Indiana Tribüne, Volume 28, Number 186, Indianapolis, Marion County, 30 March 1905 — Page 6
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'zu versorgen hat und die Heiserkeit Europäische Nachrichten. mni -Mt haus und die Ziegelhütte deS Zieglers ro ,-, . OUc"- . Johann Heine von hier brannten nie. ?e? CaÄ5 ber? ?i?Ursache des Feuers ist mandos Rendant Anton Weiß feierte bekannt fern 50. Dienstmbilaum. Gin atjrt nchcnDc ledige Gärtner Karl schwerer Unfall ereignete sich in den Lang wurde todt in einem Wassergraan der Landsbergerstraße gelegenen $cn "im Oberthal aufgefunden. DerBetriebswerkstätten der Staatsbahn, jcfoe ist bei der Dunkelheit vom Wege Ein Kupferschmied, Namens Remmele, abgekommen und fand so den Tod. sollte dort in einen Schacht steigen, um F a h r n a u. Auf der hiesigen ein Siederohr herauf zu holen. Die Station wollte der 45 Jahre alte Gerin dem Schacht berrschende Stickluft fiet Johann Leikauf aus Katzdorf betäubte den Mann und bewußtlos fiel (Bayern), wohnhaft in Brombach, er in einen tiefen Kanal hinab. Zu trotz Warnung in den schon in Beweseiner Rettung wurde Feuerwehr re- gung befindlichen Zug springen. Daquirirt. Zwei Mann, die hinabstie- gerieth er unter die Räder und gen, um den Verunglückten zu bergen, wurde so schwer verletzt, daß er nach wurden aber ebenfalls betäubt und sind jurzer Zeit verschied, schwer erkrankt. Gremmelsbach. Der hier B a m b e r g. Vicewachtmeister längere Zeit vermißte Seiler Günther Georg Hofsmann von der 3. Eskadron wurde in der Nähe des Nußbacher des 1. Ulanen Regiments hat sich m Bahnhofs mit schweren Kopfverletzunder Kaserne mit seinem Dienstgewehr flen aufgefunden. Man vermuthet, erschossen. Dienstliche Verfehlungen daß er abgestürzt ist. lagen nicht vor; Hosfmann diente Heidelberg. In der hiesigen schon im 12. Jahre und wollte dem- Klinik- starb der 18 Jahre alte Joh. nächst heirathen. Oswald aus Wiesenthal, welcher durch c Fu rt h. Hier ist bei emem unbe- einen Kameraden infolge unvorsichtiger deutenden Brande eine Feuerwehrleiter -Handhabung der Schußwaffe schwer umgekippt und hat den Feuerwehr- verletzt wurde, mann Schneidermeister Reinhard, Va- Königsbach. Die 73 Jahre ter von zwei Kindern, erschlagen. aiit Wittwe Katharina des verstorbe--G a r m i s ch. Der in der ganzen ncn Steinbrechers Dürrler wurde am Umgegend und be: den ommerfrlsch- Ofenrohr hängend todt aufgefunden, lern allgemein bekannte und beliebte L u t t i n g e n. Das Anwesen des Marktschreiber Max Räumer hier Landwirtbs F. Ebner hier brannte
feierte tm fahriges Juvttaum im Dienste der hiesigen Gemeinde. K a u f b e u r e n. Hier wurde im städtischen Mühlbache die Leiche des Oekonomen Jana Mößmer von Pforzen gefunden. Mößmer, der anr ; (T ....fti.ii i . u I lincno in c . unicicu in mn Bach gestürzt ist, hinterlaßt eine kranke Frau und vier kleine Kinder. Marktfchorgast. Der verheiraihete Bahnwärter Füller wurde zwischen hier und Neuenmarkt von einem Zuge erfaßt und schwer verletzt. R e ich 1 1 n g. Hier brannten in kurzer Zeit zwei Anwesen ab. Kaum S mnb im 5??? afJ reibesitzers Rapp geloscht, als tm Nachbaranwesen des Söldners Wiedmann Feuer ausbrach und das Anwesen ebenfalls vollständig vernichtete. T r o st b e r g. Dieser Tage wurde der Gastwirthssohn Xaver Kirchleitner. der infolge verschiedner Umstände sein ganzesVermögen eingebüßt hat, in der hiesigen Schießstätte erhängt aufgefunden. VLitin g. Der seit längerer Zeit abhängige Händler Stephan Graßler wurde von seinem zehnjährigen Sohn auf dem Dachboden seines Hausts erhängt aufgefunden. . 'Württemverq. , . , . . ff. p c I S t u t t g a r t. Der auf der Schlittenbahn Waldau" verunglückte 20jährige Kaufmann Emil Hanselmann ist an den Folgen feiner Ver letzung im Katherinen - Hospital gestorben. rr . i i or i"r.i U 9 ?"Ia6S Fm Festlichkeit geriethen der Kaufmann . .!! Irr Vligt r".Vm m T V: Vfc,,TV Weck drei scharfe Schusse abfeuerte. rCt. 0,rrT Snr, .m m4 nfiorfinTh Vuifc -vuyw vvunij vwui vvv,r tfz- nh; r v,f; , i vuiuC m vcu v vuö Lebensgefahr schwebt. Fellbach. Das 17jährigeDientmaoazen des Ärmenpliegers elz yier, rn.:-. rn;:j,.mÄ: rniic . lWl t 'r1! hat sich in selbstmörderischer Absicht in eine Abortgrube gestürzt, wo sie iodt aufgesunden wurde Das Mäd?Ä Ä. ..'t w??chen lüt schon einige Zelt an Schwerm . .-. : . mV WehrsieiN lst lm Alter von 8 L? Zf. Ä r UHU UUilW U13 umkWfclUiW vw V" I ' v.. i ;i cn ... ' I V ..... M.V... - 7 C - I te: er erfand auck die beweglichen Wa. TTTT n flPIT TTTTT MIT Tr TTT ilTIIIl 4 II L ütl I ben. Obersulmetinqen. Auf der abschüssigen Straße glitt der auf dem Seimwea beariffene, , 50 Jahre alte Maurermeister Klob von hier aus, stürzte in die Riß und ertrank. R e u t l i n a e n. Durch Selbstentzündung von Wolle brach im zweiten Stock der neuen Gminder'schen Svinnerei ein Brand aus. Trotzdem die Fabrikarbeiter das Feuer bald ern i n r- j Q....! lliulCN, ii ver vcaueu ucucuiciiu. S a u l g a u. Infolge einesSchlagnfalls starb vlöklick Oberamtsrichter Weber dahier im Alter von 47 Jahren. ' ' rw f T?fiU iinh fiiimslne Beamte war sld&t ?kabre am bieliaen Amtsaericht itäiü U n t e r b a u s e n. Der 67iäbriae Landwirth Jakob Neubrander stürzte MnXnt eines Nebltritts in seiner 'Scheuer ab und trug eine so schwere . . 3 i 1 . Rückenverletzung davon, vatz er vaid darauf starb. ?n , i v t r i h o f t n. Das Saus des Oekonomen Pröllochs ist vollständig niedergebrannt. Vaden. 'Karlsruhe. Hier starb unerroartet Hofschauspieler Heinrich Reifs
an einer akuten Herzlähmung. Reifs, plosion derPetroleumkanne beim Nachder letztes Jahr sein 25jähriges Büh- füllen wurde die ILiäkriae Tochter deö
nenjubiläum feierte, war schon , seit Anfang der Saison infolge einer zunehmenden Heiserkeit nicht mehr aufgetreten. Inzwischen wurde seine Krankheit als eine Erweiterung der f .-ir-f.f.l.,... sl .C Vm joaupiicgiusuüct ciiuiuu, uic uu ucui Nerv einwirkte, weicher ven eyilops
mit ö;ßIen Nabrnissen nieder. 10 öüh-
ner fielen dem Feuer zum Opfer. Pforzheim. Kurzlich brachen auf einem kleinen Weiher beim Schlittschuhlaufen mehrere Knaben ein; alle wurden gerettet bis auf den 11jährigen ö . 1 ' Emil Bellon. Trotzdem dessen Vater mi eigener Lebensaefahr verzweifelte Rettungsversuche machte, ertrank der be. R h e i n a u. Den verheiraiheten Werkmeister Henkel fand man in seintm Zimmer durch Kohlenoxydgas erauf bem Sofa liegend vor. Das Gas war vermuthlich aus dem schadhaften Ofenrohr entströmt und hat so htTl Tod des Mannes verursacht, . P. Mecklenburg, Schwerin. Die goldene Hochzeit feierten das Tagelöhner' - Altentheile? Schmalfeldt'sche Ehepaar in Kogel und das Arbeiter Getziensche Ehepaar in Gielow. Der Großherzog ließ den Jubelpaaren neben einem Glückwunschschreiben je ein Geldgeschenk von fünfzig Mark zugehen. -B ä k. Todt aufgefunden wurde in dem Hohlwege im nahen Gehölz neben seinem Fuhrwerk der Knecht Sedeska von der Domäne Neuhof. Der so jäh um's Leben Gekommene ist anschei nend während der Fahrt vom Wagen n,fhT11 lfnS H bsl8 hrri gesprungen und unter das Fuhrwerk gerathen, wobei ihm die Rader über den Kopf gingen und den sofortigen Tod herbeiführten. Kleinen. Das Büdcner Alteniunui imui m. viwvvuut ivuui. das Fest goldenen Hochzeit begehen. Gnjfcfenoq erfreute das Jubelfcsts (ürfavrtn1aif(t;t sCfu V "r "i $rtrrl paar durch Uebersendung eines Huldrollen Glückwunschschreibens und eines Geldgeschenkes von 50 Mark. m ' - r n;.r rftft ftrft j I,V" . SritUr miYhfrfntlZlth Ißminnr s? SNWor 5U tnhr iwvv .-,.vV - ,r'TWfc - V - - . .z .? w ' ' w Uns mt. nrn THnr.ffTt nn snftr.Tt "" wvimmiw "uuiu., '77 ai fc "' 3 m?,.??,,, o .strel,tz. Musikdirektor Luther starb nach längerem Leiden im ' Der Verstorbene war langjähriger Musiklehrer unserer Grobherzogin. Als Lehrer an der hiesigen Realschule und Organist der Schloß- und Ztadtkirche feierte er Jahre 1895 sein 50ahriges Dienst UtAisrtitvr ruouuum. TW CV itM( - P ?IhernpfcLrz. S p e y e r. Einen schönen Schmuck hat der hiesige Dom erhalten. Entsprechend der Zahl der Kaisergräber sind im Chor zwei Reihen von je sechs Leuchtern aufgehängt worden, große, vergoldete, an Ketten schwebende Reihen, an denen die Leuchterarme ange bracht sind. Am Gewölbebogen, der den Chor abschließt, leuchtet 22 Meter über dem Boden die riesige, reich vergoldete Kaiserkrone. Die prächtigen I nf.C!lH ... I W! 0s....... V. i uiucucu juiu uu uic -aiuc-juiiy uct zur rvauung ver neuen Raljergrust gebildeten Commission, namentlich des Professors Gabriel v. Seidl hin angeI y l p l n orami woroen. &t mo urena im Stile des 12. Jahrhunderts gehalten Blieskastel. Kürzlich machte die Ehe rau v. Gg. Jung sen. einen Selbstmordversuch, indem sie sich den Hals durchschnitt. Frau Jung stürzte vor kurzer Zeit von der Treppe und I t i cn.i r cr. r-. rr-?;t cm cm, io oan ic cci eruoung 9cl nocy rranr im eile zag. E l m st e i n. Infolge einer Lam penexplosion beim Nachfüllen des Pe troleums erlitt hier die Ehefrau-Haag erhebliche Brandwunden. Die, Frau verstarb und kinterlant vier unmundiae Kinder. Frankenthal. Jnfolqe Er Schuhmachers Hofsmann hier schwer verletzt. Kaiserslautern. Dieser Tage starb hier Regierungsrath a. D. Gustav Schmitt, nachdem er schon vor i ?' r in tirngcr cu einen cniaganjau erlitten hatte.
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i$m UVWleo : JovcUktte von A. T r i xx & tt - " ' w 44t4 itten in einem blühenden Obstgarten steht ein schlichtes, freundliches Landhaus. Ein alter Nußbaum neigt der Rückseite zum Dache,' schützend und zugleich vertraulich, als könne er in stillen Sommernächten gar manches erzählen, was unter seinen ehrwürdigen Wipfeln seit Jahrhunderten kam, und ging. Im Vordergrunde des Hauses leuchten von einem Rundbeete rothe R'.'en; ein Halbkreis von dicht gepslang.en Fichten geben einen stimmungsvo!en Nahmen dazu ab. Geschnitzte Giebel mit Fachwerk springen zu beiden Seiten des scheu von der Straße zurückgezogenen Landhauses empor. Die eme Seite ist umzogen von Wem und Kletterrosen. Diese haben ich hoher und hooer gerankt, bis sie em Fenster erreichten, in das sie nun hineinblicken können. Darüber aber im Gebälk nistet seit Wochen ein Rothchwanzchenpaar. Aus diesem Fenster, von Rosen umchmeichelt, von dem feinen Gesang der zierlichen Thierchen begrüßt, schaut sinnend em lichtblonder Madchenkops. Kluge, blaue, zuweilen wie nach innen gerichtete Augen schauen m die Ferne, über Garten, Wiegen bis zu einem blauumdufteten Höhenzuge, der dort drüben in den sonnigen Himmel still ich hmemhebt. Es ist, als suchten diese Augen etwas, als müsse zu all den Wundern dieser Frühlingstage vielleicht noch em neues, großes, ungeahntes sich gesellen. Auf einem Zweig des alten Nußbaumes sitzt das eine Rothschwänzchen. Es blickt hinüber zu dem hübschen Madchenkopfe, vor dessen großen Augen man sich gar mcht zu furchten braucht, und dann schnellt es nach einem vorüberfliegenden Insekt. Zirp, zirp! Im nachsten Augenblicke streicht es zu Neste. Die iunge Schone am Fenster ist davon aufgewacht. Ein heiteres Lächeln gleitet über ihr Antlitz. Sie wirst den langen Zopf über die Schulter zurück und wendet sich um. Eine wahre Nabenmutter! lacht sie für sich hin. Die Thierchen da oben sollten Mich beschämen. Zwölf Kmder, die nach Brot schreien ... und dabei träumt man zum Fenster hinaus. Ja, ja, muckt nur auf! Habt ganz recht! 's ist ja geradezu eine Schande! Natürlich, natürlich! Der Max führt mal wieder das große Wort! Still! Wollt Ihr wohl!" Sie reißt eme m Matrosentracht gekleidete Puppe aus einem Bette, streichelte ihr die Backen, herzt sie und winkt ihr freundlich zu, setzt sie auf emen kleinen Korbstuhl, ergreift ein kindergroßes Puppenfraulem und tanzt mit diesem trällernd, sich m den Husten wiegmd. mit glänzenden Augen und geratheten Wangen in dem Stübchen herum. . Em echtes Puppenheim, dieses seit same, traulich und peinlich ordentlich eingerichtete Stübchen im rosenumblühten Giebel des stillen Landhauses! Eine Sehenswürdigkeit des Vergstädtlems bereits damals, als Lucie selbst fast noch ein? Menschenpuppe gewesen war. Wer als Besuch zu den Eltern kam, Einheimische und Fremde: ein jeder stieg empor zu diesem Raume, für eine Viertelstunde der Poesie einer echten Mädchenseele sich zu freuen. Freunde sandten von ferne Puppengrüße, vervollständigen durch immer neue Geschenke die Einrichtung dieses entzückenden Heims, das für zwölf Puppen einfach alles umschloß, was den Menschen selbst von Nöthen ist. Küche, Schlafund Wohnräume, Badestube, Schule, für Spiel und Musik, für alles war gesorgt. Schränke mit Wäsche. Kleidern, Büchern, Eßwaaren, Porzellan und Glas standen längs der Wände, dazwischen trauliche Sitze, Erinnerun gen und Bilder, Lampen und Ampeln. Ein Museum, , ein Puppensaal, ein Heim, kunstlichen, dem Menschen nach gebildeten Geschöpfen geweiht, aber in Wirklichkeit das Märchenreich, der heiuge Tempel emes nach Llebesbethäti gung sich sehnenden Kinderherzens. Tause und Hochzeit war hier oben im Kreise der Freundinnen mit den Puppen gefeiert worden; wenn der Max sich den Magen verdorben hatte, Hilde über Halsweh klagte und Lene einen Kirschkern glaubte verschluckt zu haben: da war der Herr Kreisphysikus die Treppe heraufgekeucht gekommen, um den armen, leidenden Geschöpfen Heilung zu bringen. Und zu Weihnacht flammte ein duftender Lichterbaum auf. r r ?i . Aiueic lang mu reiner, ins oeoenoer Stimme ihre frommen Weisen, dann öffnete sie die Thür und schleppte alle zwölf Lieblinge hinein zu dem reichbedeckten Festtische. ' Und was an Leckerbissen da sich zeigte, das steckte sie dann selbst in heiliger Liebe für ihre Puppen in ocn eigenen cuno. Jede freie Stunde, welche Schule und Musik ihr übrig ließen, widmete sie ihren Pfleglingen. Da ward aenä'bi und gekocht, gewaschen und sonnabendlich gründlich Reinemachen abgehalten, ausgefähren oder mit ihnen im Garten herumgetollt. Den Kindermantel umgelegt, den Liebling des Tages darin eingewickelt, so schritt Lucie unter den Bäumen auf und nieder, herzte und küßte daö . vollbackige kleine Wesen, drückte es an die Brust und übergoß es
sich an
mit aller quellenden Zärtlichkeit einer heißen Mädchenseele. Na, Lucie!"-hatte einmal die Mutter sie gefragt, was willst Du denn werden?" Was Du bist!" klang es strahlend zurück. Mutterchen!" Aber wie lange denkst Du denn mit Deinen Puppen zu spielen?" Immer, .Mutter! Immer!" Und heiliger Ernst leuchtete aus dem lieben, klugen Gesicht. Immer! Warum nicht? Die Freunbinnen mußten es doch gewi; auch so machen.. Ohne etwas lieb zu haben, für Jemand sich zu sorgen, mit ihm zu lachen, zu weinen wäre es denn sonst wohl ein Leben voll Freude gewesen? Immer! Mußten denn ihre Freundinnen nicht ebenso wie sie denken? War das damals nicht eine Taufe gewesen, wie solche in dem Städtchen wahrlich nicht so oft vor sich gegangen sein mochte? Ein Altar mit Lichtern und Blumen; eine Freundin die Kinderfrau, die andere der Pfarrer; sie selbst inmitten ihrer Kinderschaar, dahinter ein Kranz von Gespielinnen. Der Schmaus dann hinterdrein, ein Tänzchen zum Klavier . . . selige Tage, un-
vergeßliche Stunden! Aber die Zeit strich mit Flugein darüber hin. Damals war Lucie zwöls Jahre alt gewesen. Nach und nach begann der Bund der Freundinnen zu zerbröckeln. Andere Neigungen, neue Interessen schoben sich dazwischen. Hier und dort auch das Verbot einer Mutter. ihre Tochter sei zu alt, um noch mit Puppen zu spielen. War das möglich? Hatte ihre eigene Mutter mcht selbst damals ihr zugestimmt? Spiele mit ihnen, so lange es Dir gefallt, Lucie! Die Jahre der Kindheit kehren nie zurück!" Zuletzt hatte nur noch eine einzige Freundin zu ihr gehalten im Puppenspiel. Mit dem Tage der Konfirmation war auch sie von dieser Kinderei" ge heilt. Wer lange Röcke trägt und nächsten Wmter auf den ersten Ball gehen darf, kann unmöglich noch für Puppen ein Auge haben. Nun trug Lucie auch lange Rocke, wenn ihr die Aussicht auf Tanzvergnügen auch noch nicht eröffnet war. Sie traf mit den Freundinnen noch in einem Lese- und Ardeitskrunzchen zusammen, man besuchte sich- gegenseitig, beglückwünschte sich an Geburtstagen doch ihr Puppenheim betrat keine der einstigen Schulgenossinnen mehr. Und jetzt wünschte sie es auch gar nicht mehr. Vielleicht hätte , eine heimlich lächeln können und das würde ihr weh gethan haben. Darum sprach sie auch nie mehr von ihren klemen Lieblingen. Selbst zur Mutter nicht. Diese aber ließ sie still gewähren. Sechzehn Jahre bereits alt einmal würde es ja doch zum Abschied gehen! Warum da gewaltsam eingreifen?... Lucie saß auf einem Stuhl und hielt den kleinen Matrosen vor sich auf dem Schooß. Sie strich ihm über das volle, blonde Haar, und wie ihre Finger darüber glitten, da war es, als schaute sie in andere große, blaue Augen... ein mächtiger Jungenkopf richtete sich ihr entgegen . . . helles, gesundes Lachen grüßte sie. Aber diese Augen hatten sich seit einem Jahre für immer geschlossen. Drüben an der Berglehne, wo im Todiengarten der Flieder so schön duftet, da ruhte ietzt ihr Bruderlem, ihr 'Spiel genösse, der wilde, tolle Werner. Ihm hatte einst der kleine Matrose gehört, ohne den er nicht einschlafen konnte, wenn er ihn nicht nahe wußte, den er noch manchmal herzte, als er bereits längst Latein paukte und die Geige so wundersam strich. Nun war er fortgegangen ... aber der Max ... der Max ... der brauchte nun doppelte Liebe ... Als überkäme es sie mächtig im Er innern, so riß Lucie plötzlich die Puppe an sich und bedeckte sie mit heißen Kus sen. Wieder strich zirpend das Rothschwänzchen am Fenster hin; drunten duftete das frischsprossende Grün, die dampfende Erde, und der Frühling schritt durch den Garten und lächelte still für sich hin. Und auf einmal kam es ganz fonderbar über das hübsche Mädchen. Es sprang auf, stürmte an's Fenster, als hätte draußen Jemand seinen Namen gerufen, und blickte wie starr über die Gärten hinweg. Dann drehte es sich um. Der Max ward eiligst in ein größeres Bett gelegt, aus dessen Kissen und Decken bereits zwei andere niedliche Stumpfnäschen hervorlugten . . . noch ein rascher, das liebe, theure Puppenreich umfassender Rundblick ... dann fiel die Stubenthür in's Schloß. Lucie eilte die Treppe hinunter, setzte den Strohhut auf und rief in die Wohnstube unten hinein: Mutter, ich geh' noch ein bischen spazieren! Es ist so schön draußen." echt, Mädel! Wenn ich könnte, käm' ich mit. Man muß den Frühling genießen." Rasch war Lucie die steile, schmale Verggasse hinangeeilt. Noch an ein paar Landhäusern vorbei ... dann lag das Städtlein hinter ihr. Leis rausehender Buchenwald hieß sie willkommen. Durch raschelndes, braunes Laub stieg sie die Höhe zum Bergrücken hinan. Ein Stück da oben entlang, da hatte sie eine Lieblingsbank an der Felsbank, von der man hinüber auf das Gebirge schaute. Hatte ihr vorhin wirklich keine Stimme getönt? Sie mußte lächeln. Und dann wurde sie wieder erregt. Als Wollte sie sich vor eigener Verwirrung
flüchten, bückte sie" sich plötzlich nieder und begann einen, Strauß Frühlingsblumen zu pflücken: Himmelsschlüssel, blauer Akelei, Orchideen, Türkenbundlilie . . . alles bunt durcheinander. Für wen? Für die Mutter? Für sich? Vielleicht auch für die Puppen? Sie wußte es nicht. Sie fühlte nur den tiefen, heißen, wundersamen Drang, ganz einmal in sich aufzunehmen, mit allen Sinnen, aus quellendem Herzen, was dieser Frühling an Wonnen und
Wehen brachte. Nun saß sie eme Weile bereits auf ihrer Lieblingsbank und blickte hinüber über schweigende Bergwälder zu der blauen Gebirgskette, über welche purpurne Wölkchen langsam einherschwammen. Sie wunderte sitfj selbst, daß sie hier bereits eine Weile gesessen hatte. Es war ihr gar nicht zum Bewußtsein gekommen. Wie im Traume, sicher wie eine Mondschcinwandelnde, war sie hierher gelangt. ' Jetzt, vernahm sie auch den hellen Jodler einer frischen Mannesstimme. Wie schön dieser Vierklang der Töne in den Bergen verhallte! Kurze Stille. Dann hörte sie unter sich munteres Pfeifen. Ein altes Volkslied. Es raschelte im Gesträuch. Ab und zu hörte man Gestein von der Kalkwand sich lösen und in die Tiefe kollern. Wieder ein Jodler. Nähernde Schritte. Dann wurde es im Gebüsch rege. Gleich darauf brach, halb niedergeduckt, seitlich neben ihr ein junger Mann hervor und betrat aufathmend den kleinen Platz, dessen Hintergrund die Bank einnahm. Er mochte zweiundzwanzig Jahre zählen. Ein dunkles Schnurrbänchen zierte die Oberlippe. Aus einem frischen Gesicht lachten ein Paar kluge, braune Augen in die Welt. In der Hand hielt er einige frisch gepflückte Waldblumen. Einen Augenblick stutzte er, als er das blonde Jungfräulein vor sich sitzen sah. Auch auf Lucies Gesicht machte sich deutlich ein Zug leiser Verwirrung bemerklich. Doch schon hatte er sich wieder zurechtgefunden. Er lüftete den Lodenhut und begrüßte sie, indem er auf sie zuschritt und ihr die Hand reichte. Fräulein. Lucie ... Pardon! ... Fräulein Brendel, damit Sie mir nicht böse sind.. Das nenne ich aber ein glückliches Wiedersehen! Natürlich ein einseitiges, nur auf meiner Seite! Selbstverständlich! Das sind ja hundert Jahre her aber drei Jahre minbestens, daß ich Sie 'nicht sah. Und wie..." Er brach hastig ab, als er merkte, daß eine Blutwelle über ihr Gesicht schoß. So lange sollte es schon sein, Herr Köllner?" Sie mußte doch etwas sagen und wußte doch nicht recht was. Freilich!" entgegnete er lachend. Damals war ich noch als Gymnasiast auf Ferien zu Hause. Sie sagten noch Du zu mir ... ich wohl auch . . . natürlich! Klang übrigens hübscher als dieses feierliche Sie, bei dem man Gänsehaut kriegt mitten im Frühlingssonnenschein. Aber es mutz ja wohl so sein. Bin nun bereits drei Jahre in der Fremde. Studire auf den Dr. Eisenbart los. Erst Berlin, nun München. Er zwirnte sem Bartchen und schaute sie mit hellen, offenen Augen an. Warum sie nur so stumm sein mußte! Wie auf den Mund geschlagen! Zu Hause ging's doch oft wie ein wirbelnder Vergbach von ihren Lippen. Aber sie fühlte, sie mußte was sagen. Sonst könnte er sie heimlich auslachen. Und das... das sollte er mcht. München soll ja eine herrliche Stadt sein," hob sie an. Ein lustiges Leben und gemüthlich. - Das ist es auch," bestätigte er. Aber daheim, daheim, Fräulein Brendel, ist's doch tausendmal schöner. Manchmal überkommt mich ganz seltsam. So eine Winternacht. Ich saß noch lange bei der Studirlampe . . . alles schlief... oben, unten, ringsum. Da war's mir, als stiegen unsere grünen, Thuringer Berge vor mw auf Ich hörte die Winde rauschen, die Quellen flüsterten so heimlich aus dunkler Felsennacht, zwischen den Gärten gingen Arm in Arm die Mädchen und sangen... sehen Sie... da sprang ich auf, da stürmte ich auf meiner Bude hin und her und fang mit, sang laut mit: ,Ach, wie ist's möglich dann, daß ich lassen kann.' Na, eine schone Bescherung hatte ich da angerichtet. Oben und unten begann es zu klopfen, zu donnern, und am andern Morgen, als mrr meme Wlrthm, die höchst tugend same, klapperdürre Schneiderleinswittwe Barbara Gutgesell, den Kaffee brachte ... na, die Gardinenpredigt. Als ob ihr Ehemann selig nicht schon seit Jahren vor ihr Reißaus genommen hätte! Sehen Sie, Fräulein Lucie, das war die Macht der Heimath. Bekommt nicht immer. Vor allem soll's man nicht lerem auf die Nase binden." Er lachte wieder so frisch, daß sie jetzt mit einstimmen mußte. Unsere Heimath ist auch schön! Sit fühlte ordentlich, daß sie das sagen mußte, als könne sie ihm damit wohl thun. Nicht wahr? Und morgen heißt's wieder fortgehen, hinab zur blauen Jar. Morgen schon?" Wie dumm das von ihr war. Sie hätte sich mögen ausscbelten. ' Ja, moraen! Meinem armen Mutterlein schmerzt's am meisten. In ihrer Einsamkeit zählt sie stets die Wochen. Tage, bis ich wiederkomme. Als Ehar pie auf die Wunde" er deutete auf die wenigen Blumen m semer Hand bringe ich ihr diesen soaenannien
!
Waldstrauß mit. Sie ist ja stit Iahren gelähmt und muß sich bei Frühlings vom Fenster aus freuen."! Es schoß warm in dem Hern Lucies auf. j Darf ich . . ." hastete sie . . 1 bitte, nehmen Sie diese Blumen ncch mit hinzu . . . damit der Strauß voller ist für Ihre Mutter vielleicht ..." ! Em eigener, leuchtender Blick traf sie. .Wollen Sie wirklich? Das ist - schön... das ist . . . Herzlichsien Denk! Das wird mein Mülterlein freuen... sie spricht noch manchmal von Ihnen. als Qpie noch zur Schule vordeiilogen... und immer einen herzlichen Gruß für sie übrig hatten ... sie ist so einsam, die arme, gute Mutter!" Beider Hände berührten sich, cls Lucie ihre Blumen zu denen in seiner Hand sacht gesellte. Keins sah das andere an. Und dann trat eine kleine Stille ein. Man hätte können Beider Herzen fast klopfen hören. Unter ihnen ging der Abendwind durch die Wipfel. Ein Meisenpaar strich leis singend zu Neste. Von dek Vcrgmatle scholl das verwehende Geläut einer heimlehrenden Heerde. j Der junge Mann löste zuerst den Bann. Schön Dank! Auch im Namen mei ner Mutter! Vielleicht geben Sie ihr mal Gelegenheit, es selbst noch zu thun. Sie liebt so sehr die Blumen!" Er war aufgesprungen und reichte ihr die Hand. -Und nun will ich gleich .Lebewohl'
sagen. Ich hoffe: auf Wiedersehen!" Er sah sie so freundlich-ernst an. daß sie gar nicht die Augen niederschlagen konnte. Und auf einmal mußte sie laut auflachen. Wenn Sie nach München kommen, grüßen Sie die tugendsame Schneiderleinswittwe Barbara Gutgesell! Vergessen Sie es nicht." ' Herzlich stimmte er in ihr Lachen ein. Noch ein Händedruck, ein eigener, festhaltender Blick aus seinen braunen Augen, dann war er verschwunden. Sie hörte seine verhallenden Schritte. Ganz ernst wieder geworden, faß sie noch eine Weile regungslos da. Etwas war über sie gekommen, von dem sie sich keine Rechenschaft ablegen konnte. Eine Leere Plötzlich und dann wieder ein Sturm darüber hinfluthcnder. ungekannter, alles aufrührender Gefühle. Da sprang sie auf. Noch einmal glitt ihr Blick über die Bank, wo er vorhin gesessen hatte, dann eilte sie nach Hause. Aus dem Wohnzimmer klangen ein paar Frauenstimmen. Mutter hatte Besuch. Da brauchte sie nicht gleich einzutreten. Heimlich, leise schlich sie empor in ihr Puppenheim, in ihre bisherige Märchenwelt. Versunken, verblaßt! Ein schmerzlicher Zug, ein bitteres Weh lag auf. ihrem lieben Gesicht. Sie riß den Max aus seinen Kissen heraus, drückte ihn an sich, küßte und herzte ihn mit heißer Inbrunst; Puppe auf Puppe schloß sie in ihre Arme, so viel sie nur fassen konnte. Sie murmelte, schmeichelte, sie bat und küßte immer wieder. Und dann sank sie vor ihrem eigenen Bette nieder, wühlte das blonde Haupts in die Kissen und schluchzte laut, herzbrechend auf. In dieser Stunde nahm sie Abschied von ihrem Puppenheim, von einem Stück goldener Jugendzeit. Nun hatte sich das Wunder des Frühlings auch an ihr erfüllt! Vom allen Strllwag. Der vor einiger Zeit in Wien in hohem Alter verstorbene berühmte Ophthalmologe Stellwag v. Earion war ein abgesagter Feind der Bakteriologie. Seine Abneigung gegen diese neueste Errungenschaft" war so groß, daß er sich weigerte, die vorgeschriebenen Jnfektionskrankheitsanzeigen zu machen. 'Eines Tages kam er auf die Klinik und hörte, daß eine Anfrage des Krankenhausdirektors eingelaufen fei, warum Trachom (egyptische AugenentZündung) nicht angezeigt werde. Setzen Sie sich, Herr Assistent," rief er, nehmen Sie Papier, Tinte und Feder und schreiben Sie dem Herrn Ventilationsrath (so nannte, er den damaligen Krankenhausdirektor, der sich mehr mit Ventilationseinrichtungen als mit Spitalhigiene und Medizin befaßte): .Löbliche Direktion! Die Gelehrten sind sich noch nicht darüber einig, welcher Bazillus die Ursache des Trachoms ist. ob der Bacillus trackomatosus oder pyogenes aureus oder dyphtheriticus. Ich ersuche die löbDirektion, sich für einen von diesen zu entscheiden, aber auch den streng wissenschaftlichen Nachweis zu führen, daß nur dieser die KranZheit verursache. In diesem Falle werde ich bereit sein u. s. w.' " Die Anschauung Stellwags über das' Examen charakterisirt folgender Vrgang. Die operative Augenheilkunde, in Oesterreich Prüfungsgegenstand, war in 14 Fragen niedergelegt, welche in Form von gerollten Loosnummern von Kandidaten gezogen wurden. Als einst ein aufgeregter Kandidat von den in breiter Urne, sichtbar liegenden Loosen eins hervorzog, sagte Stellwag: Sie Unglücksvogel, sehen Sie denn nicht, daß dieses Loos einen breiten Riß hat, es ist der schwerste Abschnitt, legen Sie es rasch wieder hinein, bevor es der Herr Dekan merkt!" Vorsitzender, Dekan und Auditorium schmunzelten behaglich.
