Indiana Tribüne, Volume 28, Number 190, Indianapolis, Marion County, 4 April 1905 — Page 7
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Gsrtfetzung.) Und ob: Gegen Mich kommen sie nicht auf. Das wissen sie. Ich könnte in zwei Stunden die Tagesarbeit der ganzen Bande machen." Na, da sollten Sie doch selbst Nedakteu? sein." meinte Frau Driesen ernsthaft. Würde mir gerade einfallen!" rief Bohne. Herrgott! Wie viele Offerten hake ich schon bekommen! Die Verleger haben mich förmlich angefleht. Aber die Leute bieten zu wenig. Unter zwanzigtaufend Mark jährlich rühre ich keinen Finger. Und die schmutzigen Krämer wollen kaum zwölftausend geben." Hendemann beugte sich tief über feinen Teller. Er ärgerte sich und mußte dabei innerlich lachen. Bohne zeigte sich ihm von einer neuen Seite. Aber er machte doch Eindruck. Frau Triefen sah ihn immer nur mit einer Art Bewunderung an, sie glaubte alles, und auch Edith schien nicht ganz gleichgiltig zu bleiben. Ihre Augen blickten ihn von der Seite an mit einem Ausdruck, der unbestimmbar war. Ein feines Lächeln lag auf ihren Lippen, wie Heydemann meinte, ein Lächeln des Wohlgefallens. Und es verdroh ihn. und er wußte nicht recht warum. Schade, wirklich, daß Sie nicht auch Redakteur sind," meinte Frau Driesen. eine solche Kraft! Sie sind also ausschließlich Journalist?" O, ich habe auch Romane geschrieben." sagte Bohne, eine ganze Menge." So?" fragte Frau Driesen lebhaft, am Ende, da Sie doch mit kriminaliftischen Angelegenheiten vertraut sind, auch Kriminalromane?" Natürlich, Kriminalromane und auch andere Liebesgeschichten und so weiter." Ach. wo sind die denn erschienen?" fragte Frau Driesen. Na, in Zeitungen, in allerhand Zeitschriften." Unter Ihrem Namen?" Nein, unter einem Pseudonym. Ich wollte meine Kollegen nicht eifersüchtig machen. Die sind gleich wüthend und neidisch, wenn man noch was anderes thut als Zeitungsschreiben." Schade," meinte bedauernd Frau Friederike, ich hätte gerne etwas von Ihnen gelesen. Das muß sehr interessant sein, was Sie geschrieben haben." O, das werden Sie noch haben, gnädige Frau," sagte Bohne beruhigend. Ich lasse nächstens meine Sachen in Buchform erscheinen. Diesmal natürlich unter vollem Namen." ), ich freue nnch schon darauf," vemerkte Frau Friederike. Ich erhalte doch ein Exemplar?" Aber ganz gewiß. Ich verspreche es Ihnen. Und wenn ich einmal was sage-" Man stand auf und begab sich in das Empfangszimmer, um den Kaffee zu nehmen. Der Verleger Beutler hielt sich an der Seite der Hausfrau, Bohne gesellte sich zu Edith und Heydemann bildete allein den Nachtrab. Er setzte sich still in eine Ecke, wie ein unbeachleter Zuschauer, während Frau Driesen am Schreibtisch Platz nahm und neben diesem, auf einem Fauteuil, Herr Beutler. Edith setzte sich zum Tijch. Bohne aber verschmähte die Fauteuil und Sessel. Er nahm den großen, breiten Schaukelstuhl, der ganz vereinsamt in einer Ecke stand, rückte ihn näher, setzte sich Edith gegenüber, zog die Beine auf die Fußlehne, legte sich bequem zurück und begann, unterstützt durch Bewegungen des Kopfes und des Armes, sich mit dem Stuhle zu schaukeln. Edith betrachtete ihn mit unverbohlenem Wohlgefallen und großer Freundlichkeit. Ter Mann, der ihr gegenübersaß, bereitete ihr wirklich Vergnügen. Während Frau Driesen mit Beutler geschäftliche Dinge verhandelte und die Paragraphen des Verträges durchging, knüpfte Edith mit Bohne ein längeres Gespräch an. Er erzählte von seinen jqurnaliftifcben Heldenthaten, und sie hörte ihm andächtig zu. Sie haben also viel Arbeit jeden Tag?" fragte sie. Na und ob!" rief er. Denken Sie sich, mein gnädiges Fräulein, wenn Parlamentszeit ist Reichstag, Abge ordne:enhaus, dann einen Blick in ein Theater. Ich mußja überall dabei fein und dann berichten und am Abend, spät in der Nacht, fünf, sechs, acht Versammlungen, wo ich ja unbedingt dabei sein muß." Wie machen Sie denn das?" fragte Edith mit ernsthafter Miene. Nun, man muß eben sozusagen fliegen, man kommt nicht aus der Droschke heraus. Es geht von einer Versammlung zur anderen. Wenn ich irgend wohin komme, mit einem Blick weiß ich alles. Vorstand, Polizei und so weiter stehen mir zu Diensten und geben mir Auskunft. Sie wissen, daß ich komme, und erwarten mich. Und ich sage Ihnen, sie zittern vor mir. Wenn ich mal schlechter Laune bin, na, dann setzt es was in den Berichten. Dann gehe ich fest auf die faulen Köpfe los!" Aber diese ungeheure Anstrengung wird Sie aufreiben," meinte Edith gefühlvoll. Ich an Ihrer Stelle würde lieber selbst eine Zeitung herausgeben und andere für mich arbeiten la'en."
), daö kommt noch, liebes' Fräulein, das kommt noch!" rief Bohne. Sie kennen ja den , Tagesboten,' nicht wahr? Die verbreitetste Zeitung in Berlin. Festgemauert in der Erden. Kein Mensch kann sie aus dem Sattel heben. Nun, ich habe einen Plan zu einer neuen Zeitung. Hammer, der Verleger des , Tagesboten,' hat davon Wind bekommen. Er hat seit Wochen schlaflose Nächte. Er weiß, wenn ich ich die Sache anfasse und mit meinem Unternehmen komme, dann ist tß aus znit dem .Tagesboten.' In vier Wochm ist er todt." Da werden Sie wohl bald das neue Blatt herausgeben?" Ja, sicher. Ich bin schon in UnterHandlung. Eine Gesellschaft mit drei -jjnuiirr.zzi. ;cirr wouen oem ,ag?sboten' zeigen, was 'ne Harke ist." ..Sie sind wirklich ein ungewöhnlicher Mensch." meinte Edith mit einem eigenthümlichen Zucken der Lippen. Schad..
daß ich nicht Schriftstellerin bin, alle meine Romane würde ich für Ihr neues Blatt schreiben." m Sie sind keine Schriftstellerin, gncldiges Fräulein? Ich hätte fast darauf geschworen" Nein, ich bin nur Lehrerin." I was, Lehrerin! Sehen Sie mal! Ich war einst gleichfalls Lehrer." Sie? Herr Bohne? Sie waren Lehrer? In einer Bürgerschule?" Edith war wirklich erstaunt. In einer Bürgerschule und in einem Gymnasium," antwortete Bohne ernsthaft. Dann haben Sie ja das Staatsexamen gemacht." Das nicht," meinte Bohne leichthin. Ich studirte Philosophie und Medizin, und meine Arbeiten, die ich als Student machte, und die Vorträge, die ich hielt, haben so viel Aufsehen erregt, daß der Unterrichtsminister mich aufforderte na, ich habe im Gymnasium und in der Bürgerschule Unterricht ertheilt. Ich sollte dann das Examen machen, der Minister quälte mich ich wäre gleich nach dem Examen Professor geworden aber es war mir langweilig, und ich warf den ganzen Krempel beifeite. Ich wurde Journalist." Aber einer von den großen." fügte Edith mit liebenswürdiger Miene hinzu. Bohne verbeugte sich nach diesem Kompliment. Der Kaffee war getrunken, der Tag neigte sich schon dem Abend zu. Beutler halte sich erhoben und gab damit das Zeichen, daß die Visite ihr Ende erreicht habe. Er war verstimmt und ärgerlich. Er war mit Frau Driesen nicht zu Ende gekommen. Sie war in Geschäftssachen doch klüger, als er vermuthet hatte. Der letzte Roman, für den sie zum ersten Male Honorar bekommen, hatte ihr Selbstbewußtsein gegeben. Nun wollte sie für ihre Arbeit die ihres stillen Mitarbeiters verschwieg sie gänzlich doch etwas haben, während Beutlcr darauf spetulirte, an der wohlhabenden Frau tüchtig zu verdienen. Nun sah er, daß es auf diesem Wege nicht ging. Auf diesem Wege . . . denn während er im Begriffe war, sicd zu verabschieden, dachte er schon über einen anderen Plan nach. Und nun empfahlen sich Beide, Beutler und Bohne. Beim Abschied hatte man offenbar Heydemann, der stA still in seine Ecke drückte, ganz übersehen. Nun sahen die beiden Damen da. und Heydemann stand vor ihnen. In ihm kochte es, er konnte sich nicht mehr zurückhalten. Dieser Bohne " begann er. Edith sah ihn an; in ihren Augen blitzte es. Seien Sie still, seien Sie um Gottes willen still!" rief sie. Dic ser Bohne ist ein amüsanter Mensch!" und sie lachte lustig auf. ..Nein, er ist wirklich ein amüsanter Mensch!" Und sie lachte und lachte, daß ihr die Thränen kamen. Aber Fräulein Edith-" bemerkte Heydemann grimmig. Ach, bitte, sagen Sie nichts." ba: sie. das verstehen Sie nicht. Er ii: wirklich ein sehr amüsanter Mensch!" Frau Doktor Driesen war schlechter Laune. Die Dinge gingen sichtlich nicr: so, wie sie es wünschte. Nicht über Heydemann hatte sie zu klagen. Im Gegentheil: Er hatte den letzten Res: des Manuskriptes schon seit Tagen ge liefert und wartete vergebens auf die Fortsetzung. Aber diese wollte nicat kommen. Frau Friederike hatte sei: dem letzten Besuche Beutlers keine Zeile mehr geschrieben. Die ganze Schriftstetterei schien ihr verleidet. Und auch sonst war sie im Gemüth verstimmt. Sie sprach weniger als sonst, war nervös, launenhaft und konnte über jede Kleinigkeit in einen bei ihr ungewohnten Zorn gerathen. Die beiden Schwestern saßen frein: Mittagessen, also um die einzige Zeit des Tages, an der sie stets zusammentrafen. Edith war still und gedankenvoll, und Frau Friederike schwieg und schien sich innerlich zu ärgern. PI lich brach sie, gleichsam einen langen Gedankenprozeß in sich abschließend, laut in die Worte aus: Nein, mn diesem Beutler ist wirklich nichts anzufangen. Ein schrecklicher Mensch!" Edith blickte auf. Wie meinst Tu das?" fragte sie mit scheinbarer Harmlosigkeit. Für sich will er alles haben, dem anderen läßt er nichts," grollte Frie derike. Der Vertrag, den er mir auf-' reden will, enthält günstige Bestimm mungen aber nur für ihn. Für mich heißt es immer: Zahlen und fchwei-gen."
Das hast Du ja bisher auch immer gethan," meinte Edith. Ja, nun habe ich es aber endlich satt." Dann solltest Du überhaupt nicht mehr schreiben." Ja, warum denn nicht? Gerade jetzt, nachdem ijj einen so hübschen Erfolg mit meinem Roman ,Die letzten Spuren' erzielt kabe." Edith schien ,'twas sagen zu wollen, überlegte sich es aber im Augenblick und schwieg.
..Das .ftarnil'enblatt' will ia noifi weitere Romane von mir haben." fuhi Friederike fort, und will sie gut btzahlen. Ter beste Beweis, daß die Arbeit gut ist." Glaubst Du nicht, daß Heydemann etwas dazu beigetragen bat?" fragte Edith leichthin mit unschuldiger Miene. Ja doch," meinte Friederike obenhin. Daö änderl acer nichts an der Sache. Wenn ich für meine Arbeit bezahlt bekommen kann, warum soll ich denn dann zahlen;'" Da hast Du recht. Ob aber die anderen Romane, die Du noch schreiben willst, auch so gut gelingen werden?" Wieso denn? Warum denn nicht?" Nun. wenn Heydemann eines Tages aufhört, Dein Mitarbeiter zu sein." Frau Fricderik,' wurde ärgerlich. Ich verstehe nicht, warum Du Immer wieder auf Heydemann zurückkommst. Als ob er die Hauptperson wäre. Die Romane sind schließlich doch von mir." Tu willst ihn ja aler als Mitarbeiter behalten." warf Edith ein. Umso besser für ihn da verdient er wenigstens etwas bemerkte Friederike ausweichend. Ich glaube, er verdient jetzt schon so viel er braucht." Nun, und" Und da kann die Zeit kommen, wo er nicht mehr Dein Mitarbeiter sein wird." Eine Pause entstand. Frau Friederike biß sich auf die Lippe und betrachtete aufmerksam die glänzend polirte Klinge ihres Tischmessers. Edith aber richtete ihre dunklen Augen fest auf die Schwester. Sie glich in diesem Moment einem Menschen, der entschlossen ist, einen Kampf bis zum Ende durchzuführen. ..Sag' mal, Edith." begann nun Frau Fricderike, wir mischen uns sonst nicht in unsere gegenseitigen perfönlichen Angelegenheiten hinein. Nicht wahr? Warum willst Du es verhindern, daß Heydemann weiter fvi mich arbeitet? Tu willst es doch verhindern, wie?" Ich kann es ja nicht." Das heißt, Tu möchtest es ge? " Nun ja . . . Sieh mal. Friederike. nimm mir's nicht übel. Es ist Deiner unwürdig und auch für ihn." .Bitte sehr!" rief Friederike. ..ich weiß genau, was ich mix enauven darf." Verzeihe, liebe Friederike," sagte Edith fest, Tu hast selbst zugestanden, daß ich mich sonst nicht in Deine Ange egenheiten mische. Und ich thäte es auch jetzt nicht. Tu kannst ja Romane schreiben, so viel Tu willst und sie auch drucken lassen ob Tu nun dafür bezahlst oder ob Tu Geld bekommst. Das ist Deine ganz eigene Angelegenheit. Llber wenn ein anderer mitarbeitet " Er bekommt ja Geld dafür!" Aber Tu setzest Deinen Namen darauf. Du hast auf alle Fälle den moralischen Nutzen. Seine Gedanken, seine Sprache gibst Du für die Deinigen aus. Und wenn er erst recht zur Hälfte Mitarbei:e?. also Theilhaber wird, kannst Tu doch nicht auf den Tilel setzen: ,Von Friederike Driesen und August Heydemann.' Und wieder, wenn Tu es nicht thust, dann ist es dock nicht reckt" Tu sprichst wie ein Schulmeister." ..Nun ja. ich bin ja cm Schulmeister. Aber bedenke doch, ob ich im Unrecht bin." Hör mal, Edith." sagte Friederike, indem sie den Kopf etwas zurückwarf und ihre Schwester spöttisch ansah, Tu hältst mir da eine lange schöne Rede, um mich auf die Bahn der Tugend und Gerechtigkeit zu führen. Gilt diese Rede wirtlich mir?" Wieso denn?" Ich glaube, Tu tugendhaftes Schwesterlein, Tu denkst dacei mehr an Herrn Heydemann als an meine arme, sund'ge enigkelt. Aber ich bitte Dich. Friederike!" Laß nur. Ich hadc auch meine Auaen. Glaubst Tu. ich habe es nicht bemerkt, tas Dir seine Mitarrci.'erschaft an meinen Romanen unangenehm ist? Nicht meinetwegen, weil Tu um mich besorgt bist, sondern seinetwegen. Ganz recht, eine solche Stellung, wie er sie bei Dir einnahm, ist eines gebildeten Mal.ncs unwürdig." Ich höre jetzt zum zweiten Male das Wort ,unwürdig.' Tu bist wirklich um unsere Würde sehr besorgt. Warum bist Tu nicht aufrichtiger? Inwiefern?" Gestehe es doch offen, daß Du Heydemann na, daß Du Dich für ihn lnteresstrst. Du drehst den Spieß um. Nun soll ich diejenige sein Nein, nein, ich bin ganz bei der Sache. Ich habe bei Deiner schönen Rede angefangen, den Zusammenhang zu verstehen. Tu magst ja nicht unrecht haben. Aber Du sollst mich nicht als eine Ausbeuterin hinstellen. Das bin ich nicht. Und die ganze Angelegenheit würde Dich schwerlich interessiren, wenn nicht der Mann dabei wäre, der nun, für den Du lebhaftes Interesse hast." Ich sehe nicht den Zusammenhang," saate Edith achseluckend.
Ich auch nicht ganz, aber es ist doch so." Beide Schwestern schwiegen. Da sagte Edith plötzlich und rasch: Nun ja, es ist wahr. Ich möchte es gerne sehen, daß er selbstständig, ganz selbstständig ist. Er ist ein tüchtiger Mensch, der viel gelernt hat. Nun soll er nicht in seiner neuen Thätigkeit gestört werden." Na. siehst Du!" meinte Friederike spöttisch, wie Tu um ihn besorgt bist.
fast so. wie für einen Mann, den man " Ich bitte Dich Friederike." Gut. ich sage nichts mehr. Ich mische mich nicht in Deine Herzensangelegenheiten. Und ich glaube, ich werde Dir den Gefallen thun, fo oder o. Denn ich sehe ein, es ist kein haltoarer Zuuand. will zusehen, wie ch seine Mitarbeit für spater wenig stens entbehren kann." 9. K a p i t e l. (V, eydemann wuchs immer mehr in seinen neuen Beruf hinein O und wartete von Tag zu Tag Mit emer gewissen Furcht auf den Ruf der Frau Driesen. Seine Thätigkeit beim Tagesboten" nahm ihn dermaßen in Anspruch, daß er nur mit Aufopferung semer Ruhezeit, seines Schlafes, seiner Erholung an dem neuen Roman der Frau Driesen hätte mitarbeiten können. Er befürchtete täglich die Einhändigung ihres Manuskriptes. Aber .Tag um Tag verging, und nichts kam Frau Driesen ließ überhaupt nichts von sich hören. Es schien ein völliger Stillstand eingetreten zu sein, der Heydemann zwar sehr erwünscht war, ihn aber bis zu emem gewissen Grade beunruhigte. Umso eifriger gab er sich seiner Arbeit hin. Er verwendete seine ganze geistige und physische Kraft, um sich als Journalist zu vervollkommnen. War er anfänglich nur Reporter für lokale Angelegenheiten gewesen, so wuchs er nach und nach zum Mitarbeiter anderer Ressorts empor. Er lernte allmälig die Redakteure der anderen Rubriken kennen, und das Zimmer, in dem Schultze saß, war nicht mehr das einzige, in dem er verkehrte. Der große, ungemern komplizirte Apparat einer bedeutenden Tageszeitung wickelte sich langsam vor ihm auf. Und er wandte seinen ganzen Scharfsinn an, um zu begreifen und zu lernen, wie und nach welchen Gesichtspunkten die ungeheure Menge der taglich einlaufenden Nachrichten über die Vorgänge des kulturellen, politischen. sozialen und künstlerischen Lebens aufgefaßt, verarbeitet und für die Z.neckc der Zeitung zum Ausdruck gebracht werden. An das verschwundene Geld dachte er kaum meh'.. Er brauchte es nicht und gab es verloren. Nur Bohne erinnerte ihn von Zeit zu Zeit daran, aber er nahm dessen Mittheilungen mit größter Gleichgiltigkeit, ja sogar mit emer ge wissen Ungeduld auf. Geben Sie sich doch keine Mühe, sagte Heydemann, als ihm Bohne eines Tages erzählte, wie weit er es in der Freundschaft mit Krüger gebracht habe, und daß nun bald die Stunde Ichia gen dürfte, in der er diesen raffinirten Gauner entlarven werde. Ich werde die Sache bis zum letzten Moment verfolgen!" rief Bohne. Aber es ist ja doch alles umsonst." bemerkte Heydemann. das Geld ist verloren, und Sie werden es doch nicht finden. Es ist mir übrigens c.ar nichts mehr daran gelegen." Ihnen nicht, verehrtesier Heydemann, aber mir uinsomehr' erwiderte Bohne. Ich will meine zehntausend Märker verdienen." Na, hören Sie," sagte Heydemann spöttisch, ein Mann, der über Millionen verfügt, was macht sich der aus zehntausend Mark?" Millionen?" fragte Bohne verständnißlos, wieso denn?" Tas haben Sie nun schon wieder vergessen," meinte Heydemann lächelnd, das große Blatt mit der Millionengesellschaft." Tas Blatt? Welches Blatt? Na ja... ein Blatt." sagte Bohne, rathlos in seinem Gedächtniß suchend. Er erkannte, daß er in seinen Münchhausenanfüllen irgendwo und irgendwann von einer großen Zeitungsgründung gesprochen haben mußte. Je nun." meinte er, sich herausredend, das Blatt und die Millionen stehen auf einem anderen Brett. Aber die zehntausend Mark sind doch baares Geld." Ich glaube nicht, daß Sie dieses Geld jemals sehen werden," sagte Heydemann achselzuckend. Er vertiefte sich wieder in seine Arbeit und vergaß das Geld und di Leiden, die er erduldet, und er fühlte sich nur froh, etwas vor sich zu bringen und fein Leben vernünftig auszufüllen. (Fortsetzung folgt.) vortVU. Womit kann man Ihnen dienen. Herr Nachbar? Ich muß Ihnen mittheilen, daß Ihr Hund gestern dreimal nach meiner Schwiegermutter schnappte." O weh. da verlangen Sie wahrscheinlich Schadenersatz oder sowas von mir?" Keine Spur den Hund will ich Ihnen abkaufen." Her tonumcnt. Lehrer: Wie heißt man im kaufmännischen Leben denjenigen, der eine Waare liefert?" S ch ü l e r: Lieferant." L e h r e r : Richtig, und was ist derjenige, der sie empfängt?" S chü ler: Der Gelieferte.
Cubanifche Schatten und Licht' Seiten. Immer ungünstiger gestaltet sich Cuda's Finanz age in Fo.ge derGelc: ansprüche der sammtlichm tfUignere: seines früheren Befreiungsheeres' Diese Leute können nicht, wie unserVeteranen aus dem großen Bürger kriege, für sich geltend machen, daß stdurch vierjährige furchtbare Anstrrn gungen das Land gerettet haben. Denn die Aufständische aus Cuöc brachten nichis zu Stande, und tlubz befände sich noch heute unter den. Daumen Spaniens, wenn es nich: durch Heer und Kriegsflotte der Ber einigten Staaten vom spanischen Dru befreit Worten wäre. Dennoch sint jene ehemaligen Ausständischen uncr sättlich in ihren Ansprüchen auf B. lohnungen in baarem Gelde. Um st. zu befriedigen, machte Cuba bekannt lich eine Anleche von fünfunddreißig Millionen Dollars. Aber die reichten nach den neuesten Nachrichten bei fbuu tem nich.' aus, und um die unbefriedigten Ansprüche seiner früherenRevo. luzer decken zu können, muß Euba noi; eineAnleihe von sechsundzwanzig MilJionen Dollars machen. Diese sich so schnell mehrende Schuldenlast ist eine schwere Bürde für ein so kleines Land Doch die junge Republik Cuba hat auch ihre Lichtseiten. Und gerade jetzi kommt ein verläßlicher Bericht über dieselben. Urtheile von befähigten Leuten, welche keinerlei politische Rücksichten zu nehmen haben, sind in amerika nischen öffentlichen Angelegenheiten stets die verläßlichsten. Und das gilt auch von Cuba. dessen Unabhängigkeit und Selbstregierung ja ein Werk de Vereinigten Staaten sind. In jüngster Zeit hat der zur rühmlich bekannten deutsch - amerikanischen Bildhauerfamilie gehörige Herr H e i nr i ch Triebe! in Peoria. einer der Schöpfer des dortigen, erst lvenig? Johre alten herrlichen Kriegerdenkmals. sich mit seiner Gattin Harana und einige andere Theile Cuba's btt hen. Seine Eindrücke von dort faßte er seit seiner Heimkehr im Wesentliche so zusammen: Er hab? in Amerika noch keine : reinliche Stadt gesehen wie Harana. das auch mit seinen zahlreichen Park anlagen uns Boulevards einen höchst guten Eindruck auf ven Fremden mache. Während seiner Anwesenheit
in Havana wurde das Denkmal zu Ehren des eubanischen FreiheUvhelde.Jose Marti enthüllt, und Triebe! h.itte Gelegenheit zu sehen, wie tye Spanier eine solche Feier veranstalten. Es war ahnlich wie bei Enthüllung des Kne ger-Denkmals in Peoria durch Prä sident McKinley. Im Festzuge befan den sich 12,000 Schulkinder, alle hübsch reinlich gekleidet, und jedes Kind trug einen Blumenstrauß, den es im Bor beimarsch vor dem Denkmal niederlegte. Die Feststimmung war groß artig und die Feier endete mit einem glanzenden Feuerwerk. Trotz der großen Menge sah Herr Triebe! kei nen einzigen Betrunkenen und er be wunderte die musterhafte Ordnung. In der Stadt Havana herrscht ein auffallender Wohlstand und derLurus scheint fast größer als in irgend einer gleich großen Stadt in den Ber. Staa ten. Die Zucker-Jndustrie auf Cuba bezahlt sich besser als t, und Amen kaner kaufen cubanifche Zucker- und Tabak-Pflanzungen. machen auch viele andere Geldanlagen auf der Insel mit den besten Aussichten auf großen Ge winn. Die Insel hat eine große Zu. kunft. So .fterr Triebe!. Was die von ihm gepriesene Reinlichkeit Havana 'S betrifft, so war sie allerdings ursprünglich das Werk von Amerikanern. wahrend unter spanischer Herr schaft der Schmutz dort groß gewesen ist. Aber, die Cubaner halten die Straßen auch seit dem Abzug der amerikanischen Truppen sorgfältig rein. Die Amerikaner dagegen, die in Havana. wie noch später in Colon und Panama, sich als Meister in der Straßenreinigung erwiesen, lassen so manche ihrer eigenen Städte beinahe im Schmutz umkommen. Zu den neuenSteuerplänen wird der Münchener ..Allgemeinen Zeitung" aus Berlin gemeldet: In Reichstaqskreisen verlautet, daß zu den neuen Steuervorlagen, die der Reichsschatzsekretär Freiherr von Stengcl heute in der Budgetkommison angekündigt hat. eine Reichserbschaftssteuer gehört. Wahrscheinlich ist auch, abgesehen von dem jetzt schon geplanten, nur die norddeutsche Brausteuergemein, schaft betreffenden Biersteuergesetz, das eine anderweitige Staffelung vorsieht, ein neues Bierstcuergesetz für das ganze Reich in Aussicht genommen, falls die Mehrheit des Bundesrathes der Einbringung eines solchen Gesetzes zustimmt. Die Tabaksteuer dagegen soll vorläufig nicht in Frage kommen. Der jetzigeKaiserWilhelm der Zweite vermählte sich am 27. Februar 1881 mit feiner jetzigen Gemahlin. Am 27. Februar nächsten Jahres wird das Kaiserpaar seine silberne Hochzeit feiern und in vielen Theilen Preußens werden jetzt Vorbereitungen getroffen, diesen Tag durch Begründung wohlthätiger Stiftungen zu begehen. In Potsdam ist der Genera!arzt a. D. Adolf Crnesti gestorden. An seinem Todtenbette legte d Kaiserin einen S'raun nieder.
Herr Msofevelt'S nang,ncync Lage. Die Thatsache, raß der Bund?-
senat den Bertraa.sen-.wurf zwischen den Vereinigten Staaten und San o Dominao nich: ceneh:nigt hat. versetzt den Präsidentm Venezuela gegenüber in eine sehr unangenehme Lage. Snte
Domingo war ah schlechte Schuldenzahlerin von europäischen Gläubiger verroht und um ein bewaffnetes V.rsehen europäischer Völker zu hindern, wurde vereinbart, daß die Vereinig en Staaten Beamte zuT Erhebung der Einfuhrzölle ernennen und daß diese zwischen der dominikanischen Republik und ihren Gläubigern nch einem gewissen Prozentsatze vertheilt werden scllten. Die'en Vertragsentwurf hat der Bundessenat bisher nicht genehmigt. Geschieh das nicht, so dürften die Europäer gegen die Sckwesterrepubli vorgehen und deren Einfuhrhäfen fo lange besetzen, bis die dcminikni'che Rcgieruna ihre Schulden bezahl' dat. Das würde gegen unsere jetzig? Auffassung der Monroe Doktrin verstoßen und es entstände die Frage, ob wir d'e Europäer mit Gewalt vertreiben wollen, ohne ihnen die Ausgleichung ihrer Forderungen zu ge - ährleisten. Roch verwickelter gestalten sich di? Dinge in Venezuela. Der Präsiden! Cipriano Castro hat das Eigenthum der Amerikanern gehörigen Ne o D rk & Bermudes A phalt Co." mit 5te schlag belegt; angeblich, wei! die'e eine Rebellion unterstützt habe, und er verkauft jetzt den der Gesell chaft qebör'gen Asphalt für Rechnung Venezuelas in den Vereini ten Staaten. Verqebens ist von unserer Seite der Vorschlag gemacht worden, die Angelegenheit einem Schiedsgericht zu unierbreiten. Der Räuberpräsident verläßt sich osfenl'ar darauf, daß Herr Roosevelt ihm nichts anhaben kann. Denn nach unserer Verfassung darf unser Prästr-ent ohne Zustimmung des Konareffcs nicht kriegerisch vorgehen und v?r der Hand wartet Herr Castro also ab. was van Seiten der Vereinigten Staaien geschehen wird. G'ncheätm bat er aber Großbritanniens und Deutschlands Forderungen durch Zolleinnahmen wenigstens tnr der 5and sicher gestellt, um diese beiden Mächte zu besriediqen und sich dadurch bis zu einem gewissen Grade der l Wohlwollen zu erwerben. Damit sind aber Frankreich. Italien und Holland nicht zuirieden. de en Staatsangehörige Herr Cistn unter allerlei nichtigen Vorgängen schwer oeschädigt hat. Dadurch, daß dieser Räuberhauptmann im Präsidenter'amte die Ansprüche der Deutschen und der Engländer anscheinend sicher gestellt hat. werden du beid'n Völker sich ganz cewiß nicht veranlaßt seben. den Franzosen, Italienern und Holländern in den Arm zu fallen falls diese du Rechte ihrer in Venezuela geschädigten Landsleute mit Gewalt vertreten. Frankreich hat in Washington angefragt, wie wir uns stellen werden, wenn es' cegen Castro bewaffnet vorgcht. falls "dieser nach wie vor jede Genugthuung verweigert. ie Hoff nung. daß Herr Roosevelt die schle ten Aahler unter den amerikanische Re, publiken zur Erfüllung ihrer finanziellen Verpflichtun en fingen werde, hat man in Europa offenbar aufqegeben. nachdem unr Bunessenat es unterließ, den Vertrag mit Santo D' mingo sofort zu beitätiaen. tc3 bleibt bei Eur päern. f lls sie die Fordernakn ihrer Sta.at-an ehörigen eintreiben wollen, nur die Be'etzung der Einfuhrhäfen in den bockbeinigen Schioesterrepubliken" übrig. Herr Roosevelt ist wie die Dinge j tzt liegen, weder im Stande, die schlechten Zahler zur Erfüllung ihrer Pflichten zu zwingen, nrch auch gegen diejenigen europäischen Völker S'ellung zu nehmen, welche zur S:lb'thülfe schreiten. Er kann ja nicht ein- . mal Biirqer der Vereinigten Staaten vor der Ver'ewaltigung durch Caro schützen und es bleibt ihm nichts üdrig. als dem etwaigen bewaffneten Einschreiten der Europäer ruhig zuzusehen. ''enn es dazu kommt? wenn Frankreich Italien und Holland einzeln? Theile Venezuelas unS andere Volks? Theile Santo Domingos besetzen, da -n wird sZ-b schließlich unser Kongreß ,?- zwung'n sehen, der jekt qanz unklaren Monroo-Doktrin amtlich eine bestimmt? und klare Auslegung zu geben. Wir müssen entweder erklären, daß wir unter allen Umständen die B -'enuna iraend eines. 7 heiles non Amerika durch eine europäische Macht verbieten; daß wir aber die Verpflicht q übernehmen, unsere Schweerrevubliken" zur Veahluna nachweislich gerechter Forderungen anzuhalten. Oder wir müssen die Besetzuno. amerikanischen Gebietes untersagen, ohne irgend welche Zahlungsgewähr -leifrnnsj zu übernehmen. Oder wir müsien uns jeglicher Einmischuna in die Beziehungen un'erer ..Schwesterrepubliken zu anderen V'kern enthalten, so lange unsere eiaenea Angelegenheiten durch etwaige Streitigkeiten nicht gefährdet werden. Wenn unser Kongreß sich zu einer der beiden ersten Auslegungen der Monroe-Doktrin bekennt, dürfen w'r mit ziemlicher Sicherbeit auf V'rwic!' lungen mit anderen Ländern rechnen, aus denen uns phx an Blut uo Gut erwachsen werden, während i' dritte Auffassung der oielana"nn Doktrin unserer Ansicht n-ch eb nso wob! aefabrlos wie vernünftig ist.
