Indiana Tribüne, Volume 28, Number 185, Indianapolis, Marion County, 29 March 1905 — Page 5
Jndiana Tribüne Q. Marz 1005.
? Ein Gcstandmß JL Erzählung nach Thatsachen 1 k gclix "gilla A
iT or etwa . zwanzig Jahren gab es in der norddeutschen Provinzialstadt L. vier Apotheken. Die beste und einträglichste dieser Apotheken, in der Königsstraße belegen, gehörte der Wittwe Rosalie Weber. Ihr vor etwa einem Jahre verstorbener Mann war ein sehr tüchtiger Pharmazeut gewesen und hatte ihr das Geschäft im blühendsten Zustande sowie auch noch ansehnliches Kapitalvermögen hinterlassen. Die Ehe var kinderlos geblieben. Die Leitung der Apotheke hatte jetzt der erste Prodisor inne. Dieser, Theodor Mädler, war ein für seinen erwählten Lebensberuf höchst befähigter und außerdem ein sehr hübscher junger Mann. Frau Rosalie war früher wegen ihrer Schönheit berühmt gewesen und noch immer sah sie sehr gut aus trotz ihrer fünfundvierzig Jahre. So blühend erschien sie, als sei sie höchstens eine Dreißigerin. M ist in der That erstaunlich!" dachten mit einem starken Anflug von Neid die ungefähr mit der verwittweten Apothekerin gleichalterigen Frauen in der Stadt. Nachdem das Trauerjahr vorbei war, begannen allmälig die Zünglein der jungen und älteren Damen in den intimen Kaffeegesellschaften sich mit der schönen Wittwe fleißig zu beschäftigen. In der Apotheke wird es sicherlich bald wieder eine Hochzeit geben," wurde behauptet. Natürlich, sie ist ja bis über die Ohren verliebt in ihren Provisor. Nun, das ist ihr ja auch nicht zu verdenken. Ein so hübscher Mensch!" Es mochte auch wohl etwas Wahres daran sein. Dann aber verlautete, daß der Provisor durchaus nichts von seiner Prinzipalin wissen wolle, sondern vielmehr deren reizende Nichte, Therese Hilmer, verehre, eine Waise ohne Vermögen, welche Frau Rosalie zu sich genommen hatie.!Ääs sollte haraus nun wohl werden? Bald 'erfuhr man Näheres zuerst in der Nachbarschaft, dann in weiteren Kreisen.' Man bemerkte, daß Fräulein Therese oft sehr traurig gestimmt sei und verweinte Augen habe. Und dann wurde bekannt, daß die Frau Apothekenbesitzerin zum Geschäftsleiter einen anderen Provisor zu engagiren suche. Dem Herrn Theodor Mädler hatte sie gekündigt; zum 1. Oktober sollte er die Apotheke verlassen. Das ließ tief blicken und wurde von vielen klugen Damen ganz richtig kommentirt. So rächt sich gekränkte und verschmähte Liebe, wenn sie dazu die Macht hat. Und die hatte ja allerdings Frau Rösalie. In einem Restaurant wurde eines Abends auch über die Angelegenheit gesprechen, nicht von Damen, sondern von lebenslustigen Herren. Uns" Freund Mädler ist recht thoricht," meinte ein Weinhändler achselzuckend. Wahrhaftig, wenn ich noch ledig wäre, ich würde mich an seiner Stelle nicht lange bedenken,, sondern die schöne Wittwe heirathen, um die noch schönere und so einträgliche Apotheke zu bekommen." Ich auch," sprach ein Lebensversicherungsagent. Bin ganz Deiner Meinung, mein Lieber. Eine solche Apotheke ist gewiß höchst begehrenswerth. Und auch die Frau, wenn auch bereits etwas mittelalterlich, ist doch immer - noch recht ansehnlich." Dicser Ansicht wurde von weiteren Herren eifrig zugestimmt. Nur ein blasser, junger Mann mit einer Brille widersprach ebenso- eifrig. Er war Theater- und Konzertreferent der angesehensten Lokalzeitung der Stadt und nach seiner eigenen Ueberzeugung auch lyrischer Dichter. Meine Herren," rief er, ich bitte Sie, zu bedenken, daß Mädler bereits in anderen Liebesfesseln sich befindet. Das Recht des Herzens muß doch zuerst gelten. Ueber .alles Materielle in der Welt ist hoch erhaben echte und wahre Liebe!" Ja, ja," sagte der Weinhändler, so sind die Dichter! Wie freue ich mich, daß ich keiner bin! Das Weingeschäft ist besser. Wie ergeht's denn nun unserem Freunde Mädler? Er bekommt die Tante nicht, denn er will sie nicht; er bekommt auch schwerlich die Nichte, denn er und sie haben nichts; endlich die Hauptsache er bekommt die Apotheke nicht, sondern muß sie, verlas sen und anderswo sich eine neue Stelle suchen. Vielleicht irürfce ihm die Apotheke später doch zufallen," sprach der Dichter. Soviel ich weiß, ist Fräulein Hilmer die einzige Verwandte und also dereinstige Erbin ihrer Tante. Haha, darauf ist wohl kaum zu rechnen!" lachte der Weinhändler. Auf die Erbschaft konnten die Beiden lange warten; sie würden weiße Haare darüber bekommen. Frau Weber sieht so frisch und blühend aus, daß man geneigt sein könnte, ihr em Methusalems alter zu prophezeien. Und dann ist sie ja auch wer will ihr das verdenken? wieder heirathslustig. Will dieser Pro visor nicht, gut, so bekommt sie wob leicht einen anderen, vielleicht einen
nocy ' oberen unv yudscyeren Mann, Dann aber wäre es selbstverständlich mit der Erbscbaft aus . und rnifa
Freund Mädler hätte, ' auch wenn er seine Auserwählte heirathen würde, doch untei solchen Umständen gar keine Aussicht, zemals die Apotheke- sein eiaen nenn.-n n bürstn Diese tram He uno vernun nge Z. . m . Auseinand' rsetzung wurde von den anveren verren iur ganz zuireiieno erklärt. Nur ' der ideal veranlagte 1 - . nicye 'icyier war mcyi oamu, zujnc r . . jc-i i- . r . I den. Er besaß eben em vi zarler M . y I , C begattetes emmy, ais ver. loviaie Weinhändler. Es war weniae Wochen sväter. da sente ein traaisckes Ereianik die Bewohner der Stadt, besonders aber die ' I Damenwelt, in hohe Erregung. Frau Rosalle Weber, die so Bluhende und vermeintlich Kerngesunde, laa emes Morqens ' todt m ihrem Bette. Niemand wär zugegen gewesen, als sie starb; anzchemend war sie bewußtlos hinübergeschlummert in's Jenseits. Der Hausarzt wurde schleunigst gerufen behufs der amtlichen Todtenschau. Er machte ein sehr bedenkliches st, i- 1 l 5 ? n l ri. jr.i?! I eiicyl und nen eilige oen ericyisarzt holen. Dieser wohnte nahebei; er kam sogleich. Beide untersuchten mit gewüsenhaste? Sorgfalt den Zustand der Leiche uno oann sayen sie sich sorjcyeno wel- . . m w w t 1 ter um. Ein Glasschälchen, welches auf dem Nachttischchen beim Bette stand, enthielt den winzigen Rest eines weiplichen Pulvers. Die Herren berochen das Pulver; sie schmeckten sogar em paar Stäubchen davon mit den Zungenspitzen. Dann sahen die Beiden sich verstandmßi.-inig an. - Es liegt, zweifellos Vergiftung vor s..l. t.tt.(...l . . 1 rnuic iuiuiuui uti jrnuüuiai. .Bin ganz Ihrer Mkinung, m
Kollege." rerekte der Physilus UtfXrZV"lCVi
a Vi I iilUWtiV. "Z 7 ' " v , ,rj.-r Jawohl. Hier m dem Glasschalrrs M.r : u I 5" ist der llberzeugende Beweis ' ..Zur völligen. Klarstellung werden ÄS,a ... schein. E geri!ch7'un.erst!chu'ng dFalles ist dringend geboten." In diesem Augenblick trat Therese mJJSS1 Ä Sie hatte viel geweint, wie man ihr s t. I sl9 A, M ? 1 4 1 .Brauten.' ' sagte der Hausarzt. .wissen Sie vielleicht, wie dies Glasr y I emsacy. f et 1 r 1 r cm"LY w I Hm! Weiß- etwa Herr Madler da . , . . 1 'Cf t von?Hat er ihr das weiße Pulver ge. bracht oder geschmti 3 . m f O Jch kann s mcht sagen, glaube es aber mcht. . Meine Tante hat seit emigen Tagen kem Wort mit ihm gesprotnk v or -n . r ... Jn der Apotheke ist za freilich genug vern 0uö uuuuuyig. Was ist es denn, Herr Doktor? vUlCNU. I m'etnu f ivr"t. jtf I Gift?" Tchne das :unge Madchen entsetzt auf Mein Gott! Wie furcht- & hnl f2 ttmSr,, Ich habe die bestimmte UeberzeuI'Ä' der Herr Physikus auch daß Ihre Tante an Arsemkvergifi rT n , . i i l tung gestorben ist. ,Uebrigens wird we 0. r i . l rr - ri t I (iitwi tns.KilM IC3 IV I Sr1 3 C irl rnSii V Ä " arztliche und amtliche Pflicht, die Kn- . . i minalpollztt und we Staatsanwaltschaft von dem Vorfall IN Kenntniß zu . unter solchen Umstanden muß das , s, Y 11 I allerdings geschehen. uxi öu04 vci m. i . T.i, cvc.. crA ..Ss r. r.i.vt) uuu iuu uueu icuciiu wW - wiü5uT. in cci ycuCi 2 VI v rji Nein, gestern Abe.id, so gegen zehn u uvr . . Hier im Schlafzimmer Ihrer t Q44 uiut 3U rn 'W r ta r Nem. Aber sie war lm Begnft, sich TT I?. fi tn-llCHI Zur iue zu ugen. , .ocitu ,u . ,iu, uuci vuui6wif ti h A 1 Im Ut AlTrAtMVAC!kI aWa rarÄÄA tta. uix.1 ein uiiiuutyijciuuciuut, uuet ver gleichen?" Nein. War sie heiter oder befand sie sich in gedrückter Stimmung?" Weder das eine noch daö andere. Sie war wie gewöhnlich." Der alte Arzt sah das iunge Madchen mit durchdringenden Blicken an. Fraulein," fragte er, bemerkten Sie damals, also gestern Abend gegen zehn 17f fihn ? cvf.. crvi h-ri(AM
4.i-f vit ,umt vuiuu, cuicu iu iiaui iytn tüü gqunocn, 10fvr?rr . :t I . ' c ' . . r ,
vctti ivcitjen Pulver auf dem Nachttischchen hier?" . y , , , yccin, icy giauoc rnu zeinmmlyeil f ? .ie . - - . . - Dcqicccru zu ivnnen, vaiZ es um 'ene Zeit nicht da war." Der jungen Dame war dies Ausfragen, das ja fast einem Verhör glich, zuletzt etwas peinlich geworden, und erregt fuhr sie fort: Ich weiß wirklich . f i rs r - l " ? n ? nirniö genaues oaruer. - ii mir alles ganz unbegreiflich! Mein Gott.' Herr Doktor, Sie werden doch hoffentIlch nicht glauben, daß ich meine Tante vergiftet habe?" .
-Nein, das glaube ich nicht, denn ich lungen gemacht und dabei erwähnt, daß hatte bisher immer von Ihnen die vielleicht Fräulein Hilmer und der Proallerbeste Meinung. Aber" -visor Mädler in Kriminaluntersuchuna
Mas?" Sie waren in letzterer Zeit nicht : i (vc t xmiF.ee gunz ciuiy imi jtci ijiuu Tante?" -DaZ ist leider wahr und Hai mick.
tief betrübt. Aber woher wissen Si das, Herr Doktor? Hat meine Tante Heb vielleicht über micb beklaat?"
Ich will Ihnen nicht verhehlen. Fräulein, daß sie d'.es allerdings gethan hat. Sie sprach von Aerger und Verdruß. den sie habe; sie sprach von Undankvarkeit seitens ihrer einziaen Ver- - wandten." q jch begreife!' & htartih auck den Zusammenvr :i ' i - j i fo bre Tante aönnte bnen den 7 0 " . ' ' Herrn Mädler nicht." So ist es. Und zwar aus dem ein- " V . . .... .. fachen Grunde, we sie selbst ihn beirathen wollte. Deshalb arollte sie mir. wie sie ihm arollte. Er sollte fort aus dem Hause, ganz weg von hier. Aber alles das konnte uns Beide nicht trennen, und jetzt kann ich es ja frei c rt c n er ..li verlunoen: yeooor 111 mein, räum gam: Der alte Arzt dachte im Stillen: Dies Zusammentressen von. Umstan den ist so auffallemd, daß es mich gar mcht wundern sollte, wenn es für die Betreffenden recht verhängnißvoll lourde." Vielleicht war der Gerichtsarzt derselben Meinung. ' Mit einem so forschenken Blicke schaute er die junge rrs c . r. ?' . : r;jc c ame an, oaiz iyr ganz unyeimilcy oa bei zu Muth: wurde. Sie verllen das Äimmer und eilte hinunter zu ihrem Bräutigam, dem sie das. was sie eben erfahren hatte, sowie . : ' " , lyre Wahrnehmungen und BermuthllN' aen anasterfullt mittkeilte. 'Der Provisor wurde durch das Ueberraschende, das er vernahm, allerdmgs höchst betroffen. Doch faßte er sich bald und sagte tröstend: Wie diese dunkle Sache auch zusammenhangen mag, uns darf man deshalb mcht beschuldigen. . Sei nur ganz unbesorgt, liebes Herz! r!. m.r;.nt,:tr. l4U muv vvyuv, ivik vn. vvgtv juyvii trn 9nrmt2 nrfnnk ns2 nnm itnaVrtfT vv vvj. -' jw " Haftes Resultat, daß der Tod durch ?,,'?.;,';' snii f.; zie Hausbewohner wurden aus's &emütfc zgefragt. und alles sorg'ich prtlll.rt der gten sämmtliche Angestellte u .nst.mm aus daß " ;;" ' ZX. SS Ä4PJ6 ' . . WV, fcVfcilV iVIV UtlVVVk VliV, irnt(r sflrn ' lorf ATitfi - urtS nYnfifirt fcV lVV VV MftMI) - ViVtVM Wl" hf, lusstcht gehalten. . ' . ' ,,,1 Ä,1MimnTi hnr9 r,:. V J M t II ß I "V I rfm KrtTT frI4f Vit VTCiiHYre nfor Sneft 7 (j vyuw vv uutivv uvvt vvvty hnrf(r rn nmrii ntmnrM 0 u v vvivii Hbiiiuw) lim :hr nTn6.a f.rmHrtn hem 9ia, y Sj W VIVVJVII V V V w paar, mit welchem sie so unzufrieden w? tnhhhtn ihr wsf 0 0 V V V V As " walt und Notar, den man befragte, ssagte, hatte sie aber keinerlei letztVerfügungen getroffen. Nach seiner Meinung sei die Annahme eines Selbstmordes durchaus zu verwerfen. denn ?vrau Weber sei aan, das lNeaen. m bon lebensüberdrüssig, sie sei vielN7?f? sr TivnäTufttn itnh rt nrf mfi vf l nv nvvu uvut s, . Ereignet sich ein geheimnißvoller Todesfall durch Vergiftung oder sonstwie, 0 baß fluf ein Verbrenn zu schließen zst dann entstehen für den Kriminalir.. m cy. "v U"öv v" 0tl ur nw -fnnwft.fiwv mv. vv uvuviii .... ' Und in diesem besonderen Falle mußte imf.Mfiftr M, nsnmnTi vr.- v. wv . .wmv. Interesse wran konnten haben und den 0lii hatten wirklich, sofern sie nicht des Mordes überfükrt werden f rinnt T mrnh;fnr rnshTw und dessen Nri,i -w.rr W.w.v VVII V ft fJ . V V . berese .(Stirne w,fi St. TfeW h i ' . ".. TtMmnttM. ftrhm ivr Indien rnrtr I ' v i rta Tl v,: n l -oiv vyiuui3Uiiiuuu ciuicii uic HJlU fnfnTTnftf'n iiiw den TT aitr nrüfnnrr i " ' u' 0 V ßrrDslrrnrm und er,enteNen .frrSTitf,, func. oh naA der Resssen er I I II 7 I "7l v. I Nerdacktsmarnente es eknten ersrft.Zn. ds rirnZnsnerfiisiren een d.n m' i vmmvvmvi O O v y V i w,;frt ray..i .:M4..t:i I UlVi UllW OVUUl CUlUtCllCU. I fön sinn denn lerniss.rnsf'.n M wv v... vjv.v. v.rnunv lfc04 am dünnsten Faden das Schwert der js -ZnenV tt..,. I .w-', VlilVlll WUIIIV IV I V-MIV VV 4 UVl' stTetsfifirr ,'ZKer den .knnniern d.s ? ? ' v r bespaares. I Der Staatsanwalt. . Doltor Suao Noth, em schon alterer. vielerfakrener Jurist und Kriminalist, saß in seinem Bureau und studirte emsig die Akten. welche den von uns geschilderten Verglstungsfall betrafen. Die' Sache batte allerdmas für ihn noch ein besonderes Interesse. Er kannte nämlich die Apothekerswittwe, die nun : i i : r .t cr-v c r wie oeren tnx gui, ooersiaconcy auch den Provisor Mädler. I . . L . . Frau vtosane Weber war eine ver- . . . . . naute reunvm ver ffrau Staatsan walt aewesen. Die beiden Damen bat ten einander häusig besucht und viel miteinander verkebrt. . Gegenwärtig war die Frau des Staatsanwalts abwesend, nämlich zum I . . . . " ucy vel erwanvten m Hamvura. 5hr Gemahl hatte am Abend zuvor an sie geschrieben, ihr unter anderem auch über den geherninißvollen Tod ihrer Freundin ausfübrlicbe Mittbeigerathen würden, weil der Verdacht der Thäterschaft aeaen sie nicht abzuweisen i p . ' i l cx. ynirttick wr der l?;t?nnrnnfi tn letzt zu der Ueberzeugung gelangt, daß
ein solches Verfahren nothwendig "in3
Werk gesetzt werden müsse. Nach einem letzten unwillkürlichen Zaudern wollte er nach einer abermaligen Durchsicht der Akten jetzt unverzüglich die Verhaftung 4. oc vziuuüjiiQzu leoespaares anoronen. . -Da wurde die Thüre plötzlich aufaerissen,und seine Frau kam höchst aufgeregt herein... Welche Ueberraschung!" rief - der Staatsanwalt. Ich meinte. Du wolltest erst nächsten Sonnabend hemkehren?" Ich mußte wohl meine Abreise beschleunigen, nachdem ich heute Morgen Deinen Brief erhalten und gelesen hatte," versetzte sie. Sogleich machte ich mich fertig und fuhr nach dem Bahnhof, um den Schnellzug nicht zu versäumen." Aber was veranlaßte Dich denn dazu?" - -Nun. Dein Brief natürlich." Sie. hatte ihren Hut abgeleai. ihren Regenmantel abgeworfen und setzte sich zu ihm an den Schreibtisch. . Erklare mir das, meine Liebe!" sagte er. . . Meine Freundin Rosalie Weber sei infolge Arsenikvergiftung plötzlich gestorben, schriebst Du mir." Ja, leider ist es so." Und ihre Nichte, die sanfte Therese, sowie auch der. Provisor Mädler sind deshalb in häßlichen Verdacht gerathen. Sie sind in Gefahr, verhaftet zu werden. Ist es vielleicht schon geschehen?" Nem, noch nicht' Aber eben zetzt wollte ich die Weisung dazu ertheilen." Gott sei Dank, daß ich noch zur rechten Zeit angelangt bin, um solchen Mißgriff zu verhindern." Was Du da sagst, ist gar nicht schmeichelhaft für mich," bemerkte lächelnd der Staatsanwalt. Verlaß Dich darauf, Hugo, Du tappst in dieser Sache völlig im Dunkein, wie wohl auch die anderen Herren von der 'Kriminalpolizei und dem Gericht, die damit zu thun haben." . Bitte, beweise das!" Das kann ich und das will ich." Da bin ich doch wirklich neugierig!" Damit Du llles ganz deutlich begreifst, muß ich Dir zunächst ein Geständniß, machen." Ein Geständniß? Du hast also vor mir eine Heimlichkeit gehabt?" Nur eine einzige, Hugo. Laß.mich nicht länger warten, meine Liebe. Geschwind heraus damit! Ich bin äußerst gespannt, auf diese Heimlichtet.". : Du darfst Übersicht bose werden! Kannst- Du dadurch nach Deiner Meinung Licht b"inen in das Dunkel dieser Kriminals .chs?" ... Ja, ä! Hellstes Licht!" .Nun. wie sollte ich dann wohl böse werden können? Im Gegentheil, ich würde ja 'alle Ursache haben. Dir dankbarj zu sein. Also was ist es denn mit dieser Heimlichkeit? ... : m r ri - r . ermmm aiio mein ranonin: ich !habe selbst auch Arsenik gegessen." Wie?" nef der Staatsanwalt im Uebermaß des höchsten Erstaunens.' Was muß ich hören? Ist das möglich? Du -hast Du hast Arsenik ge gessen?"' "i Ja, aber immer nur ein ganz Ijetri wem. Wie hast Du Dir denn Arsenik verschafft? Das gefährliche Gift bekommt man doch nicht . so ohne Weiteres in den Apotheken. Und was um's Himmels willen veranlaßte Dich dazu, Arsenik zu essen?" Das will ich Dir erklären. Sieh t Du, Hugo, ' wenn man vierzig Jahre alt geworden ist, so merkt man, daß es allmalig mit der Jugend vorbei v . Ihr Männer macht Euch ja freilich wemger daraus, aber wir Frauen o, das ist etwas anderes! Nun, da ist Arsenik ein merkwürdiges Hilfsmittel. Bei vorsichtigem Gebrauche kann man dadurch lange ein blühendes, gesundes Aussehen bewahren, wie das eben für uns höchst wunschenswerth erscheint." .Jetzt geht mir ein Licht auf!" rief der Staatsanwalt und schlug sich vor die Stirn. Frau Rosalie Weber, die rosige blühende Apothekerswittwe, war eme heimliche Arsenlkesserm! Ganz recht. Es gibt auch anderwarts Arsenikesser, be.onders m Smer mark." Ich weiß, ich weiß! Das ist aber eine sehr gefährliche Gewohnheit! . Und Du konntest auch darauf verfallen? .Meine Freundin, verleitete mich . m f ' ? . ' orrI -. oau. cur oel iyr yaoe icn vuicrni gegessen. Ich bewunderte eines Tages ihr. rosiges Antlitz, ihre für ihre Jahre außergewöhnliche Frische. Da vertraute sie mir es mag reichlich ein Jahr her sein unter dem Siegel der strengsten Verschwiegenheit ihr Geheimniß an. Sie zeigte mir eme Porzellan schale voll Arsenik. Daran habe sie, wie sie mir sagte, genug für ihr ganzes Leben, so daß sie deshalb niemals die Angestellten in ihrer Apotheke zu bemühen brauchte, was , sie natürlich nicht thun wollte, weil sonst ihr Geheimniß ja hätte verrathen werden können.' Die Schale Arsenik hatte sie schon vor.etlichen Jahren sich zu verschaffen gewußt, als ihr Mann noch lebte. Es erscheint übrigens aar nicht unmöglich, daß er selbst ihr die Anleitung zu dem richtigen Gebrauch des Mittels gegeben hat." Das tragische Ereigniß ihreZ Todes beweist, daß sie doch zuletzt einen verhänanißvollen Gebrauch davon machte." So ist's. Unvorsichtigerweise muß sie eine zu große Dosis genommen häben, die ihr dann den Tod brachte. Ihre Nichte aber und Herr Madler smv sicherlich ganz unschuldig in den furcht-
baren Verdacht gerathen,das. siehst Du
nun wohl ein." . Ja, liebe Laura. . Du hast, wie Du versprachst, wirklich Licht m das geheimnißvolle Dunkel' gebracht. Die Sache ist nun völlig aufgeklart. Es liegt kein Verbrechen vor, auch kein Selbstmord, sondern Tod infolge von selbstverschuldeter Fahrlässigkeit im Gebrauche von Arsenik zum Zwecke der Schönheitserhaltung. Ich hoffe, Du wirst mit hellsamem Schaudern Dem Leben lang daran denken, und alle solche gefährlichen Extravaganzen weiblicher Eitelkeit m Zukunft unterlassen. Und kommt das Alter, schwindet Schönheit und Gestalt, so ergieb Dich ruhig und vernünftig in das allgememe unvermeidliche Menschenschicksal. Ich bitte Dich, Laura, versprich mir's: esse niemals wieder Arsenik" Das versprach sie denn auch unter Thränen. Als die seltsame Aufklärung des Todesfalles bekannt wurde, erregte die Kunde überall in der Stadt -gerechtes Aufsehen. Manches' häßliche Gerücht, das insgeheim hämisch geflüstert wurde. mußte nun verstummen. Außer der Frau Staatsanwalt hatte Niemand von dem Gebeimniß der Frau Rosalie Weber etwas geahnt. Als man genauer nachforschte, fand man auch in einem geheimen Wandschrank die Arsenikschale. Therese Hilmer erbte die Apotheke und das sonstige ansehnliche Kapitalvermögen der Verstorbenen und vermählte sich bald darauf mit dem Provisor Mädler. Andreas Hostrs ?ciche. Es dürfte wenig bekannt sein, auf welche Weise der Leichnam Andreas Hofers aus Mantua, wo der Tiroler Held von den Franzosen erschossen wurde, , in die heimathliche Erde zurückkam. Es war dies die That wackerer Offiziere vom Tiroler Jagerregiment. Das erste Bataillon dieses Regiments wurde im Jahre 1823 aus einer italienischen .Garnison nach Trient verlegt, und beim Marsche m die Heimath traf es, am 8. Januar m Mantua em. um dort am 9. zu rasten. Am Abende des Rasttages faßen in einem Gasthause der Zitadelle von Mantua die Hauptleute Eduard v. Sternbach, Johann v. Rumpelmayer, Alexander de Rocqueville, Oberleutnant Joseph v. Scbön und Leutnant Georg Hauger beisammen und gedachten in ihren Gesprächen des in der Zitadelle von Mantua am 20. Februar 1810 erschossenen ehemaligen Oberkommandanten von Tirol. Als treue Sohne Tirols bedauerten diese Offiziere, daß der Leichnam des großen Vaterlandsvertheidigers nicht in der heimathlichen Erde zur ewigen Ruhe bestattet sei. Da kam einem, der Offiziere der Gedanke, die Gebeine Ho fers in die Heimath mitzunehmen. Und diese Illnregung wurde m die That umgesetzt. Die Offiziere holten einige mit Schanzzeug ausgerüstete Jäger und begaben siches war 10 Uhr Nachts zum Pfarrer der Zitadelle, Antonius Bianchi, in dessen Garten Andreas Hofer begraben worden war. Der Priester sträubte sich anfänglich, zeigte aber doch ' schließlich den Offizieren die Grabstelle, die eine Marmortasel mit einer lateinischen Inschrift trug. Im Beisein der fünf genannten Offiziere, des Oberarztes Murko, des Pfarrers Bianchi und des Mannes, welcher seinerzeit das Grab gegraben hatte, offneten in der finsteren, kalten Nacht die Jager das Grab, dessen Erde fest gefroren war. Oberarzt Murko sammelte die Gebeme, verschloß sie in eme Kiste, und Pfarrer Bianchi stellte sofort em Zeugniß über ihre Echtheit aus. Diese Kiste wurde am folgenden Tage beim Abmärsche mitgenommen, und so Hofers irdische Ueberreste bis Trient mitgefuhrt, dort wurden die Gebeme durch den Oberarzt Murko zusammengesetzt, in einem von den Offizieren gestifteten Sarg verschlossen und nebst Urkunde über ihre Echtheit an das Kreisamt Bozen abgesandt. Da aber über diesen Vorgang schon bis an die höchste Stelle Berichte gelangt waren, so befahl Kaiser Franz, daß die Ueberreste des seinem Vaterlande bis m den Tod treu gebliebenen Hofers nicht in seinem Heimathsdorfe am Sand im Passeyer, sondern unter entsprechenden Feierlichkeiten in der Innsbruck?? Hofkirche beigesetzt werden sollten. Sechs Landesvertheidiger aus denk Jahre 1810 trugen den Sarg, auf dem Hofers Hut sammt Sabtt und die ihm vom Kaiser verliehene goldene Ehrenkette lagen. Hofers Waffengefährte Speckbacher und sein Adjutant Sweth schritten unmittelbar hinter dem Sarge her, darauf die höchsten Staatsund Militärbehörden, und inmitten einer ungeheuren Volksmenge bewegte sich der-Zug zur Kirche, wo jetzt ein überlebensgroßes Standbild aus granitenem. mit Relief verziertem Sockel Hosers Ruhestatte bezeichnet. Die Offiziere des Tiroler Jagerregiments, welche die Gebeme Andreas Hofers eigenmächtig ausgegraien hatten, kamen wegen ihrer zwar patriotischen und schönen, aber ungesetzlichen That in kriegsgerichtliche Untersuchung. Der Hofknegsrath änderte daS sie mit mehreren Monaten Festungshaft belegende Urtheil aber dahin ab, daß den genannten Offizieren ihre Handlungsweise durch den Regimentsmhaber nachDrucklich zu verheben" hu
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