Indiana Tribüne, Volume 28, Number 183, Indianapolis, Marion County, 27 March 1905 — Page 6
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Europäische Nachrichten. Provinz Fornmern. Stettin. Das Fest der goldenen Hochzeit, feierte der Seifenkocher Johann Sitz mit seiner Gattin, Eisenbahnstraße 12 wohnhaft. Beide Ehegatten erfreuen sich noch großer körperlicher Rüstigkeit. Kom,merzienrath Ernst Vrunnkow, langjähriger Direktor der hiesigen Walzmühle, ist gestorben. In einem Stalle der Brunner Ziegelei ist die 80 Jahre alte Wittwe Holz erdrosselt aufgefunden. Der Verdacht der Thäterschaft lenkte sich auf den Schwiegersohn der Holz, den Zieglermeister August Schultz, der denn auch von der Staatsanwaltschaft verfolgt wurde. Kürzlich wurde Schultz in Brüssow angetroffen. Er brachte sich, als er sich verfolgt sah, einen Revolverschuß in das rechte Ohr bei, der jedoch nicht sosort tödtlich war. Der Verwundete wurde mit der Eisenbahn hierher gebracht, starb jedoch nach seiner Ankunft auf dem Bahnsteige. A n n a b e r g. Der ArbeiterKlappstein stürzte von einem mit Heu beladenen Wagen so unglücklich, daß der Tod sofort eintrat. Klappstein hinterläßt eine Wittwe mit sechs kleinen Kindern. B e e l k o w. Der- hier wohnhafte Vudner Kosel kam -bei dem Bemühen, sein durchgehendes Pferd anzuhalten, zu Fall und wurde infolgedessen von einem Schlaganfall betroffen der den Tod herbeiführte. Groß - Garde. Beim Eislauf verunglückt und ertrunken ist auf dem nahegelegenen See der 18 Jahre alte Sohn des Fleischermeisters Hildebrand. Hohenfriedberg. Der Eigenthümersohn Karl Witt von hier, welcher nach Pollnow gefahren war, um Einkäufe zu besorgen, stürzte, als er auf den Wagen steigen wollte, vornüber und war sosort todt. Lobbe. Das beim Gastwirth Schmidt hier seit fünf Jahren in Dienst stehende Mädchen Anna Wallmann aus Klein-Zicker wurde im Pferdestall erhängt angetroffen. N e u st e t t i n. Auf dem hiesigen Bahnhose wurde der Weichensteller Zell von einem Nangirzuge erfaßt und sofort getödtet. Die Oberin im Lazarett der Correktionsanstalt, Schwefternjubiläum. Panfin. Die diamantene Hochzeit feierten hier die Eigenthümer Berndt'schen Eheleute. Rummelsburg. Der evangelische Jünglingsverein feierte sein 25 jähriges Bestehen, und der Leiter desselben, Kantor Bösel, gleichzeitig als solcher sein 25jähriges Jubiläum. Der Verein, der größte der Provinz Pommern, zählt 204 Mitglieder. Frovinz Schreswig-SoMein. A l t o n a. Als der Gärtner Stender in einem fremden Garten die Bäume von dürrem Holze reinigen wollte, stürzte er beim Absägen eines Zweiges aus bedeutender Höhe herab auf das hart gefrorene Erdreich. Die Sanitätskolonne schaffte den Verunglückten in's Krankenhaus, doch starb er bereits auf dem Wege dorthin. B r e d st e d t. Es starb hier, fast 82 Jahre alt, der in weiten Kreisen bekannte und geachtete frühere Inspektor der Reußenköge, I. M. Jngwerfen; vor V2 Jahren konnte der jetzt Versiorbene mit seiner ihn überlebenden Ehefrau das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Eckernforde. In ihrem Berufe verunglückt sind in der Geltinger Bucht die Fischer Jes Melchertsen und Math. Matthiessen aus Koppelheck. Um ihre Netze zu ziehen, fuhren sie bei stürmischem Ostwind auf die See. Hierbei muß Melchertsen ins Wasser gefallen sein. Sein Schwager hat versucht, ihn zu retten, aber vergebens. Beide ertranken. Heide. Einen schnellen Tod fand die nicht nur hier, sondern auch in der Provinz beliebte Frau Tietz, Frau des früheren Besitzers von Tietz' Hotel". Auf dem Spaziergange wurde sie vom Schlage gerührt und mußte todt m ih re Wohnung getragen werden. Hemme. Im Hause des hiesigen Polizeidieners Steffin entstand Feuer. Das Gebäude brannte vollständig nieder, gerettet wurde wenig. Die Entste hungsursache des Brandes ist unbekannt. Kiel. Beim Oeffnen eines Panzerluks kam der Heizer Franz Nebel aus Pankritz mit dem Kopf zwischen eine Stütze und den plötzlich nachgebenden Panzerdeckel. Nebel wurde so schwer verletzt, daß seine sofortige Ueberfuh rung in das Stationslazareth nöthig wurde, wo er bald darauf starb. Mögeltondern. Der reichste und vielleicht auch älteste Mann tm hiesigen Kirchspiel, Hofbesitzer Hans Brodersen bei der Aue, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Er soll un.gefahr Million hinterlassen haben. Norderbrarup. Lehrer Rig gelsen, in weitestem Kreisen eine geach tete und beliebte Persönlichkeit, feierte sein Lmahriges Amtsmbilaum. Preetz. Beim Schlittschuhlaufen auf dem Kirchsee verunglückte die 12 jährige Tochter des Wächters Steffen, indem sie fiel und mit dem Hinterkopf auf das Eis so heftig aufschlug, daß sie infolge erlittener Gehirnerschütte rung starb. Schwarzhof. Seinen 101 Geburtstag feierte .hier in diesen Tagen der trübere Landmann Klaus Jakobs.
Der Greis ist 1804 in Süderstäpel ge-
boren und halt stch bei seinem Sohne, dem Landmann Joh. Jakobs, auf. Frovinz Schalten. B r e s l a u. Der Rendant der hieiaen Gerichtskasse, Rechnungsrath Weinhold, beging sein 50jähriges Dienstjubiläum. Aus diesem Anlaß wurde ihm durch den Landgerichtsprädenten der Rothe Adlerorden vierter Klasse verliehen. Durch Absturz aus dem zweiten Stock in den gepslasterten Hofraum verunglückte der auf dem Abbruch Vrigittenthal 17 beschäfiate Arbeiter Leuschner, Tschepmerstraße 26 wohnhast. Derselbe zog stch chwere Verletzungen an beiden Beinen (Brüche) zu, welche seine Aufnahme in das Hospital zu Allerheiligen nothwendig machten. Vobile. Die Besitzung des Mullers Seidel wurde vollständig eingeäschert. Außer dem Vieh konnte fast nichts gerettet werden. G l e i w i tz. Der Fleischergeselle Franz Czechaczer aus Pleß, der sich demnächst, vor dem hiesigen Schwurgericht wegen Meineid zu verantworten haben sollte, hat sich erhangt. In Gegenwart seines vier Jahre alten Sohnes erschoß sich der Arbeiter Peter Viok Hierselbst, die Ehefrau und noch diei Kmder waren zur Zeit der That von Hause abwesend. Hundsfeld. Erfroren aufgefunden wurde auf emer Wiese an der Chaussee ein Arbeiter Namens Gottlieb Hartmann. Kattowltz. Das Ruckgrat gebrochen wurde in der Bogutschützer Grube dem Häuer May von hier durch herabfallendes Gestein, so daß der Tod sofort eintrat. . L l e g n : tz. Be: der Eisenbahnstation Wanderhaide auf der Strecke Liegnitz Lüben warf stch der hiesige Stadtrath und Tuchkaufmann Erdmann Koppelt auf die Schienen des herannahenden Eisenbahnzuges und kicß sich überfahren. Kappelt war alsbald todt. In einem von ihm hinterlassenen Briefe sagt Kappelt, daß er freiwillig in den Tod gehe, da er mit Arbeit überlastet und sehr nervös sei. Mi kultschütz. Der Berqarbeiier Baih von hier, der seinen Vater mit der Art erschlagen hatte, wurde zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurtheilt. P r l st e l w l tz. Beim Holzschlaaen in dem nahen Dominialwalde stürzte der Lohngärtner Bunke von einer Buche, die er ausästete, und erlitt dabei schwere innere und äußere Verletzungen. Schwlentochlowitz. Der siebzehnjährige Arbeiter Josef Vrisch erschoß im Streit seinen Bruder. Er stellte sich selbst dem Gericht. Trachenberg. Kürzlich beging hierselbst das Nachtwächter Kadler'sche Ehepaar :n körperlicher wie geistiger Frische das Fest der goldenen Hochzeit. Provinz osen. Posen. Das biessae Sckwuraericht verurteilte die Besikerfrau Pawlack weaen Gattenmordes durck Verabreichung von Gift zum Tode, ihren Geliebten Kostenskr wegen Un terlassuna der Anzeiae des Verbre chens zu drei Jahren Gefängniß und vie ienstmagd Juda wegen Beihilfe zum Morde zu vier Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. - A r a e n a u. Der 12 äbriaen Tockiter deö Arbeiters Piasecki wurden von ihrem älteren Bruder beim hohhadtn aus Unvorsichtigkeit die beiden Mittelsinger der rechten Hand abgehauen. Vor längerer Zeit spielte ein iünaeres Kind derselben Familie mit Feuer und crljtt dabei tödtliche Brandwunden. ,x r a u st a d t. Das seit dem 20. December v. I. vermißte' Dienstmädchen Marrha Henke wurde vonSchlittschuhläufern unter dem Eise auf dem Schwanenteichc entdeckt. Die Leicke wurde sofort geborgen und in die Leicyenyalle gebracht. Groß - Golle. Dieser Taae starb an Lungenentzündung der über 70 Jahr ealte hiesiae Vastor Kruska. Er yat als eelzorger über 40 Jahre, als Ortsschul-Jnspektor 40 ayre mit großer Treue gewirkt. I a r o t s ck. Auf dem Kiesigen Bahnhöfe wurde derZugführer Czajka aus reuzvurg Q.-S. von einer Lo komotive erfaßt und sofort aetödtet. Karls Hof. Den 5alwak'scken Eheleuten, vom hiesigen Vorwerk, ist zur eier iyrer goldenen Hochzeit das t Z. - F jf . . a -w-w . . . uvlie ezazenl von öü Mark bewil ligt worden. L üb sin. Der Eisenbabn-Nck meiste! SJtonig glitt auf der hiesigen tii:. iif..rr.. . ' P lunuii ciiii Nllsi fälligen aus vas Trittbrett des bereits in Beweauna h findlichen Zuges ab und kam unter die mm; er wurde sofort zermalmt. n- - -. R a w i t s ch. Als der WrKriUr Hermann Stock in .später Stunde lerne Woynung m der Breslauer Vorstadt aufsuchen wollte, wurde er in vem Augenblick, als er die Strecke der iegmd-Rawitscker Eifenbabn fi,? schritt, von einem heranbrausenden Zuge erfaßtem Stück mitaescki!st und überfahren; der Tod trat auf der iTY.. .1 cncuc ein Znin. Der Ansiedler Lange aus Friedrichshöhe hat sich in der Zelle des hiesigen Amtsgerichtsgefängnisses an einem Handtuch erhängt. Lange wurde am 13.' December v. I. wegen des Verdachts, an seiner Tochter einen Giftmord begangen zu haben, verhaftet und sollte jetzt nach dem Unkrsuchungsgefängniß in ..Bromberg transportirt werden.
Jndiana Tribüne,
Ein Liebesbrief. Nach dem Schwedischen von G. L. Mit elastischen Schritten und strahlenden Augen kam er die Straße hmaufgesturmt, direkt auf den Postbriefkasten zu, er", de? junge Mann mit dem frischen, frohen Gestcyt und der freien, eleganten Haltung. Als er vor dem weitbauchiaen Kasten stand, sah er sich erst vorsichtig nach links und rechts um und sandte dann einen spähenden Blick hinauf nach dem Reflexionsspiegel der Frau Räthin X. Aber nichts war zu sehen kein lebendes Geschöpf außer ei- . , 7 ij nein kleinen, ruyigen lempnerieyrling, der lustig in den stillen Morgen t: i-rirr r. ? i , yliieiiipslss, oan es aus oen rumgen Straßen der kleinen Stadt kräftig tviederhallte. Da griff der junge Mann schnell in die Tasche, holte einen Bnes hervor und ließ ihn in den Kasten hinao, o veyutsam, all wäre er von femstem Porzellan. Eme Stunde später laq der Brief im Postwagen der Eisenbai zwichen einer Bestellung auf Rapskuchen und einer Postkarte, in der ein Geschäftsreisender um seine im Hotel vergessene Weste bat. Für einen Brief mit einer Aufschrift, die mit fast zärtlichen Buchstaben geschrieben war, eine sehr schlechte Gesellschaft! Nachdem sie aber ewige Stationen zusam men gesayren waren, verschwand erst der Brief mit dem Rapskuchen, dann die Postkarte, und der zarte Damenbrief mit der Adresse: Fräulein Marie Schwalbe in Neustadt" eilte weiter, die ganze Nacht hindurch, bis er von zitternden, rosigen Mädchenfingern m Empfang genommen und eilig geöffnet wurde, bis zwei ganz schmale, zierliche Füßchen auf ihr Zimmer eilten und ein Paar hellschimmernder, brauner, schöner Augen zu lesen begann: Mein Herzensliebling! Innigen Dank für Deinen lieben, lieben Brief! O Marie! Weißt Du. wie viel Minuten wir noch zu zahlen haben? Als ich mich an den Schreionsch setzte, waren es gerade vierundsechzigtausendachthundert, und jetzt ist wieder eine halbe vergangen. Du darfst über meine Kinderei nicht lachen, aber neulich, als meine Sehnsucht gar zu stark war, da schrieb ich an einen Lithographen in 26., wo nie mand uns kennt, und bestellte 100 Visitenkarten: ,.F?au Marie Eich berg." Liebste! Einmal mußt Du sie ja doch haben, und mir war es, als ob diese Bestellung mich plötzlich um eine halbe Woche dem Ziele naher brachte. Ich habe die Karten in meinem Schreibtisch wohlverwahrt, kann es aber nicht lassen. Dir eine zu schicken. Ich fmde ste sehr schon. In jeder freien Minute bin ich in unserem künftigen Heim und schalte und walte darin. Unser Heim!" Lies die beiden Worte laut. Mariechen! . Ach, was gäbe ich nicht darum, wenn ich Dich nur einen Tag hier hatte, damit Du alles sehen und an geben könntest, wie Du es haben willst! Äeißt Du noch, wie gut wir veraanaene Weihnachten in allen Kleinigkeiten übereinstimmten, als wir Tische, Sofas, Spinde aus dem Plane einzeichneten, den ich von unseren vier Zimmern entworfen hatte? Aber nun sind es tausend Dinge, die ich Dich fragen und anzusehen bitten möchte. Du warst ein kleines, verständiges, eigentlich allzu verständiges Mädchen, als Du so bestimmt behauptetest, daß wir für 'das Reisegeld für Mama und mich eine ganze Menge Tischzeug" haben könnten. Wegen der ganzen Menge des schönen Tischzeuges muß ich jetzt vor Sehnsucht vergehen! Wäre doch der Tag erst da, an dem ich die enge Treppe vor Dir hinaufeilen, die Corridorthür weit aufschlagen und die Königin meines Herzens in ihrem kleinen Reiche in meine Arme schließen konnte! Gestern kamen die Waschfässer. Ich muß gestehen, Liebchen, entzückende Fässer. Die Zinkeinlage ist so schmuck und nett, aber doch solide. Von au ßen sind sie grün angestrichen. In der nächsten Woche werden die Gardinen angebracht und genau nach Deiner Zeichnung drapirt. Wie vortrefflich werden sich die cremefarbigen ausmachen, wenn eine kleine, zarte Hand sie zur Seite schiebt und ein dunkler Krausk?pf dahinter einem gewissen Herrn zunickt und zulächelt, der die Straße hinaufeilt, müde und hungrig, aber noch viel glücklicher und froher, wenn er zu ihr" hinaufblickt, zu ihr, die ihm in dem bescheidenen Haufe einen Himmel bereitet. Und dann habe ich einen Backtisch bestellt. Frau Widmann meinte, es sei durchaus nöthig, daß Du einen eigenen hättest, wenn Du einmal Kuchen bäckst. Ach, mein Liebling, man fühlt sich schon so sonnig und warm in dem kleinen Nest, das wir uns bauen. Mir ist zumuthe, als könne keine Wolke unsern Himmel trüben! Und doch weiß ich, daß niemand Kummer und Prüfungen entgeht. Aber wenn ich unser kleines, verstecktes Nest sehe und wenn ich das Gefühl habe, daß wir vom Leben nichts weiter verlangen als uns selbst, da ist's mir, als könnten wir uns vor dem Schicksal selbst an . unserer Brust verbergen. Aber wenn auch die Zimmer klein sind, so glaube ich doch, daß Du die Wirthschaftsräume für geräumig hal-
27. März 1905.
len wirr Der Schaukelstuhl ist schon hier. Darin sitze ich und ruhe aus, wenn ich herauskomme, und sehe Mir mit wirklichen Herrschergefühle die vier Zimmer, d:e Wiener Stuhle, das Bukett und die blaue loneinricktuna an. Und die geschnitzten Hirsche am Büfett blicken mich groß an. als wollten sie sagen: Wann kommt denn deine Marie?" Und der kleine Lehnstuhl am Eckfenster nach- der Straße steht gerade so aus, als ob er meinte: Na, die Hausfrau bleibt aber ein bißchen lange!" Bon meinem Schreibtisch glänzen mir Deine lieben, jungen Augen entgegen neben denen Mamas, die mir allerdings auf dem letzten Bilde etwas trübe erscheinen. Mein Herz kennt kein Weib außer Euch beiden. Die .Neunzehnjährige hat mich der Sechzigjährigen direkt fortgenommen, und doch besitzt Ihr mich beide. Erinnerst Du Dich noch Deines er sten Balles, Marie? Weißt Du noch, wie Dein Herz vor seliger Ahnung klopfte, und die Wangen vor kindlicher Verlegenheit glühten? Denk Dir diese Gefühle vervielfältigt und im Herzen eines achtundzwanzigiährigen Mannes befestigt. Dann weißt Du, was ich jedesmal empfinde, wenn ich die Thür unserer Wohnung öffne, wo Du ganz mein eigen sein wirst. Noch ist es ja recht leer darinnen, aber ich brauche nur die Augen zu schließen, um alles so zu sehen, wie es in sechs Wochen sein wird. 'Dann ist es mir, als sollte ich dem Mädchen klingeln, das in einem Monat kommt und fragen: Ist meine Frau zu Hause, Christine?" Liebchen, du fragst (wohl nicht im Ernst?), ob ich dich immer lieb haben werde, auch wenn die Jugend geflohen, die Rosen auf den Wangen verblüht fein werden und der Lebensherbst das brausende Blut kühler gemacht haben wird. Liebste! Auch unsere Haare werden eines Tages ergrauen, auch unsere Wangen runzelig werden. Und das Blut wird träger fließen als jetzt, der Rücken sich beugen unter des Tages Last und Mühe. Aber ich soll die Königin meines Her zens darum weniger lieben, weil sich in ihre Krone das Silber des Alters gemischt hat? Sollst Du mir deshalb weniger theuer sein, weil Dein Fuß schwerfällig geworden ist, der sich für mich müde gelaufen hat? Aber noch scheint die Frühlings sonne, noch ist das Leben uns viel, sehr viel schuldig! Wir wollen es zusammen fordern, mexne Marie! Ich hätte Dir noch so viel zu sa gen.' Von der Zukunft, von unserer Liebe und meine Sehnsucht! Aber augenblicklich möchte ich Dich nur bitten, Mama zu sagen, daß der Teppich, den sie uns schenken will, mindestens sechs Meter lang und fünf Meter breit fein muß, denn unser Salon ist sechs Meter lanq, und der Teppich soll doch das ganze Zimmer bedecken! Lebe wohl! Ewig Dein Eduard." Teutsche Treue. Einen ganz merkwürdigen Vorfall in dem Leben Napoleon's I. schildert folgendes Geschichtchen: Es war während der denkwürdigen Rückreise Napoleons aus Rußland im Jahre 1812. Bald nadem er sich von seinem Heere getrennt hatte, traf er mit der Division Loison zusammen, die aus 7 französischen Bataillonen, 2 Bataillonen napoleonischer Veliten und 10 Bataillonen Rheinbundtruppen (aus Frankfurt, Thüringen und Anhalt) bestand. Die Deutschen waren in der Mehrheit und überdies befanden stch unter den französischen Truppen zahlreiche, dem Kaiser nicht freundlich gesinnte Piemontesen. Die einen wie die anderen wußten überdies, daß ein russisches Corps unter Seslawin in der Nähe stand. Und nun war der Kaiser in ihrer Mitte. Sein Gefolge war klein eine Compagnie genügte, um alles niederzumachen. Diesen günstigen Augenblick benutzte ein Feind Napoleons, der französtsche Major Lapie, um eine Verschwörung anzustiften, und vermuthlich wäre der Kaiser an diesem Tage ermordet worden, wenn nicht Lapie es vorgezogen hätte, aus dem Spiel zu bleiben". ' Ein Deutscher sollte das Werk vollführen und zwar wurde ein sachsen - weimarischer Grenadierhauptmann v. S., dazu bestimmt. Auch dieser war unter den Verchwö rern. als es aber so weit gekommen war, besann er sich. Er sei zwar ein Deutscher, sagte er, er hasse den Kaiser, aber eben deshalb trete er jetzt zurück. ' , Darüber gab es nun natürlich lebhafte Auseinandersetzungen. Der Hauptmann mußte die schwerstenVorwürfe auf sich häufen lassen, abtt er blie fest und drückte nur immer wieder seine Verwunderung aus, daß Lapie nicht selber an's Werk gehe. Während man noch so debattirte, gab es draußen plötzlich Gemenge. Man eilte an's Fenster und sah Schlitten vorfahren. Im nächsten Augenblick erschien der Kaiser in Pelz gehüllt und setzte sich mit Caulincourt in den ersten derselben. Ein paar Minuten später fuhren die Schlitten davon der Gewissenskampf in der Brust eineö Deutschen hatte dem französischen Eroberer das Leben gerettet.
Einzelne nach dem fernen
Westen sich erstreckende Eisenbahnen, die über großen Landbesitz verfugen, wollen zetzt ihre Leute durch Helmstatten an stch fesseln. Der Plan ist, jedem derselben ein Landstück von fünf bis zehn Acres an der Bahnlinie zu einem mäßigen Preise auf Abschlagszahluns zu überlassen. Im Fale der Arbeiter stirbt oder verunglückt, soll das Land an seine Familie ohne weitere Zablung übergehen, so daß ihr eine Heimststätte gesichert ist. Will der Arbeiter den Dienst verlassen, so wird ihm das eingezahlte Geld nebst Zinsen zurückerstattet. Auf einem 30 Acres enthaltenden Stück Land in der Nähe von Webster City, Ja., führte seitJahren der als Onkel" bekannte James Monroe ein Einsiedlerleben, und als er vor einigen Tagen einen Schlagansall erlitt, glaubte er sein Ende nahe und ließ seine Nachbarn Charles Davis und W. Williams kommen, denen er eine Stelle am Picayune Creek auf seinem Land bezeichnete, wo sie nachgraben sollten. Zu ihrem Erstaunen fanden sie einenVlechkasten, der Z2780 in Goldmünzen enthielt. Auch in seiner ärmlichen Hütte bezeichnete er noch Verstecke, die Geldsummen enthirlten. Auch hat er einen Platz in Omaha angegeben, wo noch $3000 vergraben seien, und es wird sofort darnach gesucht werden. In einem Testament hat er drei Erben für den Nachlaß bestimmt. Als vor Jahren das Goldfieber in Colorado ausbrach, war er einer der ersten, die hinkamen, und hatte sich dort das Geld erspart. Er war ein Geizhals, der sich kaum das nöthigste gönnte, und dazu ein bitterer Weiberfeind. Vor dem New Jorker Vundeskreisgericht stand dieser Tage John Jannson, ein Unionskämpfer aus dem Bürgerkrieg, unter der Anklage des Meineids, indem er unter dem Namen Johnson stch um eine Pension beworben habe. Zitternd stand der Alte vor dem Richter und gestand ohne Um schweife seine Schuld ein. Er sagte: In Folge Trinkens habe er einst die Zeit, für welche er angeworben war. um zwei Monate verkürzt und t des halb ohne gültigen Abschied aus der Bundesarmee entlassen. Als Alter. Krankheit und Noth stch eingestellt, habe er, da er dies unter seinem eigenen Namen nicht thun konnte, .unter dem Namen eines früheren, seither verstorbenen Kameraden Johnson Zuflucht in dem Soldatenheim zu Bath in Maine gefunden und um dies zu ermöglichen, habe er ebenfalls unter dem Namen Johnson ein Pensionsgesuch eingereicht, dieses aber mchk wer ter betrieben. Der Richter fragte nun den Alten, ob er auch an Schlachten theilgenommen habe und er erwiderte: Ich hatte die Ehre, die Regimentsfahne eines Rebellen-Regiments in der Schlacht auf dem Lookout zu erobern und sie persönlich dem General Hooker zu überreichen!" Zur Bestätigung dieser Angabe legte Jannson dem Richter einen vergilbten Brief des Generals Hooker vor, der ihm seine An erkennung für seine muthige That ausspricht. Kaum hatte der Richter diesen Brief gelesen, als er den Alten mit suspendirtem Urtheil freiließ. Jannson gab noch an, er habe Kinder in Nyack, (nicht weit von New Fork), welche für ihn sorgen wurden. Ueber eine Taufe im Eis wird aus Newark, N. I., berichtet: Obwohl die Newark Vay noch von Ufer zu Ufer mit einer festen Eisdecke bedeckt ist, erschien am Sonntag Nach mittag William A. Harris, ein farbiger Baptisten - Geistlicher von Newark, am Newark Bay House, um zwei Mitglieder der Charitable Sisters" in fließendem Wasser zu taufen. Der Geistliche erklärte, daß er zwar geglaubt habe, diese Seite der Bay els frei zu finden, daß er aber trotzdem die Taufe vollziehen werde, wenn er einige Aerte bekommen könne. Sechs Aexte wurden in der Nachbarschaft gefunden, und drei Diakonen, ein Tru stee und ein Aeltester der Gemeinde hieben etwa 20 Fuß vom Ufer einen drei Fuß breiten Gang in das Eis. Nachdem dies geschehen, bereiteten stch die Täuflinge, die 18iahnge Anna Johnson, und die 16 Jahre alte Sufan Brown, für die Ceremonie vor. Rev. Harris trug einen Gummianzug, während die beiden Schwestern" das übliche Costllm der Täuflinge angelegt hatten. Anna Johnson war die erste, welche in das eiskalte Wasser zu waten hatte, und als' das Wasser höher und höher an ihrem Korper stieg, ver lor ste die Lust und schickte sich an, nach dem Ufer zurückzugehen. Habe Muth, Schwester," sprach ihr dann Rev. Harris zu und führte sie zu einer Stelle, wo ihr das Wasser bis an die Hüften reichte. Dann tauchte er das Mädchen dreimal unter. Hiermit war die Taufe vollzogen. Susan Brown spazierte in das Wasser, als ob dasselbe lauwarm wäre, und empfing die Taufe ebenso wie ihre Schwester. Im 94. Lebensjahre ist in Mount Vernon bei New Jork Johann C. Gebmann gestorben, der stch schon im Jahre 1847, aus Unterfranken ein gewandert, dort niederließ. Den amerikanischen Bürgerkrieg machte er. schon von draußenmilitarisch ge cvmi, tavfer als Offizier mit. Als er vor vier Jahren seinen neunzigsten Geburtstag feierte, gingen ihm, als dem Nestor der deutschen Bevölkerung Mount Vernon's, von allen Seiten die s.'Z'ürA" c iliu um vtuaiu ammtm
Unerhörte Frechheit.
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Beamter (nach Bureauschluß zu dem neuen Praktikanten): Sie haben heute so viel gearbeitet, wie drei Collegen zusammen: . . . Hören Sie, wie können Sie, als jüngster Beamter, sich so 'was herausnehmen?!" Ermahnung. Redakteur (zu einem jungen Schriftsteller): Ihre Sachen sind ja eigentlich nicht so übel!. . . Sie hatten aber ueber Spiritist werden sollen, Sie citiren ja fortwährend fremde Geister! Höhere Töchter. Elfa (beim Anblick des Cochinchina-. Huhns): Sieh' nur, das Huhn hat an den Beinen Puffärmel! Hinderniß. Feldwebel: Kerl, Sie kommen ja vierundzwanziz Stunden zu spät vom Urlaub; das gibt vierzehn Tage Mittelarrest! Soldat: Berzeih'n Herr Feldwebel, meine Mutter gab mir diesen schweren Schinken für den Herrn Feldwebel mit. Feldwebel: Nun, das ist etwas anderes; mit dem schweren Schinken konnten Sie allerdings nicht so schnell laufen! Collegen. Gestatten Sie, verehrter Signor Karbatschku, daß ich Sie als Collegen begrüße?" Mann, sind Sie denn auch Thierbündiger?" Gewiß!" ,Was bändigen Sie denn da?" n' j Heringe! Vorschlag zur Güte. Schneidermeister (zu einem sehr großen und korpulenten Studenten): Einen ganzen Anzug soll ich Ihnen machen? Ja, wissen Sie, ein ganzer Anzug ist mir zu viel, lieber will ich Ihnen ein bißchen was pumpen. Durch die Blume. Junge Frau: Ich habe neulich gelesen, es gebe 800 Arten Kartoffeln zu bereiten!" Gatte: Liebes Kind, möchtest Du da nicht wenigstens eine lernen?" Mißverstanden. Baron (über den Besuch der Schwiegermama wüthend): Johann, wissen Sie, wann die Baronin abfahrt?" Diener: Ach die überlebt uns noch alle!" . ..
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