Indiana Tribüne, Volume 28, Number 189, Indianapolis, Marion County, 3 April 1905 — Page 6
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Euroväische Nachrichten. Frovinz Sctzreswig'Korstcitt. A l t o n a. Als der Wilhelmstraße 6. 2. Etage? wohnende Dachdecker Otto Kühl aus dem Dache der Schule in der Jdolphstratze, woselbst er RepGraturen auszuführen hatte, seine Geräthe zusammenpackte, um sich nach Hause zu begeben, glitt er plötzlich aus und stürzte aus der gewaltigen Höhe "aus'3 Pflaster hinab. Sofort eilten Passanten zu Hülfe, doch war Kühl, dessen Schädel total zerschmettert war. bereits todt. Blankenese. Vom Eisenbahnzuge überfahren wurde auf dem hiesigen Bahnhof der Bahnarbeiter Vollrner. Der Verletzte, dem ein Bein abgefahren war. wurde nach dem städtischen Krankenhaus in Altona gebracht. E ck e r n f ö r d e. Theaterdirektor Scherbarth feierte hier sein dreißigjähriges Jubiläum als Schauspieler und Theaterleiter. Scherbarth hat 12 Jahre das Stadttheater in.Bremerhaven, dann das in Schleswig geleitet und hat seitdem das hiesige und das Rendsburger Stadttheater übernommen. Flensburg. Dem Leutnant z. S. Credner vom Schulschiff BIü eher", welcher im vorigen Sommer auf der Chaussee nach Älücksburg zwei durchgehende Pferde zum Stehen brachte und dadurch dem Färbermeister Matthiessen Hierselbst das Leben rettete, ist vom Kaiser die Rettungsmedaille verliehen worden. Hadersleben. Als Leiche wurde im Damm in der Nähe der hiestgen Militärbadeanstalt,die 64 Jahres alte verwittwete Frau" Hardesvogt Siewerts gefunden. Hammeleff. Hier stürzte die j 78 Jahre alte Frau des früheren j Postagenten Bertelsen die Treppe j hinunter und war auf der Stelle todt. I Der 84jährige Ehemann ist blind und in hülsloser Lage. M e l d o r f. Die Putzmacherin Grantz wurde hier ermordet. Die Werthsachen fehlen. Der That drinqend verdächtig ist der Dienstknecht Heinrich Nielsen. 16 bis 18 Jahre alt. angeblich aus Kopenhagen. Derselbe war im December vorigen Jahres als Knecht bei dem umherziehenden Cirkus Braun Wme. beschäftigt. Provinz ScSresicn. B r e s l a u. Ihr fünfundzwanzigjähriges Geschästsjubiläum feierte die Firma Paul Lampert. Hutgeschäft (Inhaberin Frau Klara Lampert). Neue Taschenstrae 8. Paul Lambert gründete das Geschäft vor 25 Jahren in dem Hause Neue Schweidnitzerstraße 17. Seit seinem im Jahre 1883 erfolgten Tode führt die Wittwe Frau Klara Lampert das Geschäft weiter. Di? 40 Jahre alte Arbeiterwittwe Elisabeth Preuler, welche im Seitenhaus des Grundstücks Friedrich - Wilhelmstraße 74 wohnte, war seit längerer Zeit nicht mehr gesehen worden, so daß die Vermuthung nahe lag, es sei ihr ein Unglück zugestoßen. Um festzustellen, ob sie sich in ihrer Wohnung befände, wurde diese in Gegenwart der Polizei durch einen Schlosser geöffnet. Die Frau lag todt am Boden und neben ihr ein neugeborenes todtes Kind. Ein Arzt stellte fest, daß sich die Frau beim Geburtsakt verblutet hat. Alt-Patschkau. Der 78 jährige Auszügler Kunisch von hier entfernte sich, nur mit einem Hemde bekleidet, aus seinem Hause und wurde später unter dem Eise des Dorfbaches todt aufgefunden. Der alte Mann, der in guten Verhaltnissen lebte, muß in einem Anfall von Geistesgest'örthe't den schmalen Vochsieig betreten haben zlv) dann in den Bach gestürzt sein. Vernstadt. Vom Zuge überfahren ließ sich beim Woiisdorfer Uebergange der 40jährige Stellmacher Kaldasch aus Kraschen. Demselben wurde der Schädel sowie beide Beine abgefahren. Der Tod muß sofort eingetreten sein. Görlitz. Der älteste Lehrer Preußens, Kantor emer. August Jentsch, ist hier im Alter von 93 Iahren gestorben. Der Verstorbene konnte im Jahre 1903 das 25jährige Jublläum als Lehrer im Ruhestand seiern. Hermsdorf. Amtsgerichlsv Nath Hundrich von hier verübteSelbst- ' mord durch Erschießen. Das Motiv ist unbekannt. K ö n i g s h ll t t e. Auf dem Krugschachte der Königsgrube Friedrichschachtfeld im Heintzmannsflöz ist der Schlepper Johann Frassek von hier durch einbrechendes Gestein verunglückt. Der Tod trat auf der Stelle ein. L eo b schütz. Auf der Eisenbahnstrecke nach Natibor ist der Bahn Wärter Vesper verunglückt und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt worden. ' Ober-Waldenburg. Auf
dem Ferdinandschachte verunglückten die beiden Häuer Thamm und Völkel dadurch, daß ern Pfeiler stürzte. Der bei der Arbeit mitbeschäftigte Schlepp per kam mlt kleineren Aerletzungen davon. Fror?inz Fosett. Posen. Der Destillateur Zimmtx hat sich nach vorangegangenem Streite in der Wohnung seiner Braut erschossen. Der Grund ist Eifersucht. Der siebente Knabe ist dem OberPostschaffner Wawrzyniak'schen Ehevaar Hierselbst am diesmaligen Geburtstage des Kaisers geboren. Der Llückliche Vater hat die Abstcht für sei
nen Jungstgeborenen. welcher den Namen Wilhelm erhalten.hat. die Pathenschaft des Kaisers zu erbitten. . - F o r d o n. Das Rentenempfänger Hejankowskische Ehepaar feierte unlängst das Fest der goldenen Hochzeit. Dem Jubelpaar wurde vom Bürgermeister Baensch ein Geschenk von 30 Mark überreicht. G o l l a n t s ch. Die Sobeckischen Eheleute von hier hatten es soweit gebracht, daß sie keine Wohnung mehr fanden. Sie benutzten deshalb als Wohnung einen Stall. Bei der anhaltenden Kälte ist eines der Kinder in Diesem Stalle erfroren. Hohensalza. Hier starb die verwittwete Frau PostHalter Grottian im Alter von 88 Jahren. Ihr Gatte ging ihr im September vorigen Iahres im Alter von 93 Jahren im Tode voran. Krone. Drei schwere Verbrecher sind in letzter Zeit während ihrer Strafhaft im hiesigen Zuchthause geisteskrank geworden. Es sind dies der (Einlieger Ignatz Osmiak aus Zilynolaparzhnoska (Kreis Kempen), der im Jahre 1880 wegen Mordes zum Tode verurtheilt, später aber zu lebenslanglichem Zuchthaus begnadigt worden war; ferner der Tischler Joseph Hahn aus Hohensalza, bestraft wegen Straßenraubes mit zehn Iahren Zuchthaus, und der Schlächtermeister Joseph Woday, der wegen vorsätzlicher Brandstiftung eine mehrjährige Zuchthausstrafe
zu verbüßen hat. L a m k i. Bei einem Wortwechsel zwischen dem hiesigen Wirthssohn Kokot mit seinem Schwager Milolslicztjt ist dieser mit einem Messer so schwer in die Brust gestochen worden, daß er hoffnungslos darniederliegt. Kokot leistete der polizeilichen Festnahme heftigcn Widerstand und entfloh. S t r a d u h n. Die lahnge Tochter des hiesigen Eigenthümers Kreuz kam in der Abwesenheit der Eltern dem glühenden Ofen zu nahe und erlitt so schwere Brandwunden, daß sie starb. Provinz Sachsen. Magdeburg. In einem Hause des Breitenwegs in der Nähe des Hasselbachplatzes versuchte ein junger Mann, der Maschinenbauer Viktor Schulze, seine Braut Elisabeth Fischer zu erschießen, und tödtete sich dann selbst durch einen Schuß. Seine Leiche wurde nach der altstädtischenKrankenanstatt gebracht. Das junge Mädchen ist noch am Leben. Es wurde mit dem Sanitätswagen nach der Krankenanstatt in der Leipzigerstraße gebracht. E l l e n b u r q. Der lCjahnge Sohn des Weißgerbers Schmidt brach auf dem Eise des Mühlgrabens ern und ertrank. Halle. Stadtrath a. D. Friedrich Fubel ist hier im Alter von 95 Jahren gestorben. In der Mersebnrgerstraße wurde das vierjährige Söh.ichen des Bäckermeisters Rolle von einem Motorwagen erfaßt und buchstäblich durchschnitten. Das Kind war natürlich auf der Stelle todt. Neuhaldensleben. Hier brach der 8jährige Knabe Weidling, der über den zugefrorenen Mühlgraben laufen wollte, am Fürstenwall, nahe der Reps'schen Brücke, auf dem Eise ein und wurde sofort von der Strömung erfaßt und demSchutzwehr der Rathsmühle zugetrieben. Als man ihn aus dem Wasser herauszog, war er leider schon todt. Ribbensdorf. Die Frau des Arbeiters Finke war in der Nachbarschaft zur Aushilfe gegangen und hatte ihr dreijähriges Töchterchen schlafend zurückgelassen. Nach dem Erwachen machte sich das lebhafteKind in der Stube zu schaffen und kam dabei auf den unglücklichen Gedanken, die noch glimmenden Kohlen aus dem Ofen zu nehmen und in ihr Röckchen zu sammeln. .Dabei fingen die Kleider des Kindes Feuer. Als die Mutter nach Hause kam, lebte die Kleine zwar noch, war jedoch am Oberkörper gänzlich verbrannt und theilweise verkohlt. Das Kind ist den erlittenen Brandwunden erlegen. S i l b i tz. Maurer Puschendorf, der im Kellergewölbe des hiesigen Pfarramts mit Maurerarbeiten beschäftigt war, stürzte von der Leiter und erlitt sehr schwere Verletzungen. 2ha le. In seltener körperlicher und geistiger Frische beging hier der Gemeindeschöppe C. Papendieck mit seiner Gemahlin das Fest der goldenen Hochzeit. Untcrröblingen. Der Arbeiter Eichmann von hier wurde todt im Straßengraben aufgefunden. Er hat. in angetrunkenem Zustande eine Wirthschaft verlassen und ist wahr scheinlich auf dem Heimwege so unglücklich in den Straßengraben gestürzt, daß er den erlittenen Verletzungen erleg?n ist. W i t t e n b e r g. Ackerbürger Otto feierte mit seiner Ehesnm die goldene Hochzeit. Aufregend. Heute hatt' ich eine schreckliche Aufreauna!. . . Erit fiel meine Frau in Gegenwart ihrer Freundin in Ohnmacht, als ich ihr ein neues Brillant - Armband abschlug, und nachdem ich es ihr dann doch oe willigte, fiel die Freundin in Ohn macht." Schone (Zegend. Richter: Einen Komplizin hatten Sie also bei dem Ueberfa?' nicht?!... Es soll sich aber noch einer. Namens Andreas Huterer, lrdem dortigen Thale um hertreibe Räuber: Das stimmt der fflt aber seinen Stand weiter Hintcn!"L
Heidetted.
Von Heini von Steyer. Auf weiter brauner Heide steht Ein alter Föbrenbaum, Knorrästia überragt er weit Den blüthenrothen Raum. Schon manche Jahre steht er dort. Trotzt Wcttcrsturmcsnacht, Nicht Göttcrkraft. nicht -Menschemnacht Hat ihn zu Fall gebracht. In seinen Aesten wieget sich Manch' buntes Vögclein, Hoch oben drin ein ikrähennest Und drüber Mondcnschein. Und könnt' der Baum erzäblen dir. Was unter ihm gescheh'n: Wie sie sich Treue dort gilobt. Die sich :m Sturme nicht erprobt, L.'as Aug' würd' dir vergeh'n. Ter Baum ist stets derselbe noch, Die Menschen sind es nicht: Cnn Wettersturm, ein Schicksalsschlag Oat ihre iLeb' zu Fall gebracht. Still bleicht daö Mondeslicht. Kottfekliou. ' Skizze von Else Krasst. Es ging bei B. & Co. heiß her in den letzten Wintermonaten. Saison - Ausverkauf" stand in großen, bunten Zeilen auf den Eingängen zum Geschäft geschrieben. D?e Verkäufer, die Verkäuferinnen stöhnten und klagten, und nur der Chef rieb sich vergnügt schmunzelnd die Hände. Der diesjährige Ausverkauf muß das ganze alte Lager wegbringen. Flotter, meine Damen, ... schlauer, meine Herren! Nouveautees zu Schleuderpreisen an den Mann brinaen ist kein Kunststück! Aber den Bowel, die Restbestände umsetzen, das sichert dem Personal ein gutes Fortkommen!" Er stockte, als er die grienenden Gesichter der jungen Leute sah. Fräulein Baumann, die Kostümdirektrice selbst, die sonst nur das würdigste Gesicht der Welt aufzusetzen gewohnt war, und sich auf ihre Kunst, das Publikum gut zu bedienen, nicht wenig einbildete, verzog mit spöttifchem Lächeln den Mund. Sie durfte sich auch eine Entgegnung dem Chef gegenüber erlauben. Aber ich bitte Sie, Herr B., Sie können doch mit Ihren strengreellen Geschastsgrundsatzen, es rausperte sich Jemand unter den jungen Leuten, was zum Glück von dem gestrengen Herrn überhört wurde, nicht von uns verlangen, daß wir das Publikum täuschen. Gestern wollte eine Dame durchaus ein modernes Cape haben. Als ich ihr sagte, Capes sind augenblicklich nicht modern " Der Chef fiel ihr aufgeregt in's Won Sind nicht mehr modern, Unsinn! 2öiij das Publikum verlangt, ist eben modern! Wie sollen wir denn sonst die dreihundertsiebzig Capes drüben los werden? Hätten Sie geschwiegen, mein liebes Fräulein, wären es nur noch dreihundertneunundsechzig, und die Dame hätte ihren Willen, ohne daß sie unreell gewesen. Aber ich sage ja, schlau fein, schlauer noch " Er schwieg, da wieder Käufer kamen. Zwei würdige Herren, anscheinend Fremde, auf der Durchreise begrisfen. Jedenfalls der eine sah sehr reisemäßig aus, und scbien von einem VerZiner Freund begleitet zu sein. Das Personal zerstreute sich sofort durch die Geschäftsräume, und es sah aus, als hätte ein jeder furchtbar viel zu thun. Nur Fräulein Vaumann blieb. Sie wünschen, meine Herren?" Der im Neisemantel biß sich unentschlössen auf die Lippe. Was meinste?" wandte er sich an seinen Begleiter. 'ne Bluse," sagte der. Nich en Schakett, oder -wie so'n Dings sich nennt?" wo! Das paßt deiner Frau nachher doch nich. Meine will immer 'ne seidene Bluse mitjebracht haben, wenn ich mal verreist war." Die Direktrice hielt bereits verschiedene Prachtexemplare davon in der Hand. Welche Nummer hat Ihre Frau Gemahlin, bitte?" Weeß ich nich," meinte d:r Dicke. Nimm unbesorgt fufzig," sagte der schlanke Berliner lachend. Die paßt sicher." Die Verkäuferin lächelte. Da habe ich gerade etwas besonders Schickes in dieser Nummer. Dunkel natürlich schwarze Seide ist für starke Damen das Kleidsamste." Meinen Sie?" fragte der Ehemann bilflos. Man sah ihm die kleinstädtische Unsicherheit förmlich aus den Augen leuchten. Um Jotteswillen, nee blos nich schwarz," wandte der andere ein. Deine Amalie, und schwarz! Noth, grün oder blau, Fräulein! Desto heller. desto besser! Du willst doch Freude mit deinem Geschenk machen. was, Emil? 1 Der nickte, dieweil ihm die hellen Schweißtropfen auf der Stirne standen. . Frau Kassenrendan! Tönnemann, Amaliens beste Freundin, hat auch 'ne grüne," meinte er nachdenklich. Der Chef, der bisher mit auf der Brust verschränkten Armen mehr im Hintergrund gestanden, kam unauffällig näher.
Aber so zeigen Sie den Herren doch die wunderbaren grünblauen Schottenblusen, die wir gestern erst hereinbekommen haben, Fräulein," meinte er mit den Augen zwinkernd. Das Fräulein ging und ließ sich von dem Hausdiener im .Hintergrund der Geschäftsräume einen gänzlich
verstaubten Karton vom fünften Regal ! heraoheben. Stumm wühlte sie ,n der bunten Seide und brachte das bunteste davon an. Der Dicke war entzückt. Ja, so ähnlich hat die Frau Kassenrendant Tönnemann auch eine. Blos nich so schön!" meinte er ftrahlend. So eine nehme ich," Na siehste," entgegnete der Freund. Na siehste," schienen die Blicke des Chefs zu wiederholen, als der Einkauf erledigt, und das schöne Geld für die Nouveautee" .in der Kasse war.' Fräulein Vaumann aber that, als bemerke sie diesen triumphirenden Blick nickt. In ihrer Nähe bemühte sich ein junger Mann vergebens schon eine ganze Weile, einer jungen Dame einen Regenmantel zu verkaufen. Es lag bereits ein großer Berg Mäntel über einem Stuhl, ohne daß sich die junge Dame entschließen konnte. Ist alles nichts, nein!" Das hübsche Mädchen hob sich geringschätzig. Ich will was ganz Apartes! Halb Staub-, halb Regenmantel, einfach, aber doch elegant, chik, aber nicht äuffallend, modern, aber nicht unschön mit so weiten Aermeln, wie sie jetzt wieder aufkommen. Der junge Mann wurde blauroth vor lauter Ohnmacht, diesen Wünschen gegenüber. Aber ich bitte Sie, meine Gnädigsie," er hielt einen lichtgrauen Mantel in der Hand, dieser hier ist doch sicherlich Ihren Bedingungen entsprechend. Und dabei wanderte ein verzweifelter Blick zu den Collegen und Colleginnen, der sich aber beim Aufsehen der jungen Dame sofort wieder zu dem verbindlichsten Lächeln verwandelte. Sie zuckte die Achseln. Ich hab' mir eben was ' anderes vorgestellt." Sie nahm ihr Geldtäschchen, ihren Schirm und raffte graziös den Rock, um zu gehen. Wie ein Stoßvogel war der Chef an ihrer Seite. Noch nichts Passendes gefunden? meine Gnädigste? "Ja, das glaube ich wohl! Sie wollen etwas ganz Besonderes haben. Sollen Sie auch, gewiß! Herr Schulz, warum zeigen Sie der Dame nicht die Pariser Modelle, todtschick sag' ich Ihnen." Die junge Dame horchte auf. Der Schirm wurde wieder gegen den Stuhl gestellt, die Hand glitt am Stock hernieder und das Antlitz wurde ganz verklärt. Pariser Modelle!" Herr Schulz rannte, die hellen Tropfen auf der Stirn, in einen Nebenräum und brachte mehrere Regenmäntel aus dem vorigen Jahrhundert an, was ja bekanntlich erst fünf Jahre ad acta gelegt war. So, hier! Halb Staub-, halb Regenmantel, einfach, aber doch elegant, schick, aber nicht auffallend " Die junge Dame griff mit beiden Händen zu. Ja, so etwas meinte ich! Warum haben Sie mir die denn nicht gleich gezeigt, die Pariser Modelle !" Fräulein Hahn, die kleine, zweite Verkäuferin, probirte währenddessen ein Jackett an, das ein Mann ihrer fernen, jung verheiratheten Tochter schicken wollte, die gerade ebensolche Figur hatte, wie Sie, Fräulein." Sie drehte sich und reckte sich, und mußte sich wieder von vorne drehen, dieweil die alte Dame an ihr herumzupfte und den Stoff fühlte. Meinen Sie, der hält? Meinen Sie. den kann meine Tochter ein paar Jahre tragen? Glauben Sie, daß . daß, meine Tochter vielleicht bald etwas Kleines kriegen sollte, daß es auch noch weiter gemacht werden kann, . . . und daß es auch nicht zu auffallend für so eine kleine Stadt ist?" Die kleine, niedliche Verkäuferin war ganz roth geworden. Ja gewiß, gnädige Frau, . . . dann brauchen blos die Knöpfe vorgesetzt I werden, und, und, . . . man könnte ja r l -, i p i i . l t c . oas yeueeloenfUller euren ounnes ersetzen, wenn Sie wollen." Nein, nein, man blos nich! Mein Schwiegersohn is für's Elegante! Das Futter kann ruhig so bleiben!" Die zukünftige Großmama strich mit zärtlichen Fingern über den schwarzen Tuchstosf. Is gute Qualität, ... jal Da kann am Ende Krtchen noch einmal en Anzug daraus kriegen . . ." Fräulein Vaumann bediente jetzt eine einfache Frau mit ihrer vierzehnjährigen Tochter, die einen Einsegnungsumhang" haben sollte. Aber wat mit Perlens," meinte die Mutter. Flitters sind modischer, Jrete. Weeßte nich mehr vorichtes Jahr de Wuschefskyn ihre Frieda? Die hatte ooch Perlens. Sind also schon nich mehr in Mode. . . . Jeden Se man wat mit Flitters. Schwarze Spitzen, un Seide, un . . Un ne iroße Schleefe vorne runter," vollendete Grete. Fräulein Baumann brachte einen großen Karton UmHange, darinnen
Mutter und Tochter so gierig wühlten, daß ihr angst und bange wurde. Doch blieb sie immer gleick liebenswürdig. Grete probirte alle derReihe nach an. Kieke mal, Mutta, dieses hier! Nee, nee, des hier is noch feina. Wart mal, Mutta, da unten hackt noch eenZ mit ne Rüsche. Seh' mal, steht mir
des? Oder soll lch ueoa eens mtt en Stehkragen nehmen?" Mutter ging prüfend um ihr strohblondes, sommersprossiges Mädel herUM. Pikfein! Nee, Jrete, wie ne Dame! Wat kost' denn det mit de Rüsche. Fräulein?" Zehn Mark," sagte die Verkäuferin. Haben Sie nich noch wat theures? Frau Lehmann, wat meine Nachbarin is, hat fufzehn for des von ihre Aujuste'jejebcn." Der Chef ging gerade lächelnd vorüber, als er diese Worte hörte. Um dieses Geschäft brauchte er sich nicht zu kümmern. Die einfachsten Leute waren seine besten Kunden, da sie nicht handelten, nichts verstanden und niemals ungemüthlich wurden. Herr Schuz bediente jetzt ein junges Ehepaar, von dem sie" ein Frühjahrskostüm haben wollte. Sie" war sehr niedlich, jung und schlank. Sie wurde jedesmal roth, wenn sie etwas anprobirte und auf sein" Urtheil wartete. Er" fand alles hübsch. Aber Schatz, sieh mal, sitzt das auch hinten? Wie fällt der Rock? Schleppt er ein bischen? Sag Schah, meinst du nicht lieber, daß ich Mode nehmen soll?" Wie du willst, Liebling!" Sie hatte bereits das sechste Kostüm an. Er begann unruhig zu werden. Sitzt das? . . . Nein, ... ich meine in der Taille, wo guckst du denn hin, Schatz? Sieht's schick aus?" Ja, . . . entzückend," antwortete er, ohne recht hingesehen zu haben. Ihnen steht alles, gnädige Frau," wagte Herr Schulz galant zu sagen. Sie lächelte. Was kostet das hier?" Fünfzig Mark." Der junAe Ehemann fuhr ganz erschrocken herum. Nee, Mausel. Nee, . . . dieses hier sitzt aber gar nich," meinte er mit plötzlich erwachtem Verständniß. Sie verzog das Mäulchen. Schade, ... es 'gefiel mir gerade, Schatzelchen!" Sie drehte sich kokett vor ihrem Herzallerliebsten, herum. Sie doch, ... wie elegant es ist! Und blos fünfzig Mark, ... Schatzi!" Er schluckte erst ein paarmal. Dann, als sie ihn so süß anlächelte, nickte er. Na, denn mmm's nur, Mausel!" Bald darauf betrat ein älteres Paar das Geschäft, das sich erst eine ganze Weile vor der Thür herumgedrückt hatte. Er drehte die Mütze in der Hand, und schien offenbar Landluft um sich her zu verbreiten. Sie trug einen Plllschmantel von anno dazumal, der sich sehr knapp und verschossen um die pralle Figur zwängte, und hielt eine schwarze Reisetasche in den Händen. Sie zitterte förmlich vor Verlegenheit. Erst nach verschiedenen Fragen bekam Fräulein Baumann heraus, daß Mutter" einen neuen UmHang wollte. Aber wat Gut's," setzte der Vater hinzu. Es wurden Umhänge vorgelegt, wahre Prachtexemplare! Mutter wehrte aber ängstlich ab. Nö, nö, jörnich, ... der is zu jugendlich for mi, nö ... Vatter ... so eenen hew ick all als Brüt jehett, un der Hot sich jornich jehollen. Weeßte's? Schon nach en ersten tein Johr's wor es koputt." Denn nimm en onnern, Motter. Oberst wat's Gut's!" Vater hielt kramphaft einen großen, grünen,-gehäkelten Geldbeutel in der Hand, durch dessen Maschen es gülden blinkte. Kost' wat lost! Wir hobens dertau!" Mutter stand schwerathmend beim anprobiren, und konnte sich kaum rühren vor Glück. Auch war der Kragen wohl zu hoch und drückte. Aber fein war's wirklich! So einen UmHang mit so'n Pelzkragen trug die Frau Pastor auch, und die vom Gut oben . . . Vetol man, Vatter, ick beholt'n jlicks an," ... und sie drehte sich in dem schweren UmHang wie ein Pfau, dieweil von draußen schon erste, warme Frühlingssonne durch die Fenster sah. In ihren Strahlen kam etwas Winziges, und Süßes durch die Thür spaziert. Eine junge Frau hielt's an der Hand. Ein Kindermäntelchen, weiß natürlich," wollte sie haben. Sa," . . . setzte die Kleine aufgeregt hinzu, un ne Pellerine d'an, und goldene Tnöppe, forchtbar viel goldene Tnöppe ..." Der Chef hörte es auch. Furchtbar viel goldene Knöppe," wiederholte er für sich, indem er befriedigt die Kasse durchzählte. Durchschaut. Aber. Männchen, so unsolid wie jetzt, kenn' ich Dich noch gar nicht." Ja, weißt, ich bin halt Mitglied von einem astronomischen Verein geworden." Der scheint ja grundsätzlich nur Sterne zu beobachten, die nach Mitternacht auf Lehen."
Vor einigen Wochen un-
terzog sich in New York der 63 Jahre " r i . ti rx. ty n . .. rv ? n i aue ieorg ncy im mauern innn Hospital einer seltenen Operation. Der Unglückliche litt an einem Zungen -Krebs, den allzu starkes Rauchen erzeugt haben soll, und da das widrige Uebel stch immer weiter fraß, so blieb zur Rettung des Patienten nichts anderes übrig, als das kranke Glied durch einen operativen Einschnitt vom Gaumen zu lösen. Der Fall erregte in medizinischen Kreisen beträchtliches Aufsehen; die Zunge wurde dem Aermsten amputirt, und kürzlich konnte Jnch als geheilt das Hospital verlassen. Das Sprechvermögen hat der Vedauernswerthe natürlich eingebüßt; sonst aber hat er die Operation bestens überstanden. DieStreik-Statistikdes Staates Massachusetts, die von dem Bureau für Arbeits - Statistik herausgegeben wurde, besagt,, daß die Arbeiter in jenem Staate durch Ausstände im abgelaufenen Jahre 1,951, 978 Tage verloren. In 39 Fällen erkämpften' die Arbeiter einen Sieg, in 58 erlitten sie eine Niederlage, so daß die Angestellten ihre Plätze verleren, und in 43 Fällen, wo Ausstand auch verloren ging, konnten die Arbeiter wieder ihre Beschäftigung aufnehmen; in 29 Fällen beendigte ein Vergleich den Kampf. Zum Schluß des Jahres herrschten 15 verschiedene Streiks, und in 12 Fällen war es dem Bureau nicht möglich, das Resultat des Kampfes in Ersahrung zu bringen. Passagiere auf der Green Vay Western Bahn, die auf der Wisconsin Central von Amherst Junction in Fond bu Lac, Wis., eintrafen, berichteten über eine aufregende Fahrt hinter einem Rudel Hirsche her. Oestlich von Dexterville wandelten die Thiere auf den Geleisen. Als der Zug sich nahte, liefen sie in eiliger Flucht immer die Strecke entlang, eins hinter dem anderen. Schließlich holte die Lokomotive die Hirsche ein und der Kuhfänger schleuderte sie den Ab hang herunter. Bei der ersten Sektion wurde Halt gemacht und der Condukteur Seymour berichtete dem Vor mann über den Vorfall, der dann dem Wildhüter Brown in Pittsville gemeldet wurde. Dieser fand noch vier Hirsche, deren Beine gebrochen waren. Sie wurden getödtet und das Fleisch unter die Bewohner von Dexterville vertheilt. Man glaubt, daß mehrere der verwundeten Thiere sich in den Wald zu flüchten vermochten. Einen wahren Sherlock Holmes besitzt die Stadt Camden, N. I., in dem Constabler White. Ein gewisser Louis Rivald meldete, wie berichtet wird, der Polizei, daß ihm früh Morgens sieben Paar feine Brahmaputra - Hühner gestohlen worden seien. Aus irgend einem Grunde lenkte sich der Verdacht, das Federvieh gestöhlen zu haben, auf den in der Nachbarschaft wohnenden John Dallas, und Constabler White erhielt den Auftrag, den Fall zu untersuchen. Als der Constabler nach Dallas' Wohnung kam, wurde ihm bereitwilligst die Erlaubniß ertheilt, sich überall umzusehen, allein er konnte nichts Verdächtiges bemerken. Schon wollte er das Haus unverrichteter Dinge wieder verlassen, als sein Blick von ungefähr auf einen Nagel im Stubenboden fiel. Dieser Nagel zeinchete sich vor seiner Kameraden durch den Glanz der Neu heit aus und brachte den gewiegten Criminalbeamten quf den Verdacht, daß das betreffende Ärett des Stubcnbodens erst vor Kurzem angenagelt worden war. Weitere Schlußfolgerungen nach Sherlock Holmes'scher Manier veranlaßten den Constabler, das Brett zu heben, und siehe da zwischen den Balken des Bodens fanden sich mehrere Brahmaputra - Hühner, denen nach allen Regeln der Kunst der Hals abgedreht worden war. Dallas wurde verhaftet. Seit Jahren treiben, wie aus New Jersey berichtet wird, im Hafen von Elizabethport KohlendZebe ihr Unwesen, welche es auf die Kohlenboote der Wilkesbarre and Lehigh Navigation Co. und der Pennsylvania Coal Co. abgesehen haben, indem sie sich in ihren schnellen Booten von Elizciethport an die mitunter sehr langen Züge der geschleppten Kohlenboote heranschleichen. Wiederholt hat auch die New Jorker Hafenpolizei Verhaftungen dieser Kohlenpiraten borgenommen. Sie benützt bei der. Verfolgung dieser Leute ihre Dampfbarkasstn, und kürzlich gab es eine scharfe Jagd von zwei dieser Barkassen auf zwei kleine Boote, welche bei der AnNäherung der Polizeibote rasch von einer Flotille von Kohlenbooten abge stoßen waren. Die Barkassen führen kleine Haubitzen, und erst nachdem mehrere Schüsse aus denselben auf die verfolgten . Boote abgefeuert worden waren, hielten die Ruderer an und ließen sich von der Polizei festnehmen, welche sie nach Shooters Island brachte, wo man die Leute entließ, da sie in ihren Booten keine Kohlen hatten. Wie die Kohlenverschisfer sagen, betragen ihre jährlichen Verluste durch Plünderung der Kohlenboote zwischen 150.000 und Z200.000. Die Polizei von Elizabethport ist übrigens mit je'ner von New Fork übereingekommen, die Ufer deö Staten Island SundZ zur Zeit der Flizth, wri'.n die Züge der Kohlenboote den Sund passiren, scharf bewacht zu halten.
