Indiana Tribüne, Volume 28, Number 187, Indianapolis, Marion County, 31 March 1905 — Page 5
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Seine Mutter Aus dem Leben einer alten Frau i Q Hon S. Sarinkay Will I U U 41 l Q OWMHWHw ie junge Frau kam ihm heute schon auf der Treppe entgegen und sah ein wenig blaß und nervös aus. ft etwas vor gefallen. Ada?" fragte Fritz Roberts erschrocken, ohne guten Tag zu sagen. Sie hielt ihm schweigend ein Tele gramm hin. Eine Depesche! Woher?" Sie zuckte die Schultern. Vor kaum fünf Minuten brachte sie der Bote." Seite an Seite gingen sie hastig die Stufen hinauf und traten in die Wohrnina. Noch im Thürrahmen riß Profeor Roberts die Depesche auf und las. Die Augen seiner Frau hingen bang an ihm. Es konnte keine gute Nachricht sein, die da in's Haus gekommen war. Telegramme bringen zehnmal schlimme Mittheilungen, und die elfte mag erst rlnt erfreuliche sein! Auch war jetzt weder Ferien- noch. Reisezeit, wer sollte 'sich anmelden! Richtig, ihre angstvolle Ahnung wurde zur Gewißheit. Fritz, Roberts kräftige, gesunde Gesichtsfarbe wandelte sich in eine fahle. Da er nicht sprach, las sie. sich auf die Zehenspitzen stellend, den ' Inhalt der Depesche über seine Schulter hinweg. Vater heute Nacht sanft entschlafen. Deine Mutter." Voll zärtlicher . Theilnahme schlang Ada den Arm um ihres Gatten Hals. Unmittelbar traf sie ja diese Kunde nicht schmerzlich. . Sie war nun seit fast zwei Jahren verheirathet und hatte die Eltern ihres Fritz noch nicht gesehen. ' Diese lebten in einem kleinen, weltfernen Städtchen in einfachen VerHältnissen. Aber sie wußte, daß ihr Mann in treuer Liebe an ihnen hing. Er sprach stets mit Verehrung und Hochachtung von ihnen und hatte für die kommenden Ferien geplant, sie aufzusuchen. Du wirst hinreisen?" meinte Ada. Natürlich!" antwortete er, die Ergriffenheit zurückdrängend und mit seiner Gattin in's Zimmer gehend. Hier schmiegte sie, sich an feine Brust. Du nimmst mich mit?" Er schüttelte den Kopf. Die Reise ist weit und beschwerlich, und Du bist jedem ,dort fremd!" - Tu wirst aber ganz besonders traurig und niedergeschlagen sein, wenn Du so allein bist auf der Fahrt?" Sei ruhig darüber .Liebste! Ich trag es mit-Fassung:' Vater war fchon seit Jahren im Gnadenalter, er zählte zweiundachtzig. Da hat ein vernünftiger Mensch nicht viel zu jammern, denn hier trägt der Tod nichts Erfchütterndes an sich! Er ist der naturgemäße, sanfte Abschluß eines langen, gesegneten Lebens! Aber, mein Kind, es ist sebr wohl möglich, ja wahrscheinlich. daß ich nicht allein von der Reise zurückkehre!" vollendete er mit besonderer Betonung. Die blauen Augen seiner Frau starrten ihn erst verständnißlos an. Dann begriff sie. Ah, Deine Mutter! Du wirst sie mit hierher bringen?" Vielleicht, vielleicht auch nicht! Es kann sein, daß sie nicht geneigt ist dazu! Ich möchte ihr aber gern zureden, denn sie hat' nur wenige und recht weitstehende Verwandte dort. Und ich habe immer davon geträumt, meine Eltern in ihren alten Tagen bei mir zu haben. Vater weigerte sich ja, ihm war nur in den alten Verhältnissen wohl; ich hatte ja erst auch keinen Hausstand. Nun es aber so gekommen ist, hätte ich die Mutter doppelt gern da! Sie hat meinetwegen viele Mühen und Opfer ertragen, ich möchte meine Dankesschuld etwas mindern und ihr die letzten Lebensjahre so behaglich, als es sein kann, machen! Ada, was sagst Du dazu?" .Ich?" erwiderte sie und sah ihn freundlich an. .Denkst Du, ich wirde Dein altes Mütterchen nicht willkommen heißen? Oder gar die Schwiegermutter fürchten? Wir haben doch Raum und auch Liebe genug übrig für sie! Sie soll es gut haben bei uns, nicht wahr, Fritz?" Er nahm sie innig in seine Arme. 'Du bist eine kluge und herzensgute Frau, Ada! Aber es ist da ein Punkt, der mir doch Sorge mackt!" Und?" fragte sie. Weißt Du, es ist, weil die Mutter ich will offen darüber reden mit Dir meine Mutter hat so gar nichts Sympathisches an sich für Fremde! Ja. eher etwas Abstoßendes! Man muß sich an sie gewöhnen. Sie ist häßlich!" Aber geh. Lieber, das sollst Du nicht sagen! Wir haben doch. ihr Bild! Darauf hat sie ganz hübsche Züge!" Ja, ja, -das wohl!" fuhr er mit einer gewissen Verlegenheit fort. Es sind nicht die Linien, es sind die Farben bei ihr. die Haut, die Haare! Und dann ihre Art!, Du müßtest ihr schon viel Geduld und Nachsicht entgegenbringen. Sie war ihr Leben lang in dem kleinen Städtchen unter schlichten, einfachen Menschen und hat so ihr Venehmen danach. Sie kann sich nicht im mindesten neben Deine elegante, jugendliche, lebenslustige Mama stellen. Neben dieser ist sie eine Bäuerin. Aber wenn Dunste ein wenig lieb haben
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würdest sie hat ein selbstloses, golde-
ncs Herz, liebes Wew, und einen musterhaften Charakter!" Ada verschloß ihm .den Mund. Freilich will ich sie lieb haben! Ist sie doch die Mutter , meines Liebsten! Bring sie nur!" Während der Professor verreist war, lebte Frau Ada wieder im Hause ihrer Mutter. Fritz hatte erst seine Schwiegermama gebeten, für die Zeit semer. Abwesenheit zu Ada in seine Wohnung überzusiedeln; allein Frau Hauptmann Remberg verließ nicht gern ihren 'Hauss halt, außerdem fesselten sie noch verfchiedene andere Pflichten. Ihre jüngste Tochter war verlobt, und die Aussteuer wurde im Hause angefertigt. Erst als Roberts depeschirte, daß er am nächsten Tage mit seiner Mutter anlangen werde, ging sie mit der jungen Frau. m die Wohnung, half diese ordnen und das Zimmer für die alte Frau herrichten. Ada konnte sich nicht genug thun im Verschönern und behaglichen Einräumen des Gemaches, das für die Mutter ihres Fritz bestimmt war. Mit spöttischem .Lächeln sah ihr Frau Remberg zu. Endlich hielt sie nicht mehr an sich. Du entwickelst ja einen Eifer und eine Selbstlosigkeit, als ob Du den angenehmsten Besuch von der Welt erwarten würdest und nicht Deine Schwiegermutter, die Du nimmer fortbringst, bis sie die Augen schließt!" Ada lächelte. Es klang etwas wie Eifersucht aus den Worten Mamas, und das that ihrem Herzen wohl, denn sie war nie der Liebling der stattlichen, selbstbewußten Frau gewesen; dieser Platz war stets ihrer jüngeren Schwester zugekommen, was sie oft schmerzlich empfand. ' Und diese: sanfte, glückselige LächelJ reizte Frau Remberg zu weiteren Worten, die wie Rauhreif auf die liebevolle Gesinnung Adas fielen. Wenn mit der Alten nur nicht der Unfriede in's Haus schneit, meine Liebe!. So Jungverheirathete wie Ihr, und die Mutter eines Theiles dazwischen. zumal die Mutter des Mannes, das ist immer kritisch. Du hättest ganz anders verfahren und von vornherein Dich weigern sollen! Deine Schwester wäre helle? gewesen! Als neulich ihr Bräutigam meinte, ob ich denn so allein weiter wirthschaften wolle-und nicht lieber zu ihnen auf's Gut zöge, da kam sie schier meinem Protest zuvor. ,Mama ist eine kluge Frau sagte sie, ,und weiß, daß junge Eheleute am besten allein sind! Wir haben uns darüber schon ausgesprochen, gelt, Mütterchen! Vielleicht später einmal!' Und recht hat sie. So ein junges Paar, das sich selbst kaum recht zusammengefunden hat,, kann Niemand brauchen neben sich, am wenigsten Jemand, der von Natur aus schon parteiisch ist!" Du hast leicht reden, Mama!" erwiderte Adä, peinlich berührt. Du bist noch jung schier, bist so rüstig und voll Lebensfreude, Dir mag vor dem Alleinsein nicht bange sein, aber meines Mannes Mutter zahlt siebzig Jahre, und Fritz ist ihr einziger und herzlichst geliebter Sohn!" Na, mir kann's ja recht sein!" lenkte Frau Remberg ein. als sie die Augen ihrer Tochter so heiß und groß auf sich gerichtet sah. Ich bin nur ein wenig neugierig, was Du mit diesem Bauernweiblein in Deiner schmucken Wohnung anfängst! Aber Jemand m das, was er thun will, etwas darein reden be Hute, das war nie meine Sache! . Der Professor traf mit seiner Mutter ein. .Ada eilte der alten Frau mit warmem Herzen entgegen. Die lieblosen Worte ihrer Mama hatten diese Warme sogar noch intensiver gemacht Doch sie mußte ankämpfen gegen das völlige Erlöschen dieses Gefühls, als sie die Ankommende erolmte. Sie war erschreckend häßlich. Klein, mager, vom Alter -ein wenig schief gezogen, lächerlich altmodisch gekleidet, wäre sie so wie so keine angenehme Erscheinung gewesen. Aber dre - fahlen dünnen Haarstrahnen, die unter einem Zwt schendmg von Spitzenhaube , und Spitzenhut hervorsahen, das knochige Gesicht, die harte, gebogene Nase, die Haut, die stellenweise in unzählige Runzeln zusammengezogen war, so daß sie eine trübe, graue Färbung hatte, der zahnlose Mund, eingekniffen und strahlenförmig von Fältchen umgeben, machten sie fast zu einer abschreckenden Gestalt. Ihr Benehmen war unbehol fen, ihr Lächeln glich einem Grinsen. Ada sah im Geiste ihre hübsche und elegante Mama daneben und errothete. Zugleich traten ihr auch die Worte der selben in Erinnerung. Heiße Angst stieg ,n ihr auf. Sie Zitterte plonlich. Und sie zitterte nicht nur körperlich; ihre Seele bebte mit um das Glück, das sie bisher qcitojieir. Unter diesem Angstgefühl stehend. fiel die Begrüßung ihrerseits durchaus nicht warm und herlicb aus. Ada war erst etwa? verlegen und steif, dann unnatürlich geschwänia, ihr Kuß. den sie der alten Frau zaudernd auf den welken Mund gab. fluchtig und ausdrucksloZ. Ihren Gatten begrüßte sie gleichfalls nicht unbefangen und wich seinen Augen verwirrt aus. ? Sie fand das seelische Gleichgewicht auch im Laufe des Abends und beim Abendessen cht. das sie noch mit vollster Liebe zubereitet hatte. Ter Anblick des verrunzelten, mißfarbenen Gesichtes war lyr pemvoll, und sie konnte kein Zutrauen 3 dem alten Frauchen fas-
icn, oas iQUHtern UND 1 Heu uno ge- . . . ' jr. .v. i o-:rjc r.c
nxri an oem reicygeocllien !Ut5 Freilich, si: überhäufte es mtt emer Fülle von liebenswürdigen Worten, aber auch nur 'Worten, eyriicne Herzenston klang nicht durch, und den Ruf Mutter" zwang sie nur mühsam über ihre Lippen. Roberts entcina der Eindruck nicht, den seine Mutter auf Ada gemacht, und es überschlich ihn eine gelinde Enttäufchung. Sie war ja vorbereitet gewesen, und er hatte darum erwartet, daß sie ihr Zwanglos uno mit freier,' gunaer Aufrichtigkeit entgegenkommen würde. Doch hegte er für die Zukunft kein Banaen. Ada war em edles, kluaes Weib, welches das Herz auf dem rechten Flecke hatte. Sie würde über das störende Aeußere rasch hinweg kommen und dss gute, treue, ehrliche Gemüth der einfachen alten Frau erkennen und zu schätzen wissen. Ada legte sich voll Unruhe zu Bett. Die Dunkelheit der Nacht vermehrte. ihre Erregung, ihre sorgenden Gedanken. Sie ward die Empfindung nicht los, als beginne ein Schatten über ihr bis jetzt ungetrübtes Eheglück zu schleichen. Als. sie aber am Morgen aufstand und fah, wie die Sonne das Gemach so freundlich erhellte, wurden auch ihre Liebe ui;d ihr Muth wieder munter. Es würde schön gehen: an die Häßlichkeit der alten Frau wurde sie sich gewöhnen,, sicherlich bald, und bis das eintrat, wollte sie sich vor Augen halten: auch diese Frau war einmal jung und frisch und wohl auch hübsch, und Du selbst kannst werden wie sie! Die Jahre und das Leben sind grausam, sie verwüsten den schwachen, hinfalligen Menschenleib mit unerbittlicher. Gewalt! Erkenne das und sei gütig! Das waren tapfere Vorsatze. Doch sie blieben, nicht immer gleich stark und unangefochten. Als die stattliche Mama und ihre jüngere Tochter zu Besuch erschienen, schmolzen sie arg zusammen. Die Beiden leerten ihr Entsetzen über die Alte" bei Ada rückhaltlos aus, und ihrem Hohn, ihrer Spottlust und ihren üblen Prophezeiungen - legten sie keinerlei Zwang auf. Daraufhin unternahm es Ada, Roberts Mutter äußerlich ein wenig umzumodeln. Sie brachte', das fügsame, bescheidene Weiblein auch leicht dahin, ein einfaches, besser geformtes schwarzes Kleid anzulegen und ein , schwarzes Spitzenhaubchen zu tragen. ;.t . Das fand sogar ihres -'Gatten Beifall. Als er seine Mutter zum ersten Male so am Tisch sitzen sah, rieb er lächelnd die Hände. Ei, ei, was haben wir denn da für eine vornehme Dame zu Gaste?" Sie schmunzelte vergnügt, und das Herz der jungen Frau hob sich nicht nur in Stolz und .Freude, sondern auch m neuer Unternehmungslust.,- , Das Zusammenleben der drei gestaltete sich aber bald recht unerqüicklich. Ada schien aus der einfachen Frau in der That so etwas wie eine vornehme Matrone machen zu wollen. Unablässig zupfte sie an ihr herum, belehrte, tadelte, verbesserte und lobte sie.' , Sie. sollte anders sprechen, anders essen, sich anders setzen und benehmen und -das verletzte nicht nur die Greisin, es - bedrückte und verwirrte sie, . machte sie unsicher und ängstlich. - Die äußerliche Umänderung hatte sie leicht hingenommen, aber nun es an.ihr eigenstes Wesen ging, an ihre ein Menschenalter lang mit ihr verwachsene Art, versagten naturgemäß Kraft und Wille. Es kränkte sie auch. daß. sie nicht so geliebt wurde, wie sie eben war. , Sie begann darum, der Schwiegertochter so viel als möglich auszuweichen. Fritz ward ärgerlich, als er Adas Bestreben merkte. Laß das doch!" meinte er verstimmt. Die Mutter ist eine alte Frau und es zeitlebens aewöhnt, sich schlicht und recht und ohne Umstände zu geben. Wenn sie länger bei uns ist, wird sich an und für sich manches abschleifen. Im Uebrigen plage sie nicht! Ein müdes, altes Weiblein, wie sie, braucht nichts als eine gemüthliche Stube, gutes Essen. Ruhe . . . f V A , uno ein wenig leoe. Älles andere ist r r ! i u ' uoerslujttg! Theils aus weiblichem Widei spruchsgeist, theils von der Vorstellung an vie eigene hinter getrieben, von dieser angestachelt, und weil auch das Benehmen der alten Frau ihren Bildungsbegriff, und ihr Anblick ihre ästhetischen Anschauungen verletzte, schritt Frau Ada auf dem emaeschlaae nen Wege weiter, und der führte zu Trübungen aller Art. Ada befand sich meist in gereizter Stimmung, die Mutter war scheu und schweigsam, die Luft im Hause ungemüthlich. Roberts, der doch eigentlich wenig daheim war, merkte das nicht in vollem Umfange, und was er merkte, beunruhigte ihn nicht allzusehr. Er wollte allem seinen Lauf lassen in der Hoffnung, es würde allmäliq schon m's rechte Geleise kommen, umso leichter jetzt, da die Aussicht auf ein Kindchen eingetreten war, auf einen kleinen guten Hausgeist, der über Aeußerlich leiten die Brücke schlägt vom Herzen zum Herzen. Und er glaubte, die erfahrene Mutter dächte so wie er selbst. Er war darum sehr verwundert, als 'sie wenige Monate nach ihrer Ankunft . : 1 T V ;i v . w ciac umcireuung rnii iqin auein her beiführte. V Lieber Sohn." sprach sie, mit Berlegenheit kämpfend, laß mich nach Hause! Wieder in die Heimath! I habe Heimweh!"
tittx Muttis sagte er, in seine! Knabenart verfallend, zu Hause bist! Dumun ja bei mirt'Was ficht Dich an? Heimweh! Nach wem? Hast Niemand mehr dort, der Dir nahe steht! Und das Häuschen ist verkauft. Du müßtest in Miethe wohnen. Heimweh! Wenn Du bei 'mir bist, Mutti? Bei Deinem
emzigen Jungen? Bm ich nicht der Alte geblieben? Habe ich mich so verändert, daß Du Dich bei mir nicht' heimisch fühlst? Sei ganz ehrlich! J! es wirklich Heimweh? Nichts anderes?" Zwei rothe flecke erschienen auf den Wangen der Greisin; die Augen wichen zhm aus. Sei offen!" bat er.' Es ist ist wegen Ada? , Nicht wahr?" Nun ja! Ich schaffe Unfrieden hier! Ich störe Dein häusliches Glück! Das drückt mich! Laß mich fort, Fritz!" Er wurde blaß. Unter keinen Umständen, Mutter! Bei Deinem Sohn ist Deine Heimstätte, und was Du da sprichst vom Stören unseres Glückes, das bildest Du Dir nur ein! Ada ist jetzt leicht verstimmt und ungleich in ihrem Wesen, das liegt ja in der Natur ihrer augenblicklichen Verfassung. Sei nachsichtig mit ihr und geduldig! Dann ändert sich alles. Du wirst es sehen!" Seufzend gab. sich die Mutter zufrieden. . Er nahm sich vor, mit Ada zu spre chen. Sie war doch ein seelenautes. verständiges Weib und hatte sich jederzeit willig leiten lassen. Ada kam unglücklicherweise eben von einem Besuch bei ihrer Mama, als Fritz an sie herantrat. Bei seinen ersten Worten wurde sie hochroth. So weit sind wir schon!" dachte sie. Sie verklagt mich, bei memem Mann! Ganz wie Mama prophezeite!" Entrüstet wehrte sie sich. Die Kränkung sprühte ihr so heftig aus den Augen, daß er erschrak. Liebes Kind, Du hast mich mißverstanden oder ich habe mich falsch ausgedrückt. Die Mutter hat, sich mit keiner Silbe über Dich beschwert! Sie will wieder in die Heimath, denn sie fürchtet, unser Glück zu stören und zu schädigen durch ihre Gegenwart!" , ' Deine Mutter ist hell im Kopfe oder hat das im Empfinden! Ja, das thut sie auch! . Unser Glück ist getrübt! Sie paßt nicht her zu uns! , Sie fühlt sich nicht wohl bei uns, kann sich nicht wohl fühlen! Laß sie fort, 'Fritz!" Entsetzt wich er vor ihrer Leidenschaftlichleit zurück. Wie hatte er die kleinen Disharmonien' unterschätzt! So tjej 'jjiitg esjht! Er kannte Ada gar nich't mehr.- ' Was er auch auf sie einsprach, gütig, mild und voll eingehender Sorglichkeit, sie beharrte auf ihrem Wunsche. Laß sie.;fort! Jch habe meine Kraft für großer gehalten, sie ist verbraucht! Laß 'sie-fort! Dann wird es erst wieder schön und gut bei uns!" ' . ' " ' Nälte legte sich über sein Herz, so daß er's endlich aufgab, sie zu beeinflussen. ., Er wendete sich verletzt ab und sagte kühl und fest: Ich habe die Mütter gebeten, zu bleiben, und sie bleibt! Sie beansprucht wenig genug! Laß sie in -Ruhe und bemühe Dich, sie nicht merken . zu : lassen, daß sie Dir lästig ist bemühe Dich meinetwegen." Das war der erste, große Streit in ihrer Ehe, in dem Ada noch dazu unterlegen war. Das wurde der Beginn zu einem stillen, unausgesetzten Kriege. Roberts blieb der passive, Ada der handelnde Theil, der mit aller Aufgeregtheit, mit allen Mitteln und Listen, mit Eigensinn und Ausdauer vorging. In Anbetracht der Umstände, und da thatsächlich aller , Fnede und jede Gemüthlichkeit aus dem Hause gewichen war, gab Roberts .schon nach zwei Wochen nach und sicherte seiner Mutter mit ihrem Einverständnisse einen Platz in einem Stift. Mit traurigem Herzen brachte er sie hin. Die Greisin aber lächelte. Es ist gut so, mein Sohn, und ich bin ganz zufrieden. Ein warmes Stübchen. satt zu essen und zu trinken, und ein Fleckchen zum Ruhen und Schlafen, das Nothwendige, das habe ich hier! Und ich weiß Dich nahe, und Du besuchst mich doch manchmal und erzählst mir von Deinem Leben, von Deiner Frau und von Deinem Kindchen, und wenn ich das auch noch auf meinen alten Armen halten darf, das ist ja so viel Gluck, wie es nur wenige Menschen an ihrem Lebensabend aenießen dürfen! Er preßte sie innig an sich. Ich komme oft, Mutter! Du sollst Dich nicht einsam suhlen! Veweat schied er. Das resignirte. großherzige Lächeln um den alten Mund hatte ihm in's Herz geschnitten. Die gute Mutter wollte ihn das bittere Weh nicht sehen lassen, das in ihr nagte, nagen mußte. Ada triumphirte. Sie fiel ihrem Gatten um den Hals, als er heimkehrte. und küßte ihn stürmisch. Er schob sie sanft zurück und schaute ihr voll und ernst und lange in die Augen, ohne ein Wort zu sagen. Aus ihrem Halse herauf, bis in die Schläfen und über die Stirne hin kroch das Blut, und sie r i i ivi v r , ! I i! .r. inuTjie oie ziiiaz icnien iuic in ucjct Scham. (Schluß folgt.) r D i e xaDl 0 e r Zatyol i k t n in den Ber. Staaten beträgt 12,462,793 Personen, eine Zunahme von über 575.000 aeaen das Jahr 1904.' Dazu kommen noch rund ffkf rr r c ff f . . ViU COCITIu . ,mju,uuu aiyonren aus ucu ipyuiy p)ncjt, 1,000,000 auf Porto Rico und Z'öcÄ'auf Hawai.
; Allballylomschks Dankwcfm.
Susdehnung und GcschäftSmethoden von S,rcn in Babylon uns vltppur. Die Resultate der Ausqrabungen, welche die Universität von Pennsylva--kn unter Leitung des Professors ..precht in Babylonien- seit .einer ..e von Jahren vornehmen läßt, haan unter Anderem gezeigt, daß das Bankwesen im alten Babylonisn. bereits in einer großartigen Weise ausgebildet war. Geldgeschäste nahmen dorten den allerersten Rang ein. Selbst Mitglieder der königlichen Familie verschmähten es nicht, gegen Verpfandung von Mobilien und Immobilien zu hohen Prozentsätzen Geld zu verleihen. Allerdings bedienten sich die höchsten Herrschaften der Agenten für solche Geschäfte, aber das Risiko wie der Gewinn gingen natürlich den Verleiher an. Jneinem Handelsstaat, wie Babylonien einer war, wo das baare Geld selten und ein modernes Kreditsystem noch unausgebildct war, konnte man ohne den Geldverleiher, der den Bankier Babyloniens repräsentirte, gar nicht auskommen. Die Steuern, die zur Erhaltung eines stehenden Heeres und einer großen Beamtenschaft nöthig waren, mußten in Baargeld bezahlt werden. Wir haben zwei Beispiele, daß sich Firmen durch ganze Generationen hindurch zu immer einflußreicherer Größe entwickelt, daß sie fast alle Geschäfte an sich gerissen und ihr Vermögen in entsprechender Weise vermehrt haben. So existirte zu Babylon bereits vor Sanherib (705 bis 681 v. Ehr.) eine Firma, Egibi und Söhne. die zu Nebucadnezars Zeiten (604 bis 561 v. Ehr.) noch in größter Blüthe waL. Egibi und Söhne liehen Geld an den Staat und an Private, besorgten Agenturgeschäfte aller Art, traten für andere in Prozessen und als Ga ranten auf. Ihre Urkunden waren in großen Registraturen aufbewahrt, wo große Krüge die Kassaschränke für die Ziegcldokumente bildeten. Die andere Firma, die einige Generationen nachher eine ebenso croße Rolle in dem etwas südlicheren Nippur spielte, wie Egibi und Söhne in der nordbabylonischen Stadt Babylon, war Murashu und Söhne. In dem aufgefundenen Geschäftsarchiv dieser Firma entdeckte man 730 Keilschriften, die aus besonders haltbarem Ton hergestellt' und gebrannt waren. Bor allem truqen sie Abdrücke von zum Theil künstlerisch hergestellten Siegeln. Die Kontrahenten, Glaubiger, Schuldner. Richter, Zeugen machten zuerst ihren Siegelabdruck auf die noch weiche Tafel. worauf der Schreiber .rechts oder links, darüber oder darunter den Namen des Mannes, dem das Siegel ge--hör-te, schrieb. Zuweilen findet sich bei Personen, welche kem Siegel besaßen oder es mitzubringen vergessen hatten, statt des Siegels der Daumennagelabdruck; der Daumen wurde dabei nach unten gehalten und in den noch weichen Thon eingedrückt. Auch Frauen, die in Babylonien unter keiner Vormundschaft standen, über ihr Ver mögen verfügen und als selbstständige Handelsfrauen auftreten konnten, haben aus ewige Dokumente ihre Daumennägel gesetzt. Die meisten Mura-shu-Tafeln frugen außerdem Jndossamente oder 'Aktienzettel," d. h. die mit schwarzer Flüssigkeit auf die Thon tafeln geschriebenen Nachweise dienten wohl dazu, den Archivbeamten der Fu ma Murashu das Nachsuchen unter den aufbewahrten Dokumenten zu er leichtern. -. Welchen Umfang die Geschäfte der FirmaMurashu und Söhne angenommen hatten, erhellt aus der Thatsache, daß die Großen des Landes ihre Güter in dem heißen und malariadurchseuchten Lande an die Firma verpachteten und ihre Einkünfte in den großen Städten verzehrten, die so vielerlei Luxus und Annehmlichkeiten boten. Auch die Steuern, mit denen das babylonische Volk belastet war, wurden theilweise an Murashu uno Sohne verpachtet. . Ungeheurer Goldvorrath. Laut einer Mittheilung ' des Pa riser Figaro" betrug unlängst der Kassenbestand der Bank von Frank reich an Gold nicht weniger als 2,813, 082,640 Francs (1 Franc gleich 19.3 Cents). Es war' dies ein Rekord, der bis dahin weder in der Bank noch in einem anderen Goldmstitut der Welt erreicht worden war. Da ein Kilogramm (1 Kilogramm gleich 2.2 ame rikanische Pfund) ausgemünztes Gold einen Werth von 3100 Francs hat. woa der Goldvorrath 907,446 Kilogramm; zu seiner Beförderung wären zwei vollständige Zuge von 45 Wagen nöthig; jeder Wagen wäre mit 10.000 Kilogramm beladen, und es bnebe noch ein Bruchtheil von 7446 Kilogramm. Die Ladung jedes Wagens käme einem Werth von 31,000.000 Francs gleich:
diese 31,000,000 Francs konnten jedoch in einem einzigen Faß oon 551 Quarts eingeschlossen sein. - Die 2,813,000,000 Francs stellen nur ein Volumen von 50 Kubikyards dar, das heißt den Inhalt eines Bassins, das 5 Fards lang und 2 FardZ tief ist. Die 2,813.082,340 Francs Gold geben genau 140.653,127 Zwanzigfrancsstücke; sie würhen zusammengelegt, ein Band von 2,953,736 FardS Länge geben oder 31 englische Meilen mehr, als die Entfernung von Madrid nach Rom über Paris. Die älteste F e.st e in den Ver. Staaten ist Fort Marion am Matanzas in Florida.
CrflnocnsHc Schmuggler.
Ter Papicrdrache ud seine kostbare ,, duug"-Uebcrraschte Crcnjpostc. Ein neuer Schmugglerlniff ist an der russisch-preußischen Grenze entdeckt worden, der von dem Erfindungsgeist der Schmuggler beredtes Zeugniß ablegt. Die beiden russischen Soldaten, welche dem preußischen Dorse Kallehnen gegenüber an der Grenze Wache halten, bemerkten dieser Tage, wie ein Ungethum plötzlich von einem auf preußischem Gebiet gelegenen Wäldchen aus aufstieg, sich zu einer schwindelnden Hohe erhob und sich dann langsam mit unheimlicher Stille der Grenze näherte. Da man hier an einen .Kunstgriff" der Schmuggler nicht im entferntesten denken konnte, so wurden nur blinde Alarmschüsse abgegeben, und bald waren die nächsten Grenzposten zur Stelle, die nun gleichfalls mit stillem Schauder das Ungethüm sich nähern sahen. Man beschloß, sobald es über die Grenze gezogen, Feuer zu geben. Das geschah; fittx das höllische Wesen" dort oben in den Lüften ließ sich in seinem Fluge durchaus nicht stören; erst die dritte Salve schien es getroffen zu haben: es arbeitete entsetzlich mit Kopf und Schweif, neigte dann den ersteren tief nach unten und schoß wie ein Pfeil zur Erde hernieder. Die Soldaten stoben auseinander; aber, das Thier mußte getroffen sein, 'denn es lag still und regungslos da, und so faßte' man Muth und näherte sich ihm. Da, noch einmal schlug es mit dem Schwanz, mußte also noch Leben in sich fühlen, und daher erfolgte eine vierte Salve. Nun ging man ihm kühn zu Leide. Aber was lag da vor den Soldaten? Nichts anderes als ein gewaltiger Papierdrache, dessen Schnur man durch die Schüsse getroffen und . zerrissen hatte, und sofort wurde ihnen klar, daß damit ein neuer Schmugglerkniff in Verbindung stehe Der Drache ' wurde behutsam nach dem nahen ; Grenzstationshause gebracht, und hier ergab die Untersuchung, daß der Kopf -desselben eine doppelte Wand und in - feinem Inneren 20 goldene, mit Edel- , steinen ausgelegte Uhren und werth-r volles Spitzenzeug barg. Der Drache war auf preußischem Gelände aufgeworfen worden, um mit seiner werth- : vollen Ladung durch die Lüfte auf russisches Gebiet herübergezogen zu werden. Höhere Saläre. Eine allgemeine . Gehaltsaufbesserung hat der Magistrat in Berlin be-'.' schlössen. Bedacht sind verschiedene ' Arten städtischer Beamten. Das Anfangsgehalt ist nicht unerheblich erhöht. Das Höchstgehalt soll schon nach 22 Jahren erreicht werden, statt wie bisher bei den Sekretären nach 27 Jahren. Bei den MagistratZsekretären ' ist z. V. das Anfangsgehalt von 2000 Mark auf 2400 Mark erhöht. Die Bureau-Assistenten sollen 2000 Mark als Anfangs- und 4200 Mark als. Hcchsigebalt erhalten. Für Diätare ' sind D520 Mark und 1800 Mark fest- ' gesetzt, für Diätare, die die Prüfung 1 als Sekretäre bestanden haben, sind'' 1900 Mark und 2300 Mark bewilligt.. für V'.:reauanwärter 1520 Mark und .. 1600 Mark nach zwei Jahren. Diese , Gehaltsfestsetzuna.cn sollen auch ans. die in den städtischen Werken thätigen ' Beamten Anwendung finden. Dfc Kanzlistcn sind mit 1600 Mark Anfangsgehalt bedacht. Zahlreiche Veamtenarten, wie Magistratsdiener, ; Stadtsergeanten, Steuererheber, Aufseher u. s. w. sollen Zulagen von 100'' Mark erhalten. Das Anfangsgehalt der. Magistratsräthe ist' auf 5100 Mark unH das Höchstgehalt auf 7600 -Mark bemessen. Die Assessoren sollen mit 4600 Mark beginnen, das Höchstgehalt soll mit 15 Dienstjahren erreicht werden. Die Oberärzte der Irrenanstalten, die vier Jahre im Dienst sind, sollen eine Zulage von 300 Mark erhalten. Die Assistenzärzte sollen1500 Mark und nach acht Jahren 2400 Mark erhalten. Auch die Gehälter für die städtischen Werkbeamten, Inspektoren, Standesamtsdiener, Kontrolleure, Vorsteber, Ingenieure, Maschinenführer, Pförtner, Aufseher u. s. w. in den Gasanstalten, Wasserwerken, Markthallen, an dem Vieh- und Schlachthof sind aufgebessert worden. Bombenattentat. Wenige Schritte von dem Gebäude der mexikanischen Gesandtschaft in Paris explo-' dirte kürzlich' eine Bombe. Sie war nur mit Schießpulver geladen und beschädigte daher das Mauerwerk ganz unbedeutend; dagegen riß sie dem Ver.über des Anschlags, der hernach in der Person eines etwa 35 Jahre alten Spaniers, Namens Garcia, festgenommen wurde, einige Finger weg. Garcia gab bei einer Vernehmung als Grund für seine That den Umstand an, daß er .von der mexikanischen Regierung durch den widerrechtlichen Verkauf von ihm gehörenden Lc'ndereien schwer geschädigt worden sei.. In seinem Koffer fand man drei weitere Bomben und zehn Yards Zündschnur. Seit d a s B u r. e a u für Pflqnzen-Jndustrie vor drei Jahren in'ö Leben trat, mußte sein Beamtenstab um nahezu 50 Prozent vergrößert werden, so daß es gegenwärtig 500 Personen Beschäftigung gibt, von denen 60. Prozent sich mit Wissenschaflichen Untersuchungen und deren AnWendung in der Landdvirthschaft und denn Zweigen defa?m.
IZZt- -Jir. , 1
