Indiana Tribüne, Volume 28, Number 183, Indianapolis, Marion County, 27 March 1905 — Page 7

Jndiana Tribüne, 27. März 1005

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... -. Rotljnt ximicn" t Uonvon , 1 Gerhard tci . o . a .. . .. 4 . 1 L (Fortsetzung.) Sie blickte wieder in das Manuskript, blätterte dann darin und wandte sich wieder an Heydemann: Na, Herr Heyd?mann, haben Sie eine Idee, wie die Geschichte ausgeht? Sie haben ja schon fast die Hälfte geschrieben. Wie glauben Sie, daß der Spitzbube, der einen so geheimnißvollen Giftmord ausführte, entdeckt wird?" Heydemann blickte überrascht auf. Ich weiß es nicht." Tagte er verlegen, ich weiß es wirklich nicht." Nun also es werden andere Leute auch nicht darauf kommen," rief sie triumphirend. Ich will es Ihnen sagen. Die Lösung kommt ganz überraschend, ganz unvermuthet wie es eben in einem guten Kriminalroman sein muß. Sie wissen doch, ich habe erzählt, im Zimmer des Verbrechers befindet sich ein Skelett. Das hat seinen guten Zweck. Gerade als der Spitzbube, von Zedem Verdacht frei, in's Ausland flüchten will, findet man zwischen den Armknochen des Skeletts einen Brief Zwischen den Armknochen?" meinte Heydemann erstaunt. Ja. Der Brief enthält den ganzen Plan zu der niederträchtigen That. Er ist an einen Komplizen gerichtet. Und dieser Komplize hat, als er seinen Freund besuchte und mit ihm über den im Brief mitgetheilten Plan sprach, in der Zerstreutheit den Brief zwischen die Armknochen des Skeletts gelegt und dies völlig vergessen. Der Mörder selbst ahnt gar nicht, daß sein eigenes schriftliches Gesiändniß in seinem Zimmer liegt. So wird dann die That entdeckt, und beide Verbrecher werden gefangen." Edith hatte einen Moment aufgesehen, sie warf einen schmerzlichen Blick auf ihre Schwester und seufzte leise resignirt auf. Heydemann beugte sich tief über feinen Teller und schwieg. Nun," fragte Frau Doktor, finden Sie diese Lösung nicht interessant und originell?" ' Hm, ja . . . sehr, sehr," brummte er. Die ganze Geschichte erschien ihm sehr unvernünftig und die Lösung, auf die Frau Doktor Driesen so stolz war, einfacher Unsinn. Aber die Höflichkeit verbot es ihm, eine Kritik zu üben. Das Dienstmädchen brachte den Braten, und eine Zeitlang widmete man 'sich wieder dem Essen, wobei Frau Doktor Driesen in dem neben ihrem Teller liegenden Manuskript weiter las. Edith schien an der ganzen Sache in keiner Weise theilzunehmen. Sie war nur körperlich anwesend. Sie schwieg beharrlich, und ihr Geist schien sich mit fernen, weit entlegenen Dingen zu beschäftigen. Nun war man beim Nachtisch. Frau Doktor Driesen hatte das Manuskript zu Ende gelesen und blickte eine Weile nachdenklich vor sich hin. Plötzlich machte sie eine Bewegung, wie ein Mensch, der einen guten Gedanken gefunden hat. Wir wollen also jetzt von Ihrer Sache sprechen, Herr Heydemann," sagte sie. Also von der Polnt fcnfipn s?7n? Wnrfirtsfif frf filtert Sie wissen auch nicht, ob in Ihrer Anjj mw v v vw vrnvii gelegenheit irgend eine Verhaftung vorgenommen wurde?" Nein." Es ist gewiß auch gar nichts geschehen, die Polizei wartet, bis Sie .selbst Entdeckungen machen werden Das ist immer so. Nun gut,, wir wollen die Entdeckungen machen.- Haben Sie eine Meinung, eine Vermuthung, wer der Dieb gewesen sem mochte?" Eigentlich nicht." meinte Heydemann nachdenklich. Drei Leute können gewußt haben, daß ich viel Geld hatte, und zwar Krüger, seine Braut, die sich hinten am Büffet befand, und der Wirth. Man könnte also höchstens annehmen, daß es eine der drei Personen war. Aber 3a, Sie haben recht mit Ihrem ,Aber,' Herr Heydemann," warf die Frau Doktor ein. Es ist völlig unwahrscheinlich, es ist ganz ausgeschlossen, daß es eine dieser drei Personen war. Ich habe viel über diesen Fall nachgedacht, und um klar zu seyen, Habe ich aenaue Erkundigungen eingezogen. Der Wirth vom ,Rothen Löwen' ist ein Mann von anerkannter Ehrlichkeit und dazu ein reicher Mann. Er braucht Ihr Geld nicht, er hat selder genug. Seine Tochter daß die es aethan hätte, ist unsinnig. Und der junge Mann, Krüger nein, so dumm ist der nicht, denn er konnte sich bei einfachster Ueberlegung sagen, daß der allererste Verdacht auf ihn fallen würde. Also diese drei Personen muß man von jedem Verdacht ausschließen. Aber irgend Jemand ist es doch nun einmal aewesen. Man mun dieien Je mand suchen, ohne mit einer dieser dri Personen zu rechnen. Man muß also einen Unbekannten suchen, das heißt jemand, der Ihnen unbekannt ist, de Sie aber kennt. Nun also ... ich bin wiß, daß ich diesen Unbekannten gefunden babe." Heydemann machte eine Bewegung freudigster Uebenaschung. Edith aber, die bisber ibrem Teller und seinem Muster eingehendste Aufmerksamkeit gewidmet hatte, hob wieder einmal

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qn dunklen Kopf und warf von der Seite auf ihre Schwester einen Blick, ver voll schweigenden Aergers war.

Die Frau Doktor freute sich eme Weile über den freudigen und gespann ten Ausdruck nn Gesichte Heydemanns. Dann fuhr sie fort: Haben Sie wäh rend Ihres Aufenthalts im ,Rothen Löwen' ein Mädchen mit schwarzen Kraushaaren, blauen Augen und einem listig-nawen Ausdruck im Gesicht gesehen?" . Nein, sagte Heydemann mit verwundertem Kopfschütteln. Dieses Madchen ist meist in der Küche beschäftigt," sprach Frau Dokior weiter, hilft aber auch m der Wirthschaft beim Aufräumen der Zimmer und dergleichen. Sie sieht dumm aus, aber wenn man sie scharfer anblickt, bemerkt man, daß es nur eine Maske ist. Sie ist ein ganz raffinirtes Gecyops. Und es ist gar nicht zu zweifeln: Sie ist die Diebin!" Aber Friederike!" rief Edith jetzt vorwurfsvoll aus. Es ist ja eine ganz dumme, einfältige Person!" Ich bitte Dich, Edith, misch Dich nicht hinein," sagte die Schwester beleidigt. Ich weiß, was ich rede, und die Sache liegt klarer, einfacher, als Du glaubst. Sie haben doch, fuhr sie eifrig zu Heydemann gewendet fort, Krüger erzählt, daß Sie Geld haben und wieviel Sie haben. Sie sprachen dabei laut, nicht wahr? Sie waren nur zwei Personen im Lokal wenigstens glaubten Sie, daß Sie nur zwei waren und sprachen ganz unge.iirt. Das Madchen ich habe mich nach ihrem Namen erkundigt, sie heißt Marie Zschapke hat öfter im Gastzimmer zu thun. Sie bringt Sachen aus der 5iüche und trägt vom Büffet Geschirr und andere Dinge in die Küche hinein. Es ist nichts Besonderes und nichts Auffallendes daran, daß sie das, was Sie Krüger erzählten, gehört hat. Sie hat auch ein Verhältniß mit einem verdachtlg aussehenden Kerl, mit dem sie am Abend dor dem Hause spricht. Wer weiß, was das für ein Mensch ist. Es ist doch eine alte Erfahrung, daß sich die Gauner am liebsten an die Dienstmädchen machen und so am bequemsten die Gelegenheit zu Diebstahlen und Einbrüchen auskundschaften. Nachdem das Mädchen gehört hat, daß Sie so viel Geld bei sich führen, wird sie. vielleicht auch nur zufällig, mit ihrem Liebsten zusammengetroffen sein und ihm dies er-ählt haben. Und da kann ja der Plan zum Diebstahl schon entstanden sein. Sie haben nach dem Frühstückskcffee das Haus verlassen, und das Geld war im .Schreibtisch geblieben?" (y u Ja. Nun also. . . Das Mädchen hat doch Zutritt zu allen Zimmern. Ist es nicht wahrscheinlich, daß sie auch Nachschlussel zu den luobein besitzt? Sie sah Sie fortgehen, sie schlich sich in das Zimmer, sie durchsuchte den Schreibtisch und fand die schönste Beute. Es gibt wirk-. lich nichts Einfacheres. Und sie wird das Geld wahrscheinlich gar nicht mehr besitzen, sie wird es vermuthlich schon ihrem Liebsten übergeben haben. So . . . nun überdenken Sie die Sache einmal. Herr Heydemann. Fmden Sie eine andere Lösung, eine andere Erklärung? Es ist alles ganz einfach und klar zum Greifen. Können Sie etwas dagegen einwenden?" ' Heydemann war ganz wirr. Was die Frau sagte, erschien ihm wirklich einfach und durchaus vernünftig. Ich wußte wirklich nicht " sagte er zögernd. Ich kenne die Verhältnisse und die Person nicht." Aber ich kenne sie, warf sie Mit dem überlegenen Ton des Besserwissens ein. Und darum gebe ich Ihnen den Nath, gehen Sie zum Polizeirevier und verlangen Sie, daß man diese Person und ihren Komplizen verhaften und Durchsuchung ihrer Sachen vornehmen soll." Ja, aber ich kann doch nicht fremde öeute, die ick nie gesehen habe, vermächtigen," meinte Heydemann zaghaft. fremde Leute!" nef die ftrau Dottor spottifcy. Wissen sie emen an? deren Weg, um zu Ihrem Gelde zu kommen?" Allcrdinas nein!" Nun also es ist immer das beste. Sie tbun. was ich Ihnen faae." Man stand vom Tische aus. l0ily machte einen Knicks gegen Heydemann hin, ging aus dem Zimmer und lies sich ms: mehr seyen. Frau Doktor Driesen aber begab sich mit Heydemann in ibr Arbeitszimmer und kolte vom Schreibtisch wieder eine größere Menge beschriebener, loser Blätter, die sie Heydemann überlieferte. Ma.-ben Sie, bitte, das Manuskript wie das bisherige," sagte sie. Es ist zwar manes nicht ganz nach meinem Smn. Aber man steht, Sie sind ein gebildeter Mann und überlegen, was Sie thun. Wenn auch der Ausdruck hie und da anders ist die Arbeit ist ja doch von mir." 3. K a p i t e l. ' n dem engen Bureau des Polizeiremers stand Heydemann mit dem Hut in der Hand und wartete geduldig und verlegen aus den Moment, in dem der hinter der Barriere sitzende Wachtmeister von seiner Schreibarbeit aufsehen würde. Endlich war der Wachtmeister mit seiner Arbeit fertig. Er blickte auf, und über sein blondbärtiges, auffallend intelligentes Eesicht flog ein leises Lacheln, das deutlich verrieth, daß er den Mann, der an der Schranke stand, erkannte. Sie sind Herr Heydemann," finn er

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selöst an, Sie wollen wissen, ob wir Ihnen etwas. Gutes zu melden haben?

Leider liegt nichts vor; ich wenigstens habe nichts gehört." Ist denn gar nichts entdeckt worden?" fragte Heydemann beklommen. Der Beamte zuckte die Achseln. Ich sagte es Ihnen ja nichts. Es thut mir sehr leid. Wir setzen sehr eifrig unsere Nachforschungen fort, indeß" Darf ich mir vielleicht erlauben, zu diesen Nachforschungen etwas beizutragen?" Aber selbstverständlich. Bitte Ich habe Verdacht gegen ein Mädchen im .Rothen Löwen'," begann Heydemann stockend. Gegen ein Madchen?" fragte der Wachtmeister verwundert. Ja. und Heydemann nannte den Namen, den er von Frau Driesen gehört hatte. Aber das ist offenbar em Irrthum von Ihnen, Herr Heydemann!" rief der Beamte. Ich kenne dieses Mädchen sehr gut. Sie ist na, eine unglaub liche Gans, zu so was gar nicht sahig. Sie kommt uch nie aus der Küche und den Restaurationsräumen heraus. Wie kommen Sie auf diese Person? Ist sie Ihnen denn besonders aufgefallen?" Nern, aber " Wissen Sie denn etwas von ihr? Haben Sie besondere Indizien?" fragte der Wachtmeister. Heydemann entwickelte nun die von Frau Driesen gehörten Gründe. Ja, ia" meinte der Wachtmeister, das hört sich alles recht hübsch an. Aber, aber kennen Sie die Person?" Nein Wie sind Sie auf den Gedanken gekommen, gerade auf diese den Verdacht zu lenken i" ttagte der Wachtmeister verwundert. Nun mußte es Heydemann sagen. Er gestand denn auch dem Wachtmeisie?, daß Frau Doktor Driesen die Meinung ausgesprochen habe, das Mädchen sei die Diebin. Ach Du lieber Gott! Diese verdrehte Schraube die Wittwe Driesen!" brummte der Wachtmeister, das ist ja . . . das ist ja. . . Na, hören Sie," sagte er entschieden, Sie können mir glauben: Sie befinden sich in einem großen Irrthum." Heydemann stand da und überlegte. Frau Driesen hatte es als unumgänglich nothwendig bezeichnet, daß das Mädchen und ihr Liebhaber verhaftet wurden. Der Wachtmeister schien die Sache doch zu leicht zu nehmen. Man kann ja gar mcht wien, zu welchen Thaten ein verliebtes Weib fähig ist. Und die Möglichkeit, daß sie es gewesen sem konnte, war doch immerhin vorHanden. Er bestand also hartnackig auf seinem VerdaÄt und beantragte, daß die beiden verdächtigen Personen in Hast genommen werden sollten. Der Wachtmeister versuchte noch einmal, Heydemann zu überzeugen, aber vergebens. Na, meinetwegen," sagte der Polizeibeamte verstimmt, ich werde Meldung erstatten, und Ihr Wunsch wird wohl erfüllt werden. Aber Sie können mir glauben, Sie machen nur uns und auch sich selbst die Sache schwer. Sie bestehen also darauf?" .Ja.Der Wachtmeister zujte resignirt die Achseln, brummte etwas, was Heydemann nicht verstand, und machte dann eine Bewegung, die deutlich bezeichnete, daß das Gespräch beendet sei. Um eine schwache Hoffnung reicher verließ Heydemann das Polizeiamt. Mehrere Tage vergingen, und nichts ereignete sich, was die dunkle Anoelegenheit hä'te klären können. Mit der Thatsache, daß das Geld verschwunden war, schien einfach alles abgethan. Die Polizei vermochte offenbar nichts in der Sache zu thun, sie schien sich auch gar Nicht dafür zu mteressiren. Dagegen erfuhr die Stellung Heydemanns im Hause der Frau Doktor Driesen eine Veränderung. . Er kam seit einiger Zeit jeden Tag in's Haus und wurde ständiger Tischgenosse beim Mittagessen. Dieser tägliche Besuch ergab sich durch den großen Fleiß, den Frau Driesen im Schreiben entfaltete. Sie schien geradezu von einer Schrelbmarne be fallen zu sein. Wie sie selber, in einem Anflug von Selbstironie, es bezeichnete ihre Verhältnisse erlaubten es ihr, zu schreiben, was sie wollte. Sie war, wie Hendemann allmalig erfuhr,' die Wittwe eines Privatgelehrten, der als bereits bejahrter Mann die junge Friederike Meinhold geheirathet hatte und nach achtjähriger Ehe starb. Er hin tcrließ der noch jugendlichen Frau ein Vermögen, das ihr eine Existenz aus höherem bürgerlichem Fun für Lebenszeit sicherte und ihr auch gestattete sich ab und zu auch kostspieligere Wünsche zu erfüllen. Aber von Natur einfach und an spruchslos, blieb sie das auch. Ihre persönlichen Neize waren nicht aroß genug, um Eindruck hervorzurufen,' und ihr Geschmack war nicht fein genug, um die Aufmerksamkeit auf ihre Person zu lenken. Frau Friederike fühlte diese ihre Mangel, sie suhlte sie dunkel, fast un bewußt, und es that ihr weh. Sie empfand etwas wie Neid gegen ihre um ungefähr zehn Jahre junge Schwe ster, die durch den Nen ihrer Erschei nung die Männer eroberte. Auch Frau Fneoerile wollte etwas gelten, durch irgend etwas Besonderes die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Der Name ihres Gatten hatte zu feinen Lebzeiten einen guten Klang; er war em steifet

ger Arbeiter und Sammler gewesen.

und seine Schriften wurden "wiederholt in Zeitungen gelobt. Aber mit seinem Tode war der schwache Ruhm erloschen. der Name wurde nicht mehr genannt, der einstige Verkehr mit literarischen Persönlichkeiten wurde mit den Jahren immer schwacher, und Frau Fnedenke erschien sich mitunter wie eme bedauernswerthe Prinzessin, die von einem kleinen Fürstenthron herabsteigen munie, um m oer gronen yjia e zu verschwinden. Da las sie eines Taaes in der Sei tung die Nachricht, daß eine Schriftstellerin, die sie einst gut gekannt hatt?, gestorben fei. Die Redaktion, deren Mitarbeiterin die Verstorbene gewesen. widmete ihr emen unqemem warmen Nachruf. Ihre Persönlichkeit wurde liebevoll geschildert, ihr Talent über alle Maßen gelobt, ihre Erzählungskunst verherrlicht, und zum Schluß schwang sich das Lob zu der Meinung c w-r. : . r- r i r naus, uup. uic vajuficn oiccr Erzählerin zu den bleibenden geistigen Schätzen der deutschen Nation zählen würden. Frau Doktor Driesen las den Artikel mit einer gewissen Verwunderung. Sie hatte ja diese Dame gekannt. Es war eine einfache, bescheidene Frau gewesen. die mcht viel Wesens von sich gemacht hatte. Ja, sie schrieb Romane und lebte davon. Aber daß sie so berühmt war, eine so bedeutende Persönlichkeit das hat sie am Ende selber mcht gewußt. Nirn und was diese Frau konnte, sollte sie. Frau Friederike Driesen, nicht können? Ehre, Ruhm Geld wäre ja Nebensache blos durch ein paar Nomane! Plötzlich that sich ein weiter, glänzender Weg bor ihr auf. Jawohl! Auch sie hatte etwas gelernt, sie konnte sich sehr gewandt ausdrüclen, sie konnte ebenso schreiben wie die andere, und sie wollte schreroen. Und Frau Friederike nahm die Feder in die Hand und schrieb. Kriminalromane waren immer ihre Lieblingslektüre gewesen, und es erschien ihr ein leichtes, solche zu erdenken und auszuführen. Sie schrieb fleißig und ausdauernd. obgleich sie nicht den Erfolg erzielen konnte, den sie erhofft hatte. Die Zeitungen und Zeitschriften, denen sie ihre Erzählungen einreichte, schickten die Manuskripte zurück. Alle behaupteten. keinen Raum m ihren Spalten zu haben und mit Erzählungen auf Jahre hinaus versehen zu sein. Auch die Buchverleger, denen sie die Romane anbot, schrieben, daß sie auf lange Zeit mit Verlagsartikeln versorgt seien. So entschloß sich denn Frau Friederike, ihre Werke auf eigene Kosten drucken zu lassen und sie dann unter den weiteren und näheren Bekannten zu verbreiten. Die Mittel hatte sie ia dazu. Und sie schrieb unverdrossen Roman um Roman. Sie träumte. dachte und lebte nur in Kriminalfällen, jede Kleinigkeit gestaltete sich m ihrem Kopfe zu einer sensationellen Polizeiaffäre. Eines Tages davon war sie überzeugt würde sie doch die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenken. und der ersehnte Ruhm würde sich einstellen. Frau Friederike Driesen, die berühmte Romanschriftstellerin" die sen Satz wünschte, wollte und mutzte sie einst gedruckt lesen. Und nun war es wirklich, als ob der Zufall ihr behilflich sein wollte. Der merkwürdige Fall, der sich wenige Schritte von ihrem Hause ereignet hatie und den sie bei ihrem brennenden nteresse für alles Kriminalistische sofort durch Vermittlung ihres Dienstmadchens erfuhr, führte ihr den guten Auaust Heydemann m den Weg. Uno m demselben Heydemann, der ihr anfänglich nur als Objekt für emen neuen Kriminalroman interessant erschien, entdeckte sie einen Privatsekretär, wie man ihn besser und nützlicher kaum erhoffen konnte. Sie wollte ihn nur einige Taae als Abschreiber beschäftigen, und fand nun, Daß er mtqx, weil mehr als ein Abschreiber, nämlich ein ausaeieichneter Gehilfe, der halbverborgene Absichten errieth, der ieivstilano:g ' ' , . - . . t M rfj P: n 4 dachte und geistig arbeitete, der ?lug er'i. ...M . w ' oir.iii.U aanzl?. was man m vei tju""""" vergaß, der verbesserte, was man schiecht aemackt hatte. Und mit dieser Empfindung, mit der unbewußten Soffnuna. daß mit so!chem Gehilfen etwas gelingen müßte. was bisber nicht gelungen war, entfeu tete Frau Driesen einen Fleiß, wie w voryer. dic noaz iriiaz uciucy! Blätter wanderten aus ihren Händen t - c r Ä . r r ' r r. r..r in die evdemanns nur dzi unum schränkten Vollmacht, ganz nach Willkür und eigenem Gutdünken zu versahren. Mehrere Male vermochte die Frau Doktor ihr geistiges Eigenthum gar nicht wieder zu erkennen. Sätze und Gedanken waren 'völlia verändert, es war etwas ganz anderes geworden, ganz r v i r - r . veri Hieven von oem, was i.ie gejuv hatte. Es schien ihm ein besonderes Vergnügen zu bereiten, es anders zu machen, als Frau Friederike es gethan. Ich habe mit erlaubt." sagte e. schüchtern, mit einem ängstlichen Versuch, sich zu vertheidigen. Ich dachte -. . -. es war nämlich nicht ganz folgerichtig, etwas unwahrscheinlich und wenn man noch einen kleinen Gedanken einfügte, so war es gleich natürlicher, und die Ereignisse sind dann einfacher und selbstverständlicher." Frau Doktor Driesen war anfänglich etwas peinlich berührt davon und meinte, daß sie sich nicht mit mit fremden Gedanken und fremden Federn schmücken wolle. Das sei doch dann nicht mehr ganz ihr Werk, wenn es zu

stark verändert weroe. Ader ichneu kam ihr die Erkenntniß. Sie ließ ihn gewähren, ohne allzu viele Einwände zu erheben. Und im Verlaufe der Arbeit schien sie bald sogar mit einer Art Neugier darauf zu warten, was er aus ihrem Manuskripte gemacht habe. Sie

lud ihn täglich zu Tisch und empfing ihn stets mit jener freundlichen SelbstVerständlichkeit, mit der man - einen Menschen aufnimmt, der zum Hause gehört. Anders gestaltete .sich sein Verhältniß zur Schwester der Frau Driesen, zu Edith Meinhold. Wie an dem Tage, als sie ihn zuerst sah, war sie anfänglich sehr liebenswürdig und theilnehmend. Mit weiblicher Neugier und dabei doch mit der Zurückhaltung einer wohlerzogenen Dame fragte sie ihn aus. Sie schien sich für alles zu m!eressiren, was seine Person und seine Vergangenheit betraf. Sie fchien mV. Aufmerksamkeit feine Meinungen zu hören über die Methoden des Unterrichts, über wissenschaftliche Fragen, über Musik, und sie verfolgte das Gespräch mit einer gewissen Beharrlichkeit und Geduld. Ihr ernstes Gesicht erhielt dabei einen freundlichen Ausdruck, und wenn sie ihre dunklen Augen u ihn richtete, wenn sich ihre Züge belebten, wenn sie ihn freundlich anlächelte oder m em fröhlich harmloses, klares Lachen ausbrach, wurde ihm merkwürdig warm um's Herz, und er fühlte da eme Unruve, ein Klopfen, wie er es vorher noch nie empfunden hatte. Aber bald schien es ihm, als ob Edith launenhaft sei. Sie war mcht gleichmäßig. Sie hatte Momente, in denen sie fast unfreundlich war, unfreundlich und kühl aus Gründen, über die sich Heydemann vergebens den Kopf zerbrach. Dann aber überlegte sie sich es, und es that ihr offenbar leid. Sie wurde wieder liebenswürdig und knüpfte ein Gespräch an. Seit einiger Zeit verfolgte sie konsequent em und dasselbe Thema und immer wieder kam sie daraus zurück. Es betraf feine Person, seme Zukunft. Was gedenken Sie zu thun, wenn Ihr Geld nicht gefunden wird?" fragte sie. Er blickte sie an, als habe sie eme unmögliche Behauptung aufgestellt. Wenn es Nicht gesunden wird?" fragte er zurück. Die Polizei muß es eben fmden!" Aber Eony. w:e kann i M nur immer wieder darauf zurückkommen?' meinte die Schwester. Wir werden forschen, wir werden schon noch dahinter kommen. Wenn es nun aber ooa mcht ge funden wird?" beharrte Edith elgensinmg. Es geschehen doch alle Tage Verbrechen, ohne daß man den Urheber entdeckt. Nun. Herr Heydemann. waö wollen Sie dann thun? Dann " sagte Heydemann mißmuthig mit emem resignirten Achselzucken, dann ... ja ich weiß rs nicht. Ich habe nicht die geringste Idee. Ich tauge doch zu nichts. Und wieder nach Hause gehen? Nem! ... Ist alle Hoffnuna vorbei, dann vielleicht em fester Strick oder so was." Aber " wandte Edith ungeduldig ein. Liebe Edith, laß das! sagte die Frau Doktor verweisend. Wir werden schon dafür sorgen, daß Herr Heydemann zu dem Seinigen kommt. . (Fortsetzung folgt.) Fünfundsiebzig Orden. Ein originelles Jubiläum, dessen der Jubilar wohl schwerlich selbst gewah geworden ist, hätte in diesen Tagen der Oöerhofmarschall des deutschen Kaisers, Graf August zu Eulenburg, begehen können. Er erhielt vom Fürsten Ferdinand mit dem Großkreuz des bulgarischen Verdienstordens mit Brillanten seinen 75. Orden. die kleineren Denkmünzen und Medaillen nicht mitgerechnet. Es ist sehr bezeichnend dafür, welchen Charakter das OrdensWesen allmählich angenommen hat, daß heutzutage die Hofbeamten beziehunasweise die in Hofstellunaen befindlichen Offiziere vom Ordensregen weit mehr betroffen werden als die eigentlichen Diener des Staates. Man darf ledensalls annehmen, daß der Graf Eulenburg mit feinen 76 Dekorationen in dieser Hinsicht für ganz Deutschland den Rekord aufgestellt hat. Nelen ihm erscheint der Reichskanzler Graf BUlow mit nur einigen 40 Sternen und Kreuzen wirklich arm, und er übertrifft auch einen preußischen Pnn zen, den Regenten Albrecht von Braun schweig, der seinen Rock gleichfalls nur mit 40 Orden-szeichen schmücken darf. Ja. es ist sogar wahrscheinlich, daß der Kaiser selbst deren nicht so viele sein eigen nennt wie der oberste Leiter feiner Hoshaltung. Die Leipziger Polizei verhaftete auf der Hauptpost einen internationalen Gauner Namens Sckob aus Gmund. welcher an den Rnchsprasirenten Dr. Gutbrod, den dortigen Land Gerichtspräsidenten und mehrere Reichs tagsabgeordnete Erpressungsbriese ricl tete. vertrauen gegen Vertrauen Nachbar (Wemh'andler): Kann man bei Ihnen nicht einmal zugegen sem. wenn Sie Wurst machen,' Mei. ster?" S chlachtermeist er: Das können Sie; zuerst müssen Sie mich aber einmal zufcyauen lassen, wenn Sie . Wem machen.

Feuer - Signale.

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