durch schwere Vonhänge von einem größeren Raume getrennt. Ant einer Plattform und unter einem gegen sechs Z)ards im Quadrat messenden Baldachin aus rothem Sammet, der mit einem in Gold gestielten M geziert und von der kaiserlichen Krone überragt war, saß der Kaiser auf seinem Thron, zu seiner Rechten eine Schaar Abessinier, während für die sonstigen Gäste ebenfalls auf der Plattform Tische reservirt waren. Bei dem gut zubereiteten Mahle gab es Fleischbrühe, Frikadellen, Kohl mit Hammelfleisch. Maccaroni, hartgekochte Eier und Omeletten. Dazu konnte man Champagner. Thee, Reisschnaps, französischen Rothwein und Burgunder trinken. Der Kaiser, der seinen besonderen Tisch hatte, sprach den Speisen nur mäßig zu, und wenn er trank, so stellten sich die Diener davor. so daß es niemand sehen konnte. Die anwesenden Abessinier aßen nicht nach europäischer oder ameritaniicher Art. Es standen vielmehr Diener mit rohem Rindfleisch bereit, von dem sich jeder nach Belieben Streifen abschnitt. Diese wurden mit einem Ende in den Mund geschoben, die eine Hand faßte das andere Ende, und die zweite schnitt den Bissen vor dem Munde ab. Nach dem Schlüsse des Mahles wurden die Vorhänge zurückgezogen, und man sah in eine wohl 150 Fuß lange und 100 Fuß breite Halle, in die zahlreiche Offiziere und Soldaten hereinströmten. Sie setzten sich sogleich an niedrigen eisernen Tischen nieder und machten sich über die Honigbierkrüge und das rohe Fleisch her, das herumgereicht wurde. Es ging dabei etwas wild zu. Eine Trompetenfanfare machte dem Gelage ein Ende.

Es war sp neblig 4 4 Zu dem Kapitel, wie manchmal Geschichte gemacht wird, erzählt eine Deutsche den folgenden selbsterlebten Vorfall: Ich war als einzige Deutsche in einem englischen College, als eines Tages ein nicht ständiger Lektor des Instituts einen Vortrag über China hielt. Er hatte selbst viele Jahre im .Reiche der Mitte' gelebt und wußte Land und Leute ziemlich anschaulich zu schildern. Zuletzt erwähnte er auch den Boxerkrieg. ,Da erscheint,' so führte er unter Anderem aus, .am Horizont ein Schiff. Es hat Deutsche an Bord; die sind hinübergeschickt, um den Krieg gegen China auszurichten. Die Chinesen rücken schnell zu Hunderttausend:n ins Feld. Ihnen cegenüber stehen viele tausend Engländer. Franzosen, Russen und zuletzt die 500 Deutschen.' Als der Lektor geendet, drückte ich ihm meine besonder? Freude darüber aus, daß er unseren Interessen so viel Aufmerksamkeit geschenkt. Er habe sich fogar die Mühe gemacht, einen Theil unserer Hilfstruppen zu zählen. Mein Accent machte ihn stutzig, dann aber meinte er lächelnd: ,Well, so mögen noch einige Schiffe mehr gekommen sein, aber wir haben sie nicht geseben, es war fo neblig.' Als sich die Thür hinter ihm schloß, wurde ich gefragt: .Die 500 Deutschen sind wohl alle Ihre Soldaten!' ,O nein.' sagte ich lachend, .glaubt mir. wir haben daheim noch einige mehr!' " Panik in einem j a p a -n i s chen Theater. In einem Theater zu Tokio, Japan, wurden während einer Vorstellung hinter der Bühne Feuerwerkskörper und Beleuchtungseffekte für den Schluß des Stückes vorbereitet. Plötzlich fing ein Theil der Dekoration Feuer. Unter den Zuschauern entstand eine wilde Panik, alles strömte den Ausgängen zu. Da jedoch in den japanischen Theatern erst beim Verlassen des Theaters das Eintrittsgeld bezahlt wird, ließ der Direktor aus Angst vor dem Entgange des Tageserlöses die Thüren schließen und verlangte von dem flüchtenden Publikum das Entree. Das Publikum drückte die Thüren ein. um in's Freie zu gelangen. Nahezu 30 Personen, meist Frauen und Kinder, fanden bei den Kämpfn, welche in der Nähe der Ausgangsthüren stattfanden, den Tod. Zahlreiche andere Personen erlitten Verletzungen. Das Spuckverbot. Professor Ferdinand Hueppe, der bekannte Bakteriologe und Hpgieniker der deutschen Universität in Prag erklärte diefer Tage in einem Vortraq über die Gefahren der Tuberkulose daß das amerikanische Spuckverbot auf den Straßen gänzlich sinnlos sei. weil durch Bazillen im Straßenstauve Niemand direkt infizirt werden könne. Professor Hueppe ist auch ein entschiedener Gegner der Auffassung Robert Kochs, daß der Tuberkel-Bazillus die alleinige Ursache der Tuberkulose sei.