Indiana Tribüne, Volume 28, Number 185, Indianapolis, Marion County, 29 March 1905 — Page 7
Jndiana Trlbgne. 29- März lgus.
fr t t 4 4 T jöslö Mthstl dcs ftotljcn mucn" Uoman von Öcrljatri tci ... 4. .1 (Fortsetzung.) Sie öffnete eZ und las: Eine geheimnitzvolle Persönlichkeit ist von der Polizei verhaftet worden. In den letzten Tagen zog ein junger Mann die Aufmerksamkeit auf sich durch den Umstand, daß er in Tanzlokalen sehr splendid mit Geld umging und die Zwanzigmarkstücke nur so um sich warf. Er veranstaltete große Gelage, wobei der theuerste Champagner in Strömen floß. Seine Rechnungen in den einzelnen Lokalen sollen ganz erstaunliche Summen betragen haben. Sehr auffällig war es, daß er immer nur mit Tausendmarkscheinen zahlte, die er einer großen, altmodischen Brieftasche entnahm. Die Polizei glaubt in ihm einen internationalen Hoteldieb zu erkennen, einen gefährlichen Gesellen, der die Praxis übt, sich in Hotels, in denen er nicht logirt, einzuschleichen und am hellen Tage, wenn die Insassen einen Moment ihr Zimmer verlassen, in dasselbe einzutreten und Diebstähle auszuführen. Die Polizei glaubt, daß die von dem Verhafteten verjubelten Tausendmarkscheine von dem Gelde herrühren, das vor Kurzem im Hotel zum .Rothen Löwen' Herrn Heydemann gestohlen wurde." - Frau Friederike hielt inne und machte eine längere Pause. Endlich rief sie triumphirend: Was sagen Sie nun?" Heydemann vermochte gar nichts zu sagen. Er saß da mit starren Augen, geröihetem Gesicht und mühsam nach Athem ringend. Am liebsten wäre er in die Höhe gesprungen und hätte um sich geschlagen, noch lieber wäre er sofort zur Polizei geeilt und hätte sein gestohlenes und wiedergefundenes Vermögen verlangt. Es war ihm, als kreiste es in feinem Hirn; seine Hände zitterten, sein ganzes Jnrere war in heftigster Bewegung. Aber er hielt an sich. Ein dunkles Gefühl sagte ihm, daß er Ruhe bewahren müsse, daß er gerade jetzt die Ruhe sehr nöthig habe. Frau Friederike überhob ihn des Sprechens, es drängte sie, selbst zu reden. Sehen Sie," begann sie mit Vfrtx legenem Ton, das wird mir keiner nehmen, daß diese Verhaftung nur ein Erfolg meiner Idee war. Der Dieb mußte eben sicher gemacht werden. Als a las, daß man andere verdächtigt und verhaftet habe, wurde er sicher und er begann nach Art aller Diebe, das Geld sinnlos zu verschwenden. Nun hat man ihn am Schlafittchen. Nun werden Sie nicht mehr so lange warten müssen, wie Sie bisher gewartet haben." Heydemann blieb noch immer wie betäubt. Er hatte nur einen einzigen Gedanken, und diesem gab er Ausdruck in der Frage: Wann werde ich wohl mein Geld bei der Polizei holen können?" " Frau Friederike lachte. Da sieht man wirklich, daß Sie ein naiver Kleinstädter sind." meinte sie mit launige? Theilnahme. Ich zweifle keinen Augenblnk daran, daß es Ihre Tausendmark scheine sind. Aber von der Verhaftung und Vernehmung des Diebes bis zur Auslieferung des gestohlenen Eigenthums ist ein weiter, ein recht weiter Weg. Geld bei der Polizei holen lieber Herr Heydemann, davon ist gar keine Rede. Erst müssen Sie überHaupt warten, daß die Polizei Sie ruft. Haben Sie in dieser Sache Vorladung und Verständigung, dann ja, dann läßt sich weiter reden. Jetzt müssen Sie noch fein stillhalten." Also wieder nichts," seufzte er restgnirt. Ihm war etwas bei der Nede der grau in die Kehle gestiegen. Seine Hände zuckten nervös, und im Herzen war ihm, als ob er weinen müßte. Er wünschte sich vom Tische fort rn sein kleines Zimmer, wo ihn Niemand sehen und beobachten konnte. Aber sein Wunsch sollte nicht erfüllt werden, er mußte hier bleiben. Ich habe heute noch eine weitere Nachricht erhalten," begann Frau Friederike etwas zögernd. Mit Ihrer Angelegenheit hat sie freilich nichts zu thun," fügte sie hinzu, als Heydemann lebhaft aufblickte. Die Redaktion des ,Familienblattcs' hat mir geschrieben. Ich habe ihr nämlich etwas mehr als die Hälfte des Romans, den Sie wohl heute fertig gebracht haben, eingeschickt. Das ,Familienblatt' will den Roman haben und denken Sie, sogar oezahlen! Das ist doch neu bei den Leuten. Der Redakteur wunscyt aber, ehe ich den Schluß liefere, eine Unterredung Ich muß sofort hingehen. Möchten Sie nicht, lieber Herr Heydemann, das noch vorhandene Manuskript noch einmal durchseyen? Bitte, thun Sie mir den Gefallen. Ich bin dann in der Lage, wenn ich mich mit dem Manne verstan digt habe, den Rest noch heute zu schicken. Setzen Sie sich an meinen 'Schreibtisch ja? Sie werden höchsiens eine Stunde an der Sache zu arbeiten haben. Bis dahin bin ich wohl schon zurück, und wir plaudern beim Kaffee weiter nicht wahr? Er konnte wirklich nicht Nein sagen. So trüb ihm auch zu Herzen war, so sehr er sich nach Einsamkeit in seiner Mllen .Kammer sehnte, er mußte da
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vlelöen, er mußte die gewünschle Arbeit machen.
Die Tafel wurde aufgehoben. Wie in den letzten Tagen war Edith die erste, die das Zimmer verließ.- Sie begab sich m den Salon, wo sie sich zu schaffen machte. Heydemann setzte sich an den Schreibtisch und nahm das Manuskript zur Hand, und Frau Friederike war bald zum Ausgehen fertig und empfahl sich auch sogleich. Eine Weile herrschte tiefe Ruhe in der Wohnung. Heydemann arbeitete still mit der Feder in der Hand, und fand in dieser Arbeit, die ihn in den ersten Minuten fast bis zur Verzweiflung ungeduldig machte, allmalig eine gewisse Ablenkung, die fein Gemüth immer wieder beruhigte. Und ebenso still verhielt sich Edith, die sich in ein Buch vertieft zu haben schien. Da wurde es mit einem Male lauter. Die ersten Akkorde einer Polonaise von Chopin klangen durch das Haus. Erst ruhig, dann nervöser, dann immer ungeduldiger, wie im Zorn, dann so heftig, mit so vielen harten, wilden Dissonanzen, daß der am Schreibtisch arbeitende Heydemann es nicht mehr ertragen konnte. Er stand auf und ging in das andere Zimmer zur Klavierspielerin. Aber Fräulein Edith!" sagte er verwundert. Was wünschen Sie?" fragte sie schroff. Greifen Sie denn, 'absichtlich so schrecklich falsch? Das klingt ja fürchterlich!" Was geht das Sie an?" sagte sie rauh und achselzuckend, ich kann spielen, wie ich will." Das bestreite ich nicht," wandte er, von diesem Ausbruch schlechter Laune eingeschüchtert, ein. Darf ich Ihnen vielleicht die Stelle vorspielen?" Nein, ich danke. Ich will von Ihnen nichts vorgespielt haben," antwortete sie scharf. Heydemann stand da gesenkten Hauptes. Das war ein offener Angriff, eine gewollte Beleidigung. Eine Weile stand er so in sich versunken da. Dann sagte er: .Fraulem Edith, ich habe schon feit Tagen gefühlt, daß Sie etwas gegen mich haben. Es kommt mir vor, als ob ich Ihnen lästig sei, und Sie es nicht für wünschenswert halten, daß ich komme oder so oft komme." Das habe ich nicht gesagt!" rief sie, mit einer jähen Wendung ihr Spiel unterbrechend. Nein, S:e haben es nicht gesagt," bemerkte er in traurigem Ton, aber Sie geben es mir deutlich zu verstehen. Haben Sie den Wunsch, daß ich diese Wohnung nicht mehr betrete?" Ten Wunsch?" brach sie plötzlich heftig aus. Und was thun Sie dann? Wovon und wie wollen Sie denn leben? Ja, ich sage es offen: Ich ärgere mich. daß Sie taglich kommen. Und wissen Sie warum? Well Sie von uns, von meiner Schwester abhängig sind. Sie sind ihr Schreiber, der Verbesserer ihrer Romane, die sie auf eigene Kosten drucken läßt. Ist das eine Beschäftigung für einen Mann? Sie haben doch etwas gelernt, Sie können ja was. Sie 1 m n t e c . imo ein guter Pianitt, tote yaoen vie Universität besucht. Und was sind Sie? Schreiber bei emer Frau, die dilettantische Kriminalromane macht." Heydemann hatte den Kopf noch nefer gesenkt. Es war ja wahr, was das Mädchen sprach. Jedes Wort war wie ein Schuß t'n's Schwarze. Aber was soll ich denn anfangen, Fräulein Edith?" sagte er resignirt. Ich warte ja nur, bis ich mein Geld wiederbekomme." Wissen Sie es bestimmt, daß Sie es wiederbekommen?" Bestimmt? Wie kann ich denn? Aber die Nachricht in der heutigen Zeihing " Darauf geb ich gar nichts," sagte Edith entschieden. Das ist gerade eine solche Nachricht, wie Sie sie eingerückt haben. Sie werden sehen, die ganze Geschichte wird zu Wasser wenigstens was Ihr Geld betrifft. Glauben Sie denn wirklich, Herr Heydemann, wenn das Geld, das der Mensch verschwen dete, das Ihrige wäre, hätte die Polizei Sie nicht schon gerufen? Nicht schon gefragt, oö es Ihre Brieftasche, Ihre Tausendmarkschewe seien? Sie aber klammern sich an jeden Strohhalm' Sie sind ein Mensch, der aus em Wun der wartet!" Heydemann sank auf einen Stuhl und vergrub den Kopf in seine Hände. Sie ließ ihre Finger auf den Tasten ruhen und schlug mechanisch von Zeit zu Zeit leise einen Akkord an. Dann wurden ihre Finger ganz ruhig, und eine ganze Weile verfloß, ohne daß ein Ton im Raume hörbar ward. Plötzlich wandte sie sich voll zu ihm hin. Herr Heydemann," sagte sie weich und herzlich, ich habe Ihnen wehe gethan, ich weiß es. Und ich wollte es. Ja, ich wollte es. Sie wissen nicht. wie sehr Sie mir leid thun. Ein Mann m voller Kraft, em gebildeter Mann, von einer Frau abhangig, ihr Schrei ber! Sie müssen sich bemühen, daß Sie selbstständig werden. Ein Mann ohne Beruf! Sie müssen sich frei machen, einen Beruf finden! Es gibt so viel Arbeit sehen Sie nur die Zeitungen durch. Man kann in der Großstadt so viel verdienen. .Nicht von heute auf morgen, ich weiß es, aber Sie müssen suchen. Verzeihen Sie, daß ich als Mädchen so zu Ihnen rede, ich bin ja Lehrerin, und die Schulmeister wollen immer belehren. Aber, weiß Gott! ich gäbe viel darum, wenn ich Ihnen zu einem Beruf, zu. Verdienst verhelfen
könnte. Sekretär meiner Schwester!... nein, Herr Heydemann, Sie
müssen sie schon ihre Romane allem schreiben lassen. Wenn Sie können,' schreiben Sie Ihre eigenen Romane, oder thun Sie was anderes. Ihre Seele ist gebrochen von dem Verlust, aber ein Mann soll mchi zu Grunde gehen, wenn er Geld verloren hat. So denke ich als Mädchen, so würden Sie auch denken, wenn Sie sich einmal aus diesem Zustand befreien." Sie erhob sich und reichte ihm ihre zierliche kleine Hand. Er blickte auf. dann gab er ihr schweigend die seinige. Sie fühlte, daß sie naß war, naß von Thränen. Herr Heydemann," sagte sie tief bewegt, ich... ich... ach, ich kann es Ihnen nicht sagen, wie ich es meine. Es war nicht Bosheit, nicht Mißachtung, wahrhaftig nicht." Ich habe Sie verstanden, sagte er leise. Sie lächelte ihn liebenswürdig und freundlich an. Dann will ich Sie nicht weiter quälen," meinte sie herzlich. Gehen Sie nur wieder an Ihre Arbeit. Ich habe gleichfalls zu thun . . . also, gut Freund?" Heydemann nickte zustimmend. Sein Gesicht hatte einen schwermüthigen, hoffnungslosen Ausdruck. Sie sah es, wollte etwas sagen, überlegte es sich aber und legte unwillkürlich einen kurzen Moment die Hand auf feine Schulter, als wollte sie ihn aus semen schmerzlichen Betrachtungen aufrütteln. Dann verließ sie mit einem Kopf nicken das Zimmer. Heydemann . blieb noch eme Weile m sich versunken auf seinem Platze. Dann stand er langsam und schwer auf und schritt wie ein Mensch, der völlig in sich zusammengebrochen ist, zum Schreibtisch. 5. K a p i t e l. s verfloß Tag um Tag und immer noch wartete Heydemann in gespannter, nervöser Unruhe auf ein Zeichen, einen Ruf der Polizei. Aber nichts kam, kein Schutzmann erschien, kem Zettel flog ihm in's Haus. Heydemann schien für die Huter und Schutzer der Gerechtlakeü gar nicht mehr zu existiren. Aber auch Frau Doktor Dnesen wich merkwürdigerweise einem Gespräch über die Sache aus. Sie hatte zweimal ihren Rath ertheilt, sie wagte es nun nicht mehr, noch einmal mit ihren Kombinationen hervorzutreten. Sie hatte jetzt offenbar ganz andere Interessen. Sie beschäftigte sich mit der Idee zu einem neuen großen Kriminalroman, der, wie sie sagte, allgemeines, Aufsehen erregen wurde. Und wenn sie von dem Kriminalroman sprach, machte sie anfänglich nur schwache Andeutungen, dann aber trat sie immer klarer mit dem Vorschlage heraus, daß Heydemann als regulärer Mitarbeiter thätig sein sollte. Sie gab es zu, daß der letzte Roman, der vom Familienblatt" m der That angenommen wurde und demnächst bezahlt werden sollte ja, es war ihr erster Roman, den sie nicht auf eigene Kosten drucken lassen mußte. der ihr nun sogar Honorar einbrachte, von dem ein guter Theil für Heydemann bestimmt war sie gab es zu, daß der Roman besonders wegen de" stilistischen Darstellung gesiel. Und diese war zum größten Theil Heydemann zu verdanken. Sie versckwiea ängstlich, vasZ geraoe einige Zoeen, rnc Heydemann eigenmächtig hineingebracht hatte, für die Annahme des Romans entscheidend wurden. Als Frau Friederike bei Tisch Heydemann die Mitarbeiterschaft und somit auch die Hälfte des Verdienstes anbot, warf er einen verstohlenen, fragenden Vlick auf Edith. Sie sah ihn an, aber ihr Gesicht blieb starr, verschlossen wie das einer Sphinx. Sie schien also nicht einverstanden mit dem Plan zu sein. Heydemann seufzte, beugte sein Haupt über den Teller, sagte nicht Ja und nicht Nein und ließ Frau Friederike weiter ihre Pläne entwickeln. Sie war von seinem Verhalten recht enttäuscht, denn sie erwartete, daß er den Vorschlag mit heller Freude. aufnehmen würde. Aber sie legte schließlich sein Schweigen als Schüchternheit und ängstliche Bescheidenheit aus und oeschäftigte sich umso intensiver mit den Fragen, die sie in dem neuen Werke be handeln wollte. Am nächsten Tage aber wurde Frau Friederike gezwungen, sich mit der persönlichen Angelegenheit Heydemanns zu befassen. Dieser Tag brachte eine Ueberraschung. Schon in den ersten Vormittagsstunden erschien Heydemann in der Wohnung der Schwestern, den Tagesboten" in der Hand, und mit allen Zeichen tiefer Erregung auf dem Gesicht. Seit jenem Nachmittag, an dem Edith ihre Gedanken über sein Verhältniß zu ihrer Schwester so rückhaltslos ausgesprechen hatte, las er schon am Morgen die Zeitung, studirte aufmerksam den Jnseratentheil und bemühte sich, auf dem Arbeitsmarkt etwas zu finden, was ihm zu Geldverdienst verhelfen könnte. Mit den großstädtischen VerHältnissen aber gar nicht vertraut, tastete er noch immer im Dunkeln. Er konnte nichts finden, er mußte sich sagen, daß er noch mehrere Tage brauchen würde, um sich sicherer zu orientiren.' Auch, heute hatte er in der Zeitung zunächst den Jnseratentheil überflogen, wieder ohne das Richtige zu. entdecken, dann las er die Lokalnachrichten. Ta siel sein Auge .auf eine Notiz, die ihm das Älut durch den Körper schnelt -:r icc ucicu niuuiC. I . .Ueber die ebeimnißvolle Persön-
lichkeit, die .kürzlich durch tolle Ver
schwendung die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich lenkte" so hieß es da und die bekanntlich verhaftet wurde, ist nun Klarheit geschaffen worden. Die Polizei hat in dem Mann einen guten Fang gemacht. Derselbe, Namens Otto. Walther Lohse, ist zwar nicht identisch mit dem gesuchten Hoteldiebe, aber das. Geld hat er sich doch auf unredliche Weise angeeignet. Als Kommis eines Großhandlungshauses in Vreslau hatte er den Auftrag erhalten, bei der Filiale der Deutschen Bank eine größere Summe einzukassiren. Er erhob das Geld, das in Tausendmarkscheinen ausbezahlt wurde, und statt es abzuliefern, fuhr er nach Berlin, wo er innerhalb weniger Tage einen größeren Betrag verjuöelte. Der Rest ist ihm von der Polizei abgenommen worden. In der Heydemannschen Sache sind die Nachforschungen von der Polizei nach einer bestimmten Richtung hin eingestellt worden. Sie haben ergeben, daß Her? Heydemann nicht bestohlen wurde. sondern sein Geld anscheinend verloren bat." Heyoemann sprang erregt von semem Sitze auf und begab sich sofort zu Frau Friederike. Was sagen Sie dazu!" rief er empört, indem er ihr den Schlußpassus der Notiz noch einmal vorlas, die Nachforschungen sind einfach eingestellt, und ich stehe als Lügner da!" Frau Friederike war selbst verblüfft. Das war allerdings stark. Sie versank in Nachdenken und nach einer Weile meinte sie: Ich glaube, daß das endlich der Kniff der Polizei ist. Ich kann mir nicht denken, daß es so ist, wie es hier steht. Sehen Sie, die Polizei thut erst jetzt das, was wir schon vor vierzehn Tagen gethan haben." Heydemann schüttelte abwehrend den Kopf. Die Polizei mag ja machen, was sie will," sagte er, aber sie soll nicht schreiben, daß ich die Unwahrheit gesagt habe." Das schreibt sie ja auch nicht," wandte sie ein, nur daß Sie sich anscheinend geirrt haben." Nein, ich habe mich nicht geirrt!" rief er fast zornig. Ich hatte das Geld nicht bei mir, als ich aus dem Hotel ging, ich kann es also auch nicht verloren haben!" Frau Friederike mußte ihm recht geben. Ich glaube, es wird am besten sein. Sie gehen zur Polizei, sprechen noch einmal mit den Leuten und hören dann wenias!ens. wie die Dinae sieben." Ja, das war das öesie vas say tx ein und er machte sich sogleich auf den Weg zum Polizeirevier. Der Wachtmeister mit dem blonden Bart und der. Gelehrtenbrille saß auf seinem Platz und schrieb wie immer. Als Heydemann eintrat, blickte er einen Moment auf und schrieb weiter und schrieb, wie es schien, endlose Protokolle. Endlich legte er die Feder aus der Hand und wandte sich zu dem Wartenden, ihn nur mit dem Blick um seine Wünsche fragend. Heydemann begann zu sprechen. Aber er wurde bald unterbrochen. Wir haben mit Ihrer Sache nichts mehr hier zu thun, wenn sich nichts Außerordentliches ereignet," sagte n in militärischem Amtston. Wenn Sie ?twas zu erfahren wünschen oder eine Beschwerde haben, wenden Sie sich an Herrn Kriminalkommissär Wilke im Polizeipräsidium. Er hat sämmtliche litten. Also, Kriminalkommissär Wilke." Damit wandte sich der Wachtmeister wieder seiner Arbeit zu. Und ohne daß er sich dessen recht bc wußt war, befand sich Heydemann wieder auf der Straße und ging, wohin ihn seine Füße trugen. Ohne rechte Ueberlegung schlug er den Weg .zum Polizeipräsidium ein. Ter Wunsch. über sein Geschick und sein db etwas zu erfahren, wirkte auf ihn rein mechanisch. Er hatte während seines Aufenthaltes in Berlin den gewaltigen. fesiungsartigen Bau des Polizeipräsidmms einmal als Sehenswürdigkeit betrachtet, und so schritt er hin, ohne recht ZU wissen, welche Straßen er Passirte, vom Norden in's Centrum, und unversehens stand er vor dem riesigen Ziegelroihen Bauwerk, im Begriffe. durch einen der gewaltigen Thoreingänge zu schreiten. Nun erst kam ihm sein Wunsch zum Bewußtsein. Mit der Aengstlichkeit des Kleinstädters überlegte er, ob er den Schritt auch wirklich thun solle. Dann aber ging er rasch entschlossen, binein. (Fortsetzung folgt.) Grölzter gtarnmer. Ich bedaure außerordentlich, gnädige Frau, daß Ihr Herr Gemahl so plötzlich gestorben ist." F r a u : Ach, ja, und gerade kurz vor dem Fasching!" Malitiös. &4 nc. cv & n).!. So yui jiu ;ociciici, vci um lehrer. der Ihnen jetzt fast ein halbes 5kabr die Kur sckineidet. nock nickt erklärt?" Nein!" .Herrschaft, nimmt der aber einen langen Anlauf!" MifzVorstandNT. A. (um ein Darlehn von hundert Mark angegangen): Brauchst Du das Geld auf längere Zeit?" B.: I wo. daS wird heute noch alle!" Die größte arten anläge in Amerika ist Fairmount Park in Philadelphia, ein Gebiet von 3740 Acker. ..
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Ausgerechnet.
Das Bild Weidende Heerde" hat Mich zehntausend Mark gekosiek; zehn Stück Vieh sind drauf, also kommt jedes auf tausend Mark."
Immer Arzt. Vater (zu seinem Sohn, einem Arzt): Arthur. was fällt Dir ein, ein blutarmes M'adchen zu heirathen?" Sohn: Ich werde ihr schon Eisen" verschreiben." C?mplett. Rath: Sind Sie auf das Examen auch genügend vorbereitet, Herr Candidat? Jawohl, Herr Rath, den Frack habe ich, nur die schwarzen Hosen fehlen mir noch." Inspektion. Oberst (zu einem besonders befähigten Ulanen): Würden - Sie im vollen Galopp mit der Lanze einen Infanteristen aufspießen können? Soldat: Man könnt's ja vielleicht mal Probiren? ' Beim modernen Maler. Herr (zum modernen Maler): Gestatten Sie, was sind das für Bäume auf Ihrem Bilde?" Maler: Ach, das überlasse ich ganz der persönlichen Auffassung!" Nicht so viel fragen! Schwätzerin (bei der Tafel zu ihrem Nachbar): Wie essen Sie eigentlich Truthahn am liebsten, Herr Professor? Am liebsten schweigend." Beleidigung. Geck: Denken Sie sich äh Scene auf gestrigem Ball ein Herr hielt mich für den Kellner Und das wollte sich der Kellner sicher nicht bieten lassen?" , Von der Schmiere. Der Malefizzahn! . . Hai vielleicht jemand von den hohen Herrschasten Zahntropfen bei sich, sonst kann ich nimmer weiterspielen!" Kühner Schluß. Vertheidiger: Meine Herren Richter, es ist richtig, der Angeklagte hat den Ochsen gestohlen aber da er vierundzwanzig Stunden nichts gegessen und großen Hunger hatte, liegt hier eben doch eigentlich nur Mundraub vor. Im Hnrathsbureau. Prinzipal (zum verschuldeten Baron): . . . Sie sind also entschlossen, die reiche Dame zu heirathen!?. . . Wollen Sie sie gleich sehen oder wollen Sie lieber noch etwas, war-ten?"
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Sonderbare Anschauung. Mein Mann hat beinahe jeden Tag einen Katzenjammer! Auch heut ifi's ihm wieder ganz miserabel zumutti" Dem meinigen auch! ... Ja, yx, die Männer genießen ihr Lebens Hyperbel. Wohl ein strenger Vorgesetzter. Euer Wachtmeister?"O ja; ein einziges Mal habe ich ihn lachen sehen, aber da war er natürlich in Civil!" Instruktion. Sergeant: Welche Farbe hat die Kokarde an der Mütze des Soldaten? Soldat: Schwarz und weiß. Sergeant: Was sind das für Farben? Soldat: Lackfärben. Ter Zeitungöseind. Warum geben Sie denn der Kellnenn alle Tage ein so splendides Trinkgeld sie bringt Ihnen ja nicht einmal Zeitungen!" Eben darum!" Die alte ?lunafer. Warum geht Fräulein Aeltlich nur immer in den Lustspielen vor den Schlußscenen aus dem Theater fort?" Sie kann nicht sehen, wie sie sich krie gen." Sicheres Zeichen. 5o hann, sagen Sie meinem Mann, es ist acht Uhr; wenn er den Zug nicht ver-' passen will, müsse er sich beeilen." Er ist schon reisefertig, gnädige Frau, er ietftt soeben den Trauring in die Tache."' -T Entgegenkommend. r fr Gefängnißwärter (dem ein neuer Arrestant vorgeführt wird): Alles besetzt hm wo kann ich den Kerl nur unterbringen?" ' Gauner (höflich): Belieben der Herr Direktor, daß ich vielleicht später wieder vorspreche?" Auch ein Geschenk. Mann: Heut' ist Dein Geburtstag. Weibchen, da werd ich im Restaurant Hasenbraten essen. . . das ist ja Dem Lieblingsgericht! . Vielbeschäftigt. Freun, din (zu der Gattin eines Dichters): Ihr Mann hat wohl sehr viel zu thuns Ach ja; wenn der erste Schnee fällt, dann muß er schon anfangen, Früh lingslieder zu dichten!"
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