Indiana Tribüne, Volume 28, Number 190, Indianapolis, Marion County, 4 April 1905 — Page 6
Jndina Tribüne, 4. April 1905
t
fr
Europäische Nachrichten. Arovinz gbannovev. Hannover. Als die Wittwe Schröder in Begleitung ihrer Tochter von einem Ausgange nach ihrer Wol,nung Knochenhauerstraßc 6, zurückkehrte, wurde die Schrader auf - der Treppe von einem Blutsturz so heftig befallen, daß sie in ihre eine Treppe höher belegene Wohnung als Leiche geschafft werden mußte. Sein 50jähriges Arbeits - Jubiläum beging der Tischler August Säulze in der Billardfabrik von Eh. Lange Hierselbst. Altfunniziel. Arbeiter Gerd Berends und seine Ehcfrau Teike, geb. Eymen, begingen hier das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Der Jubilar ist bereits 95 Jahre alt, seine Ehefrau steht im Alter von 84 Jahren. Goslar. Kürzlich brach in der an der Bergstraße gelegenen Mühle von Scheibe auf unaufgeklärte Weise Feuer aus. das so schmll um sich griff, dah an die Rettung der Gebäude nicht mehr gedacht werden konnte. Sie brannten rollstärdig niedek. Leer. Der Arbeiter Heinrich Schultz, 23 Jahre alt, erschlug hier am Canalisationsteiche den 51jährigen, aus dem Meininqischen stammenden Tischlergesellen Weßler und beraubte ihn. Der Thäter wurde in Peerer verhaftet. M ü n st e d t. Der Hüttenarbeiter Hermann Friese von hier, der bei der Jlseder Hütte beschäftigt war. wurde von den aus einem Hochofen sprikcnden glühenden Coksmassen derartig verbrannt, daß er nach kurzer Zeit im Krankenhause verstarb. O l d e n d o r f. Als sick der Kötner Gese von hier auf einem Ballfest befand, kam in dessen Hav'e auf unbekannte Weise ein Feuer zum Ausbruch. das schnell gewaltige Dimensionen annahm, so dah das ganze Anwesen bald in hellen Flammen stand und sich auf die angrenzenden Baulichkeiten ausdehnte. ?lcht Wohngebäude mit Nebengebäuden sind verbrannt. S p r i n q e. Fuhrwerksbesitzer Konrad Knigge fuhr mit feinem Sohne aus dem Steinbruche am Spielbnnke ein Fuder Steine ab. Auf dem abschüssigen Wege brach die Bremsschraube und der Waqen kam so stark ins Rollen, daß ihn die Pferde nicht halten konnten. Ein Pferd kam zu Falle und wurde todtgefahren, auch Konrad Knigge selbst, welcher die Pferde leitete, erlitt eine Aussetzung der Schulter und eine erhebliche Verletzung am Fuße. Wilhelmshven. Das Jubiläum der 25sährigen Dienstzeit feierte der Lohnschreiber Franz Stolle von hier. Die hiesige freiwillige Feuerwehr feierte dos Jubiläum ihres 25jährigen Bestehens. Jrcl?inz ßefltatett, A l t e n h u n d e m. Aus dem Fcnster des im zweiten Stockwerk liegenden Schlafzimmers stürzte der 28 Jahre alteOberbauarbeiter Toni Trilling aus Saalhausen. Trotzdem gleich arztliche Hilfe zur Stelle war. starb der Bedauernswerthe, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Anscheinend ist Trilling halbschlafend zum Fenster gegangen und durch zu weites Vorbeugen zu Fall gekommen. Der Verstorbene war unverheirathet. Bochum. Dem bei dem Carouffelbesitzer Siepers angestellten Arbeiter Hänel wurde, als er nachsehen wollte, ob in dem Keffel der Acetylenanläge genügend Wasser vorhanden war, durch eine Explosion der Kopf vom Rumpfe gerissen. Dablhausen. Auf dem hiessgen Bah.lhofe gerieth der Oberbauarbeiter Haupt unter die Räder eines Eisenbahnzuges, bei welcher Gelegenheit ihm das rechte Bein über demKnie abgefahren wurde. Genna. Hier fand man den Fabrikarbeiter Lammertz mit einerSchußwunde am Kopfe als Leiche in seinem Bette vor. Alle Umstände lassen auf Selbstmord schließen. Herne. Der 27jährige Bergmann Januschewski wurde von einem 15jährigen Burschen aus Unvorsichtigkeit erschossen. Lüdenscheid. Letztens fuhr das 7 Jahre alte Töchterchen des Schuhmachermeisters Robert Markus mit einem Handchlitten die abschüssige Eduardstraß', hinab und gerieth bei der Einmündung der Straße in die Werdohlerstraße unter ein Lastfuhrwerk, wobei die Räder dem Kinde über den Körper hinweggingen. Das Kind erlitt so schwere Verletzungen, daß es ach kurzer Zeit verschied. Lütringhausen. Das 212 Jahre alte Söhnchen des Bandwirkers Schröder lehnte sich in einem unbewachten Augenblick aus einem Fenster im zweiten Stockwerk hinaus und pürzte kopfüber auf die Straße. Infolge der erlittenen Verletzungen ist der Kleine verstorben. Port. Den Tod in den Fluihen der Weser sute und fand der Eisenbahnbeamte Reinecke aus Haspe. Derselbe hatte seine Familie und seinen Dienstort schon längere Zeit verlassen und hielt sich in Minden und in der hiesigen Gegend auf. heinprovinz. Köln. Ein schwerer Einbruchdiebstahl wurde im Bankhause Sternseld verübt. Die Diebe, die ssch in das Haus einschließen ließen, 'erbrachen den Geldschrank und stahlen 38.000 Mark.
Aachen. Bei einer Aufführung von Humperdinck's Oper Hänsel und Gretel" im hiesigen Stadttheater stürzte der Beleuchtugsinspektor Joseph Frings durch eine Fallthür und zog sich einen Rippenbruch mit Bluterguß in den Brustraum zu. Barmen. Einen tödtlichen Un fall erlitt der Telearavbenarbeiter Albert Göttlich. Derselbe wurde beim Abladen von Telegraphenmasten von einem solchen an den Kopf getroffen und schwer verletzt. Er wurde mittels Sanitätswagen nach dem städtischen Krankenhause übergeführt, wo er infolge der Verletzung gestorben ist. Erkelenz. Der Klempner Lange jun. aus Lövenich fuhr von hier mit feinem Motorzweirad nach Köln und zurück. Auf dem Heimweg fuhr er auf dem Wege nach hi-r wider den kommenden Postwagen. Bei dem Anprall hat er anscheinend schwere innere Verletzungen davongetragen. Er starb bald darauf. Heißen. Der cirka 13U Jahre alte Sohn des Milchhändlers Diedrich Tabbe von hier suchte an einem in der Nähe der elterlichen Wohnung liegenden, vor mehreren Jähren abgebrannten Hause Steine, um den am Hause vorbeiführenden Weg auszubessern. Plötzlich stürzte das morsche Kellerqewölbe ein und begrub den Knaben. Er konnte nur noch als Leiche aus dem Schutthaufen hervorgezogen werden. K r e f e l d. Der in rheinischen Turnerkreisen bekannte Georg AhrWeiler fiel beim Eislauf im Stadtwalde so unglücklich, daß er kurz nachher verschied. N e u n k i r ch e n. Auf dem Stumm'schen Hüttenwerke wurde der Arbeiter Euler von hier von einer durch eine heranbrausende Lokomotive erfaßten und herumgeworfenen drehbaren, das Geleise überführenden Brücke getroffen und auf der Stelle erschlagen. Solingen. In der am Königskotten gefundenen Leiche ist das 8jährige Töchterchen der Familie Flemm aus der Burgstraße erkannt worden. Das Kind hat sich, da es von seiner Mutter gestraft worden war, anscheinend das Leben genommen. Wermelskirchen. Der Kaufmann Heinr. Sohns, der zu Weihnachten in Düsseldorf überfahren wurde, ist nunmehr seinen Verletzungen erlegen. rcvinz Kcffen ?lasfau. Kassel. Fürst Karl von Hanau, Majoratsherr zu Horowitz (Böhmen), ist im Alter von 64 Jahren in seiner hiesigen Villa infolge von Influenza gestorben. m t ScicHsen. Dresden. In einem Hause der Zaunftraße wurde die 17jährige Elfe Vogel von ihrem Geliebten, dem 20jährigen Arbeiter Kurt Borsberg, ermordet. Die beiden hatten seit längerer Zeit ein Liebesverhältniß, das die Vogel jedoch zu lösen versuchte. Vor einiger Zeit besuchte Borsberg das Mädchen und durchschnitt ihm nach einem kurzen Wortwechsel mit einem scharfen Messer die Kehle. Borsberg versetzte sich mit demselben Messer mehrere Stiche in die Brust und wurde als Leichnam aufgefunden. Die auch als Jugendschriftstellerin bekannte Lehrerin an Direktor Leubners Lehrund Erziehungs - Institut Frau Flora Hoffmann - Rühle feierte letztens ihr vierzigjähriges Amtsjubiläum. B a u tz e n. Hier rutschte auf dem Wege am Schießberge eine Frau Petzold aus Seidau, die nach Hause gehen wollte, infolge des Glatteises aus und schlug beim Hinfallen hart mit dem Kopfe auf. Die Frau, welche, dadurch eine Gehirnerschütterung erlitt, wurde in das städtische Krankenhaus gebracht, wo sie nach kurzer Zeit verstarb. C h e m n i tz. Dem hiesigen Schutzmann Zappe ist für Errettung eines Mannes aus der Gefahr, von einem Feuerwehrwagen überfahren zu werden, die silberne Lebensrettungsmedaille verliehen worden. Privatmann Karl Heinrich Bäßler feierte mit seiner Gattin das diamantene Ehejubiläum. F r e i ö e r g. Oberschulrath Dr. Franke, der frühere Direktor des hiesigen Gymnasiums, wurde in der Hainicherstraße von einem dahinrasenden Schlitten überfahren und gegen eine Mauer geschleudert. Dabei erlitt er eine schwere Kopfverletzung, auch trat sofort eine Ohnmacht ein. so daß er nach seiner Wohnurg geschafft werden mußte, wo er nach kurzer Zeit den Geist aufgab. L i n d e n a u. Im hiesigen Allgem. Turnverein feierte kürzlich Karl Hermann das Jubiläum seiner 50jährigen Mitgliedschaft. L i ch t e n st e i n. In der Finsterniß gerieth der hiesige Einwohner Kirsch auf dem Heimwege in den Dorfbach bei St. Egidien und ertrank. O e l s n i tz. Auf einem hiesigen Bergwerk stürzte derBergzimmermann Franke bei Ausübung seines Berufes in den Schacht und fand dabei seinen sofortigen Tod. O l b e r s d 0 r f. Die schon längere Zeit vermißte 19jährige Tochter Bertha des Berginvaliden Werner von hier ist als Leiche aus der Reiße gezogen worden. Der Selbstmord des jungen Mädchens ist aus die Untreue ihres früheren Geliebten zurückzufüh-ren.
Herrn Gladys Lifi.
Humoreske von Fresquet. Deutsch von M von Dequed, Einen Augenblick herrschte Schweigen. Herr Gladys glaubte kaum seinen Ohren trauen zu können, sein erszer Schreiber, sein Faktotum wollte sich von ihm trennen. Wie immer, wenn eine zarte Angelegenheit in Frage kam, schob Herr Gladys seine Brille mit einer gewissen Feierlichkeit zurecht und strich seinen langen, weißen Bart, der ihm ein vatriarchalisches Aussehen verlieh. Sein gütiges, offenes Gesicht nahm einen ernsten, geschäftsmäßigen Ausdruck n, eine spöttische Falte zog sich um seine Lippen. Herr Gladys gehörte zu den Men(chen. denen das Herz aus den Augen pricht. Seine Rechtlichkeit hatte jede Prabe bestanden. Man war allgemein der Ansicht, daß er mit seltener Gewissenhaftigkeit die Interessen seiner Klienten neben den eigenen wahrte. Seit sechs Jahren war Roger Derenne der erste Schreiber in seinem Bureau. Der Notar hatte in ihm eine goldehrliche, treue, alle Eintelzüge des gerichtlichen Verfahrens verabscheuende Natur erkannt und glaubte sich in jeder Beziehung auf ihn verlassen zu können. Obgleich Roger Derenne ganz ohne Vermögen war, hatte Herr Gladys ihn stillschweigend zu seinem Nachfolger ausersehen, wußte er doch, daß der junge Mann ebenso wie er selbst die Ehre der Firma hochhalten würde. Auch Personlich war ihs Noger ans Herz gewachsen. Sein natürliches, herzliches Wesen that b' -n in dieser Beziehung wenig verwöhnten Manne wohl. Seine jetzt verstorbene Gattin, die aus vornehmer Familie stammte, hatte es ihn immer fühlen lassen, dah sie nach ihrer Ueberzeugung eine Mesalliance gemacht, und seine einzige Tochtei schenkte ihm nie ihr Vertrauen. Wohl glaubte er sich von ihr geliebt, aber er sehnte sich nach einem Beweis ihrer Zärtlichkeit und kindlichen Hingabe. Zuweilen hatte er gehofft, Susanne würde eine andere werden, sobald sie liebte, aber noch schien ihr Herz unberührt, bewahrte sie dieselbe kühle Zurückhatung, die dem Vater ein so tiefer Schmerz war. Und nun wollte auch Roger ihn ver. lassen, und weshalb? Die auf die Frage seines Prinzipals angeführten Gründe waren wenig stichhaltig. Er wollte in seine Heimath, die Dauphine. zurückkehren, das nördliche Klima sage ihm nicht zu. Wirklich?" erwiderte der Notar. Seit zehn Jahren leben Sie in Paris und haben das meines Wissens nie empfunden." Ich möchte mich nicht länger von meiner Familie trennen", fuhr Roger fort. Sie haben, wie Sie mir selbst sagten, nur ganz entfernte Verwandte, denen Sie regelmäßig zum JahresWechsel schreiben." Herr Gladys kannte den jungen Mann und wußte, daß dieser unfähig war, sich lange zu verstellen. Bei fortgesetztem Verhör würde er den wahren Grund nicht vor ihm verbergen können. Der Noatr hatte sich nicht getäuscht. Derenne gestand endlich: Sie haben recht, das alles waren nur Vorwände, die eigentliche Veranlassung ist viel ernster, gebieterischer. Ich liebe!" Ach so!" erwiderte Herr Glady mit feinem Lackeln. Ich liebe Ihre Tochter! Jetzt lächelte der Notar nicht mehr. Das war allerdinas eine überraschende Mittheilung. Er hatte nie geglaubt, daß der bescheidene junge Mann es wagen würde, seine Augen bis zu seiner Tochter zu erheben. Derenne gab zu, selbst einzusehen, daß seine Liebe hoffnungslos bleiben müsse. Er betheuerte, sich nur oerrathen zu haben, weil er es nicht ertragen könne, von seinem väterlichen Freunde für undankbar' gehalten zu werden. Susanne selbst ahne seine Liebe nicht, und ihr Friede solle auch ferner unberührt bleiben, vrsprach er bei seiner Ehre. Herr Gladys zweifelte keinen Augenblick an der Wahrheit dieser Aussage, um so mehr er Susannes Hochmuth kannte. Es wäre zu unwahrfcheinlich gewesen, daß sie die Huldigungen des bescheidenen Schreibers günstig aufgenommen haben würde. Selisam! Eigentlich fühlte er sich enttäuscht durch diese Ueberzeugung, hielt er doch im Grunde seines Herzens eine Verbindung Derennes und seiner Tochter für ein großes Glück. Sollte er aber dem jungen Manne Hoffnungen machen, die sich nie erfüllen würden? Die Möglichkeit, daß er selbst seine Tochter beeinflussen könne, schien ihm ausgeschlossen. Wollre er versuchen ihr zu rathen, so konnte das nur die Sache für immer verderben. Plötzlich lächelte Herr Gladys wieder. Blitzartig war ihm ein Gedanke gekommen. Doch hütete er sich, ihn auszusprechen. Ich hoffe. Sie werden mich nicht so plötzlich im Stich lassen, sondern mir Zeit gönnen, einen Ersatz für Sie zu finden." sagte er mit ernster Miene. Aeußerlich wird sich bis zu Ihrer Abreise in unseren Beziehungen nichts ändern. Sie werden wie bisher mit meiner Tochter verkehren.
Selbstverständlich abe, verlasse ich mich auf Ihr Wort, daß Sie durch nichts Ihre Empfindungen verrathen
werden: Als Roger sich verabschiedet hatte, stieg Herr Gladys eilig die Treppen zu seiner Privatwobnuna binauf. Auf dem Flur schon yone er, oay lavier gespielt wurde.' Susanne war also zu Hause. Als er eintrat, saß das junge Mädchen auf dem Klaviersessel, die Arme über der Brust gekreuzt, ein wenig steif und unnahbar wie immer. Sehr blond, mit großen blauen Augen und klaren, ruhigen Zügen, war sie ein Bild der Unscbuld und Unberührtheit, gleichzeitig aber lag etwas Erklältendes in ihrer ganzen Erscheinung. " Ich habe mit Dir zu sprechen!" begann der Notar. Er bemühte sich vergeblich, den Erregten zu spielen. Ueber welchen Gegenstand?" fragte Susanne erstaunt. Es handelt sich um eine große Unannehmlichkeit, die ich soeben gehabt habe. Derenne will mich verlassen. Zuerst weigerte er sich, mir seine Gründe zu nennen, doch als ich darauf bestand, beichtete er." Der Notar hielt einen Augenblick inne, um seiner Uittheilung mehr Nachdruck zu verleihen. Er ist bis über die Ohren in Dich verliebt!" fuhr er fort. In mich?" rief ias junge Mädchen in ungläubigem Erstaunen. In Dich!" erwiderte Herr Gladys vorwurfsvoll. Uebrigens bemühst Du Dich umsonst, die Unbefangene zu spielen." Ich schwöre Dir " Laß das. Es gibt Dinge, für die kein weibliches Wesen blind ist , und ich bin überzeugt, wenn Du den jungen Mann nicht auf irgend eine Weise ermuthigst hättest " ..Ermuthigt? Wagt er das zu sagen?" Bewahre! Im Gegentheil. Ich spreche nur meine Ueberzeugung aus." Das ist also Deine Ansicht?" Ja und deshalb hielt ich es für nöthig, mit Dir zu sprechen. Ich kann Derenne meine Anerkennung nicht versagen. Er ist ein durchaus anständiger Charakter, hat sehr viel Verstand und gewiß eine Zukunft! Aber eine Heirath mit ihm?" Gott ist mein Zeuge, daß niemals Du wirst mir gestatten. Dir zu erklären." unterbrach der Notar seine Tochter, daß in keinem Falle von ei. ner Heirath zwischen Euch die Rede sein kann. Du haft eine hochmüthige. sehr selbstständige Natur, und Du wirst zugeben müssen, daß ich Dir gerne Deine volle Freiheit gelassen habe, in allem, was Dein Glück nicht schädigen konnte. Handelt es sich aber darum, Dir einen Gatten zu wählen " So wirst Du vielleicht so gütig sein, auch mich um meine Meinung zu fragen?" unterbrach ihn Susanne, und ein Funken blitzte in ihrem Auge auf. Darüber werde ich zu bestimmen haben. Indessen soll Derenne noch einige Zeit hier bleiben. Magst Du nun aber seine Gefühle erwidern oder nicht, vergiß nicht, daß ich Dir verbiete " Du verbietest mir?" .Ja!Du verbietest mir?" wiederholte Susanne vor Erregung zitternd. Allerdings bin auch ich empört über die Dreistigkeit dieses jungen Mannes, und ich versichere Dir noch einmal, daß mir bei Gott nie eingefallen ist, ihn zu beachten, aber wirklich, Du sprichst in einem Tone in einem Tone, der mich reizen könnte!" rief das junge Mädchen, ihrem Vater einen empörten Blick zuwerfend. Herr Gladys mußte sich die größte Mühe geben, seine Freude zu unterdrücken. Er machte eine energerische Bewegung. Ich mußte Dich über meine Wünsche unterrichten", erklärte er. Fetzt ist die Sache erledigt, und ich rechne auf Deinen Gehorsam." Mit diesen Worten ging er, Susanne gar nicht die Zeit zu einer Antwort lassend. Erst nach einer Stunde kehrte er nach Hause zurück und erfuhr nun durch das Stubenmädchen, daß seine Tochter sich wegen heftiger Migräne zu Bett gelegt habe. Armes Kind!" murmelte er, doch es ist zu ihrem Glück." Von diesem Tage ab beobachtete Herr Gladys scharf. Anscheinend hatte sich nichts geändert. Derenne kam wie sonst mehrmals in der Woche zu Tisch. Er bemühte sich, in Susannes Gegenwart den Kalten, Gleichgültigen zu spielen, aber man merkte wohl, daß er es mit äußerster Anstrengung that. Susanne dagegen bewahrte ihre vollkommenene Ruhe. Die Unterredung mit ihrem Vater schien nicht das geringste Resultat gehab zu haben, und seitdem war nie mehr davon zwischen ihnen die Rede gewesen. Herr Gladys besaß eine sehr sichere Menschenkenntniß, die ihm schon in vielen Fällen nützlich gewesen war. Sollte sie ihn diesmal im Stich gelassen haben? Schon fing er an, es zu fürchten, als er plötzlich im Wesen seiner Tochter eine Veränderung zu bemerken alaubte. nickt im Verkebr mit
derenne, ader sym gegeniwer. Son-
derbar. indessen blieb es doch ein Hoffnungsstrahl! Susanne war liebevoller, zärtlicher gegen ihren Vater. Es schien, als wenn sich eine Fessel löste, die ihr Gemüthsleben im Bann gehalten hatte. Wenn er Abends aus seinem Bureau kam. begrüßte sie ihn nicht nur mit dem gewohnheitsmäßigen Kuh. fondern plauderte gern noch ein wenig, erzählte ihm die kleinen Erlebnisse des Tages, und einmal zog sie ihn sogar bei der Wahl eines Kleides zu Rathe Herr Gladys war entzückt über diesen Wechsel, ein wenig unsicher und verblüfft allerdings, da er sich den Zusammenhang nicht recht erklären konnte. War ihr fterz erwacht, endlich geschehen, was er so lange ersehnt? Liebte sie? Er war fast geneigt, es zu glauben. Indessen bewahrte Susanne noch immer gegen Derenne ihre steife Unnahharkeit. Dies machte den Notar wieder zweifelhaft. Dennoch fuhr er fort, jeden Blick, jede Bewegung seiner Tochter zu prüfen. Vergeblich hoffte er, sie würde in Gegenwart des jungen Mannes ein wenig Erregung verrathen, nichts von alledem. Er sah, wie Derenne mit jedem Tage ernster wurde, seine Tochter zärtlicher und liebenswürdiger. Fast mußte er glauben, sie liebe einen anderen. Er überlegte, welcher von den jungen Männern ihres Bekanntenkreises der Erwählte sein könne, aber keiner von ihnen schien ihm ihrer Neigung werth. Diese Ungewißheit quälte und betrübte den Notar, selbst die Zärtlichkeit seiner Tochter erfreute ihn nicht mehr, weil er jeden Augenblick ein ihm unwillkommenes Geständniß fürchtete. Eines Morgens kam Derenne blaß und erregt in das Arbeitszimmer des Notars. Ich muß fort, ich kann es nicht länger ertragen, wenn ich nicht geistig und körperlich zugrunde gehen soll!" versicherte er. Herr Gladys begriff. Er fühlte, daß er den jungen Mann nicht länger zurückhalten dürfe. So gehen Sie!" antwortete er schmerzlich. Ich werde noch diesen Abend abreisen", sagte Derenne. Ich habe es schon zu lange ertragen." Beim Frühstück theilte der Notar seiner Tochter Derennes bevorstehende Abreise mit. Die Hoffnung auf eine glückliche Lösung dieser schwierigen Angelegenheit hatte er längst aufgegeben. Um so überraschter war er jetzt, als Susanne plötzlich aufstand, zu ihm herüberkam und, ihn umarmend, flüsterte: Ach, Vater, das kann doch nicht möglich sein?" Herr Gladys blickte erstaunt auf, aber er wagte noch nicht zu hoffen. Es ist nicht möglich, nein, es kann nicht sein, ich beschwöre Dich!" fuhr sie schmeichelnd fort. Ich weiß nicht, wie es gekommen ist. War es Aerger über die verletzenden Strenge, mit der Du mir verboten hattest, an ihn zu denken, ich kann es nicht sagen, denn ehe ich mir klar darüber wurde, daß das Herz sich nicht zwingen läßt, liebte ich ihn schon viel zu sehr, um noch von ihm lassen zu können. Dann habe - ich mich bemüht, mein Empfinden vor Dir zu verbergen. Ich fürchtete Deinen Zorn, fürchtete, daß Dein Eingreifen zu einem plötzlichen Bruch führen würde, Du ihn zwingen könntest, sofort abzureisen. Ja, sieh! Damals kannte ich Dich noch nicht so wie jetzt. Wir verstanden uns nicht ganz. Ich hätte nie gewagt, so mit Dir zu reden, aber nicht wahr, jetzt lieben wir uns viel zu sehr, um uns betrüben zu können?" Herr Gladys wurde fast schwindelig vor Freude, ihm fehlten die Worte. Unwillkürlich aber griff seine Hand nach der elektrischen Klingel. Ein Diener erschien. Sehen Sie. oh Herr Derenne im Bureau ist, und sagen Sie ihm, ich ließe ihn bitten, sofort heraufzukommen." Was willst Du thun?" fragte das junge Mädchen ein wenig unsicher. Der Notar schien ihre Frage nicht gehört zu haben. Weiß Derenne, daß Du ihn liebst?" forschte er. Ich glaube es!" flüsterte Susanne erröthend. Selbstverständlich haben wir nie darüber gesprochen, aber ich bin sicher, daß er es weiß, es errathen hat." Ein tapferes Herz!" dachte der Notar. Deshalb also wollte er sofort reisen, deshalb klagte er sich an, schon zu lange geblieben zu sein." Ach. es ist ganz sicher so!" wiederholte das junge Mädchen. Siehst Du. Vater, es gibt Dinge, die eine Bewegung, die ein Blick verrathen kann und die wir Frauen, trotz der Verstellungsgabe, die man uns nachsagt, schwer verbergen können. Gestehe es nur, Väterchen, auch Du hast es. trotz meiner Anstrengungen, längst vermuthet? Gib es nur zu!" Herr Gladys dachte an seine geschäftliche Ehre und versuchte ein listiges Lächeln. Ein Notar, mein Kind, " be gann tt Aber in diesem Augenblick trat Derenne ein.
Warum nicht Ihr Heim
anziehend machen, durch den Sekrauch eine Garland Ofen. ...und.... Range... Dieselben übertreffen alle andern in Schönheit. Dauerhaftigkeit, Heizkraft und Spar amkeit im Kohlen Verbrauche. Dieselbe werden mit Vergnüge vzeiat, w WILLIG'S ...Möbel-Handlung... 141 West Washington Straße. Aerzte. m 0r. J. A. 8utcliffef Wnnd.Arzt, Feschlechts., Urin. un!,Reclum Krankheiten, fffce ! 155 Oft Market Str. Tel. ftti Offltt-St z 9 MI 18 ntreB.ll bt4vd?. Dr. Carl Q. Winter Deutscher Arzt Veyandelt alle akute und chronische Krank hetten. SeburtShülse Spezialität. vsfteet 14 Weft Ohie fett. 7fBa?rndn: 1011 Born. 14 Rachm. 15 tttC il l I 10 10.50 . bchft)on. Neu U. Wohnung! 1M0 9tabtta v Sprechstunden : 78 deut Sonntag : 64 achm. Wohnung Telephone : it. so i Sei, sin IAKE ERIE & WESTERN R.R. .... Fahrzeit der Züge . . dsahrtnkus loUbo, Chicago und Mchigan rcre... 7.16 tio.u Colcbo, Detroit unb Chicago Lim 12.20 t S.Ii VNchigan Ttttz, TOuncu u.LafayetteVpl..t 7.10 fio.16 toglich t angenommen Sonntags. D e r Nemesis Walten. Vor 20 Jahren hatte Heinrich Zieg land in Le Sueur, Minn., ein gut situirter, junger Mann, einer gewissen Daysie Tichnor die Ehe versprochen und sie dann sitzen lassen. Die junge Dame nahm sich die Untreue des Geliebten so zu Herzen, daß sie aus Verzweiflung in den Tod ging. Ihr Bruder Wilford Tichnor stellte den Verräther zur Ne?!:, und in seiner Wuth schoß er den bösen Heinrich über den Haufen. Da Tichnor den anderen todt wähnte, lud er die Flinte noch einmal und nahm sich selbst das Leben. Tie erste Kugel hatte aber nur den Kopf Heinrich Zieglands gestreift und war in den Stamm eines nahestehenden Baumes gefahren; er kam wieder zu sich und heirathete später eine reiche Wittwe. Toch sollte ihn die Nemisis auf höchst seltsame Weise erreichen. Als er neulich mit seinem Sohn einen alten Baum gefällt, benutzte er zum Zerkleinern des Holzes Dynamit, wobei eine Kugel aus dem Holz herausgetrieben wurde, welche Ziegland auf 30 Schritt Entfernung in den Kopf fuhr und ihn auf der Stelle tödtete. Es war die Kugel, welche Milford Tichnor vor 20 Jahren auf ihn abgeschössen hatte. Schurken st reich. Der tad:marshall von Cottage Grove, Ore., empfing dieser Tage einen mit John gleicher unterzeichneten Brief, in welchem der Unterzeichnete ihm mittheilte, daß er sich das Leben nehmen wolle, und die Stelle bezeichnete, wo man seine Leiche finden werde. Man fand ihn wirklich an der bezeichneten Stelle mit einer Kugel im Kopf, aber noch am Leben. Er erzählte, daß ein gewisser John Branton die Kugel abfeuerte. Weitere Ermittlungen ergaben, daß John Branton den Brief schrieb und das Verbrechen beging, um eine Lebensversicherung im Betrage von $3000 zu erlangen, die ihm nach dem Tode Fletchers zukam. Er ließ sich von gleicher dessen Revolver geben, um seiner Angabe zufolge auf ein Stück Wild zu scrneßen. feuerte aber auf Fletcher und verlangte dann von diesem, daß er sagen solle, er habe einen Selbstmordversuch gemacht, wozu Fletcher sich aber nicht verstehen, wollte.
4 1 W 1
I ( j
