Indiana Tribüne, Volume 28, Number 184, Indianapolis, Marion County, 28 March 1905 — Page 6

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Europäische Nachrichten. Fovinz Sachsen. Magdeburg. Auf eine 25jä r!ge Thätigkeit in ihrem Berufe blickten zurück: Der Musterverwalter Rudolf Zwickert bei der hiesigen Tuchfirma Karl Lücke Nachf.; der Verpacker Friedrich Kraufe in der Porzellanund Glashandlunz der Gebr. Hartwig; Brauführer Wilhelm Frey in der Bierbrauerei von Wallbaum, sowie der Bademeister Max Haake in der Badeanstalt des Dr. Schreiber. Aschersleben. Der Rangirer Karl Dette gerieth auf dem hiesigen Bahnhofe beim Rangiren zwischen die Puffer, die ihm Brust und Arm arg zerquetschten. Er wurde in dasKrankenhaus gebracht,' wo er nach kurzer Zeit starb. V o n a u. Letztens fuhr der Knecht Bergmann mit einem leeren Wagen gegen einen Feldstein, wurde herausgeschleudert, überfahren ud erlitt so schlvere Verletzungen, daß er nach kurzer Zeit starb. K e l b r a. Als der Knecht Hermann Weißbart auf einer abschüssigen glatten Stelle über einen Erdhaufen fuhr, schlug der Wagen um, und der Knecht erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß er kurz darauf starb. Er war erst seit dem vorigen Jahr verheirathet. L o b u r g. Hofmeister Fräßdorf beging mit seiner Ehefrau die seltene Feier der diamantenen Hochzeit. Purzien. Kürzlich erstickten durch Kohlenoxydgas - Vergiftung der Gutsbesitzer Bremer mit Schwester und Nichte. Preußisch - Börnecke. Der Bergmann Niemann und seine Frau entfernten sich aus ihrer Wohnung und schlössen ihre beiden Knaben ein. Bald darauf bemerkten Nachbarn in der Wohnung des NiemannRauch und Flammen, drangen durch das Fenster ein und fanden die Kinder brennend in den Betten Die Knaben hatten mit dem Feuer im Ofen gespielt und waren, als ihre Kleider brannten, in die Betten gekrochen. Der vierjährige Knabe ist an den erlittenen Brandwunden gestorben, während die Verletzungen des jüngeren nicht so schwer smd. Quedlinburg. Auf dem Bau an der Halberstädterstraße stürzte der Arbeiter Winnig, der kürzlich erst von dem Bauunternehmer in Arbeit gerwmmen war, aus unbedeutenderHöhe so unglücklich von einer Leiter herab, daß er einen Genickbruch erlitt und auf der Stelle todt war. T o r g a u. Feldwebel a. D. Edud Bühner feierte dieser Tage sein goldenes Militärdienstjubiläum. Frovinz Hannover. Hannover. Infolge eines Unglücksfalles gestorben ist der in weiten Kreisen der Stadt wohlbekannte Consul Moritz Simon, Alleestraße wohnhaft. Als er in seiner Wohnung ein Bad nehmen wollte, explodirte der Spirituskessel. Hierbei erlitt er schwere Brandwunden amArm und Rücken, die seine Aufnahme ins Krankenhaus nothwendig machten. Hier ist Simon seinen Verletzungen erlegen. Der Verstorbene ist 57 Jahre alt geworden. Seinen Verletzungen erlegen ist im rankenhause der Student Amdohr, der sich in selbstmörderischer Absicht einen Revolverschuß in den Kopf beibrachte. A u r i ch. Die Hengstzucht steht hier und in der Umgegend in hohr Blüthe. So hat z. B. die Firma Oltmanns in Amerika 40 Hengste angekauft; ein anderer amerikanischer Händler, ein vor mehreren Jahren von hier ausgewanderter Ostfriese, hat ebenfalls zehn Hengste gekauft, desgleichen kaufte Crough - Amerika sehr viele Thiere. Bezeichnend ist, daß für einzelne Thiere Preise von 6000 bis 7000 Mark erzielt wurden. GLttingen. Dieser Tage verstarb hier im 80. Lebensjahre Rudolf Winkel, Inhaber der in Wissenschaft!!chen Kreisen weithin, auch im Auslande bekannten optischen und mechanischen Werkstatt. Insbesondere die Winkel'schen Mikroskope werden sehr geschätzt. H e l t e. Hier brannte die Wohnung des Beerbten Otten bis auf denGrund 'nieder. Das Vieh und die besten Möbelstücke sind gerettet, das Verbrannte ist versichert. Lehrte. Das 50jährige Gefchäftsjubiläum wird die hiesigeKunstdüngerfabrik, in Firma Stockmann & Retschy, in diesem Frühjahr begehen können. N e u st a d t g ö d e n s. Böttcher und Handelsmann Anton Decknatel hierselbst hat durch Erhängen seinem Leben ein Ende gemacht. ' Osnabrück. Musikdirektor Eugen Drobisch, der sich auch als Componist einen Namen gemacht hat, ist hier gestorben. S e e b u r g. Hier ertrank der 10jährige Sohn der Wittwe Goldmann denn Schlittschuhlaufen auf dem Seeburqer See. ZÄiegersdorf. Consistorialrath und Superintendent a. D. Gerlach ist hier in seiner Villa infolge eines Schlaganfalles verschieden. Der Verstorbene war von 18631900 Seelsorger der. evangelischen Gemeinde in Niederfachswerfen. Provinz Westfaren. M ü n st e r. Der verdienstvolle Zoologe und Schriftsteller Professor Dr. Landois, Direktor des Zoologisüen Gartens, ist aestorben. ,. .

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Alleno. Aus dem yMgen Staatsbahnhof verunglückte der Rangirmeister Schmidt dadurch, daß er bei Ausübung seines Dienstes zwischen die Puffer zweier Wagen gerieth, die ihm den Brustkorb vollständig zerquetschten. Der Unglückliche war auf der Stelle todt. Bochum. 'Von dem hiesigen Schwurgerichte wurde letztens der Bergmann Franz Kosmeck zum Tode verurtheilt. Derselbe hat am 21. August v. I. den Bergmann Michel Malewski ermordet. Die der Anstiftung zu dem Morde angeklagteWittwe Malewski wurde freigesprochen. Gevelsberg. Als der alleinstehende Schuhmachermeister Karl Samm so lange auf seinem Zimmer blieb, erbrach man die Thür zu demselben. Da fand man den 63jährigen noch rüstigen Mann todt vor seinem Bette liegen. Der hinzugerufene Arzt constatirte einen Schlaganfall,' der den Tod zur Folge hatte. arnrn. In seiner Wohnung erschoß sich der Referendar Lackmann, aus Warburg stammend. L ü n e n. In seinem Bettchen verbrannte das einzige Kind des Hoteliers Keller. O st e r f e l d. Arbeiter Glöckner verunglückte beim Reinigen eines Canals. Glöckner war mit vier Arbeitern mit dem Reinigen des Canals auf der Eilenhütte beschäftigt, und alle vier wurden durch ausströmende Gase betäubt. Drei der Arbeiter wurden gerettet, während Glöckner seinen Geist aufgab. W e st i g. In der hiesigen Papier fabrik von Gebr. Ebbinghaus platzte der Cylinder der Dampfmaschine. Der Heizer Selle wurde getodtet, außerdem ist schwerer Materialschaden zu verzeichnen. Mitten. Durch Sturz von einem Baum tödtlich verunglückt ist der Arbeiter Kroll, welcher wegen Kohlenmangels sich Holz verschaffen wollte. VHeinprvVinz. Köln. Diebe ließen sich im hiesigen Bankhaus Sternberg einschließen, brachen vom Hofe aus ein Loch durch die Mauer nach dem Geschäftszimmer, meißelten, nachdem sie sich auf diese Weise Eingang verschafft hatten, die Rückwand des Geldschrankes heraus und stahlen 38,000 Mark. Bevor sie das Haus verließen, frühstückten sie noch in aller Ruhe. Aachen. Frau Geheimrath Krupp stiftete der Unterrichtsabtheilung der hiesigen technischen Hochschule 100.000 Mark, um den Ankauf eines Grundstückes für den Bau eines eisenhüttenmännischen Instituts zu. ermöglichen. Barmen. Der Heizer Carl Fette wurde am Treppengeländer seiner' Wohnung, Feldstraße, erhängt aufgefunden. Er war zum dritten Male verheirathet, lebte in unglücklicher Ehe und hinterläßt Frau und fünf minderjährige Kinder. D ü ss e l d o r f. Der Landschaftsmaler Professor Oswald Achenbach ist hier an Lungenentzündung gestorben. Der Verstorbene ist der jüngere Bruder des berühmten Altmeisters des hiesigen Malers Andreas Achenbach. e m s ch e i d. Die Geschwister Pickardt schenkten der hiesigen evangelischen Gemeinde ein Grundstück im Werthe von 80,000 Mark zur Errich tung eines Gemeindehauses mit Herberge und Hermath. Wermelskirchen. Klempner lehrllng Wilh. Vornefeld von der Wolfhagener Straße, der sich kürzlich IN der Weberschen Ersenblechwaaren fabrik eine Blutvergiftung zuzog, ist an deren Folg?. im Krankenhaus zu Huckeswagen gestoroen. "gfrom, getfet'glxflxx. Kassel. Der Bahnhofsvorsteher des hiesigen Centralbahnhofs, Louis Freckmann, feierte sein öOjähriges Dienstjubiläum als Eisenbahner. Der Arbeitsminister von Vudde sandte ihm ein Handschreiben, worin er Freckmann für die der Staatselsenbahn Verwaltung ' geleisteten 60jährigen treuen Dienste besonderen Dank und Anerkennung ausspricht und ihm den Kronenorden 3. Klasse uersendet. Allen dorf. Hier hat sich der Musketier Polbe vom 87. Infanterie Regiment in Mainz, der seinen Ur laub überschritten hatte, aus Furcht vor Strafe erhängt. Betten haus en. Der Bahn Hofswirth Johann Weisel hat seine um einige Jahre junge Gattin er mordet und dann einen Selbstmordversuch begangen. Zwischen dem Ehemann, der vor Kurzem als geheilt aus einer Nervenheilanstalt entlassen worden, und semer Frau entstanden hau flg. heftige Scenen. Man fand, nach dem man in die Wohnung eingedrun gen war, die Frau mit durchschnitte ncm Halse vor; der Mann hatte sich die Pulsader geöffnet. Efchwege. Einen schweren Unfall erlitt der Kutscher Albert Müller von der Bergschlößchen - Brauerei O. Brill & Co. dahier. In der Cynakus straße scheuten die Pferde und gingen mit dem Wagen durch. Der Kutscher kam zu Fall, der Wagen ging ihm über die linke Schulter, wodurch er eincn schweren Armbruch erlitt. H i l t e r s k l i n g e n. In angeheitertem Zustande suchte der hiesige Landwirth Sckmahl, in vorgerückter Stunde aus dem Wirthshause kommend, seine Wohnung auf. Dabei gerieth er vom rechten Wege ab auf die Wiesen, wo er sich entkleidete und niederlegte. Passanten fanden den Unalücklicben erfroren im Wiesengrunde.

Jndiana Tribüne.

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Der Vram des Zjcrrn von Zluplnskl. Skizze von Carl Busse. Freundchen!" sagte Pan Vogdan Slupinski von Slupinski" trahlend, und strich den Schnauzoari, Gott hat dich gesandt! Jeden Abend iw ich hier und trink alten Ungar naturalnie um das Herzeleid zu vergessen. Nie iedoch hab' ich einen Menschen, den ich kenne. Schlimm ist das, denn der Gram wird immer neer. Sterben ist besser, als so leben. . . Wenn ich nach Hause komm' und meine Frau im Bett liegt, zündet sie das Licht an und hält es mir in's Gesicht. Bogdan, Bogdan, sagt sie traurig, nicht 'mal die Flecke hast du war es denn wieder so langweilig?. Denn, Bruder, ems ist merkwurdig: immer, wenn ich mich sehr gut amusirt hab , bekomm' ich links und rechts Schmutzslecke mitten auf der Backe. Kaum zu glauben, jedoch es ist so. Wie soll man das erklaren? Lange hab' ich gegrübelt, jetzt aber denk ich, es ist nur möglich, daß ich Mir vor Vergnügen oft den Schnurrbart streich' und die Finger doch beim Trinken ein bißchen feucht sind hopla, da hat man sie, die Flecke, links und rechts. Je größer sie sind, um so langer bm ich geblieben und um so schöner war es.' Meine Frau also weiß immer Bescheid. Hier jedoch, in Posen... seit ich hier lebe... spurlos waren sie verschwunden, me kamen sie. Psia krew, wenn ich noch denk', in Wreschen. . . jeden Abend. . . nun, kein Ort, wo man so gemüthlich kneipen kann! Ich aber muß fortziehen. . . ah . . . sprechen wir nicht davon! Du verstehst, es regt mich auf. Kasimir von Liben jedoch menue, man müsse seinem Gram in's Auge sehen. Und weil der Pan eigentlich auch für fern Leben gern erzählte, ließ er sich nicht mehr lange bitten. . Ich, sprach er, bm em prallt scher Mensch. Niemand, der so guten Rath gibt. . . alle kamen sie zu mir, schon auf der Schule. Nun, ich hatte mein Gut und wirthschaftete. Als ich merkte, daß die schlechten jahre kamen, sag' ich zu Jsidor Kaatz rn Wreschen: Jsidor, ich muß verkaufen! Schön. Herr Kaatz kommt. . . sieht. . . zuül die Achseln. Guter Geschäftsmann. . . viel werth ist das Gut nicht. Aber es sickert so durch, daß ich den Besitz abgeben will, und gleich ist auch die Ansiedelungskommission da. Bietet sehr anständig. Ich überleg' noch und sorg' dafür, daß unsere polnische Landbank den Preis erfährt. Natürlich bietet sie mehr. Ich zeig' die Offerte der Ansiedelungskommission was soll ich da lange erzählen: ich hab' sie tüchtig in die Höhe getrieben und hab ihr verkauft naturalnie, ueber soll der Deutsche überzahlen, als der Pole. Ich also mit dem schönen Geld nach Wreschen. Warum, sag' ich zu meiner Frau, soll ich mich abschuften? Hab' Geld genug bis an's Lebensende. Wir miethen uns 'ne hübsche Wohnung und alles ist ausgezeichnet. Meine Manya, meine Tochter, hat mehr Vergnügungen und Bälle und Freundinnen. . . und ich brauch' nicht mehr ne Stunde zu fahren, um bei Osdowski Wein zu trinken und ein Spielchen zu machen. Nur um die Ecke brauch' ich zu biegen. Wie im ParadieS, Frauchen, lebt man, und in Wreschen, sag' ich oft, will ich auch sterben. Bald verbreitet sich auch mein Ruf als Nathgeber. Wildfremde Leute stellen sich vor: Euer Hochwohlgeboren, was würden Sie in meiner Stelle thun? Und allen sag' ich Bescheid. Nun, nun, man ist ja nicht eitel, jedoch Ruhm schmeckt süß, Bruder. Selbst bei Osdowski... im Wirthshaus hab' ich keine Ruhe. Wir haben da einen kleinen Kreis. . . und bald fragt dieser, bald jener. Der eine will geschäftlichen Rath, der andere hat 'ne Familienangelegenheit auf dem Herzen. Und alle kommen zu mir, zum alten Slupinski. Gut. So im Herbst sitzen wir mal spät zusammen, und ich hab' schon die Schmutzflecken, so gemüthlich ist es. Gegen elf tritt auch noch der Vaumeisier e;n, und alles schreit ihm entge gen: Schläft sie? So ging das näm lich jeden Abend. Er konnt' erst im mer gegen elf kommen, denn er hatte die Schwiegermutter im Hause, die ihn nicht wegließ. Wir alle necken ihn, bis er schneßnch wuthend wird. Klua re den, sagt er, kann jeder. Aber was soll man thun? Rausschmeißen geht nicht. Es wird hin- und. hergeredet, doch merk' ich bald, wie alles auf mich sieht. Naturalnie, wenn keiner recht . ?r W K weiß, von man micy. Pan Baumeister, sag' ich ich kenn' die Dame nicht. Sonst würd' ich schon ein Mittelchen finden. Ich selber hab' es nicht so nöthig gehabt, denn meine Schwiegereltern kamen meist nur immer Sonntags. Nun ist das solche Geschichte arade Sonn tags kommt viel anderer Besuch. . . äh Oiiila u irt t V i. uuw juuyt .ccuic. . . man will oocy vie Alten nicht so gern dabei haben. Ich hab' mir damals ein Mittel ausaedacht, aber das wird bei Ihnen nicht yelsen. Natürlich wollten sie es alle nun wissen. Besonders em zunaer Reckts anmalt, Adam Sikorski, quält mich, Dia ,cy erzayie. Meine Herren, sag' ich, wenn Sie durchaus wollen... meme Schwieger mutier nämlich trug am Sonntaa im mer 'n prachtvolles lila Seidenkleid.

2. März lS.

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Außerdem war sie kurzsichtig und woa nnrv nr c c ' Z . a uuct iw uhü. uno oer llZlviegerVater war auch 'n bißchen komisch, wie so alte Herren sind. Wochentaas wär' unö der Besuch ja ganz angenehm geWesen, aber Sonntags... Ich brumm' schon immer, so 'ne schwere Dame, die stundenlang vor uns sitzt, müßte doch nutzbar gemacht werden. Als praktischer Mensch aruere ich mich über die Kraftvergeudung. Denken Sie bloß dran, welchen Druck die zwei Eentner ausüben... wenigstens als Fruchtpresse wär' das doch großartig. Und so komm' ich in 'ne linde Wuth. . . Damals hatt' ich 'ne mächtige Dogge. Ein Riesenkerl... nicht zu glauben, wie groß die Buhcher wer den. Meine Frau und ich hängen dran wie an einem Kinde. Denn Manya war noch nicht geboren. Hopla, denk' ich, was ich nicht kann, kann der Hund. Ich richt' ihn mir also ab. Auf die Nase kriegt er ein Stück Butter geschmiert, und nu versucht das Vieh die' Butter abzulecken. Das geht nicht. Ergo reibt er die Nase am Teppich. Da saust die Peitsche schon. . . In kurzer Zeit denkt mein Hund nicht mehr an den Teppich. Er versucht's mü memen Hosen wieder gibt's Hiebe. Zuletzt leg' ich ihm ein altes lila Kleid auf den Stuhl. Da darf er 'ran und ist selig, daß er das Fett los wird. Am folgenden Sonntag sitzen wir alle gemüthlich zusammen. Ich gehe auf 'nen Augenblick weg, die Dogge kriegt ihre Butter auf die Nase, und heidi, ohne sich zu besinnen, stürmte auf die Veranda zurück und schmiert das ganze Fett auf das lila Seidenkleid... Sie wissen schon!... auf das richtige, von der Schwiegermutter! Das so ein paar Sonntage fortgesetzt dann sind die Feiertagskleider glücklich futsch. Und daneben hab' ich noch 'ne andere Methode gebraucht. Wenn ick mick mal über die Alten m sehr geärgert habe, daß ich am liebsten gehauen hatt, dann hab' ich in ohnmächtiger Wuth daaesessen: Bogdan Slupinski, was jetzt? Schlagen. . . als gebildeter Mensch. . . wo bleibt da die Religion und die Kultur? Außerdem gibt es womöglich noch Prozesse. Jedoch, wenn man erfinderisch ist und praktisch... Sehen Sie, ich hab' meinen Hund gerufen und hab' mich so gesetzt, daß, wenn er vor mir stand, fein Hintertheil in der Nähe meiner Schwiegermutter oder meines Schwiegervaters war. Dann hab' ich angefangen, ihm die Ohren zu krauen und. ihn so zu liebkosen, daß er vor Freude ganz außer sich war und mit seiner Ruthe man so gewedelt hat. Pan Baumeister, kennen Sie einen Doggenschwanz? Wissen Sie, wie das ist, wenn man da 'nen Hieb mit kriegt? Maria Joseph, das zieht! Das spürt man! Und so hab' ich durch harmlose Liebkosungen erreicht, daß der Schwanz von dem Köter wie wild auf meine Schwiegereltern losgepeitscht hak. Ich jedoch war selig und hab' nachher noch mit auf den Hund geschimpft. Wie gesagt, das Mittel ist nicht für jeden ich aber ward meine Schwiegereltern am Sonntag los, denn in alten Kleidern wollt' die schwere Dame nicht kommen und das Seidenzeug war ihr zu schade ... Freundchen, Bruder, versteh' mich recht. Ich erzähl' das so hin . . . beim Wein . . . und bin vergnügt. Halte mich nicht für einen rohen Menschen. Man muß doch scherzen. Und. alle lachen sich halbtodt, und ' am meisten Doktor Sikorski. Nie werde ich diesen gemüthlichen Abend vergessen. Bis drei Uhr saßen wir . . . die Schmutzflecke entsprachen dem Amüsement... weiß Gott, über das ganze Gesicht gingen sie. Dann probirten wir, nach Hause zu gehen. Es war großer Sturm, so daß es gefährlich war. Mich hatte der Doktor Sichorski am Ärm, und wir reden noch und lachen... plötzlich jedoch. mitten auf dem Markt, sangt er an zu stöhnen... fürchterlich. Freund chen, schrei ich und zieh' ihn entsetzt fort, um Jesu willen . . . nicht hier denn ich denk, es soll 'was Passiren. Aber es war nicht der Magen. Es war das Herz. Er liebte, schwärmte, stöhnte. Glühend schilderteer mir das Mädchen. Ganz begeistert war ich. Ich frag', ob sie einig sind. Ja, sagt er, nur der Äater . . . Den alten Esel nehm' ich auf mich, tröst' ich . . . so wahr ich Slupinski heiß'. Da fällt er mir um den Hals: Dann ist es ja gut! Kurz, ich selbst war der Esel, und die Liebe galt meiner Manya. Was soll ich sagen: ein halbes Jahr darauf ist Hochzeit. Nie gab es eine größere Seligkeit. Die Tochter am gleichen Ort . . . strahlend ging ich herum . . . allen Armen gab ich . . . alle nannten mich Herr Wohlthäter". Immer mehr Leute wollten meinen Rath. Keiner war so populär in Wreschen. . Weißt du, Bruder, und dann alles verlieren . . . wegziehen müssen . . . äh u Pan Bogdan Slupinski schüttelte sich. Er spulte den Wem an den Wänden des Glases hin und he? und sah gramvoll zu Boden. - Der Wein, Bruder, ist. noch das einzige. Ich hab' gedacht: willst du dich tödten? Du bist doch kein Türke, sondern ein Christ. Lebe. Boadan

sei Praktisch, trinke, vergiß! Und damit, wenn du stirbst, nicht mehr viel Geld nachbleibt, so trink' die Flasche

zehn Groschen theurer .. . feinen alten Ungar... naturalnie, gut schmeckt er. Noch besser wie bei Osdowski. Nichts jedoch soll dein Schwiegersohn erben... Doktor Sikorski... der Mann von deiner Manya. Denn zuerst, nach der Hochzeit, war ja alles gut... Eine Seligkeit. Wie das so ist: man will doch sem Kind oft sehen... besonders die Mutter: man geht hin . . . wenn man nichts Besseres weiß, sagt man: besuchen wir die Manya! Besonders an Sonntagen., viele gehen dann nicht hin zu Osdowskr... schon, gechen wir also zu Manya! Doktor Sikorski iedoch ist oster aar nicht so freundlich . . . Verdruß im Bureau, sagt meine Tochter. Und ich merk' schon immer etwas, und als ich mal zu Osdowski komm', bringen sie mich auf die Geschichte mit der Dogge und den Schwiegereltern... und ich erzähl', daß sie alle lachen... und sie rühmen mich, und mein Schwiegersöhn sagt: Psia krew, du bist ein Wohlthäter." Und alle lachen noch lauter, nennen mich nur Pan Wohlthäter" und bald lacht ganz Wreschen und meine Frau weint und ich kann mich bei Osdowski gar nicht mehr sehen lassen, da geht das Toben schon los und meine Tochter ist am allerunglücklichsten. Freundchen, Bruder, es war nicht anders möglich; ich mußte weg. Und aLes der Schuft, der Sikorski! Niemals hätt' ich ihn erhören sollen, niemals meine Manya ihm geben. Denn was that er? Er schaffte sich eine Dogge an noch großer wie iede andere und sagte mir in's Gesicht: Das mit der Butter kann sie schon großartig. Nur das Wedeln will noch nicht gehen. Sie trifft noch nicht die richtige Stelle Jedoch ist das Thier sehr gelehrig, und so m vierzehn Tagen . . . Libelt, Freundchen Kasimir, waö sagst du dazu? Ein Charakter. Von Julius Keller. Man nannte ihn einen Charak ter". Die große Schaar seiner Freunde und er selbst hatten in Mcrt und Schrift so oft und so laut versichert, daß er einer sei bis die anderen dran glaubten.-... Viele nann ten ihn auch einen Mann mit Rück grat", und er selbst liebte es, in seinen kampsesmuthigen Schriften, in denen er wüthend gegen die Meinung jedes anderen Staubgeborenen zu Felde zog, mit diesem Ruckgrat zu renommiren. Er lebte von seinem Charakter, man bezahlte sein Rückgrat. Seme unent wegte Ueberzeugungstreue, die kein Argument des Gegners je zu erschuttern vermochte, wurde angemessen honorirt. Sein Aeußeres war schneidig und imposant. Ein Bild strotzender Gesundhelt, edler Manneskraft. Im breiten-, feisten Antlitz ein Zug überzeugenden Selbstbewußtseins. (Ein rabiater Gegnr hatte es einmal aufgeblasen genannt). Die Kleidung stets von peinlicher Akkuratesse. Jede Spur aufdringlicher Genialität sorgsam vermieden. Denn das Genie war ihm verhaßt. Für ihn gab es nur Gesinnungstüchtigkeit, Ueberzeugungstreue Rückgrat. Er mischte sich in alle Dinge des öffentlichen Lebens. Seine Weisheit umklammerte alles, was ihm in den Wurf kam. seine Galle spritzte über Gerechte und Ungerechte, und gegen ein entsprechend, erhöhtes Honorar erhob sich sein Brustton der Ueberzeugung zu einem zornigen Donner, der selbst das Echo einer Beleidlgungs klage mcht scheute. Doch von diesen publizistischen Leistungen des großen Mannes sei hier nicht weiter gesprochen. Unser Held bethätigte seinen Charakter gewissermaßen auch im Privatleben, im weiten Kreise der Freunde und Bekannten; er versuchte, läuternd und klärend, erzieherisch" auf alle einzuwirken, die das Geschick mit ihm in Verührung brachte. Er predigte dieUnempfindlichkeit gegen Glück und Unglück, die erhabene Ruhe, den kalten Gleichmuth allen körperlichen und seelischen Leiden gegenüber. Er verachtete jede Empfindsamkeit, jede SentiMentalität, jede laute Freude und jedes tiefe Leid. Stramme Gleichgiltigkeit, abwimmelnde Willensstärke auch hier! Rückgrat der Seele und der Nerven, die dem alltäglichen Menschen die üblichen Schmerzempfindungen vermitteln Ein Charakter" klagt nicht, wenn ihn ein Schnupfen plagt, jammert oder zürnt nicht, wenn die Geliebte ihn betrügt, steht erhöbenen Hauptes und trockenen Auges an den offenen Gräbern seiner Lieben... Mit ruhigem Gleichmuth läßt er alles über sich ergehen, kämpft jede Anwandlung feiger Schwäche machtvoll nieder und schaut mit stolzer Berachtung auf all die Kleinlichen und Sch.oachen herab, denen jeder Sturm des Lebens in die Seele bläst". . . . Selbstverständlich hatte er seine Gemeinde. Ohne eine Gemeinde, die an ihn glaubt, auf -ihn schwört und für ihn in die Posaune stößt, vermag ein Mann mit Rückgrat sich nichts durchzusetzen. Und seine Gemeinde war der thatkräftigsten eine. Sie verkündete seinen Ruhm mit Vollendungen, offiziell

und unter der Hand, und jeder seiner

Getreuen schwor auf seine Lehren uno versuchte nach seinen Worten zu leben. Angenehme Herrschaften! Eines Tages laben sie ihren Propheten in überraschend veränderter Stimmung unter sich wandeln. Aum ersten Male, seitdem sie sich um ihn gefchaart, sahen sie ihn verstimmt, unsicher, bedruckt, ja sie scheuten sich, das entsetzliche Wort auszusprechen: bekümmert .... Er, der Gefestigte, der gegen jeden Schmerz und insbesondere gegen Leid und Freud der anderen gepanzerte Heros bekümmert! Mühselig brachten sie es heraus: sein Nero war verendet. Nero, der Schrecken der Nachbarschaft, ein struppiger, unliebenswürdiger Köter, bissig und verbissen, dessen wütbendes Gekläff seinen Herrn auf allen Wegen begleitet Nero war krepirt. Er war selbst innerhalb der Gemeinde nicht sonderlich beliebt gewesen, dieser nichtswürdige Hund, aber feinem Herrn zuliebe hatte man ihm geschmeichelt und mit stiller Duldung all seine üblen Gewohnheiten hingenommen... Nun mußte man mit Bestürzung erkennen, wie dieser Todesfall dem Herrn und Meister zu Herzen ging. . . Er, der den anderen Gleichmuth und kühle Fassung predigte, wenn ihnen ein lieber Mensch genommen wird, der es verächtliche Schwäche nannte, um einen unvermeidlichen Verlust zu trauern er vermochte den Tod dieses gräßlichen Köters nicht zu überwinden. Aber es kam noch besser.... Die Zeit hatte kaum seinen wundersamen Schmerz ein wenig geheilt und ein neuer scheußlicher Köter seine tröstliche Mission begonnen, da erschien der Heros plötzlich von Neuem mißgestimmt und verdrossen. Aber diesmal saß es wohl nicht in der Seele ein körperlicher Schmerz schien ihn zu quälen.... Er war nicht nur merkwürdig still und kampfesunlustig, man gestand einander flüsternd daß er unleidlich" sei. Voll Nörgelei und Mißmuth, zänkisch und unwirsch selbst zu den getreuesten Intimen.... In einer unseligen Stunde verrieth er sein Geheimniß er litt an Zahnschmerzen . . . Drei hohle Zähne quälten ihn und er, der Starke, der gegen alle körperlichen Schmerzen anderer Gefeite .er unterlag diesen Qualen' wie jeder gewöhnliche Sterbliche. Die Freunde wurden stutzig. Er suchte sich ihrem sauersüßen Mitleid zu entziehen, aber sie spürten ihm nach. Sie hefteten sich mit erschreckender Anhänglichkeit an seine Sohlen. Sie sahen ihn leiden, und sie bemerkten, wie es ihn erschütterte, als ein Zahnarzt ihm kalten Blutes verkündete: Die drei müssen raus!" Sie beobachteten, wie er in unwürdiger Nervosität davor zitterte, diesen Urtheilsspruch vollstrecken zu lassen, sie erkannten die unüberwindliche Angst des Gewaltigen vor des Zahnarztes furchtbarer Zange, und endlich erfuhren sie das Entsetzliche er hatte sich bei der Operation chloroformiren lassen! Er, der dem qualvollsten Tode anderer muthig in die Augen sah, er opferte seine drei Zähne in der Narkose! .... Dann verschwand er plötzlich aus ihrem Gesichtskreis er ging zur Herstellung seiner Gesundheit' nach dem Süden und ließ nichts von sich bö'ren. Aber eines Tages sahen sie ihn wieder im Krankenhause. Mit todesbleichem Antlitz und schmerzlich verzerrten Zügen. Er erkannte die Freunde kaum und stierte sie mit blöden Blicken an. Der Arzt zuckte bedenklich die Achseln. Eine böse Lysolvergiftung...-. Wenige Stunden später war er erlöst ... . Cherchez la fernme! .... Ein Mädchen hatte ihn in den Tod getrieben. .. Ihn, der allezeit über die Narren der Liebe gespöttelt . .'. Das erste beste Weib brach sein Rückgrat .... Die Freunde waren entsetzt, erschüttert, verwirrt. Wenn er wenigstens die Pistole genommen hätte," meinte einer. Aber Lysol... Pfui Teufel... Er war kein Charakter!" ErstdasGeschäft. dann das Vergnügen. Gehst mit auf ein Glas Bier?" Thut mir leid, will gerade um ein reiches Mädchen anhalten." Da hast du recht, das Geschäft geht bevor." Bosheit. Gattin (aus der Zeitung vorlesend): Mäuse sind große Freunde von Musik und folgen ihr, soweit sie nur können." Gatte: Du, das schneide aus, das werde ich der Dame schicken, die über uns wohnt." S ch l e ch t e A u s r e d e. Aber, Herr Inspektor, das ist nun schon der sechste Hase, an dem Sie heute vorbeigeschossen haben!" Macht nichts, Herr Förster heut' ist mein Geburtstag, und da will ich nur vergnügte Gesichter um mich sehen!" Widerspruch. Sängerin (sehr erfolgreich): Lieber Herr Direktor, mir geht von einer Qofbühne ein äußerst günstiges Anerbieten zu; würden Sie meinen Contrakt nicht auö Liebenswürdigkeit und Freundschaft für mich lösen?" Direktor:' Das geht Wirklich nicht, meine Liebe. Sie zieben" und darum ziehen Sie nicht l"

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