Indiana Tribüne, Volume 28, Number 186, Indianapolis, Marion County, 30 March 1905 — Page 5
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cz 'f ; 9 Jovküe von 6 A. lrsinert 0 -O 0--C-----G D--Q------Q--0- 6 n unregelmäßigen Stößen raste l -1 CYI. Y !ll uu ciucist yiocernoeuiacnminag der rauhe, kalte Regengüsse mitführende Südweststurm über Ganten Island. Er schleuderte die von ihm j aufgewühlten Fluthwasser der Themsemündung gegen Kaimauer und Landungstreppe und peitschte den hochaufspritzenden Gischt üb das Dach der Küstenwächterbaraäe bis zur Schwelle des "Strandwirthshauses Zum Goldenen Dreizack." Stromaufwärts, in windgcschützter Bucht, lagen ein halbes Dutzend Fischerbarken und der Schoouer, der von Woolwich her zehn Tonnen. Dynamit gebracht hatte, die auf den eine Seemeile stromaufwärts ankernden, heftig schaukelnden und stampfenden Dampfer verladen werden sollten. In der altvaterisch eingerichteten Schankstube des Goldenen Dreizack" war die gewohnte Gesellschaft versamrnelt: Schiffs- und Bootsleute, Fischer, dienstfreie Küstenwächter, ein paar Bauernknechte und Mark Armstrong, der Pächter der nächsten Farm. Lebhafte Unterhaltung wurde nicht gepflogen. Die meisten Gäste qualmten schweigsam aus ihren kurzen Holzoder Thonpfeifen und nahmen des Oeftern einen tiefen Schluck aus den vor ihnen stehenden dampfenden Groggläsern. Die Minerva' sollte heute auslaufen," bemerkte Jemand, aber 'jetzt wird ste warten müssen bis morgen, ehe ste das Dynamit verstauen kann. Möchte meine Hängematte nicht spannen mit dem Teufelsstoff unter mir." Ich hab? den Transport vom Schooner zu? Minerva' übernommen, und sie wollten mich überreden, die Kisten heute noch hinüberzuschaffen," berichtete Tom Patterson, ein hübsch:?, wettergebräunter junger Bootsmann. Und Du hast natürlich Dein kostbares Leben nicht daranwagen wollen," höhnte Bob Millford. .Tom und Bob waren Schulkameraden , in GraveZend und die besten Freunde gewesen, bis des Pächters Armstrong Tochter Mabel ihnen die Köpfe. verdreh! und'sie zu eifersüchtigen Rivalen gemacht hatte. Jeder der beiden jungen Männer besaß ein solides, tüchtiges Lichtcrboot und verdientebei dem . regen Handelsverkehr auf der Themse genug, um an die Gründung eine eigenen Hausstandes denken zu können Ich wage so viel wie Du, wenn's darauf ankommt," brauste Tom auf. aber bei solchem Wetter zu fahren, wäre Tollheit. Ist's gefährlich für mich, ist's auch gefährlich für die Waare." Je so. die Waare ist's, um die Du besorgt bist," stichelte Bob weiter. He. Ihr da, laßt das dumme Gezank!" rief Armstrong. Könnt wahrhaftig nie mehr drei Worte miteinander wechseln, ohne hitzig zu werden. ) Geraoe wie zwei knurrige Hunde. Schämt Euch!" Recht habt Ihr. Tom," mischte Pieter Banfliet sich ein, der Meister eines der in der Bucht liegenden holländischen HeringSkutter. Besser lebendig am Lande als ertrunken im Wasser." Die. Gesellschaft lachte. Die .Minerva' kann warten," erklärte Patterson. Was steht da groß auf dem Spiele? Gälte es ein Leben zu retten, dann wär's anders, dann würde ich mich nicht lange besinnen, daS eigene einzusetzen." Um. Millfords Lippen zuckte ein spöttisches Lächeln; aber er sagte nichts mehr, er wollte es mit Mabels Vater nicht verderben. Euer Leben für ein anderes?" nahm der Hollände? wieder das Wort. Dann seid Ihr aber ein richtiger Narr, Tom Patterson. Mein" t ' Nanu!" unterbrach ihn einer der Küstenwächter. Pah! Mein Motto ist: Jeder für sich!" fuhr der alte Pieter fort. Wißt Ihr denn nicht, daß die See sich nicht um ihre Beute bringen läßt? Rettet einen Menschen, den sie verschlingen will, und sie nimmt Euch dafür, ehe ein Jahr um ist." Dummes Zeug!" entgegnete der Küsienwächter. Ammenmärlein!" Und 's. ist doch so!" beharrte der Holländer. Wer von Euch hat schon mal einem Ertrinkenden geholfen?" Niemand meldete sich. Nur der Küstenwächter erzählte: Mein Bruder Silas ist vor drei Jahren auf offenem Meer einem Kameraden nachgesprungen, der bsim Segelfestmachen vom Ende der Großobermarsraa ye- ' fallen war. Der Abgestürzte konnte - nicht schwimmen, und Silas hat ihn oben aebalten. bis das vom Schiff abgelassene R-tiungsboot die Beiden auffischte." Und was macht Euer Bruder Suas beute?" fraate Banfliet. Er hm er gehörte zur Besatzung der ,Lady Anne,' die vor zwei Jahren mit Mann und Maus im Indischen Ozean versunken ist." Hab's mir ja gedacht! Mußte so kommen!" triumvbirte der Holländer. Zufall, reiner Zusall!" protestirte der" Küstenwächter. Sind ja alle umgekommen, die von der ,Lady Anne,' und jeder von ihnen wird , wohl nicht
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einen Menjchen vom Wassertove gernrer haben." Aber gesegelt sind sie mit Euerem Bruder im gleichen Schiff, und da haben sie eben mit ihm daran glauben müssen. Jch'fahrc, Junge und Mann, so an die fünfzig Jahre über's SalzWasser, und ich sage Euch, immer bat's zugetroffen: Die' See verlangt ihre Opfer, und wer sie ihr entreißt, den holt sie sich binnen Jahr und Tag." Das Thema würde wahrscheinlich noch weiter ausgesponnen worden sein, hätte nicht das Eintreten von zwei neuen Gästen die Aufmerksamkeit abgelenkt. Der eine der Angekommenen war ein großer, dicker Mann mit einem gemeinen, brutalen Gesicht, der andere ein erbärmlich dreinschauender, dürftig gekleidete?, halb erfrorener Matrose. Bor zehn Tagen eist war dieser nach langer Reise ausgemustert und abgelohnt worden; von den bezogenen dreißig Pfund Sterling steckte aber, kein Penny mehr in seiner Tasche. Sein Begleiter hielt ein sogenanntes Seemannsheim die richtigere Bezeichnung wäre SeemannsHölle in Gravesend und gehörte zur schlimmsten Sorte jener Landhaie, die mit dem gewissenlosesten Aussaugen und Betrügen der bei ihnen einkehrenden leichtsinnigen Thcerjacken glänzende Geschäfte machen. Den Matrosen, mit dem er im Goldenen Dreizack" auftauchte, hatte er vor ein paar Tagen schon dazu beschwaht, einen neuen Heuerkonkrakt für die Minerva" zu unterschreiben. Das, von. der Rhederei gezahlte Angeld war auf Grund einer fingirten Schuldforderung in seine Hände geflossen, und jetzt war's ihm vor allen Dingen darum zu thun, den armen Teufel sicher auf dem Dampfer zu wissen, ehe es in dem schnapsbeduselten Hirn des Mannes hell genug geworden wäre, die an ihm praktizirte Schwindelei und Seelenverkäuferei zu durchschauen und sich dagegen aufzulehnen. Beide Männer trieften vor Nässe; das Wetter hatte sich nach SonnenUntergang noch verschlimmert. Ich brauche ein Boot." erklärte der G-ravesender Wirth. Der Matrose lallte etwas von Whisky und turkelte auf die nächste Bank. So, ein Boot ist's, was Ihr
wünscht?" nahm Patterson das Wort.' Na, da wnd's eben beim Wünschen bleiben; kriegen werdet Ihr keins." Die meisten der Anwesenden stimmten dem bei. Ist denn kein Bootsmann hier?" fragte der Seelenverkäufer. Der Mann da muß an Bord des Dampfers gebracht werden. Ich zahle zehn Shilling für seine Ueberfahrt!" Doch, Bootsleute sind schon hier," erwiderte Tom. Ich bin selber einer, aber ich fahre nicht; nicht für zehn Pfund!" Und x ch bm ein Bootsmann, und i ch fahre!" rief Bob Millford, von seiNem Sitz aufspringend. ; '.' Auch Patierjon fuhr m die Hohe. Dunkle Röthe stieg ihm in's Gesicht, aber er beherrschte sich. Du weißt so gut wie ich. Bob," sagte er ruhig, daß bei dem Sturm und der dagegen emlaufenden Fluth ein offenes Boot, gebaut wie unsere Lickter, nicht regiert werden kann. Warte, bis die Ebbe einsetzt." Ich fahre!" wiederholte Bob. Gerade jetzt fahre ich. ; Ich pfeife auf die zehn Shilling und auf den lnauserigen Lump, bcr den Bettel anbietet für so 'ne Fahrt. Ich will nur zeigen" sich Pächter Armstrong zuwendend was 'n schneidiger Bootsmann leisten kann. Ich fürchte mich nicht!" Bei den letzten Worten nahm er, Tom mit. geringschätzigen Blicken messend, seinen Oelrock und Sturmhut vom Halen und schritt der Thür zu. Der Matrose da wird heute nicht mehr auf die .Minerva' geführt!" erklärte jetzt der Küstenwächter mit Entschiedenheit. Einverstanden!" knurrte der alte Holländer. Tcr Landhai soll selber rübefahren, der Seemann bleibt hier!'Beifallsgemurmel wurde laut, nur der Gravesender Wirth protzte auf. Donnerwetter!" schrie er. Möchte doch wissen, wer mir da dreinzureden hat! Mein Mann kommt heute noch auf den Dampfer, wenn em Bootsmann da ist, der ihn rüberrudern.will. Sejne Kiste babe ich vorgestern schon an Bord geschafft, als die .Minerva' noch am Gravesender Kai lag. Den Kontrakt hat er unterschrieben, gesetzlich verpflichtet ist er. Wer hier will was gegen das Gesetz machen?" Ich will!" rief der Küsienw'ächter. Er stand auf und trat mit blitzenden Augen und geballten Fäusten dicht an den Gravesender heran. Die Beiden waren gleich groß, aber der KüstenWächter, ein ehemaliger Quartiermeister von der Kriegsmarine, war der jüngere und nervigere Mann. Jedenfalls eine harte Nuß zum' Knacken.' mochte sein Widersacher denken; denn er fing an, mildere Saiten aufzuziehen. Ich möchte in so honetter Gesellschaft keinen Spektakel anfangen. sagte er, aber unrecht bleibt's doch, mich daran hindern zu wollen, den da abzuliefern. Er hat mir " Schweigt!" unterbrach ihn der Küstenwächter. Für den Matrosen da wird gesorgt werden, um den kümmert Euch nicht weiter. Habt den armen Kerl lange genug m den Klauen gehalten. Geht m's Torf. Im .Weißen Roß' dort wird's wohl noch Platz qtbtn; hie? ist ein Sitz zu wenig frei, , so-lange I h r da seid. ' Der Eingeschüchterte, wollte noch Parlamentiren, die Haltung seiner Um
aebuna murr aber immer drohendes
und so hielt er's schließlich doch für das Gesch::d'.ene. sich zu diuaen. ..Der Matrose bleibt also . hier?" fragte- Wo Millford, nachdem der Gravesender ,ümny gegangen war. Schnarcht ja wie ein Nilpferd und müßte in's Boot geladen werden wie ein Sack. Helfen konnte er mir mit keinem Niemenstreich. Meinetwegen mag er warten bis morgen; ich rudere allein ruoer zur .cinerva.' im Crawford, der Maschinist, ist 'n alter Freund, von mir, will irrn noch mal sehen, ehe der Dampfer die Anker' lichtet." ' Seid kein Narr, Bob!" wurde ihm zugerufen. - Ich fahre!" erklärte er trotzig und verließ die Schankstube. Nach emcr Weile folgten ihm Patterson, der Küstenwächter und zwei oder drei andere Gäste. Die Männer schritten, mühsam gegen den Wind ankämpfend, der' nahen Landungstreppe zu, über deren Stufen sich die braunen, mit weißem Schaum gekrönten Wogen in wildem Schwall brachen. Bob muß wirklich übergeschnappt sein." wandte Patterson sich an den Küstenwächter. Der nickte nur und schaute nach der Minerva" aus, deren Decklaternen in der trüben Atmosphäre mit mattem Schein durch die hereingebrochene Dunkelheit leuchteten. Dort kommt er!" rief plötzlich Tom. Der Küstenwächter wandte sich um, und die scharfen Augen der beiden Seeleute sahen, daß ein Boot, aus der Hafenbucht herausschoß, alsbald aber in den Wirbeln und dem Gischt über der Flußbarre ihren Blicken, wieder entschwand. Einen Augenblick hämmerte Pattersons Herz stärker in einer Art freudiger Spannung, bei dem Gedanken an die Wahrscheinlichkeit, des Rivalen ledig zu werden. Als aber, den Lärm des Sturms übertönend, ein gellender Nothschrei an sein Ohr schlug, da dachte er nur noch daran, den Verunglückten zu retten, koste es, was es wolle. In der nächsten Minute schon wurde das Boot splitternd und krachend gegen die Kaimauer geschleudert . und von der zurllckfluthenden Welle verschlungen. Der Körper des Bootsmanns trieb gegen die Steinstufen 'der Treppe, aber auch er wurde wieder fortgerissen. ' ; Ohne Zaudern warf Tom Patterson Rock und Stiefel ab, rannte , eine Strecke stromabwärts und sprang- in die tobende Themse. Er galt "als der beste Schwimmer weit und breit; 'aber hart mußte er arbeiten, ehe es ihm gelang, den wieder auftauchenden Körper zu erreichen und zu halten. Eine vom Ufer aus mit geübter. Hand geworfene Leine konnte er erfassen, und glücklich wurden Retter und Geretteter gelandet; dieser bewußtlos und bös geschunden, aber mit ungebrochenen Gliedern. Man trug ihn nach dem Goldenen Dreizack" und brachte ihn dort zu Bett, während Tom seine durchweichten Kleider auszog und einen Anzug des Wirthes anlegte. . Ich meine, Tom Patterson hat's jetzt gezeigt, wer von den Beiden .der bessere Mann ist; ohne ihn wäre der Maulheld ertrunken," bemerkte der. Küstenwächter. .: - Aber eine schlimme Geschichte ist's doch für Patterson," brummte Pieter Banfliet. Hätte noch schlimme? werden können." Das wird's aber auch werden," fuhr der Holländer fort. Die See holt sich Tom, ehe ein Jahr vergeht." Ich glaube, 's ist etwas an dem, was Pieter da behauptet," sagte Pächter Armstrong nachdenklich, habe schon andere, so reden hören, und mit derlei Sachen laßt stch Nicht spaßen. Meinem Mädel will ich doch zureden, sich nicht zu binden; konnte binnen Jahr und Tag zur Wittwe werden. Tom Patterson ist ein braver und ordentlicher Bursch, wüßte mir keinen besseren auszulesen zum Tochtermann; aber Vorsicht ist Vorsicht." Als der heimgekehrte Vater über das Vorgefallene berichtete, leuchteten die Augen der Tochter stor; und freudig. Sie war sich längst darüber klar geworden, wie tief die Liebe zu Tom in ihrem Herzen Wurzel geschlagen hatte; aber sie zeigte es nicht. Sie hatte die beiden Rivalen um ihre Gunst immer am Fädchen gehalten, hatte in naiver Koketterie einen gegen den ankeren ausgespielt und sich an dem Spiel belustigt; sie zählte ja noch nicht achtzehn Jahre, und zum Ernstmachen war noch Zeit genug. Herbst und Winter waren vergangen, der Frühlina hielt seinen Einzua An einem sonnigen Aprilmorgcn stand Tom Patterson am Zaun von Armstrongs Garten mit Mabels Hand in vereinen. In den Augen des hübschen Mädchens leuchtete es schall' haft. Ich habe schon langte auf Dich gewartet, Mabel," sagte der junge Mann ' Du hättest ja weiter gehen können Tom." Ich wäre hier stehen geblieben den ganzen .ag und nicht vom Platz gewichen, bis Du gekommen wärest." Das Mädchen lachte. Du lachst! Immer nur lackst Du wenn ich vernünftig mit Dir reden möchte." Und ist's Dir denn nicht recht, wenn ich fröhlich bm m Deiner Gesellschaft?' Tom schaute ihr tief in die Auaen I .Saae. Mabel." sprach er. .saae mir
sur gut Und immer: Hast Du mich lieb, oder ist's Bob. dem Deine Liebe
gehört ?", - : . Boö? Ich weiß es nicht. Viel leicht." ) O, Macel, also darum habe ich ihm das Leben gerettet?" ,,Ja, würdest Du ihn denn haben ertrinlen lassen, wenn Du gemeint hattest, daß icb ihn gern habe?" Nein, das würde ich nicht gethan haben; das glaubst Du selber nicht. Aber hart, bitter hart bleibt's , für mich: Mabel, ist's wirklich so, muß ich Lob das Feld räumen?" ' Hab' ich das verlangt?" Aber Du gibst's mir zu verstehen. Zwei Jahre gehofft und gehofft, und nun ist es aus Leb' wohl, Mabel!" Hastig die Hand des Mädchens küssend, wandte er stch vnd schritt eilig davon, Mabel seufzte und schaute ihm nach. Er wird wiederkommen." murmelte ste, aber warten muß er auf mich bis zum nacojten Sinter. Der Baier hatte ihr gar so eindringlich vorgestellt, wie Tom sein Leben verwirkt habe, wie die See ihn fordern würde in Jahresfrist, und ste hatte versprochen, nicht eher ihr Jawort zu geben, bis der kritische Termin vorübergegangen sein würbe. Der alte Aberglaube spukte eben immer noch in vielen Köpfen der Strandleute. . Unglücklich und - verbittert kehrte Tom Patterson nach Gravesend zurück, und dort traf er, ein paar Tage nach, dem Abschied vön Mabel, mit Bob Millford in einer Strandkneipe zusammen. Zwischen den beiden Rivalen kam's zu einem hitzigen Wortwech sel, der bald in ein regelrechtes Boxerduell ausartete. Sie hämmerten aneinander herum, bis ste völlig erschöpft und böse zugerichtet waren; für besiegt aber hatte keiner sich erklärt. Toms rechtes Auge war gänzlich zugcschwol-len,-sehr mißlich für ihn, da er am nächsten Morgen in der Frühe beim Löschen des Kargos eines stromabwärts liegenden Schiffes helfen sollte. Noch vor Tagesgrauen fuhr Tom von Gravesend ab, und da er gegen die einsetzende' Fluth nur, langsam vorwärts kam, hielt er nach einem Fahrzeug Umschau, von dem er sich schleppen lassen könnte. Als er auf halbem Wege hinter sich das Stampfen eines Dampfers hörte, faßte er mit Bootshaken und, Wurflein? Posto im Bug seines Bootes, dieses .nur mit 'einem Ruder in der linken Hand manövrirend. Der Dampfer war leicht befrachtet, seine Schraube arbeitete dicht' an der Oberfläche des. Wassers. Bei dem Versuch, dilappe, eine.? offenen Seitenluke des vorbeigleitenden ,'Schiffes zu fassen, griff' Tom fehl, der Bootshaken verfing sich 'in einem Ringe am Heck, und der plötzliche Ruck schleuderte den Lichter gerade über die Schraube. Ein Vrechcrund Krachen, das Boot wurde ncchkzu.entzweigeschnstten, .und Tom, dersich krampfhaft an den hangenden Bootshaken festklammerte, rief mit aller Lungenkraft um Hilfe. . Hallo! Wer ist dort unten?" kam endlich eine Stimme vom Bord des Dampfers. ,eWerst mir ein Tau zu!" keuchte ?Tom7 Aber rasch!" . . Ein Tau wurde ihm zugeworfen, und er kletterte . an Bord. ' Wo kommt Ihr her, und was wollt Ihr hier?" fragte der erste Steuermann, der die Morgenwache auf dem Gramjius" hatte, ohne 'besondere Neugier und Interesse zu bekunden. Ihr habt mein Boot überrannt, und wenig hat gefehlt, da. wär's auch mit mir aus gewesen,", antwortete Tom. dem unwillkürlich Pieter Vanfliets Prophezeiung in den Sinn kam. Warum paßt Ihr nicht auf? Unsere Seitenlaternen leuchten, meine ich, hell 'genug.". Tom mußte das zugeben. Und was wollt Ihr jetzt thun?" fragte der Steuermann. Wir fahren nach Antwerpen." Hm, der Lichter ist futsch, bis an's Land kann ich nicht schwimmen," erklärte Tom, und da wird mir wohl nichts anderes übrigbleiben als mit nach Antwerpen zu kommen." ' . Noch ehe Antwerpen erreicht war, hatte sich Tom verpflichtet, auf dem Grampus" während dessen- Weiterreise nach Bombay . als Oberbootsmannsmaat zu dienen. Das Lichterboot, die Grundlage seiner bisherigen Existenz, war verloren, und da Mabel sich für Bob Millford entschieden hatte, hielt ihn nichts in England fest. Ihm konnte eine längere Abwesenheit nur gut thun. In Canvey Island hatte man es bald erfahren, daß Tom Pattersons Lichterboot bei Sheerneß als Wrack aufgefischt worden sei, und daß von seinem Eigenthümer kein Mensch mehr etwas gesehen oder gehört habe. Pieter Vanfliets Ansehen als Prophet war in Folge dessen gewaltig gestiegen. Im Laufe der Zeit wurde dann das Interesse. das die Einwohner von Canvey Island an dem Verschwinden des allgemein beliebt gewesenen Tom genommen hatten, durch andere Vorkommnisse in den Hintergrund gedrängt. Mabel aber hielt unbeirrt an der Hoffnung fest, daß der Mann, von dem sie erst jetzt so recht wußte, wie lieb er ihr gewesen sei, noch unter den Lebenden weile Bob Millford hatte mit seinem hartnäckigen Werben keinen Erfolg. .Inzwischen war der Grampus" im Hafen von Bombay vor Anker gegangen und von dort nach Singapur, dann. wieder nach Bombay sowie spater nach chinesischen Häfen gefahren. Schließ"liä.dampfte er Mit voller. Ladung von
'Schanghai "nach' England zurück, 'wo Toms unfreiwillig begonnene Reise im Mai. -nach dreizehnmonatiger Dauer ihr Ende erreichte. , 'Sobald Tom abgelohnt war, machte er sich nach Canvey Island auf den Weg. Er hatte fünfzig Pfund Sterling in der Tasche, also genug, um ein neues Lichterboot zu kaufen und den alten Beruf wiederaufnehmen zu können. Zunächst aber wollte er Mabel wiedersehen. Er hatte sich nie ganz mit dem Gedanken vertraut machen können, daß er dem Mädchen gleichgiltig gewesen fei; auch sträubte er stch, zu glauben, sie habe Bob Millford geheirathet. Er redete sich zwar ein, auf das Schlimmste gefaßt zu sein, im Grunde dcs Herzens war er es aber doch nicht. - Mabel war mit dem Stecken von Setzlingen beschäftigt, als Tom durch das von der Wiese hereinführende Pförtchen den Gemüsegarten betrat. Sie kehrte ihm den Rücken zu, und leise schlich er , an die am Boden Kauernde heran. Von ihr unbemerkt, kniete er nieder, schlang rasch den rechten Arm um ihre Hüfte und preßte einen innigen Kuß auf den unter blonden Löckchen halb versteckten Nacken. . Wie kannst- Du Dich unterstehen. Bob!" rief die, so Ueverraschte, sich tief über das eben in das Beet gestochene Loch beugend. Tom ließ den Arm sinken. Bob! Der Name wirkte wie ein lähmender Schlag. Verwundert über die Stille, wandte Mabel den Kopf und schaute dem Knieenden in's Gesicht.
O, Tom! Lieber Tom! jauchzte sie. In der nächsten Sekunde lag sie an der Brust des heiß Ersehnten und ließ stch herzhaft abküssen. Für Bob Millford, der gerade jetzt über die Fronthecke schaute, war das lebende Bild am Rande des Gemüsebeets keine freudige Ueberraschung. Da gab es für ihn nichts mehr zu hoffen, und lautlos zog er sich zurück, ehe das nur mit sich selbst beschäftigte Pärchen seiner gewahr geworden war. , -, . Diesmal , hatte der alte Holländer doch falsch prophezeit. om Patterson lebte, er war nach Jahresfrist zurückgekommen und hatte das Glück gefunden. Das Klavier im Pavillon. , Es war im Jahre 1892, als der berühmte Klaviervirtuose und Komponist Rubinstein eine befreundete Familie besuchte, die ein Landgut in den Bergen von Tiflis, Russisch-Kaukasicn, besaß. Man stellte auf Wunsch des großen Pianisten ein Klnvier in einen kleinen Pavillon, welcher nicht weit von dem kleinen Schloß entfernt war. Dorthin zog sich Rubinstein an jedem Morgen zurück, um zu spielen, und zwar schon in aller Morgenfrühe. Er war entzückt von der absoluten Ruhe und-von -dem Frieden, der an diesem einsamen Platzchen herrschte. Eines Morgens ging aber ein Fremder aus der Stadt Tiflis an dem Pavillon vorbei und hörte dort ein Spiel, wie er es noch niemals in seinem Leben gehört hatte. Am nächsten Morgen nahm er sich einen Freund mit, und beide gingen an dieselbe Stelle und hörten wieder die wunderbaren Töne. Das sprach sich schnell herum, und in den nächsten Tagen versammelten sich schon die Leute zu Hunderten des Morgens gleich nach 5 Uhr in der Nähe dieses Pavillons. Rubinstein merkte natürlich, sehr bald, daß es mit seiner Einsamkeit zu Ende war, und obwohl er zuerst nicht sehr erfreut darüber war. machte er doch schließlich gute Miene zum bösen Spiel, ja er gab schließlich eine Zeitlang an jedem Morgen um 8 Uhr ein Gratiskonzert für die Bewohner von Tiflis. Er gestattete, daß die Fenster des Pavillons geöffnet würden, aber er weigerte sich entschieden, sich selbst sehen zu lassen, nur einigen wemgen gelang es, durch das Fenster einen flüchtigen Blick auf ihn zu werfen. Eine Nicinlmcipcrci im Aalberflall. Der österreichische Feldmarschall v. G. war ein großer Verehrer eines guten Tropfens und namentlich seinem Ungarwein schrieb er die heilkräftigsten Wirkungen zu. Eines Tages erkrankten die jungen Kälber auf seinem sieiermärkischen Gute an jenen gesürchteten hochgradigen Verdauungsstörungen, wie sie leider häufig beim Jungvieh auftreten und selten gutartig verlaufen, so daß man diese Art Fälle allgemein mit dem Ausdruck Kälbersterbe" bezeichnet. Da kam dem Feldmarschall ein' feiner .Einfall. Von dem Gedanken ausgehend, daß bei gewissen Verdauungsstörungen im 'menschlichen Organismus ein paar Gläser guten Rothweins oft Wunder thun, ließ er eine Anzahl Flaschen Ungärwein aus seinem Keller holen und stiftete nun unter seinen Kälbern ste mochten wollen oder nicht eine Kneiperei an, daß es eine Art hatte. Jedes Kälbchen bekam reichlich eine Flasche Rothwein. Der Erfolg war zunächst ein ganz natürlicher insofern, als die Kälbchen von einer Munterkeit ergriffen wurden, die sehr erfreulich von ihrem vorherigen hinfälligen. Zustände abstach, und wenn das Kalb erst vergnügt wird, dann hat es schon keine Noth mehr. In der That hob der in dem Rothwem enthaltene Gerbstoff die Verdauungsbeschwerden auf, die Kalbchen nahmen bald wieder regelrechte Nahrung und wurden wieder munter und gesund. . Der Feldmarschall aber war nicht wenig stolz auf seine gelungene Kur. .. .. '
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