Indiana Tribüne, Volume 28, Number 185, Indianapolis, Marion County, 29 March 1905 — Page 4

Jndlana Tribüne, 2 März 190,

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Zndiana Tribüne. HnauZztAtdtn von der Suttt JianepoliS, Ind. varrtz O.THudlum Präsident. VeschäftSloealt Sio, 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE ALS.

r.r.tcred'at the Post Office ot IndUnmpoli sccond dass matter. Die britische Handelskam mer über amerikanische Einwanderung. In einem soeben von der britischen HandelSKamln;r herausgegebenen um sangreichen Werk bandelt ein Kapitel auZsührlich von der Auswanderung aus den . wichtigsten europäischen Landern. Selbstverständlich nimmt die Einwan derung nach Amerika den größten Theil der Besprechung ein. ' Als allgemeine Faktoren des AuZwandernS von einem Lande in ein anderes werden ange führt: die verschiedene Dichtigkeit der Bevölkerung, klimatische Verhältnisse, der Reichthum an natürlichen Hilf;, quellen und die VcrkehrSgelegenheiten zwischen den mehr und minder dicht bevölkerten, mehr und minder von der Natur bevorzugten Ländern. WaS die Auswanderung von einem bestimmten Lande anbetrifft, so kommen nicht nur die natürlichen Hilfsquellen und die Lage'deS ArbeitZmarkteS, sondern auch daS Temperament und der Charakter des Volkes, die Art der LebenSsührung und der.Umstand, ob in den Übersee ischm Ländern bereits eine Bevölkerung von gleichem Charakter exiftirt oder nicht, in Betracht. Auswanderung be ruht, ' heißt eS in dem Artikel weiter, zum größten Theile aus ökonomischen Gründen, nämlich der Lage deS Ar beitZmarkteS in dem Lande der Ein Wanderung. Andere Gründe, wie po Mische und religiöse Verfolgung. spre chen allerdings auch viel mit, aber selbst wo sie der Hauptgrund sind, wie z. B. bei den russischen Juden und den deut schen Sozialiflen. werden Zeit und Richtung der Auswanderung, größten theils durch die Lage des ArbeitSmark te bestimmt. Beim Studium der Schwankungen in industrieller Thätigkeit zeigt sich, daß unter den wichtigsten vorgeschrit tenen Industriestaaten die allgemeinen Wogen von geschäftlichem Aufschwung und Rückgange meiftentheilZ gleichzeitig kommen, obgleich rein lokale Ursachen, wie die Wirkungen eines Krieges, die Entdeckung von Edelmetallen, öder gute und schlechte Ernten, in bestimmten Ländern, die allgemeine Bewegung , deS Aufschwunges oder Niederganges verschleiern mögen. Man kann danach annehmen, daß die Auswanderung sich im Großen und Ganzen nach bestimmten Gesetzen, die von der Lage des Ar beitZmarkteS in den überseeischen Ländem abhängig sind, regullrt, während für die größere oder geringere Aus Wanderung von einem bestimmten Lande die Verhältnisse desselben maß gebend sein mögen. So sind für die letzten dreißig Jahre zwei Perioden großer Auswanderung nachgewiesen. Die erste begann 1880 und dauerte 10 bis 12 Jahre. Von 1893 bis 1899 war die Auswanderung sehr gering, um dann wieder zu steigen. Diese Steigerung der Auswanderung hält hiute noch an. Die registrirte Auswanderung aus den wichtsgsten europäischen' Ländern betrug 1882 590.000, 1894 nur 234,000. und 1902 wieder 641,000. An diesem Rückgange und dem späteren Steigen sind die wirthschaft' lichen Verhältnisse in den Vereinigten Staaten schuld. Die Krisis von 1893 brachte die Einwanderung plötzlich zum Stocken und der große Ausschwung, der 1899-begann, hatte wieder stärkeren Zuzug zur Folge. Wohl aber ist zwischen den beiden Perioden ein gro ßer Unterschied in der Auswanderung aus den verschiedenen Ländern. In der ersten stellten Großbrltannien und Deutschland den größten Theil der amerikanischen Einwanderung.' in der zweiten Periode Jta lim, OefterreichUngarn und Russisch Polen. Die Zunahme der amerikanischen Einwanderung betrug in den Jahren 1879 IbiS 1882 (1. Periode) 544.000 und in den Jahren 1899 bis 1903 (2. Periode) merkwürdiger Weife fast ge nau so viel, nämlich 545,000. Aber die Einwanderung- auö Großbrltan nien und Deutschland nahm 1879 bis 1882 um 899,000 zu, in den ersten Jahren der zweiten Perkode nur

80,000. während andererseits die Ein Wanderung aus Italien, Oesterreich' Ungarn und Polen in 'den Anfangs jähren der. ersten Periode nur um 60,000 zunahm, in den Anfangs jähren der zweiten Periode aber um 372,000. Ob unsere Staatsregierung wohl mehr Älück in dem Kampfe gegen die nun geächtete Cigarette haben wird wie die BundeSregleuug. trotz Aufbietung all iheer Macht gegen die MondscheinDestilleure. Wir glaubenS nicht. Frieden im fernen Osten scheint endlich in. Sicht zu sein und bald wird wohl etwas Greisbares darüber verlauten. Rußland erkennt, daß es nur weiteren Niederlagen entgegen geht und seine Kräfte erschöpft find, und auch Japan hat nahezu feine Reffourcen an neuen Mannschaften erschöpft. Die Mayors-Kandidaten der gro ßen Parteien von Chicago haben un verblümt erklärt, daß sie aus einer liberalen Platsorm stehen und nicht versuchen würden, die puritanischen SonntagSgesetze durchzuführen. Diese Männer haben den Muth, ihrer Ueber zeugung Worte zu. geben, trotz der düsteren Droyungen der Sabbath'Fanatiker. Auch das liberale Bürger, thum unserer Stadt sollte, wenn eS an der Zeit ist, Kandidaten für das MayorSamt auswählen nur solche Männer in Aussicht nehmen, die Energie genug besitzen, sich offen für fort schrittliche Ideen zu erklären. WaS in Chicago gelungen ist, kann Jndiana poliS ebenfalls fertig bringen. Nun sage noch einer, lag die moderne Frau dem Manne nicht über ist. Frau Reader hat sich als vortreffliche Diplomatin in der St. Domingo-An gelegenheit entpuppt. Frau Chadwick gebührt unter allen Gimpelfüngern die Palme und Sophie Beck macht allen flüchtigen Bankkassirern den Rang streitig, denn sie berdustete mit einer runden Million Sophia Beck, alias CollinS, alias Dünne, hat sich, wie berichtet wird, verflossenen Mittwoch an Bord deS er wähnten Dampfers eingeschifft, um mit dem Raube von einer Million Dol larS in Baar und Bonds, einem Theile der Beute, welche die in Philadelphia operirmde Schwindelsirma Storey Cotton Co." dem.Publikum ' abgenommen hatte, das Weite zu suchen.

Ein Sproffe des Methodistenpredi' gerö Read aus Corunna, Ind., eine Leuchte der Temperenzler, hat sich, wie gestern unterStaatSnachrichten gemeldet, wegenDiebstahlS, Einbruchs undBrand ftiftung zu verantworten und bekannte sich schuldig, ser Bengel iß erst Zwöls Jahre alt und ersichtlich ein Produkt der heuchlerischen und verkehrten Erzie hung SeitmS eines Mannes, der sich anmaßt, anderen Leuten Moral zu pre digen, aber nicht im Stande ist, sein eigenes Kind zu erziehen. Wie gründ lich verdorben der Junge ist, geyt aus dem Umstände hervor, daß das Methodistensöhnchen gestand, eine Scheune in Brand gefetzt und an das Scheunenthor einen Zettel befestigt zu haben, worin seinem Vater mit weiteren Brandstiftungen gedroht wird, falls er seine Wirthshetze fortsetze. Er gab zu, dies gethan zu haben, um die Wirthe als Schuldige erscheinen zu lassen. Das sind die Früchte deS Heuchler thumS, welches sich anmaßt, uns durch seine Gesetze bessern zu wollen. .Schiffbruch. Honolulu, Hawaii, 23. März. DaS Kanonenboot Peteel" kam heute von Midway Island zurück und brachte die Bemannung des Schoonerö C. Kennedy" mit, der am 9. Februar mit Lebensmitteln für die Kabelftation auf Midway Island abging, aber bei der Insel Laysan scheiterte. Die Beman nung und ein Theil der Ladung wurde gerettet, daS Schiff aber ist verloren. Zwei Selbstmords. C l e v e ! a n d, O., 28. März. Hy. L. Woodward.' ein Advokat von New Bork und Chas. A. Brouse, ein Geschäftsreisender von Toledo, O., be gingen in ihren Zimmern im Hollanden Hotel Selbstmord. Die beiden Leichen wurden heute Nachmittag gefunden. Der Coroner gab in beiden Füllen als Todesursache Mißmuth üb häuö liche und Geschästsangelegenheiten an. Beide der LebenSüberdrüsstgen hatte sich eine Kugel' in den Kopf geschossen. Die beste 5 Cent Cigarre in der Stadt, Mucho'S .Longfellow".

Estcrhazys Cigarren.

-1; Dem 1894 in Wien verstorbenen Fürsten Nikolaus Esterhazy hatte einmal ein Importeur eine neue HavannaCigarrensorte vorgelegt, die dem Fürsten so zusagte, daß er sofort den ganzen beim Hamburger Matter des kubanischen Hauses vorhandenen Vorrath von 15.000 Stück telegraphisch bestellen ließ. Die Havannas hatten die Gefahren der zollamtlichen Schwierigkeiten glücklich überstanden und waren dem Fürsten ordnungsgemäß zugestellt worden. ' Nach einigen Wochen erschien eine finanzbehördliche Kommission im Palais und bat, dem Fürsten gemeldet zu werden. Fürst Nikolaus empfing die Beamten mit ausgesuchter Artiqkeit und fragte nach ihrem Begehren. Mit einigem Zagen berichteten die Herren, daß sie beauftragt seien, den Havannas vorrath des Fürsten nach der letzten großen Bestellung der vorgeschriebenen Durchsicht zu unterziehen. Der Fürst lehnte jede Entschuldigung verbindlich ab. Die Herren thäten nur ihre Pflicht und er sei der letzte, sie daran zu stören. Er klingelte nach dem Kammerdiener und befahl ihm, die Kommission in's Cigarrenzimmer zu führen. Die Herren suchten und zählten und notirten und sahen nach eingehendem Lokalöugenschein erschrecklich viele Cigarren, die nicht da waren. Sie nahmen ein Protokoll auf und baten den Kammerdiener, sie wieder dem Fürsten zu melden. Zögernd referirte nun der Sprecher über den höchst auffälligen Vefund: Durchlaucht mögen verzeihen, aber es sei doch nicht gut möglich, daß Durchlaucht in den paar Wochen 10,000 Havannas höchstpersönlich aufgeraucht hätten. Durchlaucht hätten sich vielleicht über die bestehenden Vorschriften, die das Weitergeben der Cigarren selbst an Freunde verbieten, hinweggesetzt. Durchlaucht wollen doch die Gewogenheit haben, sich gefälligst zu äußern, den Beamten bleibe ja nichts übrig als zu rapportiren." Fürst -Nikolaus zum Kammerdiener: Gib so ein Kisichen her." Der Fürst entnahm ihm ein Bündel von fünfzig Stück der feinsten Havannas, trat auf den Kamin zu, in dem das Feuer flackerte (es war mitten im Winter) und warf das wcrthvolle Kraut mit souveräner Ruhe in die Flammen. 'Starr verfolgte die löbliche Kommission das Schauspiel. Der Fürst mit gleicher Ruhe: 'Sehen Sie, das ist meine Privatpassion. . Ich kenne nichts Deliziöseres, M das Aroma, der im Ofen verbrennenden 'Havannacigarren in meinen Apartements zu haben. - Sie haben gesehen, wie ich es mache,' wer kann es mir wehren?" , Gut zurückgegrbcn! Eine in Nagasaki erscheinende japamsche. Zeitschrift veröffentlicht eine amüsante diplomatische Anekdote, ' die sich vor Jahren im französischen-Mini-sterium des Aeußeren abgespielt bat. Die japanische Regierung stand damals mit Frankreich wegen Erschließung einiger japanischer Häfen in Verhandlungen und erklärte sich zur Oeffnung von drei Häfen bereit, falls Frankreich dagegen drei französische Häfen dem' östlichen Jnfelreiche öffnen würde. Japan stellte dabei der Republik die Wahl dieser Häfen frei und behielt sich die Namhaftmachung der dafür von der französischen Regierung zu öffnenden vor. Als die japanische Gesandtschaft in Paris in dieser Angelegenheit beim Minister des Aeußern vorsprach, erklärte dieser, daß Frankreich die Häfen: Fokohama, Feddo und' Hang Fang wähle. Der Führer der Deputation verneigte sich lächelnd und erwiderte, er werde von seiner Regierung die auf die entsprechende Wahl von drei französischen Hafenstädten bezüglichen Aufträge einholen. Nach einigen Tagen fand eine neuerliche Konferenz statt, in welcher der Chef der japanischen Mission erklärte, er sei von seiner Neaieruna beauftragt, folgende drei französische Häen namhaft zu machen: Havre, Mar'eille und Southampton. Des Mini'ters und seines Stabes bemäcktiate firä nach dieser Erklärung zuerst leise, dann laute Heiterkeit, während die Japaner ihren vollen Ernst beibehielten. Schließlich erwiderte der Minister, es sei ihm unmöglich, zu dieser Hafenwahl seine Zustimmung zu geben, weil einer der Häfen, Southampton, nicht in das Landergebiet Frankreichs, sondern in jenes von England falle. Auch diese Mittheilung erschütterte nicht die eiserne Ruhe der Japaner, deren Chef erklärte, diese? Umstand thue nichts zur Sache, weil auch Frankreich einen nicht zum Ländergebiete Japans gehörigen Hafen gewählt habe, Hang Fang sei nämlich koreanisch. Sokr W?icnhlWr. Freund: Du hast ja seinerzeit eine junge Wittwe behandelt? Es war. wenn ich nicht irre, ein bedenklicher Fall." I u n g e r Arzt: Sehr bedenklich. Sie ist jetzt meme Frau.GtÄankknspMtcr. Ein feurig Herz jung lodert'S, oft leuchtet's. " Meist find c3 die Kleinen, die andere von oien herab ansehen. Man muß auch für Luftschlösser die Miethe bezahlen. Viele sagen, sie hStten schlechte Augen und erspähen doch überall ihren Vortheil. , Nicht auS jeder alten Liebe wird eine liebe Alte. . Mißvergnügen mit allem entspringt meift u großem Selbstgenügen.

Der Abend der Familie Kadar.

't' , Eine Skizze nack dem Leben. Von Arnold Wertest. Herr Kadar war Vorstand des Grundbuchamtes in Groß - Lapos und Vater zweier hcirathsfähiger Tochter. Aber die Groß-Laposer Jugend wollte sich nicht, rühren. Ueberhaupt zeigte die Jugend in diesem unglückseligen Lande von Tag zu Tag weniger 'Neigung zum Eheleben, so daß vorsorgliche Mütter die jungen Leute mit Soireen und Nachtmählern sich heranschmeicheln müssen. Herr Kadar wollte zwar zeigen, daß guter Wein keines Kranzes bedürfe und die Mädchen auch so Absatz finden würden; aber was sich seine' Frau einmal in den Kops gesetzt hatte, davon konnte man sie mit derlei Klügeleien nicht abbringen. Der Mensch ist es ja auch seiner gesellschaftlichen Stellung schuldig, einmal einen Abend zu geben. Frau Kadar will es nicht, daß man ste geringer achten soll, wie die Bogyos. Konnten die einen Abend geben, so können ste es auch. Ein bischen Thee, etwas kalter Braten und einiges Backwerk ist noch nicht eine Welt. So viel werden ste doch noch leisten können. Und dann diese armen Mädchen! Warum sollten stch die nicht ein wenig unterhalten? , Das Leben in GroßLapos ist langweilig genug. Und außerdem," dies flüsterte ste aber schon ihrem Manne in's Ohr, wäre dies auch die beste Gelegenheit, den neuen Vezirksrichter einzuladen, der ein so ernster aber schllchterner Jüngling zu sein scheint." Frau Kadar wußte es mit Bestimmtheit zu sagen, daß er am Sonntag, als sie in die Kirche gingen, der Birike nachgeblickt hatte und noch an der Ecke beim Zuckerbäcker stand, als ste herauskamen. Einen so unbeherzten Menschen muß man ein wenig ermuthigen. Herr , Kadar nickte zustimmend, meinte aber, daß es deshalb nicht unumgänglich nothwendig wäre . . . Na natürlich," fiel ihm seine Frau in's Wort, .du .kannst doch nicht 'ihn allein einladen?" - Herr Kadar ergab stch, was übrigens noch jeder Mann that, seit die Welt besteht, wenn die - Frau . ihre Sache geschickt führt. . Sie bestimmten also einen Abend, verschickten die Einladungen und bestellten die Toiletten für !Frau und Töchter aus Budapest. " Dieser letzte Punkt gehörte zwar nicht zu dem von Herrn Kadar festgesetzten Programm ; wie viel gehörte aber sonst nicht dazu? Ein liebender Vater wird doch wohl seinen Töchtern die paar Kleider gönnen? Und gerade jetzt, wo von ihrer Zukunft die Rede ist, und stch eine Partie darbietet, wie es in Groß-Lapos noch nie der Fall war und vielleicht auch nie wieder sein wird. . . Ein? junger . Mann . nnt glänzenher Zukunft, von dem man sich er-, zählt, daß einer seiner Oheime Präsident des obersten Gerichtshofes sei und der selbst gewiß einst ein hoher Herr sein wird! Hätte der Kadar da noch länger widersprechen sollen? Oder hätte man vielleicht dagegen eine Einwendung machen können, daß Frau Kadar für Salon und Speisezimmer neue Hängelampen, prachtvolle , Bronzelüster kommen ließ? Sie konnten stch vocy nicht so armselig repräsentiren. Dann, Liebster, bleiben uns ja die Sachen," erklärte Frau Kadar ihrem Gatten, früher oder später hätten wir uns ja doch neue statt der alten kaufen müssen. Nichts dauert ewig." Natürlich kann nichts ewig dauern, deshalb sorgte auch Frau Kadar für eine neue Möbelgarnitur mit wunderbarem französischen Sammt. , Wie glücklich wir doch sind," erzählt sie frohlockend ihrem Gemahl; der Möbelhändler gibt sie uns unter dem Fabrikpreis, nur damit er sie anbringt, denn in diesem elenden Nest braucht ja Niemand so prachtvolle Möbel." Herr Kadar würde sehr gerne sagen, daß auch er sie nicht braucht; aber was kann er thun? Die Frau hat die Möbel schon gekauft. Er kann nichts mehr machen, schüttelt nur den Kopf und sagt: Das wird zu viel werden, zu viel." Wo wäre es denn zu viel! Jetzt bemerkt ja erst die gnädige Frau, daß sie zu wenig Silber, zu wenig Porzellan und Glaswerk für so viele Gäste hat. Wir können es uns ja von unseren guten Bekannten ausborgen," meinte Herr Kadar. Ausborgen? Das fehlte gerade noch. Daß man uns in der ganzen Stadt auslacht? Daß die Kunde von Mund zu Mund geht, wir geben eine Soiree und haben nicht aenug Teller, Gläser und Messer? Es würde mir das Blut in die Wangen treiben, die Schamröthe. Hätten wir uns ' doch lieber Niemanden eingeladen, wenn du das Silber borgen willst. Lassen wir doch lieber alles sein!" Frau Kadar weiß ganz gut, daß man jetzt nichts , mehr aufgeben kann, nachdem doch die Einladungen ausgeschickt sind. Und so ist Herr Kadar gezwungen, alles zu kaufen was seine Frau nur wünscht Theegarnitur, Tafeltuch, Porzellan, Glaswerk und Silber. . Dann tröstet ihn die Frau, daß dies ja lauter nützliche Anlagen sind und doch nie verloren gehen. DaS Silber bleibt immer Silber und behält seinen Werth und das Geschirr werden die Töchter brauchen können. Vorwürfe wären fürKavar jetzt yzr-

gebens,' sie' sind jetzt darin und müssen schwimmen. Wenn es nur auch von Nutzen sein wird! Daß so ein Abend dem Menscken ein Ansehen verleiht, ist sicher. Die neuen Möbel, das viele Silber, die prachtvollen Bronzelüster blenden gewiß die jungen Leute. - Uebriien? Nerr Kadar will durchaus Niemanden soppen. Die zwci Mädchen - sind wackere Mädchen und wer sie nimmt ist nicht übel dran. Hübsch sind sie auck.-.:Und wenn seine Frau nun recht hätte? Wenn an dem Abend'sich doch einer findet,, dem die eine oder andere gefällt? Das beste wäre es allerdings, wenn sich gleich zwei finden wollten. . . . Wie sich die Armen plagen mit ihrer Mutter zusammen, damit zu dem Abend nur alles . glänzend - ist! Sie säubern und wischen um die Wette mit den Dienstmädchen. Jede Fensterscheibe, jeder Spiegel, jeder Bilderrahmen glitzert vor Reinheit. Die Fußböden werden mit Wachs' eingelassen und da dies die Dienstboten nicht verstehen, bürsten die Mädchen selbst und ermüden so, daß ste stch kaum mehr bewegen können. Beide sind schon so matt, daß es ein Jammer ist. sie anzusehen, so blaß und abgemartert sehen sie aus. Der Papa kann das nicht mehr mit ansehen. Aber so ruht euch doch ein wenig aus!" Ja, das würden sie gerne thun, die Armen, wenn sie nur könnten. Jetzt geht es an's Kochen und Backen, das unter großem Rummel mit verzweifelten. Kraftanstrengungen zu Ende geführt wird. .Der Kuchenteig will nicht aufgehen, die Mandelbrezel sind alle verbrannt. Auf Schritt und Tritt Malheur und Aerger. Auch der Fußboden. muß noch einmal gebürstet werden. Diese dummen Dienstboten haben gestern einen großen Krug Wasser im Salon verschüttet, obwohl ihnen die gnädige Frau verboten hat, dort durchzugehen. . ' Laßt ihn schon, wie er ist," flehte Herr Kadar. Aber sie lassen ihn nickt. Die zwei armen Mädel stellen stch wieder mit den Bürsten hin, wahrend ihre Mutter sich in der Küche abrackert und von Zeit zu Zeit keuchend zu ihnen hineinkommt mit immer neuen Scha'uerberichten von ausgetrockneten oder verbrannten Sachen. Die zwei Mädchen sind schon dem Weinen nahe. , . . Mama, ich kann nicht mehr," stöhnt die kleinere. ,. Meine lieben Kinder, nur noch ein klein wenig," ermuntert sie die Mutter. Endlich ist der Fußboden wieder spiegelglatt. - Dennoch betrachten ihn die Mädchen traurig und meinen, er sei nicht mehr so schön wie nach dem ersten Mal. Auch das Kochen und Braten ist beendet. Das neue Mobiliar steht auf seinem Platz. . Den Salon haben .sie ausgeräumt, denn dort soll getanzt werden, und aus, dem Zimmer des Herrn Kadar machen sie einen Salon, den sie mit verschiedenem Räucherwerk, Waldduft . und Kölner Wasser ausräuchern. Die Schriften und Pfeifen des Herrn Kadar tragen sie in die Kammer, aus der, gewiß nur die Hälfte wieder zurückkommt und auch die Gott weiß in was für einem Zustand! Um fünf Ubr Nachmittaas aiebt es :mmer nocy etwas zu ricyien, zu wischen und zu stellen. Die gnädige Frau und die beiden Fräulein verschieben noch immer die Möbel und probiren immer noch, wie es besser wäre. Herr Kadar stöbert, mit finsterem Gesicht in der Kammer unter seinen Schriften herum. Er kann ein wichtiges Aktenbündel, daö. er aus dem Amt nach Hause brachte, absolut nicht finden. Na, das wird schön werden, wenn das verloren gegangen ist. Auch Birike und Sari komen hinaus und helfen ihrem Vater suchen, bis sie die Mutter erschrocken hineinjagt: Rasch, ankleiden! Ihr werdet euch verspäten. Nur schnell, schnell! Gleich werden die Gäste hier sein." Aber wenn man sich am meisten eilt, da geschieht das meiste Unglück.- Nichts finden ste am Platz. Der Schuhzieher ist nicht da. Verzweifelt suchen sie ihn. Er ist nicht zu finden! Ohne ihn aber ist jede Mühe vergebens, sie werden nicht fertig. Die Köchin kommt, dem Stubenmädchcn zu helfen, und unterdessen verbrennen ihr in der Küche die Pastetchen, die im letzten Moment gemacht werden müssen, damit sie recht heiß sind; aber auch mit. vereinten Kräften sind die Mädchen nicht im Stande, den Fräulein die Schuhe anzuziehen. . Es bleibt nichts, anderes übrig, als in's Geschäft zu laufen um einen Schuhzieher, was sie längst hätten thun können, wenn einem im Momente der Ge fahr das Richtige einfiele! . Mit schwerer Mühe werden sie endlich fertig und schleppen sich ganz erschöpft und müde in den aus Herrk Kadarö Zimmer . improvisirten Salon, wo schon einige Familien naserümpsend sitzen, sich innerlich ärgernd über die Ungezogenheit, Gäste einzuladen und sie dann nicht zu empfangen, sondern sie sitzen und warten zu lassen, bis die Damen die Gnade haben, stch anzukleiden. Es ist wohl wahr, Herr Kadar war ja hier, der ist aber so zerstreut, daß er gar nicht weiß, was er spricht. Er denkt fortwährend nur an daS Aktenbündel, das verloren ging .und, dessen Verlust ihm eine gehörige Nase vom Ministerium eintragen wird, vielleicht sogar eine . Disziplinarunteruchung.

Wv haben diese Unglückswe: das Aktenbündel nur hingethan? . .Die Gäste halten sich über die sauere Miene des Herrn Kadar riesig auf. Wenn' man Gäste nicht gerne steht, so lade man sich doch keine ein! Selbst das Erscheinen der Hausfrau mit ihren beiden Töchtern konnte, trotz der aufgewendeten Liebenswürdiakeit, diesen ersten,.. ungünstigen Einoruck nicht verscheuchen. Sie küssen stch zwar und drücken einander die Hände, aber dennoch wird man morgen und. die ganze kommende' Woche in GroßLapos in. jedem Haus nur davon reden,, wie ungezogen sich Kadars benömmen baben. Jeder 'wird ein Wort des Tadels haben und alle werden darin übereinstimmen, daß sie sich mit derSchaustellung der neuen Sammtmöbel grenzenlos lächerlich gemächt haben. Und die zwei Mädchen! Aber ich bitte Sie, haben Sie die Mädchen gesehen? Was für Vogelscheuchen und wie verwelkt, wie zwei gedörrte Birnen, gelb, färblos! Und. dabei beweaten sie sich so lässig, ohne jeden Schick! Da war Katicza Bogyo doch ganz anders. Lauter Feuer, lauter Leben, sie strahlte direkt. Sogar der junge Stuhlrichter hat gefragt: ' ' Wer ist das schöne Mädchen?" Er stellte stch ihr vor, tanzte mit ihr und mit Trauer bemerkten Kadars, daß er sich sehr um sie zu schaffen machte. Frau Kadar schoß böse Blicke auf ihn. ,Dazu also hatten sie ihn eingeladen? Dazu! Dazu mußte sie diesen Abend veranstalten? Dazu sich abmühen, abquälen und in solche Kosten stürzen?.' ' Viri!" winkt sie ihrer Tochter ' Die Arme ist aber so verbittert, daß ihre Mutter sie ganz vergebens aufmuntert. Mit dieser Unlust und Bitterkeit in den Zügen wird sie .den Stuhlrichter kaum erobern, ' sondern nur um so mehr, abschrecken. . Umsonst ist: es auch, daß Frau Kadar die beiden beim Nachtmahl zusammensetzt Katicza Bogyo ist so zudringlich, daß ste sich ihnen gerade gegenüber setzt und über den Tisch so mit dem Stuhlrichter kokettirt, daß er mehr mit ihr spricht, als mit feiner Nachbarin. Jetzt ist Birike schon so aufge? bracht, daß sie beißende Worte, fallen läßt und um so gereizter wisd, je mehr sie sieht, wie der junge Mann sich lnnerlich . von ihr entfernt.' "Derselhe junge Mann, bei dessen Erwähnung, ihr gestern so das Herz geklopft .Hat!'. Aber Biri," bemüht, ihre 'Mutter sie aufmerksam zu machen. Alles vergebens. Biri wird noch heftiger, noch beißender, noch bitterer, und der Stuhlrichter freut sich, als er sie endlich los wird und wieder zu sei ner lustigen, lachenden Katicza Bogyo zurückkehren kann. Und dort sitzen sie - vertraulich zu zweien, Katicza und der Stuhlrichter, auf den neuen Sammtsesseln, die die Kadars mit theuerem Geld zur heutigen Gelegenheit gekauft' hatten und verzehren plaudernd das Backwerk, mit dem sich Frau Kadar so sehr plagte. Und alle Zeichen deuten darauf hin, daß aus dem jungen Mann und demMädchen ein.Paar wird. Was sie nur der Familie Kadar zu verdanken haben, dem Abend der Familie Ka dar!" ... V

t DaöOpfereinerWahrsagerin ist in Berlin die 23jährige Arbeiterin Frida A. aus Köpenick geworden. Das junge Mädchen war mit einem Schlosser verlobt,, und die Heirath sollte in einigen Tagen stattfinden. Vor mehreren Wochen fuhr die A. nach Berlin, um Einkäufe zu machen, und besuchte auch bei dieser Gelegenheit eine Wahrsagerin. Das ihr von dieser gegebene Zukunftsbild hat allem Anscheine nach niederschmetternd auf die junge Braut gewirkt, die nicht wieder nach Köpenick zurückkehrte und seit jener Zeit verschwunden war. Kürzlich ist . ihre Leiche in der Spree bei Treptow gelandet worden. Der Wohnsitz der frühe ren Kaiserin Josephine .von Frankreich in Malmaison, den M. Osiris dem Staate geschenkt hatte, wird wiederhergestellt. Die Arbeiten sollen in einigen Wochen beendet sein, und im Mai wird das Schloß dem Publikum zugänglich gemacht werden. Die Direktion der schönen Künste hat 75,000 Francs zur Einrichtung des Schlosses bewilligt; aus Staatsbesitz werden viele interessante Gcgenstände, die der Kaiserin gehörten, hergegeben werden. Die Kaiserin Eugenie, die gleichfalls hehrere Möbel aus Malmaison besitzt, hat sich bereit erklärt, diese beizusteuern, sie will auch Josephinens Harfe schenken. JnElPaso,Jll.. istdieser Tage David Strother, der erste farbige Stlmmgeber, welcher semer Zeit das, seiner Nasse in den Ver. Staaten verliehene Stimmrecht ausgeübt hat. zu Grabe getragen worden. Die Einwohner des Countyö, in welchem er 41 Jahre lang gewohnt hat, erwiesen ihm in Masse die letzte Ehre. . Ein ' . Musikalischer. Meine Frau besteht darauf, daß un ser Aloisl 's Geigenspiel lernt. Da ist ihr nichts zu viel die 'Stund' kostet sie. zehn Mark!"' Herrschaft!... Für so einen Buben that's doch die Halstet Ja, wissen Sie, der Lehrer kostet auch nur die Hälfte; die andern fünf Mark krjeg' ich als .Schmer, zensgeld!"

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