Indiana Tribüne, Volume 28, Number 186, Indianapolis, Marion County, 30 March 1905 — Page 7

Indiens Tribüne, 30. März RO0S.

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I ms Niithscl des Nöthen xöwen" lioman von Gerhard Stein ? . CBroxtfeuns.) war nicht leicht, den gesuchten Kommissär zu finden. Er irrte durch das Labyrinth der langen Gänge, er fragte und irrte weiter, bis er endlich in dem gesuchten Zimmer stand. Es war ein kahler, ernster Raum, ein lcmges, schmales Gemach, in dem sich weiter nichts befand als ein Schreibpult und ein paar Stühle. Sie sind Herr Heydemann?" fragte der Kommissär gleichgiltig. Ja, ich kann Ihnen über Ihre Angelegenheit nichts weiter sagen, als Sie selbst wisfen." Aber es hieß doch, daß das Geld, das der junge Mann verschwendete, das meinige fei," wandte Heydemann ein. Welcher junge Mann?" fragte der Kommissär mit unschuldiger Miene. Der, von dem heute wieder in der Zeitung steht, daß er das Geld einem Handelshause in Breslau unterschlagen habe." Nun also er hat eben dem Handelshaufe unterschlagen. Das ist doch ' nicht das Ihrige. Und übrigens was alles in der Zeitung steht! ... Es hieß ja auch, daß die Polizei Verhaftungen vorgenommen habe und dem Diebe auf der Spur sei. Glaubten Sie das gleiche falls?" Heydemann schwieg. Das war ja die Notiz, die er selbst der Zeitung übergeben hatte. Nicht wahr die Nachricht war falsch. Sie haben sie ja selbst in die Zeitung gebracht. Solche Scherze, lieder Herr, soll man nicht machen. Die Polizei kann manchmal so etwas sehr übel nehmen." Aber die heutige Nachricht " meinte Heydemann sehr niede-geschlagen. Da heißt es, es stehe fest, oaß ich nicht be'stöhlen sei, sondern das Geld verloren hätte. Ich ... ich habe es aber nicht verloren, denn ich hatte es nicht mit, als ich aus dem Hotel ging." Der Kommissär versenkte sich einige Sekunden in die aufmerksame Betrachtung feiner Stiefelspitzen. Wissen Sie, Herr Heydemann," sagte er dann, es muß ja nicht immer alles so genau richtig fein, was in der Zeitung steht. Das wissen Sie doch aus eigener Erfahrung. Der Polizeireporter mag vielleicht falsch gehört oder falsch verstanden haben. Ich selbst bin ja nicht ganz der Meinung, daß Sie das Geld verloren hätten, ich suche noch, ich forsche noch mehr kann ich Ihnen nicht sagen. Ist es an der Zeit, so erhalten Sie Nachricht." Aber durch die heutige Notiz stehe ich ja wie ein Lügner da," wandte Heydemann seufzend ein. Ja, da kann ich Ihnen nicht helfen," meinte der Kommissär achselzuckend. Gehen Sie doch in die Nedaktion des ,Tagesboten,' sprechen Sie mit dem Redakteur. Vielleicht bringt er. eine Berichtigung. Jedenfalls ist das nicht meine Sadje." Der Kommissär erhob sich mit jener Bewegung und jenem Ausdruck im Gesicht, die einem Besucher unzweideutig kundgeben, daß die Unterhaltung beendet sei. Jede weitere Frage, jeder Einwand wäre überflüssig gewesen, Heyd?mann sah und fühlte es. Und ohne Trost, ohne eine Spur freundliche Aussicht verließ er das Bureau. Was nun? 'Edith hatte also wirklich recht. Sie hatte nicht an die vielversprechende Nachricht vor einer Woche grglaubt, sie hatte nicht geglaubt, daß er jemals wieder zu seinem Gelde gelangen würde. Und nun, nach dieser Unterhaltung mit dem Kommissär, wurden auch sein Glaube, seine Hoffnungen tief erschüttert. Der Traum einer Nacht das war also alles, was von der großen Erbschaft blieb. Bierundzwanzig Stunden die Vorstellung seliger Herrlichkeiten dann wieder Dunkelheit, Elends Noth! Wenn er nur nicht als Lügner, zum mindesten als sinnverwirrter Mensch dastände! Das ärgerte ihn ganz besonders. Es sei festgestellt, daß er das Geld verloren habe der pure Unsinn! Man kann so etwas von einem Trunkenen sagen, und wer es las, mußte zu dem Glauben gelangen, daß er, Heydemann, sinnverwirrt gewesen sei. Und er war doch an jenem Vormittag so klar und nüchtern gewesen wie je in seinem kleinen Heimathsnest, wo er sich sicher keinen Rausch geholt hatte. Ja, er wollte mit dem Redakteur sprechen! Die falsche Angabe mußte in der Zeitung berichtigt werden. Zwar es war nicht vorauszusehen, wie ihn der Redakteur empfangen würde. Heydemann hatte schwere Gewissensbisse. Die Lüge rächte sich jetzt, die falsche Notiz, mit der er den Redakteur hintergangen hatte, bekam ihm nun sehr übel. Aber einerlei, er mußte schon das Unangenehme hinunterschlucken. Wenn nur die Berichtigung gebracht wird. ... Da stand er nun mit einigem Herz- . klopfen wieder in dem Zimmer mit den zwei Doppelschnibtischen, den mächtigen Papierkörben und den Zeitungsblättern, die in Hausen an verschiedenen Stellen herumlagen. cw förfnilfc wie die anderen Reynnmrp mattn wieder über ManuV4V4 V t llrivle.Lebeugt, und. wie.das erste Mal

sah Schultze von seiner Arbeit auf mit

jenem Bltck, dem die Anwesenheit eines fremden Menschen etwas Gewohntes und sehr Glcichgiltiges ist. Aber plötzlich belebte sich sein Gesicht. Sind Sie nicht Herr Heydemann, der bestohlene Millionär?" fragte er etwas ironisch. Ja, aber kem Millionär, wandte Heydemann etwas ängstlich lächelnd ein. Sie bringen mir wohl wieder eine falsche Nachricht?" fuhr Schultze mit etwas schärferer Ironie fort. Verzeihen Sie, Herr Redakteur, entschuldigte sich Heydemann, ich glaubte damals " Was Sie glaubten, ist mir ganz egal," unterbrach ihn Schultze. jedenfalls haben Sie uns eine Unannehmllchkat bereitet. Es war eme Lüge. Ich weiß nicht, was Sie davon hatten, aber Sie sehen, das Lügen nützt nichts. Die Berichtigung schreitet schnell." Ja, wegen einer Berichtigung komme ich auch heute" sagte Heydemann rasch. Sie?" fragte Schultze, wieso denn?" Die Nachricht im heutigen Blatt ist falsch." I das wäre!" meinte Schultze lächelnd. Heydemann setzte ihm den Sachverhalt auseinander. 'iso, so," sagte Schultze kühl. Und was wünschen Sie nun?" Zu berichtigen, daß ich das Geld nicht perloren habe." Fallt mir gar nicht em, meinte Schultze liebenswürdig, aber bestimmt. Erst bringen Sie mir eine falsche Nachricht, nun soll ich berichtigen, was mir von einem Berichterstatter geliefert wird, der stets zuverlässig ist. Ich denke gar nicht dran!" Ja, aber-" Ich kann Ihnen wirklich nicht helfen, Herr Heydemann. Ich muß dem Manne, der mir diese Art Nachrichten bringt, durchaus Glauben schenken." Aler sehen Sie, Herr Redakteur," bat Heydemann, wenn man das liest. was heute im Blatt steht, .muß man mich wirklich für verrückt oder für einen Trunkenbold halten. Ich besitze ja nun nichts mehr und muß zusehen, wie ich mir etwas verdiene, nur um leben , zu können. Wenn so etwas über mich gedruckt wird, hat kein Mensch Vertrauen zu mir." War es denn Ihr ganzes Vermogen, das Sie verloren haben?" fragte Schultze in einem Anfall menschlicher Neugierde. Alles fast bis auf den letzten Pfennig," antwortete Heydemann schmerzlich. Und wovon leben Sie nun? Ich habe zufällig eine Art Schreiberarbeit gefunden," sagte Heydemann kleinlaut und zurückhaltend, es wird wohl nicht von langer Tauer sein. Ich muß mich um etwas anderes umsehen." Ja, das itf alles sehr bedauerlich," bemerkte Schultze freundlich, aber ges chäftsmäßi.z, aber Donnerwetter ! was ist schon wieder los? unterbrach er sich plötzlich. Mit schnarrendem Gerausch surrie es in emem Telephonapparat, der zu seiner Lmken auf einem kleinen Tischchen stand. Und ohne weiter von Heydemann Notiz zu nehmen, ergriff er das Hörrohr und wandte sich dem Apparat zu. Hier .Tagesbote wer dort?" rief er. Aus dem Apparat drangen nun die undeutlichen icyrillen Töne, die manches Mal einen Charakter annehmen. als scharre man mit einem scharfen In strumente auf einer Eisenplatte., Dazu gesellten sich die Zwischenrufe des Horenden. Ah ...ja... wie? Bitte, noch einmal... Wo? Buchstabiren Sie!... Ah so ... Holzmarktsttaße ... Noch einmal... 218... Ja... Danke!" Schultze legte ven guter aus der Hand. 9 Großfeuer, Holzmarktstraße 218," sagte er zu dem ihm gegenübersitzenden Kollegen. Dann drückte er auf den Knopf einer elektrischen Leitung, worauf sofort einer der uniformirten Laufburschen eintrat. Herr Weber soll hereinkommen!" befahl Schultze. Der Junge verschwand, kam aber sofort wieder' zurück. Herr Weber ist nicht da," rapportirte er. Wer ist denn sonst im' Berichterstatierzimmer anwesend?" -fragte Schultze. Niemand, Herr Schultz." antwortete der Junge. Alle Herren sind weg." Alle?" .Jawohl!" Na, da haben wir die Bescherung!" rief Schultze ärgerlich aus. Alles fort! Unglaublich! Das geht doch nicht an,, daß alle aus einmal davonlaufen! Wen schicken wir nun da?" sragte er seinen gegenübersitzenden Kollegen. Dieser, an derartiae Dinae cirtuofin! und völlig abgestumpft, zuckte kühl die Achseln, schwieg und arbeitete weiter. Heydemann hatte mit dem gespannten Interesse des Fremden die Vorgänge verfolgt. Er hatte sich in eine Ecke zurückgezogen, so daß er sich nicht im Gesichtskreise Schultzes befand. Als nun dieser über die Abwesenheit der Berichterstatter erst in Aerger gerieth und dann seiner Verlegenheit Ausdruck gab, zuckte plötzlich ein Gedanke durch den Kopf Heyremanns. Da könnte man ja vielleicht etwas verdienen! Sein Herz klopfte, feine 'Hände zitterten, als er schüchtern vortrat und sich, an Schultze wandte. Darf ich vielleicht, Herr Redakteur " fragte er etwas ängstlich,

könnte ich vielleicht den'Gang'vesor

gen?" Wie? Sie sind noch da?" rief Schultze verwundert. Und Sie wollen? Nein, das geht nicht." 9 Aber warum nicht?" wandte Heydemann bittend ein. Wie ich glaube, handelt es sich doch nur darum, zur Brandstelle hinzugehen und dann Auskunft zu geben. Vielleicht kann ich was dabei verdienen." Verdienen na ja," meinte Schultze, nun verstehend und einen Moment überlegend, das könnten Sie schon. Mit ein bischen Verstand. Was sind Sie denn eigentlich, was haben Sie für ein Geschäft?" Jetzt nichts. Ich habe Philologie studirt," antwortete Heydemann mit einiger Beschämung. So, Sie waren Philologe?" sagte Schultze angenehm berührt, ja... dann also schön, Probiren Sie es mal. Gehen Sie rasch hm, vielmehr fahren Sie und kommen Sie schnell wieder. Wenn es ein großer Brand ist, telephoNiren Sie. Sie verstehen doch? Also Holzmarktstraße 218!" Ja!" sagte Heydemann, schon an der Thür. Und den Zweck seines Kommens völlig vergessend, stürzte er aus dem Zimmer. Holzmarktstraße wo, m welcher Gegend? Liegt sie im Norden, Süden, Westen oder Osten? Heydemann stürmte eine Weile geradeaus, ehe sich ihm diese Frage aufdrängte. In der Freude über den ihm gewordenen Auftrag, m der Befangenheit, zum ersten Male etwas zu thun, was er noch nie gethan hatte, verwirrte sich ihm einigermaßen der Sinn. Eme Brandstelle aufsuchen, dann Auskunft womöglich auch schriftlich darüber geben, was an der Brandstelle geschah, das war doch eme Kleinigkeit. Aber diese unbedeutende Mission gegen Bezahlung ausführen, noch dazu für eine Zeitung, mit größter Treue berichten, was sich dem Auge darbot und was man verkündet, das war ihm doch etwas Neues, etwas Unbekanntes. Und im Gefühl dieses Neuen empfand Heydemann plötzlich eine Last der Verantwortlichseit, die ihn ganz befangen machte. Es kam ihm vor, daß er eine Aufgabe übernommen hätte, die er vielleicht gar nicht würde bewältigen können. Sollte er nicht lieber zurückgehen und Herrn Schultze erklären, daß er den Auftrag nicht ausführen könnte? Einen Moment war er entschlossen, dies zu thun, aber schon im nächsten Augenblick schämte er sich seiner Muthlosigkeit. Wie? War er denn ein Kind? Sollte er sich, selbst wenn die Sache schwieriger wäre, njcht zu helfen wissen? Sollte er nicht wenigstens sein Können versuchen? Es galt ja Geld zu verdienen allerdings auf eine neue ungewohnte Art. Aber es existirten doch so viele Leute, die auf diese Weise Geld verdienen, und es mußte doch zum mindesten der Versuch gewagt werden, da sich ihm so .günstige Gelegenheit dazu bot. Also vorwärts in die Holzmarktstraße! Ja... aber nach welcher Richtung? Nathlos blieb er stehen. Vom grauen Himmel begannen einzelne Tropfen zu fallen, -tc ersten Voten eines ausgiebigen Regens. Die Leute auf der Straße bekamen plötzlich Eile. Man fpannte die Regenschirme auf und verbarg sich unter das Dach wie in Angst vor einem von oben drohenden Unheil. Diejenigen, die keine Schirme hatten, hasteten vorwärts, als wollten sie einer Ueberschwemmung entrinnen. Das StraßenPflaster färbte sich grauschwarz, und die Häuser nahmen in der grauen Veleuchtung der tief hängenden Walken ein trübselig eintöniges, fast drohendes Aussehen an. Das rege Leben, das hastige Gewimmel, das noch vor einigen Minuten Straße und Plätze erfüllt hatte, schien plötzlich zu stocken. Nur die Straßenbahnen und die Droschken zogen wie bisher in langen Reihen vorüber, aber, wie es schien, mit schw'ächerem Geräusch als vorher, dafür aber offenbar in weit größerer Eile. Nach welcher Richtung also? Heydemann sah rathlos um sich, die Leute auf der Straße schienen geradezu vor ihm davonzulaufen. Aber da stand ein Schutzmann mitten auf dem Fahrdämm, unbewegt, ruhig und sicher, die Augen gleichgiltig in die Ferne gerichtet. Und auf diesen ruhenden Pol in der Flucht der Erscheinungen schritt Heydemann zu und fragte nach dem Wege. Holzmarktstraße?" meinte der Schutzmann. Ja, das ist ziemlich weit. Und noch dazu Nummer 218 . . . na, so eine halbe Stunde werden. Sie brauchen." Und er fing an, den Weg zu beschreiben ein Gewirr von Richtungen, eine Menge von Straßennamen. Im Kopfe Heydemanns wirbelte es. Kann man nicht einen Omnibus oder eine Straßenbabn dorthin benutzen?" fragte Heydemann recht niedergeschlagen. O, natürlich," meinte der Schutzmann. Sehen Sie dort," und er zeigte auf eine Straßenbahn, der Wagen dort bringt Sie bis zum Hause." Heydemann vergaß fast zu danken. Er stürmte davon und sprang, wie von Feinden verfolgt, auf die Plattform des jtyon fahrenden Wagens hinauf. . Die Fahrgäste auf der Plattform und manche im Innern des Wagens richteten unwillkürlich einen Moment lang den Blick auf den neu Hinzukamwenden, wie es stets geschieht, sobald ein Mensch eilig einen Wagen besteigt. Heydemann war aber so sehr von seinem Vorhaben befangen, daß er diesen

mechanischen Blick Zn besonderer Weise deutet? Er bildete sich ein, daß alle diese Leute, die da mitfuhren, dasselbe

Ziel hätten, wie er. Der Wagen fuhr ja nach der Holzmarktstraße. Sicherlich hatten diese Passagiere von dem Brande Kenntniß. Wahrscheinlich waren sie zumeist Vertreter von Zeitungen wie er, und ganz gewiß lasen es ihm alle vom Gesicht ab, daß er zum Hause 218 fahre, um über den Brand Bericht zu erstatten. Ob sie es auch merkten, daß er zum ersten Male in seinem Leben die Arbeit eines Reporters übernahm? Er drückte sich gleichsam in sich selbst zusammen, als wollte er sich so wenig als möglich bemerkbar machen. Bald aber sah er, daß die Leute ihn ohnehin nicht beachteten. Auf den Haltesiationen stiegen Fahrgäste aus, mit gleichgiltigen Mienen ihres Weges gehend, andere stiegen ein, der Wagen leerte sich und füllte sich wieder, neue Gestalten tauchten auf von Heydemann nahm Niemand Notiz. Plötzlich blieb der Wagen stehen er konnte nicht weiter, denn der Straßendämm war besetzt. Heydemann bemerkte eine Ansammlung von Menschen, und rechts und links vom Damm sah er die langen Gefährte der Feuerwehr, die in geschlossener Reihe dastanden. Eine Frage an den Schaffner, ein Blick auf die Hausnummer es war richtig, man befand sich in der Nähe der Brandstelle. Heydemann stieg ab. Das Hinderniß auf den Schienen wurde beseitigt. Langsam fuhr der Straßenbahnwagen weiter, und Heydemann richtete den Blick angestrengt auf den Punkt, wo er das Feuer vermuthete. Gewiß war das Haus inzwischen zu einem flammenden oder rauchenden Trümmerhaufen zusammengestürzt. Aber wo waren diese traurigen Ruinen? Nichts war zu sehen. Ein qualmiger Geruch lag über, der Straße, und der Fahrdämm war an einer Stelle stark überfluthet. Sonst aber schien das Haus 218 unberührt, so unberührt, daß die Leute aus dem ersten und zweiten Stockwerk neugierig dem Hantiren der Feuerwehr zuschauten. Er schüttelte enttäuscht den Kopf. Es war ja nichts, gar nichts geschehen. Wozu dieses Aufgebot der Feuerwehr, warum diese Menschenmasse auf der Straße, da es doch gar nicht brannte. O, er wußte wohl, was ein Brand ist, er hatte daheim mehrere Brände gesehen, die ihm das Herz zittern gemacht hatten. Neugierig und verdrießlich schritt er auf das Thor des Hauses los. Aber er kam nicht weit. Was wollen Sie da?" schrie ihn plötzlich ein Feuerwehrmann an. Heydemann war so bestürzt, daß er zunächst keine Antwort fand. Machen Sie, daß Sie fortkommen!" schnauzte der Mann ihn an, vorwärts! marsch, marsch!" Heydemann wich erschreckt zurück und meinte entschuldigend: Ich wollte nur sehen, wo das Feuer ist." Das glaube ich Ihnen, kommen Sie nur morgen wieder," meinte der 'Feuerwehrmann mit grimmigem Humor. Ja, aber " wandte Heydemann ein, ich bin von dem ,Tagesboten' geschickt." Der andere sah den schüchternen Heydemann prüfend an, schüttelte den Kopf und sagte, auf einen anderen Feuerwehrmann deutend: Dann wenden Sie sich an den Vrandinspektor. diesen Herrn dort." , Mit einer sebc höflichen Verbeugung sprach Heydemann den Inspektor an. Er sagte ihm, daß er vom Tagesboten" käme und bat um die Erlaubniß, die Brandstätte besuchen zu dürfen. Der Brandinspektor, der eine langjährige, reiche Erfahrung mitVertretern der Presse hinter sich hatte, lächelte belustigt. Er sah, daß Heydemann ganz und gar ein Neuling war. Aber dieser Neuling trat so bescheiden, so schüchtern auf, daß er fast Mitleid einflößte, und. da die Arbeit im Hause nahezu vorüber war, ließ sich der Beamte herbei, Auskunft zu geben. Die Feuerstätte könne man nicht besuchen, da Aufräumungsarbeiten . vorgenommen wurden, erklärte er, aber er wolle ihm sagen, was er für die Zeitung wissen müsse. Und er berichtete so klar und sachlich, daß man Wort für Wort hätte drucken lassen können. Das Feuer war gänzlich gelöscht, es war nicht bedeutend gewesen, abgesehen von einem kleinen Unfall, und Heydemann konnte den Rückweg zur Redaktion einschlagen. Wieder saß er im Straßenbahnwagen, und wenn ihm auf der Hinfahrt das Herz von Sorgen schwer war, daß er seinem Auftrage vielleicht nicht gewachsen sei, so steigerte sich diese Sorge jetzt zu einer gelinden Verzweiflung. In welcher Weise, mit welchen schönen und bedeutenden Worten sollte er seinen Bericht anfangen, wie soll er das Ereigniß schildern, üöer das er zu berichten hatte? Er dachte hin und her und erinnerte sich schließlich, daß er in der Schule reckt aute derartige Schilderungen als deutsche Aufgabe geliefert hatte. Und in diesem Stile wollte er den Bericht halten. ' Er erdachte sich nun eine Reihe schöner, schwungvoller Sätze und rührender Worte, und als er in der Nähe der Redaktion anlangte, hatte er wirklich einen großen Artikel im Kopfe, mit vielen, hochtrabenden, romantischen Floskeln eine wahre Brillantschilde-

Nun, wie war es?" fragte Herr

Schultze liebenswürdig, als Heydemann wieder vor ihm stand. Heydemann gab nun einen ziemlich klaren Bericht über den Vorfall, intern er sich an die Auskünfte hielt, die er vom Inspektor bekommen hatte. Also schön," meinte der Redakteur. schreiben Sie das auf, aber bitte rech! kurz." Er drückte auf einen elektrischen Knopf, ein Laufbursche trat ein. Führen Sie den Herrn in das .Berichterstatterzimmer," sagte Schultze zu dem Jungen. Und sich zu Heydemann wendend, fügte er hinzu: Setzen Sie sich an eines der Pulte, Sie können dann bequem schreiben." Und Heydemann begann zu schreiben und schrieb und schrieb, daß sich ein Papierblatt nach dem anderen füllte. Da wurde er plötzlich in der Arbeit unterbrochen. Ein Junge trat ein und ging auf ihn zu mit den Worten: Herr Schultze bittet um den Bericht." Ich bin sofort fertig," sagte Heydemann sehr höflich. Und noch schneller raste seine Feder über das Papier hin. tz Nun war er endlich fertig. Mit einem gewissen Stolz und dem Bewußtsein, daß ihm das Werk wohlgelungen sei, stand er auf, legte die Vlätter zusammen und trug sie zu Schultze hin. Was haben Sie denn da?" fragte der Redakteur erstaunt, als er das umfangreiche Manuskript erblickte. Es, ist der Bericht," antwortete Heydemann erklärend. Schultze warf einen Blick auf das erste Blatt, überflog dann mit größter Geschwindigkeit das weitere und lachte laut auf. Nein, lieber Herr," meinte er gutmüthig, so macht man das nicht. Brände erleben wir alle Tage, und das war so ein kleines Mittelfeuerchen. Da macht man nicht viel Wesens." Und er fetzte sich nieder, nahm die Feder in die Hand und begann zu streichen. Er schien gar nicht genug von dem Geschriebenen wegstreichen zu können, immer mehr Zeilen fielen seiner grausamen Feder zum Opfer. Und als er endlich fertig war, meinte er mit freundlichem Spott: So. Sehen Sie sich mal Ihre .Arbeit jetzt an. Es ist leider nicht viel davon übrig geblieben." Nein, es war nicht mehr viel übrig. Nur wenige sachlich gehaltene Zeilen, fast nur so viele Worte, als der Brandinspektor 'gesprochen hatte. Es war wirklich schade um die große Mühe, die sich Heydemann gegeben hatte. Ja, alle? Anfang ist schwer," tr'östete Schultze, als er bemerkte, daß Heydemann ein sehr niedergeschlagenes Gesicht machte. Das Zeitungsgeschäft will eben gelernt sein. Na, im Uebrigen war Ihre Notiz gar nicht schlecht. Nur eben zu lang, viel zu.lang." (Fortsetzung folgt.) Familien.IdVU. Der Köchin soll gekündigt werden. Bestrafter Kurpfuscher. Der Wunderdoktor" und ehemalige Weber Stoeckel von Willhof, Niederbaycrn, der seit Jahren feine Patienten mit Kartoffeldämpfen. Krautbrühbädern und Gebet behandelte und die gleiche Kur jüngst bei einer Seistcskranken anwendete, wurde vom Landgericht zu zwei Jahren Gefängniß und drei Jahren Ehrverlust verurtheilt. ' Der Reichthum des Kastanienbraters. Markus Kühn war vor Jahren Kaftanienbrater in Komorn, Ungarn. Sein Gefchäft ging jedoch nicht, und eines schönen Tages war er verschwunden. Im vorigen Jahre- kam über ihn eine Meldung aus Jokohama. Es hieß darin, in der großen zapanischen Hafenstadt sei der aus Komorn gebürtige Kaufmann Markus Kühn verschieden und habe ein 300,000 Kronen ($60,900) betragendes Vermögen hinterlassen Das Erbe wurde neulich den armen Verwandten Kuhns in Komorn ausgezahlt. Sarg im Vallsaale. Eine eigenartige polenfreundliche Demonstration fand neulich in Lemberg, Galizien, statt. Vor einem Hause, m dem ein von vielen hochstehenden Persönlichkeiten und Beamten besuchter Ball abgehalten ward, versammelten sich Nachts um 11 Uhr 300 Studenten und Arbeiter. Dann zogen 12 Studenten, die einen schwarzen Sarg trugen, in das Gebäude, und dabei wurde höhnend eine allen Oesterreichern bekannte polnische Nationalhymne gesungen. Die Polizei jagte die Sargträger aus dem Gebäude und trieb die Menge auseinander. zFuns Stuöenten wurden in dem Tumult verhaftet. 'Seitens der Behörde wurde eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet.

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Feuer - Signale.

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WashwgtonStt U No.io CpritzenhauS JllinoiS u Merrill JllinoiS u iMlisiana St West und South West und McTarry M Senat Ave. u Henrt) S7 Meridian und Ray S!o. Epritzmbau adison Av. MorriS Mad ion Lö.u Dunlop Ro Hakn Letterhaut South nahe Xtlmaxt a Vam.u rZerrill Dekavare u. McSartS NrflundeartH New Jersey u.Mri2 vr Birg. Slv. u Sradffav Saft und Prospekt 19 Licking und High n 5K. 11 Epritzenhau Cir Ave. nahe Huroa ' ffdst und Seorgia fi Tedar und Sin 74 Davidson u Seorgia 5 English Av.u Pine tt Chelbd und pateS 8Ü0.I Spritzenhaus ProspeA nahe Shelby ? Fletcher Av. u Shelby Market u. New Jersey Delaware und Wash. tt 5-st u Washington 44 New Dork u. Tavid'or Taubstummen Anstalt er. Staaten Lrsenat 7 Orient! und Oaff. 19 Frauen-Reformat. 'l No. 13 Spritzenhaus Marylsnd nahe Ver. i Mendian a. eorqia. Meridian und South 4 Pennsylv u. Loistaa 5 Birgini Ave u. Llaö. HmHtquartter. 37 Grand Hotel. iS Tapital Lve uad öhib No. 1 Epritzenh I. und Äff. tt Zloiama und 16. 5 Central Ave und Ib. 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