Indiana Tribüne, Volume 28, Number 189, Indianapolis, Marion County, 3 April 1905 — Page 5

Jndiana Tribüne 3. April 1905.

r .rk Ki. ?n n?

. KX. X'X xw ie xx r a i rSi t fl E K w .j sH-ß xx Uc4 s 34 SS (4 v4 ie Hübsche junge Frau glüht vor Eifer und Hitze. In dem sreunduazen Zimmer ii dun-; jtige Lust, trotzdenl em Fensierflüel weit offen sieht. Die feuchte Wäsche bringt das so mit sich. Wmchen Haberkorn ist Plätterin; , sie dersteht ihr Geschäft und hat immer genug zu thun. Sie nimmt nicht die kleinsten Preise, aber ihre Herrschaften" kommen stets wieder mit Aufträgen. So gut wie Frau Haberkorn versteht's nicht jede. Sie hat ja auch Zeit zu? Arbeit. Ter Mann den ganzen Tag in der Fabrik wenigstens bis vor ein paar Wochen und kein Kind,. seit das Eretchen auf dem Friedhof liegt. Was hätte sie mit den vielen Stunden, die ihr die Besorgung des kleinen Haushalts übrigläßt, beginnen sollen? Und jetzt ist's ja auch eine Nothwendigkeit, daß sie verdient. Ihr Munn hat keine Arbeit; 's ist 'ne Schande, daß sein Prinzipal, der Besitzer einer großen Möbelfabrik. ihn entlassen hat. Na ja, der andere Werkführer ist länger im Geschäst, das ist wahr, aber so tüchtig wie der Christian ist er lange nicht. Lieber Haberkorn," .so hat der Herr gesagt, es thut mir selbst leid, aber der Hütt-ler-hat sechs Kinder und eine kranke Frau, und er ist schon zwanzig Jahre bei mir. Sie haben keine Kinder, Ihre Frau verdient, Sie können's eher mit ansehen. Zwei Werkführer sind zu viel bei den schlechten Zeiten; Sie wisscn's selbst, wie die Geschäfte stocken. Ich muß mein Personal verringern; so gern ich Sie behalten hätte, es läßt sich nicht machen. Und wenn's mal wieder besser geht, und Sie haben noch Lust, zu mir zu kommen, dann soll's an mir nicht fehlen." Seit sechs Wochen schon war der Christian also ohne Stellung; er lief sich fast die Beine ab, um irgendwo anzukommen. Vergebens! Schlechter Geschäftsgang. Da behilft sich jeder. Sie könn:n's ja auch mit ansehen, das ist Winchens Meinung. Sie schafft's auch, allein. Wenn nur der Christian nicht so ganz verzweifelt wär. Vielleicht glückt's ihm heut. Er bleibt lang aus; die Mittagsstunde ist schon vorüber. Winchen ist jetzt mit einem Korb Wäsche fertig. Sie sieht in der Küche nach dem Rechten und deckt den Tisch. Alles geschieht flink und gewandt. Der Frau ist die Arbeit eine Freude, das zeigen die raschen Bewegungen, der helle Blick der fröhlichen Vlauaugen. Das Essen ist übergar; sie tritt an's Fenster. Dort kommt er endlich, der Christian. Aber sieh mit so 'nein finstern Gesicht. Also wieder nichts! Man hatte ihm doch Hoffnung gemacht bei Heiler und Sohn. Na, das wird wieder ein schöne? Mittag werden. Endlich, Christel, die Supp ist schon ganz verkocht. Und die Kartoffel werde auch nit besser vom Stehn!" Ach was, meinetwegen! Hab .überHaupt keine Lust zum Essen. Die Herren haben sich anders besonnen brauchen vorläufig niemand. Zum Donnerwetter ich halt's nicht mehr aus Ich" Heb, Christian, mußt nit so bös sein. Ist doch keine Noth bei unö. Ich schaff's ja, ich" Ja, Tu, immer Du, Winchen; das ist's ja eben, daß ich mich von meiner Frau ernähren lassen muß. Ich ertrag's nicht, ich das muß aufhören, sonst geh' ich zu Grunde. Ich muß Arbeit haben." Nit so wüscht, Mann. Guck, ich schaff ja so gern. Und es langt ach für zwei. Und unsern Spargroje habe wir doch auch. So wart's doch nur ab und schimpfir nit den ganze Tag. Davon wird's nit besser." Besser, nein. Aber abwarten thu ich's auch nicht länger, 's muß doch nicht gerad hier sein. Ich schreib an den Albin Röder. er soll sich in Ostheim für mich umsehen." Winchen fäbrt hastig auf: Nein. Christel, das gibt's nit. Das thust mir nit an. Dahin ge! ich nit mit. Nach Ostheim, in so ein erbärmlich Nestchen! Ich thu's nit. sicher nit." Das wird sich finden, Winchen. Wo der Mann ist, da gebort die Frau auch hin." Ich geh aber nit mit. Vrr so ein klein Städtchen, in 'ner Gegend, wo sich die Füchs Gutenacht sagen! Das könnt mir passen. Wo ich mein schönes Frankfurt noch nit verwinde kann." Da hättst halt dort bleiben müssen, in Deinem schönen Frankfurt." Konnt ich denn? Hattst mir's nit angethan, Du böser Mensch, daß ich. gar nichts mehr gefragt hab. tote nach Dir, und mit Dir gegange bin, hierher in Dein Thüringe,, wo's dreiviertel Jahr Winter ist. Und nun, wo ich mich endlich hier eingewöhnt hab und hab die Sehnsucht nach meinem schöne Frankfurt bezwunge, nun, wo ich gute Freund hier gesunde hab, und wo ich meinen schönen Platz im Theater hab im Winter, und den Hofgarte im Som.mer, und wo ich so eine feine Kundschaft hab, und wo mein Gretche auf'm Friedhof liegt nun soll ich fort in ein so elend Nestche " ' ..Kennst's ja gar nicht." . Hab aber genug davon gehört. Der

fc'f Ut XU Ä,

S5 55 55 55 5 55 55 w m w

$- fözrfahltnto von w B. 1.1 i t tw o ger . 5 55 5 .? il fcH t fc a 4 Frau Müller ihre Schwester ist dort in Stellung gewese, und das kannst nit von mir verlange, Christian, daß ich dahin geh. Und 's ist ja auch nit nöthig. Ich sag's noch einmal: ich schaff's schon allem, bis Du wieder Arbeit hast. Mußt ebe nit so stolz sein, mußt Dir's gefalle lasze, daß ich für D:Ä sorge thu. bis Du wieder 'n Platz findst. Ewig kann's doch nit' dauern.. Die Geschäfte müsse auch einmal wieder besfer gehe; dann nimmt Dich der Hoffmann gern wieder. Und wer wsiß, wie bald sich sonst was finde thut. Und" Und fc lang seh :ch zu, wie Du Dich schindsi und plagst." ..Hab ich mich. etwa beklaqt darüber? Mit keinem Wörtche. Und ich thu's auch in Zukunft nit. Nur sprich mir nit von Osthelm. Ich geh mt mit nach Ostheim, ich will nit. Hat schon mein seliger Vater immer gesagt, das Wmchen, hat er gesagt, das ist ein Eiseköppche, das ist nach mir gerathe, und hat seine Freud dran gehabt." Freud? Er hät Dir 's ,Eiseköppche' mit der Ruthe austreiben sollen, wär gescheiter gewesen. Auf die Dickköpfigkeit brauchst Dir wahrhaftig nichts einzubilden. Und daß Du's weißt. Winchen. wenn ich was für mich findt in Ostheim, nachher geh ich. Und wenn Du nicht mit willst,. so bleibst halt hier." Mit halbem Lachen spricht der Christian die letzten Worte. Schön, mache wir." so ruft Winchen bitterböse, und ihre hellen Augen funkeln zornig. Schweigend verzehren die zwei Leutchen das Mittagsmahl. Dann begibt sich Winchen wieder an's Plätten. Ihre Gedanken sind aber nicht, hei der Arbeit, und beinahe hätte sie eines der .feinen Faltenhemden des Herrn Hofmarschalls angesengt. Ter Christian kramt aus einer Schublade BriefPapier heraus und schreibt eifrig. Winchen wirft ab und zu einen Blick auf ihn, und um ihre Lippen zuckt ein svotisches Lächeln, so, als wollte sie sagen: Schreib Du nur! Zuletzt setze ich doch memen Willen durch. Dafür bm ich's Eiseköppche." Jetzt ist der Brief fertig. , Christian greift nach seiner Mutze. Na, hast geschrieben an den Röder?" An . wen sonst? Und sobald ich Antwort hab, und es ist irgend Aussicht, fahr ich rüber und seh mich selbst um. Dort ist noch was zu machen bei dem Holzre:chthum und den" billigen Löhnen. Tort kann ein tüchtiger Kerl sich auch zuletzt Einmal selstständig machen und es zu was bringen." Tart's nur ab! Wenn Du allein uttl hause mußt, nachher wirst auck nn auf n grüne Zweig komme." Allein?" Na ja. Hast ja gesagt, ich könnt hierblcibe. Und ich thu's. Glaub's nur! Ich geh nit fort von hier, wo ich mich wohl fühle thu, blos wegen so 'nem eigensinnige Mannsbild.. Ist mir schon Ernst. Sie schaut ihn verstohlen an, was er für ein Gesicht dazu macht. Ach ja so. Du bleibst hier, wenn ich geh. Auch gut. Ich zwing Dich nicht." In Winchen kocht's. Sie plättet drauf los, als wollte sie ihren ganzen Groll auf diese Art los werden. Kragen und Manschetten häufen sich wohlgerundet im Korbe neben dem Ofen. Christian drückt sich noch ein Weilchen Dhne rechten Zweck herum; er wartet wohl aus ein gutes Wort seiner eigensinnigen Frau. Vergebens. Da setzt er endlich die Mutze auf und tritt mit emuthlichem Lächeln zu ihr. Na. n Kuß krieg ich vielleicht doch?" Winchen wehrt ab. Geh nur so. bist ein ganz schlechter Mensch, thust mir nichts zulicb. Machtst Dir was aus mir.' nachher thätst nit so hartnäckig auf Deinem Kopf bestehe. Nach Ostheim! Das kannst mir ja gar nit zumuthe. Schmeiß den dummen Brief in's Feuer und geduld Dich, bis sich hier was findt!" Fallt mir nicht ein. Ich hab keine Lust, mich von Dir ernähren zu lassen. Das ist ja die verkehrte Welt. Ich bin der Mann, und ich will der Mann bleiben. Und wo ich mein Brot findt. da geb ich hin. Und eine rechte Frau fügt sich. Wenn das aber Dein Eisenkovf nicht zuläßt, so kann ich's nicht ändern. Ich zwing Dich nicht. Kannst hier bleiben, ich helf mir schon allein. Vorhin war's Svaß. jetzt ist's mein Ernst." Winchen schaut ihren Mann ganz verblüfft an. und baUi sieht sie so allerliebst aus, daß sein Zorn schon wieder schwindet und er einlenkend meint: Uebrigens hat die ganze Streiterei keinen Zweck. Ist ja noch sehr die Frag, ob sich in Ostheim was machen läßt. Also Winchen. gib mir'n Kuß und mech'n freundlich Gesicht!" ' So bist ein .. guter Mann. Ich wußt's ja. Es war nur so ein Einfall. Und nun wirfst den Wisch in's Feuer?" Geschäftig reißt sie die Ofenthür auf. Ten Vrief? Aber davon hab ich kein Wörtcken gesagt. Den Brief schick ich natürlich ab. - So war's nicht gemeint. Ich bin doch kein Waschlappen. So ein möchst ja auch nicht." Damit will Christian den Arm um ihre Schulter legen, aber sie wendet sich trotzig ab und. scheint nur Sinn .für

tore Arbeit zu baden. .Auch aur.-

Mit diesen ärgerlichen Worten verläßt Christian die Stube und wirst die Tour heftiger zu, als unbedingt nothwendig ist. Als seine Schritte drarrßen verballt sind, stellt Winchen das Eisen weg und bricht in Thränen aus. So'n abscbeullcker Mann. . Traat wahr und wabrbaftia den Brief fort.. Meinetwegen! Mag's werde, wie's will. Ich aeb mt mit. Hier bleib, ich, hier, wo mir's gefalle thut,, beinah so gut, wie in meinem schöne Frankfurt, hier, wo ich meine feine Kundschaft hab, und wo mein Gretche bearaoe neat. Nach Ostheim müßt mich ia schäme, wenn sie das in Frankfurt höre thäte. So ein elend Nestche! Ich geb nit nach, so wahr ich's Eiseköppche bm. Albin Röder. der früher mit Christian zusammen aearbeitet bat. weiß wirklich einen paffenden Platz für seinen Freund. Es ist schon so gut wie fest. Mas der Albin über die Verbältnisse n Ostkeim schreibt. lautet vielversprechend. Die Geschäfte in dem klemcn. durch seine bedeutenden Wo belfabriken weitbekannten Städtchen aeben aut trotz der schlechten Seiten. Durch eine seit Kurzem bestehende, äußerst gunstige neue Bahnverbindung haben sie sogar einen noch größeren Aufschwung genommen. Ter künftige Prinzipal wünscht nur noch, daß sich Christian persönlich vorstellt. An einem Sonntagmorgen wirft er sich also in semen besten Anzug, um nach Ostheim zu fahren. Winchen, im Hausgewand, putzt schweigend an den Möbeln herum. Jetzt tritt ihr Mann zu ihr. Winchen, fei gut, zieh Dich schnell an, geh mit nach Ostheim, und sieh Dir alles selbst an! Gewiß bist Du nachher ganz zufrieden. Es ist ein gar freundliches Städtchen ich kenn's von früher. Und leben kann der Mensch überall. Bezwing Dich und mach mir's nicht so schwer. Guck, ich bin ja so froh, daß ich Aussicht auf Arbeit hab. Ich sehn mich danach, ich kann's nicht mehr aushalten, das Herumlehnen und Faulenzen." ..Ach.' das ist aar nit So schlimm. Hilfst mir den ganze Tag- schleppst mir alles bei und siehst nach dem Feuer und Und rührst die Supp rum und schälst Kartoffeln und putzst die Lampen zum Kuckuck, mochst mich viel: leicht auch noch's Plätten lehren und mich an den Waschtrog stellen? Jetzt hab ich's aber satt. Wine. Wer ist Herr im Haus? Das bin ich. Und nun ist meine Geduld zu End. Setz Deinen Dickkopf auf daß Du einen hast, hab ich seither erfahren. Als, wenn ich die Stell wirklich krieg 's ist ja so gut wie abgemacht so zieh ich mit dem nächsten Ersten nach Ostheim. Und wenn. Du nicht mitgehst " Ich kann doch nit, ich hab hier meine Kundschaft. Du, als ob's nur allem auf Dich ankam! Wenn ich Dir's fit den schwer gemacht hätt mit Vorwürfe, wie's andere Weiber thun, nachher wollt ich nichts sage. Ich häng ebe auch an meiner Arbeit. . Dort, in den? Nestche, da läßt kein Mensch plätte, da gibt's ja gar keine vornehme Leut. Und da soll ich sitze und faulenze und nit einmal meinen Zeitvertreib habe. Kein Theater, keinen Hofgarte, nichts, nichts! Wo ich's doch gewöhnt bin von meinem schönen Frankfurt, her. Aber auf mich kommt's ja nit an. Wenn Du nur zu Deinem Recht kommst. Heutzutaa ist's aber nit mehr so. Heutzutag hat auch die Frau was zu sage und hat ihr Recht aus Arbeit. Das liest man m alle Zer tunge. ja wohl. Und eins hat so viel zu bestimmen :n oer Eh wie's anderes Herraott. wie aesckeit Du redst! Das ist ia eine aanz neue Weisheit. Ich denk aber, damit hat's noch gute Wege. Vorläufig ist's noch der Brauch, daß die Frau da lebt, wo ihr Mann ist. Und wenn sie das nickt will, so ist's ein Grund zur Ehescheidung. Aber, wie ich Dir schon gesagt hab. ich zwina Dich nickt. Bleib Du nur hier bei Deiner Arbeit, ich geh nach Ostheim, wo's für mich welche gibt. Nachher können wir alle Beide zusneden sein. . Und alle Sonnabend kann ich ja kommen. So machen's viele. Schön denk ich mir's freilich nicht, so ein Leren. Aber wenn's Nickt anders ist. muß es eben gehen. Wenn Du Dich nicht doch noch besinnst, Winchen, liebes Winchen?" Gibt's nit. Hast's ja gewußt, wie ich drüber denk, und hast nichts danach gefragt." ..Na. dann adieu. Wine." Adieu. Halt, Dein Rockkrage ist ja aam staudia. und ein ftrubnuck mm Mitnehme hab ich dort binaeleat und richtig kern frisches Taschentuch im Sack. So Mannsleut sind doch auch zu gar nichts nutz. Wenn Du keine sVrau hättst Nun. das mun ich ia dock lernen. mich allein behelfen, wenn ich erst -in Osthejm bin." Für Dein Zeug werd , ich schon sorge, kommst ja alle Sonnabend." Ja so." Damit geht der Christian. Es ist die höchste Zeit, wenn er den Fruhzua noch erreichen will. Munter und vergnügt, wie lange nicht, kehrt er am Abend zurück. Er kann nicht genug erzählen, wie freund lich und entgegenkommend der Prinzi pal gewesen ist. wie aünstia die Bedin gungen. Und was das Schönste ist. Winchen. ein nettes 'kleines Logis steh! leer in der Fabrik selbst;- das könnten wir für geringe Miethe sofort haben.

tt ZSnlenaautt meinte.' es noar ihm

recht lteb, jemand MerlaNiges rem-

zukriegen. Es sind zwei Stuben, Kammer und eine kleine Küche, reichlich Platz ü: uns." Für uns?" ' Na ja, für uns zwei. Denn, Witichen, das ist doch nicht Dein Ernst, daß Tu Hierbleibst.. Ich verdien dort genug. und jetzt, wo alles entschieden ist. wirst Du doch nicht eigensinnig sein." Eigensinnig? Nein, ich thu nur. was ich Dir von Anfang an gesagt hab.. Ich mein, darüber könntst nunmehr klar sein. Geh Du nur, ich bleib hier. Hier, wo ich meine Kundschaft hab und meine guten Freund und 's Gräbche vom Gretche." ' ' " Ja. 's Grübchen. Guck, Winchen. das ist's einzige, was ich gelten laß. Wird mir ja selbst schwer, wenn ich an das liebe kleine Ding denk, daß ich's nimmer so oft besuchen kann. Aber'Du kannst ja allemal an seinem Geburtstag ruversayren, und am Todtenfest da thun wu's zusammen: am Sonntaa bab ick ia 'Reit. Und ia auf Deinen lebenden Mann solltest eben doch mehr Rücksicht nehmen als auf Dem todtes Kmd. Also Winchen. zum letztenmal frag ich Dich: Gehst Du mit?" .Und zum letztenmal antwort ich Dir, ich thu's nit, ich brauch's nit. Hast's ja gewußt, hast ohne mein Willen die Stell angenomme! Nun kann ich's nit ändern." Mso abgemacht. Ich verlier kein Wort mehr drüber, jetzt nicht und später auch nicht. Mußt halt sehen, wie Dir's gefallt, wenn Dein Mann alle Wochen nur einmal nach Hause kommt." Wird mir schon nit qefalle, braucht ja auch nit zu sein, hättst's ja abwarte zonne. Eine trotzige Falte Zieht sich auf det Stirn der jungen Frau zusammen,.und die Falte verschwindet auch nicht wieder. In den nächsten Tagen bringt Winchen ihres Mannes Sachen m Ordnung. Es wird kein Wort wieder über ihr Hierbleiben gewechselt. An einem rw i L f ipi Acomaqaoeno rein yn man ao. M Abschied ist ganz friedlich. Winchen geht mit zum Bahnhof, und im letzten Augenblick ruft ihr Mann noch: Was ich sagen wollt, Winchen. übertreib's nicht .mit dem Plätten. Ich hab doch letzt guten Verdienst. .Den kannst behalte. Wirst brauche, was Du hast, ohne' Frau.. Ich sorg schon für mich, da laß Dir keine graue Haar drum wackse. Der Zua setzt sich in Bewegung, und Winchen geht Langsam heim. Sie beherrscht sich gewaltsam; es soll ihr kein Mensch ansehen, wie s ihr zu Muthe ist.'" Die Bekannten glauben. Christian habe nur vo"ü vergehende Beschäftigung in Ostheim gefunden. Und ein Probemonat ist rn auch ausbedungen, aber natürlich ist das nur eine Form. Erst als Winchen in ihrer verlassenen Stube ankommt, bricht sie in Thränen aus Daß 'der Christian es wirklich über da; Heiz 'gebracht hat, allein zu gehen! So em abscheulicher Mann! Aber nur em paar Minuten gibt sie sich dem Jammer druber hin, dann rafft sie sich ener gisch auf und murmelt: So, nun ist's gut. Ich will's ihm schon zeige, daß ich ohne ihn fertig werde kann. Besser wie er ohne mich. Und em Lächeln erhellt ihre Züge bei dem Gedanken er halt's ia gar mt aus ohne sem Wmche. -Wenn d:e vier Woche um sind kommt er bestimmt wieder, der abscheu liche. der liebe Mensch. Ick kenn ja meinen Christian. An jedem Sonnabend mit dem Hug um halb sieben Uhr kommt Christian, um bis Sonntagabend zu bleiben. Winchen zittert allemal schon den ganzen Tag vor Erwartung und Freude. Sie kocht ihm seine Leibgerichte und besser an seinen Kleidern aus, und die ge brauchte Wäsche, die er mitbringt, lieg acht Tage später sauber und glänzend zum Mitnehmen bettit. Trotz all die ser Fürsorae ist der Christian meisi still und gedrückt. Wenn ihn seine Frau auffordert, mit ihr auszugeyen lehnt er schroff ab. Hab keine Lust mich angaffen und ausfragen zu lassen Vewiß schwatzen die Leut schon drüber, daß Du nicht mit mir gezogen bist. Ach. laß sie schwätze! Geht Nie mand was an. Und wenn Dir's ni paßt, nachher brauchst ja nur Deinem Prinzipal zu sage, 's gefiel Dir nit in Ostheim und kannst wiederkomme. Mir war's iede Taa recht." Aber er schüttelt den Kopf, und nach vier Wochen brmat er den Kontra! mit. Nun wird er mich noch einma bestürmen," so denkt Winchen, aber sie wartet vngebens darauf. Christian ist diesmal viel munterer .als seither und meint: Ich bin so froh, daß nun alles in Ordnung ist. Gott sei Dank. daß ich wieder weiß, wozu ich auf der Welt bin! Und ein so nettes Zimmer hab ich aefunden bei anstandigen Leu ten. Es aeht mir nichts ab." Wie sich der Mensch täuschen kann. Der Christian hält's also doch aus ohne sein Winchen, und ordentlich fidel ist er noch dazu! Winchen ist gar nicht fidel, aber sie zwingt sich zum Lachen und Scherzen. Um keinen Preis soll der Christian merken, wie groß ihre Enttäufchung ist. Auch am folgenden Sonnabend kommt er in bester Laune an. Diesmal fordert er sie selbst auf, mit ihm auszugehen, und ohne Scheu begrüßt er die Bekannten. Hast recht, Winchen, man muß die Leute schwatzen lassen." Winchen wundert sich, aber sie sagt nichts. Beim Abschied wirft der Christian er sitzt schon im Zug noch hin: Ob ich nächsten Sonntag kommen kann, weiß ich. noch nicht. Meine Hausleut haben mich eingeladen zum Stistungs-

UsvsraL,

find die Biere der ,

'Komt Brewin

Schmackhaft Stärkend Mfolntrciu. Office-Televhon 1050. '

Auch in Flaschen durch

i zu bezieben Teltbcntüt Zltu 1030: mt 1050.

mm LIMIT

fest vom Vürgerverein, da möcht ich nicht unhöflich sein." Schon gut," so stoßt Wmchen heraus und wendet sich ab. Bist doch nicht böse. Winchen? Aber wo einer lebt, da muß er eben mitmachen, sich in die Leut schicken. Und Dir fehlt s ja nicht an Zeltvertreib. Gehst mit Müllers in's Abonnementskonzert im Schutzenzarten. So , was gibt's freilich in Ostheim nicht, Militärmusik und feines Residenzpublikum. Mach Dich nur recht vergnügt! Mußt Dir's Leben halt auch einrichten, wie's gehen will ohne Mann." Freilich geh ich in's Konzert. Fallt mir nit ein, allein zu Haus hocke zu bleibe am liebe Sonntag. Und mein neues grünes Kleid zieh ich an." Richtig, am nächsten Sonnabend erwartet Winchen ihren . Christian vergebens. Am Sonntagmorgen bringt ihr eine Postkarte einen Gruß und die Nachricht, daß es ihm gut geht. Nachmittags putzt sich die junge Frau und geht, mit Mullers zum Konzert, zum erstenmal ohne ihren Ma:m zu einem solchen Vergnügen. Und lustig will sie sein, sich amusircn, nun gerade! ' Er thut's ja auch. (Schluß folgt.) . W Der echte Erve. In märkischen Blättern finden wu über die jüngst gemeldete romantische Kindesunterschiebungsgeschichte folgende nähere Aufklärungen: Die Gerächte, die eine Frau Steinmeier über eine angeblich vor 6Q Jahren erfolgte Kindesunterschiebung ausstreute, sind völlig unbegründet. Karoline Steinmeier geb. Gnewikow gab bekanntlich vor, sie sei bei ihrer Geburt im August 1843 vertauscht worden, damit ein v. Knoblauchsches Lchnsgut bei demMangel eines männlichenDeszendenten nicht auf eine Nebenlinie übergehe. Aber aus sämmtlichen v. Knoblauchschen Besitzungen im Havellande, auf beiden Rittergütern Buschow. auf Pessin, Paulinenaue, Ferchesar, waren, wie die Akten ergeben, 1845 bereits mannliche direkte Leibeserben. Söhne der damaligen Eigenthümer, im Alter von 16, 12. 11 und 2 Jahren vorhanden, die Lehnssuccession war also überall gesichert. Es ist also ausgeschlossen, daß einer der damaligen Eigenthümer iraend welche Veranlassung hatte tu nen Sohn des Tagelöhners Gnewikow unterzuschieben. Es ist aber auch, wie die Liste der v. Knoblauchschen Agnaten eraicbt. in den Jahren 1844 bis 1846 bei keiner der erwähnten Vesitzun-. aen irgend ein Anwärter zur Anmel dung gelangt, also beim besten Willen Niemand aufzufinden, mit dem die Steinmeier vertauscht sein könnte. Un sinnig ist auch die Angabe, es seien 800 Thaler als Abfindung für die Kindesunterschiebung im Grundbuche eingetragen worden. Eine solche Eintragung ist nicht aufzufinden, war auch nicht möglich. Denn das Gut soll ja doch Lehnsqualität gehabt haben, also wäre eine Substanzhypothek ohne den Konsens aller Aanaten wirkungs los geblieben. Nach alledem beruht der phantastische Versuch der Steinmeier, sich in die Familie, v. Knoblauch einzufuhren, lediglich auf Hirnaespinn sten. Frau Steinmeier wird bleiben, was sie von Geburt war: eine geborene Gnewikow. Zum internationalen Landwirth schaftsinstitut. Die Anregung des Könias von 5lta lien. in Rom ein internatirnalesLandWirthschaftsinstitut zu schaffen, wird :n emem Eingesandt der Neuen Zurcher Ata." wie folat alossirt: Es mackit sich sonderbar, daß diese evle Anregung aus emem x:ande kommt, wo der Massenmord der Vögel aller Arten noch sckeuklicö arassirt und selbü nock aefetzlich erlaubt ist, wo die in anderen Staaten geschützten und genährten herrlichen Singvögel, die besten und LYixri cv C. f L s nuijiicgiien tfieunoe oes anomannes erbarmungslos niedergeknallt, zu Tau .senden in Netzen und Schlmaen aefan, gen und erwürgt unduch die Brüten ausgenommen uno verspeist werden wo die ungebildeten und gebildeten Bogelsanaer ' den zu Loavoaeln be stimmten bestenSÄiaern. wie Nackt!--

Willkommen

g Co.

das Flaschen -Devartemen Wir sprechen m tt$c& einem StadttheU ftuk Wäsche vor. 224 W. Okattzltmd. Ertfe izonei 80. gallen. Finken. Metjen u. s. w. in roher Weise mit glühenden Drähten die Augen ausbrennen, damit die armen Thierchen in ewiger Nacht singen und die anderen ins Verderben locken sollen. ' Thierschutzvereine existiren nicht und Behörden dulden solche Nobeit! Der der italienischen Landwirthschaft durch den Massenmord der nützlichen SingVögel entstehende jährliche Schaden wird auf wenigstens 300 Millionen -Lire berechnet! Demnach scheint das Nächste zu sein, daß ein guter LandesVater seinen lieben bedrängten Landbebauern vor allem diesen gewaltigen Schaden ersparen oder abwenden sollte, und zwar auf gesetzgeberischem We-, ge. Diese Anregung zu einem Vogel- ' schütz ist schon manchmal von ausländischen an die italienische Regierung gemacht worden, aber bis jetzt immer ohne Erfolg. Hoffentlich benützen jene diesmal die Gelegenheit, um ihre Betheiligung an der geplanten internationalen Vereinigung abhängig zu ma chen von der vorgängigen Einführung eines italienischen Gesetzes, das auch in diesem Staate die nützlichen Singvögel schützt, wie dies in anderen Ländern geschieht!" Hotelbesitzer anS dem Zt greif. ' Der Inhaber eines kleinen Pariser Gasthoes war in seinen Hoffnungen getäuscht worden. Und so schloß er dann eines Tages die Bude zu. legte den Schlüssel unter die Thür und ging in Seelenruhe von dannen, um wo an ders sein Glück zu suchen. Ecenso seelenruhig quartirten sich sieben Strolch.' in-dem verlassenen Hause ein und ließen es sich dort gut sein. Die Kaufleute des Quartins glaubten, das Hotel habe neue Besitzer bekommen, un lieferten sämmtliche Waaren auf Kredit. Die sieben Sozietä.e- waren c.rr magere Kost, an harte Lager und ka'te Nächte gewöhnt. Jetzt aber war ihnen so wohl, wie Schluck und Jau sie wurden dick und fett, und auch itV re Sitten wurden milder. Ter B?ur-. geois, der in dem wildesten Apachen schlummert, er wachte sanft auf. Und aus diesen siekenStrolchen wären durch das gute Essen. Trinken und Schlafen sicher brave Bürger gewordm, wenn nicht die Kaufleute doch schließlich auf Bezahlung der Waren bestanden hatten. Eines Tag:s störten Polizisten die Ruhe 'der .Hotelbesitzer" und zwangen sie sörmlich. mit dem-. Revolver in der Hand ibrenSe'!?nfrt den zu vertheidigen. G'ück icherwe'-s wurde bei dem Scharmützel Niemand verwundet. Drei entwichen, die übrigen -bezogen die Staatspension". Europäisches ZUepartezaen!.' ' I L N-.ww Z ' Wechsel. Creditöricfc, i Postanweisungen, . t auf alle Städte Europas. Schtffsschetne von und nach Europa. cln- und Verkauf ausiändi' scheu Geldes. I No. 35 Süd Meridian Str. &Irchant8 National Bank. JoM C Jittiai, ...Rcchtsamalt... . (Früher Vtaattaswalt.) -' . 323-325 Jndiana Trust Oebaud'e, Telephon (neu) 160.

mm

W

U l!